Literaturgefluester

2012-10-18

Von der Festplattenabgabedemo ins Literaturhaus

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:27

In den letzten Tagen wurde ich von den IG Autoren, der GAV, der Literarmechana etc, regelrecht zugeschüttet mit der Aufforderung am Mittwoch um zwölf zum Hochstrahlbrunnen am Schwarzenbergplatz zum „Protestmarsch der Künstlerinnen und Künster – Festplattenabgabe jetzt“, zu kommen, da diese beiden Interessenvertretungen die Festplattenabgabe, das Gegenmittel gegen Raubkopien, die die IG-Autoren fordert, bis jetzt verhindern.
So ganz wußte ich auch nicht, ob ich auf dieser Demo richtig war, bin ich ja eigentlich nicht dafür, daß, wie ich auf Transparenten lesen konnte, „Kunst ein knappes Gut bleiben muß!“ und ich weiß auch nicht, ob „Raubkopierer wirklich gleich Kunstterroristen!“ sind und das World wide net ist mir als Bloggerin auch sehr willkommen.
Ich bekomme von der Literarmechana aber auch die sogenannte Bibliothekstantieme überwiesen, obwohl ich gar nicht so viele Bücher in den Bibliotheken stehen habe und dann war es auch eine gute Gelegenheit sich wieder zu treffen, die Stimmung zu beobachten und ein Stück spazierenzugehen.
Die Uhrzeit um Punkt zwölf zu Mittag war vielleicht ein wenig ungünstig, das geht sich für die freiberuflich Tätige gerade aus, die kann zwischen elf und vier eine Pause einlegen, bei einem fixangestellten Autor wäre das schwieriger, obwohl Barbara Neuwirth meinte, daß man sich dazu schon die Zeit nehmen sollte!
Es waren auch einige gekommen, Elfriede Haslehner, Hilde Schmölzer, Hilde Langthaler, Bärbl Danneberg, Georg Bydlinski, Stephan Eibl Erzberg, die Rizys, Elsabeth Reichart, Sabine Gruber, Kurt Neumann und und und….
Aus einer Kiste konnte man sich einen Sticker „Ich bin AK-Mitglied und für die Festplattenabgabe“, nehmen und sich auf die Jacke stecken, aber ich bin ja kein AK-Mitglied, wobei wir wieder beim Thema des Fremdfühlens und nicht Dazugehörens sind.
Gerhard Ruiss begrüßte und dann ging es unter den Transparenten die Argentinierstraße hinauf, wo beim ORF der erste Stop gemacht wurde. Ein Redner sagte etwas in das Megaphon, die Frau neben mir meinte „Welch häßliches Gebäude!“, aber die sahen in den Fünfzigerjahren eben so aus und das Stück bis zum AK-Theater bin ich neben Marlene Streeruwitz gegangen, die mich fragte, ob wir jetzt den Sitzungssaal besetzen würden?
Wahrscheinlich nicht, denn es war alles schon auf der Straße vorbereitet, der LKW, der als Bühne fungierte und der Kran auf dem eine große schwarze Platte baumelte, das Geschenk an die AKH, wie Gerhard Ruiss erklären sollte. Aber erst gab es zwei Redner und eine Rednerin, diese war Marlene Streeruwitz und danach wurde der AK- Direktor auf das Podium gebeten, der seine Solidarität und Gesprächsbereitschaft betonte und dann, wie die anderen interessiert zusah, wie die feste Platte, ein Kunstwerk der Bildhauerin Ulrike Truger, die schon die „Wächerin“ und den „Omofuma-Stein gestaltet hatte, abgeladen und am Platz, wo schon eine andere Installation zu den Metallerverhandlungen, zu sehen war, festgemacht und gewidmet wurde.
Dann ging es weiter zu der Wirtschaftskammer, diesmal fuhr ein Traktor mit mit einigen ausrangierten Computern, ein Staubsauger war, glaube ich, auch dabei, der auf dem Platz verladen wurde und Gerhard Ruiss suchte nach dem Kammerdirektor, der aber nicht anwesend war, so wurde ihm eine Petion hinterlegt und Alexander Potyka, der Verleger vom Picus-Verlag hielt eine Rede, daß er sich als Wirtschaftskammermitglied die Festplattenabgabe wünscht, bzw. daß diese bald hermuß und auch kommen wird und Gerhard Ruiss bedauerte, daß die AK die feste Platte wieder abtransportieren lassen wird.
