Literaturgefluester

2012-10-21

Planet Wermut

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:01

Die Fußballeuropameisterschaft, die zumindestens von mir schon fast vergessen wurde, hat in Frühling ein größeres Interesse an der Ukrainie wachgerufen, so daß es in Leipzig und auch in Wien einen Schwerpunkt an der Literatur dieses Landes gab und einige diesbezügliche Publikationen, wie zum Beispiel den bei Droschl erschienenen Essayband „Planet Wermut“, der 1960 geborenen in Kiew lebendenden Oksana Sabuschko, die daraus nicht nur in Leipzig, sondern auch ein paar Tage später in der Hauptbücherei las, wo mir Alfred das Buch kaufte und wir in kleiner Runde auch noch in dem Cafe oben auf dem Dach zusammengesessen sind.
Da es eine Verbindung zu Kulturkontakt zu geben scheint, sind Oksana Sabuschko, Andrej Kurkov und Juri Andruchowitsch öfter in Wien zu hören und ich habe, glaube ich, Oksana Sabuschko schon einmal in der Hauptbücherei gehört, als sie dort die „Feldstudien zum ukrainischen Sex“ vorstellte.
Planet Wermut, eine Anspielung auf Tschernobyl, da Tschernobyl im Buch Cornobyl geschrieben, auf Ukrainisch Wermut heißt, ist der Titel der Essaysammlung, die außer der Titelgeschichte noch drei andere Texte enthält, die das ukrainische Problem beschreiben, das wie dem Klappentext zu entnehmen ist, uns alle angeht.
Der erste Text „Zimmer 101 oder Die Suche nach dem Ausgang“, beginnt mit einem Orwell Zitat aus „1984“ und einem von Lewis Carroll aus „Alice im Wunderland“ und das „Zimmer 101“, wahrscheinlich eine Anspielung aus „1984“, der Ort, in dem, in dem Roman das Böse passiert. Oksana Sabuschko verbindet damit die ukrainische Situation und stellt die Frage, wie man mit den Leuten umgeht, die seine Eltern, Freunde, etc, ins Lager führten oder verhörten und dann Jahre auf einen zukommen und mit einem freundschaftlichen verkehren wollen. Die Hungerskatastrophe unter Stalin 1933, bei der sehr viele Ukrainer verhungerten, wird thematsiert und dann der Bogen in die Gegenwart an Hand der chinesischen Schuhe, die die Autorin, kaufte, weil sie so billig sind, aber natürlich von Häftlingen in Lagern fabriziert wurden, 1933 war das bei den Sowets ebenso.
Aus dem zweiten Essay „Planet Wermut“ hat Oksana Sabuschko schon in der Hauptbücherei gelesen, er beginnt mit dem 26. April 1986 in Kiew, als die Autorin plötzlich Schnee auf ihrer Bluse hatte und den Himmel, ohne etwas von der Katastrophe zu ahnen, als sehr schön empfand, die fand man erst später heraus, so daß die Schulkinder am bald herannahenden ersten Mai noch immer zur Parade gezwungen wurde, inzwischen hat sich ein damals dafür Verantwortlicher umgebracht, während man etwas später schon die Mütter mit ihren Kinderwägen auf den Straßen unwillig musterte und sich selber vor der Verstrahlung, Geigenzähler gab es nicht zu kaufen, durch Haarewaschen und Schuhabputzen schützte.
Der über sechzig Seiten gehende Essay bringt Vergleiche mit Filmen von Lars van Trier, Oleksadr Dovzenko und Andrej Tarkovskij, wobei die beiden letzteren wieder in die Dreißigerjahre und in die Stalinzeit zurückgehen und für jemanden, der sich mit der ukrainischen Geschichte und den sowetischen Filmen nicht so auskennt, nicht leicht zu verstehen ist.
Im dritten Text „Das letzte Tor“, geht es dann zum Fußball und der, laut Marianne Gruber so wichtigen Angelegenheit, daß es klar ist, daß zu Ludwig Lahers Lesung nur wenige Leute kommen und es gibt ja auch tatsächlich mehrere Fußballfans unter den Autoren und Germanisten, die dann auch Bücher darüber schreiben.
In der Ukraine scheint das ähnlich zu sein und Oksana Sabuschko zieht auch den Zusammenhang zum Nationalismus, zitiert das Freundschaftsspiel zwischen Österreich und Ukraine am 15. November 2011. Wer hat gewonnen? Die Ukrainie wahrscheinlich, sonst würde Sabuschko ihren Text wahrscheinlich nicht damit beginnen. Zitiert Schlachtrufe „Es lebe die Ukraine, Die Helden leben hoch!“ und kommt damit zur orangenen Revolution von 2004, die ich ja ein bißchen miterleben konnte, auch weil mir Stefan Teichgräber damals öfter Unterschriftaktionen und Namenslisten schickte.
2006 war Oksana Sabuschko während der Fußball-WM auf einem Literatur-Festival in Ulm und konnte in der Nacht nicht schlafen, weil die Deutschen ihren Sieg feierten, allerdings scheinen die sich Vergangenheitsbedingt ihrer Siegesrufe von wegen „Wollt ihr den totalen Krieg?“, ein wenig zu genieren. Der Zusammenhang zwischen Fußball und Nationalismus ist ja sehr interessant, warum man deshalb in Kämpfe und Kriege ausbricht, verstehe ich auch nicht so ganz, scheint aber so zu sein.
Dann gehts in „Als Frau und Schriftstellerin in einer Kolonialkultur“, in die ukrainische Literaturgeschichte und wird wieder etwas schwierig, denn Oksana Sabuschko ist ja „Mit ihren Feldstudien“ berühmt geworden, so weit komme ich noch mit, dann gabs aber eine Zeitschrift in der ukrainischen Diaspora in Argentinien, die über sie einen Artikel mit der Überschrift schrieb „Haben wir eine vierte Lesja?“
Sabuschko schnappte die Überschrift, trug sie zu ihren männlichen Kollegen und fragte, wer sind die anderen zwei? und die antworteten, weil sie ja in derselben Schule sozialisiert wurden, alle „Lina Kostenko und Olena Teliha!“
Ich muß gestehen, von allen drein noch nie etwas gehört zu haben, offenbar lernen wir in unseren Schulen nicht viel über die ukrainische Nationalliteratur. Oksana Sabuschko führt das aber ein bißchen aus und gibt auch ein paar Textbeispiele und der Inhalt ihres Artikels ist der, daß die Frauen nach den Siegen als erstes von den Männern vergewaltigt werden, überall, nicht nur in der Ukraine, als Unterwerfungsgeste und, daß die sowetische Regierung ihren Bürgern durch die Mehrraumpolitik, die Lust am Sex und an der Fortpflanzung austrieb und sich die Frauen für das, was sie machen, schämen und sich als schlecht und als Untermenschen bezeichnen.
Interessant, der Essayband, weil man viel über die Ukraine, für die mich ja sehr interessiere und auch schon einiges gelesen habe, erfährt, obwohl mir die Romanform wahrscheinlich lieber ist und mir manches in dem Buch auch sehr theoretisch erschien, so daß ich nicht alles verstanden habe, was wieder ein Indiz dafür ist, daß man sich mehr für die Literatur und das Leben der anderen interessieren sollte.

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2012-10-20

Professionelles

Filed under: Uncategorized — jancak @ 23:03

Jetzt wirds ein bißchen professioneller für die Marathonbloggerin, Selbstmacherin und Veranstaltungsbesucherin, die ja meistens auf der Zuschauerseite sitzt, im Oktober, früher war es der November, gibt es die GAV-GV und ich bin ja Mitglied in der, glaube ich, immer noch größten österreichischen Autorinnen Autorenversammlung, gegründet 1973 in Graz, um sich vom damaligen Pen-Monopol abzugrenzen, seit 1987 bin ich dort Mitglied und die GV beginnt seit einigen Jahren schon am Freitag mit dem sogenannten kulturpolitischen Arbeitskreis, den Ruth Aspöck wieder ins Leben gerufen hat und den drei Nachmittagsstunden immer ein bestimmtes Thema gibt.
Diesmal war es „Journalismus und Literatur“, sowie „Die Struktur der deutschen Sprache ist ungerecht zu den Frauen“ und Ilse Kilic, Magdalena Knapp-Menzel, die Rizys, Rolf Schwendter und Marlen Schachinger haben teilgenommen.
„Literatur und Journalismus!“, habe ich mir beim Hingehen gedacht, „dazu weiß ich nichts zu sagen!“, obwohl ich ja, wie ich glaube, gar nicht so unjournalistisch schreibe und seit fast viereinhalb Jahren eine engagierte Litbloggerin bin, aber im Standard, im ORF und den anderen Medien, werden immer nur bestimmte Autoren interviewt, die, die in Klagenfurt lesen, mindestens bei Residenz, Droschl, Deuticke, wenn nicht gleich in Deutschland verlegen, immer die selben zwei Händevoll und als ich mich bemühte bezüglich des „Tages der Freiheit des Wortes“, mit Kristina Pfoser in Kontakt zu kommen, bin ich abgeblitzt.
Ruth Aspöck hatte das Thema aber ohnehin anders verstanden, wollte wissen, was der Unterschied zwischen einem Redakteur und dem Reporter, was eine Glosse, eine Kolumne etc, ist und stellte die Frage, ob der Journalist dem Literaten das Brot wegnimmt oder umgekehrt?
Eine interessante Frage, denn durch das Internet wird sich ja viel verändern und so kam Ilse Kilic auch sehr bald zu den E-Books, die ja jetzt jeder bei Amazon einstellen kann und meinte, daß man sich das nicht gefallen, lassen sollte, daß jetzt jeder daherkommt und sich Autor nennt….
Dazu habe ich eine etwas differenzierte Meinung und denke, daß sich in diesem Punkt sehr seit den Zeiten, als Joseph Roth, Egon Erwin Kisch, Max Winter, etc ihre literarischen Reportagen geschrieben haben, geändert hat. Der Journalismus ist aber sicher immer noch für manche Autoren ein mehr oder weniger angenehmes Zubrot, auch wenn die Zeitungen, die Journalisten nicht mehr, wie früher anstellen und vieles im Prekariat oder auf Freelancebasis stattfindet.
Die Journalisten scheinen aber alle schreiben zu wollen, erst gestern habe ich in einer Selfpublishingdiskussion gehört, daß in Amerika achtzig Prozent der Leute ein Buch schreiben wollen, die restlichen zwanzig Prozent sind dann die sekundären Analphabeten, habe ich gedacht und, daß die Leute mehr schreiben und weniger lesen, ist eine Beobachtung, die ich schon länger mache.
Jeder will sein Buch, das war auch auf der Frankfurter Buchmesse zu bemerken und die Leute mit dem berühmten Namen vom Herrn Schwarzenegger abwärts, bekommen es auch und da kann es dann auch sein, daß ein oder zwei Ghostwriter mitschreiben.
Dann ging es nach der Kaffeepause in die zweite Runde, nämlich in die Genderfrage und das war auch sehr interessant, weil ich mich ja nicht nur im Literaturgeflüster mit der weiblichen Form der Sprache beschäftige und da auch meinen Weg gefunden habe. Manchmal schreibe auch ich, Autoren oder Menschen, einfach weil es kürzer ist, dann kann Frau aber auch wieder sehr schön damit spielen, von der Göttin und der Menschin sprechen und nicht aufhören zu betonen, da ist eine, die interessiert sich sehr für Literatur, auch wenn es vorkommt, daß die berühmteren Künstlerinnen sich in der männlichen Form benennen und wie macht Frau es mit dem Binnen-I, das ja zumindestens schwer auszusprechen ist?
Um fünf wars aus und es gab eine Pause bis zum sieben die Lesung der im Jahr 2011 aufgenommenen Mitglieder oder Mitgliederinnen, um genau zu sein, begann, die es auch seit einigen Jahren gibt, aber da wollte ich ohnehin nicht hin, da sich im Literaturhaus die „Class of 2012“, Lesung der AbsolvenInnen des ersten Jahrgangs des Instituts für Sprachkunst präsentiert, aber am 19. November wird es im Schloßquadrat eine Lesung geben, wo sich achtundzwanzig Margaretner Autoren und Autorinnen präsentieren und die sogenannte 5er Edition vorstellen werden und da gab es um sieben eine Vorbesprechung, so daß es noch einmal aktiv in Sachen Literatur unterwegs sein konnte, habe ich doch im April, wo ich gerade besonders intensiv mit meinen Resignationsgedanken beschäftigt war, ein Mail von Mathias Handwerk bekommen, der mich zu einer gemeinsamen Lesung der Margaretner Autoren einlud. Es wird auch eine Anthologie mit Texten geben, die am 19. November, wo ich wieder alle recht herzlich einlade, präsentiert werden wird und als ich das sogennannte“ Hofstöckl“, wo die Besprechung stattfand, erreichte, traf ich schon einige Bekannte, wie Elisabeth Chovanec, Rotwitha Millner, Dagmar Fischer und Christa Urbanek ist auch bald gekommen und Stefan M. Gergely vom Schloßquadrat teilte einen Bildband „Lust auf Wien – Eine Entdeckungsreise durch Margareten“ aus. Dafür wird es kein Belegexemplar, nur zwanzig Prozent Autorenrabatt, auf die Anthologie geben, in der auch noch El Awadalla, Armin Baumgartner, Ernst Hinterberger, Gerald Jatzek, Rudolf Kraus, Friederike Mayröcker, Carina Nekolny, Susanne Praunegger, Helga Schwaiger und Robert Sommer, von den mir Bekannten, Texte haben werden.

