Literaturgefluester

2012-06-22

Auf dem Jakobsweg

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:18

Jetzt kommt das Buch zur Reisezeit, nämlich Paulo Coelhos „Auf dem Jakobsweg“ oder auch nicht, geht es ja darin, um eine Pilgerreise und der brasilianische Erfolgsautor, von dem ich schon einiges gelesen habe, findet man ja viel von ihm in den Schränken, hat diesen Weg aus anderen Gründen begangen. Aber ganz zufällig, obwohl ich ja nicht esoterisch veranlagt bin, als ich am Samstag die Iris traf, hat sie mir, die ja bei der Erzdiözese arbeitet, erzählt, daß sie in diesem Sommer mit ihrer Firma Urlaub in Spanien macht, nämlich mit einem Bus den Jakobsweg entlangfährt, täglich zwei Sunden wandert und sonst viel Kultur sehen wird.
Bevor ich mit dem Lesen angefangen habe, habe ich gegooglet und bin da auf ein Einstimmungsvideo „Mit Paul Coelho auf dem Jakobsweg“ gestoßen, das mich sehr beeindruckt hat. Ist mir darin der Erfolgsautor, von dem ich auch schon Kritisches hörte und der nicht alle begeistert, sehr sympathisch schien. Schöne Aufnahmen von dem Weg werden gezeigt und Coelho erklärte, der wieder damit begann, daß ihn seine Eltern, die mit ihm in seinen wilden Jahren nicht anders mit ihm zurechtkamen, ihn auf die Psychiatrie brachten, daß er durch den Jakobsweg zum Schriftsteller geworden ist. Er sagte dann noch etwas, daß man nur den ersten Schritt tuen muß, alles andere kommt von selber, eine Erfahrungen, die ich nicht unbedingt bestätigen kann, aber ich bin ja nicht sehr esoterisch und erzählte dann die schöne Geschichte, wie wenig man zum Leben braucht. Er hat ein schwarzes T-Shirt an, das einen Euro kostete, aber auf dem Pilgerweg ließ er es jeden Abend im Hotel um fünf Euro waschen. Jetzt stecken schon fünfzig Euro darin. Da würde ich mir ein zweites kaufen und das jeweils verschwitzte am Abend selber waschen.
Dann habe ich zu lesen angefangen und es wurde es schwieriger, wahrscheinlich wieder, weil ich nicht esoterisch bin.
Es beginnt mit einer Vorbemerkung, Coelho, der einer Bruderschaft angehört, soll zum Meister werden und dazu muß er, so will es offenbar das Ritual, ein Schwert vergraben, um ein neues zu finden. Das wird ihm aber von seinem Meister verwehrt, weil er noch zu hochmütig ist, das habe ich auch nicht ganz verstanden. Coelho bekommt aber die Aufgabe es wiederzubekommen, in dem er sich auf dem Jakobsweg begibt. Dazu ist er zwar nicht ganz bereit, denn zu viel zu tun, die weltlichen Geschäfte halten einen ja zurück. Seine Frau organisiert es für ihn und er soll sich in der Ausgangsstadt Saint-Jean-Pied-de-Port, erfreulicherweise ist dem Buch ein Lageplan beigegeben, bei einer Madame Savin melden, die ihm alles weitere erklärt. Zu der kommt er fast nicht, obwohl die Eingagstüre ohnehin offen ist, sehr symbolisch, die drückt ihm ein Heftchen mit Quartieradressen in die Hand, erst als er ihr sagt, daß er Pilger ist, hüllt sie ihn in das traditionellen Pilgergewand und erklärt, der Führer Pedro werde ihn erwarten, dem er überall in allem gehorchen muß, auch wenn er ihm den Tod befieht. Da würde ich jetzt auch sagen, das ist Unsinn. Aber ich habe auch die „Zauberflöste“ gesehen und mich über die Freimaurerriten dort schon sehr geärgert und Lehrer Sladky hat etwas Ähnliches, von seinen Schülern auch verlangt.
Der ungeduldige Coelho verpasst auch fast den Führer, wird von diesen oder von sich selbst dann auch in die Irre geführt, bzw. geht er, der keine Augen für den Weg hat und sich noch sehr ablenken läßt, im Kreis herum, aber das gehört auch zu den Ritualen und muß so sein.
Die Muschel das Symbol der Pilger hat Coelho sich auch besorgt und die Aufgabe des Führers scheint es zu sein, die Schüler in die Rituale oder Exerzitien einzuführen, die dann auch in dem Buch angegeben sind. Einige, wie die Atemübung oder alles langsamer zu machen, sogar die, sich das eigene Begräbnis vorzustellen, erscheinen der Verhaltenstherapeutin auch sehr sinnvoll und werden auch schon angewendet. Mit anderen tue ich mir schwer, wahrscheinlich weil mir das religiöse Verständnis fehlt. Es beginnt jedenfalls mit der Übung vom Samenkorn. Die Übung des Schmerzes verlangt, daß man seinen Fingernagel in die Daumenmulde drückt. So rennt Coelho mit wunden Händen durch die Gegend. Es kommt aber noch viel schlimmer, muß er ja auch seinen Dämon besiegen, mit einem Hund kämpfen, der ihn sosehr verletzt, daß der Militärarzt in der Herberge, das Gerücht der Tollwut ausstreut. Er muß einen Wasserfall hinaufklettern und das Kreuz auf seinen Schultern tragen.
