Literaturgefluester

2012-09-20

Blutiger Sand

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:26

Mit der Wiener Psychoanalytikerin, mit der ich Psychologie studiert habe, auf die Reise nach Amerika, um die Spielhöllen und die Einkaufsparadise in Las Vegas, die Wüsten, den Grand Canyon, die Nationalparks und die Indianerrevorvate aufzusuchen, ihr neuer bei Haymon erschienenes Buch, machts möglich und natürlich ist es ein Kriminalroman. Weil das die Leser gerne wollen, wie die Kriminächte mit den überfüllten Cafehäusern ja beweisen, die Autoren aber trotzdem einen einen Schreibdruck zu haben scheinen, so daß deren Erimittler immer schriller, immer schräger und abnormer werden, am Ende selber die Mörder sind, Psychopharmaka schlucken oder sich in Therapie begeben oder sie gehen auf Reisen, weil die Reiseliteratur ja auch ein interessierendes Thema ist, das Writersstudio bietet beispielsweise solche Lehrgänge an und meint dazu, Reiseberichte werden veröffentlicht, vielleicht ist das auch nicht mehr so einfach, also schickt man seinen Detektiv auf Reisen, Anica Matzka-Dojder hat ja bei der Perutz-Preis-Verleihung bekannt, selber nie ohne einen Krmi der Region zu verreisen, also war ich in den letzten Tagen mit Edith Kneifls neuen Krimi in Amerika, real bin ich das wahrscheinlich ohne einen solchen, 1989 das erste Mal gewesen und habe da ebenfalls Las Vegas und den Grand Canyon besucht, bzw am Rand der Wüste entlanggefahren, vielleicht war es jener Highway 66, auf die Idee einen Krimi darüber zu schreiben, bin ich nicht gekommen, was vielleicht ein Fehler war, aber jetzt zur Sache Schätzchen, schwafle nicht so viel herum.
Edith Kneifl, die ja auch eine Vielschreiberin zu sein scheint und in diesem Jahr schon den zweiten Krimi veröffentlichte, hat ja schon in „Schön tot“, die schöne Romni und Kellnerin Katharina Kafka in die Geschäfte des fünften Bezirks geschickt und damit die Gemüter mancher Leser erregt, die nicht soviel Margareten Werbung wollten, hatte ihren schwulen Freund Orlando, der in Kleidern der Kaiserin Sisi herummrannte, auf ihrer Seite, tut das jeder Homosexuelle automatisch oder war das nur die sogenannte Erhöhung, um die Leser an das Buch zu locken? Dieses Buch habe ich nicht gelesen. Dafür aber „Stadt der Schmerzen“ und da fahren Katharina Kafka (auch ein sprechender Name, der hier nicht angeprangert wird) und Orlando nach Florenz zu einer Familienfeier und die schöne Kellnerin, die eigentlich Historikerin ist, scheint ein Trauma zu haben, wurden doch ihre Eltern vor zwanzig Jahren auf der Route 66 ermoret.
Und so beginnt es auch im Oktober 1992 in Texas, Amarillo. Max Kafka, Drucker bei der Arbeiterzeitung, die leider eingestellt wurde, fährt mit seiner Abfertigung und seiner Frau Rita nach Amerika, sie machen Halt auf einem einsamen Selbstbedienungscampingplatz und werden brutalst niedergemetzelt.
Dann geht es in die Gegenwart und auf den Pariser Flughafen, denn da checken Katharina und Orlando ein, hat doch ein Detektiv Katharina angerufen und ihr mitgeteilt, einer der beiden Täter wurde festgenommen. So geht es nach Las Vegas, Orlando, jetzt nicht mehr im Sisi-Kostüm, sondern in Kleidern, die auch Romy Schneider tragen hätte können, die er jetzt verehrt, ist von der Stadt begeistert, geht schoppen, bzw. in die Automatenhallen und wir erfahren zuerst einmal iel von der Architektur der Stadt etc.
Am nächsten Tag geht es in das Büro von Detektiv Simon Hunter, auch ein sprechender Name und ein Angehöriger der indianischen Ureinwohner, der von zwei Tätern spricht, die die letzten zwanzig Jahre in ihrer Lust am Töten, die amerikanischen Autobahnen unsicher machten, einer ist gefasst worden, ein anderer „The snake“, genannt, läuft noch frei herum. Kafka ist begeistert und will sich gleich alle Tatorte ansehen, so mieten sie am nächsten Tag ein klapprigen Auto und ab gehts in die Wüste zu einer Tankstelle, wo auch schon mal gemordet wurde. Nur leider geht das Auto vorher ein, so stehen Kafka und der schöne Transvestit im kurzen Röckchen auf der Autobahn und halten die Laster an, ein sehr gefährliches Unternehmen, könnte man meinen, der Jamie, der sie mitnimmt, bringt sie aber zum nächsten Gebrauchswarenhandel, das ist just die Tankstelle, wo 1995 der Tankwart ermordet wurde. Orlando und Kafka lernen den Tankwart Tom und seine indianische Frau Claire kennen. Am nächsten Tag holt Simon Hunter die Beiden ab und bringt sie nach Las Vegas zurück von dort geht es mit einem anderen Mietwagen weiter auf die Schauplätze der Verbrechen Tour. Sie werden aber, Hunter, der mit Kafka ein Liebesverhältnis beginnt, hat sich ihnen angeschlossen, von der Wirklichkeit eingeholt und neue Verbrechen passieren. So werden zwei ältere Holländerinnen auf der Indianer Show, die sie besuchen, ermordet und einen seltsamen Mann und Schlangenkenner namens Mike Logan haben sie auch noch kennengelernt, ist er „The Snake?“. Orlando, eifersüchtig und mißtrauisch, vermutet es, ich werde, weil man ja bei Krimis nicht so offen sein soll, das Geheimnis nicht verraten, nur so viel, es geht alles gut aus. Der Mörder wird entlarvt, obwohl es Kafka vorher beinahe an den Kragen ging und sie gefesselt in einem Auto lag und zu Edith Kneifls neuem Krimi bzw. Reisebericht kann ich sagen, daß sie sehr spannend war und ich die Art und Weise der Beschreibung durchaus origineller, als ihre vorigen Bücher empfunden habe. Man lernt auch viel über die Geschichte und die Armut der Indianer und ich könnte mir vorstellen, daß es spannend ist, das Buch auf eine Reise nach Las Vegas oder auf die Route 66 mitzunehmen, obwohl man sich dann wahrscheinlich nicht auf die einsamen Selbstbeideinungscampingplätze trauen wird.

