Literaturgefluester

2012-10-22

Ihr blöden Weiber

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:09

Da bei mir alles gerne chronologisch geht, kommt jetzt die Besprechung von Friederike Kretzens „Ihr blöden Weiber“, einen Tag nach der von „Planet Wermut“, denn dieses Buch habe ich ja im Bücherschrank gefunden, als ich zu der Oksana Sabuschko Lesung in die Hauptbücherei gegangen bin, wie man im Blog nachlesen kann. Und die 1956 in Leverkusen geborene und in der Schweiz lebende Friederike Kretzen ist mir ja keine Unbekannte, habe ich doch 2009 „Ich bin ein Hügel“ gelesen“ und sie im Februar während des Schweiz Schwerpunktes in der Alten Schmiede aus ihrem damals noch nicht erschienenen Roman „Natascha, Veronique und Paul“ lesen hören und habe mir da natürlich den 1993 erschienenen, dritten Roman der Autorin sofort aus dem Schrank genommen, obwohl ich beim Lesen der Sprachkünstlerin, ähnliche Schwierigkeiten, wie bei den Büchern von Richard Obermayr und vielleicht auch bei Andrea Winkler hatte, was ja nicht verwunderlich ist, war Friederike Kretzen ja Tutorin beim Klagenfurter Literaturkurs und hat vielleicht dort einmal auch gelesen und das Thema des Buches wäre auch etwas, was mich sehr interessieren müßte, geht es ja um drei alte Frauen und es hat mich auch interessiert. Nur habe ich nicht sehr viel damit angefangen, weil es wieder einmal ein Buch ist, das ich nicht sehr verstanden habe. So habe ich mich beim Lesen an den Klappentext gehalten und das was dort steht, ist auch sehr einleuchtend.
Da gibt es drei alte Schwestern, Sophie, Louise und Maritta, die älteste hat Geburtstag und lädt dazu ihre Verwandten, in das Haus, in dem sie schon mit ihren Eltern lebte, zur Geburtstagsjause ein. Louise die Mittlere ist blind und lebt in einem Altersheim, sie macht sich auf, der Einladung zu folgen und dann gibt es noch Maritta die jüngste, die ihre Wohnung offenbar vermüllt und mit Lebensmitteln angeräumt hat, so daß sie nur mit Hilfe eines Seils aus Strumpfhosen den Ausgang findet. Trotzdem macht sie sich mit einem Handwägelchen, Bus und Bahn auf zu der Schwester, sie kommt aber nie dorthin. So warten Sophie und Louise auf sie, kochen Heringsalat, essen den Geburtstagskuchen, empfangen den Besuch der Cousins und Cousinen und weil Friederike Kretzen eine Sprachkünstlerin ist, springt sie von einem Bild zum anderen und läßt sie in vielen Assoziationen ihr Leben wiederleben.
„Ihr blöden Weiber!“, dieser Ausruf stammt vom Cousin Ernsti, der nicht zur Geburtstagsparty kommen will. „Und wißt ihr, was unser einziger Cousin, Ernsti, als Grund schreibt? Nie an einem Freitag, was für eine Zumutung. Weißt du nicht, daß freitas das Schicksal meiner Mutter schief über meinem Stern von Afrika hängt? Ihr blöden Weiber!“ und weil Friederike Kretzen auch noch Dramaturgin ist, gibt sie ihrem Roman einen dramatischen Aufbau, so gibt es einen „Zuckerkrieg“ genannten Prolog, der klar macht, daß die drei Schwestern ihr Leben sozusagen, wie in einem Zirkusstück spielen werden.
„Avanti, die Trompete bitte. Drei alte Schwester, Louise, Sophie, Maritta. Alles ist immer so schnell gegangen, sagen sie, Gewohnheit. Dazu lächeln sie und setzen sich hin fürs erste, so gut es geht. prost. Langsam wird es kalt auf der Bühne“ und ein Nachspiel, das wieder mit „Avanti, die Trompete bitte. Das darf nicht wahr sein. Die haben ihre Kostüme vergessen, Schlampen, elende“, beginnt.
Im Klappentext steht etwas von „aberwitzigen Einfällen und intellektuellen Lesevergnügen“ geschrieben.
„Doch zugleicht macht der Roman das Auseinanderklaffen der Vorstellungswelten der unterschiedlichen Lebensalter bewußt und erträglich“, wird noch hinzugeschrieben und „Friederike Kretzen verdichtet die Zurichtungen einer weilblichen Biographie zu einer Art szenischen Imaginationstheater“ und am Titelbild sitzt dann noch eine Superfrau, mit dem Telfonhörer am Ohr, einem schwarzen Häubchen, prallen Busen und einer Art rosa Motorradhose.
Ups, da habe ich offensichtlich viel nicht mitbekommen, beziehungsweise nichts anfangen können und vor allem habe ich auch die Beschimpfungen der weiblichen Biographien nicht verstanden.
Warum muß man alte Frauen „Blöde Weiber und Schlampen“ nennen? Ich täte es nicht und schieße auch nicht in Worträuschen mit Bildern und Assoziationen umher, wenn ich meine ganz banalen Alltagsgeschichten von meinen alten Frauen, wo ich ja gerade wieder ein „Cover“ gesehen habe und den Sanktus, daß das Buch druckereifertig ist, gegeben habe. Schade nur, daß das offenbar einen höheren Stellenwert, als mein „Alltagsschreiben“ hat, sehr schade sogar, denn ich denke, daß das Beschreiben des Lebens alter Frauen und Männer sehr interessant sein kann und, daß ich dazu keine Worträusche und kein szenisches Imaginationstheater brauche, aber Literatur ist eben sehr vielfältig und es ist auch interessant, wie unterschiedlich es sich über dieses Thema schreiben läßt.

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