Literaturgefluester

2012-08-21

Bücherschrank-Geschichten

Filed under: Uncategorized — jancak @ 01:51

Vom Urlaub zurückgekommen, erwartete mich ein Mail von Frank Gassner „Du hast im Schrank ein wunderbares Buch gefunden, ein wunderbares Gespräch geführt, ein großartiges Foto geschossen, gewinne mit deinen Beiträgen bis zum 21. September!“, was mich gleichzeitig forderte, als auch überforderte, denn das Literaturgeflüster ist ja eine ziemlich intensive Bücherschrankberichterstattung, hat er ja, als mich im Februar 2010, Elisabeth von leselustfrust, den Blog, den es nicht mehr gibt, auf den ersten offen Bücherschrank aufmerksam machte, mein Leben sehr verändert.
Zwar haben schon vorher immer wieder Gratisbücher zu mir gefunden, gab es da ja eine Zeitlang, die Büchertürme bei der Literatur im März und als der Buchhändler in Edith Broczas Haus zusperrte, hat er die übriggebliebenen Bücher in ihren Hausflur gestellt und sie hat mich aufgefordert, zu nehmen, was ich will.
An einen Büchermangel habe ich nie gelitten und eigentlich immer viel gelesen.
Eine Zeitlang gab es eine Aktion bei Amadeus-Thalia, das man Rezensionen schicken sollte, da habe ich angefangen, die Bücher zu besprechen, damit aufgehört, als es das nicht mehr gab und als ich dachte, jetzt werde ich endlich meine SUBs-auflesen, das war schon in Literaturgeflüsterzeiten, kam Frank Gassner mit seinem Bücherschrank und alles wurde anders.
Ich beklage mich natürlich nicht, ganz im Gegenteil, habe ich diese Idee zur Belebung des öffentlichen Raums doch von Anfang an sehr faszinierend gefunden und sie hat mich sowohl zum Lesen als auch zum Schreiben angeregt. Das erste Buch das ich gefunden habe, war Martin Suters „Business Class“ und dann kam gleich einmal die Idee, den Schrank in „Mimis Bücher“ einzubeziehen und da der Kasten in der Zieglergasse ziemlich zentral liegt, komme ich auch oft daran vorbei, beispielsweise wenn ich zum klinischen Mittag ins AKH, ins Literatur- oder ins Amerlinghaus gehe.
Und es ist sehr interessant, was man da findet, man könnte Studien darüber machen und diese Idee gab es, glaube ich schon einmal.
So war beispielsweise gleich zu merken, daß Ruth Aspöck, die ja um die Ecke wohnt, die Restbestände ihrer „Edition die Donau hinunter“ dort versorgt. Das fröhliche Wohnzimmer hat Bücher abgegeben. Die alten Peals S. Bucks und Vicki Baums waren und sind zu finden und Bücher aus der schönen alten rororo Taschenbuchreihe mit dem Leinenbändchen und der Pfandbriefwerbung im Inneren.
Es ist dann bald der weißhaarige alte Mann aufgetaucht, der sich offenbar besonders intensiv an den Büchern bediente, Frank Gassner hat ein paar Warnbriefe geschrieben und mich, die fleißige Schreiberin hat er zu der Figur des Bernhard Listringers in der „Absturzgefahr“ angeregt. Ich glaube auch, ihn einmal gesehen zu haben, ob er wirklich weißhaarig ist oder das nur meiner Phantasie entsprang, weiß ich dagegen nicht.
Die Bücherkästen werden sehr gut angenommen und boomen und es gab gleich einmal die Idee, auch auf dem Brunnenmarkt einen zu machen, im Hegerpark und in der Otto Bauer Gasse, den letzteren gibt es nicht, was gut ist oder nicht, denn an den wäre ich ja wahrscheinlich genauso oft vorbeigekommen, wie am „Wortschatz“, der Nachahmeraktion der Margaretner Kaufleute.
Eine tolle Aktion,die von beiden Seiten gut angenommen wird, gibt es ja offensichtlich Nachläße loszuwerden und Leute, die Platz für Neues haben wollen und dann die Vielleser, zu denen ich mich auch zählen würde und das Tolle ist, daß man dabei Bücher findet, die man sonst nicht lesen würde. So bin ich beispielsweise auf Alberto Moravia gekommen, stimmt nicht ganz, denn ein Buch hatte ich ja schon von ihm gelesen, das der Alfred offensichtlich aus der DDR mitbrachte, inzwischen ist der „Konformist“ und die „Römerin“ dazugekommen und man findet auch immer Genres, die zwar interessant sind, aber bisher nicht zu mir gefunden haben.
