Literaturgefluester

2012-07-01

Rohtextrapport

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:34

Pünktlich zu Beginn der Sommerfrische kann ich schreiben, daß der Rohtext von „Kerstins Achterl“ einmal steht. Die aktuellen Zahlen sind dreiundfünfzig Szenen, hundertvierzehn Seiten und siebenundfünfzigtausendeinhundertachtundsiebzig Worte. Die Euphorie ist nicht mehr ganz so groß, wie sie noch vor eineinhalb Wochen war, als ich in der Alten Schmiede saß und statt den konkreten Dichtern zuzuhören, in mein Notizbuch schrieb und schrieb. Dann kamen ein paar schlaflose Stunden in einem schönen Wellnesshotel in Göstling an der Ybbs, wo ich zwar mein neues Notizbuch, aber nicht den Text mithatte und das mögliche Ende aufnotiere. Zwei Szenen werden es noch werden, habe ich dann etwas später geschrieben. Die stehen jetzt und gehören natürlich, korrigiert und korrigiert. Dafür habe ich jetzt auch einen schönen Schreibesommer, so daß erfahrungsgemäß noch ein paar Seiten wegkommen werden. Einen Schreibbericht kann ich dennoch geben, bin ich ja eine strenge Kritikerin und so denke ich natürlich, hallo, da hast du am 22. 5. mit dem Schreiben angefangen und bist am 30. 6. mit dem Rohtext fertig. Das kann doch kein guter Roman werden? Aber ja, doch natürlich! Denn das Ziel mit den hundert Seiten ist ja geschafft und überschritten und ich kann allen nur empfehlen, wenn man sich eine Struktur gibt, an die man sich anhalten kann, geht es auch. Schreibt man nur ins Blaue, was auch gut sein kann, wie ich es bei der Paula Nebel tat, ist man vieleicht nach fünfzig Seiten fertig und hat eine Novelle. Die Struktur hilft wenigstens mir sehr und in große Fallen bin ich diesmal nicht gestolpert. Auch das, was ich „An die Wand schreiben“ nenne, ist diesmal nicht passiert. Bei den letzten zwei Texten war das so. Bei der „Wiedergeborenen“ sogar sehr stark, denn da wußte ich nicht recht, wie ich das mit den drei Figuren, Großmutter, Mutter, Tochter, machen soll und hab die Theresa am Anfang erzählen lassen und war schon festgelegt. Diesmal hat sich das Problem kaum gestellt. War das, worüber ich geschrieben habe, ja ziemlich neu für mich, so daß die Gefahr, daß ich mich zu schnell in meine Klischees hineinbegebe und zu nichts Neues komme, diesmal nicht so passierte. Am Schluß, den letzten zwei Szenen, die gestern und vorgestern geschrieben habe, bin ich wahrscheinlich doch hineingekommen und muß überprüfen, was ich daran ändere? Aber das Ganze immer wieder durchkorrigieren, ist etwas, was mir sehr hilft und das muß ich jetzt gründlich tun und bezüglich Schluß wahrscheinlich kritisch fragen „Wiederholst du dich da nicht zu sehr und mußt es vielleicht doch verändern?“
Ich behaupte ja sehr oft, das Bloggen über mein Schreiben hilft mir sehr. Denn mein größter Feind, ist ja meine Hemmung und das „Das darfst du und das kannst du nicht!“, in meinem Kopf, das sofort da ist und sich so einfach nicht vertreiben läßt.
Da war die Verhaltenstherapeutin diesmal erfolgreich und hat den inneren Zensor wenigstens für kurze Zeit auf Urlaub geschickt.
„Doch kann ich schon!“ und, daß, was ich da über die Schwierigkeit die realistische Texte haben können, beklagte, hat sich am Freitag im Literaturhaus ja auf vorderster Front widerlegt. Robert Schindel schreibt ja auch Schlüßelromane und darf das tun und ein Schlüßelroman ist „Kerstins Achterln“ gar nicht und Literatur kommt nur an einer Stelle vor, nämlich dort, wo Kerstin bei der Literaturgala fotografiert und dabei eine kleine Bloggerin beobachtet, die in den erlauchten Rahmen nicht hineindarf, obwohl die Veranstaltung öffentlich angekündigt war. Das habe ich mir erlaubt und jetzt werde ich mir die nächsten Wochen Zeit nehmen, mein kritisches Augen auf die hundertvierzehn Seiten zu werfen und wenn es geht, immer dort, wo es noch zu flach ist und es nicht stimmt, korrigieren und ändern. Stimmt, das muß ich noch lernen. Bin ich ja eine, die aus lauter Freude, daß überhaupt was weitergeht, vielleicht drüberschreibt. Also immer wieder „Aufpassen, Eva!“, rufen. Sonst bin ich zufrieden und denke schon, ich bin besser als mein Ruf und daß der sehr schlecht ist, konnte ich ja leider erst am Mittwoch merken, am Freitag kam aber das Aha-Erlebnis, mit dem „Das kann ich eigentlich auch!“ und traurig nur, daß ich das offenbar nicht rüberbringen kann. Wie zeige ich das her, wenn die Leute, denen ich meine Bücher zeigen, die gar nicht mehr anschauen und nicht zu meinen Lesungen gehen? Da kommt jetzt auch noch die reale Gefahr dazu, daß es dauern kann, bis das korrigierte Manuskript zu einem Buch wird, da der Alfred derzeit keine Zeit dazu hat und ich das allein nicht kann oder erst lernen muß. Aber vielleicht mache ich das, wenn ich mit dem Korrigieren fertig bin, statt mit dem nächsten Text zu beginnen. Notfalls müssen meine Leser mit meinen scharfen „ß“ und meinen Beistrichfehlern leben.
Also keine verzweifelte Stimmung bei meinem letzten, wieder sehr schnell entstandenen Roman. Was ja nichts macht, sondern gut ist, daß ich eine so Schnelle, so Beharrliche und Disziplinierte bin. Was mir fehlt, ist nach wie vor die Anerkennung und die kann mir auch das Literaturgeflüster nicht so, wie ich es mir wünsche, geben, aber jetzt kommt manchmal die Erkenntnis, wenn ich meine Texte mit denen der anderen vergleiche. Da hilft das Lesen auch viel weiter und da hätte ich in den letzten Tagen auch meinen Sommerlesestoff mit Friedrich Torberg, Anne Frank, Peter Weiss, etc in den Bücherkästen gefunden. Aber ich habe ja meine Leseliste und da steht auch Spannendes darauf.
Trotzdem sage ich mir wieder „Langsam, Eva!“ und werde, nach dem Radfahren und dem Baden, als nächstes kommt „Nachricht an alle“ von Michael Kumpfmüller zum Lesen dran und den anderen Sommerfrischenvergnügen, so genau, wie ich es nur kann, mit dem Korrigieren beginnen und mir ein paar aufrechte Leser wünschen, die mein Besserwerden, vielleicht bestätigen, weil man ja das objektive Feedback braucht. Aber es ist, wie es ist, ich kann diese Welt nicht ändern, nur weiterschreiben bzw. korrigieren und schauen, daß ich aus den Fallen, in denen ich sicher noch drinnen bin, herauskomme. Schauen, wo noch Fehler sind, wo es noch nicht passt und sonst mit mir zufrieden sein, was ich nach 1103 bzw. 1107 Artikeln und zwei Tage vor dem vierten Geburtstag des Literaturgeflüsters, wohl auch darf!

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