GAV 2012-10-20 Foto Thomas Northoff

GAV 2012-10-20 Foto Thomas Northoff

Harald Pesata führte durch den Abend, so daß ich auch noch die neben mir sitzenden Autoren, Katrin Bernhardt, Wolfgang Felix und Werner A. Prochazka kennenlernen konnte, bevor es am Samstag mit der Generalversammlung in der Alten Schmiede weiterging, wo die Punkte zur Tagesordnung besprochen wurden, der Kassenbericht und die für 2013 eingereichten Veranstaltungen, ich habe mit den Mittleren ja diesmal ausgesetzt, weil ich im Frühling eine resignative Phase hatte und es auch leid habe, von denen, denen ich meine Zetteln hinstrecke zu hören „Da können wir leider nicht kommen, weil meine Großmutter Bauchweh hat!“ und der Diskussionen bezüglich der Neuaufnahmen. Ein Veto habe ich wieder eingelegt, das positiv bearbeitet wurde und so haben wir jetzt Hanane Aad, die ich ja von den „Mittleren V“ kenne, Martin Fritz, ein ehemaliger Fm4-Preisträger, Constantin Göttfert, den ich einmal in der Alten Schmiede hörte, Linda Stift, Emily Walton, Jörg Zemmler, Robert Eglhofer und andere, jetzt als neue Mitglieder. Am Anschluß gab es noch ein Referat über das E-Book, das für mich ja inzwischen sehr vertraut, für einige der GAV-Mitglieder, die immer noch von der Haptik und des Geruches des guten alten Buchs schwärmen, sehr ungewöhnlich ist und dann das traditionelle Abendessen im „Pfudl“, Kürbiscremesuppe, Tafelspitz, Powidltascherln und diesmal auch die Getränke frei, so daß ich es zuerst mit Rotweinachterln, später mit Schilcher Sturm probierte und mich mit Irene Wondratsch, Ruth Aspöck, Rudi Lasselsberger, Sven Daubenmerkl und Kurt Mitterndorfer, Margot Koller, etc, sehr intensiv unterhielt.
Mit dem Rudi habe ich ein Buch getauscht, so daß ich den „Willi auf ein Wort“, demnächst, beziehungsweise 2015 besprechen kann.