Einmal einen Dan Brown lesen, ist ja sicherlich auch verlockend und vielleicht auch einen Konsalik. Frank Gassner stöhnt ja darüber, aber das sind die Bücher mit der großen Auflage und dem Massengeschmack und die findet man natürlich, aber auch das Rare und das längst Vergriffene.
Ruth Aspöcks Edition beispielsweise und es legen auch immer wieder Leute ihre Eigenproduktionen hinein. So gab es auch einige Male „Eva Jancak- Bücher“ darin zu finden und auch sehr viel fremdsprachige Literatur.
Bei der Erföffnung im Hegerpark bin ich gewesen und im Winter, als es so kalt war, bei der von Nitsch gestalteten Neuauflage des Schrankes in der Zieglergasse. Da habe ich einige Sammler getroffen und ein paar nette Gespräche, wie beispielsweise eine Diskussion über Karl May, habe ich auch einmal gehört. Der Schrank hat mich auch zu einigen Artikeln und sogar zu Bücherkasten Touren veranlaßt, denn es ist ja sehr interessant, bei denen, wo es Bänke gibt, zu sitzen und zu schauen, was passiert?
Einmal ist, glaube ich, auch ein Ausräumer gekommen, denn da waren die Schränke einige Tage ziemlich leer und Gerüchte von denen, die die Bücher am Flohmarkt verkaufen, gibt es auch immer wieder. Ich glaube nicht daran und denke, daß Bücher unverkäuflich sind, weil immer weniger Leute lesen und die, die es wollen, sie ohnehin umsonst bekommen. Halte es aber für eine tolle Aktion, die meine Leseliste, die es inzwischen gibt, eindeutig anwachsen ließ. Denn, wenn ich die Bücher habe, will ich sie auch lesen und es kommt ja ganz ehrlich auch manchmal vor, daß ich mir ein bißchen mehr nehme, als ich zwischen zwei Fingern tragen kann, dann habe ich ein schlechtes Gewissen, lese etwas schneller und bespreche tue ich sie alle auch.
Frank Gassner hat am Anfang gesagt, daß es ihm gar nicht so sehr, um die Leseförderung, als um die Belebung des öffentlichen Raumes geht. Das hat sich, glaube ich, inzwischen etwas geändert, denn jetzt gibt es auf seiner facebook Seite immer wieder Bilder von den Fundstücken und es gab auch die Lesungen im Juni und jetzt den Schreibwettbewerb.
Die Kästen haben inzwischen auch ihre Nachahmer gefunden und scheinen wirklich, wie die berühmten Schwammerln aus dem Boden zu sprießen. So habe ich ja vor Weihnachten einen sozusagen vor meine Haustüre gesetzt bekommen, beziehungsweise, um die Ecke und der „Wortschatz“ an dem ich ja vorüberkomme, wenn ich beispielsweise aufs Postamt gehe, um mir meine Rezensionsexemplare abzuholen, ist ja besonders interessant, denn Margareten hat eine bibliophile Leserschaft und sehr viel Blogger.
So hat ihn die Evi auch eine Zeitlang regelmäßig fotografiert und die Veränderungen eingestellt und da kann man manchmal Bücher finden, die es in den anderen nicht so gibt.
Marlene Streeruwitz zum Beispiel oder Paula Köhlmeier und als ich Montag auf das Postamt ging, stand ein Kürschner Band darin, das ist das Literaturlexikon, in dem es auch von mir ein paar Zeilen zu finden gibt, das habe ich mir aber nicht genommen, weil zu schwer und zu unhandlich.
Eine Idee also, die mich ins Schwärmen bringt und, wenn man das Literaturgeflüster liest, wird man immer wieder Berichte finden, was sich dort ereignet und eine Lesung hat es auch schon vor dem Juni gegeben, hat ja auch das erste Wiener Lesetheater bei seinem Osterspaziergang durch Neulerchenfeld in der Grundsteingasse Station gemacht und vor dem Schrank gelesen.

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