Literaturgefluester

2012-10-08

Wie durch dunkles Glas

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:59

„Wie durch dunkles Glas“ von Donna Leon, Comissario Brunettis fünfzehnter Fall beginnt sowohl rasant, als auch behutsam mit dem Frühling. Brunetti steht am Fenster in seiner Commentatura, schaut auf die Blumen hinaus und erinnert sich, wie er als Kind in diesen Zeiten die Schule schwänzte. Die Mama hats immer gewußt und jetzt kommt ein Kollege und bittet ihn zu einem Farbenwerk hinauszufahren, da dort ein Freund, ein Umweltschützer, während einer Demonstration festgenommen wurde. Seine Frau hat den Freund angerufen und darum gebeten. Der Comissario machts, nimmt den Umweltschützer mit und wird von dessen Schwiegervater angepöbelt, der ihn wüst beschimpft. Der ist ein Glasmaler in Murano und dort gehts gleich hin, auf eine Vernissage, zu der Brunetti mit seiner eingeladen wurde. Dann kommt die Gattin des Umweltschützers zu Brunetti und sagt, sie macht sich Sorgen, um ihren cholerischen Vater, der ihren Mann nicht leiden kann und auch mit Anschlägen gedroht hat.
Einer, der das bestätigen kann, ist Giorgio Tassini, der in der Manufactura als Nachtwächter arbeitet und ein behindertes Kind hat, das auf Grund eines Sauerstoffmangels während einer Hausgeburt dazu wurde, der Vater glaubt aber, es ist durch die Umweltverschmutzung geschehen und, daß die Giftabfälle der Manufactura seine Gene veränderten, macht deshalb Aufzeichnungen und Eingaben und wird eines Tages tot neben dem Schmelzofen aufgefunden.
Wer wars? Offiziell ermittelt Brunetti gar nicht an den Fall, weil das sein Chef zu verhindern versucht, aber der wird ohnehin als schwierig beschrieben, so schwierig, daß seine Sekretärin schon Lotterien veranstaltet, die der gewinnt, der den richtigen Tag errät, an dem der Chef, der sich für einen Posten in London beworben hat, abgelehnt wird. Auf der anderen Seite lernt sie aber Englsich mit ihm und Brunetti hilft sie auch bei der mehr oder weniger inoffizellen Fallaufklärung, die offizieller wird, als noch die Nachbarfactura hinzukommt, dessen Besitzer Fasano, Obmann des Glasbläserverbandes, in die Politik einsteigen will. Er ist auch ein offizeller Umweltschützer, als aber Brunetti das Wasser in seinem Werk untersucht, kommt er auf einen hohen Verschmutzungswert. Der Chef will weiter die Aufklärung des Mordes vertuschen, offiziell ist Tassini an einem Schlaganfall gestorben, da bekommt Brunetti aber, als er sich vom Polizeigondolerle den Canal Grande hininterfahren läßt, heraus daß Fasanao, ausgerechnet an dem Tag, als der Unfall geschah, beim Schwarzfahren erwischt wurde.
„Wie durch dunkles Glas“, ein Fund aus dem offenen Bücherschrank, ist wie schon erwähnt, Brunettis, fünfzehnter Fall. Den ersten „Venerzianisches Finale“ habe ich schon hier gesprochen, „Nobilta“, den siebten, einmal als Hörbuch bei einem Hörbuchwettbewerb gewonnen.
„Endstation Venedig“, „Vendetta“, „Sanft entschlafen“, „In Sachen Signora Brunetti“ und das „Gesetz der Lagune“, alles frühere Fälle, warten noch auf meiner Leseliste, man sieht, daß Donna Leon gern gelesen und auch gerne wieder weggeben wird. Inzwischen gibts den zwanzigsten Fall „Reiches Erbe“, der glaube ich, gerade auf den Beststellerlisten steht.
Den Fall der „Signora Brunetti“, habe ich einmal bei einer Buchpräsentation im Theater an der Josefstadt gehört, da gabs auch Musikeinlagen, die Autorin war da und Ex Libris hat vermittelt, so daß mich sogar Robert Weichinger angerufen hat und sagte, die Karten sind an der Kasse deponiert. Das Buch habe ich damals nicht gewonnen, aber wenn man lang genug wartet, dann finden die Bücher schon zu mir. Bei „Rund um die Burg“ habe ich „Donna Leon“ auch einmal gehört, die 1943 in New Jersey geboren wurde und seit 1981 in Venedig lebt und in allen ihren Fällen den Commissario durch die Legunenstadt führt, so daß es wahrscheinlich sehr zu empfehlen ist, auf eine Venedigreise, den einen oder anderen Brunetti mitzunehmen. Es gibt bei Diogenes aber auch einige „Venedig“- Bücher von Donna Leon, die, wie ich einmal hörte, ihre Bücher nicht ins Italienische übersetzen läßt, damit sich die Venezianer nicht über ihre Bücher mokieren, was ich eigentlich gemein finde. Sie können sie aber auf Englisch, Deutsch und wahrscheinlich auch auf Chinesisch lesen und bei ihrem letzten, im Oktober erschienenen Buch „Himmlische Juwelen“ scheint sie den Commissario überhaupt verlassen zu haben.
Wir waren auch einmal, ohne Kommissar Brunetti, in Venedig, sind einen Tag lang in der Stadt herumgerannt, mit den Booten gefahren und in Murano waren wir natürlich auch. Ein kleines grünes Schüßelchen, in dem im Wartezimmer meine Visitenkarten liegen, erinnert noch daran.

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