Literaturgefluester

2012-09-22

Zwei Jahre in zwei Tagen

Filed under: Uncategorized — jancak @ 23:05

Das Writers Studio hat zum dritten Mal zu den Tagen der öffenen Tür eingeladen, vor zwei Jahren gab es da ja einen Tag mit Gratisseminaren und einem großen Eröffnungsfest, als Judith Wolfsberger mit ihrem Team von der Kaiserstraße in die Pramergasse umgezogen ist, voriges Jahr waren es dann schon zwei Tage, wo ich nur am Freitag war, da es am Samstag die Poet-Night gegeben hat, wo ich sehr früh gelesen habe und heuer ist es wieder so. Daß die Tage der offenen Tür diesmal am 21. und am 22.9. sein werden, wurde schon bei dem Zehnjahresfest im Juni bekanntgegeben und am Samstag ist wieder die Poet Night. Also dasselbe noch einmal habe ich gedacht, mir dann das Programm angesehen und „Shit!“, ausgerufen, denn das Writers Studio wird immer professioneller und bietet immer mehr Seminare an, das ist noch kein Grund zum Fluchen, ganz im Gegenteil.
Aber es gibt jetzt zwei ein Jahreslehrgänge, das „Writing for your profession“ und das „Passion Writing“, das hat es, glaube ich, schon im vorigen Jahr so gegeben, aber diesmal werden die zwei Jahrgänge an je einem Tag vorgestellt und man kann in die Seiminare hineinschnuppen und blöderweise war das berufliche Schreiben am Freitag und das literarische am Samstag dran und das interessiert mich mehr als als Freewriting für Pädagogen, das Journalistische Schreiben und das Sachbuch Know how, etc
„Kann man nichts machen!“, habe ich gedacht, dann kam der Ablaufplan für die Poet Night und ich bin diesmal nicht, wie in den letzten Jahren, zwischen vier und fünf dran, so daß ich schon nach der Mittagspause gehen hätte müßen, sondern erst um 23 Uhr 24, dazwischen werden auch noch in der Grundsteingasse vor dem offenen Bücherschrank, die Preise, für den „Gefunden“ Wettbewerb verlost und die Poet Night ist lang genug, habe ich gedacht, wenn ich nach dem letzten Workshop noch rasch auf den Brunnenmarkt schaue, bin ich um acht im Siebenstern, habe zwar die Lesungen der ersten vier Stunden versäumt, aber zu mir kommen die Leute auch nicht und ich bin sowieso immer am längsten dort, bin ich ja eine Marathonveranstaltungshopperin und das war ich auch im Writersstudio.
Mit dem „Mindwriting“ den Morgenseiten, hat es am Freitag angefangen. Diesmal war keine lästige Reporterin da, die einen in den Text hineinfotografieren wollte, sondern eine kleine Gruppe, ich war ein bißchen müde, bin aber gut hineingekommen, obwohl ich keine Morgenschreiberin bin, das habe ich auch in der Vorstellungsrunde so gesagt. Der Tag beginnt für mich meistens mit dem Lesen in der Badewanne, dann bereite ich mich auf meinen psychologischen Praxistag vor und das Schreiben kommt zwischendurch.
Die zehn „Freewriting-Regeln“ nach Natalie Goldberg und Peter Elbow bereiten mir aber keine Schwierigkeiten, so habe ich ein bißchen mein Schreiberleben geordnet, sind wir ja von einem Gedicht ausgegangen, daß man die Buchstaben, um sich herum sehen soll und dann ins Meer springen und davonschwimmen, aber ich kann nicht schwimmen, schreiben aber schon und in den Schnupperseminaren des Writerstudio habe ich ja sozusagen, die „Frau auf der Bank“ erschrieben. Beim Schreibcafe mit Yoga Probetraining, habe ich Braingestormt und in der „Schreibfabrik“ im Okober die Tanzstundenszene vorgelesen und mir Feedback geholt und als ich von dem Sommerfest mit meinen Schreibwünschen nach Haus gekommen bin, hatte ich schon die Einladung zur Lesung in die Alte Schmiede bekommen.
