Literaturgefluester

2012-06-26

Sünde Güte Blitz

Filed under: Uncategorized — jancak @ 10:03

Vor 190 Jahren ist E. T. Hoffmann gestorben, eine vielleicht seltsam anmutende Einleitung zur Beschrechung des 2007 erschienen Romans „Sünde Güte Blitz, des 1953 geborenen Bachmannpreisträgers von 2000, Geog Klein. Aber in diesen in der Stadt G. handelnden Roman, die zur zweiten Hälfte in Polen liegt und wie die Rezensenten verraten, Görlitz ist, spielen sich wahrhaft seltsame Dinge ab.
Denn da dringt bei der Hausmeisterin Angela, einer arbeitslosen Physikerin, Samstags ein nackter Mann in die Wohnung ein, den sie mit einem Elektroschocker bändigt und erzählt, was sich im im letzten halben Jahr von Jänner bis Juni im Haus ereignet hat, in dem zwei Düsseldorfer Ärzte Weiss und Schwartz genannt, eine Praxis aufmachten. Angela mußte sie herumführen, Weiss der einen roten Rucksack hat, nahm überall Maß, die Hausmeisterin mußte ihn später auch bei der Istallierung der Telefonanlage helfen, drei Sprechstundenhilfen werden engagiert, eine ist Elena aus der polnischen Hälfte und Angelas Freundin, die alternde Schauspielerin Elvira Blumenthal wird Weiss Patientin und beginnt sich bei ihm, der ein hervorragender Diagnostiker ist, auffällig zu verjüngen. Angela verletzt sich an der Hand, wird von Schwartz verarztet, der in Weiss Kittel eine seltsam stinkende Socke findet und nach und nach bekommt der Leser heraus, daß in diesem Roman, der auf der einen Seite ganz realistisch das West Ost Gefälle schildert, alle ehemaligen DDR Akademiker sind jetzt Hausmeister oder machen, wie Angelas Kollegin Gudrun ein Fitnessstudio auf, auch viel Übersinnliches passiert und sich der Autor über die Wissenschaftsgläubigkeit in rasanter Art und Weise, dem Leser immer eine Spur voraus, so daß dieser sehr aufpassen muß, mitzukommen, lustig macht.
Auch der Aufbau des Buches ist interessant. Das erste Kapitel heißt Sonnabend, da kommt der Nackte zu Angela, dann geht es weiter bis Juni, danach folgt auf hundert Seiten der Sonntag und da geht es rasant auf die polnische Seite, wo es eine Ausstellung über den Wunderheiler Gottlieb Ameis gibt. Über diese Ausstellung gab es schon ein Plakat bei Angela, sie schlug auch ihrem Eindringer, der alles wissen will, sich in dieser Welt erst zu orientieren scheint und trotzdem Gedanken lesen kann, vor, diesen Namen anzunehmen. Er will aber Immanuel heißen. So geht Angela zuerst mit ihm ins Kaffee, um zu frühstücken, dann taucht aber Weiss auf, dessen „Söhnchen“, das er vor einem Jahr in Düsseldorf geboren hat und das in seinem Bett schläft, so daß er seine Geliebte Elena nicht in seine Wohnung nehmen kann, was diese eifersüchtig macht und das auch in der Praxis in einer Lade liegt, um mit ihm gemeinsam die Patienten zu heilen, bzw. im roten Rucksack herumgetragen wird, entwichen ist. Dieses wird Sportsfreund genannt und kommt zu Elvira Blumenthal, die auch alle Geheimnisse wissen will, Immanuel ist der Sportsfeind und alle treffen sich in dem Museum und der Baum unter dem Gottlieb Ameis seine Wunder vollbrachte, fängt zu brennen an, bzw. hat Angela ihren Taser wieder benützen müßen. Schwartz, der mit Elena auch in die Ausstellung kam, hat Krebs und am Ende mietet sich Elvira eine Wohnung im polnischen Teil der Stadt und verbringt dort mit dem Makler wahre Liebeswunder und führt ihn in die Liebe ein.
„Großartige Bilder, ungeheure Ereignisse, deutsche Gegenwart – ein Roman über Wissen, Vertrauen, Transzendenz. – Georg Klein erfüllt, wie kein anderer Schriftsteller seiner Generation die Forderung, daß Literatur nur dann wirklich zählt, wenn sie sich als sprachliches Kunstwerk begreifen läßt“, steht auf der Buchrückseite bzw. schreibt die „Literarische Welt.“
Georg Klein wurde, wie bereits erwähnt, 1953 geboren, hat 2000 den Bachmannpreis gewonnen, seither kenne ich seinen Namen. die Detektivgeschichte „Barbar Rosa“, habe ich, glaube ich, 2005 in der Abverkaufskiste bei Hugendubel in Leipzig gefunden und nicht sehr viel davon mitbekommen. 2010 hat er für „Roman unserer Kindheit“ den Leipziger Buchpreis gewonnen und scheint ein sehr interessanter Schriftsteller und Genremischer zu sein, der gar nicht so experimentell ist, wie ich angenommen habe. Das Buch stammt einmal nicht aus den Bücherschränken, sondern von den Buchlandungs Eineuroabverkäufen, was auch sehr viel über die Verlagspolitik und das Leserverhalten aussagen kann.

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