2012-10-19

Mein Italien

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:00

Mit Klaus Wagenbach, dem 1930 geborenen Verleger des Wagenbachverlags, kreuz und quer durch Italien. Alfred macht es möglich, hat er mir ja in Leipzig das Wagenbach Taschenbuch 559, aufgeteilt in acht Abschnitten und erläuert durch den Herausgeber, gekauft und jetzt, kann ich mich, die ich ja keine Kurzgeschichten und Textausschnitte mag, in Italiens Literatur durchrobben.
Vielleicht ist das aber gar nicht so schlecht, bin ich ja mit Alfred bis 2004 oder 2005 lang jedes Jahr hin gefahren und hatte da auch manchmal Wagenbachbücher im Gepäck und ebenfalls 2005 oder war es 2006 bzw 2007 bin ich einmal in die Hauptbücherei gegangen und da das erste Mal auf die Bücherlandungseineurokiste gestoßen und da lagen lauter Wagenbach Italienbücher drinnen, denn Klaus Wagenbach, den, ich, glaube ich beim letzten Fried Preis und auch schon Leipzig traf, als er einen Preis bekommen hat, ist ja ein Italienkenner und Spezialist dieser Literatur, gibt vorzugsweise die linken Italiener heraus und ich muß zu meiner Schande gestehen, außer „Erica und ihre Geschwister“ von dem, was ich mir in der Buchlandung kaufte, noch nichts gelesen zu haben, es gibt ja soviel Konkurrenz.
Die „Zwiebel“, das jährliche Verlagsprogramm, in dem man ebenfalls Leseproben finden kann, hole ich mir natürlich und jetzt zu Zeiten der Frankfurterbuchmesse, wo Neuseeland Gastland ist, ein Streifzug durch die kritische Literatur bella Italias, beim Aufschlagen des Buches bin ich, wie ich wieder gestehen muß, zusammengezuckt, denn dreihundertsiebenundsiebzig Seiten Kleindruck, wie lange brauche ich dazu und wie schaffe ich das zu bloggen, ohne etwas zu vergessen?
Die Lösung ist ettappenweise, also beginne ich mit der „Ortsbesichtigung“, wo der 1910 in Pescara geborene und 1972 in Rom gestorbene Ennio Flaiano uns über die „Größten Fehler der Italiener“ erzählt. Und Umberto Eco macht gleich weiter mit „Welche Schande, wir haben keine Feinde“, wobei das eine Frage ist, die ihn in New York ein pakistanischer Taxifahrer stellt und Andrea Camilleri, von dem ich inzwischen einiges bei einem anderen Verlag Erschienenes gelesen habe, macht ich über den „Bei den Tempeln vergessenen Engländer“ lustig, da verkleidet sich ein schlaues Bürschchen als Engländer und versucht die Bauern zu foppen, die kommen aber darauf und verprügeln dann irrtümlicherweise einen echten Engländer, der das dann für die italienischen Gebräuche hält und „Seltsames um den Turm von Pisa“ von Gianni Rodari ist überhaupt sehr lustig, da kommen die Marsmenschen und wollen den schiefen Turm entführen, was aber durch den Andenkenverkäufer Carletto Palladino verhindert wird. Tiziano Scarpa erzählt etwas über „Venedig“, das ist auch sehr interessant, weil ich ja gerade Donna Leon gelesen habe, dann kommen Carlo Fruttero und Franco Lucentini und der 1927 geborene Luigo Malerba, der uns mit seinem „Aufgezehrten Panorama“ Roms unterhält, das von den vielen Touristen kommt, bevor mit „Quer durch“ in das „Lombardische Land“ zum „Po“ und mit Anna Maria Ortese, der bis jetzt ersten Frau, zu den „Weißen Gesichtern in Mailand“ geht, da berichtet sie, wie sich die Stadt jeden Sommer leert, die aus der Bel Etage ziehen in die Sommerfrische, während die Hausmeisterkinder mit weißen Gesichter, weiter die Treppen kehren müßen und der kleine Sohn des distinguierten Beamten in der Eisdiele, den Vater wenigstens um einen Sonntagsausflug bittet und Gianne Celati erzählt überhaupt in „Eines Abends vor dem Ende der Welt“ von einer Frau, die davon hörte, daß die Kohlensäure aus den Städten sich in der Atmosphäre aufstauen würde, so flieht sie mit einer Freundin nach Norwegen, als die sich aber dort verheiratet, wechselt sie den Job, freundet sich mit einem Mineralwasserliferanten an, als sie aber von ihm verlassen und von den anderen verspottet wird, verklebt sie sich den Mund und hüllt sich in Nylon, so daß sie nach dem Knall noch im Spital verstirbt.
Ferderico Fellini berichtete von seinem „Rimini“, das sich seit dem Krieg in eine einzige Flanaierzeile mit unzähligen Restaurants, Bars und Hotels verwandelt hat und Giorgio Manganelli führte und in „Die Uffizien“ von Florent und hatte über beinahe jedes Bild etwas zu sagen, während Luigi Malerbo, von dem ich inzwischen „Die Schlange“ im Wortschatz gefunden und noch ein anderes ungelesenes Buch in den Regalen stehen haben, belehrt uns über Korruption, die Toleranz, die Denkmäler und noch über einiges anderes das es im schönen Rom zu finden gibt, während uns der 1921 in Sizilien geborene Leonardo Sciascia im „Weinfarbenen Meer“, eine Reise von Rom nach Sizilien miterleben läßt, die ein Ingenieur in einem Abteil gemeinsam mit einem Lehrerehepaar, dessen Söhne Lulu und Nene und einem jungen Mädchen, das einem Gelübde wegen noch ein Monat lang ein schwarzes Kleid tragen muß, macht.
Bei den „Sitten und Gebräuchen“ lesen wir zum Teil sehr schrullige Sachen. So lassen sich bei Primo Levi zum Beispiel die Leute Werbeschriften auf die Stirn gravieren, damit sie mit dem damit verdienten Geld ihren Ehestand finanzieren könnten, weil das alle wollen, kommt es aber zur Inflation und als Laura nach drei Jahren schwanger wird, kommt das Kind schon mit einer solchen Schrift zur Welt.
Umberto Eco schildert „Eine TV-Show im Spiegel des Landes“ und Gianni Rodari erzählt im „Am Strand von Ostia“, von einem Herrn, der Unmut erregt, weil er sich mit seinem Sonnenschirm aus Platzmangel ein Stückchen höher in die Luft begibt. Und Luciano de Crescenzo läßt in „Geschichte einer Verwarnung“, einen Taxichauffeur die Frage stellen, ob der Fahrgast die Strafe für eine Verkehrsübertretung zu bezahlen hat, während Guiseppe Marotta die italienischen Gebräuche schlicht und einfach an Hand der „Spaghetti“ schildert. Dann geht es zur Geschichte, was hauptsächlich in den zweiten Weltkrieg bedeutet und da hat sich Mussolini ja eine Stadt schaffen wollen, wie Leonardo Sciascia erzählt und der im März verstorbene Antonio Tabucchi, der 19988 den österreichischen Staatspreis für europäische Literatur bekommen hat, erzählt in seiner „Hydraulischen Gleichheitsmaschine“, vom Hunger in den Dörfern, der kommunistischen Selbsthilfe und die Rolle, die der Dorfgeistliche dabei spielt und ich habe „Erklärt Pereira“ noch immer nicht gelesen.
„Der falsche Arzt“ zeigt wieder viel vom Camillerischen Humor, da fahren zur Zeit des spanischen Bürgerkriegs sowetische Schiffe draußen am Meer und der Arzt des sizilianischen Dörfchens soll hinausfahren um einen Kranken zu retten, aber der wird immer seekrank, so holt er den Vater des Protagonisten, der soll kommen, den Puls messen und den Kranken ins Spital bringen lassen, der wird dann gesund und die Sowets wollen dem richtigen Arzt dann einen Orden geben und die Faschisten versprechen seltsamerweise auch ihn zu belohnen, vergessen aber darauf. In Romano Bilenchi „Der junge Linder“, schließt sich ein jüdischer Flüchtling dem kommunistischen Widerstand an und Natalia Ginzburg erzählt vom „Winter in den Abruzzen“. Italo Calvino zeigt im „Schwarzen Schaf“ wie das italienische System funktioniert, alle rauben des Nachts das Haus des anderen aus und Guiseppe Tomasi di Lampedusa berührt mit „Freude und moralisches Gesetz“, da bekommt ein armer Buchhalter zu Weihnachten sein dreizehntes Gehalt, von dem er seinen Schulden zurückzuzahlen hat und einen riesigen Kuchen, den er mit seiner Familie essen will, aber er muß ihm, der „Ehre“ wegen, an einen Advokaten schicken.
In der Abteilung „Frauen, Mütter, Söhne“ sind mehr Autorinnen vertreten, trotzdem stammt die Geschichte „Ein Meteorit aus dem Kosmos“ von dem 1937 geborenen Gianni Celati, wo eine Frau, wegen der Schlechtigkeit der Welt nicht mehr aus dem Haus gehen will, so kommt sie zu einem Arzt, der ihr ein paar gute Ratschläge gibt, ein Meteorit schlägt in ihrem Garten ein, sie verändert sich und am Schluß wird sie die Gattin des Arztes. So weit so gut und vielleicht passend zum italienischen Frauenbild des vorigen Jahrhunderts, das auch Dacia Maraini, die Lebenspartnerin von Alberto Moravia, treffend karikiert. Da zieht eine Frau aus der Wohnung ihrer Eltern, in eine eigene und hört ab nun, wie die Mama drüben, das dreißigjährige Söhnchen badet, anzieht, bekocht und verwöhnt, so lange bis die Mama einmal stirbt, da läßt sie die Mauer niederreißen und übernimmt fortan Mamas Rolle. Söhnchen ist gar nicht überrascht. Die nächste Geschichte stammt vom Meister selbst, von dem ich ja einiges gelesen und noch etwas auf meiner Leseliste habe. Da geht es auch, um die Frauen mit den älteren Männern, die Geschichten von den Frauen mit den älteren Liebhabern erzählen, die das Geld, das sie dabei verdienen den jüngeren Liebhabern bringen und von ihnen betrogen zu werden. So weit so what und hoffentlich schon lange vorbei!
Natalia Ginzberg bringt dann etwas über „Die kaputten Schuhe“, während Francesco Piccolo von der anderen Art der italientischen Mutterliebe erzählt, denn da wird einem Knaben aufgetragen, dem Bruder ja nicht „Auf der Straßenseite“ gehen zu lassen, wenn er mit ihm zur Schule geht, was diesen zu sehr vielen Gedanken und darauf bringt, daß ihn die Mama weniger lieben könnte.
In der Abteilung „Gift und Galle“ wirds kunterbunt. Dario Fo bringt einen dramatischen Ausschnitt, von einem Dieb, der während des Einbruchs von seiner Freundin angerufen wird.
„Wieder diese Frauen!“, könnte man denken.
Zwei Texte befassen sich mit der Literatur und am Ende des Kapitels wirds politisch und ausnahmsweise so modern, daß sich die Geschichten mit Silvio Berlusconi und seiner Politik beschäftigen. Eine, die des 1947 geborenen Stefano Benni, führt sogar ins Jahr 2194. Da geht ein Student in eine futoristische Bibliothek und will über die Politik des frühen einundzwanzigsten Jahrhunderts eine Seminararbeit schreiben, aber über Berlusconi findet der Computer nichts.
Die „Lebens- und Liebesgeschichten“ ziehen einen weiten Rahmen, berichten vom Alltäglichen und kehren auch ein bißchen in Sado-Maso-Abteilung, die jetzt ja sehr modern ist, ein.
Da berichtet Guiseppe Pontiggia vom Lebensweg eines 1905 geborenen, mit der ersten Ohrfeige erweckt ihn die Hebamme zum Leben, dann kommen epileptische Anfälle, die der Doktor als Wachstumsbeschwerden beschreibt, damit kann er sich auch vor dem Eingezogenwerden drücken und wird, wie es der Vater wollte, staatlich geprüfter Chemiker, erwischt die falsche Frau, wandert aus und stirbt dann irgendwann verbittert. Ähnliches passiert auch Marco Lodolis Helden in „Italien 90“, während Claudio Piersanti in „Zelindas Kinder“ von den Grausamkeiten des Lebens erzählt, hat die alte Putzfrau des Arztes zwei behinderte Kinder aufzuziehen, die sie verprügeln und von denen sie sich trotzdem nicht trennen will und Goggredo Parise hat das „Shade of Grey“ in „Die Frau im Sattel“, schon vor langer Zeit, ist er ja 1986 gestorben, auf umgekehrte Art und Weise erzählt. Aber auch bei Alberto Moravias „Der Tisch aus Birnbaum“ streiten sich die Paare und tragen untereinander ihre Konflikte aus. Mario Fortunato erzählt von „Seinen (homosexuellen) Gefühlen“ und Italo Calvino schickt in „Der nackte Busen“ seinen „Herrn Palomar“ spazieren. Der tut das dann auch in der Abbteilung „Arrividerci“ und dort sind ebenfalls noch ein paar vermischte Texte versammelt. So quält sich bei Tommaso Landolfis „Der Kuß“ ein schüchterner Notar nächtens durch geheimnisvoll Küße durchs Leben und schließlich in den Tod, während uns Antonio Tabucchi „Vom Traum des Carlo Collodi“, das ist der Pinoccio Erfinder erzählt und uns Pier Paolo Pasolini einen Vortrag über die Abtreibung hält und so bin ich, während ich mich gleichzeitig durch die Frankfurter Buchmesse zappte, mit Klaus Wagenbach „Kreuz und quer“ durch Italien gerast, Erinnerungen aufgefrischt, Gelesenes geordnet und die Leseliste ergänzt. Die meisten der großen Italiener, die Klaus Wagenbuch in seine Anthologie aufgenommen hat, sind Männer und gehören auch der älteren Generation an, während ich ja vor kurzem den Bestseller eines sehr jungen Italieners gelesen habe, der das Durchschnittalters der Träger des Preises, den er gewonnen hat, sehr herabsetzte.