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2012-09-19

Von der Kriminacht

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:01

Bei der Kriminacht, dieser Großveranstaltung, die besser Krimiabend heißen sollte, da es an einem Abend mehr oder minder gleichzeitig an die fünfzig Veranstaltungen, die zwischen halb sechs und neun beginnen gibt, hat man die Qual der Wahl und kann sich etwas aussuchen, da Hoppeln von Veranstaltung zu Veranstaltung schwer möglich ist.
Daß der Stargast Jussi Adler Olsen war, der in einem ausreservierten Gartenbaukino las, war im Morgenjournal zu hören, dann gabs natürlich das Who is Who der österreichischen Kriminalliteratur Stefan Slupetzky, Thomas Raab, Eva Rossmann u.v.m. steht auf dem kleinen schwarzen Folder mit den entsetzten Köpfen eines Kellners und einer Kellnerin, denen die Tassen bzw. die Gläser aus der Hand fallen.
„Im Wiener Kaffeehaus“ steht noch dabei, was so nicht stimmt, weil es auch Büchereien und Buchhandlungen etc Veranstaltungen anbieten.
Vierundfünzig Veranstaltungen an einem Abend sind aber eine Leistungen des Veranstalters oder auch ein Wagnis, aber die, bei denen ich bisher war, waren meist sehr überfüllt.
Einmal bei Thalia in der Landstraße mit der Eva Rossmann, wo es Schwierigkeiten mit dem Reservieren gab und ich dann solange vor den leeren Sesseln stand, bis klar war, daß die erwarteten VIPs nicht kamen, auch nicht lustig, beim Thomas Raab war das Radiokulturcafe überfüllt und ich bin dicht bei der Tür gestanden, der Autor hat aus seinem ersten „Metzger“ gelesen und gefragt, wer kein Handy hätte, dann war ich beim Georg Haderer 2009 in der Buchhandlung Morawa und voriges Jahr bei der Eva Rossmann im Cafe Museum, wo man lange draußen in einer Schlange stand, als ich endlich bei der Tür war, hat sie mir der Security vor der Nase zugemacht, wieder nicht sehr lustig, für die Veranstalter aber sicher ein Erfolg, daß sie an einem Abend so viel Publikum interessieren können.
Ich schreibe es ja immer wieder, ich lese Krimis ganz gerne, obwohl ich keine schreiben kann und zu der Veranstaltung gehe ich hauptsächlich wegen dem Literaturgeflüster, weil ich ja nicht gerne konsumiere, nicht gerne in Schlangen stehe und es auch verwirrend ist, wo man jetzt reservieren muß, wo nicht, wo man überhaupt eine extra Einladung braucht und man sowieso nicht alles mitbekommt, was die Marathonbesucherin natürlich schmerzt.
Bei vierundfünfzig Veranstaltungen findet sich aber schon etwas und so strich ich mir die Wien Bibliothek, die Hauptbüchererei und die Buchhandlung Morawa an, weil da ein Herbert Dutzler aus einem Altausseer Krimi gelesen hat und da ja Anni Bürkl Ausseer Krimis, die heuer, glaube ich, nicht gelesen hat, hat, die ich auf ihrer Website mitverfolge und sich Alfred Komarek, wenn auch nicht in seinen Krimis, mit dieser Region beschäftigt und Barbara Frischmuth, das höchst literarisch gleichfalls tut, war mein Interesse geweckt.
Die Hauptbücherei hat eine englischsprachige Lesung angeboten. In der Wien-Bibliothek war die mir unbekannte Bettina Raddatz angekündigt, da habe ich aber am Nachmittag gelesen, daß da Edith Kneifl ihren neuen Krimi vorstellt und da ich den gerade ausgelesen habe, wäre das nicht sehr effizient gewesen.
Die Buchhandlung Morawa passte aber und da ich nicht genau wußte, wie groß der Andrang war, bin ich schon vor sieben dort gewesen, kann man sich in einer Buchhandlung ja immer Bücher anschauen, so daß es bestimmt nicht langweilig wird. Ich war auch ziemlich die Erste, wurden ja gerade erst die Bücherstapel weg und die Sesselreihen aufgebaut, dann kamen schon die Interessenten und es wurde sehr schnell voll.
Faszinierend eigentlich, wie gut das funktioniert, das hat auch der 1958 geborene Lehrer Herbert Dutzler festgestellt, der seinen zweiten bei Haymon erschienenen Krimi „Letzter Gipfel“ vorstellte. Der erste hat „Letzter Kirtag“ geheißen und die junge Lektorin, die den Autor vorstellte, hat etwas von liebevoll geschilderten Figuren und wenig Action in der Einleitung erwähnt. Der Autor hat dann seinen Krimi selbst kommentiert, in dem es, um einen etwas patscherten Polizisten und, um zwei vom Loser gefallene Frauen geht. Eine hatte nur mehr einen Schädel, denn nach einem Jahr haben die Vögel alles aufgefressen, erklärte der Autor launig und das, was er las, war auch viel alltäglicher, als beispielsweise die Mayor Schäfer Krimis. Ob es eine Chefinspektorin, hier Frau Doktor genannt, mit Schlangen und mit Spinnenphobie, die trotzdem energisch den Berg zum Tatort hinaufschreitet und nicht mit dem Hubschrauber fliegt, gibt, weiß ich nicht, der Polizist leidet jedenfalls unter Höhenangst und hat die vorher hineingeschaufelten Käsespätzle beim Anblick des Totenkopfes wieder herausgebrochen. Dann wird der Gatte der Toten verdächtigt, weil er statt die Leiche zu identifizieren in das Auto der Frau Doktor rast, die schießt auf ihn und läßt ihn Handschellen anlegen und am Schluß geht es noch in eine Schule, wo die Zeichenlehrerin, den Polizisten anschnauzt, sie hätte keine Zeit aus dem Fenster zu schauen, weil sich ihre Kevins etc sonst die Mafarben ins Gesicht schmieren würden.
Alles sehr lustig, alltagsskurril sozusagen, die Aufzeichnungen der menschlichen Schwächen, die Leute haben sich, glaube ich, gut unterhalten, von der Handlung war nicht viel mitzubekommen, aber das war wahrscheinlich auch Sinn der Sache, wo neben Kugelschreibern, Zuckerln, Feuerzeugen und Kugelschreibern große Bücherstapel aufgereiht waren, die der Autor gerne signierte, aber ich habe jetzt ohnehin einige Haymon Krimis gelesen und dank des offenen Bücherschranks auch noch einige ältere von der Donna Leon und andere Gustostückerl auf mich warten. Der Herr von der Buchhandlung gab noch Hinweise, wo man noch hingehen hätte könnte, das Cafe Hawelka mit Franz Zeller, der um einundzwanzig Uhr begonnen hat, wäre dabei gewesen, die Oper hat aber, glaube ich, auch ihre neue Saison eröffnet und auf jeden Fall die „Sizilanische Vesper“ übertragen, so daß ich da noch ein bißchen sitzengeblieben bin und vorige Woche war ich ja bei der Leo Perutz Preisverleihung, die man als diesbezügliche Insiderveranstaltung bezeichnen könnte und die dort auf der Shortlist standen, haben auch alle gelesen, Manfred Rebhandl beim Thalia in der Mariahilferstraße beispielsweise, wo ich auch hingehen hätte können, Arne Dahl, den schwedischen Bestsellerautor habe ich jetzt fast vergessen, im ausreservierten Cafe Schwarzenberg und mit einem vermeintlichen Schwedenkrimi habe ich mich ja noch im Sommerloch beschäftigt.

2012-09-18

Saisoneröffnung mit Barbara Frischmuth

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:44

Jetzt ists also soweit, die Alte Schmiede ist in die achtunddreißigste Saison gegangen (ich erinnere mich noch an die Zeiten, als ich als Studentin im Durchgangskabinett in der Wattgasse im Bett lag und mein Vater kam mit dem Kurier oder Arbeiterzeitung herein und erzählte mir, da gibt es jetzt ein literarisches Quartier) und hat als auserwählte Neuerscheinung Barbara Frischmuth eingeladen, ihren bei Aufbau erschienenen neuen Roman „Woher wir kommen“ zu präsentieren.
Das waren noch Zeiten, als ihre Romane beim Jung und Jung Residenz erschienen sind und an Barbara Frischmuth erinnere ich mich natürlich auch.
Habe ich ja in der Wattgasse und später in der Otto Bauer Gasse Psychologie studiert und geschrieben und von den schönen alten Redisdenzausgaben mit den so charakteristischen Titelbildern habe ich mir auch einige gekauft und sie begierig gelesen, um herauszufinden, wie Barbara Frischmuth es macht, deren Stil mir immer sehr sympathisch war.
Nicht ganz die ersten Romane habe ich gelesen, einen Teil der Sternwieser Trilogie habe ich mir, kann ich mich erinnern, am Tage meiner Promotion gekauft, da war ich noch rebellisch genug, alleine hinzugehen, um meinem Vater eines auszuwischen, der sich nicht wichtig mit mir machen sollte, danach in die Buchhandlung auf der Ringstraße der Uni visavis, die heute ein Sub-Restaurant ist oder war und dann in das „Hausboot“ essen, das später ein Mc Donald wurde und jetzt ein Asia Noodle Shop ist und am Abend mit dem Buch und der Rolle ins Burgtheater.
Zu einem meiner Geburtstage habe ich mir die Taschenbuchausgabe der „Klosterschule“ gekauft und Balasz Nemeth hat Barbara Frischmuth zu einer Lesung in die Zwingli Kirche eingeladen, zur „Sophie Silber“ vielleicht, da hat sie ein Herr aufgefordert, fleißig zu sein und sie hat geantwortet “ das nächstes Buch der Trilogie ist schon fertig!“
Fleißig ist ein Wort, das zu Barbara Frischmuth passt, ist doch bei Residenz fast jedes Jahr ein Roman erschienen und in der sozialistischen Wochenzeitung „Frau“, die meine Mutter regelmäßig las, Artikel von ihr, wie schwer man es als Autorin hat, denn man kann sehr leicht vergessen werden. Das ist ihr zwar nicht passiert, wohl hat sie aber ihren Verlag verloren, über ihren Garten in Altaussee geschrieben und ein paar Romane in denen das Verhältnis zwischen Orient und Okzident eine Rolle spielt und ist zu Aufbau gegangen und als es mir in meinem Akademikertraining, das war 1980, im schulpsychologischen Dienst sehr schlecht ging, weil ich damals noch sehr schüchtern war, habe ich mir, bei in der Buchhandlung „Herzog“, die es auch nicht mehr gibt, glaube ich, „Das Verschwinden des Schatten in der Sonne“ gekauft, das ich mir neun Jahre später nach Amerika mitgenommen und gelesen habe.
Man sieht, ich fühle mich Barbara Frischmuth sehr verbunden.
„Die Frau im Mond“, „Hexenherz“, „Einander Kind“, etc, habe ich gelesen, bzw. die Sprache in dem Versuch studiert, auch so gut zu werden, es ist wahrscheinlich nicht gelungen und als Barbara Frischmuth wegen der Salman Rushdie Geschichte aus der GAV ausgetreten ist, habe ich ihr einen empörten Brief geschrieben, den sie auch beantwortet hat.
An eine Lesung in der Alten Schmiede, war es jetzt „Der Sommer in dem Anna verschwunden war“ oder „Vergiß Ägypten?“, wahrscheinlich auch zur Saisoneröffnung, erinnere ich mich, diese Romane habe ich nicht gelesen, weil ich ja später ein bißchen geizig wurde und mir keine so teuren Bücher mehr kaufte, wie ich es als Studentin noch tat.
So habe ich aber die schönen alten Residenzausgaben in Harland stehen und als die Anna sehr klein war, sind wir ein Wochenende nach Altaussee gefahren und haben Barbara Frischmuth prompt in dem Gasthof, wo wir wohnten, getroffen. Auch an die halbversäumte Lesung im Museum in St. Pölten, erinnere ich mich, weil ich im Regen mit dem Rad nach Harland, wie verabredet gefahren bin und sich der Alfred einbildete, ich hätte ihn angerufen und gesagt, ich würde in St. Pölten bleiben und jetzt also der neue Roman zur Saisoneröffnung, den ich schon in einigen Buchhandlungen liegen gesehen habe.
Ich bin natürlich frühzeitig in die Alte Schmiede gegangen und habe auch gleich einen Platz in der zweiten Reihe bekommen und über die Prominenz gestaunt, die erschienen ist.
Elfriede Czurda, Julian Schutting, ja sogar die Frau Mayröcker ist mit der Christel Fallenstein gekommen, man sieht die Alte Schmiede ist ein Geheimtip und es gibt noch Lesungen, wo die Schriftsteller zu den Lesungen der anderen Schriftsteller zusammentreffen.
Kurt Neumann hielt wieder einen fulminanten Vortrag über die Schreibweise und das Konzept des Romans, der drei Frauen, drei Jahre und drei Städte verbindet, das erschien mir ein bißchen bekannt, habe ich mich in der letzten Zeit ja auch sehr oft mit Müttern, Großmüttern und Enkeltöchtern beschäftigt und da kann ich gleich einwerfen, die „Wiedergeborene“ ist fertig korrigiert und kann an die Druckerei gehen. Bei Barbara Frischmuth ist es eine Mutter, eine Tochter und eine Großtante, es spielt in Alt Aussee, Istanbul und Wien und die Jahre sind 1944, 1989 und 2009. Man sieht, so schlecht bin ich gar nicht unterwegs, obwohl ich an die Sprachgewalt natürlich nicht herankomme, das ist schon klar.
Einen Dialogroman hat es Kurt Neumann, glaube ich, genannt und vom Erzählen über das Erzählen gesprochen, da sich die Protagonisten die Geschichte gegenseitig erzählen und es auch ein paar Klatschweiber gibt, die das übrige tun.
Barbara Frischmuth hat dann einige der Stellen gelesen, die, wo die Tochter ihren Schulfreund in dem Hotel der Mutter trifft und einem seiner drei Kinder eine Eistüte holt und das sich dann mit dem Apfeleis beschmiert, so etwas Ähnliches habe ich auch gerade in Arbeit und habe wieder gedacht, so ganz schlecht bin ich nicht und kann auch einwerfen, daß ich bei der Poet Night am Samstag wahrscheinlich eine Szene „Aus Kerstins Achterl“ lesen werde und zwar die, wo die Kerstin bei der Hochzeit von Traudl Obefwallner fotografiert. Es gibt aber auch die, wo der kleine Hektor die Susa Dworak zu einem dreitausend Kalorien Eisbecher zwingt und ihr dabei einen Vortrag über Anorexie hält.
Barabara Frischmuth hat aber weitergelesen, wie Martha, die Mutter, die Istanbul gelebt hat und ihre zwei Kinder dort geboren hat, ihre Freundin Lale besucht und im Lift stecken bleibt. Verschwundene Männer gibt es bei ihr auch. Die letzte Szene handelte von der Tante Lilofee, die 1944 ein Kind von einem Kriegsgefangenen bekommen oder es verloren hat.
Diskussion gab es nicht, denn da hatten sich schon die Autogrammjäger mit ihren Büchern angestellt und als ich, weil ich mir das Buch nicht kaufte, nach oben ging, kamen die mit den Büchern hinunter, die sich die Übertragung oben angeschaut haben. Elfriede Haslehner und Anita C. Schaub habe ich getroffen und bin sehr beschwingt nach Hause gegangen, wo ich noch anfügen kann, daß ich am Freitag und am Sonntag „Kerstins Achterl“ laut lesend korrigiert habe und dabei fast auf jeder Seite einen Fehler fand, aber auch die drei schönen Szenen, die mit dem Hektor im KHM zähle ich auch noch dazu, neben den drei, wo ich meinen Frust von der Jungautorenliteraturgala herunter schreibe, jetzt bin ich gespannt, wann ich damit fertig werde, eine Idee, wer mir den Text schreiben könnte, ist mir auch schon gekommen und zu meinem Geburtstagsfest, daß es genau am 9. 11. geben wird, werde ich daraus lesen.

