Literaturgefluester

2012-08-12

Erlesene Reisen

Filed under: Uncategorized — jancak @ 18:28

„Erlesene Reisen“, das Geschenkbuch zum Welttag des Buches 2010 herausgegeben von Gerald Schantin und dem Journalisten Helmut A. Gansterer regt in seinem Vorwort zu interessanten Gedanken an. Was ist der Unterschied zwischen Reisen und Lesen, bzw der von Reiseführern zur Literatur übers Reisen. Damit beschäftigt sich jedenfalls der Herausgeber und meint, man solle nicht an der letzteren sparen, wenn man eine Reise macht.
Das das bei einem Vorwort eines Buchs, die der Hauptverband der Buchhändler herausgegeben hat, kommt, ist ganz klar, denn der Sinn der Anthologie ist es ja wohl zum Lesen bzw. zum Bücherkaufen anzuregen.
Stimmt es aber? Da habe ich als Vielleserin, die gar nicht so gerne reist, meine Zweifel, auch wenn ich jetzt mit einer Tasche voller Broschüren über litauische Autoren in den Urlaub gefahren bin. Ich habe mir ihre Bücher aber nicht gekauft, weil ich das ja nur mehr bei Ein Euro Bücher tue, das ist aber eine andere Geschichte und gehört nicht unbedingt hierher.
Die Frage, ob das Lesen aber nicht vielleicht doch Realitätsverlust ist, habe ich mir, ganz ehrlich, schon einmal gestellt. Und die Antwort ist ebenfalls ganz ehrlich, wahrscheinlich ja. Um jetzt nicht mißverstanden zu werden. Ich habe nicht vor, meine Bücherliste wegzuschmeißen und auf Weltreise zu gehen, natürlich nicht. Ich bleibe bei meinen Bücher und der Frage, wie ich es schaffe, noch möglichst viel in meinem Leben davon zu lesen und ich denke auch, daß wir da bei einer Genderfrage sind.
Denn die Pioniere des Reisens, die, die mit dem Rucksack und der Karte auf Tour gehen, sind wahrscheinlich eher Männer und die, die sich mit der Büchertasche an den Strand, auf den Balkon oder in die Badewanne setzen, wahrscheinlich Frauen, wobei wir schon bei einem Kritikpunkt des Buches sind, das Helmut A. Gansterer in seinem Vorwort auch erwähnt, die Autoren der auswählten Texte sind ausschließlich Männer. George Sand, schreibt Gansterer noch, hätte er ja vielleicht gelten lassen, aber am Umschlag sitzt ein schönes Mädchen im Seidenrock auf mehreren Koffern mit einer Rose und einem offensichtlic leeren Buch mitten auf der Landstraße…
Als ob es keine Frauen gäbe, die über fremde Länder schreiben und sogar ein so ausgesuchter Reisemuffel, wie ich, hat in seinem Leben schon einige Roadmovies zusammengebracht. Da wäre einmal die Sophie Hungers zu nennen, dann gibt es die Reise nach Odessa, in den „Wiedergeborenen“ fährt die Marianne nach Prag, in den „Zwillingswelten“ geht es nach Linz und nach Sizilien u. u. u.
Und um zu der Reiseliteratur wieder zurückzukehren. Ich denke, wenn ich, wie jetzt, in die baltischen Staaten fahre, dann brauche ich vielleicht einen reiseführer, denn da steht, daß ich die Uhr nach vor stellen soll, keinen Alkohol auf der Straße trinken darf, welche Sehenswürdigkeiten ich mir ansehen soll, wo ich am besten esse u. u.u.
„Die Hunde von Riga“ brauche ich in Riga eigentlich nicht, auch wenn ich, ich habe schon darüber gebloggt, mich sehr darüber geärgert habe, daß ich sie vergessen habe. Aber die lese ich am besten doch am Balkon oder in der Badewanne und die Adresse des Restaurants in dem es die lettische Küche gab, nehme ich einmal an, finde ich dort nicht, so daß ich zu dem Resume kommen, daß die, die sonst auch gern lesen, wahrscheinlich, die „Hunde von Riga“ einpacken oder vor der Reise zu Anna Jeller gehen und sagen „Ich fahre nach Estland, was würden Sie mir als Lesestoff empfehlen?“ oder, wie ich ein Mail an Cornelius Hell schreiben.
