Literaturgefluester

2012-11-10

Geburtstagslesung

Filed under: Uncategorized — jancak @ 01:07
Franz Blaha

Franz Blaha

Stephan Eibel Erzberg

Am Freitag also mein literarisches Geburtstagsfest, die Veranstaltung, die ich mir seit, glaube ich, 1987 jährlich zum Geburtstag selber schenke. Alfred macht das Buffet. Ich lade ein paar Autoren ein und lese selber. Diesmal waren es Franz Blaha, Stephan Eibel Erzberg, Rudolf Lasselsberger, Lidio Mosca Bustamante und Hilde Schmölzer, wieder mehr Männer als Frauen, das war schon im Vorjahr so, während früher meistens nur Frauen gelesen haben und wieder war es ein toller Erfolg. Über zwanzig Leute sind gekommen, Ruth Aspöck, Robert Eglhofer, Elfriede Haslehner, meine Psychologiekollegin Silvia und auch ein paar Leute, die zu Stephan Eibel Erzbergs Lesung wollten. Wieder ein paar Bücher. Frido Manns „Mein Nidden“ und Sofi Oksanen „Stalins Kühe“ habe ich mir gewünscht und sind Nachträge bezüglich unserer Baltikumreise. Stephan Eibel Erzberg hat, wie versprochen seinen neuen Gedichtband mitgebracht, Franz Blaha ein Driesch, Regina Alfery Julia Kospachs „Wien“, Lidio Mosca Bustamante und Hilde Schmölzer brachten auch ihre neuen Bücher und der Rudi was aus dem fröhlichen Wohnzimmer sonst gabs noch eine Kerze, Wein, Schokolade, Blumen und ein paar CDs.

Hilde Schmölzer

Hilde Schmölzer

Eva Jancak

Eva Jancak

Begonnen hat Franz Blaha mit einem Essay, der auch im Driesch abgedruckt ist „Vertreibung aus der Muttersprache“, der erzählt, wie ihm als Ottakringer Kind der Dialekt ausgetrieben und das „schön sprechen“ eingeprügelt wurde, sehr beeindruckend, weil ich meine Kindheit ja auch viel bei meiner Großmutter in Ottakring verbrachte und meine Mutter ebenfalls wünschte, daß ich Hochdeutsch spreche. Dann folgte der liebe Stephan und erzählte, daß er Hilde Schmölzer sehr verehre und, daß ihm ein Redakteur der Wiener Zeitung angetragen hat jeden Tag ein Gedicht von ihm zu bringen. Er begann mit „Bettina“ „Dein Grant in deinem Gesicht stört meinen Schwanz nicht“, hat nicht gepasst, also was Politisches, was auch nicht passste und auch beim Katholischen „Gott, wir danken dir, daß die Neger verhungern Und nicht wir“ ging es nicht, obwohl ja alle Gedichte bei Styria, einem katholischen Verlag erschienen sind.
Hilde Schmölzer las dann wieder, wie bei der Poet Night aus dem Podium Bändchen ihre frühen Gedichte, die zu ihrem fünfundsiebzigsten Geburtstag erschienen sind und ich die Szene, aus „Kerstins Achterln“ wo der Hektor mit der Susa Dworak Eis essen geht und habe dabei gleich einen Fehler gefunden.

