Literaturgefluester

2012-07-07

Zweiter und dritter Lesetag

Filed under: Uncategorized — jancak @ 15:54

Und Freitag ein wahrhaft fulminanter Reigen von lauter starken Stimmen, vier weibliche, die letzte kam von einem Mann und zeitweise wußte man nicht, hat man jetzt die Preisträgerin, wird sie Mahlke oder Martynova heißen und geht es sich für einen Preis für Cornelia Travnicek aus, was ich eigentlich nicht bezweifelte.
Aber wieder Geduld, liebe Eva, denn morgen ist auch ein Tag, wo noch vier Autoren lesen werden. Trotzdem war es heute interessant. Zur Einstimmung kam ein Video aus dem Literaturcafe, wo man gleich einmal Cornelia Travnicek sehen konnte und von dem Fest in Maria Loretto erfuhr, das ich in Harland ja versäumte und nach meiner Radfahrt nach Wilhelmsburg gestern mich eher niedergeschlagen an die Korrektur meines Textes machte und wieder dachte, so vielschichtig bin ich doch nicht und mich gerne ablenken ließ, als mich der Alfred aufforderte, ihm bei der Gartenarbeit zu helfen.
Das erste Video wurde im Saal und im 3-Sat gezeigt und die 1977 in Hamburg geborene Inger-Maria Mahlke ist die, die in ihrem Portrait, Farben vermischte.
„Endlich mal ein originelles Portrait!“, schrieb man, glaube ich, im Literaturcafe und ihr namenloser Text, vorgeschlagen von Burkhard Spinnen, ist der, dem ich bis jetzt den Preis wünsche, auch wenn in der Jurydiskussion, über die „Du-Perspektive“ diskutiert wurde und Maike Feßmann gegen ihn war. Mir hats gefallen, die Geschichte einer alleinerziehenden Mutter, die, wie gesagt wurde, im gnadenlosen „Du“ erzählt, wie das Überleben mit Hartz IV passiert. Das Wegräumen der Legosteine des Sohns Lucas, die Arbeit im Backshop, das Gekündigtwerden und dann das Anlegen der Maske, um als Domina in einem Sado-Maso-Schuppen „Karriere“, zu machen. Ich habe den Text sowohl sehr schön erzählt, als auch sehr realistisch gefunden und dachte dann, Cornelia Travnicek hat gleich zweimal Pech. Erst einmal, nach einer möglichen Preisträgerin zu lesen, es könnte auch sein, sie hat davor gelesen und dann mit einem Text, wo das Erwachsenenwerden mit dem Begraben, nicht mit dem Biß, eines Hundes passiert, also sehr ähnlich, wie der Moster-Text, wofür sie sich, wie man in ihren Tweeds bzw. Interview hören konnte, auch entschuldigt hat.
Ich kenne die 1987 in Traismauer geborene Cornelia Travnicek schon sehr lange, nämlich seit sie einmal beim Exil-Preis, der Christa Stippinger gewonnen hat, dann kam ihr Roman „Die Asche meiner Schwester“ 2008 und die Buch-Wien in diesem Jahr, darüber hat sie, glaube ich, im Literaturcafe berichtet, so bin ich mit ihr im November in persönlichen Kontakt gekommen, habe 2009 in der Alten Schmiede mit ihr gelesen und verfolge ihre Tweets, facebook und Blogeintragungen, weil man, dadurch sehr viel vom Leben einer Jungautorin erfahren kann, die lange auf die Einladung zum Bachmannpreis gewartet, bzw. schon vor Jahren für das literaturcafe eine Serie „Bis Klagenfurt anruft“, geschrieben hat.
Danach kam Olga Martynova, 1962 in Russland geboren, in Leningrad aufgewachsen, in Frankfurt lebend und, wie ich inzwischen ergooglet habe, mit Oleg Jurjew verheiratet, dessen „Von Orten – ein Poem“, ich bei Fix-Poetry gewonnen habe und das auf meiner Leseliste steht.
„Ich werde sagen „Hi“, heißt ihr Text, den ich, weil ich, währenddessen mein Mittagessen machte, nicht so aufmerksam verfolgte. Er wurde von der Jury aber sehr gelobt und nur ein bißchen angemerkt, daß „sagte“ sehr oft vorkäme, was einem in der Schule von den Lehrern hinausgestrichen werden würde.
