Literaturgefluester

2012-07-16

Falling Man

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:30

„Falling Man“ ist Don de Lillos, 2009 erschienener Roman über nine elefen und wie beschreibt man diese Kathastrophe?
Der 1936 geborene amerikanische Schriftsteller tut es in einer schwer zu lesenden Form, mit aneinandergereihten Szenen, Geschichten der Hauptpersonen, läßt das Geschehene immer wieder kehren, erzählt auch anderes und endet am Schluß da, wo es begonnen hat, eine interessante Schilderung einer Traumatisierung, Gewalt und Terrorismus, was ja auch nur schwer zu verstehen und zu erklären ist.
„Falling Man“ ist das Bild eines Mannes in den Medien, der aus den Türmen gesprungen ist, aber auch ein Aktionskünstler, der zu dieser Zeit in New York aus Fenstern sprang und den mit Glassplittern überzogenen Mann, der mit einer Aktentasche durch die Stadt lief, scheint es auch gegeben zu haben.
Don de Lillo nennt ihn Keith, er hat in den Türmen gearbeitet und rennt zu Beginn des Buches heraus, läßt sich zu seiner ehemaligen Frau bringen, die ihn ins Krankenhaus bringt, wo die Splitter herausgezogen werden, wohnt wieder bei ihr und dem Sohn Justin, die Aktentasche, die er bei sich hat, ist aber nicht seine eigene, sondern die einer Frau, der er sie bringt und mit ihr auch eine Beziehung anzufangen scheint.
Karten und andere Spiele spielen auch eine Rolle, am Schluß spielt Keith in Las Vegas und ganz am Schluß wird von dem Freund erzählt, mit dem er Karten gespielt hat und der aus den Türmen nicht mehr herausgekommen ist.
Seine Frau heißt Lianne, ist freiberufliche Lektorin und soll Bücher über den Terrorismus lektorieren, sie macht aber auch Schreibwerkstätten mit Alzheimerpatienten, die über ihr Leben, aber auch über ihre Erfahrungen mit der Katastrophe schreiben.
Ihre Mutter Nina, die etwas gegen Keith hat und eigentlich froh ist, daß er sich von ihr trennte, spielt eine Rolle, sie hat ein neues Hüftgelenk und andere Probleme des Alterns, ihr Freund Martin kommt vor und auch die Terroristen, die zuerst in Hamburg in der Marienstraße wohnen, dann in einem Ausbildungscamp sind und am Schluß das Flugzeug besteigen und es in den Tod stürzen.
Drei Teile hat das Buch die Männernamen tragen Bill Lawton, Ernst Hechinger, David Janiak ganz habe ich das nicht verstanden, denke aber, daß man über die Katastrophe, die wir alle mehr oder weniger im Fernsehen mitverfolgten gar nicht anders schreiben kann und, daß das Trauma eben in immer währenden Flashbacks wiederkehrt.
Einige sehr eindrucksvolle Szenen bleiben hängen, so versucht Keith nach der Katastrophe in seine Wohnung wiederzukehren, er hat in der Nähe der Türme, also im Sperrgebiet gewohnt und muß jetzt der Polizei und den Feuerwehrmännern klar machen, warum er wieder zurückwill.
Er muß seine Katze füttern, weil sein Sohn traurig wäre, wenn sie stirbt, erklärt er dem ersten, bei den weiteren sind es dann schon Katzen und Söhne und als er in der Wohnung ist, stellt sich heraus, daß er gar keine Katze hat.
Kinder kommen vor, die die Katastrophe mit erfundenen Männern zu bewältigen versuchen und eine Frau, die so laut Musik spielt, daß die sensible Lianne handgreiflich wird.
Ja, so kann ich es mir vorstellen, daß man ein Trauma erlebt. Ich habe schon geschrieben, daß ich bei nine elefen vor der Buchhandlung in der Wiednerhauptstraße, ob es jetzt die war, die es noch oder die die es nicht mehr gibt, weiß ich nicht mehr, stand und John Irvings „Pension Grillparzer“ in der Hand hatte und dann als mir die Anna sagte, was sie ihm Radio hörte, zuerst glaube, es wäre das World trade Center in Wien gemeint und an eine Supervision mit Stationsschwestern mit denen ich dann darüber sprach, kann ich mich auch noch erinnern.
1997 waren wir zwei Wochen in New York, da bin ich einige Male den Broadway auf und ab gelaufen, in den Türmen selbst sind nur der Alfred und die Anna gewesen und von Don de Lillo habe ich, glaube ich, das erste Mal im literarischen Quartett durch Marcel Reich Ranicki gehört, der seine „Unterwelt“ sehr gelobt habe. Dann habe ich Don de Lilo aber, glaube ich, mit Louis Begley verwechselt.
„Falling Man“ ist das erste de Lillo Buch das ich gelesen habe, „White Noise“ habe ich, glaube ich, auf Englisch einmal im Schrank gefunden.

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