Literaturgefluester

2012-10-24

Drei russische Dichter

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:41

Drei russische Dichter in der Alten Schmiede, nämlich Oleg Jurjew mit seiner Frau Olga Martynova aus Frankfurt und dann noch Wjatscheslaw Kuprijanow, Erich Klein moderierte und die Alte Schmiede war wieder sehr voll. Eine Schulklasse, dann wahrscheinlich die russische Gemeinde und auch ein paar bekannte Gesichter, Lukas Cepek, der Lehrer aus Hollabrunn, die alte Dame, die mich immer so irritiert ansieht,etc.
von dem 1959 geborenen Oleg Jurjew habe ich vor kurzem ein Poem gelesen, jetzt ging es um den bei Jung und Jung erschienenen Gedichtband „In zwei Spiegeln“, in dem offenbar ein Querschnitt seines Schaffens einthalten ist.
Erich Klein moderierte, daß Oleg Jurjew, der 1991 nach Deutschland gekommen ist, einige Romane geschrieben hat und zitierte dann, glaube ich, Musil, der gesagt haben soll, daß ein Proasist selten Gedichte schreiben kann, während das ungekehrt möglich ist, was ich nachvollziehen kann, aber den Unmut des Dichters erregte, der meinte, daß er seine Prosa anders als die Lyrik schreibt und Kurt Neumann knurrte, daß man nicht jeden Unsinn nachsagen muß.
Oleg Jurjew erzählte aus der Zeit, wo er in Leningrad nicht gedruckt wurde, aber einem Dichterkreis angehörte, der Wohnungslesungen veranstaltete und sich im Samisdat-Verfahren verbreitete. Zwei solche Alben zeigte er her und las auf russisch seine Gedichte, die von Kurt Neumann auf Deutsch vorgetragen wurden, dabei erzählte er, wie er einmal in Dalmatien Urlaub machte und aufs Meer schaute, da kam ein Schiff daher und er überlegte, was das wohl verkünden würde? Dann ist der „Tod des Vergils“ daraus geworden.
Olga Martynova, die letzte Bachmannpreisträgerin, die nach ihm kam, war noch interessanter, ist der bei Droschl erschienene Gedichtband von „Tschwrik und Tschwirka“ offenbar ein Nebenprodukt ihres 2009 auf der Longlist stehenden Romans „Sogar Papageien überleben uns“ und da geht es um russische Dichter aus den Zwanzigerjahren, Charms und Vvedenskij beispielsweise und das hat sie offenbar zu Gedichten angeregt, die diesem Sprachspiel angelehnt waren und sie sagte, daß ihr das sehr großen Spaß gemacht hätte und es dabei um „Sinn“ und „Unsinn“ geht.
Wer sind Tschwirik und Tschwirka? Zwei Fabelwesen, die auf die Welt gekommen sind, um sie sich anzusehen und man nicht sicher ist, ob sie sie nicht vielleicht selbst erschaffen haben. Es gab auch ein paar Stellen, wo es um die Briefe der russischen Dichter ging und dann noch um früher erschienene Rom Gedichte.
Oleg Jurjews und Olga Martynovas Gedichte sind auf Russisch geschrieben und von Elke Erb und Olga Marynova übersetzt, die Prosa schreibt Olga Martynova, glaube ich, auf Deutsch.
Der dritte Dichter war ein bißchen älter und mir unbekannt. Wjatscheslav Kuprijanow, 1939 geboren, der auch Übersetzer ist, las aus seinem Band „Verboten“
In der Diskussion ging es darum, wie weit seine Lyrik politisch und ob er satririsch ist, es scheint ein Nachwort zu geben, wo er meint, daß Leute, die nicht mehr lesen, ihre Nationalität verlieren und das passt, genau, wie das im Samisdat verlegte, ja irgendwie zu der Diskussion, die wir heute über die Veränderung des Buches führen. Und die Erzählungen über den illegalen Dichterkreis und den Wohnungslesungen passt zu Kazimierz Brandys „Warschauer Tagebuch„, das ich gerade lese. Geht es dabei doch auch um fliegende Vorlesungen, die in Warschauer Wohnungen 1980 abgehalten wurden und um Hausdurchsuchungen, mit denen sie verhindert werden sollten.

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