2012-09-17

Der Granatapfelbaum

Filed under: Uncategorized — jancak @ 10:38

Zu Yasar Kemals „Der Granatapfelbaum“, der 2002 im Unionsverlag erschienenen Erzählung des 1923 geborenenen türkischen Schriftstellers, gibt es eine besondere Geschichte, habe ich doch das Buch aus einem der Büchertürmen der Literatur im März bekommen, auf mein Regal gestellt und als 2008 die Türkei Gastland in Frankfurt war und ich die Messe erstmals online mitverfolgte, habe ich es herausgestellt um es zu lesen. Die Buchmesse war aber bald aus und es gab soviel anderes zu lesen den Tellkamp, die Travnicek, die Bronsky, den Rammstedt u.u.u., so daß das kleine Bändchen wieder verschwunden ist, bis ich es voriges Jahr wieder herauszog, denn da habe ich ja „Die Frau auf der Bank“ geschrieben und das geht es ja um eine Austrotürkin und weil ich eine brave Rechercherin bin, ein bißchen türkische Literatur gesucht, aber ob der 1923 geborene Kemal, dafür die richtige Lektüre ist? Ich weiß nicht, habe ich gedacht, die Seher Cakir Geschichten gelesen und das Buch sogar nach Polen mitgenommen, dann hätte es aber auf die Hundert Bücher Liste nicht gepasst, so ist es in die „Frau auf der Bank“ zwar hineingekommen, denn da findet es die Selma im offenen Bücherschrank und schenkt es der Sevim, ich habe es aber noch immer nicht gelesen, aber auf die Leseliste von 2012 gesetzt und jetzt voila und es ist auch eine interessante Geschichte, ein Märchen, eine Parabel, ich weiß nicht recht, offenbar 1982 geschrieben, von da stammt jedenfalls das Copyright, die Handlung scheint aber nach dem Krieg zu spielen, jedenfalls steht im Klappentext etwas vom Marschallplan und der hat die Cukurova-Ebene mit riesigen Mengen von landwirtschaftlichen Maschinen, Traktoren, Mähdreschern etc überschwemmt, so daß die Bauern dort nicht mehr auf die Arbeit der Bergbewohner angewiesen sind und Memeds Frau zu Beginn der Erzählung „regungslos im endlosen Ödland“ steht und sich die Haare rauft. Die Felder geben nichts her „Wir sterben, wir sterben dieses Jahr!“, stöhnt sie auf und ihr optimistischer Ehemann verspricht ihr, in die Cukurova zu wandern und sich dort zu verdingen, das hat er schon früher so gemacht, da war die große Schwester ganz begeistert von ihm und er hatte auch einen Lieblingsochsen, so zieht er also los, mit Yusuf, Ali den Barden, Hösük, der kleine Memet, der für Waffen schwärmt und sich nicht betrügen lassen will, kommt ihnen nachgelaufen. So ziehen sie los in das gelobte Land, wie viele andere Wanderarbeiter, aber als sie ankommen, erkennt sie die große Schwester nicht mehr, der Ochse ist auch umgekommen, sie ziehen weiter und verhungern fast dabei. Aber Memet will nicht aufgeben, obwohl Yusuf vom Sumpffieber gebeutelt wird und sie ihn tragen müßen. Nur noch in das eine Dorf mit den blühenden Bäumen, da muß es doch Arbeit geben. Dort werden sie auch bewirtet und aufgenommen und eine freundliche Frau erzählt ihnen vom Granatapfelbaum, den sie suchen müßen, der der wird Yusuf Heilung bringen, so ziehen sie weiter, kommen dabei auf ein Melonenfeld, wo der Feldwächter auch sehr freundlich zu ihnen ist, am Schluß finden sie nur noch die Wurzel des Baumes und der kleine Memet, der immer von den Ochsen mit den geschwungenen Hörnern schwärmt, die er sich für sein verdientes Geld kaufen wird, ist mit Hösüks Handschar auch noch davon gezogen.
Eine Parabel, die in schönen Worten viel vom Elend der kleinen Leute in den Bergen und den Dörfern erzählt, ihren Träumen, ihren Phantsien und ihrem Glauben, ihren guten und schlechten Seiten und auch davon, wie das Leben in der Cukurova und anderswo ist.
Yasar Kemal wird der „Sänger und Chronist seines Landes“ bezeichnet, steht weiter im Klappentext. 1997 hat er den Friedenspreis des deutschen Buchhandels bekommen.