2012-10-18

Von der Festplattenabgabedemo ins Literaturhaus

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:27

In den letzten Tagen wurde ich von den IG Autoren, der GAV, der Literarmechana etc, regelrecht zugeschüttet mit der Aufforderung am Mittwoch um zwölf zum Hochstrahlbrunnen am Schwarzenbergplatz zum „Protestmarsch der Künstlerinnen und Künster – Festplattenabgabe jetzt“, zu kommen, da diese beiden Interessenvertretungen die Festplattenabgabe, das Gegenmittel gegen Raubkopien, die die IG-Autoren fordert, bis jetzt verhindern.
So ganz wußte ich auch nicht, ob ich auf dieser Demo richtig war, bin ich ja eigentlich nicht dafür, daß, wie ich auf Transparenten lesen konnte, „Kunst ein knappes Gut bleiben muß!“ und ich weiß auch nicht, ob „Raubkopierer wirklich gleich Kunstterroristen!“ sind und das World wide net ist mir als Bloggerin auch sehr willkommen.
Ich bekomme von der Literarmechana aber auch die sogenannte Bibliothekstantieme überwiesen, obwohl ich gar nicht so viele Bücher in den Bibliotheken stehen habe und dann war es auch eine gute Gelegenheit sich wieder zu treffen, die Stimmung zu beobachten und ein Stück spazierenzugehen.
Die Uhrzeit um Punkt zwölf zu Mittag war vielleicht ein wenig ungünstig, das geht sich für die freiberuflich Tätige gerade aus, die kann zwischen elf und vier eine Pause einlegen, bei einem fixangestellten Autor wäre das schwieriger, obwohl Barbara Neuwirth meinte, daß man sich dazu schon die Zeit nehmen sollte!
Es waren auch einige gekommen, Elfriede Haslehner, Hilde Schmölzer, Hilde Langthaler, Bärbl Danneberg, Georg Bydlinski, Stephan Eibl Erzberg, die Rizys, Elsabeth Reichart, Sabine Gruber, Kurt Neumann und und und….
Aus einer Kiste konnte man sich einen Sticker „Ich bin AK-Mitglied und für die Festplattenabgabe“, nehmen und sich auf die Jacke stecken, aber ich bin ja kein AK-Mitglied, wobei wir wieder beim Thema des Fremdfühlens und nicht Dazugehörens sind.
Gerhard Ruiss begrüßte und dann ging es unter den Transparenten die Argentinierstraße hinauf, wo beim ORF der erste Stop gemacht wurde. Ein Redner sagte etwas in das Megaphon, die Frau neben mir meinte „Welch häßliches Gebäude!“, aber die sahen in den Fünfzigerjahren eben so aus und das Stück bis zum AK-Theater bin ich neben Marlene Streeruwitz gegangen, die mich fragte, ob wir jetzt den Sitzungssaal besetzen würden?
Wahrscheinlich nicht, denn es war alles schon auf der Straße vorbereitet, der LKW, der als Bühne fungierte und der Kran auf dem eine große schwarze Platte baumelte, das Geschenk an die AKH, wie Gerhard Ruiss erklären sollte. Aber erst gab es zwei Redner und eine Rednerin, diese war Marlene Streeruwitz und danach wurde der AK- Direktor auf das Podium gebeten, der seine Solidarität und Gesprächsbereitschaft betonte und dann, wie die anderen interessiert zusah, wie die feste Platte, ein Kunstwerk der Bildhauerin Ulrike Truger, die schon die „Wächerin“ und den „Omofuma-Stein gestaltet hatte, abgeladen und am Platz, wo schon eine andere Installation zu den Metallerverhandlungen, zu sehen war, festgemacht und gewidmet wurde.
Dann ging es weiter zu der Wirtschaftskammer, diesmal fuhr ein Traktor mit mit einigen ausrangierten Computern, ein Staubsauger war, glaube ich, auch dabei, der auf dem Platz verladen wurde und Gerhard Ruiss suchte nach dem Kammerdirektor, der aber nicht anwesend war, so wurde ihm eine Petion hinterlegt und Alexander Potyka, der Verleger vom Picus-Verlag hielt eine Rede, daß er sich als Wirtschaftskammermitglied die Festplattenabgabe wünscht, bzw. daß diese bald hermuß und auch kommen wird und Gerhard Ruiss bedauerte, daß die AK die feste Platte wieder abtransportieren lassen wird.
Inzwischen habe ich noch Ilse Kilic, Magdalena Knapp-Menzl und Ruth Aspöck entdeckt mit der ich dann auch ein Stück nach Hause, bzw. in den Hofer, wo ich Milch besorgen mußte, ging. Ich machte meine vier Uhr Stunde dann war es schon Zeit ins Literaturhaus zu gehen, wo die edition exil wieder unveröffentliche Texte aus der edition exil AutorInnenwerstatt präsentierte und ich aus Barbara Zwiefelhofers Einleitung erfuhr, daß das eine Reihe ist, die schon öfter im Literaturhaus stattgefunden hat und Christa Stippinger erklärte das Prozedere, wenn man beim Exil-Literaturpreis gewinnt, kann man in die Exil-Schreibwerkstatt eingeladen werden, man wird dann auch oft Juror für den nächsten Preis und die Texte der Preisträger werden dann auch in der „edition endeckt“- Reihe vorgestellt, zumindest war es so mit den diesmaligen Lesenden Ekaterina Heider, Kira Natani und Sina Tahori, war letzter ja im vorigen Jahr in der Jury und er hat auch einen Erzählband bei Christa Stippinger herausgebracht, den er im Vorjahr bei der KritLit vorstellte und, daß die 1990 in Irkutzk geborene Ekaterina Heider, die schon zweimal Jugendpreisträgerin war, heuer den Hauptpreis gewonnen hat, war schon in http://www.buecher.at zu lesen.
Die dritte Lesende Kira Nathani, war mir am unbekanntestens, sie hat aber im Vorjahr gewonnen und Barbara Zwiefelhofer erwähnte auch in ihrer Einleitung, daß schon einige ehemalige Preisträger wie Dimitrev Dinev, Julija Rabinowich und jetzt vielleicht auch Susanne Gregor, Karriren gemacht und größere Verlage gefunden haben, wobei ihnen Christa Stippinger nicht böse ist, sondern das sogar fördert.
So ist es auch bei dem 1966 im Iran geborenen Sina Tahory, der eine Geschichte aus dem Erzählband „Orient Extrem“ und dann noch einen neuen Text gelesen hat, er hat schon zwei Romane in Vorbereitung und einen würde Christa Stippinger gerne verlegen, sie wartet aber, ob vielleicht ein anderer Verlag anspringt.
Die heurige Preisträgerin, die als zweites gelesen hat, studiert seit 2011 am Institut für Sprachkunst, schreibt vor allem Kurzprisa und beeindruckte mit ihren erbarmungslosen Geschichten, so daß ich wieder nur hoffe, daß es ihr nicht so geht, wie dem „Ich“ von dem sie vortrug, das mit seinem Körper so gar nicht einverstanden ist, ihn ertränken und ermorden will, der Körper läßt sich aber nicht und diese Texte fangen mit „Manchmal“ an.
„Manchmal möchte ich…“.
Dann gab es noch eine Geschichte von der besonderen Schwester, die in allem besser ist, bessere Noten, bessere Chancen im Leben, dem besseren Mann, die schöne Tochter, die die Ich-Erzählerin eigentlich haben wollte, sie hat nur einen Sohn bekommen, kauft ihm Puppen und Mädchenkleider, die er gar nicht haben will und als sie dann bei der Schwester zum Essen eingeladen wird, erzählt ihr die, sie hat Krebs.
Ein starker Ton ist in den Texten, so daß ich denke, daß ich durch Christa Stippinger wieder eine junge Stimme unter Dreißig kennenlernte, von der noch viel zu hören ist.
Kira Nathani wurde 1967 als indische Staatsbürgerin in Hamburg geboren, lebt in Wien, ist Übersetzerin und brachte zwei Ausschnitte aus einem Roman, der „Marathon“ heißen wird, da rennt eine durch Wien, durch den Stadtpark bis an die Donau und wieder zurück, denkt dabei an einen Ludger und im zweiten Abschnitt ertränkt sie den in einer Badewanne in einem Zimmer im Rom.
Nachher gab es wieder Wein und die Ausstellung, die es im Literaturhaus zu sehen gibt, zu bewundern und ich habe Christa Stippinger, um zwei weitere Bücher ihrer schönen Edition gebeten,so daß ich mit meiner Leseliste bald in Bedrängnis komme, aber Petra Lehmkuhls Roman, wollte ich eigentlich schon im Vorjahr haben und Seher Cakir hat wieder einen Erzählband herausgegeben.

2012-10-17

Arthur Schnitzer und Sigmund Freud

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:00

Ich bekomme ja die Einladungen zu den Veranstaltungen des Sigmund Freud Museums und gehe auch gelegentlich hin, einmal bin ich nach einer anderen Veranstaltung, eine Weile im Foyer gesessen und habe mir die alten Freud Filme mit dem Sigmund und der Anna in der Sommerfrische etc angesehen, der Kernberg war einmal da und einmal gab es einen Vortrag über Anna Freuds Kindergarten, wo ich nicht weiß, ob ich darüber gebloggt habe, ich blogge ja eher über die literarischen Veranstaltungen und beim Sigmund Freud Museum, bin ich ja wieder an der Grenze, habe ich ja Psychologie studiert und bin während meines Studiums mit und ohne Hansi Berger gelegentlich zu den psychoanalytischen Montagen oder Samstagen gegangen, von den Hut und dem Stock, die damals noch sehr einladend im Vorzimmer hingen, habe ich ja im „Wiener Stadtroman“ geschrieben und jetzt habe ich mich wieder zu einer Veranstaltung, einem besonderen Schmankerl angemeldet, sonst hätte ich ja wieder in den Augartenradius, in die Gesellschaft für Literatur zu Ilse Kilics Filmen oder ins Literaturhaus zu einer Veranstaltung über das Urheberrecht gehen können.
Ein Dr. Belletini, ein Italiener und Schnitzler Spezialist hat aber eine szenische Lesung „In geziemender Schüchternheit: Arthur Schnitzler und Sigmund Freud“, anläßlich des 150. Schnitzler Geburtstag zusammengestellt und das ist sehr interessant, gibt es ja ziemliche Ähnlichkeiten zwischen dem 1982-1931 und dem 1856-1939 Lebenden und das hat ja schon Freud in seinen sogenannten „Doppelgängerbriefen“ so festgestellt, wo von „Entwicklungen und Schwankungen zwischen Bewunderung und Neid, Berührungsängsten und Annäherungsversuchen“ die Rede ist und als ich das erste Mal bei einer Veranstaltung in der Gesellschaft der Ärzte war, war ich von der Atmosphäre dort sehr beeindruckt, die ja so dicht ist, daß man glaubt, der Sigmund und Arthur würden da jetzt um die Ecke biegen und sich begrüßen.
Von Arthur Schnitzler war ich, obwohl ich ja nicht unbedingt eine Theatergeherin bin, in meiner Studienzeit auch sehr beeindruckt, vom „Süßen Mädel“, der „Liebelei“ im Film mit Romy Schneider, vom „Reigen“ natürlich und besonders vom „Professor Bernhardi“, den ich, glaube ich, dreimal gesehen habe, einmal in München, einmal im Burgtheater und dann noch die Lesetheaterveranstaltung im Amtshaus des zweiten Bezirkes und als ich voriges Jahr zu meiner komischen Lesung ins Cafe Amadeus gegangen bin, hat vorher offenbar im Schrank ein Antiquar seine unverkäuflichen Bücher hineingestellt und ich habe mir ein im S. Fischer Verlag, 1910, erschienenes Exemplar von „Der junge Medardus“ herausgezogen.
Schnitzler und Freud, die beide Medizin studiert haben und der eine dann die Psychoanalyse und der zweite das weite Land der Seele entdeckte, das fasziniert offenbar auch heute noch die jungen Wissenschaftler und so hat der Italiener Lorenzo Bellini eine szenische Lesung aus Texten von Freud und Stifter zusammengestellt, die Mijou Kovacs und Michael Smulik vorgetragen haben.
Vorher gab es eine Diashow von den jungen bis zu den alten Doppelgängern und Lorenzo Bellini hat auch einen Einleitungsvortrag gehalten. Dann gab es Briefe, Traumsequenzen, Announcen, Tagebucheintragungen ect.
„Lese die Vorlesungen von Freud und träume seither wieder mehr und praeciser“, hat Arthur Schnitzler so am 23. 4. 1922 in sein Tagebuch geschrieben.
Dann gab es noch ein Buffet, Wein, Wasser und kleine Pizzastückchen, die irgendeine Dame oder ein Herr gespendet hatten und Schnitzlers Enkeltochter ist mit ihrem Mann auch im PUblikum, von dem ich niemanden gekannt habe, gesessen, die literarischen Stammbesucher habe ich nicht gesehen und auch keine Fachkollegen, aber einige junge Leute, die eifrig von ihrem Studium und ihrem Baby erzählten „Schön wie die Mutter, intelligent wie der Vater!“, hat ein älterer Herr gemalltalkt und ich habe mir gedacht, „Sind wir noch immer nicht viel weitergekommen?, aber wenn er es umgekehrt zitiert hätte, wäre mir wahrscheinlich, das Zitat aus der Tante Jolesch eingefallen, die ja irgendwie auch zu diesem Thema passt und das gestrige Grundbuch der Alten Schmiede, das heute im Stifterhaus in Linz vorgestellt wurde, natürlich auch.

