Literaturgefluester

2012-08-27

Der Engel mit der Posaune

Filed under: Uncategorized — jancak @ 12:21

Weiters gehts mit der Lektüre aus den Vierziger- und Fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, diesmal ist es ein Buch aus dem offenen Bücherschrank von Ernst Lothar und von dem 1890 in ‚Brünn geborenen und 1974 in Wien gestorbenen Autor, der auch Direktor des Theaters der Josefstadt war, habe ich schon einiges gehört und als es das Antiquariat „Buch und Wein“ noch gab, auch dort nach seinen Büchern gesucht. Vom „Engel mit der Posaune“ habe ich auch schon einiges gehört, ich glaube, er war mal als Fortsetzungsroman im Radio und dann habe ich die Verfilmung mit Paula Wessely als Henriette im Fernsehen gesehen. Das Buch, das, was ich interessant finde, 1949 im Verlag „Das Silberboot“ herausgekommen ist und auch Werbung für die von Ernst Schönwiese herausgegebene gleichnamige Zeitschrift macht, hat ein Nachwort des Verfassers, das mit New York, 7. Dezember 1945, datiert ist, wo er schreibt, daß das Buch 1944 auf Englisch in New York erschienen ist und alles „Bis auf Namen, Daten und Ereignisse, die der Geschichte angehören ist alles Spiel der Einbildung, frei gfabelt und geformt“ wurde und der Engel mit der Posaune, ist ein Steinwappen, das das Haus Seilerstätte Nummer 10, ziert, in der die Klavierbauerfamilie Alt mit ihren Verwandten lebt.
In drei Teilen wird nun der Untergang Österreichs und die der Familie geschrieben, bzw. der „Roman eines Hauses“ erzählt, da am Schluß die Nazis kommen, die alte Frau Alt ermorden, den Sohn Hans enteignen und dem Engel den Kopf abschlagen.
Beginnen tut es scheinbar fröhlicher, am 9. Mai 1888, mit einer Hochzeit, denn da will Franz Alt Henriette Stein heiraten und pilgert zu der Familie, um die Erlaubnis zu bekommen, dem Haus einen vierten Stock aufzusetzen, damit er mit seiner jungen Frau dort leben kann.
Die ist aber jüdischer Abstammung, hat einen schlechten Ruf und auch ein kleines oder größeres Geheimnis, hat sie doch Kronprinz Rudolf, der sich gerade mit Mary Vetsera in Mayerling ermordete, sagen wir einmal sehr gut gekannt, so daß sie ihre Hochzeitsreise unterbrechen muß und zum Kaiser zur Audienz bestellt wird.
Es gibt dann noch einmal ein Gspusi, bzw die Aussage eines Schulfreundes der dem Gymnasiasten Hans, der noch an den Storch zu glauben scheint und von der Geburt seiner Schwester Martha Monica erzählt, daß der Graf Traun der Storch seiner Mama sei, worauf Franz Alt, den Grafen zum Duell fordert und erschießt.
Dann kommt der erste Weltkrieg, Vater und Sohn müssen ins Feld und als Henriette ihren Franz vom Bahnhof abholt, reißen ihm die empörten Arbeiter die Kokarde von der Uniform, worauf er einen Schlaganfall erleidet und nicht mehr sprechen kann.
Der liberalere Sohn Hans, der die Firma übernimmt, aber vorher mit Adolf Hitler, sich um Aufnahme an der Kunstakademie bewarb und mit ihm abgewiesen wurde, obwohl sein Onkel in der Aufnahmejury saß, verheiratet sich mit der jüdischen Trafikantentochter und Schauspielerin Selma, die am Burgtheater, die heilige Johanna spielen darf, dabei aber ermordet wird.
Der Verdacht richtet sich zuerst auf Henriette, es war aber der Bruder Hermann, ein glühender Nazi, der dafür gehängt wurde, weil er auch an der Ermordung Dollfußs beteiligt war.
Henriette will aus dem Haus ausziehen, weil sie der Geist Selmas nicht schlafen läßt, wird aber von der Familie daran gehindert, als sie aber nach der Machtübernahme der Nazis zum Familienfest erscheinen will, wird sie von der deutschen Cousine hinausgeworfen und später, wie geschrieben, von den Nazis ermordet, weil die in ihren Schreibtisch wollen, aber da liegen ja einige Briefe vom Kronprinz Rudolf, vom Grafen Traun und natürlich auch die ihres seligen Mannes.
ein interessantes Buch, das natürlich hautnah von den Tramatisierungen, die Österreich damals erfuhr, zu berichten weiß und heute wahrscheinlich nur mehr im antiquarischen Zustand zu bekommen ist. Mein Exemplar macht einen ziemlich zerlesenen Eindruck und von Ernst Lothar habe ich inzwischen auch die „Mühlen der Gerechtigkeit“ gefunden, auf das in dem Buch auch hingewiesen wird.

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