Literaturgefluester

2012-10-20

Professionelles

Filed under: Uncategorized — jancak @ 23:03

Jetzt wirds ein bißchen professioneller für die Marathonbloggerin, Selbstmacherin und Veranstaltungsbesucherin, die ja meistens auf der Zuschauerseite sitzt, im Oktober, früher war es der November, gibt es die GAV-GV und ich bin ja Mitglied in der, glaube ich, immer noch größten österreichischen Autorinnen Autorenversammlung, gegründet 1973 in Graz, um sich vom damaligen Pen-Monopol abzugrenzen, seit 1987 bin ich dort Mitglied und die GV beginnt seit einigen Jahren schon am Freitag mit dem sogenannten kulturpolitischen Arbeitskreis, den Ruth Aspöck wieder ins Leben gerufen hat und den drei Nachmittagsstunden immer ein bestimmtes Thema gibt.
Diesmal war es „Journalismus und Literatur“, sowie „Die Struktur der deutschen Sprache ist ungerecht zu den Frauen“ und Ilse Kilic, Magdalena Knapp-Menzel, die Rizys, Rolf Schwendter und Marlen Schachinger haben teilgenommen.
„Literatur und Journalismus!“, habe ich mir beim Hingehen gedacht, „dazu weiß ich nichts zu sagen!“, obwohl ich ja, wie ich glaube, gar nicht so unjournalistisch schreibe und seit fast viereinhalb Jahren eine engagierte Litbloggerin bin, aber im Standard, im ORF und den anderen Medien, werden immer nur bestimmte Autoren interviewt, die, die in Klagenfurt lesen, mindestens bei Residenz, Droschl, Deuticke, wenn nicht gleich in Deutschland verlegen, immer die selben zwei Händevoll und als ich mich bemühte bezüglich des „Tages der Freiheit des Wortes“, mit Kristina Pfoser in Kontakt zu kommen, bin ich abgeblitzt.
Ruth Aspöck hatte das Thema aber ohnehin anders verstanden, wollte wissen, was der Unterschied zwischen einem Redakteur und dem Reporter, was eine Glosse, eine Kolumne etc, ist und stellte die Frage, ob der Journalist dem Literaten das Brot wegnimmt oder umgekehrt?
Eine interessante Frage, denn durch das Internet wird sich ja viel verändern und so kam Ilse Kilic auch sehr bald zu den E-Books, die ja jetzt jeder bei Amazon einstellen kann und meinte, daß man sich das nicht gefallen, lassen sollte, daß jetzt jeder daherkommt und sich Autor nennt….
Dazu habe ich eine etwas differenzierte Meinung und denke, daß sich in diesem Punkt sehr seit den Zeiten, als Joseph Roth, Egon Erwin Kisch, Max Winter, etc ihre literarischen Reportagen geschrieben haben, geändert hat. Der Journalismus ist aber sicher immer noch für manche Autoren ein mehr oder weniger angenehmes Zubrot, auch wenn die Zeitungen, die Journalisten nicht mehr, wie früher anstellen und vieles im Prekariat oder auf Freelancebasis stattfindet.
Die Journalisten scheinen aber alle schreiben zu wollen, erst gestern habe ich in einer Selfpublishingdiskussion gehört, daß in Amerika achtzig Prozent der Leute ein Buch schreiben wollen, die restlichen zwanzig Prozent sind dann die sekundären Analphabeten, habe ich gedacht und, daß die Leute mehr schreiben und weniger lesen, ist eine Beobachtung, die ich schon länger mache.
Jeder will sein Buch, das war auch auf der Frankfurter Buchmesse zu bemerken und die Leute mit dem berühmten Namen vom Herrn Schwarzenegger abwärts, bekommen es auch und da kann es dann auch sein, daß ein oder zwei Ghostwriter mitschreiben.
Dann ging es nach der Kaffeepause in die zweite Runde, nämlich in die Genderfrage und das war auch sehr interessant, weil ich mich ja nicht nur im Literaturgeflüster mit der weiblichen Form der Sprache beschäftige und da auch meinen Weg gefunden habe. Manchmal schreibe auch ich, Autoren oder Menschen, einfach weil es kürzer ist, dann kann Frau aber auch wieder sehr schön damit spielen, von der Göttin und der Menschin sprechen und nicht aufhören zu betonen, da ist eine, die interessiert sich sehr für Literatur, auch wenn es vorkommt, daß die berühmteren Künstlerinnen sich in der männlichen Form benennen und wie macht Frau es mit dem Binnen-I, das ja zumindestens schwer auszusprechen ist?
Um fünf wars aus und es gab eine Pause bis zum sieben die Lesung der im Jahr 2011 aufgenommenen Mitglieder oder Mitgliederinnen, um genau zu sein, begann, die es auch seit einigen Jahren gibt, aber da wollte ich ohnehin nicht hin, da sich im Literaturhaus die „Class of 2012“, Lesung der AbsolvenInnen des ersten Jahrgangs des Instituts für Sprachkunst präsentiert, aber am 19. November wird es im Schloßquadrat eine Lesung geben, wo sich achtundzwanzig Margaretner Autoren und Autorinnen präsentieren und die sogenannte 5er Edition vorstellen werden und da gab es um sieben eine Vorbesprechung, so daß es noch einmal aktiv in Sachen Literatur unterwegs sein konnte, habe ich doch im April, wo ich gerade besonders intensiv mit meinen Resignationsgedanken beschäftigt war, ein Mail von Mathias Handwerk bekommen, der mich zu einer gemeinsamen Lesung der Margaretner Autoren einlud. Es wird auch eine Anthologie mit Texten geben, die am 19. November, wo ich wieder alle recht herzlich einlade, präsentiert werden wird und als ich das sogennannte“ Hofstöckl“, wo die Besprechung stattfand, erreichte, traf ich schon einige Bekannte, wie Elisabeth Chovanec, Rotwitha Millner, Dagmar Fischer und Christa Urbanek ist auch bald gekommen und Stefan M. Gergely vom Schloßquadrat teilte einen Bildband „Lust auf Wien – Eine Entdeckungsreise durch Margareten“ aus. Dafür wird es kein Belegexemplar, nur zwanzig Prozent Autorenrabatt, auf die Anthologie geben, in der auch noch El Awadalla, Armin Baumgartner, Ernst Hinterberger, Gerald Jatzek, Rudolf Kraus, Friederike Mayröcker, Carina Nekolny, Susanne Praunegger, Helga Schwaiger und Robert Sommer, von den mir Bekannten, Texte haben werden.

