Literaturgefluester

2012-09-15

Vom Fünften in den Vierten

Filed under: Uncategorized — jancak @ 23:41
Willi Resetarits 2012-09 @ WienMuseum

Willi Resetarits 2012-09 @ WienMuseum

Karl Ritter 2012-09 @ WienMuseum

Karl Ritter 2012-09 @ WienMuseum

„Bücherflohmarkt aus Protest gegen die Umwandlung der Poly-College-Buchhandlung in ein weiteres Wettlokal in der Reinprechtsdorferstraße“, habe ich im letzten Augustin gelesen.
Samstag von elf bis sechzehn Uhr im Innenhof des Hauses, wo sich die Augustin-Redaktion befindet und ich ja einmal auch Special Guest der Schreibwerkstatt war. Ja, das gerade in der Reinprechtsdorferstraße, aber auch in anderen Straßen des fünften Bezirks Geschäfte schließen und sich in Ein-Euro-Shops und Wettlokale verwandeln, kann man unschwer merken, wenn man ein bißchen spazieren geht und der Augustin Flohmarkt hat auch noch eine andere Vorgeschichte, wie sich in der Zeitung lesen lies.
Da gab es nämlich schon einen Bücherflohmarkt des Museums auf Abruf und der Wien Bibliothek,von dem ich keine Ahnung hatte, der aber offenbar so begehrt war, daß die Leute Schlange standen, um an die Gustostückln zu gelangen und der Reinerlös von zweitausendsiebenhundert Euro wurde ohne Pressofotos und Politikerhändeschütteln, einfach und problemlos dem Augustin übergeben, der jetzt selbst eine solche Aktion veranstaltete, weil ein Schauspieler seinen Vorlass loswerden sollte, die MA7 / Kultur noch etwas auf Lager hatte und ein August-Redakteur sich auch von seinen Büchern trennen wollte, außerdem sollte es zur jeder vollen Stunde ein literarisches Ereignis geben und die Republik Reinprechtsdort, eine Intitiative, die sich gegen die Wettbüros stark machen will, soll auch gegründet werden.

Nun ist es ja nicht so, daß ich an einen Büchermangel leide, im Gegenteil reicht mein SUB schon in das Jahr 2015 hinein, aber ich habe es ja schon geschrieben, die Herbstsaison läuft nur sehr schleppend an und „Rund um die Burg“, wo ich ja eigentlich gedacht hätte, daß ich dort die Freitagnacht bis Samstagnachmittag verbringe, gibt es ja auch nicht mehr in dieser Form.
Zwar bin ich gestern, als ich schon dachte, daß ich jetzt mit „Kerstins Achterl“ fast fertig bin, bei der Laut-Lese-Probe draufgekommen, daß doch noch eine Menge Fehler drinnenstecken und ich den Samstag zum Korrigieren brauchen hätte können, bin dann aber doch nach dem ich hundert Seiten in Christoph Ransmayers „Letzter Welt“ gelesen habe, in die Reinprechtsdorferstraße marschiert, wo ich ja einmal, auf Nummer 39, meine Praxis hatte.

Erich Meixner 2012-09 @ Akzent

Erich Meixner 2012-09 @ Akzent

Trixi Neundlinger 2012-09 @ Akzent

Trixi Neundlinger 2012-09 @ Akzent

Im Hof des Hauses Nummer 31 gab es einen Tisch in der Mitte und Bücherkisten auf der Seite, wo sich Taschenbücher aus den Siebzigerjahren und einiges aus Ruth Aspöcks Edition befanden, Michael Scharangs „Charly Tractor“ war auch zu sehen, Robert Sommer schickte mich aber in das Innere, weil sich dort die besseren Bücher befänden und das stimmte auch. Ganz neue und auch sichtlich ungelesene Leseexemplare von Sabrina Janeschs „Katzenberge“, Olga Martynovas „Sogar Papageien überleben uns“, Alina Broskys „Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche“ etc, mit dem aufgedruckten Datumstempel, ab wann man das Buch besprechen darf, also das, was vor ein paar Jahre auf den dBP Listen stand bzw. beim Bachmannpreis gelesen wurde, was wieder interessante Rückschlüße auf den Literaturbetrieb, wo ja jetzt wieder alle gebannt auf die Shortlist starren und sich die Leute über die Auswahl ärgern, weil nur eine Frau das Rennen machte und die Auswahl der drei Suhrkampbücher sehr voraussagbar schien. Nun ich habe zehn Euro für die erwähnten Bücher und noch einige andere, Irene Harands „Sein Kampf“, Evelyn Grills „Der Sammler“, die die ja schon lange haben wollte und sogar Richard Obermayrs „Das Fenster“ war dabei, gespendet und werde auch nicht so bald dazu kommen, die Bücher zu lesen, aber da kann man nicht widerstehen und dann ist es auch noch für einen guten Zweck.