2012-10-16

Jean Amery bei den Grundbüchern

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:03

Man erlebt immer wieder seine Überraschungen, obwohl ich ja eine sehr abgebrühte Literaturveranstaltungsbesucherin bin und eigentlich der Meinung, das in der Alten Schmiede vorgebrachte, kann mich weder umhauen, noch besonders stark berühren und da wurde von Kurt Neumann vor einigen Jahren die Reihe Grundbücher der österreichischen Literatur nach 1945 ins Leben gerufen mit jährlich vier bis fünf Veranstaltungen, die fünfundvierzigste war Jean Amery gewidmet, der vor ziemlich genau hundert Jahren in Wien als Hans Chaim Mayer auf die Welt gekommen ist und sich am siebzehnten Oktober 1978 in Salzburg das Leben nahm. Schriftsteller und Philosoph ist er gewesen und ich kenne seinen Namen, seit den späten Achtzigerjahren, als ich gemeinsam mit Margot Koller die „Selbstmordanthologie“- der GAV herausgegeben habe und dazu hatte er ja seine Thesen.
Ein bekannter Name, aber nie etwas gelesen, nur vor kurzem Kurto Wendts Arbeitsamtsatire, die sich darauf bezieht und jetzt ist er in der Grundbuchreihe, also ging ich hin, ohne mir besonders viel zu erwarten.
Lydia Mischkulnig, die ich ja vor zwei Wochen, beim jungen Hitler traf und die mich durch ihre sehr speziellen Fragen beeindruckte, hielt die kommentierte Lesung. Bei den Grundbüchern wird ja immer ein Gegenwartsautor gebeten aus dem Buch zu lesen und dann kommt ein Wissenschaftler und sagt dazu seine Meinung. Kurt Neumann leitete ein, Margot Koller, die schon zur GAV-GV nach Wien gekommen ist, habe ich getroffen und vorher habe ich mir die Bücher am Büchertisch angeschaut, denn wie erwähnt, ich hatte noch nichts gelesen. Es gab eine mehrbändige Werkausgabe und das 1966 erschienene „Jenseits von Schuld und Sühne-Bewältigungsversuch eines Überwältigten“, war das Grundbuch das besprochen wurde und mit dem er, der sich nach dem Holocaust Jean Amery nannte, im deutschsprachigen Raum bekannt wurde. Das Buch enthält fünf Essays und Lydia Mischkulnig, die von Kurt Neumann als eine profunde Jean Amery Kennerin vorgestellt wurde, las zuerst einen kurzen Einleitungstext und dann aus dem dicken Buch, das mit „Den Grenzen des Geistes“ beginnt und da hat es angefangen mich zu packen, denn soetwas habe ich, die ich mich ja schon sehr viel mit dem Holocaust und seiner Literatur befasst habe, noch nicht gehört. Stimmt nicht ganz, Victor Klemperers Tagebücher sind ähnlich beeindruckend.
Da kommt ein jüdischer Intellektueller nach Auschwitz und beginnt zwanzig Jahre später darüber zu schreiben und spricht darüber, wie es einem als jüdischer Intellektueller dort ging, wenn man als Arzt, wie Viktor Frankl Erdarbeiten machen und Überlebensstrategien entwickeln muß, damit einem die polnischen Gauner, die einem da ja darin über sind, nicht die Schnürsenkel stehlen, schreibt von seiner Entwurzelung und Einsamkeit, als religionsloser jüdischer Intellektueller und beginnt im zweiten Essay über „Die Folter“ zu schreiben, die er chronologisch vorher erlebte, als er als Widerstandskämpfer 1943 verhaftet wurde und dann nach Auschwitz, Buchenwald und Bergen-Belsen kam.
Der mittlere Essay heißt „Wieviel Heimat braucht der Mensch“, der vierte handelt, glaube ich, von den „Ressentements“, wie das Buch auch heißen sollte. Der Verlag hats nicht zugelassen und der fünfte „Vom Zwang und Unglück Jude zu sein“, da beschreibt er auch, wie er 1935 in einem Wiener Cafehaus in der Zeitung von den Nürnberger Prozessen gelesen hat und das in diesem Moment begriff.
Lydia Mischkulnig beeilte sich sehr möglichst viel vorzulesen, verhaspelte sich dabei und war auch sichtlich berührt. Dann kam Gerhard Scheit, der den Band auch mitherausgegeben hat und erzählte etwas von seiner Entstehungsgeschichte, nämlich, daß der Text über die Folter heute noch angegriffen wird, das Adorno aber schon in den Sechzigerjahren seinen Studenten das Lesen desselben empfohlen hat, daß sich Amery, der nach dem Krieg in Belgien lebte, mit Satre auseinandersetzte und in den Sechzigerjahren Helmut Heissenbüttel seine Texte angeboten hat, der sie im Rundfunk veröffentlichte, wovon er dann überlebte.
In der Diskussion meinte Kurt Neumann, daß der vom Verlag gewählte Titel besser gewesen wäre, während er Amery wahrscheinlich zu aufdringlich erschien und meinte auch, daß das Großartige nicht nur das persönlich Erlebte wäre, denn das hätte Primo Levi beispielsweise auch getan, sondern die Verknüpfung mit der Gegenwart und Lydia Mischkulnig meinte, das Berührende wäre die klare scharfe Sprache, mit der der Intellektuelle um Fassung ringt und mich haben wohl die psychologischen Komponenten am meisten beeindruckt, konnte ich mir so doch eine sehr klare Vorstellung machen, wie es damals gewesen ist und so denke ich, wirklich sehr wichtig ist.

2012-10-15

Im Himmelreich ist der Teufel los

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:33

„Im Himmelreich ist der Teufel los“, dem dritten im Kehrwasserverlag erschienenen Krimi, des 1958 in Jenbach Tirol geborenen und in Linz lebenden Hauptschullehrers Ernst Schmid, ist, da es sich offenbar um eine Serie handelt, „Mord im Himmelreich“, ist 2011 erschienen, schwer zu lesen, denn der Autor springt sofort in die Handlung und den Personenpool hinein und wer da keine Ahnung von Ernst Schmids vorangegangenen Krimis hat, tut sich schwer. Hat man sich dann ein wenig eingelesen kommt man darauf, daß hier sehr aktuelle Themen behandelt werden und der Roman so gnadenlos witzig ist, daß er spannend und originell hinüberkommt, vor allem für eine, die sehr an der Sozialkritik und am sozialen Leben in Wien und in der Provinz interessiert ist.
Da gibt es einmal Kemal Özylimazkorucu, das ist, um keine Mißverstänisse aufkommen zu lassen, ein Österreicher, in Wien geboren, im fünften Bezirk, nahe dem Einsiedlerpark aufgewachsen, der sich schwer in der Hauptschule tat, so daß schließlich ein ganz gewöhnlicher Streifenpolizist aus ihm wurde und weil er auch sehr jährzornig ist, hat er offenbar in dem früheren Krimi, einen seiner Vorgesetzten verletzt, so daß er zur Psychologin mußte und in die oberöstereichische Provinz, in einen Ort namens Andling mit einem Teil namens „Himmelreich“ strafversetzt wurde. Dort wurde im „Mord im Himmelreich“ offenbar der Bauer des Trautnerhofs ermordet, Kemal konnte das aufklären und hat sich so in die Provinz bzw. in die Brandtnerhoftochter Agnes verliebt, daß er nicht mehr zurück in die Hauptstadt will.
So weit so gut, jetzt ist Kemal zu seiner Mutter nach Wien gefahren, die den siebenundzwanzigjährigen verheiraten will und dafür schon in Kaysersi bei den Verwandten anfragen ließ, welcher der Töchter bereit wären, zu Kemal nach Österreich zu kommen und die Schwster Ayshe, früher um nichts verlegen und sehr selbstbewußt, trägt plötzlich freiwillig Kopftuch und schwärmt von einem Iman. So flüchtet Kemal von der Dominanz der Mutter wieder auf das Land zurück und kommt dort erst so recht in Zores, denn im „Goldenen Hirschen“, dem Dorfwirtshaus, hat der ehemalige Fremdenlegionär Jean Lemberge rezeptive Johann Lemberger, einen Wasserspezialisten betrunken gemacht, um ihn auszuhören, sein Pech ist nur, daß der dann am nächsten Morgen tot aufgefunden wird.
Kemal hat einen etwas seltsamen Vorgesetzten, einen Adeligen Namens Rüdiger von Markstein, ist der Adel in Österreich nicht verboten?, der auch noch so spricht, wie aus dem Rosenkavalier, „Komme er her und überlass er das Denken den Pferden im Kopf“, denn er verdreht auch noch sämtliche Sprichworte und diskriminiert den armen Streifenpolizisten, der aber sonst im Ort ganz gut integriert ist, auf unerhörte Art und Weise.
Dann gibts noch einen senilen Hochwürden, weil der in Unterhosen auf die Kanzel geht, hat man ihm einen afrikanischen Pater zur Seite gestellt, aber der predigt in scharfen Worten gegen die Sünde, so daß Pfarrer Altmann auf den Plan tritt, um die Heilquelle zu untersuchen, mit der Enrico Gelatello, ein Wiener Gürtelkönig und jetziger Besitzer des Brandtnerhofes, den Ort zu einem Wellnesstempel machen will und sich auch, um Teufelsaustrübungen zu kümmern, denn in dem idylillischen Örtchen passieren die seltsamsten Sachen.
Da ist dem alten Bauern, auf dessen Grund die Heilquelle liegt, der Geist des ermordeten Trautners erschienen, so daß er den Hof an den Eismann verkauft, ein stinkendes Huhn wurde auch hinterlegt, bzw. verseucht es Kemals Auto und Enrico Eismann, der mit einem Kampfhund, einem Bodygard und einer Freudnin im schamlosen Röckchen und Higheels auftritt, einen Bus mit leichten Damen auffahren läßt, um die Heilquelle mit den weltlichen Freuden zu verbinden.
Kemals Chef ist begeistert, denn er wird zu der Sexparty eingeladen, der weniger, denn der Kampfhund springt ihn an, als er sieht, wie Enrico seine Freundin mißhandelt, Hochwürden veranstaltet eine Demonstration und die Frauen des Ortes, auch die angebetete Agnes ziehen mit Kopftüchern und Rosenkränzen und Kemal findet in einem Heustadel eine junge Tschetschenin mit ihren zwei Geschwistern, die ihm erzählt, daß ihre Schwester von Enrico in Wien zur Prostitution gezwungen und ermordet wurde, jetzt ist sie da, um den Teufel unschädlich zu machen und so nimmt sie auf die Demostration ein Messer mit und als Enrico seinen Kampfhund ausläßt, versteht es Hochwürden Delale ihn mit seinem Blick zu bändigen.
Im Himmelreich ist ja der Teufel los, kein Zweifel und so meldet Enrico auf dem Polzeirevier, Elena ist verschwunden, Kemal findet ihre Leiche in einem fürchterlichen Zustand an einen Baum gebunden und in Hochwürden Delales Zimmer finden sich die fürchterlichsten Prornoheftchen und Hochwürden Altmann führt Kemal hin, das ist der Täter! Ist er nicht selbstverständlich, denn der Mörder hat nur eine falsche Spur gelegt, die Kemal aber aufdecken kann und obwohl er sich als ehemaliger Hauptschüler ja nie trauen würde, seiner angebeteten Agnes, seine Liebe zu gestehen, lädt die ihn nach Linz zum Rendezvous und flüstert ihn ins Ohr, wie gerne sie seine Mutter kennenlernen würde…
Von Ernst Schmid und seinen Krimis, dachte ich, habe ich noch nie etwas gehört, mitnichten, er hat natürlich auf der Kriminacht im Thrill u Chill gelesen und ist auch auf den oberösterreichischen Krimifestivals sehr aktiv.
„Im Himmelreich ist der Teufel los“, ist der dritte Kehrwasserkrimi, es gibt aber eine Reihe anderer solcher Bücher, die in in anderen Verlagen erschienen sind und, ich glaube, auch Gedichte und ich bin über die Neuenteckung, auf die ich durch Ingrid Führers Büchercoach gekommen bin, sehr erfreut, denn offensichtlich gibt es sehr viele Krimis, auf die man, wenn man nur auf der Mainstreamlinie bleibt, nicht so leicht kommt und hier hat mich die realistische Schilderung des Milieus der Austrotürken sehr erstaunt, obwohl Schmid, dann wieder so maßlos übertreibt, daß es schon wieder komisch ist.
„Was ist hier los, Kamel? Kann er mir erklären, was dieser Menschenauflauf zu bedeuten hat?“
Der Kollege Penniseder, genannt Pennis, stottert natürlich und Kemal ist bei seinem Dienstantritt in den Jauchenwagen hineingefahren u. u. u.
So blöd, daß man den Kopf schüttelt und dann hat man doch einen sehr realistischen Einblick in das Leben der jungen Türken in Wien und anderswo bekommen, so daß ich über diese Entdeckung sehr dankbar bin, obwohl die tschetschenischen Asylwerber, wenn ich mich nicht irre, vorwiegend muslimisch sind und daher wahrscheinlich nicht mit einem katholischen Pfarrer demonstrieren gehen, aber Gregoria hat ja ein Messer dabei gehabt.