In der Mittagspause gabs ein Portrait von Margret Atwood und eine Diskussion, die ich verschlafen habe. Mit dem lieben Otto habe ich auch gemailt und ihm meine Eindrücke wiedergegeben. Am Nachmittag ging es mit Lisa Kränzler weiter, 1983 geboren, die auch eine neue starke Stimme ist und von der Sexualität im Kindergarten, den Mißbrauch und den sozialen Unterschieden erzählte und zuletzt wurde nochmals E.T.A Hoffmann, den schon Olga Martynova zitierte, erwähnt, denn da wurde es in Simon Froehlings Text, einem 1978 geborenen Schweizer, übersinnlich und auch ein wenig kitschig.
Beginnt es doch mit „Mein Name ist Regina Maria Dietschi, gestorben am letzten Julitag dieses Jahres“ und man erfährt von einem Studenten namens Max, der im Hörsaal zusammenbricht, auf der Intesivstation erwacht und nach und nach erfährt man, es geht um eine Nierentransplantation.
„Ich werde dich finden“, heißt der Text und die Jury war ein bißchen ratlos, beziehungsweise überbot sie sich mit Beispielen, wo das in der schon besser gelöst wurde. Bei Sabine Gruber beispielsweise und was hätte E.T.Hofmann für eine Gespenstergeschichte daraus gemacht?“, fragte, glaube ich, Burkhard Spinnen.
Dann ging es vor das ORF-Theater und da wurde diskutiert, wie sich der Preis in den sechsunddreißig Jahren, den es ihn schon gibt, veränderte, bzw. welche Skandale es gegeben hat.
Rainer Goetz, hat sich in den Hals geschnitten und Marcel Reich-Ranicki diskutierte, bis einer im Publikum, als das Blut schon zu ihm tropfte, rief, er halte das nicht aus und dann gab es auch den Text „Baby ficken“, der eigentlich einen strafrechtlichen Bestand schilderte, so daß einer der Juroren nach dem ‚Richter rief, etc.
Das wars, das Wetter hier sieht ein wenig nach Gewitter aus, trotzdem werde ich mich wieder auf das Rad schwingen, denn vieleicht gibts in St. Pölten ein Hauptstadtfest.
Und weil ich nachher noch eine große Stimme des altösterreichischen Literaturbetriebs besprechen wollte, schließe ich gleich mit dem Samstag an, wo als erster Matthias Nawrat, 1979 in Polen geboren, in Biel und Bamberg lebend und am Bieler Literaturinstitut studiernd, gelesen hat.
In seinem Filmchen sitzt er auf der Straße, grinst spitzbübisch in die Kamera, sagt, daß er Bier liebt und beim Essen nicht beobachtet werden will und las, wie die Jury befand, von einer sehr merkwürdigen Familie. So merkwürdig fand ich den „Unternehmer genannten“ Text, nicht einmal, gut er war ein wenig abgehoben und rätselhaft, aber das müssen Bachmanntexte ja sein, mir aber sehr sympathisch und eine Fortführung des Mahlke Textes. Hier ist es die Familie, erzählt von der menstruierenden Tochter, die ihr Hartz IV Glück im Schwarzwald versucht. Sie schlachten Computer aus und träumen von einem Haus in Neuseeland.
„Sie werden nie hinkommen!“, sagte später die Jury, was die alles weiß? Und verglich es mit Hänsel und Gretel. Der Sohn hat dabei seinen Arm verloren, die Mutter kocht Karottenlasagne und die Tochter verliebt sich in einen Arbeitslosen und wird die Familienidylle wohl verlassen.