GAV 2012-10-20 Foto Thomas Northoff

GAV 2012-10-20 Foto Thomas Northoff

Harald Pesata führte durch den Abend, so daß ich auch noch die neben mir sitzenden Autoren, Katrin Bernhardt, Wolfgang Felix und Werner A. Prochazka kennenlernen konnte, bevor es am Samstag mit der Generalversammlung in der Alten Schmiede weiterging, wo die Punkte zur Tagesordnung besprochen wurden, der Kassenbericht und die für 2013 eingereichten Veranstaltungen, ich habe mit den Mittleren ja diesmal ausgesetzt, weil ich im Frühling eine resignative Phase hatte und es auch leid habe, von denen, denen ich meine Zetteln hinstrecke zu hören „Da können wir leider nicht kommen, weil meine Großmutter Bauchweh hat!“ und der Diskussionen bezüglich der Neuaufnahmen. Ein Veto habe ich wieder eingelegt, das positiv bearbeitet wurde und so haben wir jetzt Hanane Aad, die ich ja von den „Mittleren V“ kenne, Martin Fritz, ein ehemaliger Fm4-Preisträger, Constantin Göttfert, den ich einmal in der Alten Schmiede hörte, Linda Stift, Emily Walton, Jörg Zemmler, Robert Eglhofer und andere, jetzt als neue Mitglieder. Am Anschluß gab es noch ein Referat über das E-Book, das für mich ja inzwischen sehr vertraut, für einige der GAV-Mitglieder, die immer noch von der Haptik und des Geruches des guten alten Buchs schwärmen, sehr ungewöhnlich ist und dann das traditionelle Abendessen im „Pfudl“, Kürbiscremesuppe, Tafelspitz, Powidltascherln und diesmal auch die Getränke frei, so daß ich es zuerst mit Rotweinachterln, später mit Schilcher Sturm probierte und mich mit Irene Wondratsch, Ruth Aspöck, Rudi Lasselsberger, Sven Daubenmerkl und Kurt Mitterndorfer, Margot Koller, etc, sehr intensiv unterhielt.
Mit dem Rudi habe ich ein Buch getauscht, so daß ich den „Willi auf ein Wort“, demnächst, beziehungsweise 2015 besprechen kann.

3 Kommentare »

  1. ich habe nicht gesagt, das jedeR daherkommt und sich autor nennt, sondern eher GEGENTEILIG, nämlich dass der mir grundsätzlch WERTVOLLE gedanke, dass jede und jeder ein künstler eine künstlerin ist, da auf eine kapitalistische weise umgesetzt wird. der gedanke: jede und jeder ein künstler eine künstlerin ist ja bereits seit vielen jahrzehnten ein thema – wenn du jetzt etwa die art brut anschaust oder auch dada oder punk, wichtige bewegungen, gedanken.

    ich würde nie sagen, da kann jedeR daherkommen und sich autor nennen, da ich der meinung bin, dass jedeR sich autorIn nennen darf und soll, wenn er oder sie möchte.