Inzwischen habe ich noch Ilse Kilic, Magdalena Knapp-Menzl und Ruth Aspöck entdeckt mit der ich dann auch ein Stück nach Hause, bzw. in den Hofer, wo ich Milch besorgen mußte, ging. Ich machte meine vier Uhr Stunde dann war es schon Zeit ins Literaturhaus zu gehen, wo die edition exil wieder unveröffentliche Texte aus der edition exil AutorInnenwerstatt präsentierte und ich aus Barbara Zwiefelhofers Einleitung erfuhr, daß das eine Reihe ist, die schon öfter im Literaturhaus stattgefunden hat und Christa Stippinger erklärte das Prozedere, wenn man beim Exil-Literaturpreis gewinnt, kann man in die Exil-Schreibwerkstatt eingeladen werden, man wird dann auch oft Juror für den nächsten Preis und die Texte der Preisträger werden dann auch in der „edition endeckt“- Reihe vorgestellt, zumindest war es so mit den diesmaligen Lesenden Ekaterina Heider, Kira Natani und Sina Tahori, war letzter ja im vorigen Jahr in der Jury und er hat auch einen Erzählband bei Christa Stippinger herausgebracht, den er im Vorjahr bei der KritLit vorstellte und, daß die 1990 in Irkutzk geborene Ekaterina Heider, die schon zweimal Jugendpreisträgerin war, heuer den Hauptpreis gewonnen hat, war schon in http://www.buecher.at zu lesen.
Die dritte Lesende Kira Nathani, war mir am unbekanntestens, sie hat aber im Vorjahr gewonnen und Barbara Zwiefelhofer erwähnte auch in ihrer Einleitung, daß schon einige ehemalige Preisträger wie Dimitrev Dinev, Julija Rabinowich und jetzt vielleicht auch Susanne Gregor, Karriren gemacht und größere Verlage gefunden haben, wobei ihnen Christa Stippinger nicht böse ist, sondern das sogar fördert.
So ist es auch bei dem 1966 im Iran geborenen Sina Tahory, der eine Geschichte aus dem Erzählband „Orient Extrem“ und dann noch einen neuen Text gelesen hat, er hat schon zwei Romane in Vorbereitung und einen würde Christa Stippinger gerne verlegen, sie wartet aber, ob vielleicht ein anderer Verlag anspringt.
Die heurige Preisträgerin, die als zweites gelesen hat, studiert seit 2011 am Institut für Sprachkunst, schreibt vor allem Kurzprisa und beeindruckte mit ihren erbarmungslosen Geschichten, so daß ich wieder nur hoffe, daß es ihr nicht so geht, wie dem „Ich“ von dem sie vortrug, das mit seinem Körper so gar nicht einverstanden ist, ihn ertränken und ermorden will, der Körper läßt sich aber nicht und diese Texte fangen mit „Manchmal“ an.
„Manchmal möchte ich…“.
Dann gab es noch eine Geschichte von der besonderen Schwester, die in allem besser ist, bessere Noten, bessere Chancen im Leben, dem besseren Mann, die schöne Tochter, die die Ich-Erzählerin eigentlich haben wollte, sie hat nur einen Sohn bekommen, kauft ihm Puppen und Mädchenkleider, die er gar nicht haben will und als sie dann bei der Schwester zum Essen eingeladen wird, erzählt ihr die, sie hat Krebs.
Ein starker Ton ist in den Texten, so daß ich denke, daß ich durch Christa Stippinger wieder eine junge Stimme unter Dreißig kennenlernte, von der noch viel zu hören ist.
Kira Nathani wurde 1967 als indische Staatsbürgerin in Hamburg geboren, lebt in Wien, ist Übersetzerin und brachte zwei Ausschnitte aus einem Roman, der „Marathon“ heißen wird, da rennt eine durch Wien, durch den Stadtpark bis an die Donau und wieder zurück, denkt dabei an einen Ludger und im zweiten Abschnitt ertränkt sie den in einer Badewanne in einem Zimmer im Rom.
Nachher gab es wieder Wein und die Ausstellung, die es im Literaturhaus zu sehen gibt, zu bewundern und ich habe Christa Stippinger, um zwei weitere Bücher ihrer schönen Edition gebeten,so daß ich mit meiner Leseliste bald in Bedrängnis komme, aber Petra Lehmkuhls Roman, wollte ich eigentlich schon im Vorjahr haben und Seher Cakir hat wieder einen Erzählband herausgegeben.

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