2012-09-16

Die letzte Welt

Filed under: Uncategorized — jancak @ 11:01

Christoph Ransmayr beschreibt in seiner 1988 erschienen „Letzten Welt“, könnte man sagen, Ovids „Metamorphosen“ neu oder versetzt sie in die schwarz weiß Szenerie der italienischen Filme der Fünfzigerjahre, denn in dem Tomi, in das der Römer Cotta kommt, um nach dem aus Rom verbannten Dichter Naso zu suchen, er torkelt dabei aus dem Schiff, das ihn hinbringt, bleibt dann in der eisernen Stadt bewegungslos liegen, bevor er sich in das von dem Seiler Lyacon gemietete Zimmer zurückzieht, gibt es Busse, einen Krämer mit Konservendosen, einen Brandtweinladen, Glühbirnen und jedes Jahr im August erscheint auch ein Filmvorführer, der im oder vor dem Schlachthaus, einen anderen Ort für Filmvorführungen gibt es in der verfallenen Stadt nicht, die Tragödien der Weltgeschichte vorführt und in dieser Stadt am schwarzen Meer, in die der Dichter, der „Metamorphosen“, verbannt wurde, tauchen auch die Figuren, auf die dort vorkommen. Der Schlachter, der Totengräber, die Seherin und natürlich auch Pytagoras, der Grieche, bei Ransmayer, Nasos Knecht, den er in Nasos Haus auch findet und ihn zuerst für den Verbannten hält, aber der ist auch aus der eisernen Stadt verschwundenen und nach und nach kommt man in die Geschichte, in den Roman hinein, mit dem Ransmayer berühmt geworden ist und der, glaube ich, nicht nur durch seine sehr genaue bildreiche Sprache, sondern auch durch die Art, wie er die FIction mit der Historie zu verweben weiß, besticht.
Von dem 1954 in Wels Geborenen, habe ich wahrscheinlich in den späten Achtzigerjahren etwas gehört, als ich in dier Gumpendorferstraße gesessen bin und mich an der Martha, „Zwischen Hütteldorf und Heiligenstadt“ und an den „Hierarchien“ versuchte, habe von den Ruhm des fast Gleichaltrigen gehört und das, was ich als Textproben mitbekommen habe, für eher langweilig gehalten, so daß ich das Buch, das ich schon vor längerer Zeit im offenen Bücherschrank gefunden habe, zwar ins Badezimmer zum Lesen legte, als ich meine „Hundert Bücher Liste“ machte, es wieder zurücklegte und dann doch auf die von 2012 setzte. Inzwischen habe ich nicht nur im Radio Textproben aus der „Letzten Welt“ gehört, sondern auch den Dichter mehrmals lesen gehört, habe nun mit der „Letzten Welt“ begonnen und bin, was mir ja nicht sehr oft passiert, von dem Buch und der Art, wie hier Geschichte neu geschrieben wird, fasziniert. Ich kenne mich ja in den römischen und griechischen Mythologien nicht sehr aus, sie interessieren mich auch nicht besonders, da ich eher eine Sozialkritische bin, die die Welt und ihr Elend im Hier und jetzt begreifen will. Trotzdem kommt man, wenn man sich gleichzeitig auch für Literatur interessiert nicht darum herum, hat ja auch einmal Marie Therese Kerschbaumer in der Alten Schmiede von Naso Publius Ovidius sehr geschwärmt. Also vor ein paar Tagen pflichtbewußt zu lesen begonnen und dann in den Sog hineingezogen worden, obwohl es anfänglich ein wenig mühsam war, sich in der Geschichte auszukennen. Ransmayer, der das Buch mit einem Elias Canetti Stipendium geschrieben hat, erleichtert es aber dem Leser durch einen Anhang, in dem er die Gestalten der „Letzten“, denen der „Alten Welt“ gegenüberstellt und so komme ich nicht umhin, seine Neudeutung phaszinierend zufinden, obwohl er in den fünfzehn Kapiteln nicht sehr viel erzählt und dann doch wieder und das vor allem, ich wiederhole es, in einer sehr genauen Sprache und da werden 1988 ganz erstaunlicherweise auch die Schlepper beschrieben, die den armen Gestalten in Rom die Schönheiten Odessas beschreiben, ihnen ihr letztes Geld abnehmen, um sie ins Zwischendeck zu zerren und sie in die Elendsstädte zu schiffen, wo sie dann in die Wälder flüchten und verslumen.
War man 1988 schon so hellsichtig, ich, die Realistin wahrscheinlich nicht, Ransmayer hat beschrieben, was bei Linda Stift beim Bachmannlesen angeprangert wurde und wenn der Sohn der Krämerin versteinerte, nachdem sich der Epileptiker so in ihr Episkop verliebte, daß er sich weigerte, den Vorführraum zu verlassen, so daß ihm die Mutter sogar das Essen in die Stube bringt, habe ich an die Schulverweigerer und an Milena Michikos Flasars Roman gedacht, der jetzt auf mehreren Listen steht.
Aber Ransmayer wollte uns vielleicht nur die „Metamorphosen“ näher bringen und davon erzählen, daß der Dichter Naso von Kaiser Augustus ans schwarze Meer verbannt wurde. Der Römer Cotta geht ihn suchen, trifft dort seine Figuren wieder, so zum Beispiel die schöne Echo, die Magd des Seilers, die sich auch als Dorfhure verdingt, sie hat einen Hautausschlag, sonst ist sie sehr schön und sie erzählt ihre Geschichte, in dem sie die Worte der anderen wiederholt. Naso, der seine Werke, bevor er in die Verbannung ging, in Rom verbrannte, hat sie ihr aus dem Feuer wiedererzählt und auch eine Verwandlung der Menschen in Steine angekündigt. So beginnt Cotta das Buch der Steine zu schreiben, Echo verschwindet aber, wie auch der Seiler, den Cotta schon einmal in einem Wolfskostüm trifft. Cotta, der fürchtet verrückt zu werden folgt Nasos Spuren bis Trachila. Dort erscheinen ihm auch Naso und Pytagoras als Visonen und einen Wolfskadaver findet er auch. Er kehrt in die Stadt zurück und bringt Nasos Worte, die Pytagoras aufgeschrieben hat, mit, um sie im Seilerhaus, das ihm jetzt allein gehört, aufzuhängen. Die Krämerin erzählt ihm manche Geschichte, der Asylanten, die sich in Tomi niedergelassen haben, die des Totengräber und des Schlachters beispielsweise, der hat die Schwester seiner Frau verstümmelt und als die aus Rache den gemeinsamen Sohn tötet, will er das auch bei den beiden Frauen versuchen, aber die verwandeln sich in Vögeln und fliegen aus dem Haus.
Eine perfektere Vermengung der Fiction mit der Geschichte habe ich noch nicht gefunden. Die Buch wirkt sehr lebendig und trotz dem Fünfzigerjahrecharms, in die Ransmyer, die römischen Ruinen versetzt, erstaunlich modern, wie ich schon an den obigen Beispielen zu beschreiben versucht habe.
Bei Wikipedia kann man etwas finden, daß die Rumänen ihren Diktator in Augustus oder Nero wiederfanden, worüber sich Ransmayer gefreut haben soll und, daß Hans Magnus Enzensberger das Buch buschte und ein Hinweis, der für Interessierte vielleicht zu spät kommt, beim gestrigen Augustin Bücherflohmarkt in der Reinprechtsdorferstraße gab es die Hardcover Ausgabe, ich habe ein Fischer TB gelesen.

2012-09-15

Vom Fünften in den Vierten

Filed under: Uncategorized — jancak @ 23:41
Willi Resetarits 2012-09 @ WienMuseum

Willi Resetarits 2012-09 @ WienMuseum

Karl Ritter 2012-09 @ WienMuseum

Karl Ritter 2012-09 @ WienMuseum

„Bücherflohmarkt aus Protest gegen die Umwandlung der Poly-College-Buchhandlung in ein weiteres Wettlokal in der Reinprechtsdorferstraße“, habe ich im letzten Augustin gelesen.
Samstag von elf bis sechzehn Uhr im Innenhof des Hauses, wo sich die Augustin-Redaktion befindet und ich ja einmal auch Special Guest der Schreibwerkstatt war. Ja, das gerade in der Reinprechtsdorferstraße, aber auch in anderen Straßen des fünften Bezirks Geschäfte schließen und sich in Ein-Euro-Shops und Wettlokale verwandeln, kann man unschwer merken, wenn man ein bißchen spazieren geht und der Augustin Flohmarkt hat auch noch eine andere Vorgeschichte, wie sich in der Zeitung lesen lies.
Da gab es nämlich schon einen Bücherflohmarkt des Museums auf Abruf und der Wien Bibliothek,von dem ich keine Ahnung hatte, der aber offenbar so begehrt war, daß die Leute Schlange standen, um an die Gustostückln zu gelangen und der Reinerlös von zweitausendsiebenhundert Euro wurde ohne Pressofotos und Politikerhändeschütteln, einfach und problemlos dem Augustin übergeben, der jetzt selbst eine solche Aktion veranstaltete, weil ein Schauspieler seinen Vorlass loswerden sollte, die MA7 / Kultur noch etwas auf Lager hatte und ein August-Redakteur sich auch von seinen Büchern trennen wollte, außerdem sollte es zur jeder vollen Stunde ein literarisches Ereignis geben und die Republik Reinprechtsdort, eine Intitiative, die sich gegen die Wettbüros stark machen will, soll auch gegründet werden.

Nun ist es ja nicht so, daß ich an einen Büchermangel leide, im Gegenteil reicht mein SUB schon in das Jahr 2015 hinein, aber ich habe es ja schon geschrieben, die Herbstsaison läuft nur sehr schleppend an und „Rund um die Burg“, wo ich ja eigentlich gedacht hätte, daß ich dort die Freitagnacht bis Samstagnachmittag verbringe, gibt es ja auch nicht mehr in dieser Form.
Zwar bin ich gestern, als ich schon dachte, daß ich jetzt mit „Kerstins Achterl“ fast fertig bin, bei der Laut-Lese-Probe draufgekommen, daß doch noch eine Menge Fehler drinnenstecken und ich den Samstag zum Korrigieren brauchen hätte können, bin dann aber doch nach dem ich hundert Seiten in Christoph Ransmayers „Letzter Welt“ gelesen habe, in die Reinprechtsdorferstraße marschiert, wo ich ja einmal, auf Nummer 39, meine Praxis hatte.

Erich Meixner 2012-09 @ Akzent

Erich Meixner 2012-09 @ Akzent

Trixi Neundlinger 2012-09 @ Akzent

Trixi Neundlinger 2012-09 @ Akzent

Im Hof des Hauses Nummer 31 gab es einen Tisch in der Mitte und Bücherkisten auf der Seite, wo sich Taschenbücher aus den Siebzigerjahren und einiges aus Ruth Aspöcks Edition befanden, Michael Scharangs „Charly Tractor“ war auch zu sehen, Robert Sommer schickte mich aber in das Innere, weil sich dort die besseren Bücher befänden und das stimmte auch. Ganz neue und auch sichtlich ungelesene Leseexemplare von Sabrina Janeschs „Katzenberge“, Olga Martynovas „Sogar Papageien überleben uns“, Alina Broskys „Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche“ etc, mit dem aufgedruckten Datumstempel, ab wann man das Buch besprechen darf, also das, was vor ein paar Jahre auf den dBP Listen stand bzw. beim Bachmannpreis gelesen wurde, was wieder interessante Rückschlüße auf den Literaturbetrieb, wo ja jetzt wieder alle gebannt auf die Shortlist starren und sich die Leute über die Auswahl ärgern, weil nur eine Frau das Rennen machte und die Auswahl der drei Suhrkampbücher sehr voraussagbar schien. Nun ich habe zehn Euro für die erwähnten Bücher und noch einige andere, Irene Harands „Sein Kampf“, Evelyn Grills „Der Sammler“, die die ja schon lange haben wollte und sogar Richard Obermayrs „Das Fenster“ war dabei, gespendet und werde auch nicht so bald dazu kommen, die Bücher zu lesen, aber da kann man nicht widerstehen und dann ist es auch noch für einen guten Zweck.

