Literaturgefluester

2012-11-14

Drei Bücher von Linda Stift

Filed under: Uncategorized — jancak @ 23:20

Heute gabs wieder zweimal Interessantes, nämlich Südtiroler Autoren eine poetische Annäherung mit u.a. Joseph Zoderers neuem Buch in der Hauptbücherei und „Werk Leben II“, Linda Stift im Gespräch mit Lydia Mischkulnig und einer Lesung aus „Kein einziger Tag“ in der Alten Schmiede und die Entscheidung war sehr schwer, aber den neuen Zoderer habe ich ja schon im Sommer als E-Buch gelesen und Linda Stifts Buch habe ich im vorigen Jahr, als es erschienen ist, angefragt, es ist aber nicht zu mir gekommen.
Linda Stift, die ich seit ihrem ersten Roman „Kingpeng“ kenne und schon bei verschiedenen Lesungen hörte, erscheint mir sehr interessant, so daß ich mich für den „Einzigen Tag“ entschieden habe, es lagen aber, als ich die Alte Schmiede erreichte, alle drei Bücher neben einem Computer am Vortragetisch auf, Lydia Mischkulnig saß in der ersten Reihe, schrieb etwas in ein Notizbuch und wirkte nervös.
Sonst waren noch nicht sehr viele Leute da, auch Linda Stift war war noch nicht gekommen und hatte, wie später bekannt gegeben wurde, den Termin irgendwie vertauscht, so daß Lydia Mischkulnig ihre neue Werkreihe allein begann und gleich zu Beginn erzählte, daß sie über alle drei Stift Bücher „Kingpeng“, „Stierhunger“ und „Kein einziger Tag“ reden und Zusammenhänge herstellen würde, weiter würde es Ausschnitte aus einem Mischkulnig Hörspiel namens „Erich Der Erich“ geben, das auch von siamesischen Zwillingen handelt, die am Kopf zusammengewachsen sind, so daß sie so wenig Sauerstoff bekommen, daß sie am Ende würfeln müßen, wer von ihnen überlebt.
Hochdramatisch und mir ein bißchen zu abgehoben, denn so läuft, glaube ich, die Wirklichkeit der siamesischen Zwillinge nicht, aber Lydia Mischkulnig ist ja, wie ich spätestens seit ihren „Schwestern der Angst“ weiß, eine Meisterin der psychologischen Übertreibung und Linda Stift wählt für ihre Romane auch solche Themen.
Bei „Kingpeng“, das bei Erscheinen hoch gelobt wurde, mich aber nicht sehr angesprochen hat, geht es um eine Geschwisterbeziehung, bei „Stierhunger“ um die Bulimie und die Kaiserin Sisi, das würde mich mehr interessieren, also hoffe ich das Buch einmal zu finden und von „Kein einziger Tag“, habe ich schon vor Jahren beim Kolik-Slam in der Gesellschaft für Literatur gehört, wo die Zwillinge noch Jim und Jack hießen und da ist mir die Geschichte sehr interessant erschienen. Ich habe dann noch einmal in der Arbeiterkammer eine Leserin getroffen, die mir erzählte, daß es außer um die Zwillinge, um ein im Keller verstecktes Tier ging, was natürlich neugierig macht und Lydia Mischkulnig gab auch während wir auf die Autorin warteten, ihre psychoanalytischen Theorien, wie es um die Inzestbeziehungen von Zwillingen bestünde, kund, die die Verhaltenstherapeutin eigentlich bezweifelt. Ich habe zwar auch einmal den „Mann ohne Eigenschaften“ gelesen, aber alles läßt sich wahrscheinlich nicht generalisieren und im „Kein einziger Tag“, geht es um die Zwillinge Paul und Pacu oder Patrick, die als Kind problemlos getrennt wurden und sich dann zwanzig Jahre nicht mehr sahen. Am Beginn kommt Pacu, ein Schauspieler zu Paul, einem Malerbedarfverkäufer und nistet sich bei ihm ein, fängt an zu kochen, weil er Sehnsucht nach dem Zwilling hat, der will von ihm aber loskommen und hat auch eine dunkle Seite, nämlich eine stumme versteckte Frau im Keller, den Zusammenhang habe ich nicht ganz begriffen und auch eine Freundin namens Jenny, die sich im Laufe des Geschehens Pacu zuwendet, die scheint auch eine Eßstörung zu haben und das Kochen scheint in allen Stift Büchern eine große Rolle zu spielen. Es endet erklärte Lydia Mischkulnig in einer Groteske, nämlich in einer Fernsehshow, wo sich die Zuschauer aussuchen dürfen, welche Operationen die Teilnehmer bekommen. Paul sitzt im Publikum und so wird er wieder an Pacu angenäht. Was ich wirklich für eine Groteske halte und eine psychologische Übersteigerung, vielleicht sollte ich das Buch doch lesen, einmal war ich schon nahe daran es zu klauen, lag es doch auf dem Literaturschiff auf, dann habe ich es aber brav liegen lassen und muß nun weiter rätseln. Die vorgelesen Stellen, Linda Stift ist dann doch gekommen, klagen aber interessant und Lydia Mischkulnigs Fragen waren das auch.
Sie zog auch immer Zusammenhänge zu den anderen Büchern, was ich auch sehr interessant finde und Linda Stift und Lydia Mischkulnig scheinen beide Meisterinnen der psychologischen Überhöhung zu sein. Mir würden ja die Zwillinge reichen und mit Grotesken habe ich es auch nicht so sehr, es ging dann auch um Abhängigkeitsbeziehungen und Zerstörungen und darum, daß man sich seine Geschwister nicht aussuchen kann. Aber auch um die Frage, wie Linda Stift ihre Romane schreibt und wieviel sie dabei recherchiert. Sehr interessant also für die realistische Autorin, die auch über psychologische Themen schreibt, dabei eher von verhaltenstherapeutischen Theorien ausgeht und die Grostesken links außen läßt. Die Neugier auf das Stiftsche Werk ist aber immer noch da, inzwischen würde mich aber „Stierhunger“ am meisten interessieren, über die Kaiserin Sisi hat ja auch schon Lilian Faschinger in ihrer „Wiener Passion“ geschrieben und am besten hat mir Linda Stift bei ihrer Bachmannpreislesung über die bunten Rucksäcke der Asylwerber, die sich in ein Lastauto quetschen, um in das goldene Land der Freiheit zu kommen, aber das ist in Klagenfurt ja nicht sehr gut angekommen.
Ihre Rom-Anthologie habe ich aber auch gelesen und wer jetzt noch was Biografisches will, Linda Stift wurde 1969 in der Südsteiermark geboren und ist die Cousine von der Andrea Stift und einen Namensartikel darüber gibt es von mir auch, ja wie sie zu ihren Namen kommt, wollte Lydia Mischkulnig, die die Autorin seit eineinhalb Jahren kennt, auch noch wissen. Einen klassischen und einen eher exotischen Namen für die Zwillinge, hat sie sich ausgesucht und es stimmt, daß Zwillinge oft Namen mit demselben Anfangsbuchstaben haben, habe ich ja auch einmal ein Kinderbuch namens „Lore und Lena“ geschrieben, was vielleicht weniger abgehoben ist.

1 Kommentar »

  1. ein sehr schöner Beitrag!

    Kommentar von Karin — 2012-11-29 @ 12:28 | Antworten


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