Literaturgefluester

2012-11-22

Zustandsbericht

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:00

Wieder einmal eine Bestandsaufnahme, habe ich ja schon lange nicht von den kleinen Befindlichkeiten des literarischen Alltags geplaudert, sondern bin seit Sommerende, seit das Veranstaltungsprogramm wieder angefangen hat, meiner Zeit vorausgelaufen, meistens Montag bis Mittwoch ein Literaturtermin, Donnerstag meine Abendstunde und am Freitag war wieder was oder wir sind nach Harland gefahren, weil Alfreds Eltern ihn jetzt ja besonders brauchen und dazwischen meine Bücher lesen, da ich meine Leselisten ja sehr anfülle, weil Bücher mich sehr interessieren und sie auch zu mir kommen, waren drei weitere Wochentage für Besprechungen reserviert, bleibt noch ein Tag für einen Schreibbericht, eine kleine Skizze oder was Diverses und so habe ich seit Monaten ein paar Artikel im Voraus, was nichts macht, es fehlt nur vielleicht ein bißchen das Spontane und Geschrieben habe ich natürlich auch und das sehr viel. Bezeichne ich mich ja in der letzten Zeit als manische Schreiberin und das meine ich auch positiv, denn es geht sehr gut und durch meine Frühjahrskrisen, bin ich auch gestärkt hervorgekommen und habe über mein Schreiben viel gelernt, so daß ich toleranter mir gegenüber bin.
Ich schreibe, wie ich es kann und will und das ist realistisch, nicht sehr abgehoben, auch nicht sehr verdichtet, aber auch nicht zu barock ausschweifend, sondern eher kurz und vor allem schnell und so sind in diesem Jahr drei Rohtexte entstanden, zwei mittellange und ein eher kurzer und die „Wiedergeborene“ habe ich vom Rohtext zu Ende korrigiert. Die und „Paula Nebel“ sind in diesem Jahr auch erschienen, vorher noch „Die Frau auf der Bank“, wo der Rohtext von 2011 fertig wurde. Mit „Kerstins Achterl“ wurde ich im Oktober fertig, so daß ich Zeit für den Nanowrimo hatte und das war auch wieder eine Blitzgeschichte und ich habe auch die Regeln nicht eingehalten, sondern schon am Nationalfeiertag damit begonnen, so daß ich am 1. November, als es losging, neuntausend Worte hatte und dann geschrieben, das lange Wochenende und bis zum siebten November in einem Zug, das heißt mit einer Korrektur bei ca der Hälfte, so daß ich am siebenten November 50600 Worte hatte und einen Tage vorher schon ein bißchen bange war, ob ich die geforderte Wortzahl zusammenbringe. Wenn ich nicht den Nanodruck gehabt hätte, hätte ich wohl den Prolog und die letzten zwei Szenen nicht geschrieben und es bei ca 47000 Worten gelassen. So habe ich mich an die Struktur gehalten und weil mir dann noch fünfhundert Worte fehlten, gleich den Schreibprozeß, den ich auch beim letzten Nanowrimo, der „Heimsuchung“ hatte, angefügt. Spannend, daß das Ganze wirklich aus fast einen Guß heraus entstanden ist und das, denke ich, ist gutes Schreiben.
Prinzipiell würde ich mir zwar schon gern mehr Zeit lassen und länger als ein paar Tage bzw. Wochen für den Rohentwurf brauchen, die ein zwei Jahre, wie man es bei den anderen hört, schweben mir vor, geht aber nicht, soll so sein!
Ich kenne auch andere schnelle Schreiber und so habe ich mich nach dem siebenten November an das Korrigieren gemacht und bin jetzt damit einmal durchgekommen. Das heißt, es sind statt hundert, achtundneunzig Seiten und derzeit 49 315 Worte, also auch eine mittlere Länge.
