Literaturgefluester

2012-09-06

Die Lizenz zum Schreiben

Filed under: Uncategorized — jancak @ 07:30

Die, die regelmäßig meinen Blog lesen, wissen ja, daß ich ein Problem mit meiner „Erfolglosigkeit“ habe. Da schreibe ich und schreibe und es kommt nicht dabei heraus, als an die dreißig Selbstpublikationen, ein einsames Bloggen, ein Hoppeln von Veranstaltung zu Veranstaltung und das mehr oder weniger laute Jammern darüber. Meine Leser nehmen es kommentarlos hin, meine liebe Psychologiekollegin Irmgard Gelter, die mir einmal ihren Job auf der HNO-Klinik, Sprachambulanz verschaffte, mailte mir im Juli, daß ihr mein Leiden an der mangelnden Resonanz auffalle „Aber Wünsche und Hoffnungen haben wohl die meisten Menschen und nicht alle gehen in Erfüllung!“, was wohl stimmt, aber sehr schwer zu verstehen und zu akzeptieren ist. Für mich jedenfalls und da sich vor ein paar Tagen Viktor Frankls Todes- oder Geburtstag jährte, hörte ich im Radio eine Logotherapeutin sagen, daß der große Arzt und Psychologe oder Neurologe, denn Psychologie hat er wahrscheinlich nicht studiert, uns in den KZs vorlebte, daß man aus jeder Situation einen Sinn ziehen kann. Das genau ist mein Dilemma, denn was ist der Sinn, wenn man schreibt und schreibt und es kommt nicht das dabei heraus, was bei den anderen selbstverständlich scheint.
Da gibt es junge Frauen, die sind 1988 der 1989 geboren, bringen ihren ersten Roman bei Kiepenheuer und Witsch heraus und stehen auf der ORF-Bestenliste auf Platz eins und ich schreibe und schreibe, mache ein Buch nach dem anderen und blogge dann darüber, wer heuer auf die Longlist des dBP gekommen ist und wer bei Rund um die Burg lesen darf.
Nicht gerade lustig diese Hoffnunglosigkeit und wahrscheinlich schwer einen Sinn darin zu sehen, zumindestens ist mir das noch nicht gelungen. Denn die Alternative, die ich sehe, ist aufzuhören und das will ich nicht. Dagegen wehre ich mich mit Händen und mit Füßen uns so schreibe ich und schreibe und bin wegen dem ausbleibenden Erfolg schon ein bißerl depressiv.
Ich weiß schon, ich muß es nicht, will es aber und habe wahrscheinlich viel mehr geschrieben, als die meisten, die auf der Longlist des dBp stehen und wenn ich das blogge, ist ein Schweigen die Folge, was auch nicht gerade lustig ist.
Ich sollte nicht soviel jammern, denke ich dann manchmal und tue es trotzdem immer und immer wieder, denn es strömt aus mir heraus und ist auch das, was ich mir denke.
Die Lizenz zum Schreiben, Anni Bürkl hatte diesen Satz auf ihren letzten Blog und bietet auch Schreibseminare und Coachings an, die offenbar auch angenommen werden.
Ich denke mir manchmal, daß mir die Lizenz zum Schreiben fehlt, daß ich, als die vergeben wurde, gerade nicht anwesend war, weil ich mich zufälligerweise immer zur falschen Zeit am falschen Platz aufzuhalten scheine, auch nicht sehr lustig.
Meine Freundin und Autorenkollegin Ruth Aspöck, der es wahrscheinlich auch nicht viel besser, als mir geht und die ihre „Edition die Donau hinunter“, höchstwahrscheinlich auch deshalb gegründet hat, damit sie ihre eigenen Bücher verlegen kann, hat meine Anfragen, meine Bücher bei ihr zu machen, immer abgewiesen und in sich in ihrem „Blindschleichenbuch“ auch gefragt, was die Maria, mein Alter Ego, zum Schreiben animiert?
Das weiß ich auch nicht so genau, es ist mir jedenfalls sehr, sehr wichtig, wahrscheinlich, weil es das Einzige in meinen Leben ist, was ich nicht so erreicht habe, wie ich es wollte und es gab einmal einen GAV-Kollegen, der wahrscheinlich auch nicht so besonders gut schrieb, dann hat die Feministin ihn verlegt und als ich ihn fragte, ob er sich bei ihr beworben hat, sagte er etwas überheblich „Ich doch nicht, das habe ich nicht nötig!“, später hat er ihr dann eine Klage angedroht, weil sie ihm ein Honorar für eine Lesung nicht zahlen konnte, weil sie das Geld nicht hatte.
Das ist wahrscheinlich der Unterschied zwischen den Männern und den Frauen, die Männer sind von sich überzeugt, die Frauen fragen nach und zweifeln und es ist nicht gerade lustig, sich beispielsweise am Volksstimmefest mit Julya Rabinowich über den Alpha Preis, für den sie ja nominiert ist, zu unterhalten und zu wissen, da hast du mit deinen Büchern keine Chance und wenn du zu der Veranstaltung gehen willst, um darüber zu schreiben, wirst du auch noch hinausgeschmissen, obwohl sie öffentlich ausgeschrieben war.
Was ist die Lösung aus diesem Dilemma? Ich habe keine, wie meine Leser ebenfalls wissen werden. Denn ich will nicht aufgeben und das Selbstbewußterwerden, wie ich es inzwischen praktiziere, hilft auch nicht wirklich weiter, wenn ich jemanden meinen Bücher zeige und der sie mit gespreizten Fingern nimmt und gedehnt „Sehr schön!“, sagt und sich nach dem Verlag erkundigt.
Denn was macht man, wenn man schreibt und schreibt und kein Verlag will eine, aus welchen Gründen auch immer, vielleicht habe ich es ein bißerl patschert angestellt, bin nicht sehr selbstsicher, habe kein Charisma, etc, was macht man da, wenn man nicht aufhören will? Darf man da weiterschreiben und sich selber verlegen.
Nein, habe ich bisher immer gehört und erfahren. Das darfst du nicht! Da hast du keine Chance! Inzwischen hat sich das ein wenig geändert, weil es ja die E-Books gibt, die jeder bei Amazon verkaufen kann, aber ob mich da wer kaufen würde, bin ich eigentlich skeptisch, bin ich ja schon einmal alleine bei einer Lesung gewesen. Das Danebenstehen mit seinen Büchern ist aber nicht so leicht und das Bloggen ohne Resonanz auch nicht, obwohl ich sehr froh über diese Möglichkeit bin und sie auch sehr intensiv nütze und wenn auch nur um zu jammern, denn das ist ehrlich und wird mit Herzblut praktiziert!
Thomas Wollinger veröffentlichte auf seinen Blog Schreiben, das Mail einer Sechzehnjährigen, die auch die Frage nach dem Sinn stellte und er hat ihr sehr lang, sehr intensiv und sehr wertschätzend darauf geantwortet.
„Weitermachen, denn es ist alles schon in dir!“
Das würde ich auch so sagen und ist auch das, was ich selber so gerne hören würde und offenbar immer überhöre.
Du darfst schreiben und auch Schreibseminare besuchen, mußt aber nicht unbedingt veröffentlichen, wäre eine Antwort.
Aber dann bist du weg vom Fenster und die Eigenintitative hat bis vor kurzem ja nicht viel gegolten. Ich habe keine Antwort auf diese Frage und sie beschäftigt mich immer noch und immer wieder, auch in Zeiten des E-Books, weil ich ja meine Bücher nicht bei Amazon einstelle, sondern immer noch fünzig Stück bei digiataldruck.at drucken lasse, da schon meine Nachahmer habe, die dann irgendeinen Verlagsnamen draufschreiben oder auch nicht, zwei immer in meiner Handtasche trage, im Augenblick schon vier Bücher habe, die aufs Fertigwerden warten und gespannt bin, wie meine Lesung am 29. 10. in der Alten Schmiede werden wird und da habe ich auch schon Horrorvisionen, daß ich da vielleicht ganz alleine lesen werde.
Ganz so schlimm ist es nicht, nach der Tiefe der Sommerlöcher, gibt es kleine Lichtblicke, so hat mich Stefan Schmitzer am Samstag beim Volkstimmefest auf meinen Text angesprochen und Nadine Kegele hat mir gemailt und gemeint, daß ihr mein Text gefallen hat.
Das gibt es auch und das hat mir gut getan, noch dazu, da ich an diesem Tag wieder zweihundert Besucher im Literaturgeflüster hatte und der Wieser Verlag meine Rezension über Axel Karners neues Buch schon am Abend auf seiner Seite angeführt hatte, obwohl ich ihn nicht verlinkt habe.
Manchmal werde ich und das Literaturgeflüster also schon bemerkt und dann wieder öfter übersehen und ich schreibe natürlich weiter, solange mir etwas einfällt und das tut es noch und denke mir nur, daß das so schwer ist, hätte ich im Jahre 1973, als ich damit angefangen habe, nicht gedacht und besonders viel Glück habe ich wohl nicht auch dabei gehabt. Ich tue es trotzdem, beharrlich und verbissen und ein bißchen, habe ich es wahrscheinlich inzwischen auch gelernt.