2012-10-14

Buchmessen-Report

Filed under: Uncategorized — jancak @ 16:56

Vom zehnten bis zum vierzehnten Oktober gabs in Frankfurt wieder die Leistungsschau in Sachen Buch, bei dem sich, wie man überall hören kann, soviel verändert, daß auch auf der Buchmesse kein Stein auf dem anderen bleiben wird, trotzdem fing es, wie schon seit 2005 mit der Verleihung des deutschen Buchpreises an. Am Montag wurde der im „Römer“ vor dreihundert Gästen vergeben, während ich mich ja zur „Politik und Poesie“ in die Alte Schmiede aufmachte, darauf vertrauend, daß ich mir die Übertragung, für die es auch einen livestream gab, nachher, wie auch früher anschauen kann. Man soll sich aber auf nichts verlassen, denn diesmal ging das Videoanschauen ohne eine Zusatzinstallation, von der mir der Alfred abriet, nicht, so konnte ich nur in Erfahrung bringen, daß Ursula Krechel, die einzige Frau auf der Liste, die Preisträgerin wurde und mit Buzzaldrin darüber bloggen. Am Dienstag begab ich mich, während in Frankfurt eröffnet wurde zu Ilija Trojanow in den Augartenradius um meinen politischen Widerstand einzuüben und habe mir dann doch das Eröffnungsvideo anschauen können. Neuseeland ist ja heuer Gastland, da gab es Einlagen von den Ureinwohnern und auch ein Wasserbecken, so daß die Gäste nasse Füße bekommen konnten und Guido Westerwelle die Eröffnungsrede hielt. Catherine Mansfield ist ja eine prominente Neuseeländerin, deren Texte für den Schwerpunkt wiederaufgelegt wurden.
Am Mittwoch gings dann los, bis Samstag zuerst für die sogenannten Fachbesucher, auf der Buchmessenseite war aber schon länger das Programm des blauen Sofas angekündigt, wo es mit Jenny Erpenbecks „Aller Tage Abend“, einer Langlistensteherin, losging, aber auch die Buchpreisträgerin präsentiert wurde, die von ihrem Roman „Landgericht“ und wie sie dazu gekommen ist, erzählte und dann kam schon der erste Neuseeländer, der 1961 geborene Anthony McCarten mit seinen „Ganz normalen Helden“, kam, das ist das zweite Buch, im ersten stirbt der Sohn einer Familie und im zweiten verschwindet der Bruder im Internet, wo es dann zu einer Diskussion mit Wolfgang Herles über das Verschwinden des Buches kam und McCarten hielt einen brillanten Vortrag, wie Steve Job das Buch vermarkten würde. Dann gabs ein paar Sachbücher auf dem blauen Sofa, das um zwei von Ken Follet mit dem zweiten Teil seiner Trilogie, dem Band Winter der Welt, wo es um den zweiten Weltkrieg geht, betreten wurde, mit dem ersten war er bei der Buch Wien vor zwei Jahren und um halb drei folgte einer der Shortlistenautoren Stephan Thome, der von den Bloggern als Favorit gehandelt wurde, mit „Fliehkräfte“ mit „Grenzgänge“, ist er glaube ich auch schon auf der Liste gestanden und Aspekte Preisträger geworden. Wolf Haas folgte mit seiner „Verteidgung zur Missionarsstelle“ sowohl am blauen Sofa, als auch auf der ARD-Bühne, wo er in gekonnt lockerer Art und Weise über seine Art Romane zu schreiben erzählte und eine kleine Stelle auswendig vortrug und Arnold Schwarzenegger wurde durch eine sehr esoterisch wirkende Junge Dame namens Marie Pohl mit ihrem Buch „Geisterreise“ ersetzt, bevor es nach einer Stunde mit der „Verteidigung Europas“ Daniel Cohn-Bendit und wie der Moderator erkläre, dem österreichischen Autor Robert Menasse weiterging, der ja einen Roman über Europa geschrieben hat, bzw. jetzt einen Essay darüber geschrieben hat.
Dann ging es über in das Krimigenre mit Ingrids Noll „Über Bord“, deren „Hahn ist tot“ und die „Apothekerin“ ich ja im Schrank gefunden habe und die sowohl in Leipzig als auch in Frankfurt immer wieder zu finden ist und wie sie erzählte in mehr als einundzwanzig Sprachen übersetzt wurde.
Mit Sascha Lobo und Kathrin Passig und das Internet ging es weiter, bevor man in Frankfurt zu den Empfängen und ich in die Alte Schmiede zu den Textvorstellungen ging. Vorher konnte ich aber noch ein Fotoshooting mit Anthony McCarthy beobachten, der sich gekonnt in Pose setzte und dazu englische Witzchen machte und im Falter-Bücher-Herbst ist auch noch ein Buchmessengoodie zu mir gekommen.
Am Donnerstag war es dann ein wenig schwierig nach Frankfurt und aufs blaue Sofa zu kommen, wo Thomas Hettche sein neues Buch vorstellte, bzw. seine Vision darstellte, wie er sich die Rolle des Buchs in Zukunft vorstellt. Carl Nixon erzählte wieder etwas von Neuseeland, während bei ARD Donna Leon auftrat und von ihrem neuen Nicht-Brunetti Projekt, in dem es um einen Barockmusiker geht, für den sie auch sammeln will, erzählte und Dennis Scheck, die Bücher von Prominenten, wie die von der Frau von Guttenberg, Wulff etc, die offenbar jede Menge Bücher haben, zerriss und das neue Buch von Joanne K. Rowling und Wolf Haas, sowie Vea Kaiser lobte. Um zwölf sprach Wolfgang Herles mit Richard Ford, der Autor des „Unabhängikeittags“ über dessen neuen Roman „Kanada“, was er schon auf seinem blauen Sofa machte und wieder den genialen ersten Satz zitierte, der aufs Lesen aufmerksam macht und ihn dann zur Präsidentenwahl und zu Barack Obama fragte. Dann folgte die Nobelpreisträgerin von 2009 mit ihrem Collagenband „Vater telefoniert mit den Fliegen“, wo Herta Müller erzählte, daß sie sich ständig mit Wortschnipseln beschäftigt, weil es „keine Poesie gibt, da die Worte gewöhnlich sind, man sie aber ungewöhnlich zusammensetzen muß“, was wirklich eine einleuchtende Erklärung der Sprachkunst ist und der diskrete Hinweis,in einer halben Stunde wissen wir mehr, in Stockholm stehen schon die Fotografen vor dem Nobelpreiskommiteebüro.Jetzt wissen wirs und es ist wieder, wie schon 2008, ein mir vollkommen Unbekannter, nämlich der 1955 geborene Chinese Mo Yan geworden und alle in den letzten Tagen gehandelten, wie Bob Dylon, Huraki Murakami, Adonis, Philip Roth etc, können auf das nächste Jahr warten. Ein weiterer Chinese der 1958 in Yanting Geborene Liao Yiwu wird am Sonntag den Friedenspreis des deutschen Buchhandels erhalten.
Auf dem Sofa ging es dann mit einem Buch über Willy Brandt und Helmut Schmidt und einem älteren Playboy weiter, während auf der ARD-Bühne Elke Heidenreich das Lesen empfahl und die Anthologie „Katzenmusik und Katerstimmung“ vorstellte.
Die 1962 geborene Regisseurin und Schriftstellerin Tanja Langer hat über ihre Beziehung mit 1989 bei einem Attentat ums Leben gekommenen Banker Alfred Herrhausen einen autobiografischen Romn „Der Tag ist hell und ich schreibe dir“, verfaßt, was zu interessanten literarischen Fragen führte.
Der 1948 geborenee Schweizer Martin Suter versucht in seinem neuen Buch „Zeit, Zeit“, die Zeit zurückzudrehen, beziehungsweise erzählt er von zwei Männern, die sich am Tod ihrer Frauen schuldig fühlen. Der 1934 geborene Schweizer Soziologe und Globalisierungsgegner, von dem ich „Die Barbaren kommen“ im Schrank gefunden habe, der sich sehr gegen den Hunger dieser Welt engagiert beeindruckte wieder durch seine Dominanz, während man auf www. buecher.at nachlesen konnte, wer gestern aller auf dem Österreichempfang in Frankfurt war, Anna Kim, Olga Martynova, Ursula Krechel, Oleg Jurjeg, Julya Rabinovich, Jochen Jung, Clemens J. Setz u. u. u.
Den gut deutsch sprechenden Russen Michail Schischkin, der einen Briefroman geschrieben hat, der um halb vier auf dem blauen Sofa saß, habe ich, glaube ich, dort schon im Vorjahr bzw. bei der Literatur im Herbst im Odeontheater kennengelernt. Dann kam Sybille Berg mit „Vielen Dank für das Leben“ und Navid Kermani mit Vergeßt Deutschland“ und am Schluß ist dann die Aspekte Literaturpreisträgerin Teresa Präauer gekommen, eine junge Österreicherin, die mir bisher entgangen ist, bzw. schon vor zwei Jahren auf dem blauen Sofa saß, als da Wolf Haas, die „Gans im Gegenteil“ vorstellte. Bei ARD gab es zu dieser Zeit ein Literaturquiz, wo drei Experten Texte von Heinrich Heine und Colette zu erraten bzw. zu entschlüßeln hatten und ich habe mich dann noch ein bißchen zu den anderen Messeneuigkeiten zum Beispiel zu der IG-Autorenseite, wo es ein schönes Bild von Ludwig Laher mit Kopfhörern und seinem neuen Buch zu sehen gab und die Jung und Jung Seite hat mich zu einem Video das von der DBB finanziert wurde, das die Buchmesse ein wenig karikierte und dann gabs noch die Seiten der Blogger, die sich nach Messeerfahrungen erkundigten und sich dann entschlossen, zu Hause zu bleiben und stattdessen nächstes Jahr nach Leipzig zu fahren.
Am Freitag ging es dann mit dem Shortlistenbuch „Nichts Weißes“ von Ulf Erdmann Ziegler auf dem blauen Sofa weiter, wo es um eine junge Frau und das Konventieren von Religionen geht.
