Literaturgefluester

2012-05-23

Schmidt

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:22

„Schmidt“ ist der berühmte Roman von Louis Begley, 1997 geschrieben und 2002 mit Jack Nicholoson verfilmt „About Schmidt“, den ich mit Alfred gesehen habe. Ein böses Buch über das Älterwerden und die „Midlifekrise“ eines New Yorker Anwalts und von Louis Begley habe ich auf diesen Blog auch schon geschrieben, voriges Jahr sein Erstlingswerk „Lügen in Zeiten des Krieges“ gelesen und ihn auch schon einmal in der Hauptbücherei persönlich gesehen. Ein netter charmanter älterer Herr, der glaube ich, Deutsch spricht und der mit einer Schriftstellerin verheiratet ist und so wird auch einiges Autobiografisches in dem Roman über das Leiden des älteren Mannes enthalten sein, hat ja auch Louis Begley Jus studiert und als Rechtsanwalt gearbeitet, bevor seine literarische Karriere begann und Albert Schmidt, die Hauptperson, der amerikanischen Oberschicht angehörend, hat zu Beginn des Buches seine Frau Mary gerade an Krebs verloren. Er hat sich auch frühpensionieren lassen und mit seiner Rechtsanwaltskanzlei einen guten Vertrag ausgehandelt, als ihn seine Tochter Charlotte, mit der er gemeinsam ein großes Haus besitzt, das seine Frau von einer Tante erbte und für das eine ganze Kolonne polnischer Putzfrauen und auch ein eigener Gärtner nötig ist, eröffnet, sie will einen der Juniorpartner seiner früheren Kanzlei, einen Juden, heiraten, was Schmidt in die Krise stürzt. Denn er ist mit dem jungen Mann, obwohl er ihn gefördert hat, nicht einverstanden, hegt Pläne, das Haus der Tochter zu überlassen und auszuziehen und wird von seinem künftigen Schwiegersohn übers Ohr gehaut, weil der ihm um seinen günstigen Vertrag bringt. Schmidt will auch mit seiner Tochter reden und sich mit ihr zum Essen treffen, sie weigert sich aber, wirft Schmidt Antisemitismus vor und zwingt ihn zu Thankgiving, dem großen Amerikanischen Fest, an dem alle teilnehmen müssen, ob sie wollen oder nicht, zu den Schwiegereltern, einem Psychoanalytikerpaar zu kommen. Dort nimmt sich die Schwiegermutter seiner, während die anderen spazierengehen an, und beginnt ihn niederzureden oder zu therapieren und Schmidt, der ehemalige Erfolgreiche, ist seltsam hilflos und kann sich gegen das Älterwerden und dem Familienclan nicht wehren.
In seiner Not geht er in ein Restaurant und lernt dort Carrie, eine zwanzigjährige Puertoricanische Kellnerin kennen und fängt mit ihr ein Verhältnis an. Aber auch das ist schwierig, denn die lebt mit einem Mann zusammen, wurde von ihrem ehemaligen Mathematiklehrer vergewaltigt und der verfolgt nun, zum Landstreicher geworden, Schmidt und am Ende fährt der ihn noch tot. Das läßt sich herrlich psychoanalytisch deuten. Die Tochter zieht den Vater auch noch über den Tisch, denn sie will nicht in das Haus einziehen, sie will auch nicht dort heiraten. Schmidt muß die Hochzeit aber trotzdem zahlen, und seine Tochter auszahlen und dann das Haus verkaufen, wenn er es allein nicht halten kann und die Möbel und das Tafelsilber will die schöne Charlotte auch haben und die Schwiegermutter nimmt noch ein Telefongespräch auf, um Schmidt damit zu erpressen.
Wirklich bösartig, das Leiden des reichen Mannes am Älterwerden, aber auch ein bißchen langatmig zu lesen, aber wahrscheinlich typisch amerikanisch, ist ja auch Philip Roth ein Meister dieses Genres, für ganz so literarisch würde ich Louis Begley nicht halten, er hat aber an seiner Schmidt Serie weitergeschrieben, so gibt es noch „Schmidts Bewährung“ 2000 geschrieben und „Schmidts Einsicht“, auf der letzten Buch-Wien vorgestellt, wo die gute Carrie den guten Schmidt wieder zu verlassen scheint und ich habe inzwischen auch noch „Den Mann der zu spät kam“ in einem der Bücherschränke gefunden und auf meine Leseliste gesetzt und auf Louis Begley bin ich, glaube ich, durch Marcel Reich-Ranicky und „Mistlers Abschied“ aufmerksam geworden.

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