Das kennen wir, die wir in katholischen Traditionen leben, denn das Abbild eines Gekreuzigten gilt ja als das höchste Symbol. Der gute Pedro erscheint auch oft sehr undurchsichtig und verlangt Sachen von seinem Schüler, die nicht so leicht zu verstehen sind, er betrinkt sich aber auch und reagiert unfreundlich, als ihm ein Kellner Kaffee auf seine Hose schüttet. Aber das gehört offenbar auch zu den Ritualen. Er trennt sich am Ende des Weges von seinem Schüler und läßt den alleine weitergehen, das hat Coelho aber schon im Vorwort so beschrieben und gemeint, daß das deshalb war, weil er sich, um die Reise amüsanter zu gestallten, sich vorstellte Pedro zu einer Figur aus dem berühmten „Castaneder“ zu machen, den ich auch nicht gelesen habe. Er hat, schreibt Coelho weiter, seinen Führer nie mehr gesehen, ist ihm aber trotzdem dankbar und widmet ihm das Buch. Es kommt, wie es kommen muß. Coelho geht alleine weiter, bekommt noch einige Heiligtümer gezeigt und trifft am Ende seinen Meister, der ihm das Schwert übergibt.
Wieso man ein solches im Leben braucht und alle seine Feine besiegen muß, hat die gewaltfreie Eva auch nicht ganz verstanden, es sei, denn als Symbol nicht aufzugeben und seine Schwierigkeiten zu überwinden, aber das könnte man auch anders nennen und während der Vorbereitungen auf das Buch ist mir noch eingefallen, daß ich einmal in Leipzig eine Leseprobe von einer anderen Jakobsweg Pilgerfahrt bekommen habe, nämlich Felix Bernhard „Dem eigenen Leben auf der Spur“.
Als ich mir vorige Woche die Bücher für den eigenen Urlaub heraussuchte, ist sie mir in die Hände gefallen und so habe ich die dreißig Seiten jetzt auch gelesen. Felix Bernhard ist ein Frankfurter Banker, der durch einen Motorradunfall querschnittgelähmt ist, so ist er 1200 Kilometer des Jakobswegs alleine mit dem Rollstuhl in drei Etappen gefahren. Er schildert in dem Buch seine Motivation, er ist aus der Kirche ausgetreten, aber doch gläubig, eine Freundin hat ihm einmal in Frankfurt die Tafel gezeigt, die darauf hinweist, das hier der Jakobsweg beginnt, die habe ich, als wir 2002 dort waren auch gesehen und mich gewundert, bzw., den Wunsch geäußert, auch einmal den Jakobsweg zu gehen. Aber ich bin nicht esoterisch veranlagt und habe kein Schwert zu suchen, gehe allerdings gern und viel und bin auch schon zweimal mit dem Alfred nach Mariazell gewandert, einmal von Harland, das zweite Mal ab St. Ägyd. Felix Bernhard hat Coelhos Buch auch gelesen, hat schöne Fotos in dem Buch bzw. Leseprobe und berichtet von der Hilfsbereitschaft, die ihm dort begegnet ist und während Coelho mit wunden Händen vom Nägel hineindrücken durch die Gegend stolperte, hatte Bernhard Blasen, weil die falschen Handschue und den Rollstuhl muß man ja auch anschieben. Auf der letzten Seite meiner Probe, berichtet er von einem Glücksbringer einer nicht esoterischen Freundin, die ihn von den Blasen befreite.
So weit mein Einblick in den Jakobsweg kurz vor Beginn der Sommerzeit. Daß der Jakobsweg sehr touristisch ist und viele Leute wahrscheinlich ihr Geld mit dem Verkauf von Souveniers und Rosenkränzen verdienen, ist in dem Video angedeutet und das haben wir auch gesehen, als wir auf unserer Polenreise im letzten Jahr nach Tschenstochau kamen, es sei den Spaniern, die ja das nächste Opfer der Wirtschaftskrise sind, vergönnt und Detail am Rande, als wir im vorigen Jahr nach Polen, aufbrachte, hörte ich im Radio, die Besprechung von Thomas Glavinics „Unterwegs im Namen des Herrn“, der eine andere Pilgerreise sehr kritisch schildert. Dieses Buch habe ich noch nicht gefunden, aber vor ein paar Tagen bei Morawa eine Leseprobe eines aktuellen Bestsellers mit dem Titel „Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry“, der zu einem Briefkasten will und dann tausend Kilometer von Südengland bis zur schottischen Grenze läuft, das auch ganz gut zu diesem Thema passt. Und von Paulo Coelho hätte ich noch „Der Dämon und Fräulein Prym“ auf meine Leseliste zu stellen.

1 Kommentar »

  1. Interessanter Artikel. Ich bin den Jakobsweg selber schon entlang gegangen und ich fand es wirklich toll. Die Erfahrung möchte ich nicht missen.

    Kommentar von Justin — 2012-06-26 @ 16:38 | Antworten


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