Paula Morris, eine Neuseländische Autorin erzählte in „Rangatira“ von einem Maorihäuptling des neunzehnten Jahrhunderts. Juli Zeh, die ich schon auf dem anderen blauen Sofa hörte, bzw. dort mit Wofgang Herles im Ozean herumtauchte, schilderte die Schreiberlebnisse die sei bei ihrem Genreroman „Nullzeit“, hatte, weil sie, weil sie schwanger war, sich mit dem Fertigwerden besonders beeilte, während Friedrich Ani gerade Marlen Haushofer zitierte und erzählte, daß er am liebsten nur mehr lesen möchte, das ist ein Gedanke, der mich auch sehr oft beschäftigt, weil mir aber als erfolglos Schreibende, das so wichtig ist, werde ich es wahrscheinlich nicht tun. Dann surfte ich mich ein bißchen durch die 3 SAT Mediathek und gab mir Marijana Gaponeko, die etwas über „Wer ist Martha“, wo ein sechsundneunzigjähriger Vogelforscher im Hotel Imperial absteigt und mit einem anderen alten Herrn in den Musikverein geht, erzählte und Burkard Spinnen über sein neues Buch und die Internetsucht interviewt wurde, während auf der ARD Bühne Harry Rowohlt in gewohnt brillanter Manier vom Übersetzen erzählte. Dann gings mit Bodo Kirchoff weiter, dessen „Liebe in groben Zügen auf der Longlist stand und dessen „Schundroman“ ich mir einmal zum Geburtstag schenken ließ. Um drei kam dann die holländische Psychoanalytikerin Anne Enquist, über die ich, glaube ich, schon mit dem Frans gemailt habe, die in „Die Betäubung“ über eine Geschwisterpaar, eine Anästhesistin und einen Analytiker, geschrieben hat
Steven Uhly, der glaube ich schon in den Vorjahren „Adams Fuge“ auf der Messe vorstellte, präsentierte seinen neuen Glücksroman „Glückskind“, wo ein Messie ein Kind in einer Mülltonne findet.Der Journalist Michael Jürgs, der nachher auf das Sofa kam, hat mit „Deckname Helene“ ein Buch über eine sehr trinkfeste französische Widerstandskämpferin geschrieben, die vor kurzem mit achtundneuzig Jahren gestorben ist und zufällig in Neuseeland geboren ist. Bücher über Angela Merkel und über die „Hexenjagd Schule“ von Ursula Sarrazin gab es auch, während Karen Duve eine neues Grimm Märchenbuch geschrieben hat, wo Rotkäppchens Großmutter ein Wehrwolf ist.
Und während im Frankfurter Literaturhaus der Preisträger der Hotlist, Tor Olvens „Dunkelheit des Tunnels, bei Droschl erschienen und von Bernhard Strobel übersetzt bekanntgegeben und das Fest der Idependentes gefeiert wurde, habe ich mich auf meine „Buchmessenparty“ begeben, das heißt zu zwanzig Jahre H. u. K in die große Schiffgasse wo es live „Stellas Gilde“ gab und Patrik Kames seine Grafiken und Nicole Montaperti ihre „Lichterscheinungen ausstellte.
Am Samstag ging es dann in die Klinik zu einer Fortbildung bzw. Tagung „Kinder von Eltern mit psychischer Erkrankung“ und danach natürlich zur Buchmesse passend auf Bücherkastentour, wo ich so fündig wurde, daß ich ein paar Bücher doppelt erwischte, die ich nächste Woche in den Wortschatz legte, aber einen gut gefüllten Kasten mit einer fehlenden Tür am Zimmermannplatz, Gedränge am Brunnenmarkt und auch in der Zieglergasse. Beim Wortschatz war es dann wieder stiller und zum Nobelpreis passend, drei Bücher von Mo Yan lagen in der Auslage der kleinen Buchhandlung in der Lerchenfelderstraße, gab es den „Mister Aufziehvogel“ von Haruki Murakami und dann noch was ganz Altes „Das Mädchen Alexa“ von Grete von Urbanitzky.
Um vier bin ich dann nach Hause gekommen und habe mich vor das blaue Sofa gesetzt, wo ich einiges nachzuholen haben werde, waren dort doch schon Anne Weber, Clemens J. Setz, Hakan Nesser, etc, so daß ich einiges nachzuholen habe und inzwischen auch weiß, daß Clemens Setz Richard Obermayr sehr lobte, von dem die Moderatorin offenbar keine Ahnung hatte. Tim Parks „Sex ist verboten“, habe ich gerade noch gehört, jetzt sitzt Christoph Peters „Wir in Kahlenbeck“,der auf der Longlist stand und es ist sehr interessant sich vorzustellen, daß in Frankfurt jetzt die Verkleideten herumlaufen und es sehr voll wird, was ich mir auf meinem buntgemusterten Sofa, vor dem neuen Bücherregal, das inzwischen schon sehr gefüllt ist, erspare.
In den 3Sat Videos gab es eines von Alexander Nitzberg, den mir ja Christel Fallenberg beim Fest für Ernst Jandl vorstellte und der nicht nur in der Alten Schmiede seine Performances hat, sondern auch „Meister und Margarita“ neu übersetzte und die lyrische Seite daran erklärte. Ich habe ja vor einiger Zeit die alte Fassung im Schrank gefunden, die laut Nitzberg mehr Romanhaft und realistischer ist, und auf meine Leseliste gesetzt. Nitzberg meinte, man müße sich für die Form die einem mehr zusagt entscheiden und da denke ich, daß es für mich passt, die ältere Übersetzung zu lesen.
Martin Walser stellte seinen Briefroman „Das dreizehnte Kapitel“ vor. Das Gespräch mit Cees Nooteboom war auch eine Wiederholung, fand es ja schon am Freitagabend statt, als ich zu Patricks Fest gegangen bin und Cees Nooteboom habe ich auch im November im Literaturhaus kennengelernt. Und das hörte ich noch ein Stückchen des Interviews mit Anne Weber, die ich schon in der Alten Schmiede kennenlernte, bis sich der Laptop wegen Überhitzung ausschaltete.
Am Sonntag gings dann mit der Vorstellung von Florian Webers „Grimms Erben“, der ein bayrischer Musiker und Allround Talent sein dürfte und der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels in der Paulskirche an den chinesischen Dissidenten Liao Yiwu, weiter, der für das Gedicht „Massaker“ über das was 1989 am Platz des himmlischen Friedens passierte ins Gefängnis kam, dann als Straßenmusiker lebt, 2009 nicht nach Frankfurt kommen durfte, als China dort Gastland war und jetzt seit einem Jahr in Berlin lebt und auch die Nobelpreisverleihung an den „Staatskünstler“ Mo Yan kritisierte.
Gottfried Honnefelder, der Vorsteher des Börsevereins hielt die Einleitung, Felizitas von Lovenberg hielt die Laudatio und wies auf die Werke des Preisträger „Fräulein Hallo und der Bauernkaiser“, „Ein Lied und hundert Lieder“, etc, in dem er den kleinen Leuten Chinas eine Stimme gibt, hin.
„Dieses Imperium muß auseinanderbrechen“, hieß dann die Preisrede, die Liao Yiwu, der im Gefängnis das Gelübde abgelegt hat, sich nie mehr Haare und Bart abschneiden zu lassen, im schwarzen Hemd, mit ziemlich unbewegter Miene vortrug und dann ein Lied für die Mutter der Opfer von 1989 ein Lied vortrug.
Auf dem blauen Sofa trugen dann drei Brüder aus dem Iran in dem Buch „Unerwünscht“ ihre Lebensgeschichte vor. Danach kam eine junge Albananerin Anina Wilms, die mit ihrem Roman „Das albanische Öl, Mord auf der Straße des Nordens“, die Geschichte um neunzig Jahre zurückdrehte. Danach schaltete ich für eine Stunde den Laptop ab, um mir die Menschenbilder mit Jochen Jung zu geben, der vom Glück erzählte und empfahl immer eine Türe offenzuhalten, damit die gute Gelegenheit zu einem kommen kann. Das ist jetzt mit der Türe zur Terrasse, während ich mir inzwichen anhöre, wie Vea Kaiser Dennis Scheck vom literarischen Colloquium und ihrer Arbeit mit Ursula Krechel an ihrem Debutroman erzählte, von Altgriechisch schwärmte und zur neuen Roman aufrief. Dann gabs wieder ein paar Videos, von dem was ich inzwischen verpasste, zum Beispiel den Neuseelandroman von Emily Perkins „The Forrests“. Weiter gings mit dem Neuseelandschwerpunkt und zwar mit den in Berlin geschriebenen Roman von Lloyd Jones „Die Frau im blauen Mantel“, der von einer Afrikanerin erzählt, die auf ihrer Flucht in Italien landet. Dann gings wieder zurück zu Scheuermann, die schon mal in Klagenfurt gelesen hat und zu ihrem Roman „Die Häuser der anderen“, wo es um das Leben der Nachbarn zu gehen scheint und Simon Becket den ich wegen Jochen Jung abgeschaltet habe, habe ich auch noch nachgeholt.
Beim Messeblogsurfen bin ich dann noch auf das nächste Schwerpunktland Brasilien gestoßen, wo man sich die Staffelübergabe auch per Live-Stream ansehen konnte und langsam langsam ging die Buchmesse zu Ende, die ich mir wieder total gegeben habe, ohne dort gewesen sein.
Leben aus zweiter Hand oder so hat es meine Kritikerin JuSophie im vorigen Jahr genannt und natürlich war ich nicht mit meinem Buch in Frankfurt und habe dieses keinen Verleger in die Hand gedrückt, aber das spielt sich auch in Leipzig und der Buch-Wien nicht sehr ab und wem es interessiert, die „Vorschau auf Paula Nebel“ ist ja während der Buchmesse erschienen und da muß ich mich demnächst wieder an mein Manuskript begeben und es durchsehen, damit es an den Alfred gehen kann und eine vierte Person, eine junge Mutter, die ihr Kind zurückläßt, um das sich Lena Weißensteiner ein wenig kümmert, ist mir bezüglich meines neuen Buchprojekt, von dem ich immer noch nicht recht weiß, ob ich mich damit beim Nanowrimo beteiligen werde, auch noch eingefallen.
Das wars also von Frankfurt 2012, ich hoffe das Hin und Herspringen zwischen Video, live stream und realen Leben, ist für meine Leser nicht zu verwirrend, man kann aber alles nachschauen und nachgooglen und soll auch nur ein kleiner Anstoß und eine Erinnerungshilfe sein, was man sich alles von Frankfurt in sein Wohnzimmer holen kann.
Und hier ist auch noch mein Frankfurterbuchmessenarchiv der letzten Jahre.