Also eigentlich geht es mir gar nicht so schlecht mit meinem Schreiben, ich tue es jedenfalls sehr viel, habe schon an die dreißig Bücher, fast 1200 Blogartikeln und auch offene Bücherschränke und sehr viel Veranstaltungen, die ich regelmäßig besuche und, daß ich gerne über das „Schreiben in Wien“ blogge, habe ich schon im vorigen Seiminar über das Sachbuchschreiben bekanntgegeben. Das kam diesmal erst am Nachmittag. Es folgten die „Writer Tricks“ und da clusterten wir zum Begriff „Loslassen“, bei mir ist der Beginn zu meinem neuen Text, bzw. einige Ideen dazu mit dem Arbeitstitel „Zum Sterben ist man nicht gern allein“ oder so, entstanden, der wird dann zwar ein wenig aufs Eis gelegt, weil ich ja noch an „Kerstins Achterln“ korrigiere und dann das „Literaturgeflüster-Texte-Buch“ machen will, bzw. wieder einmal beim Nanowrimo mitschreiben.
„Hot Text“, war, glaube ich, neu und auch nicht das, was mich so unbedingt interessiert. Michaela Muschitz stellte das professionelle Werbetexten vor und ließ uns in die Rolle eines Kosmetikartikels schlüpfen, weil Verkaufen ja wichtig ist und alle die schnupperten Frauen waren. Damit sollten wir uns positionieren und ich habe das mit einem Lippenstift versucht und den Text vorgelesen, was sehr lustig war, denn ich schminke mich ja kaum und in der hochpreisigen Qualitätsklasse sehe ich mich eigentlich auch nicht. Ana Znidar stellte wieder „Social Media“ vor, wir sollten drei Texte über etwas, das uns erregt schreiben, da ich ja nicht facebooke und nicht twitterte, habe ich meinen Unmut über die Abdrehung des Untersuchungsausschußes in einem Blogartikel zum Ausdruck zu verbringen versucht, der mit „Was ist faul im Staate Österreich, sollen, können, dürfen wir uns alles gefallen lassen“ begann.
Dann kam eine Mittagspause und ich ging am Kanal spazieren. Am Nachmittag folgte wieder eine Einführung über das Nonfiction Buch. Da waren sehr viele Schnupperer, auch ein zwei Männer, gekommen und ich landete in einer Gruppe, die sich über ein Sachbuch „Interkulturelle Kommunikation“ Gedanken machen sollte.
Danach gabs eine Einführung in den „Schreibtrainer-Lehrgang“, bzw. sollten wir erarbeiten, was bei Blockaden nützt, mir weiterschreiben, Disziplin, Beharrlichkeit, darüber bloggen, jammern, jeiern und in den Texten der anderen nachschauen, wo sie besser sind und immer öfter die Erfahrung machen, sie sind das gar nicht.
„Freewriting für Pädagoginnen und Eltern“ mit Gundi Haigner habe ich vor zwei Jahren auch schon gehört, inzwischen hat sie mit ihren Klassen aber einige Preise, darunter den Exil Literaturpreis gewonnen und ihr Programm in einer Mappe zusammengestellt. Sie erzählte uns davon und dann durften wir uns, wie bei der Schreibfabrik ein paar Karten ziehen und vier kleine Texte dazu schreiben. Das „Journalistische Schreiben“ mit den „sieben w“, wo, wie, was, warum, wann, wo, woher, habe ich auch schon vor zwei Jahren gehört. Der Text den ich dazu in Boulvardzeitungmanier schreiben sollte, lautete „Bewaffneter „Waldmensch“ weiter auf Flucht vor der Polizei.Dann kam ein männlicher Trainer und brachte uns ein bißchen den sprachlichen Feinschliff bei, also, daß man keine Schachtelsätze und nicht zu viele Adjektive verwenden soll.
Dann rauchte mir der Kopf, denn das „Writing for your profession“, das Textsorten für Print und Online Medien, Personal Essay, Marketingtexte etc anzubieten hat, war sehr intensiv. Neue Leute habe ich auch kennengelernt und mit ihnen nette Gespräche bei Tee, Kaffee und Keksen geführt.
Am Samstag ist es mit dem „Passion Writing“, was mich ja mehr interessiert, weitergegangen und auch das ist inzwischen sehr umfangreich. Mit den Morgenseiten hat es angefangen. Diesmal habe ich den Satzanfang „Heute möchte ich…“, genommen und mich damit beschäftigt, wie ich es schaffen kann, den Monstertag ohne Kopfweh durchzustehen, denn einen Schreiblehrgang in einem Tag durchzumachen ist ja sehr anstrengend und es ist in jeden Seminar sehr intensiv zugegangen.
