Literaturgefluester

2012-06-05

Veronika beschließt zu sterben

Filed under: Uncategorized — jancak @ 09:55

Jetzt kommt eine Änderung, denn auf meiner Leseliste ist die englische Version des Paulo Coelho Romans eingetragen, dann habe ich aber das deutsche Buch, im „Wortschatz“ gefunden und da das Ganze ohnehin eine Übersetzung aus dem Brasilianischen ist, mich entschlossen, das Buch nur auf Deutsch zu lesen, das 2000, erschienen ist. Damals habe ich die „Viertagebuchfrau“ gelesen und meine Katharina geht dort immer in den Libro lesen und tut das mit „Veronika beschließt zu sterben“, denn die Geschichte einer Frau, die Selbstmord begeben will, in der Psychiatrie aufwacht und danach das Leben lieben lernt, klingt ja interessant und beim Lesen habe ich auch sehr viel gelernt, nämlich, was „Erhöhung“, die mir ja immer vorgeworfen wird, daß sie mir fehlen und ich eins zu eins schreiben würde, bedeuten kann und was ein, ein bißchen esoterisch angehauchter Bestsellerautor daraus machen kann.
Eine phantastische Geschichte nämlich und Psychiatrie heute ist wahrscheinlich anders, könnte man sagen, dann weiß man, wenn man diese Parabel gelesen hat, aber doch einiges über das Leben, über den Serotoninmangel, wie Panikattacken entstehen, aber auch, daß sich die normalen Menschen in der Psychiatrie befinden, jetzt wird Professor Musalek wieder kritisch schauen, aber vielleicht hat er seinen „Coelho“ auch gelesen und wo sich Slowenien befindet, aber das habe ich schon vorher gewußt.
Veronika ist also ein begabtes schönes vierundzwanzigjähriges Mädchen, das alles hat, nur keine Lust am Leben und weil sie die Eintönigkeit satt hat, beschließt sie sich dieses zu nehmen und schluckt dazu alle Schlaftabletten, die sich sich vorher zusammengespart hat und weil das auch ein bißchen fad ist, liest sie dazu eine Zeitschrift und da hat ein Bestsellerautor namens Paulo Coelho etwas über ein Computerspiel geschrieben und stellt dabei die Frage „Wo liegt Slowenien?“, das wurmt das junge Mädchen, das sich gerade in einem Kloster in Ljubljana befindet, wieso man das nicht wissen kann und beschließt als letzte Tat einen Abschiedsbrief an die Zeitschrift zu schreiben und die Frage zu beantworten.
Es kommt aber alles anders als man denkt. Veronika wird gerettet und wacht in der berüchtigten Nervenheilanstalt „Villete“ auf, die früher eine Kaserne war und die, da sich Bestsellerromane ja von Klischees nähren, ein bißchen seltsam ist.
So eine Mischung zwischen „Einer flog übers Kuckusnest“ und der Psychiatrie- Antipsychiatriebewegung alles zusammen, könnte man sagen. Die Krankenschwestern sitzen lesend im Zimmer und wenn ein Patient einen Muckser macht, stehen sie auf und geben eine Beruhigungsspritze, andererseits ermuntern sie einen auch zum Spazierengehen, alle Türen sind offen „Glauben Sie, ich sperre mich unter so vielen Verrückten ein“ und ein Klavier gibt es auch und eine Reihe von Gesunden, die sich hier einquartiert haben, um dem Leben draußen oder den Gerichten zu entgehen, es ist ja kurz nach dem Krieg, die Korruption scheint voll zu funktionieren und mit Geld läßt sich alles machen und der Leiter dieses Paradieses ist ein Dr. Igor und der hat auch seltsame Ideen, er will nämlich beweisen, das psychisches Leiden durch Vitriol bzw. Bitterkeit entsteht und das „Das Bewußtsein des Todes uns das Leben intensiver leben läßt“, so wacht Veronika auf und Dr. Igor erzählt ihr, daß die Beruhigungsmittel bei ihr einen Herzschaden verursachten, so daß sie in ein paar Tagen sterben wird, was bei ihr zunächst den Wunsch es selber schneller zu tun erwachen läßt, sie bekommt aber Spritzen, die ihr einen Herzanfall sumulieren und lernt inzwischen die anderen Patienten kennen. Da ist Zedka, die Depressive oder Mari mit den Panikattacken, die früher Anwältin war und sich in der Anstalt der Bruderschaft anschloß, das sind die Gesunden, die über den Sinn des Lebens meditieren und Eduard der Schizophrene, der das wurde, weil ihn seine Eltern nicht Künstler werden lassen wollten. Das soll Paulo Coelho auch passiert sein, deshalb hat er dieses Buch geschrieben. Eduard erzählt Veronika jedenfalls etwas übers Masturbieren, sie spielt ihm die Mondscheinsonate vor, beide verlieben sich und flüchten. Dr. Igor schreibt seine wissenschaftliche Arbeit zu Ende und macht sich nur Sorgen, was sein wird, wenn Veronika von einem anderen Arzt erfahren wird, daß sie gar nicht herzkrank war, wird sie ihn dann für einen schlechten Arzt halten?
Das Buch ist jedenfalls sehr erfolgreich und in vielen Sprachen übersetzt worden und ich denke, die das, sicherlich ganz anders geschrieben hätte und sich manchmal dachte, das ist jetzt aber schon ein bißchen übertrieben, eigentlich ist alles drin, Sigmund Freud kommt vor, ein bißchen Nachhilfeunterricht über den Krieg in Jugoslawien und vor allem eine großartige Schilderung der Panikattacken, die wissenschaftlich und nicht esoterisch ist und dann ist Dr. Igors Anstalt wieder eine schaurig fröhliche Gruselkammer, wo Insulin und Elektroschocks verreicht werden und da sich die Menschen ja meistens an dem Dramatischen orientieren, werden sie vielleicht lieber das von diesem Buch mitnehmen. Veronika aber hat ihre Lektion gelernt und weil Paulho Coelho ein solcher Erfolgsautor ist, gibt es viel von ihm in den offenen Bücherschränken. „Elf Minuten“ habe ich schon gelesen, „Auf dem Jakobsweg“ wird demnächst folgen.

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