2012-10-13

Der Winter tut den Fischen gut

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:24

Fein, daß ich Anna Weidenholzers ersten bei Residenz erschienenen Roman „Der Winter tut den Fischen gut“, besprechen kann, habe ich zu der 1984, in Linz geborenen Autorin doch eine eine besondere Beziehung, was heißt, daß ich sie von ihren ersten Veröffentlichungen in Etcetera und in der Wortlaut Antohlogie 2009 und den Angelika Reizter Texvorstellungen, kenne. Dann ist sie in die GAV aufgenommen worden, hat ihre Geschichten in
„Der Platz des Hundes“ herausgebracht, das ich mir auf der Buch Wien schenken ließ, dann aber, weil ich ja Geschichten nicht so gerne lese, ein Jahr dazu brauchte, bis ich es besprochen habe. Dazwischen war noch die Präsentation im Literaturhaus auf der jungen Literaturschiene, ein Studienaufenthalt in Schloß Wiepersdorf und wahrscheinlich auch einige Preise und Stipendien. Die Leondinger Akademie hat sie, glaube ich, auch absolviert und so schreibt Anna Weidenholzer sowohl poetisch, als auch sehr realistisch, berichtet vom Leben, der kleinen Leute und als achtundzwanzigjährige junge Frau, von einer Protagonistin, die zwanzig Jahre älter ist und tut das, gar nicht soviel anders als ich, denn die arbeitslos gewordene Maria Beerenberger, sitzt ja auch manchmal auf einer Bank und sieht das Leben von unten, geht es aber auch zurück und das ist ein Weidenholzerscher Kunstgriff, den man sowohl banal, als auch raffiniert nennen kann. So einfach so gut und doch noch nicht dagewesen, zumindestens kann ich mich an kein Buch erinnern, daß mit Szene vierundfünfzig beginnt.
Wieso, der poetische Titel, wenn es um eine Verkäuferin geht, die vom Arbeitsmarkt aussortiert wurde, fragt vielleicht nicht nur Frau Travnicek. Auf Seite sechzehn steht es schon, denn da geht Maria auf den Markt und „unterhält sich am liebsten mit dem Fischverkäufer. Was machst du hier immer. Schauen, sagt Maria, ich schaue nur, der Winter tut den Fischen gut, sie bleiben frisch, nicht wahr“.
Da haben wir die Lösung des Geheimnisses und vielleicht auch die Antwort auf die Frage, wie es die junge Autorin, auf Platz drei der ORF Bestenliste schaffen konnte?
Ein wenig Poetik braucht der Alltag und vielleicht auch ein wenig Surrealismus. So friert Maria die Kaulquappe Otto in den Tiefkühler ein, bevor sie sie im Wald vergräbt und schenkt ihr auch ein paar schöne Gedanken, Anna Weidenholzer hat die Arbeitswelt aber auch sehr gründlich studiert, so daß ich es ihr verdanke, zu wissen, daß die sozialökonomischen Betriebe, von denen mir meine Klienten inzwischen sehr oft erzählen, im Fachjargon „SÖB“ genannt werden, die Klienten wissen das wahrscheinlich nicht und auf Seite 237 gibt es eine ganze Materalliste mit den Büchern, die Anna Weidenholzer zur Recherche gebraucht hat. Ludwig Hirsch wird hier angeführt, aber auch das Jobcenter, Hildegard Knef und Hans Georg Willmann „In 90 Tagen aus der Arbeitslosigkeit. Schritt für Schritt zum neuen Job“
Da bin ich sicher keine so gründliche Recherchiererin und sollte mir von der jungen Frau, die so alt, wie meine Tochter ist, ein Beispiel nehmen, aber schön der Reihe nach.
Anna Beerenberger, achtundvierzig, arbeitslos, verwitwet, erzählt ihr Leben „Wenn er die Tür öffnet, werde ich sagen, vielen Dank für die Einladung, mein Name ist Maria Beerenbrerger, ich freue mich, Sie kennenzulernen. Fangen wir von hinten an.“
Dann gehts zurück bis an den Tag, an dem die Tante gekommen ist und erklärt, so lange bei der kleinen Maria zu bleiben, bis die Mutter mit dem Schwesterchen aus der Klinik kommt.
„Freust du dich“, fragt die Tante und zeigt eine Ansichtskarte vom Onkel, obwohl Maria noch gar nicht lesen kann „Ich will ein Flieger, Unterseebootskapitän, Indianerhäuptlicng oder Automechaniker werden“, steht darauf geschrieben.
„Maria lacht, Indianerhäuptling ist doch kein Beruf“ und dann flüstert sie „ich“ in die Kartoffeln, als die Tante die Küche verlassen hat. Ich bin immer noch hier, wo es regnet und manchmal die Sonne scheint.“
Automechaniker ist auch Walter, Marias Mann gewesen und Elvis Imitator, aber damit nicht sehr erfolgreich, die kleine Schwester hat später selbst ein Kind bekommen, das Maria, wenn sie schon verwitwet sein wird, zu Weihnachten immer besucht.
Maria hat Textilverkauferin gelernt und sehr lange im Geschäft des Herrn Willerts gearbeitet, eine Nachbarin, Isolde, die Maria später im Pflegeheim besuchen wird, hat sie dorthin vermittelt und Herr Willert, dessen Sprüche uns durch das ganze Buch begleiten, „Es ist einfacher Kaffee ohne Milch zu trinken“, beispielsweise, hat Maria immer seine beste Kraft genannt. Dann bittet er und sein Sohn sie aber in sein Büro und spricht von einvernehmlicher Kündigung, die für sie viel besser ist. Am Arbeitsamt, das ja jetzt AMS heißt, wird sie erfahren, daß der Chef sie dadurch um vier Monate Abfertigung brachte und sie auch für ein Monat kein Arbeitslosen bekommt. Ihre Betreuer dort schicken sie zu Umschulungskursen, so muß Maria in Geschäfte gehen und zusehen, wie es dort die Verkäufer machen und weil sie nicht Wurst verkaufen wird, wird sie vom Service gesperrt und muß vor ihren Betreuern flüchten, wenn sie sie am Markt, auf der Straße und beim Einkaufen sieht.
„Anna Weidenholzer hat ein feines Gespür für das absurde Wesen der Welt, die man uns zumutet. Für Menschen, die sich ihr Lebtag bemühen, doch selten erlöst werden. Nicht anmaßend, „schonungslos“ schreibt sie, sondern auf selten gewordene Weise einfühlsam und behutsam. Gerade deshalb geht, was sie schreibt, unter die Haut“, schreibt auf der Buchrückseite ihr Verlagskollege Peter Henisch und mir hat das Buch von den kleinen Leuten und dem wo, wie man mir ja immer sagt, nichts passiert und das angeblich niemanden interessiert, sehr gefallen und denke, um auch ein bißchen poetischer und abgehobener zu werden, dabei an Stifters „Bunte Steine“
„Nicht das Große, das Kleine, nenne ich groß“ oder so, hat er geschrieben, habe ich ja einmal in der Schule, bei der Frau Professor Friedl gelernt. Vielleicht, fällt mir ein, ist ein kein Zufall, daß Anna Weidenholzer auch in Oberösterreich geboren wurde,kann das behutsam Einfühlsame, wirklich sehr empfehlen und es freut mich natürlich sehr, daß das auch die ORF- Jury erkannte.

2012-10-12

Vorschau auf “Paula Nebel”

Filed under: Uncategorized — nagl @ 00:00

Die letzten Tage einer alten Frau. Da geht einer wahrscheinlich das ganze Leben durch den Kopf herum. Besucher kommen, die Erinnerung an die Kindheit, die tote Großmutter an deren Sterbebett die dreizehnjährige Paula, damals in der Zeit der Arbeitslosigkeit, drei Tage saß, das eigene Kind, das die zwanzigjährige Studentin 1942 nicht selbst aufziehen konnte, sondern von der Fürsorge auf den berühmten Spiegelgrund gebracht wurde. Der Enkel Rainer, der jetzt einen Ausbildungsplatz als Internist sucht. Aber auch ganz reale Begegnungen, da gibt es den gehemmten Hausmeister Hans, der die Einkäufe in die Wohnung in den zweiten Stock hinaufträgt und die kleine Sofia, eine Romni aus Temeswar, die einmal in Paulas Handtasche gegriffen hat, jetzt aber in die Schule gehen will, um Kindergärtnerin oder Sozialarbeiterin zu werden.

Und hier die Schreibberichte 1 2 3 4 6 7
Dazu gibts noch zwei Goodies bzw. Vorarbeiten.
Und um die Entstehungsgeschichte hier kurz zu zitieren. Da habe ich im März, nachdem ich mit der „Wiedergeborenen“ fertig geworden, schnell und ohne recht zu wissen, wohin ich will, vor mich hingeschrieben. Einen halben U-Bahnrecherchetag gab es und die beiden Einschreibübungen, einen hektischen Lesemonat, mit dem Messebesuch in Leipzig, sowie der Lesung und der Organisation der „Mittleren“.
Gut ist es gegangen, aber nach vierzig Seiten war auf einmal die Luft weg und ich wußte nicht weiter, was mich in eine Osterkrise stürzte. Jetzt wirds ein kleiner feiner Text, über das Leben und das Sterben einer sehr alten Frau werden und das ist ja sozusagen ein Jancaksches Spezialgebiet.
Auch wenns bis zum Fertigwerden noch ein bißchen dauern wird, hier wieder ein Aufruf, wer mir für seinen Blog, das Literaturhaus oder auch für anderswo eine Rezension schreiben will, ist herzlich willkommen und wer das Buch so kennenlernen will, natürlich auch.

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