Wenn ich sonst nicht lese, kaufe ich mir den Reiseführer, packe den Rucksack und fahre los, womit ich bei dem Schluß bin, daß sich die „Erlesenen Reisen“ höchstwahrscheinlich besser am Balkon oder in der Badewanne, statt am Campingplatz in Saaremaar gelesen hätten, denn da haben die Textproben von Peter Handke, Alfred Komarek, Cees Nooteboom etc, nicht so besonders hingepasst, es hat mir aber auch nicht geschadet, das Buch zu lesen.
Wenn ich eine Buchkäuferin wäre, könnte ich meine Einkäufe machen oder vielleicht schauen, was sich von den Proben im Bücherschrank finden läßt?
Es beginnt mit „Nootebooms Hotel“ und da schreibt der holländische Schriftsteller über seine Hotelerfahrungen. Mir fällt dazu ein, ich habe mir einmal, um einen Euro etwas über Nootebooms Berlin Erfahrungen bei Thalia in der Kremsergasse gekauft, schon ein paar Bücher im Schrank gefunden und den Autor auch beim letzten Fried Symposium persönlich gesehen. Gerhard Roths „Haus der schlafenden Vernunft“ geht eigentlich, wenn man kritisch ist, gar nicht übers Reisen, sonder über das Haus der Künstler in Gugging und über die Art brut und ich habe von Gerhard Roth schon einige Bücher gelesen, ist er ja ein sehr bekannter Autor. Was mir sehr gefallen hat, klar bei einer solchen Spaziergängerin, wie ich es bin, sind die „Reisebriefe eines Wiener Spaziergängers“ aus dem Jahr 1870 von Daniel Spitzer. Das Buch, entnehme ich dem Anhang, ist 2009 im Metroverlag erschienen. Auf liebe Leute, legt es mir in den Bücherkasten, das würde ich sehr gerne finden und den Namen Daniel Spitzer habe ich, glaube ich, auch schon einmal gehört.
Auch V. S. Naipauls „Atlanta“ war sehr intessant. Da ging es um den Besuch des Erzählers, der sich mit der Sklaverei beschäftigt, des New Yorker Stadtteils Harlem. Er ist dort bei einem alten Schriftsteller zu Gast und der erzählt ihm, was für ein toller Bezirk das eigentlich ist, anschließend fährt der Erzähler mit dem Bus nach Hause, vorher hat er sich das nicht getraut.
Ernest Hemingways „Jagd und Unterhaltung“ führt nach Afrika und da trifft der Großwildjäger einen der sich für seine Literatur interessiert und ihn nach seinen Veröffentlichungen fragt. Sehr interessant und von Hemingway habe ich natürlich „Wem die Stunde schlägt“ gelesen, aber leider noch in den Vorliteraturgeflüsterzeiten.
Von Alfred Komarek gibt es zwei Texte, beide sind keine Auszüge aus den Romanen, die ich von ihm schon kenne. Er hat jetzt auch ein neues Buch geschrieben, das ich als Vorab-Exemplar in meiner Mailbox fand, als ich vom Urlaub zurückgekommen bin. Ich hoffe, ich kann es öffnen, dann werde ich es gerne lesen. Es geht, glaube ich, um den Semmering, also wieder um das Reisen.
Von Bruce Chatwin gibt es einen Auszug über „Patagonien“. Noch nie etwas von dem Autor gehört. Alfred war aber vor einigen Jahren mit dem Karli dort und Julia Kröhn hat unter einem Pseudonym eine ganze Serien von Patagonien-Romane geschrieben, die ich gerne lese, wenn ich sie einmal finde.
