Literaturgefluester

2012-06-23

Plotprobleme oder eine Handlung finden

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:03

Der spannende oder realistische Roman wird ja manchmal etwas schief angesehen, da konne man von den großen österreichischen Autoren, wie beispielsweise Gerstl, Jelinek, aber auch von der Frau Mayröcker hören „Handlung interessiert und nicht, wir plotten nicht, nur die Sprache ist wichtig oder auch das experimentelle Wort!“, wie beispielsweise auf der Gedichtekonferenz am Dienstag oder bei der Lesung am offenen Bücherschrank am Samstag zog Helge Streit beispielsweise auch ein bißchen darüber her, obwohl das was er vortrug, durchaus realistisch war und zumindestens Bezug auf den Brunnenmarkt, den offenen Bücherschränken und einem türkischen Reisebüro, das es dort gibt, hatte.
Bei allem bekam oder bekomme ich immer leicht ein kleines Schuldgefühl und denke und „Du tust das, also ist das, was du schreibst nicht gut, so darf man nicht schreiben!“
Auf der anderen Seite wird meinem Schreiben auch immer die mangelnde Erhöhung vorgeworfen „Da passiert ja nichts!“ oder es wurde absolute Detailgetreu verlangt, wie ich beispielsweise einmal über die Ringelspielbesitzer im Wiener Prater schrieb, wurde mir vorgeworfen, daß ich da was erfunden hätte, weil die wahren Besitzverhältnisse andere sind.
Als ich aber einmal einmal bei einem Fest für Rühm in Mürzuschlag war, wurde von einem Kritiker des Jandl- Mayröcker Kreises wieder über den modernen Roman geschimpft, den alle angeblich so schnell schreiben und der nichts wert sein soll und das stimmt ja, als die Frau Mayröcker einmal auf der Shortlist des dBPs stand, hatte sie nur Außenseiterchancen, weil dort meistens die jungen Deutschen mit sehr wohl realistischen handlungsaffinen Romanen gewinnen und wenn man sich ein wenig auf den Schreiberseiten des Internets umsieht, kriegt man auch als erstes zu hören „Show not tell!“ und es wird empfohlen sich sofort nach der ersten Idee ein Schreibcoaching zu holen, damit man weiß, ob der Leser das Geplante auch goutiert und man nicht in leere Kilometer investiert.
Man sieht, es ist also sehr widersprüchlich und man weiß nicht recht, wie man nun wirklich schreiben soll?
„Gut!“, kann man überall hören, „Gut muß es sein!“, denn sonst schmeißen es die Leser weg und die Kritiker wollen es nicht haben. Aber was ist schon gut? Und wo will ich hin mit dieser Einleitung, werden nun meine Leser vielleicht fragen?
Richtig, ich bin am Plotten von „Kerstins Achterl“, will zu einer spannenden Handlung, damit mich vielleicht Resistenz, Arovell, Kitab, etc doch einmal nehmen, aber ich will ja kein Jahr warten und kann mir meine Bücher auch selber machen, aber da waren ja zwei Krisen, die ich bei den letzten beiden Büchern „Der Wiedergeborenen“ und der „Paula Nebel“, nach ungefähr jeweils vierzig Seiten hatte, wo ich dachte „Ich kann es nicht!“ und inzwischen glaube, daß es weniger das Ausgeschrieben sein war, was mich da störte, sondern mehr das Gefühl „Da habe ich jetzt schon wieder ein Buch, das neunundzwanzigste oder dreißigste und keiner nimmt es wahr, bemerkt es, es kommt kein Feedback zurück!“
Ein sehr blödes Gefühl, kann ich vermelden, ich kann es aber nicht verändern, bin aus meinen Krisen, dem unbemerkt Vormichhinjammern auch jeweils hinausgekommen, habe mir ein Literaturgeflüster-Texte-Buch-Konzipiert und weitergeschrieben. Lange vor dem Nanorimo, wie eigentlich geplant, ein neues Projekt begonnen, das jetzt „Kerstins Achterl“ statt „Ein Glas zuviel heißen wird“ und da bin ich jetzt schon weit über den verflixten vierzig Seiten, war am Dienstag, als ich zu Schreiben aufhörte, bei 45 981 Worten, 91 Seiten und 39 Szenen angelangt.