    Kommentar von ilse — 2012-10-21 @ 21:21 | Antworten

  2. Dann habe ichs falsch verstanden, ich habe mich ohnehin ein bißchen gewundert, weil dieser Satz, der oft zu hören ist, ja meistens von der nicht so kritischen Seite zitiert wird und es ist einer, der mich sehr beschäftigt und mich anspricht.
    Interessant ist auch, daß achtzig Prozent, der Leute schreiben wollen, was ich sehr schön finde, mit dem H. C. Artmann Begriff, daß jeder jede ein „Künstler“ ist, auch wenn er sie gar nicht schreibt, habe ich wieder meine Schwierigkeiten. Ich würde es weniger dadaistisch Kreativität oder Selbstverwirklichung nennen und gehe auch von einem realistischen Schreibbegriff aus und da kann ja auch fast jeder schreiben, denn das lernt man, abgesehen von dem „zwanzig Prozent Analphabetensatz“ in der Schule und da scheint das etwas Bleibendes, wie ein Buch zu hinterlassen, auch ein wichtiges menschliches Bedürfnis zu sein.
    Da gab es früher die Verlage, die aussuchten, ein paar, die ihnen gefielen, nahmen und die anderen links liegen ließen, die dann für die Schublade schrieben oder bei den den Zuschuß- und Selbstzahlerverlage, landeten, die einen sehr schlechten Ruf haben und man zum finanziellen Schaden, auch Spott und Hohn bekam, beziehungsweise Drohungen hörte, daß eine dann nie mehr ein seriöser Verlag nehmen würde, es auch keine Preise und Lesemöglichkeiten, etc, gibt, was ein sehr unbefriedigendes Gefühl ist…
    Dann kamen die technischen Neuerrungen, wie Internet, Books on Demand, Digitaldruck, E-Books, etc, die einiges zu verändern scheinen. Mir hat Wikipedia ja noch vor einem Jahr meine Digitalbuchbücher mit dem Argument „nur Verlagsprodukte“ hinausgeschmissen, als in Frankfurt schon vom Selbpublishing die Rede war und das klingt tatsächlich viel positiver, als das etwas anrüchige „Selbstverlag“.
    Ich bin gespannt, wie es weitergeht und skeptisch bin ich natürlich auch, vor allem was diese Erfolgszahlen, die man jetzt überall hören kann, betrifft, weil ich ja weiß, daß die Leute nicht mehr so gerne lesen, so daß ich nicht glaube, daß man sich mit dem Selbstgemachten so einfach krumm und deppart verdienen kann.
    Was ich mir von dieser Diskussion mitnehme, ist ein bißchen selbstbewußter mit meinen dreißig selbstgemachten Büchern umzugehen, die ich ja vor zwölf Jahren sozusagen als Pionierin und sehr unbeachtet herausgebracht habe und bleibe auch beim Digitaldruck, weil ich mir nicht vorstellen kann, daß ich bei Amazon viele Käufer finde. Ich will auch gar nicht so viel verkaufen und auch nicht unbedingt „Dichterin“ sein. Da gefällt mir die „Schreibende Frau, die sich sehr für Literatur interessiert!“, besser. Das Feedback und die Anerkennung braucht es für die aber natürlich auch!!!
    So finde ich es schön, daß da jetzt jeder bloggen, schreiben, etc kann, wie er und sie es will. Nur wenn es beim einseitigen Tun bleibt und keine Rückmeldungen kommen, weil die, die schreiben, keine Zeit mehr haben, die Bücher der anderen zu lesen oder bei ihren Lesungen zu bleiben, dann stimmt es auch nicht und ich kann, die ich sowohl Bestseller, Krimis, als auch das im Kleinstverlag erschienene lese, auch nur sagen, daß mich gerade das weitergebracht hat, weil ich jetzt genau weiß, wo ich gut bin und wo vielleicht nicht!!!
    So würde ich auch die Frage bei der Diskussion, wie man sich da bei all der Flut der selbstgemachten Krimis, Ratgeber und sechzehn Seiten Romane voll von Rechtschreibfehlern auskennen soll?, mit dem mündigen Leser, Leserin, beantworten, der schon weiß, was er lesen will und keine Bevormundung eines Verlages, Rezensenten, etc dazu braucht und die sollten ja nicht nur bei den Autorinnen und Autoren zu finden sein!
    Ich habe mir übrigens inzwischen Peter Boschs E-Buch bei Amazon angeschaut und da gesehen, daß auch sein bei Albatros erschienener „Spurenzeichner“ angeboten wird, also scheint man auch von Kleinverlagen dort kaufen zu können.

    Kommentar von jancak — 2012-10-21 @ 23:47 | Antworten

  3. bravo, bravo, bravo, meine lieben! bloggen, aber nicht abblocken, hahahaha, nur weiter so! reden, diskutieren, bloggen, schreiben, gavvollversammeln, schilchern, kichern, lachen, alle miteinander, jaaaaaaa! usw. und schon bin ich wieder fort – (siehe auch mein liedl auf you tube: pforza bene)

    Kommentar von rudolf lasselsberger — 2012-10-27 @ 13:04 | Antworten


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