Georg Herrnstadt 2012-09 @ Akzent

Georg Herrnstadt 2012-09 @ Akzent

Willi Resetarits 2012-09 @ Akzent

Willi Resetarits 2012-09 @ Akzent

Als ich damit gehen wollte, wies mich Robert Sommer auf das erste Literaturereignis hin, das bald beginnen sollte, Peter Ahorner las aus dem Fenster sozialkritische Gstanzerln und um zwei wurde dann der Kampf gegen die Wettbüros in dreiunddreißig Paragraphen verlesen, die auch im Augustin abgebildet sind. Mehr Kultur statt Wettcafes, lautet die Forderung, ob sich die Leute so einfach vom Glücksspiel abhalten lassen, das ja mit seinen Illusionen sehr verlockend ist, ist zwar fraglich, das Bücherlesen versetzt aber auch in andere Welten und das Kaufen der Hardcoverausgaben ist auch nicht ganz billig. Da lobe ich mir die Flohmärkte und die offenen Bücherschränke, wo man wahre Gustostückerln finden kann. Es gab dann noch „Hausmeisterdialoge“ und für sechzehn Uhr war Richard Weihs angekündigt, aber da war ich schon gegangen, erwartete mich an diesem Samstag ja noch ein anderes Event, nämlich „Dreispiel im Vierten“, drei Konzerte mit Willi Resetarits, wo man vom Wien Museum am Karlsplatz, über das Radio Kulturhaus ins Theater Akzent hoppeln mußte und da ist es ja sehr gut, daß ich die letzte Nacht in meinem Bett und nicht im Zelt vor dem Burgtheater verbrachte.
Dreimal Willi Resetarits an drei Veranstaltungsorten und eigentlich hatten wir die Kurzfassung sozusagen schon am Volksstimmefest gehabt.

Herbert Tampier 2012-09 @ Akzent

Herbert Tampier 2012-09 @ Akzent

Helmut Grössing 2012-09 @ Akzent

Helmut Grössing 2012-09 @ Akzent

Begann es ja im Wien-Museum mit einer H.C.Artmann Lesung, begleitet wurde er von dem Gitaristen Karl Ritter. Jetzt bin ich ja nicht so ein besonderer H.C. Artmann Fan, den Willi Resetaris Hl. Heiliger Artmann nennt, um ihn von H.C. Strache abzugrenzen, der aber Hans Christian und nicht Hans Carl heißt und der mir manchmal ein bißchen zu derb und aggressiv ist. Dem Publikum hat es aber gefallen. Willi Resetarits hat auch überzogen, am Schluß spielte der Gitarist ein Solo, Alfred fotografierte und dann ging es im Eiltempo in die Argentinierstraße, dort war das Programm Latin Music verschmolzen mit Rock, Jazz und Wienerlied mit seiner Tochter Johanna und den burgendländischen kroatischen Liedern mit den Basbaritoni am kürzesten. Die Wiener Lieder haben, glaube ich, überhaupt gefehlt, dann die Argentinierstraße hinauf zum Theater Akzent. Da gab es das Jura Soyfer Programm mit den Schmetterlingen, auf das schon Christoph Kepplinger beim Volksstimmefest aufmerksam gemacht hat und das war meiner Meinung nach auch der tollste Programmpunkt, die „Verdrängten Jahre“, die mit dem „Lied von der Erde“ begannen und sozusagen mit dem „Dachaulied“, wenn man die Zugaben abrechnet endeten.

Die Schmetterlinge 2012-09 @ Akzent

Die Schmetterlinge 2012-09 @ Akzent

Willi Resetarits las dazwischen ein bißchen was aus dem Romanfragment „So starb eine Partei“ und erzählte die Geschichte und ich glaube, ich habe die „Schmettlinge“, die ja inzwischen eine Kultband sind und auch schon graue Haare haben, nie live gesehen.
Die Lieder auf der Schallplatte habe ich gehört und Jura Soyfer ist mir auch ein Begriff und das Lied von den Menschen, die auch das Zitat der Volkkstimmefestlesung war, hat Willi Resetarits ebenfalls gesungen.

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