Georg Herrnstadt 2012-09 @ Akzent

Georg Herrnstadt 2012-09 @ Akzent

Willi Resetarits 2012-09 @ Akzent

Willi Resetarits 2012-09 @ Akzent

Als ich damit gehen wollte, wies mich Robert Sommer auf das erste Literaturereignis hin, das bald beginnen sollte, Peter Ahorner las aus dem Fenster sozialkritische Gstanzerln und um zwei wurde dann der Kampf gegen die Wettbüros in dreiunddreißig Paragraphen verlesen, die auch im Augustin abgebildet sind. Mehr Kultur statt Wettcafes, lautet die Forderung, ob sich die Leute so einfach vom Glücksspiel abhalten lassen, das ja mit seinen Illusionen sehr verlockend ist, ist zwar fraglich, das Bücherlesen versetzt aber auch in andere Welten und das Kaufen der Hardcoverausgaben ist auch nicht ganz billig. Da lobe ich mir die Flohmärkte und die offenen Bücherschränke, wo man wahre Gustostückerln finden kann. Es gab dann noch „Hausmeisterdialoge“ und für sechzehn Uhr war Richard Weihs angekündigt, aber da war ich schon gegangen, erwartete mich an diesem Samstag ja noch ein anderes Event, nämlich „Dreispiel im Vierten“, drei Konzerte mit Willi Resetarits, wo man vom Wien Museum am Karlsplatz, über das Radio Kulturhaus ins Theater Akzent hoppeln mußte und da ist es ja sehr gut, daß ich die letzte Nacht in meinem Bett und nicht im Zelt vor dem Burgtheater verbrachte.
Dreimal Willi Resetarits an drei Veranstaltungsorten und eigentlich hatten wir die Kurzfassung sozusagen schon am Volksstimmefest gehabt.

Herbert Tampier 2012-09 @ Akzent

Herbert Tampier 2012-09 @ Akzent

Helmut Grössing 2012-09 @ Akzent

Helmut Grössing 2012-09 @ Akzent

Begann es ja im Wien-Museum mit einer H.C.Artmann Lesung, begleitet wurde er von dem Gitaristen Karl Ritter. Jetzt bin ich ja nicht so ein besonderer H.C. Artmann Fan, den Willi Resetaris Hl. Heiliger Artmann nennt, um ihn von H.C. Strache abzugrenzen, der aber Hans Christian und nicht Hans Carl heißt und der mir manchmal ein bißchen zu derb und aggressiv ist. Dem Publikum hat es aber gefallen. Willi Resetarits hat auch überzogen, am Schluß spielte der Gitarist ein Solo, Alfred fotografierte und dann ging es im Eiltempo in die Argentinierstraße, dort war das Programm Latin Music verschmolzen mit Rock, Jazz und Wienerlied mit seiner Tochter Johanna und den burgendländischen kroatischen Liedern mit den Basbaritoni am kürzesten. Die Wiener Lieder haben, glaube ich, überhaupt gefehlt, dann die Argentinierstraße hinauf zum Theater Akzent. Da gab es das Jura Soyfer Programm mit den Schmetterlingen, auf das schon Christoph Kepplinger beim Volksstimmefest aufmerksam gemacht hat und das war meiner Meinung nach auch der tollste Programmpunkt, die „Verdrängten Jahre“, die mit dem „Lied von der Erde“ begannen und sozusagen mit dem „Dachaulied“, wenn man die Zugaben abrechnet endeten.

Die Schmetterlinge 2012-09 @ Akzent

Die Schmetterlinge 2012-09 @ Akzent

Willi Resetarits las dazwischen ein bißchen was aus dem Romanfragment „So starb eine Partei“ und erzählte die Geschichte und ich glaube, ich habe die „Schmettlinge“, die ja inzwischen eine Kultband sind und auch schon graue Haare haben, nie live gesehen.
Die Lieder auf der Schallplatte habe ich gehört und Jura Soyfer ist mir auch ein Begriff und das Lied von den Menschen, die auch das Zitat der Volkkstimmefestlesung war, hat Willi Resetarits ebenfalls gesungen.

2012-09-14

Neulich im Mittelalter

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:05

Jetzt kommt noch „Neulich im Mittelalter“ Stefan Sonntagsbauer 2011 bei Holzbaum erschienener Erzählband und der ist sehr interessant, wenn man vor ein paar Tagen „Containeräffchen“ gelesen hat. Denn einiges bahnt sich hier schon an, auch wenn Stefan Sonntagbauer noch herumprobieren zu scheint, eine eigene Sprache und einen eigenen Ton, scheint er allemal zu haben, bzw. dabei sein, ihn zu entwickeln.
So sollte ich die erste Geschichte „living and sterbing and nothing much beetween“, schon kennen, ist sie doch der Text, der auch in der Wortlaut Gold Anthologie enthalten ist und die scheint, obwohl ich sie noch immer nicht gelesen habe, ein wahrer Goldschatz der jungen Literatur zu sein und wenn ich noch ein bißchen warte, brauche ich sie vielleicht gar nicht mehr zu lesen, denn „Kavkas Butterbrote“, kenne ich ja schon und Cornelia Travniceks Text ist, weiß ich inzwischen, ein Kapitel aus „Chucks“, das habe ich zwar auch noch nicht gelesen, kommt aber vielleicht noch.
Jetzt einmal Stefan Sonntagbauer und die Wortlaut FM4 Geschichte ist durchaus interessant und zeigt ganz schön den Sonntagbauer Ton, diese Mischung zwischen Deutsch und Englisch, Realität und Show-Business, die auch im „Containeräffchen“ zu finden ist. Da gibt eine Wildwestshow, mit dem Sheriff, dem Indianerhäuptling, der Bardame, die sich jeden Abend gleich abspielt, die Cowboys schießen herum, der Sheriff tritt auf und zieht schließlich, obwohl er Mundgeruch hat und ihr vor ihm graust, mit der Bardame ab.
So what, könnte man denken, weit gefehlt, es geht nämlich zurück in die Wirklichkeit, der Sheriff ist der Showbesitzer und in Geldnöten, außerdem in die Bardame verliebt, er schreibt ihr Gedichte und die gefallen ihr, obwohl, Stefan Sonntagbauer treibt es an die Spitze und reimt entsetzlich kitschig, er hinterläßt ihr aber seine Handynummer, sie ruft ihn an und gesteht ihm ihre Liebe und ihre Freude sich fortan nicht mehr von dem Sheriff quälen lassen zu müssen.
„Daham“ ist kurz und eigentlich ein eher lyrischer Text, das ist vielleicht auch das Spannende an dem Bändchen, daß sich lange mit ein paar Zeilen Texten abwechseln.
„Menschen wie Vogelkinder“, diesen Titel habe ich nicht verstanden, die Idee ist aber sowohl spannend als auch originell und wieder geht es in das Showbusiness hinein. Da haben Bayrer offenbar eine Überlebenstour für teures Geld gebucht, sie werden mit einem Bus durch eine Wüste gekarrt und erfahren die Horrormeldung Mittagessen gibt es erst eine Stunde später „Essen um zwölf, jetzt aber seien Viertel nach zwölf. Noch eine Stunde dann seien Viertel nach Eins“, ganze Schweinshaxn und Bierszenarien tuen sich auf, der Held sprintet in die bewachte Küche, um den Küchenjungen die Schnitzelpfanne zu entreißen, wird aber entdeckt und eingesperrt, am Ende sitzen sie am gedeckten Tisch, stöhnen und ächzen und beteuern, im nächsten Jahr wieder zu kommen.
Und um auf die Vorbilder zurückzukommen, Stefan Sonntagbauer hat, würde ich sagen, seinen Jandl gelesen und wahrscheinlich auch Andreas Unterweger, aber da sind wir schon bei der „Kleinen Liebesgeschichte“, wo sich zwei Jugendliche entsetzlich quälen, sie geht kurz mal Zigaretten holen, bei ihm läuft das ganze Horrorszenario ihrer Beziehung ab, wie sie klammerte, wie sie nervte, wie sie sich vor den Prüfungen ängstigte und ihn auch liebte „Ich für immer lieb ich dich. Für immerimmerundimmerochviellänger. Bis zum Mond und zurück lieb ich dich“. Dann sieht er die Zigaretten in der Küche liegen, gerät in Panik, läuft zu den Schienen und am Ende rollt der Zug doch wie gewohnt in den Bahnsteig ein.
Stefan Sonntagbauer macht aber weiter und geht „Into the world“ „Weg weg weg. Dann auf der Grenze zwischen Kanada und Alaska zur Umkehr gezwungen. Handyakuaufladegerät daheim vergessen“ Dann kommt natürlich noch der Lesestoff, Jelinek und Charlotte Roche und die frischen Socken. Und am Schluß „Drauf geschissen daheim geblieben.“
„Auferstehung von den Toten“, läßt wieder viel vom „Containeräffchen“ erahnen, das geht es wieder um einen arbeitslosen Schauspieler, der der superfeinen Schickeria den Affen spielen soll, sich nämlich in einem Sarg in die Show tragen lassen und einen auferstandenen Star mimen, er bleibt aber einfach im Sarg liegen. Die Gesellschaft beginnt sich zu verprügeln, das Palais wird abgefackelt und am Schluß gehen der übergebliebene Koch, der Kellner und der Schauspieler zusammen etwas saufen.
So geht es weiter die Titelgeschichte ist wieder nur ein kurzer Text.
Eine Krankenschwester kommt vor, die ihre alten Patienten so lieb hat, daß sie sie mit einem Kissen erstickt, böse, böse, aber Lainz hat es ja gegeben, da ist Stefan Sonntagbauer gerade auf die Welt gekommen.
„Neulich im Mühlviertel“ gibt es auch und zwischen den einzelnen Texten sind Zeichnungen von Christoph Amseder eingefügt, der auch seinen eigenen Stil zu haben scheint.
Jetzt bin ich natürlich gespannt, was ich noch alles von Stefan Sonntagbauer hören und lesen werde werde und wie er sich weiterentwickeln wird.