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3 Kommentare »

  1. Vielen Dank

    Kommentar von jancak — 2012-09-09 @ 07:56 | Antwort

  2. Kwalitativ und Kwalitativ. Du hast es beide. Wahrscheinlich kommt einmal ein kleines und groszes Werk bei Dir heraus. Sodass Du eine bekannte Autorin sein wirst. Dann hat man gleich Interesse in alles was Du vorhin geschrieben hast. Wieviel hat Dante geschrieben und Botticelli gemalt, Schubert Komponiert. Wo bleibt dann das Werk einer kleiner Schriftstellerin wie Du??

    Kommentar von frans postma — 2012-09-11 @ 11:25 | Antwort

    • Ja, das Werk, das immerhin schon an die dreißig Bücher und sonst noch einiges umfaßt, kannst du jetzt im Internet finden. Das ist der Vorteil der neuen Medien, daß man nicht mehr für die Schublade schreiben muß, das weiß ich schon und das finde ich auch sehr fein, daß da jetzt alles gut dokumentiert und geordnet ist.
      Leseproben gibts du auf meiner Homepage, die Schreibberichte im Literaturgeflüster und ich habe mir auch schon gedacht, daß ich, wenn einer, so wie du, im Ausland eines meiner Bücher lesen will, ihm das ja als E-Book zur Verfügung stellen kann, da die Portokosten leider inzwischen fast unbezahlbar sind und die Selbstkostenpreise zu denen ich meine Bücher abgebe, übersteigen.
      Vielen Dank für das Feedback, ich gebe zu, daß mich das freut und, daß ich das auch brauche, denn am meisten wundert mich ja, daß man hier schreiben und schreiben kann und keiner scheint es überhaupt zu merken!

      Kommentar von jancak — 2012-09-11 @ 12:59 | Antwort


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