Junge Leute unter den Teilnehmern, eine Mutter hat ihre Tochter begleitet und die „Writer Tricks“, das Nähkästchen der Methoden wurde diesmal von Pamela Wahl präsentiert. Die passend zum Herbstbeginn kleine rote Kärtchen verteilten und aus vier eine Geschichte schreiben ließ, ich habe mir „Gewitterfront“, „Herbstgewinn“, „Sonnenblume“ und „blau““ gezogen. Interessant war, welche literarische Texte dabei heauskommen, wenn man ein Wort wiederholt.
„Morgennebel ziehen auf“, hat so eine Teilnehmerin immer wieder geschrieben und es war total gut. Dann folgte das „Short Story“ schreiben mit Ana Znidar, diesen Schnupperworkshop habe ich schon einmal gemacht, an ein paar bewegende Momente denken und dann einen Dialog daraus machen, was ja meine Schwierigkeit zu sein scheint. Ich habe ein bißchen an meinem neuen Projekt herumprobiert und eine Szene dafür konzipiert, Dialog ist, weil es sich um innere Stimmen handelte, keiner herausgekommen. Ich erinnere mich aber, wie das vor zwei Jahren eine Teilnehmerin gekonnt, mit einem Streit zwischen einer Mutter und einer Tochter und ein paar heftigen Worten machte.
Das sollte nach der Pause noch einmal kommen, vorher gab es aber etwas ganz Neues von Judith Wolfsberger, nämlich den „Personal Essay“, eine Textsorte aus Amerika, wo man von einem persönlichen Erlebnis ausgehend zu einer allgemeinen These kommen soll. Sie brachte ein Beispiel aus einem Buchprojekt, wo jeder etwas zum Thema „Liebe“ einbrachte und las eine Geschichte vor, wo eine Mutter ihrer Tochter ihre Liebe beweist, in dem sie für sie immer ein Licht in der Küche brennen läßt.
Nach der Pause gabs dann wieder etwas Neues, nämlich das Drehbuchschreiben mit Vivien Bronner, die eine sehr imposante Trainerin war.
„Was ist das Wichtigste am Drehbuch schreiben?“
„Der Dialog natürlich!“
„Falsch, hereingefallen!“, das ist das Alllerunwichtigste, es geht um Szenen und um Bilder und sie stellte die Aufgabe an einen Sohn zu denken, der zu seinem dominanten Vater nach seinem Schulabschluß nach Hause kommt, der Vater will, das er ins Geschäft einsteigt, der Sohn will etwas anderes.
Da hatte ich dann sofort den „Radetzkymarsch“ im Kopf, das Buch, das ich im Sommer gelesen habe und die Szene, wo die beiden Trottas mit der Haushälterin den Tafelspitz und die Kirschenknödel essen. Den anderen mochte es ähnlich gegangen sein, ein Vater zündete dem Sohn eine Zigarette an, eine Teilnehmerin verlegte die Szene nach Afrika, aber wie stellt man filmisch Gedanken und Gefühle dar?
Dann kam die Lösung in einem Filmausschnitt aus der Stummfilmzeit, der Vater setzt dem Sohn, der eine Kappe möchte, Hüte auf, einem nach dem anderen, der Sohn zieht Grimassen und setzt sich am Ende durch.
Also Drehbuch ganz ohne Dialoge oder nur an letzter Stelle? Ich weiß nicht recht, tue mir mit ihnen aber ohnehin recht schwer und werde vermutlich auch nicht Drehbuchschreiberin, glaube aber schon, daß es stimmt, daß die Prosa lebendiger wird, wenn man sich damit beschäftigt.
Dann wurde es wieder bekannter. Habe ich das „Travel Writing“ mit Ana Znidar, ja, glaube ich, schon zweimal angeschnuppert und bin ja inzwischen auch dazugekommen meine eigenen Skizzen von meinem Urlaub mitzubringen und in meinen Blog zu stellen. Danach kamen „Life Writing“ und „Memoir“, was ist der Unterschied habe nicht nur ich mich gefragt?
„Schreibend erleben – lebendig beschreiben. Einstieg ins Schreiben über das eigene Erleben“, wird das Seminar, das Anna Ladurner hält, aber von einer Dame aus Tulln präsentiert wurde, beschrieben und wir haben es auch gleich sehr lebendig mit dem biographischen Tasten begonnen, die Hand aufzeichnen, draufschreiben, was wir schon angegriffen haben und darüüber schreiben. Vor zwei Jahren haben wir das mit Irene Rauch mit Gerüchen gemacht, das Workshop hat, glaube ich, anders geheißen, war aber genauso intensiv und ich bin wieder in meine schüchterne Kindheit, in den Arbeiterhaushalt mit den Büchern und der strengen Mutter, die nicht viel erlaubte, gekommen.