Peter Handkes „Versuch über Jukebox“ habe ich, glaube ich, schon gelesen und Hermann Hesses „Morgenlandfahrt“, ist jetzt besonders interessant, feiert der berühmte Kultautor doch ein Jubiläum. Der Spiegel hat ihm einen Artikel gewidmet, den hat der Alfred in Klaipeda kaufte und Wolfgang Tischner vom Literaturcafe hat ein Video über ihn gedreht. Ich bin kein besonderer Hesse-Fan. „Unterm Rade“ habe ich, glaube ich, nach meiner Matura gelesen und mich dann gewundert, daß alle so auf diesen Autor abflippen. Jetzt höre ich überall, er ist eigentlich sehr kitschig und nur etwas für Jugendliche, bevor sie nach Indien aufbrechen.
Sehr viel habe ich nicht von ihm gelesen und das „Glasperlenspiel“ einmal im Schrank gelassen und dann war es, als ich doch holen wollte, nicht mehr da.
Johann Wolfgang Goethes „Rom Reise“ ist natürlich interessant und die habe ich, glaube ich, auch gelesen und Helmut A. Gansterer, der mich einmal bei einer Lesung bei „Rund um die Burg“ durch sein enormes Selbstvertrauen beeindruckte, hat auch einen Text über Italien geliefert, wo er, weil er sich bei einer Party langweilt, über die Grenze fährt nach dem Dreiländereck einen köstlichen Cappuccino trinkt und als er wieder in seiner Wohnung ist, fragt ihn einer, wo die Servietten sind?
Das ist vielleicht Zynismus pur oder etwas anderes, wir sind aber auch schon einige Male nach Italien gefahren und haben über der Grenze einen Kaffee getrunken und dann weiter, meistens in die Toskana, wie das auch die selbstbewußten Geistesmenschen so tun sollen und die Katharina aus den „Zwillingswelten“ schläft in dem Motel am Dreiländereck, bzw. fährt sie dann weiter nach Sizilien.
Bei „Wo die Ruinen blühen“ wird es ernster, denn bei Friedrich Ortner geht es nicht nur um die puren Vegnügungsreisen, sondern, um Kriegsberichterstaatung. Da ich keine Fernseherin bin, kenne ich mich bei den Starreportern nicht so aus, wenn ich mich aber nicht irre, hat ihn Michaela Falkner eingeladen, als sie ihr Buch im Literaturhaus vorgestellt hat.
Mark Twain schreibt über „Die Arglosen im Ausland“, da fahren die Yankies nach Paris und gehen in den Louvre, so soll es im vorigen Jahrhundert zugegangen sein und habe ich nicht vom Martin einmal „Ein Yankee aus Connetecut an König Artus Hof“ zum Geburtstag geschenkt bekommen, das ich endlich lesen sollte? Ich habe und bei dieser Gelegenheit kann ich gleich erwähnen, der Alfred schnekte mir einmal zu Weihnachten das „Erste Allgemeine Nicht Reise Buch“, und an das habe ich bei meiner Urlaubslektürevorbereitung kurz gedacht.
Weiter gehts mit Herbert Rosendorfer „Winterliches Chaos“. Da erzählt einer, wie er als Kind mit seiner energischen Großmutter in der Kutsche zu Hitlers Zeiten von Kitzbühel nach St. Johann zum Mittagessen fuhr. Für die, die es interessiert, dazwischen liegt der Ort Oberndorf und da war der Alfred einmal mit der Anna schifahren. Ich habe ihn begleitet und bin an einem Tag nach Kitzbühl und am anderen nach St. Johann spaziert und dabei die „Geschichten vom lieben Godt“ geschrieben, die ja einigermaßen erfolgreich wurden.
Dann kommt noch ein Auszug aus Adam Bronsteins „Tagebuch eines Kapitalisten“ und das habe ich einmal im Schrank gefunden, womit das Resumee der Anthologie wieder lesen ist. Ich habe zwar schon eine sehr ausgefüllte Leseliste, aber das sollte noch irgendwie hinein.

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