So weit, so waht und gut gemacht würde ich sagen. Dann kam Matthias Senkel, das ist der, der sich bei seinem Portrait zeichnen ließ, 1977 geboren, in Leipzig lebend und der machte etwas, was sich von der Familien-Tier-Idylle, die wir diesmal hatten, deutlich abhob. Er portraitierte den Literaturbetrieb, das darf man nicht, habe ich schon gelernt und er wird daher den Preis wahrscheinlich nicht gewinnen. Mir gefällt soetwas aber sehr und es war noch sehr bedächtig, fast altmodisch gemacht. Das Erholungsheim für Schriftsteller mit Schreibblockaden, die dort ihre Romane schreiben, verfolgt, überwacht oder was immer werden und die Jury natürlich spaltete. Wer hat ihn vorgeschlagen?, fragte sich das Literaturcafe. Mich hats ganz ehrlich auch gewundert, daß das Herr Jandl war, der seinen Schützling dann auch einsam und vehemt verteidigte. Dann kam Leopold Federmair, der ja schon vor einer Woche einen Preis bekam und ging wieder zurück in die erste Jugendliebe, erzählt von einer Kellnerin, die es mit einem Pubertierenden namens Aki treibt, der Akne hat, der traut sich auch was, später Banker wird und so trifft sie ihn wieder, in einer Bank und denkt an die Stunden damals, als es Aki mit seinem Erdbeerpenis schlafwandelnd durch das Gasthaus trieb.
„Ältere Männer sollten nicht über Sex schreiben!“, twitterte das Literaturcafe und Leopold Federmair traute sich noch etwas von dem es mich eigentlich wundert, daß es so bewertet wird. Er war nämlich der Aktionist des Wettbewerbs und zog, während die Jury über ihn herzog sein Handy, nicht sein Messer, hervor und fotografierte die Jury. Interessant, daß das schon als Aktionismus gilt! Inzwischen begleitete Cornelia Travnicek, wie ich durch Twitter weiß, die letzte, die 1976 geborene Isabella Feimer, in die „Maske“ und die setzte dann gleich fort mit den Kindheits-und Tiererinnerungen. Sehr schön erzählt, aber nach sovielen Vortexten vielleicht ein wenig abgelutscht, würde ich mal flapsen. Eine Frau will einen Mann verlassen, weil sie der mit seinen Kindheitserinnerungen, wie die Oma die Hühner köpfte und die Burschen, die vorher besoffen machten, was man um die Jury zu ergänzen, schon bei Wilhelm Busch gelesen hat, nervte. Sie will selbstständig werden und sich die Strümpfe endlich mal so, wie sie es will, anziehen und kann es dann doch vielleicht nicht und die Kritiker beklagten draußen im Garten die mangelnde Originalität des Jahrgangs.
Aber wenn man die hat und eine tote Frau die Geschichte erzählen läßt, ist es auch nicht recht. Dann schon lieber den ersten Sex, die Hunde und die Hühner, da geht man auf Nummer sicher und wer wird nun gewinnen?
Im Literaturcafe spekuliert man schon darüber und ich schließe mich der Meinung an. Martynova bekommt den Bachmannpreis würde ich mal schätzen. Dann Mahlke, Stichmann, da wäre noch Platz für Travnicek und Kränzler auf der Shortlist.
Bei Sabine Hassinger weiß ich es nicht. Da könnte es sein, daß sie einen Preis bekommt, weil diese Art zu schreiben als sehr literarisch gilt, auch wenn die Twitterer stöhnen. Nawrat habe ich gelesen, hat auch noch eine Chance und soll den Preis der Riesenmaschine bekommen. Aber da ist Cornelia Travnicek auch recht gut gereiht und der würde ich auch den Publikumspreis zutrauen, weil man ja von drei bis acht abstimmen kann. Dazu hat sie schon gestern aufgefordert. Ich werde, wenn ich die Passworthürde schaffe, das auch tun, allerdings wahrscheinlich Andreas Stichmann meine Stimme geben. Aber eigentlich würde ich mehrere solcher benötigen, denn der erste Text hat mir sehr gut gefallen und dann der über die Schriftstellerreha und und und
Morgen Mittag werden wir es wissen und Sara Wipauer war gestern live dabei und hat auf ihren Blog darüber berichtet.

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