Das „Memoir Writing“ ist umfassender, da entwickelt man ein autobiographisches Schreibprojekt, keine Autobiographie, sondern über einen Teil seines Lebens, über seine Kindheit, hat das Franc McCourth, ja hervorragend getan, in Amerika steht Memoir darauf, bei uns Roman, das habe ich ja kürzlich selbst beim zweisprachigen Lesen des Buchs überprüft und im Miniworkshop bin ich vom Bett im elterlichen Schlafzimmer, wo ich die Seite des Buchs eingerissen habe, um es behalten zu können, zu der Szene gekommen, wo ich schüchtern und unbeholfen mit siebzehn auf einen Ball gehen wollte und das dann nur tat, weil ich die Eltern im Schlafzimmer sagen hörte, daß ich mich das ohnehin nicht trauen würde, habs getan, umbeholfen im unpassenden Kleid, bin dann ausgerutscht und hingefallen, was ganz schön peinlich war, denn unsere Aufgabe war über packende Erinnerungen zu schreiben, weil die dann die Leser berühren.
„Denke an die fünf Dinge, über die du auf keinen Fall schreiben willst und such dir dann eines aus!“, lernt man in Amerika.
Und dann mußt du deinen Rohtext natürlich überarbeiten. So hieß dann der letzte Workshop, wieder von Ana Znidar gestaltet, wo wir uns einen unsere Texte hernahmen, die meisten, hatten ja inzwischen schon sehr viele und die Wörter herausnahmen, die zuviel erzählten und zu wenig zeigten. Ich mußte da bei meiner Konfliktgeschichte aufpassen, habe ich da ja das Gefühl der Peinlichkeit wahrscheinlich zu oft geschrieben und dann noch schnell ein „hochrot im Gesicht“ eingefügt und dann wieder besonders schmerzhaft, den Text auf dreißig Prozent kürzen. Das habe ich bei der Tanzschulgeschichte nur sehr unwillig getan, beim Traveltext, der mich diesmal nach Saremaa führte, wärs wahrscheinlich einfacher gegangen und noch etwas haben wir geübt, die richtigen Anfänge finden. Beim Freewriting, das wir ja die ganze Zeit praktizierten, fängt man oft zu banal an, da muß man dann die spannenderen Stellen nach vorn verlegen, ein junger Mann hats vorgelesen, wo das funktionierte.
Das war das Schnuppern in die Schreiblehrgänge, in die man sich nun vertiefen muß. Das Writersstudio bietet zu den einzelnen Workshops Infotage an, wo man mehr darüber erfahren kann. Bei einigen Seminaren gibt es, glaube ich, Voraussetzungen, so muß man das „Short Story“ Seminar schon haben, wenn man das „Memoir Schreiben“ lernen will und beim Journalistischen Schreiben braucht man, glaube ich, die „Writer Tricks“ um die Methode des Clusters schon zu können.
Man kann die Workshops einzeln machen oder sich auch die Schreiblehrgänge wählen und wenn man eine Diplomarbeit geschrieben hat und beim „Frei schreiben“ war, kann man auch Schreibtrainerin werden.
Nach den Workshops wurden die Infoblätter zu den Seminaren ausgeteilt und damit es nicht zu anstrengend wird und man nicht, wie ich am Abend, Kopfweh bekommt, gibt es auch die Retreats, wo man an schöne Orte schreiben fährt, oder sich beim „Urban Magic Mindwriting“ in ein Donauschiff oder ins Sigmund Freud Museum setzt, um sich von der Stadt inspirieren zu lassen.
Ja richtig, die Schreibenächte, die früher Irene Rauch, die jetzt ja nicht mehr dabei ist, machte, gibt es auch. Ein junger Mann erzählte begeistert vom letzten, in dem es übers Reisen ging, das er besuchte. Da hat die Trainerin kleine Schiffchen gebastelt, die noch zu sehen waren, man konnte sich eines aussuchen und damit auf Reisen gehen und fünf solcher Schreibnächte werden unter den Schnuppernden verlost, mal sehen, ob ich bei den Gerwinnern bin.

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