Literaturgefluester

2012-11-07

Neue Sicht auf die Zwischenkriegsliteratur und sechster Nanowrimotag

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:00

„Österreichische Literatur zwischen den Kriegen- Plädoyer für eine Kanonrevision“, so heißt das neue Buch von Evelyne Polt-Heinzl, bei Sonderzahl erschienen, zu dessen Präsentation die Wien Bibliothek eingeladen und das ist ja ein Thema, das mich interessiert,da ich als 1953 Geborene mit den Büchergilde Gutenberg Ausgaben ihrer Eltern aufgewachsen bin, also hin ins Rathaus, zwar gabs im Literaturhaus wieder eine Gedenklesung, aber da bin ich auch in den letzten Jahren irgenwie nicht hingekommen und es war auch noch ziemlich leer als ich die Bibliothek erreichte. Ein paar Bekannte Gesichter, vor allem ältere Herren, die sehr wichtig taten und sich herzlich begrüßten, was ja irgendwie zum Thema passt. Alfred Pfoser begrüßte und wies auf ein Zitat von Wendelin Schmid Dengler, daß die Zwischenkriegsliteratur irgenwie aus einem Hochkamm bestünde und es soviele andere Autoren und Autorinnen gäbe, die vergeßen wräden und ein Eu oder anderes Projekt an der Universität Klagenfurt, das dagegen ankämpfte und die Zwischenkriegszeitungen durchforstete, um herauszufinden, was an der österreichischen Literatur anders war, als an der Deutschen.
Evelyn Polt-Heinzl nannte es die neue Sachlickeit, die in Österreich gefehlt hätte und dann wurde auch der Unterschied zwischen der Hochkammliteratur und Zeitgeistromanen diskutiert, die einen, die guten Hoffmannsthal, Musil, Roth, die anderen, die schlechten und Evelyn Polt-Heinzl ist da offenbar angetreten, um dagegen zu revolutionieren n und wenn es nicht gerade ums Hinausschmeiße,n sondern um über den Tellerrand zu schauen geht, bin ich auch sehr dafür, weil ich ja eine bin, die im einundzwanzigsten Jahrhundert, die Zeitgeistromane schreibt und Dieter Bandhauser, der Sonderzahlverleger eröffnete auch mit der Frage, ob wir einen Literaturkanon bräuchten? Was bei mir die Frage auslöste, was das überhaupt ist? Die hundert Bücher, die irgenwo im Internet herumgeistern, die man gelesen haben sollte, wo die Bibel, Harry Potter, Goethes „Faust“ etc darauf stehen oder bezieht sich das nur auf die Jahre zwischen 1919 und 1939 und da habe ich ja einmal in der Gesellschaft für Literatur ein einprägsames Erlebnis gehabt. Eine junge Rumänin hat ihren sehr realistischen Roman gelesen, den ein älterer Herr im Publikum mit Musil verglichen hat und mir ist der Mund offen gestanden, denn Musil hätte ich nicht daraus gehört. Inzwischen denke ich, das was das, was er kannte, sein Hochkanon, das was er in der Schule lernte und heute lernt man da viel weniger und in den Zwanzigerjahren hat es offenbar auch schon sehr viel Autoren und Autorinnen gegeben und ich finde es ebenso schade, daß sie vergessen sind, bzw. kenne ich sehr viele durch den Bücherschrank meiner Eltern und auch durch Evelyne Polt Heinzl Buch „Zeitlos“ und natürlich auch durch die offenen Bücherschränke, wo man Joe Lederer, Vicki Baum und vieles anderers finden kann.
Evelyne Polt Heinzls Buch ist sehr ungewöhjnlich aufgebaut, erklärte Alfred Pfoser nämlich in drei Hauptkapitel, die wiederum in dreißig Unterkapitel aufgeteilt sind. Eines heißt „Der erste Weltkrieg und sein Töchter“, ein anderes „Großstadtmetropolen und neue Medien“ da ist das Radio damit gemeint und Vera Borek las ein paar Textbeispiele. Zuerst zwei Männer mit Zeitromanen bzw. einen, der seine Kriegstraumatisierung, wie Evelyn Polt Heinzl meinte durch eine sehr zerrissene Sprache zum Ausdruck brachte. Georg Fröschl und Rudolf Geist, beide mir völlig unbekannt aber jetzt werde ich in den Bücherschränken auf sie achten. Dann kam ein Stück aus Elias Canettis „Blendnung“, was wieder als Hochkammliteratur bezeichnet wurde, ein