Sehr gut, ich schreibe aber gleich dazu, daß das eigentlich nichts Besonderes ist, denn die „Radiosonate“ an der ich schrieb, als ich mit dem Bloggen begonnen habe, hat 327(Buch)Seiten, die „Absturzgefahr“ vor zwei Jahren begonnen, 59590 Worte und hundertsiebzehn Seiten. Dazwschen kamen immer wieder kürzere Texte „Das Haus“ nach der „Radiosonate“ ist eher kurz geworden, wie zuletzt, die „Paula Nebel“, das ist es nicht, sondern eher das Problem, das ich so bin, wie ich bin und schreibe wie es kann, also mehr an der Realität interessiert, vielleicht auch mit einer eher einfachen Sprache, vielleicht auch an meine Grenzen stoße und dann höre ich nicht mehr als „Schon wieder nichts“ oder „Interessiert uns nichts“
Da fällt mir keine Alternative ein, als aufzuhören. Will ich nicht, natürlich klar und selbstverständlich! Ich schreibe weiter, merke auch, daß ich besser werde, schon alleine durch die ständige Refelexion im Literaturgeflüster. Es wird flüßiger auf der einen Seite, auf der anderen Seite, bleibt es natürlich Eva Jancak, soll das auch und Feedback kommt trotz Literaturgeflüster auch keines dazu.
Was macht man da? Weitermachen und selbstbewußter werden, habe ich mir nach meiner zweiten Krise vorgenommen und das auch zäh und beharrlich, wie ich bin getan und da der Alfred momentan in Streß wegen der Pflegebedürftigkeit seines Vaters ist und nicht dazu kommt, meine unfertigen Bücher weiterzumachen, so daß ich die korrigieren könnte, bleibt mir gar nicht viel anderes über, als Weiterzuschreiben am Entzug der Kerstin Wieland und tue das auch.
Wieder bin ich sehr schnell mit einer oder zwei Ideen losgezogen und weil ich schon aus Fehlern zu lernen versuche, habe ich mir gedacht, das soll mir kein drittes Mal passieren. Ich brauche eine Struktur und habe die bald mit den sechs Wochen, die ein Entzug benötigt, gefunden. Ich habe bei meinen Sachen ja öfter, drei vier Personen mit denen ich dann die Handlung vorwärts treibe, da wirds auch länger. Jetzt habe ich eigentlich nur die Kerstin, die hantelt sich von Woche zu Woche nach vor, auch ein wenig schwierig. Am Freitag von Woche zwei bin ich jetzt schon, habe also immer noch die Chance auf zweihundertfünfzig Rohseiten zu kommen. Realistisch würde ich von hundertzwanzig bis hundertfünfzig Seiten ausgehen. Glaube mich auch im zweiten Handlungsdrittel zu befinden und die Handlung zeichnet sich langsam ab, da ist nach einem Stillstand am Wochenende, Montag, Dienstag viel weitergegangen. Kerstin hat Franz hinausgeworfen, will ihn wieder zurück und trinkt eigentlich aus Verzweiflung ihr tägliches Achterl. In der ersten Woche ist der kleine Hektor aufgetaucht, Mäxchen, Barbara ruft täglich an. Hans Richter und die Pfarrunde waren schon früher da, in der zweiten, hat der Ferdl sie auf einen Tafelspitz eingeladen und sie ist mit den Kindern auf eine Kanalführung und in den Prater gegangen und dann habe ich davon unabhängig, ein literarisches Event beschrieben, nämlich eines, das dem Literaturpreis Alpha, bei dem ich das letzte Mal nicht hineinkam, ziemlich ähnlich ist. Das, denke ich, habe ich mir gegeben und dann ging ich, als ich damit fertig war am Dienstag in die Alte Schmiede und habe während der Präsentation der experimentellen Lyrik dort, meine Handlung weitergeplottet. Allmählich