Literaturgefluester

2012-10-27

Ein besonderer Mensch

Filed under: Uncategorized — jancak @ 01:10

Die Erinnerungen an den 1987 verstorbenen Lynkeus-Herausgeber Hermann Hakel, die ich im April in der Gesellschaft für Literatur bekommen habe, wurden 1988 von der Hermann Hakel Gesellschaft herausgegeben und „setzen sich aus Beiträgen von zwei Dutzend Zeitgenossen unterschiedlichen Alters, Standes, Berufs und Wohnorts, sowie biographischen und bibliographischen Zeittafeln, Fotos und Abbildungen von Briefen und Karten bekannter Schriftstellerkollegen zusammen.“
Beginnen tut es mit einem Bild und einem Zitat Hakels: „Ich bin als Schriftsteller kein großes Talent, ja noch nicht einmal ein mittelmäßiges, aber ich bin ein besonderer Mensch!“
Und das stimmt höchstwahrscheinlich, denn ich habe von dem 1911 in Wien geborenen, schon sehr viel gehört und in den Siebziger oder Achtzigerjahren wahrscheinlich auch meine Texte an den „Lynkeus“ geschickt und wenn ich mich nicht irre, sie mit einem nicht einmal so unnetten Brief zurückbekommen.
War Hermann Hakel ja einer der literarischen Entdecker, der mit Hans Weigel unter anderen Herta Kräftner, Ingeborg Bachman etc, förderte und er hatte nicht nur viele Freunde, die in den Buch ihre Nachrufe abdruckten, sondern auch eine Menge Feinde und so kann ich mich erinnern, daß Dine Petrik, als sie im Jänner ihr Herta Kräftner Buch vorstellte, sich durchaus kritisch ihm gegenüber äußerte und genauso negativ war wohl auch Erika Danneberg, die ich durch den Arbeitskreis schreibender Frauen kenne, eingestellt, die von 1949 bis 1958 mit ihm verheiratet war. War ich ja vor einigen Jahre bei der Präsentation einer Werkausgabe, die nach ihrem Tod von ihrem Nachlaßverwalter Raimund Bahr, in der Gesellschaft für Literatur vorgestellt wurde und da hat, glaube ich, Emmerich Kolovic oder Richard Kovacecic, die mit Gerhard Amanshauser diesen Nachlaßband herausgegeben haben, von den Schwierigkeiten erzählt.
Ein schwieriger Mensch also und das Buch beginnt auch mit einer autobiographischen Skizze Hakels, in der er erzählt, daß er ein kränkliches Kind war, das durch eine Diphterie und einen Sturz, im ersten Weltkrieg ein Auge verlor und einen verkürzten Fuß hatte, so daß er sich durchs Leben humpelte.
Er hat viel gelesen, sich mit Dichtern angefreundet, schon 1935 eine Anthologie herausgebracht und die Volkshochschule Zirkusgasse besucht. 1939 emigrierte er nach Italien und kam 1947 nach Wien zurück, wo er Vorstandsmitglied des PEN-Clubs wurde, eine Literaturzeitschrift gründete und die jungen Dichter zu fördern begann.
Die zwei Dutzend Zeitzeugen erzählen dann von ihrer Begegnung mit Hermann Hakel, der in Wien verschiedene Wohnungen hatte und, als er schon alt und krank war, seine Besucher im Pyjama und Schlafanzug empfing. Einige der Zeitzeugen, von denen ich viele nicht kannte und von denen einige auch schon verstorben sind, äußern sich auch kritisch, daß Hakel, der sehr viel gesprochen haben dürfte, sich durch seine Kritik viele Feinde machte, wird in dem Buch auch erwähnt, andererseits scheint er für die Literatur gelebt zu haben, auch sehr freigiebig und ein großer Förderer gewesen zu sein.