Buch, das ich zweimal gelesen habe und, daß mich sehr beidruckte. Bei den Frauen hatte Evelyne Polt-Heinzl Joe Lederer, die ich durch ihr „Zeitlos“- Buch kennenlernte und auch im Bücherschrank gefunden habe und eine mir unbekannte Linzerin und Evelyn Polt-Heinzl meinte, daß sowohl Musil, als auch Roth ein konservatives Frauenbild hätte. Bei Musil kann ich das nicht beurteilen, habe ich ja den „Mann ohne Eigenschaften“ 1973 oder 74 gelesen und nicht verstanden, die Agathe wäre mir aber sehr emanzipiert erschienen. bei Roths „Radetzkymarsch“ stimmt es aber, da habe ich ja schon geschrieben, daß die Frauen dort entweder, als Haushälterinnen oder als Huren beschrieben werden. Übrigens hatte ich gestern eine Suchanfrage „Worüber handelt es sich beim Radetzkymarsch?“
Darum, sowie um die zerfall der Monarchie und um den Tafelspitz und Kirschenknödel. Danach kam in der Diskussion Rudolf Brunngraber und sein „Karl und das zwanzigste Jahrhundert“ an die Reihe. Ein Buch, das ich ja inzwischen für unlesbar halte, aber von Milena wiederaufgelegt wurde und die Frage, an der ja schon Ruth Aspöck scheiterte, war er jetzt ein Nazi oder nicht wurde wieder diskutiert. Dieter Bandhauers Eltern haben jedenfalls seine Bücher aus ihren Bücherschrank geschmissen, meine haben ihn drinnen gelassen und Ruth Aspöck hat ihn dankenswerterweise auch wieder aufgelegt.
Eine interessante Diskussion und ein interessantes Buch an Hand dessen man tatsächlich die Literatur der Zwanzigerjahre entdecken kann.
Es gab wieder Wein und Brot, Marlene Streeruwitz stand ziemlich einsam in einer Ecke, ich habe mit einem alten Herrn diskutiert, der auch am Montag im Literaturhaus war und von Dostojewski schwärmte,sowie Dieter Bandhauser danach gefragt, was der Kanon ist? Er konnte mir aber auch keine Antwort geben, welche Bücher man gelesen haben soll. Ich halte mich aber ohnehin nicht daran, lese was ich finde und gestern gabs sogar Stephenie Meyers „Biß zum Morgengrauen“ im Bücherschrank, das ich eigentlich lesen möchte, nur ist meine Bücherliste inzwischen schon sehr voll, so daß ich nun zum Schreiben komme und da war ich sehr fleißig. Vier, fünf Szenen habe ich geschrieben und bin bis zu 46733 Wörter gekommen, danach habe ich gedacht „Aus die Maus“ und habe meine Laudatio für den Prosapreisträger geschrieben, den ich für den Lebensbericht vorgeschlagen habe und der eigentlich ein Lyriker ist. Macht ja nichts habe ich gedacht und bin aber ziemlich unbefriedigt in die Wien Bibliothek gegangen. Denn wenn ich das jetzt korrigiere fallen ja noch einmal tausend Worte weg. Daß ich den Schreibprozeß wieder in einem Nachwort beschreiben möchte, habe ich mir aber schon am Vormittag gedacht, wie mache ich es jetzt mit den dreitausend Worten die mir noch fehlen? Ich könnte einen Epilog oder einen Prolog anfügen, einen Brief der Lea an den kleinen Leo, den dieser an seinem achtzehnten Geburtstag bekommt und die Lea könnte vielleicht nach der euphorischen Schlußszene doch gestorben sein. Am Weg ins Rathaus sind mir dann noch drei Szenen eingefallen und wahrscheinlich wird es der Kasi sein, der einen Schlaganfall erleidet, vorher bekommt die Lea aber noch ein Lebkuchenherz vom der Tina und am Schluß oder am Beginn gibts den Brief an den kleinen Leo, ich werde wahrscheinlich doch die fünfzigtausend Worte schaffen und damit morgen oder übermorgen fertig sein. Toll eigentlich am siebenten Tag, plus der Woche, die ich schon vorgeschreiben habe, fertig zu sein und den Rest des Monats korrigieren. Dann werde ich auch wieder mehr Zeit haben meine Bücher zu lesen und eigentlich bin ich mit dem Schreibprozeß zufrieden, obwohl der alte Herr, dem ich meine Bücher zeigte, mir erklärte, daß er sich nicht mit dem Tod beschäftigen will.

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