Literaturgefluester

2012-06-20

Gedichtekonferenz

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:07

Die Alte Schmiede hat ja einige lyrische Veranstaltungsreihen, so zum Beispiel, das DichtFest, das Christine Huber mehrmals im Jahr veranstaltet. Die Gedichtekonferenz ist, glaube ich, auch eine Serienveranstaltung, was der Unterschied ist, weiß ich eigentlich nicht so genau, außer daß statt Christine Huber ein anderer, diesesmal Michael Cerha moderiert, den zu hören, ich gestern schon das Vergnügen hatte. Sonst würde ich sagen, es geht um das Gedicht, diesesmal um das experimentelle, was ja eine ganz besondere Ausdrucksform ist, ob das immer so ist, weiß ich nicht so genau, denn ich war, glaube ich, noch nicht so oft bei einer solchen Veranstaltung und es stimmt auch nicht, zumindestens nicht ganz, denn die Slowenin Marusa Krese ist das nicht. Hansjörg Zauner und Ingo Springenschmied aber schon und als ich die Schönlaterngasse hinunterkam, saßen vor dem Beisl gegenüber Herbert J. Wimmer und Christine Huber und als ich die Stiegen hinunterstieg, lief ich in HansJörg Zauner, der wie immer oder meistens einen rosa Anzug trug und eine steile Brille und erzählte ihm, was mir Rudi Lasselsberger am Sonntag gemailt hatte und die beiden sind, glaube ich, auch befreundet, zumindest hat er bei der Eröffnungslesung im El Speta gelesen. Ich suchte mir dann einen Platz, diesmal war das kein Problem und als ich mich niedersetzte, begrüßte mich Margit Heumann und ich machte sie noch einmal auf die offenen Bücherschranklesungen aufmerksam und fragte sie, ob sie dort nicht lesen wolle. Emily Walton wird das auch tun. Dann begrüßte Kurt Neumann und wies darauf hin, daß Marusa Krese, die eigentlich Gast der Alten Schmiede sein sollte, krankheitshalber ausfiel und Michael Cerha ihre Texte lesen würden und der leitete dann auch ein und brachte seine Thesen zu Gedichten vor, beziehungssweise brachte er ein Zitat von Christa Wolf „Ein Gedicht muß nichts bedeuten, ein Gedicht muß nur sein!“ und die fünf Thesen befassten sich mit der Überraschung, der Hellhörigkeit, der Beleuchtung, dem Anregenden und dem Wissen, so soll man wahrscheinlich Gedichte hören oder das kann man davon mitnehmen und dann begann auch gleich der experimentelle HansJörg Zauner, den ich als ich in der GAV Aufnahme fand, in der fröhlichen Wohnzimmerrunde kennenlernte. Er hat sich aber darüber hinaus entwickelt, 1996 beim Bachmannpreis gelesen und natürlich nichts gewonnen, zuerst in der Edition neue Texte publiziert und tut das jetzt bei Ritter, zumindest las er aus dem Buch „Die Tafel schreibt“ und da trifft das von dem nicht Verstehen brauchen, besonders zu, bzw sind seine Gedichte, wie im Alte Schmiede Programm steht „semantische Atrefakte, rätselhafte Wortfusionen und Neologsmen“.
Ich bin ja keine besonders große Freundin der experimentellen Poesie, weil ich mich nun aber schon ziemlich lang und ziemlich regelmäßig damit beschäftige und ihr auch, wie ich denke, wertfrei und offen gegenüberstehe, habe ich inzwischen ein wahrscheinlich recht umfangreiches Wissen und kann mich auch an die vielen Ritter und fröhlichen Wohnzimmer Bücher erinnern, die ich anzusehen hatte, als ich einmal zwei Jahre in der GAV-Aufnahmejury sein durfte. Da habe ich mir gedacht, wer liest das, außer Juroren und ich habe ja schon öfter geschrieben, daß ich einige ungelesene Ritter-Bücher in den Regalen habe. Ich habe auch einmal Herbert J. Wimmer gefragt, wer ihn liest? Er hat gemeint, er hat seine Fans und das stimmt, das kann ich ja beobachten, daß die experimentelle Szene sich regelmäßig anhören geht, während ich keine Stammbesucher habe, aber ich quäle mich ja auch mit dem Plotten, halte das für wichtig und werde demnächst was darüber schreiben, während ich ja erst am Samstag von Helge Streit vorm offenen Bücherschrank hören konnte, daß man das nicht soll…
Dann las Michael Cerha aus dem Krese Gedichtband „Plötzlich wurde es dunkel“ und die slowenische Dichterin kenne ich durch die Wieser-Edition zwei, da habe ich ja einmal einen Schwung Bücher gewonnen, ein Krese Band war dabei. Seither höre ich immer aufmerksam zu, wenn ich ihren Gedichten oder ihren Namen begegne, habe sie in Leipzig, glaube ich, kurz gehört und mich auch auf die jetzige Lesung sehr gefreut. Die Gedichte waren auch ganz anders, es ging ums Reisen, die sie mit ihrer Schwester, einer Fotografin zwischen 1994 und 2010 durch die halbe oder ganze Welt gemacht hat und in einem Vorwort hat sie sich auch sehr über die Dunkelheit des Lebens, des Balkankrieges, der Festung EU oder den türkischen Frauen, die einen fortwährend Tees servieren und den man nicht mehr zuhören will, beschäftigt. „Es werde Licht“, lautete der letzte Satz. Dann folgten neun Texte zu einem Bild und oben stand immer der Ort und die Jahreszahl und Ingo Springenschmid, 1942 in Salzburg geboren, in Vorarberg lebend, den ich höchstens vom Namen kannte, ist wieder ein Lautkünstler, der bei Klever verlegt. So hatte die ganze Gedichtkonferenz auch den Untertitel „Konstellationen von Leben – Orten: Konstellationen von Sprache und Ingo Springenschmid stellte gleich seine Methode vor. Er pickte sich einen Text heraus und kombinierte dann jeweils sechs Worte immer drei mal drei, so daß am Ende ganz andere Texte herauskamen. Sehr interessant, für die realistische Schreiberin, die aber zwischendurch immer auch ein bißchen an den eigenen Text dachte und etwas aufnotierte, nicht immer ganz verständlich, aber schon auch erhellend so mit der Sprache zu experimentieren und neue Erkenntnise zu gewinnen, wie Michael Cerha ungefähr in seinem Schlußwort sagte.

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