Die „Radiosonate“ ist ja sehr lang geworden, das „Haus“ und die „Paula Nebel“ sehr kurz, alles andere liegt so zwischen vierzig- und sechzigtausend Worte und ich bin eigentlich zufrieden mit mir und meinem Schreibprozeß, weniger damit, daß es mir nicht und nicht gelingt damit wahrgenommen zu werden. Das ist etwas, was ich nach wie vor nicht verstehe, kann es aber nicht verändern und in dem Maß in dem mein Selbstvertrauen wächst und dabei hilft mir sicherlich das Literaturgeflüster, werde ich, so hoffe ich, auch in keine Krisen mehr stürzen. Ein wenig Resignation ist zwar vorhanden, so suche ich seit 22004 ja nicht mehr richtig Verlage. Ein bißchen hätte ich ja gedacht, daß die vielleicht durch das Geflüster zu mir finden, ist aber nicht so und inzwischen geht der Trend ohnehin zum Selbstpublishing hin, da mache ich mir zwar keine Illusionen, daß ich da viele Leser finde, aber das ist mir wahrscheinlich ohnehin egal. Irgendwie bin ich ja eine einsame Wölfin, die ihren Weg konsequent und entschlossen geht, obwohl es mich natürlich nervt, daß da auf der anderen Seite nichts zurückkommt und ich so wenig Beachtung finde, soll aber sein, bzw. kann ich es nicht verändern und inzwischen gibt es auch die Schreibberichte, die Vorschauen auf meine Bücher und ich verschicke auch immer ein paar Stück und frage Rezensionen an. Das scheint auch nicht ganz zu gelingen, so sind die, die mir eine für das Literaturhaus schreiben wollten und denen ich Bücher gegeben habe, verschwunden und nicht mehr aufgetaucht. Soll ebenfalls so sein, ich habe ja ein paar Rezensionen und zu Jahresbeginn ist auch eine im „Podium“ erschienen. Ich verstehe es nur nicht, wieso die Leute zuerst zusagen und sich dann nicht mehr melden, sie könnten es ja wenigstens erklären, dann hätte ich die Chance mich auszukennen.
Ein bißchen nerven mich auch die nicht gerade zahlreichen Reaktionen auf meine Blogartikel. Aber da habe ich vor zwei Wochen ein sehr liebes langes und aufmunterndes Mail bekommen, wo ziemlich das drinstand, was ich mir auch schon dachte und ansonsten verstehe ich schon, daß man im worldwide Netz auf Grund der Fülle der Inforationen auch verloren oder nicht beachtet werden kann und ich schreibe ja sehr lange und vielleicht wirklich ein bißchen unverständlich, bzw. nicht dem Netz angepasst, weil da zappt man ja herum und bleibt nicht lange an einer Sache hängen.
Aber ich schreibe eigentlich ohnehin für mich, damit es nicht verlorengeht, wie das so schön heißt. In dem lieben Mail stand etwas von „Schachtelsätzen“ und das hat mir gefallen. Das war, glaube ich, eine Kritik, die ich annehmen konnte, ansonsten tue ich mir mit der, ich gebs schon zu, ein bißchen schwer. Ich verstehe sie oft nicht oder sie verletzt, die „Schachtelsätze“ können und dürfen aber sein und ich kann sie auch verändern.
So bin ich eigentlich recht zufrieden mit dem Schreiben und dem Lesen. „Das Sterben“ korrigiere ich jetzt fertig, dann habe ich vor mich wirklich auf das „Literaturgeflüster-Texte-Buch“, das mir im April ja aus der Krise half, zu werfen. Ich kanns auch lassen, weils ja nichts wirklich Neues ist.
Andererseits ist eine Vorstellung des Literaurgeflüsters in Printform eine Chance vielleicht doch jemanden aufzufallen, obwohl ich mir schon manchmal denke, ich muß nicht unbedingt auffallen. Es gibt mich und meine Art zu schreiben und wer es will, kann mich finden und mich lesen und wenn nicht, ist es auch egal.
Das war, glaube ich, der Grund warum ich die „Mittleren VII“ nicht mehr eingereicht habe, was mich eigentlich erleichtert, denn es war schon ziemlich nervig mit meinen Zetteln herumzulaufen und immer wieder zu hören „Da habe ich keine Zeit“ oder Lesende einzuladen, die nach der Lesung mit anderen ein Bier trinken gehen oder sostwie nichts mehr von sich hören zu lassen.
Es muß ja nicht sein. Es muß mich keiner lesen, ich kann auch so schreiben und die fünfzig Printbücher und das Literaturgeflüster ist eine sehr gute und sehr genaue Dokumentation meiner Arbeit und wirklich toll finde ich die Bücherschränke. Seit es sie gibt, lese ich intensiver und ich kann mich noch genau erinnern, daß ich vor ein paar Jahren dachte, ein Buch pro Woche ist mein Lesesoll und Elisabeth von Leselustfrust bewunderte, die zweihundert im Jahr gelesen hat.