bekomme ich eine Ahnung, wie es werden könnte? Ja, in so ein Nobelsanatorium, wo man um neuntausend Euro, drei Wochen eine Selbstzahlerkur machen kann, habe ich mich auch hineingegooglet und weil ich auf dem Fest der Iris, eine der jungen Frauen dort, erzählen hörte, daß sie sich ihre Therapie durch Pullover an die Therapeutin erstrickt, habe ich das auch hineingenommen. Die Barbara hat ja der Kerstin einen Auftrag zu einer Vernissage gegeben, dafür fotografiert Kerstin schon, sie nimmt das Mäxchen in die Pfarrrunde mit und überlegt, wenn jetzt bald die drei Wochen um sind und Franz zurückkommt, daß sie ihn in seinen Atelier finden wird. Hans Richter hat sie ja auf ein Achterl eingeladen, wenn sie nicht auf seine Vernissage geht. Er könnte aber doch in Kalksburg gewesen sein und das ganze nur eine Finte von Hans und Barbara, um Kerstin abzulenken. Das Franz Krebs haben könnte, daran habe ich auch schon gedacht. Jetzt denke ich, der Ferdl bekommt einen Schlaganfall und die Hellingers könnten sich scheiden lassen…
Das treibt meine Handlung in die dritte und vierte Woche und wenn ich doch unverbesserlich sein sollte, könnte der Clou, den ich jetzt noch nicht ganz durchschaue, vielleicht in der vierten Woche kommen, denke ich und werde demnächst weiterschreiben. Mittwoch war ja eine Pause, weil ich auf einer Tagung in der WGKK gewesen bin, am Donnerstag bin ich erst am zum Schreiben gekommen, weil ich zum Friseur gegangen bin, was auch nötig war und halte jetzt als letzten Stand bei über 103 Seiten, 46 Szenen und 52 156 Worten, der Nanowrimo ist geknackt und ein Monat habe ich eigentlich nicht dazu gebraucht.
Ich mißtraue mir dann immer gleich und fürchte, daß ich nie wieder etwas schreiben werde. Stimmt ja nicht, ich bin eine Vielschreiberin und jetzt habe ich auch schon eine gewissen Sicherheit und kann meine Qualität ein wenig einschätzen und das, was ich am Montag über den Roman von Georgy Dalos hörte, würde ich auch gern für mich gelten lassen, ein leichter lockerer Schelmenroman. Ich weiß nun nicht so genau, ob man einen Entzug, als ein Schelmenstück bezeichnen kann und soll. Die Arbeitslosigkeit des Gabor Kolozs ist das aber ebenfalls nicht. Und leicht und locker klingt besser, als „Du schreibst zu wenig abgehoben und märchenhaft!“, wie der Patrick einmal die „Viertagebuchfrau oder die „Dora Faust“ nannte und ich war beleidigt. Ich schreibe, wie ich es kann und, wie es will und wenn ich mit „Kerstins Achterln“ zufrieden bin, passt es. Denn ich schicke das sicher nicht mehr zweiundvierzig Mal von Fischer über Rowohlt, Residenz bis zu Kitab, sondern berichte im Liteaturgeflüster und denke, ich bin zu finden und wenn man das nicht tut, nun ja, den Rat, es nur für mich zu probieren, habe ich schon vor dreißig Jahren bekommen. Damals war ich empört, heute passts auch nicht ganz, was soll ich aber machen und das Literaturgeflüster ist ein wahrer Segen und die Möglichkeit der Indie-Bücher, die jetzt, wie die berühmten Schwammerln spriessen, sind das ebenfalls, auch wenn sich das noch nicht zu Wikipedia durchgesprochen haben sollte. Ich schreibe und plotte also weiter, so realistisch, wie ich es kann und will, mit meiner Sprache, die glaube ich, ein bißchen flüßiger geworden ist, versuche dem Entzug eine leicht locker abgehobene Handlung zu geben und hantle mich von Szene zu Szene ohne großes Expose, sondern in sich selbst entstehend, voran, werde damit gleich weiter machen und hoffe nur, der Schreibfluß hält noch eine Weile an.

