Literaturgefluester

2012-07-18

Dieses Buch macht dich fertig

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:25

Der Holzbaumverlag versorgt mich ja schon seit einiger Zeit mit seinen Publikationen, lädt mich zu seinen Veranstaltungen ein und hat jetzt wieder ein Buch herausgebracht, das man schwer besprechen kann.
Wie heißt es überhaupt und wer hat es herausgegeben?
„Dieses Buch macht dich fertig!“, steht auf dem schwarzen Umschlag, wie ein Schulbuch schaut das aus.
Auf der Seite darauf steht dann „Ein Tatenbuch für angehende Wutbürgerinnen von Hydra, deinem stinkestiefeligen Satiredings“ und erst wann auf Seite hundertvierundsechzig blättert bekommt man heraus, daß auch dieses Buch, genau wie „Sex mit 45“ vom Chefkalligraph Curt Cuisine herausgegeben wurde und die „großartigen Talente von Stefan Gruber, Peter Rathmann, Stefan Rathmanner, Andreas Riegler, Thomas Schandl, Binu Stanegg, Bartlomej Szatkowski und Maximilian Zirkowitsch versammelt.
Neugierig geworden? Ich bin es, bin ich ja eine, die meinen Klienten auch einmal empfiehlt in den Keller zu gehen und und mit einem Ball auf eine Wand einzuschlagenoder um das Haus zu rennen, bzw die Wutgefühle aufzuschreiben und den Zette zu verbrennen, aufzulösen etc.
Ein solches Buch ist das Hyda Buch für Wutbürgerinnen und es enthält Ratschläge für sämtliche Gelegenheiten von denen ich einige sehr brauchbar finde, mit anderen wieder nichts anfangen kann, bzw. sie schlicht und einfach nicht verstanden habe.
Ebenso geht es mir mit der Sprache, da sind österreichische Ausdrücke dabei, anderes klingt wieder sehr bundesdeutsch, wird wohl an den Verfassern liegen. Manches ist für die politische Wut gedacht, den Weltschmerz, der Ungerechtigkeit dieses Lebens, anderes denke ich wieder, könnte man sehr gut in den verhaltenstherapeutisches Alltag einbauen und sehr heilsam ist es allemal das Buch durchzublätten und die Übungen zu machen oder darüber zu lächeln, also ein Blick hinein:
„Dieses Buch gehört:“ beginnts auf Seite drei, dann steht „Schreib hier den Namen deines Chefs, streich ihn durch, spuk ihn an, verreib die Spuke und jetzt legst du das Buch auf den Schreibtisch deines Chefs“, aha, interessant, ist vielleicht für die Supervision zu gebrauchen oder als Ratschlag für den Ehemann, der auch manchmal über den Chef schimpft.
Dann gehts los mit den üblichen Ungerechtigkeiten. Auf die eine Seite soll man sein Jahresgehalt schreiben, auf der anderen stehen dann die von Andreas Treichl, Wolfgang Ruttensdorfer etc und schon kann, soll die Wut beginnen.
Nun ja, nun gut, nicht wirklich neu und unbekannt und schon daran gewöhnt, man kann ja nicht über alles wütend werden, sonst bekommt man Gastristis und das ist auch nicht gut. Es geht dann gleich weiter „Nenne fünf Menschen, die wesentlich komfortabler und trotzdem günstiger wohnen als du“, etc.
Es gibt „Das lustige Karrierespiel“, „Geldgolf“, wo man einen Geldschein zerknüllen und ihn in einen Tunnel treten soll, das Bastel oder Selbsterfahrungsbauch also, das man aus den Seminaren kennt.
„Schlafe mit einem Politiker, Vorstandsdirektor, Chef einer Werbeagentur“ – „Schreib hier über diese Erfahrung. U. s. w. u. s. f.
Ein richtiges Übungsbuch mit viel Platz zum Eintragen, Spiele, Rätsel und das ganze auf hundertachtundsechzig Seiten. Zeichnungen dazu. Manches ist ein wenig derb und einheitliche Linie, Kunststück bei so vielen Autoren, scheint es auch nicht keine zu geben.
Trotzdem scheint mir die Idee gelungen und es ist, denke ich, ein Stück Selbsterfahrung sich durch dieses Buch, zu lesen, blättern und zu schreiben, die einen zumindestens ein bißchen nachdenklich machen kann.
Ja, das Leben ist ungerecht, wie wir wissen. So könnte ich wahrscheinlich auch locker fünf oder mehr Autoren aufzählen, die nicht besser schreiben als ich, aber mehr Erfolg damit haben und auch ein paar putzige Tierchen könnte ich aufzeichnen, die ich schon gegessen habe, bin ich ja keine Vegetarierin, was man jetzt vielleicht sollte.
Heilsam also, dieses Buch durchzublättern und amusant, so daß es fast die Therapeutin mehr als die Literatin anspricht und man wird wahrscheinlich ruhiger, wenn man sich durchgearbeitet hat und kann lachen, was ja auch ein Abwehrmechanismus ist.
Manches war nicht ganz gendergerecht, Kunststück da von männlichen Autoren erdacht und die Maske von Anders Breivik würde ich mir nicht umbinden und damit auch nicht zu einer Party von Prince Harry gehen, aber dort bin ich ohnehin nicht eingeladen.
Die Idee das Buch in einen Supermarkt mitzunehmen und Seite hundertdreißig aufzuschlagen, wenn man eine zweite Kassa geöffnet haben will, ist dagegen ganz brauchbar, man kann das aber natürlich auch durch den Supermarkt rufen und braucht sich nicht mit dem Buch beschweren, das es übrigens, wie man auf der Rückseite sehen kann, auch als VHS-Video gibt.

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