Jetzt halte ich bei hundertfünfzig, mehr ist nicht drin, weil ich ja meine Praxis habe, Familie, mein Schreiben, die Veranstaltungen und auch noch einiges andere und all das zusammen ist eigentlich sehr viel und, daß das klappt, verdanke ich meiner ungeheuren Disziplin, die auch nicht auffällt, was sie auch nicht braucht und das Lesen macht mir immer noch sehr großen Spaß und das finde ich in einer Zeit, wo sich die Leute immer weniger für die Texte der anderen interessieren, sehr toll.
Inzwischen lerne ich auch für mein eigenes Schreiben sehr viel dabei, bzw. hilft es mir mich einzuschätzen und ich habe in diesem Jahr so viel gelesen, wie noch nie, wenn man auf meine Leseliste schaut, kommt der Sprung von fünfundvierzig, neunzig, hundertvierzehn zu jetzt hundertfünfzig Bücher. Ich würde am liebsten alles lesen, weil mich ja alles interessiert und auch alles schreiben und damit bemerkt und wahrgenommen werden, aber das ist derweil noch Illusion.
Inzwischen nähert sich das nächste Event, nämlich die Buch-Wien, die ich immer sehr genieße und auch da die Reaktionen mancher Blogger oder anderer Personen, denen sie zu klein oder auch zu groß ist, nicht verstehen kann.
Es ist für mich eine spannende Gelegenheit dort vier Tage lang herumzugehen und vielleicht doch Kontakte zu knüpfen oder aufzufrischen, denn sie ist ja klein genug, daß man, wenn man das tut, auffällt.
Allerdings habe ich noch einige Bücher zu lesen, wenn ich meine mir selbstauferlegtes Lesesoll für 2012 schaffen will und da habe ich mir zu meinem Geburtstag doch einiges gewünscht und noch darauf gesetzt, so daß ich vielleicht ein bißchen hecheln werde und schon gedacht habe, daß ich im Dezember einen Lesemonat einlegen und mir beim Korrigieren lassen soll.
Mal sehen, im September habe ich geklagt, daß die Veranstaltungen so zögerlich anfangen, dann habe ich sehr viele in meinen Kalender geschrieben, aber um Weihnachten herum kommen wieder ein paar veranstaltungsärmere Wochen und da kann ich mein Vorausschreiben, vielleicht wieder abbauen, bzw. ein paar Skizzen oder gesellschaftspolitische Gedanken bloggen, was ich auch gern mache.
Das was jetzt noch fehlt, sind die Preisberichte und da ist untergegangen, daß Sandra Gugic, deren literarischen Werdegang ich ja auch verfolge, seit sie den Exilpreis gewonnen hat und die jetzt, glaube ich, in Leipzig studiert, beim Open Mike gewonnen hat und da wahrscheinlich am Dienstag im Literaturhaus zu hören war, aber da hatte ich unseren Vertragspsychologen Jour fix und noch etwas ist vielleicht ein bißchen schwierig und führt zu Terminkollusionen, nämlich, daß der Erich Fried Preis am Sonntag vergeben wird und da will ich ja auf der Buch Wien sein und von der werde ich heuer, weil ich ja so voraus mit den Artikeln bin, wahrscheinlich in einer Wurst und erst am Montag berichten.
Und zuletzt noch ein paar Bemerkungen zu dem derzeit sehr beliebten Thema, „Wie man lesen soll oder ob man mit dem E-Book kuscheln kann?“, denn dazu gabs im Wochenendstandard pünktlich zur Buch-Wien ein paar Artikel und in der deutschen „Zeit“ ein Werkstattgespräch mit Juli Zeh, Michael Krüger und Helge Malchow zu den Veränderungen im Buchmarkt und da prägte Juli Zeh den „schönen“ Satz, daß „Jetzt auch nicht mehr Schund geschrieben, sondern nur mehr veröffentlicht wird“ , nun ja, so sehen es die sogenannten Erfolgsautoren und Peter Zimmermann von Ö1, auch ein Autor, stellte im EX Libris die Frage, „Hat jeder der sich berufen fühlt, auch ein ein Recht auf Publikum?“, ich habe nur die Hörprobe gehört und und weiß daher seine Antwort nicht, würde aber sagen „Nein, aber jeder hat das Recht zu schreiben und sich für das der anderen zu interessieren, wie ich auch das Recht habe zu konsumieren, zu fernsehen oder auch nicht.

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