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2 Kommentare »

  1. ohohohoo, das muiß ich mir gleich nocheinmal durchlesen, aber zuerst trinke ich den 3. kaffee und mampf mohnkipferl nach oma-art,anker und ströck sei dank sind frühstück, jause und abendessen, abendessen auch?, hm, ja, werma sehen, gerettet, danke! ich les ja in den letzten jahren sehr wenig, und wenn dann immer nur ausschnitte, ja. ich werde mir jetzt endlich einmal einige ausschnitte aus einem deiner bücher vornehmen, du hast mein interesse spätestens mit diesem geflüster unbedingt geweckt, aber ich sags gleich, ein ganzes buch werd ich wahrscheinlich sicher nicht, aber wir werden ja sehen, okay, bis später. übrigens ist meiner meinung nach der gegensatz von realismus und experiment längst wie es so schön heißt obsolet, also obstsalat im gemüsegarten mit grilljause und einem faßl bier oder so. ich denk in den 70erjahren, sagen wir halt mal so jetzt, war das eine interessante debatte, aber war meiner meinung nach auch damals schon ein obstsalat, aber wurscht ist ja eine gefüllte haut und vielleicht auch eine gefühlte, wer weiß das schon, hauptsache es schmeckt, stimmts? und wenns nicht schmeckt isses ja auch wurscht, oder? auf jeden fall sollte es für alle schreibenden menschen viel geld geben, damit sie schreiben können dürfen sollen wollen tunfischdosenscherzkeks nu amoe teifi eini teifi aussi himmelarschundzwirn! und überhaupt mindestens 2000 euro grundeinkommen für alle und neamd soll mehr als 7000 euronen im monat, wos eh wahrscheinlich scho wieder vü zvü ist, verdienen! dann täte es schon sehr viel anders ausschauen auf der welt, gelt? entgelts gott! entgelts göttin! himmlisch, halleluja! jetzt aber wie gesagt kaffee, mohnkipferl, jancak-buch, huch, wie die wohnzimmers sagen und das märchen vom verwicklungsroman so schön hegen und pflegen! habedieehre! herzlichst rudolf, mit einer mittäglichen sonntagspredigt, ja.

    Kommentar von rudolf lasselsberger — 2012-06-24 @ 13:00 | Antwort

  2. Na, das sind schöne Pläne, wer fein wenn sich was davon verwirklichen ließe, in den krisengeschüttelten Zeiten, in denen wir derzeit leben, wäre ich da skeptisch, aber hoffentlich hat wenigstens das Frühstück geschmeckt?
    Das mit der mangelnden Wertschätzung des realistischen Schreibens, ist etwas, was ich schon so erlebe, aber wahrscheinlich reagiere ich sehr empfindlich darauf, weil mir ja die persönliche Wertschätzung fehlt. Habe aber schon einige Haslinger-Kritiken gelesen, die mich den Kopf schütteln ließen. Allerdings ist es genau das, was die Leser wollen. Nur die, die nicht so schreiben, erklären den Realisten dann so darf man das nicht! Das habe ich einmal in der Alten Schmiede so erlebt, daß das ein Experimenteller dem Vladimir Vertlib so sagte, aber der hat sicher eine größere Auflage als Autor XY.
    Ja, man kann es eh nicht ändern, es ist wie es ist und ich beschäftige mich derzeit auch mit der Frage, was muß ich machen, einen Verlag zu finden? Und dann suche ich gar keinen, also ein bißchen widersprüchig, ich weiß. Daß du mich lesen willst freut mich. Tu es soviel du magst, Spaß hast und es dir gefällt. Ich habe mir ohnehin schon gedacht, vielleicht magst du einmal den Text für eines meiner Bücher schreiben? Da kommt sicher etwas Lustiges heraus!

    Kommentar von jancak — 2012-06-24 @ 21:35 | Antwort


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