Literaturgefluester

2012-11-29

Fiktionen oder Autorität der Erzähler

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:22

Lebens-Erzähl-Muster III oder ausgewählte Neuerscheinungen in der Alten Schmiede und Angelika Reitzer hat ein Einleitungsreferat zu den neuen Romanen von Hanno Millesi, Markus Köhle und Martin Horvath gehalten und da ist ja äußerst interessant, welche Zusammenhänge die Germanistik zu den neuen Büchern der drei, bei denen auch ein Bestseller eines mir bisher unbekannten Autors, der im Sommer mit seinem „Mohr im Hemd“, wie ein Schwammerl aus dem Boden sproß, war, bringen kann.
Angelika Reitzer sprach von Schelmereien und den Erzählstimmen, die die Autoren für ihre Bücher fanden, erklärte sie genau und literaturvergleichend und ließ Hanno Millesi mit seinem bei Luftschacht erschienenen Roman „Granturismo“ beginnen, bei dem es in zwei Ebenen, um einen Autor, der einen Roman über einen Reisenden schreiben will, geht und ich bin ja, was bei mir eher selten ist, ein Fan von Hanno Millesi, als den von Peter Henisch würde ich mich auch noch bezeichnen, dann ist es bei mir mit der Fanschaft aus und was bleibt ist die offene empathische Neugier für die Autoren und ihre Bücher. Aber Hanno Millesi, den ich zuerst nur als Namen des Stipendiaten auf der Rückantwort meiner Bewerbungen für die Staatsstipendien, kennenlernte und ihn das erste Mal bei einem Wahnsinnssymposium des Ernst Kostals hörte, wo mich seine Kindergeschichten sehr beeindruckten, dann hat er beim Bachmannpreis gelesen, nichts gewonnen, ich hätte ihm aber den Preis zugedacht, weil ich seinen Text für den besten gehalten habe, dann war ich noch ein paar Mal bei seinen Lesungen, hat mich immer durch seine Art zu schreiben sehr beeindruckt.
So auch in der Reisegeschichte, wo der Reisende, die Figur des Erzählers, eine Reise machen soll, aber offenbar nie hinkommt, das erste Stück das Hanno Millesi las, handelte davon, daß er in einem Wirtshaus landete, dort statt einem Glas Wein einen ganzen Krug bekam, sich fürchterlich betrank und daraufhin seine Reise abbrach, dann kam eine sehr beeindruckende Szene mit dem Schriftsteller, der sich während der Zeit, in der er das Handlungsgerüst festlegen will, in seiner Wohnung einsperrt, allen erzählt, er wäre verreist und sich nicht traut das Licht aufzudrehen, sich seine Brote im Dunklen streicht und sich auch die Haare nicht wäscht, um keinen Lärm zu machen.
So etwas habe ich in „Tauben füttern“ mit der Figur der Veronika Schätzmeister auch einmal geschrieben, die verbringt ihren Italienurlaub auch auf ihren Balkon und interessant ist das Millesi Detail, daß der Schriftsteller beim Brotstreichen die Olivenpaste mit der Mayonnaise verwechselt und sich vorstellt, er hätte auch die Zahnpasta erwischen können, aber wer bewahrt Zahnpasta im Kühlschrank auf.
Im dritten Teil ging es um den zweiten Versuch des Reisenden an die Grenze zu gelangen, da läßt er sich von einem Hochzeitspärchen mitnehmen, die sind aber so verliebt, daß sie ihn am Ende hinausschmeißen. Das ist die Millesische Literatur und sie war von den drei vorgestellten Werken, die am wenigstens Realistischste, zumindest hatten die beiden andere brillant politische Themen, denn Markus Köhle, der Poetry Slam Meister, mit dessen Erstlingswerk ich ja Schwirigkeiten hatte, weil es mir zu frauenfeindlich erschien, hat einen Roman über den Mafiaparagraphen und die Tierschützerprozesse schreiben wollen, der bei Milena erschienen ist, wo ich nun gleich wieder schreiben muß, daß es mir nicht gefällt, daß der Wiener Frauenverlag inzwischen Männer verlegt, aber „Hanno brennt“, das muß ich auch schreiben, scheint ein brisantes Werk zu sein und Markus Köhle hat die Geschichte von dem arbeitslosen Akademiker und Angehörigen der 1000 Euro Generation, der als Tiergeschichtenschreiber sein Glück versuchen will, was mich wieder ein bißchen an das „Streichelinstitut“ erinnerte, Köhle siedelt die Geschichte auch im siebenten Bezirk und in der Konditorei Aida an, in wahrer Poetry Slam Manier begonnen, zumindestes ist der Prolog, der den Hanno vorstellt, ein einziges Gedicht, dann wird der arbeitslose Akademiker mit seinen Eigenschaften vorgestellt und der plant mit einem Freund das Projekt „Neubauschnauze“, das heiß,t er entwirft Flugzettel, die er in der Konditorei Aida an alte Damen austeilt, das Projekt klingt so, als wäre es dem Internet entnommen, wo die Biografielotsen ihre Ghostwriterdienste anbieten und der Freund meldet sich auch gleich als der erste Kanditat, um als ausgewählter Kunde angenommen zu werden. Als die beiden dann im Cafe Sperlhof ihr Projekt feiern, ruft eine Frau Kommerzialrat an, sie flüchten aufs Damenklo, werden von zwei Mädchen gestört und am Ende hat sie die Frau Kommerzialrat durchschaut und läßt sie ihre Villa putzen.
Wie das Ganze dann zu den Mafiaparagraphen hinüberschwenkt, muß man nachlesen, vielleicht kommt das Buch einmal zu mir. Markus Köhle ist aber wirklich sehr sprachgewaltig und höchst originell und das scheint auch für Martin Horvath zuzutreffen, den mit seinem „Mohr im Hemd“ das Kunststück gelungen scheint, das heikle Thema der Asylwerber auf eine sehr einmalige Art und Weise auszudrücken. Er hat dazu einen absolut politisch unkorrekten über den Dingen stehenden Ich Erzähler gewählt, den fünfzehnjährigen Ali mit der kaffeebraunen Haut, der alle Sprachen spricht, alles weiß, alle Betreuerinnen vögeln will und auch die absurdestens Träume hat und uns auf diese Art und Weise, die ganze Asylproblematik auf eine so ungewöhnliche Art und Weise näherbringt, daß der Roman bei DVA erschien und ein großer Erfolg geworden ist.
Zwar hats mich bei der Kaltschneuzigkeit des Alis zwar ein wenig gegruselt, aber Martin Horvath hat auf Kurt Neumanns Frage auch erklärt, daß er versucht hat, den Roman konventionell zu beginnen und nicht weit damit gekommen ist.
Er wäre auf wahrscheinlich auch kein so großer Erfolg geworden und ich denke, daß die Zusammenstellung, der drei Romane sehr gelungen und es wirklich drei auserwählte Neuerscheinungen waren, die da vorgestellt wurden.

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