Literaturgefluester

2012-07-21

Stellt mir eine Frage

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:01

„Stellt mir eine Frage“ von Steve Bloom, im Wallstein-Verlag erschienen, ist das Buch, daß ich bei dem Sommerfest im Writersstudio aus der freien Entnahme-Kiste gezogen habe. Von Steve Bloom nie etwas gehört, dachte ich, also habe ich nachgegooglet, bzw. mich im Klappentext schlau gemacht, 1942 in Brooklyn als Sohn polnischer Juden geboren, war Rundfunkredakteur und lebt in Heidelberg als Dozent für amerikanische Landeskunde, einige Bücher bei Jung und Jung bzw Residenz erschienen, 2000 „Immer dieselben Witze“, 2004 „Offene Ehe“ und da bin ich daraufgekommen, daß ich zumindest den Namen des Autors schon gelesen habe und auch „Immer dieselben Witze“ zu Hause habe, hat es Jochen Jung doch einmal in den Bücherturm gelegt und da kann ich mich erinnern, habe ich mich über den Titel gewundert und mich gefragt, welche Art von Buch das wohl ist?
Um Witze geht es bei „Stellt mir eine Frage auch“ und, um den Klappentext zu zitieren „1950 im Brooklyner Viertel Brownsville. Fast täglich treffen sich Meyer Woolf, Archie Feinstein, Izzy und noch ein paar andere, um beim Kaffee über Gott und Welt zu debattieren: Liebe, Ehe, Eifersucht, Alltagssorgen, Koreakrieg und Rassismus sind nur einige der Themen. Und zu jedem weiß einer einen Witz zu erzählen.“
Es ist, wie mir beim Lesen klar wurde ein sehr ungewöhnliches Buch, das fast ausschließlich aus Dialogen besteht, ein „Dialogpingpong“, habe ich in einer der Rezensionen gelesen und ich, die ich mich ja gern sehr ausführlich über den Inhalt des Gelesenen ausbreite, bin ein ein wenig ratlos. Denn „Da passiert ja nichts!“, diesen berühmten Satz könnte ich jetzt schreiben. Oder doch, es passiert sehr viel, das Alltagsleben halt, das, was den Männern in dieser Cafeteria bei Kaffee und Plunder so widerfährt, aber keine Handlung, kein Plot, wo jeder Satz sitzen muß und alles seine Spannung hat.
Was soll ich also nacherzählen, außer dem schon zitierten? Ja, richtiig zuerst stirbt Meyer Wolffs Frau, dann er selbst, die jüdischen Gebräuche werden aufgezählt, das Begräbnis, die Schul, das schiwa sitzen etc.
Dann gibt es den Taxifahrer Archie Feinstein, der sich wegen seelischer Grausamkeit von seiner Frau trennen will, das aber nicht zusammenbringt, weil man sich in New York in den Fünfzigerjahren, offenbar nur wegen Ehebruch scheiden lassen konnte, wie der Anwalt behauptet und man für böswilliges Verlassen ins Gefängnis kommen konnte.
Politische Differenzen kommen auf, Stalin wird zitiert, die Shoah und die Negerfrage, die auch so genannt wird. Die achtzehnjährige Liz Taylor, die sich offenbar scheiden lassen konnte, wird zitiert und Frank Sinatra und natürlich die Witze erzählt, von denen ich die meisten gar nicht lustig fand oder sie nicht verstand.
„Ist da ein Paar über neunzig, die gehen zum Anwalt und sagen ihm, sie möchten sich scheiden lassen. Scheiden lassen, sagt der Anwalt. Wie lange sind Sie denn verheiratet. Siebzig Jahre, sagt der Mann. Und warum dann jetzt eine Scheidung? sagt der Anwalt. Wir wollten warten bis die Kinder tot sind!“, sagt die Frau.
Am Schluß des Buches gibt es „Einige Bemerkungen des Autors“, der von seiner Kindheit und seinen Eltern erzählt und da ist mir ein Widerspruch aufgefallen, der mich etwas irritiert, wird in den biographischen Angaben, ja 1942 als Geburtsjahr angegeben. Bei den Bemerkungen schreibt der Autor „1975 da war ich dreiundzwanzig und hatte mein Studium abgeschlossen..“
Ansonsten scheint das Buch den Eltern gewidmet zu sein und Archie Feinstein, Jack Goldfarb, Irving Mendel und Max Warsaw etc scheint es gegeben und den Autor durch seine Kindheit begleitet haben. Bei einer der Rezensionen habe ich noch gelesen, daß man bei der Beschreibung des Brooklyns der Fünfzigerjahre, die Bush Ära, zu der das Buch geschrieben wurde, gut erkennt. Vielleicht wurde der 2009 erschienene Roman aber in Heidelberg geschrieben.
Ein interessantes und ungewöhnliches Stück Literatur ist das Buch, das von den Rezensenten auch sehr gelobt wird, allemal und wahrscheinlich werde ich mir jetzt auch „Immer dieselben Witze“ auf meine Leseliste setzen und auf diese Art und Weise meine ungelesen Bücher ein wenig auflesen, habe ich durch das Writersstudio, das sich ja sehr für die amerikanische Literatur interessiert, einen neuen Autor kennengelernt.

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