Lidio Mosca Bustamante

Lidio Mosca Bustamante

Rudolf Lasselsberger

Rudolf Lasselsberger

Lido Mosca Bustamante brachte etwas über Tango aus seinem neuen Erzählband „Tango-Kontinuum“ und zum Schluß hatte Rudi Lasselsberger eine lustige Geschichte über eine Weltraumfahrt. Nachher gab es das Buffet, die Roastbeefbrötchen hats schon vorher gegeben, jetzt kam noch der Lungenbraten in Blätterteig und der Topfenstrudel dazu.
Durch mein Geburtstagsfest habe ich die Eröffnung der heurigen Literatur im Herbst Veranstaltung „Mare nostrum?“ im Odeon versäumt, die am Wochenende weitergeht und am Donnerstag leider, aber ohne meine Schuld die Alpha Literaturpreis Gala, so daß ich hier nur bloggen kann Milena Michiko Flasar hat, ganz wie von Julya Rabinowich beim Volksstimmefest vorausgesehen, mit „Ich nannte ihn Krawatte, Klaus Nüchtern und Josef Haslinger waren unter anderen in der Jury und bei der Buch Wien gibts eine Lesung der Preisträgerin und auch eine Diskussion über den Sinn des Literaturpreises, vielleicht kann ich dazu auch was sagen.

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2012-11-09

Klick mich

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:10

Die 1985 geborene Politikerin der Piratenpartei und Politologin Julia Schramm hat ein Buch „Klick mich“ Bekenntnisse einer Internetaktivistin, auf das ich durch Wolfgang Tischer vom Literaturcafe. de aufmerksam wurde und das mit „Mein Name ist Julia und ich lebe im Internet“ beginnt. In etwa siebzehn Kapiteln wird das dann genau ausgeführt, die „Mein Freund, der Monitor“,“Mein Tagebuch dürfen alle lesen“, „Wie Jack the Ripper mich das Leben lehrte“,“Mein Gehirn ist digital“,“Mädchen sind auch in Internet doof“, etc heißen.
Voran gibt es ein Personenverzeichnis, da gibt es zum Beispiel das Ich, die unzuverläßige Erzählerin,chloe.f.f.w, die Pubertierende, Jade, die Studentin,laprintemps, die gegenwärtige Person der Erzählerin und dann den Internetaktivisten Mortensen, den guten Freund Leonhard, Sesemi, die Freundin und Datenschützerin, aber auch Adolf Hitler, Jack the Ripper und viele andere in Nebenrollen, damit wird,wenn ich das richtig verstanden habe in einer fetzigen Sprache das Leben im Internet erläutert und irgendwo gibt es auch die Stelle, daß es „das geistige Eigentum nicht gibt, weil dieses ja allen gehört“, womit wir bei der derzeit hitzig geführten Urheberduskussion wären und am Ende des Buches gibt es auch ein Glossar, wo sehr genau und deutlich die Sprache der Internetgeneration, also was ein Troll ist, aber auch bubble tea, die Funktion der Smilieys etc erklärt wird.
All das habe ich aus der Amazon Vorschau, denn Julia Schramms Buch, ist nicht im Internet, sondern als E-Book und im Hardcover im Knaus Verlag erschienen und sie soll dafür auch einen Vorschuß von hundterttausend Euro bekommen haben.
Es gab dann auch eine Kopie im Internet, die aber der Verlag und die Autorin entfernen ließ und sich daran anschließend eine große Diskussion in der Piratenpartei, so daß Julia Schramm aus dieser vor einer Woche ausgetreten ist.
Es gibt auch einen Blog der Autorin, wo das Vorwort und zwei Kapitel von Freunden kommentiert zu finden ist und einen Satz, daß das Buch, wenn dann in zehn Jahren die Rechte wieder an die Autorin zurückgehen werden, von ihr allen öffentlich zugänglich ins Internet gestellt werden wird, was ich sehr interessant finde, weil ich denke, daß die Inhalte dann sehr überholt und wahrscheinlich nur mehr historisch interessant sein werden und interessant ist auch, daß eine Internet Exhibitionistin ihr Buch in Papierform erscheinen läßt, habe ich da nicht bei Gery Shteyngart gelesen, daß Bücher stinken, sie einen so großen Vorschuß bekommt und dann ihr geistiges Eigentum, daß es ja nicht geben soll, aus dem Netz in dem sie lebt, entfernen läßt und sie jetzt auch die Piratenpartei verlassen hat.
Sehr interessant sogar, weil sich darüber intensiv philosphieren läßt, das Buch wird in den Rezensionen, die ich gefunden habe, auch ziemlich zerrissen und mit Helene Hegemanns „Axoloatl Roadkill“ verglichen.
Interessant, ob ich es einmal im Bücherschrank finden werde und weiter interessant, daß das Buch „Klick mich“ heißt, denn gerade das kann man ja nur bei E-Buch-Version tun und vieles ist dabei für eine fast Sechzigjährige, die ja noch ohne Internet aufgewachsen ist, keine Nick Names mag, nicht so viele Indentitäten hat, ebenfalls viel Zeit im Netz verbringt, dort auch mit einigen Personen kommuniziert, die sie noch nie gesehen hat, das aber meistens in Deutsch mit einem ganz normalen Wortschatz tut, nicht so leicht zu verstehen, so daß ich über das sehr ausführlich erscheinende Glossar dankbar bin, da ich mich über die zahlreichen Kürzeln und verschiedenen Smiley-Symbole manchmal schon gewundert habe. Meine Texte sind ebenfalls nicht ganz im Netz, sondern immer nur ein Kapitel mit manchmal einem You-tube Video zu finden. Eine solche Vorschußhöhe ist mir fremd, mit dem E-Booklesen habe ich im Sommer angefangen und habe, da ich meine Bücher bevorzugt aus Abverkaufkisten, dem offenen Bücherschrank oder als Rezensions- bzw. Tauschexemplare beziehe, auf den Kampf ums große Geld auch eine etwas andere Sicht, da ich Bücher eigentlich für unverkäuflich halte, weil die Leute nicht mehr so viel lesen.