2012-09-13

Elisabeth Chovanec, Leo-Perutz-Preis und Shortlist des dBP

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:03

Am Mittwoch ist es in die Saison gegangen, zuerst mit einer Vernissage von Elisabeth Chovanec in der Ehe- und Familien- und Lebensberatungsstelle in der Hamburgerstraße, die dort unter dem Motto „Malen ist mein Leben“ ihre Bilder ausstellte, die sie, wie sie in der Einleitung erklärte nach einem Schock zu malen begann und allmählich vom Abstrakten ins Konkrete kam. An der Ehe- und Familienberatungsstelle in der Hamburgerstraße gehe ich immer vorbei, wenn ich zum klinischen Mittag ins AKH gehe und eigentlich wollte ich am Mittwoch zur Verleihung des Leo Perutz Preises in die Grünangergasse, da Elisabeth Chovanecs Vernissage aber schon um sechs, die Preisverleihung erst zum halb acht, bzw um acht begann, ist sich die Kombination ausgegangen und weil ich nicht ganz pünktlich in die Familienberatungsstelle gekommen bin, hat die Lebensberaterin dort schon mit der Einleitung begonnen, als ich eintraf. Elisabeth Chovanec hat ihre Bilder erklärt und dann aus dem Buch „Feuerland“ unter dem Namen Chacha Bevoli, Elisabeth Chovanecs Künstlernamen erschienen, das ich hier schon besprochen habe, gelesen und dann in die die beiden anderen Räume geführt. Die konkreten Bilder erinnerten teilweise an Griechenland. Eines stellte eine Kapelle dar, dazu hatte Elisabeth Chovanec, die ein Lyrik-Studium, ich glaube, auch bei Andrea Winkler absolvierte, einen Text und in dem Raum lagen auch ihre anderen Bücher auf, die, wie meine bei Digitaldruck.at erschienen sind. Es ging dann noch in den dritten Raum, mit je einer Leseprobe aus einem ihrer drei Bücher, im Wartezimmer der Familienberatungsstelle gab es ein Buffet, Brötchen und Sekt Orange, ich habe mich mit der Lebensberaterin über Psychotherapie unterhalten und bin dann in Richtung Grünangergasse zur Verleihung des dritten Leo Perutz Preises aufgebrochen. Ich würde ja gar nicht meinen, daß Leo Perutz so ein besonderer Krimischreiber war, der Hauptverband des Buchhandels und die Stadt Wien hat ihm aber dazu gemacht und unter der Jury von Raoul Blahacek, Michael Kratochvil, Nora Miedler, Erwin Riedesser und Tobias Hierl fünf Krimis für die sogenannte Shortlist ausgewählt, die da Anne Goldmanns „Triangl“, Georg Haderer „Der bessere Mensch“, Edith Kneifl „Der Tod fährt Riesenrad“, Thomas Raab „Der Metzger bricht das Eis“ und Martin Rebhandls „Das Schwert des Osten“ waren. Im vorigen Jahr war ich auch bei der Preisverleihung, bin irgendwie zuspät gekommen, jedenfalls war alles voll und ich war ganz hinten und habe mir die Füße in den Bauch gestanden. Das ist mir diesmal nicht passiert, denn ich hatte zwei Beginnzeiten, auf der HVB Seite stand 19.30. Ingrid Führer hat mich für 20 Uhr eingeladen, ich habe nicht nachgefragt und bin schon irgendwann nach sieben im Hauptverband aufgetaucht, wo auch schon der erste Besucher kam. Wegen der Gemeinderätin Anica Matzka Dojder, die den Pries für die Stadt Wien vergeben sollte, hat es aber erst später angefangen, so bin ich mit einem Glas Wein herumgestanden, eine Dame hat mich angesprochen und sich erkundigt, ob ich eine Literatur-Rezensentin sei? Das war aber nicht Ingrid Führer, die hat sich erst später neben mich gesetzt, der Moderator Günter Kaindlsdorfer hat sich auf einen der Stühe gesetzt und in einem Buch gelesen, Manfred Rebhandl, den ich ja schon in Leipzig hörte und der auch beim offenen Bücherschrank gelesen hat, tauchte auf und nach und nach erschien auch das Publikum. Weniger als im Vorjahr, eigentlich eine eher schwach besuchte Veranstaltung, die Leser werden dann erst nächste Woche zur Kriminacht in Scharen erscheinen.
Günter Kaindlsdorfer eröffnete mit Geradl Schantin, unterhielt sich mit der Gemeinderätin und fragte sie nach ihren Lesegewohnheiten, die natürlich antwortete, daß sie gern würde, aber leider nicht so sehr dazu käme, wie sie möchte, auf Reisen würde sie sich aber immer einen Krimi aussuchen, der zu der Gegend passt und ich habe mich ja auch kürzlich sehr geärgert, daß ich ohne „Die Hunde von Riga“ mitzunehmen, dorthin gefahren bin.
Ist der Krimi nun das Stiefkind der Literatur?“ fragte listig Günter Kaindlsdorfer.
„Nein!“, antwortete die Gemeinderätin natürlich.
Ist aber in der Praxis so, zumindest bei den Literaturgewaltigen, auf den dbp Listen wird man keinen finden, die Leute lesen sie aber gern, weil sie verständlich sind, spannend, sozialkritisch etc.
Dann kam schon die erste Nominierte nämlich Anne Goldmann mit ihrer Kurzlesung. Ihr Krimi spielt offenbar im Strafvollzug und die Autorin war Bewährungshelferin, wenn ich es richtig verstanden habe. Georg Haderer folgte, der ein besonderer Witzvolgel zu sein scheint, sagte er doch, er wäre in einer schwierigen Situation, wenn er gewänne, würde er das Geld versaufen, wenn er verliert, alles zusammen schlagen etc.
Edith Kneifl war nicht da und hätte ohnehin nicht gewonnen, verriet Günter Kaindlsdorfer, Thomas Raab war schon im Vorjahr nominiert und hatte wieder einen Metzgerkrimi, dann folgte Thomas Rebhandl und sagte, er werde in seiner Lesung gleich den Schluß ankündigen, danach traten Gerald Schantin und die Gemeinderätin auf „and the Winner is Manfred Rebhandl“ und ich war wieder einmal überrascht. Offenbar lerne ich es nie, die Trends richtig zu deuten, denn daran hätte ich eigentlich nicht gedacht, sondern eher auf Thomas Raab oder Georg Haderer getippt, ich weiß schon, ich bin eine Quotenqueen, aber alles Gute natürlich! Dann wurde das Buffet eröffnet, ich konnte ein bißchen mit Georg Haderer reden und ihn das fragen, was ich an seinen letzten Krimi „Engel und Dämonen“ nicht verstanden habe. Nächste Woche gibts die Kriminacht, dann werden die Wiener Kaffeehäuser wieder überfüllt mit interessierten Krimilesern sein und außerdem wurde am 12. auch die Shortlist des dBP verkündigt und das war wieder eine Überraschung, obwohl ich diesmal keine großen Prognosen abgegeben haben.
Clemens J. Setz und Wolfgang Herrndorf stehen darauf, Hans Augustin, Ursula Krechel, Stephan Thome und Ulf Erdmann Ziegler, nur eine Frau, wie Buzzaldrin bedauernd feststellte und drei Bücher, die bei Suhrkamp, eines das bei Rowohlt, eines bei Beck und eines, das bei Jung und Jung erschienen ist.
Da werden auch die gruppendynamischen Effekte ihre Rollen gespielt haben, habe ich Buzzaldrin kommentiert und war nicht enttäuscht. Früher war ich das immer ein bißchen, wenn sich meine Schätzungen sehr von denen der Jury unterschieden haben. Jetzt nehme ich es als interessant hin. Ich würde alle Bücher lesen, wenn ich sie bekomme, habe aber ohnehin soviele Bücher, daß ich mir wahrscheinlich gar keine mehr zum Geburtstag und zu Weihnachten wünschen werde, damit ich meine Leseliste so einigermaßen schaffe und da ich ja auch ein bißchen inkonsequent bin, habe ich mir auch Stefan Sonntagbauer Erzählband „Neulich im Mittelalter bestellt und heute bekommen.
Die Saison hat begonnen und führt geradlinig ins Weihnachtsgeschäft und ich habe ja noch Edith Kneifls „Blutiger Sand“ auf meiner Leseliste, das ich demnächst lesen werde.