Sein Nachlaßverwalter Emmerich Kolovic, den ich von der Gesellschaft für Literatur und vom Literaturhaus kenne, beginnt die Erinnerungen mit den Aufzählungen der Träume, irgendwo wird auch erwähnt, daß Hakel einige Tage vor seinem Tod träumte von seiner Mutter angerufen worden zu sein, die ihn fragte, wann er denn endlich zu ihr käme?
Andreas Okopenko hat einen Artikel, der schon 1975 in den Protokollen abgedruckt war, in dem er sich auf die literarische Lage nach dem zweiten Weltkrieg bezieht und die Namen derjenigen aufzählt, die Hakel gefördert hat, Aichinger, Busta, Celan, Dor, Eisenreich, Federmann, Ferra, Fried, Lebert, Mayröcker und Toman, waren dabei.
Der zweite der Hakel-„Buam“, wie es an anderer Stelle heißt, der 1930 geborene Richard Kovacevic beschreibt auch seine lange Beziehung zu Hakel, dem er 1953 einige Kurzgeschichten schickte.
Der AZ Redaktuer und Schriftsteller Hans Heinz Hahnl scheint ein besonderer Hakel Verehrer gewesen zu sein, der es sehr bedauerte, daß der Staat keine Ehrungen und Preise für ihn hatte und er hat auch in der AZ zu seinem siebzigsten Geburtstag und seinen Nachruf geschrieben.
Hans Raimund beschreibt beschreibt ebenfalls ausführlich, wie er Hermann Hakel einmal im Monat besuchte und von seinem „Witz und seiner Menschenkenntnis“ beeindruckt war. Er beschreibt einen „Salon“ bei ihm, wo er von den beiden Baam, die Redakteure Kolovic und Kovacevic, die er nicht auseinanderhalten konnte, aufgefordert wurde, Klavier zu spielen, damit sich der Meister beim Reden nicht überanstrengte, was aber nicht geholfen hatte.
Einige Lynkeus-Ausgaben werden erwähnt und einen Vortrag 1984 in der Alten Schmiede über die Zeitschrift, zu dem Kurt Neumann Hakel eingeladen hat. Raimund erwähnt auch, daß Hakel Kreisky für einen Erzfeind und auch von Jandl und von Thomas Bernhard nicht sehr viel gehalten hat, dafür war er aber von der Lyrikerin Ulla Hahn sehr begeistert und hat sie in seinen Salon eingeladen.
Von den jüngeren Zeitzeugen ist der 1968 in Salzburg geborene Sohn Gerhard Ammanshauser Martin zu erwähnen, der von den Besuchen Hakels und der Schachtel Ildefonso schreibt, die er ihm regelmäßg schenkte. Evelyn Adunka hat auch ihre Hakel Erinnerungen und ganz besonders interessant sind für mich die Nachrufe, wo Hakels Beziehung zu Jean Amery erwähnt wurden, da ich da ja erst vor kurzem bei einem Grundbuch in der alten Schmiede war.
Am Schluß des Buches gibt es Briefe von Hermann Hesse, Ernst Jünger, Max Mell, Albert Paris Gütersloh, etc und ich fand den Erinnerungsband, da ich mich ja sehr für die Literatur der letzten Jahrzehnte interessiere, äußerst spannend und denke, daß Hermann Hakel wohl wirklich ein widersprüchlicher Mensch gewesen sein muß, der sowohl Anhänger, als auch Feinde hatte, etwas konservativ gewesen sein dürfte, aber wenn man seine Ansichten über das Schreiben betrachtet, wieder äußerst modern war, so hat er doch vom Schreiben mit allen Sinnen gesprochen und seine Schüler auch auf die Straße zum Beobachten geschickt.
Er scheint auch ein großer Lyriker gewesen zu sein und als ich in meiner Leseliste nachgeschaut habe, habe ich eine Anthologie „Jiddischer Gedichte“ gefunden, die er übertragen hat, die ich auf meine Leseliste setzte.

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