2012-09-12

China geheim

Filed under: Uncategorized — jancak @ 10:17

Jetzt kommt ein wahres Gustostückerl aus dem offenen Bücherschrank, in dem man ja, ich schreibe es immer wieder, wahre Raritäten finden kann, nämlich Egon Erwin Kischs „China geheim, erst erschienen 1933 und gleich auf den Scheiterhaufen der Nazis verbrannt, die Aufbau Ausgabe von 1950 mit einem Vorwort des Lektors oder Verlagsleiters Bodo Uhse, habe ich gelesen. Da war der rasende Reporter schon gestorben und Uhse schreibt, daß er sich lebhaft vorstellen kann, wie sehr die Leser auf die Lektüre warten. Dennoch will mit ein paar Worten erklären, daß, die Leser wissen es, kurz nach der Ersterscheinung Anfang 1933 im Erich Reiß Verlag, die braune Wende kam, Kisch wanderte ins Moabiter Unteruchungsgefängnis „China geheim“ wurde eingestampft und nun können die DDR oder andere Leser Kisch Reportagen wieder lesen. Die Früchte jener Chinareise, die Kisch 1932 von Moskau aus unternahm und das Land hat sich seit dem Vorabend des Faschismus auch sehr verändert, „hat doch der Sieg der chinesischen Volksarmee über die Heere Tschiankaischeks und der Sieg Mao-Tse-Tungs über die Dollarmillionen des Marschallplans inzwischen stattgefunden.“
Wieso das Buch „China geheim“ heißt, ist mir trotz der Vorgeschichte nicht ganz klar geworden, ist ja Kisch mit der Transib 1932 mit einem ganz offiziellen Visum nach China, in dem damals der Bürgerkrieg herrschte, eingereist, obwohl er, als er von den Chinesen kontrolliert wurde, seine Russischkenntnisse verschweigen mußte, denn Kommunisten wurden damals in China mit dem Tod bedroht, zumindest hat man sich solche Geschichten in den Speisewägen der Eisenbahnzüge erzählt. Es beginnt mit der Fahrt in der Transib, die sibirische Kälte wird geschildert, ohne Handschuhe darf man nichts anfassen und die Mitreisenden sind allesamt Kriegsberichterstatter, die sich nach den Rubelkursen erkundigen.
Dann kommt Kisch, der, für mich auch nicht ganz verständlich, in der „Wir“ Form schreibt, hatte er einen Begleiter mit sich oder tat man das damals so wenn man berichterstattete, in dem für mich so fremden Land an, das vor fast achtzig Jahren, noch sehr viel anders war, als wir es heute kennen und er gibt in sehr scharfen Worten auch gleich einen sehr lebendigen Bericht von seinen Eindrücken, so daß man sich das geheime China gut vorstellen kann und es wirklich zu empfehlen ist, 2012 einen Blick zu machen, wie es vor dem Sieg der großen Revolution, die heute schon Geschichte ist, in China ausgesehen haben mag.
Die Füße der alten Frauen waren noch verkrüppelt, Pearl S. Buck, die Nobelpreisträgerin von 1938, hat diese Greueltaten der Frauenunterdrückung auch sehr anschaulich beschrieben und Kischs scharfer Blick deckt auch noch sehr vieles anderes auf, das uns gar nicht so fremd erscheint. Die Kinderarbeit zum Beispiel. Er kommt in zum Teil noch von Engländern betriebenen Seidenspinnereien, wo die Frauen ihre Säuglinge auf den Boden liegen haben, um sie besser stellen zu können und beschreibt solcherart die Karriere eines chinesischen Kindes, obwohl das Mitbringen der Säuglinge verboten war, aber die englischen Kolonialherren haben sich nicht darum gekümmert.
„Der Begriff der Lebenslänglichkeit ist hier wörtlicher gefaßt als in Strafgesetzbüchern: das Neugeborene liegt unter dem Webstuhl, Schwesterchen steht an der Spinnmaschine, Mutter arbeitet am Scherbaum, Großmutter näht die Ballen zusammen. so soll dein Leben ablaufen, Baby, nach dem Gesetz, nach dem du angetreten.“
Man sieht Kischs Ton ist ganz schön sarkastisch, er prangert manches an und wundert sich auch über einiges, so zum Beispiel, daß die zum Tod Verurteilten, erst hingerichtet werden, wenn sie von einem Missionar besucht wurden und zum katholischen Glauben übergetreten sind. Er glaubte erst an einen Spaß, den der Sergeant mit ihm machte, dann kam der „faßdicke Priester im Kleinauto“ aber wirklich an und waltete seines Amtes.
Ein Kapitel ist den Rikscha-Kulis gewidmet, die sich vor einen Stuhl spannen und die reichen Ausländer durch Shanghai tragen, sie verdienen nicht sehr viel damit, sterben früh und werden auch noch den Polizisten und den Kindern verprügelt und wenn einer der Ausländer einmal in Not kam, spannte er sich selber davor und konnte hoffen, so das Geld für die Schiffspassage zu bekommen, weil das seine Landsmänner nicht sehen konnten. Aber Ausländer ist nicht Ausländer, die „russischen Mädchen“ oder „Poluski gels“, wie sie von Chinesenjungen ausgerufen werden, müßen sich als Prostituierte verdingen und in dem Land herrscht noch das kolonialisiertes Pidgin-Englisch. Kisch gibt uns gleich sehr anschauliche Proben und erzählt von einem Herrn, der seinem neuen Boy befahl, das Fenster zu öffnen „Aufi,Fenster, versteh?“
„Jawohl, mein Herr“,antwortete der Chinese, und fügte in vollendetem Englisch hinzu: „Es wäre wirklich schade, die schöne Frühlingslust nicht zu genießen.“ Daraufhin entließ der Kaufmann den Diener. Man wünscht nicht, mit einem Kuli in der gleichen Sprache zu verkehren, in der man mit Gentlemen verkehrt.“
Soetwas habe ich schon bei Elias Canetti gelesen, als sich das Kinderfräulein plötzlich in die französische Konversation einmischte.
Pidgin, bedeutet die Verstümmelung des Businessenglisch. „Kumscha“ heißt Trinkgeld, „Savy“ verstehen und dann wird die Lorelei zitiert:
„Oh my belong too muchy sorry
And then my no savy what kind
Have got one olo piecy story
No wantchy go outsinde my mind
Savy? Wenn nicht, kannst du dir in jeder Buchhandlung die deutsche Übersetzung dieses Pidgin-Liedes kaufen, sie stammt von Heinrich Heine.“
Ein Brief kommt vor, den ein Vater an seinem Sohn schreibt und der ihn, nachdem er einen Tempel besuchte vor allen Sünden warnt, werden in diesem doch sehr ausführlich an Holzfiguren die Folterungen dargestellt, die einen Sünder erwarten.
Der Vater war offenbar Souvenierhändler und die sind damals in China herumgereist und haben den Chiesen die alten Kunstgegenstände abgekauft, so daß die Schattenspieler ausgestorben sind, weil sie keine Kostüme mehr hatten.
Der Kampf gegen die Kommunisten, der damals geherrscht hat, bis es ein paar Jahre später zum Sieg der Rotarmisten kam, wird am Beispiel der Stadt Nanking, die Kisch gar nicht langweilig findet, beschrieben und besonders interessant, Wien wird mit Peking verglichen und das soll Marx gesagt haben.
„Ein Wort von Karl Marx, das Wort, daß Österreich das deutsche China sei, will uns nicht aus dem Sinn, sooft wir uns im Gewirr der chinesischen Gassen verlieren. Da fühlen wir uns wahrhaftig, als wären wir im asiatischen Österreich, in einem chinesischen Wien. Gaudium und Elend, ewiges Teehaus und Geschäftsgeist, Servilität und Strenge, Fremdenhaß und Fremdenindustrie wohnen hart an hart. Volk der Phäaken. Immer ist Sonntag, auch wochentags. Immer ist Tag, auch bei Nacht.“
Enden tun die Reportagen bei dem sprachgewaltigen Kisch natürlich in einem Kasperlstück. Da wird in einem Dachgarten eines Grand Hotel ein Kasperltheater aufgeführt und der Bühnenmeister führt dem Kasperl sämtliche Prominente vor, die sich im Publikum befinden, das hauptsächlich aus der Völkerbundkommission besteht, die „nichts als Spesen“ macht. Dann kommen die Soldaten und schreien „Die Feinde müssen sterben, wir müssen leben. China höre mich! Feinde über dir, China Fremde über dir. China.“
„Ich wollte gar nicht, daß das Stück so ernst endet, ich kann nichts dafür!“, sagt der Bühnenmeister. „Ist es schon aus?“, fragt der Kasperl. „Hm, ich glaube nicht für immer!“, antwortet der Bühnenmeister und Bodo Uhse freute sich 1950 natürlich über den Sieg der Rotarmisten.
Wieweit Kisch wieder aufgelegt wurde und noch zu haben ist, weiß ich nicht genau. Wenn man bei Wikipedia nachsieht, findet man jedenfalls eine lange Werkliste.
„Das kriminalistische Reisebuch“, habe ich mir in den Neunzigerjahren von meinem Vater schenken lassen, das war glaube ich, genauso eine Neuauflage, wie, das Kriegstagebuch „Schreib das auf, Kisch“, das 1991 im Aufbau Verlag erschienen ist. Wie das Buch zu mir gekommen ist, weiß ich gar nicht mehr, ich kann mich auch nicht an das Lesen erinnern. Es gibt aber ein Eselsohr und eine Visitenkarte von einem Gasthaus in Marbach an der Donau, vielleicht habe ich es auf eine unserer Donauradtouren mitgenommen, die wir in den Neunzigerjahren mit der Anna manchmal machten.
Und der Bücherschrank macht es möglich, Kisch in Originalausgaben zu lesen, so habe ich auch noch zwei Bücher aus den Vierzigerjahren gefunden, die im Globus, dem österreichischen Aufbauverlag, wie man sagen könnte, erschienen sind.
„Entdeckungen in Mexiko“ und „Marktplatz der Sensationen“.
Der rasende Reporter, der 1885 in Prag geboren ist und 1948 dort starb, ist aber auch in Amerika gewesen und hat noch über sehr viel anderes berichtet und ich kann, wie schon geschrieben, die Lektüre wirklich sehr empfehlen.

2012-09-10

Emma oder Die Mühen der Architektur

Filed under: Uncategorized — jancak @ 10:12

Nachdem ich vor einem Jahr Ruth Aspöcks Tagebuchprojekt „Nichts als eine langweilige Blindschleiche“, gelesen habe, kehre ich zu den Wurzeln zurück. Der offene Bücherschrank machts möglich, denn da fand ihre 1987 bei Guthmann Peterson erschienene „Emma“ und sie hat es, wie sie mir auf meine Frage antwortete, nicht selber hineingestellt. Es ist auch nicht das erste Buch, der 1947 Geborenenen, das erste ist „Und der ganze Zauber nennt sich Wissenschaft“, beim Wiener Frauenverlag erschienen, der damals ja so hieß.
„Emma oder die Mühen der Architektur“, von dem ich schon einiges hörte, ist ein interessantes Buch. Zum Teil, wie im Nachwort der Autorin steht, in Havanna und mit Hilfe eines Stipendiums unter Palmen in einem kleinen Zimmer geschrieben, die Autorin, hat, steht in der Klappe, zu der Zeit als freie Wissenschaftlerin in Wien und Havann gelebt und „Emma oder die Mühen der Architektur-Die Geschichte einer Frau aus Wien oder Wer hat Angst vor Schwarzen Mann“, wie es in der längeren Form heißt, ist ein utopischer Roman, geht er ja bis in das Jahr 2000 und hier irrt sich die Autorin zweimal, denn im Jahr 2000 hat es ja kein Jugoslawien mehr gegeben und das AKH war nicht mehr dort, wo es die Autorin noch beschrieb und er ist versöhnlich, wie ein Märchen, viel schöner wie die Wirklichkeit, die die Autorin, wenn man in ihrer „Blindschleiche“ nachliest oder sie ein bißchen kennt und ich tue das ja sehr, selber nicht erreichte. Obwohl vieles auf dem ersten Blick autobiografisch scheint, der „Roman beschreibt aber“, wie sie im September 1987 schreibt „keineswegs mein Leben, wohl aber viel von dem, was ich beobachtet, gehört, gelesen und erfahren habe.“
Es beginnt im ersten Kapitel „Kinderspiele“ mit dem fünften Jahr der Besatzung und allgemeinen Überlegungen über Krieg und Frieden, die sich durch das ganze Buch ziehen. Emma wächst in dieser Zeit in Wien auf, hat eine ältere Schwester, mit der sie sich gut versteht, streitende Eltern, von denen sich die Kinder weit wegwünschen und daher im Kinderzimmer Zirkusspiele üben, um damit zu überleben. Zu den Kinderspielen gehört auch das „Wer fürchtet sich vom schwarzen Mann“, das genau beschrieben wird und auch dieses Thema durchzieht das ganze Buch.
Die kleine Emma wächst in diesem Nachkriegsösterreich auf, besucht das Gymnasium, beginnt Architektur zu studieren und bekommt von einem Pfarrer einmal einen „Gast aus Afrika“ zur Betreuung anvertraut, mit dem wird sie sich dem Vater zum Trotz, der ihre Vorliebe für den „Negajazz“ nicht teilt und lieber Volksmusik hört, liieren, hat er ihr doch auf ihre Frage, was er machen würde, wenn sie einen solchen „Nega“ steht in dem Buch heiratet würde, lapidar mit dem Umbringen gedroht.
Er tut es nicht, die Beziehung zu dem Gast, der in dem Buch auch so genannt wird, geht auseinander, vorher gibt es eine Abteibung, das wünscht der Gast so, bezahlt sie dann aber, wie angekündigt, nicht. Das vierte Kapitel heißt „Ehefreuden“ und da geht die blonde sommersprossige Emma plötzlich mit einem ebensolchen Kind und Ehemann spazieren. Wie es zu der Beziehung der Beiden kam, erfährt man eigentlich nicht oder nur nebenbei. Es kommt auch zur Scheidung, bei der Emma dann so weint, daß der Richter sie fragt, ob sie es nicht vielleicht doch noch einmal versuchen möchte? Sie möchte nicht, hat sie der Ehemann, Sohn einer jüdischen Mutter, der auch gern ostjüdische Witze erzählt, so sehr geschlagen, daß sie sich von einem Ohrenarzt behandeln lassen muß, der mit ihr ins Bett will.
Man oder Frau schreibt die Siebzigerjahre und Emma wendet sich dem Feminismus zu, geht in das damalige Frauenzentrum in die „Tandlergasse“, macht als Architektin Karriere und schlägt einige Berufungen aus, weil sie sich nicht korrumpieren lassen will.
Der Alltagrassismus ist ein ständiges Thema, so schickt sie ihren Sohn Franz in eine internationale Schule, damit er die Weltoffenheit lernt, als sie aber mit ihrer Schwester, deren Kind und den beiden Kindern, der Lehrerin Regine, die mit einem Chinesen verheiratet ist, zuerst nach Kärnten und dann nach Italien fährt, geniert sich ihre Mutter für die beiden Asiaten und wird nicht müde zu betonen, daß es nicht ihre Enkelkinder sind.
Emma findet ein spätes Glück mit einem Mann, der aus einem Land kommt „in dem die Farben schillern“.
Wie es heißt, wird nicht genannt, ich nehme aber an, daß Kuba damit gemeint wird, der will dort ein Friedenszentrum aufbauen und lädt Emma ein, mitzukommen. Viel zahlen können sie ihr nicht, nur Kost und Quartier, sie kann dort aber architektonisch tätig sein.
Im Jahr 2000 ist Emma mit ihm verheiratet, hat die Architektur, wenn ich es recht verstanden habe, aufgegeben, will aber ein Kinderbuch schreiben und die deutsche Sprache so reformieren, daß nur mehr die Friedenswörter in ihr enthalten sind.
Sie trifft ihre Jugendliebe, den „Gast aus Afrika“ wieder, ihr Sohn ist Arzt geworden und die Alltagsrassismen hören nicht auf, denn der Bankdirektor, den Emma auf einem Empfang trifft, spricht den letzten Satz des Buches „Asiaten und Nega, das sind ja wohl das Letzte.“
Inzwischen schreiben wir 2012 und haben Ruth Aspöcks fünfundsechzigsten Geburtstag im Februar gefeiert. Sie ist aus Havanna zurückgekommen, einen eigenen Verlag gegründet und ihn wieder aufgegeben. Inzwischen verlegt sie ja bei Löcker, reist, schreibt, liebt und ist, wie ich glaube, sehr aktiv.
An dem Buch, das mich, obwohl ich es ja erst jetzt gelesen habe, schon seit seiner Erscheinung beeindruckt hat, könnte ich wieder kritisieren, daß es sehr theoretisch und zu wenig erzählend ist.
„Show an not tell!“, aber das war 1987 noch genausowenig das „must do“, wie 1938, denn da hat Sigrid Undset ihren Roman „Das getreue Eheweib“ geschrieben, den ich gerade in Harland lese und bei dem ich das auch bemängle, obwohl sie 1928 den Nobelpreis bekommen hat.
Was mir noch auffällt, ist, daß es um Architektur in dem Buch, nicht oder nur sehr wenig geht, das ist die Kulisse zu Emma, könnte man sagen, Ruth Aspöck hat ja Theaterwissenschaft studiert und der rote Faden mit den Alltagsrassismen am Beispiel des schwarzen Mannes. Und da hat sich, fürchte ich, nicht sehr viel geändert, außer, daß wir nicht mehr Neger sagen.
Die politische Situation hat sich geändert, man kann heute nicht mehr so leicht, wie unter Kreisky studieren, die Migration hat auch heute sicher einen anderen Stellenwert, als sie es 1970 hatte und mit dem Feminismus ist es leider auch nicht so bergauf gegangen, wie Ruth Aspöck und auch ich wir es uns wünschten.
Trotzdem gibt es einige Bücher von Frauen, die Afrikaner geheiratet haben und ihre Sicht der Dinge sehr energisch schildern und das ist sehr interessant.
Ruth Aspöcks persönlicher Traum hat ja, glaube ich, nicht so geklappt, wie man in ihren anderen Büchern nachlesen kann. In „tremendo swing“ hat sie ihre Zeit in Kuba beschrieben, in „Ausnahmezustand für Anna“ ihre Zeit, in der sie in Spanien während der Franco Diktatur, studierte.
Ich habe ja die meisten Bücher Ruth Aspöcks und sehr viele von ihren auch gelesen. „Kannitverstan“ habe ich hier besprochen.
„Konjunkurs-Erfahrungen zu Alfred Stern“,1998 erschienen, habe ich mit ihr während einer xxx-small Kleinmesse im Amerlinghaus tauschen wollen und bin da auf Widerstand gestoßen, obwohl sie jetzt ihre Bücher zur freien Entnahme in den Bücherkasten legt. Sie hat es mir dann doch gegeben und es hat mich auch zu den „Wiener Verhältnissen“ angeregt, wahrscheinlich, weil mir das „mangelnde Erzählen“ auch damals aufgefallen ist. Ich habe es dann selber probiert. Es ist mir offenbar auch nicht recht gelungen, hat ja Diana Voigt, deren Agentur ich es damals anbot, gemeint, es wäre keine richtiger Roman und sie wisse nicht, wo man den verlegen könne?
Interessant ist es wahrscheinlich trotzdem, sowohl Ruth Aspöck, als auch mich zu lesen, in diesem Sinne freue ich mich auf die „Reisen Grillparzers“, Ruth Aspöcks nächstes Buch, das bald erscheinen wird oder vielleicht schon ist, das vielleicht auch zu mir kommen wird.

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