2012-11-08

Dicht-Fest und siebenter Nanwowrimotag

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:13

Wieder einmal Dicht-Fest in der Alten Schmiede, zum vierten Mal in diesem jahr, wie Christine Huber in ihrer Einleitung erwähnte und wieder wurden sechs sehr interessante Lyriker und Lyrikerinnen vorgestellt. Trotz des Nanowrimofiebers, das mich ja derzeit plagt, hatte ich die Veranstaltung in meinem Kalender vorgemerkt und wurde von E. A. Richter, der einer der Lesenden war, gestern auch noch extra dazu eingeladen.
Nachdem es mir am Mittwoch mit einigen Schummeln, das heißt einem Prolog und einem Nachwort gelungen war die 50.000 Worte des Nanowrimos zu schaffen, bin ich um achtzehn Uhr in die Alte Schmiede marschiert und habe diese auch sehr bevölkert vogefunden. Christine Huber, Ilse Kilic, die Autoren, etc waren schon da und wurde auch von Judith Nika Pfeifer, die eine der Eingeladenen war, angesprochen, die sich für meine Priessnitzpreis-Berichterstattung bedankte, was mich sehr freute, wußte ich ja nicht, daß sie das Literaturgeflüster liest und mich erkennt und wurde ich ja einmal in der Alten Schmiede für meine Flüstereien auch schon sehr beschimpft, obwohl ich ja eigentlich glaube, daß das ein sehr wichtiges und enormes Archiv ist, das ich mit meiner Berichterstattung erschaffe.
Es ging dann auch gleich los. Christine Huber begrüßte. Waltraud Haas war die erste Lesende, sie hat bei Klever einen neuen Gedichtband „Selbstportrait auf roten Grund“ herausgebracht und wurde von Christine Huber, die auf das Motto „Anfänge“ das irgendwie bei jedem der sechs Lesenden zu finden ist, hinwies, bezüglich ihrer Verdichtung und ihrer Verknappung ihrer Zweizeiler sehr gelobt und ihre Gedichte haben mir auch sehr gefallen.
Hans Eichhorn war der nächste, er las Gedichte, die in den Manuskripten veröffentlicht sind und als ich ihm nach der Veranstaltung fragte, in welchen Heft die Gedichte veröffentlicht sind, wollte er mir dieses gleich schenken, aber ich habe ja ein Autorenabo und das Heft sicher irgendwo liegen, nur das Wiederfinden ist ein wenig schwierig, da ich es aus Platzgründen nicht geordnet habe.
Die dritte Lesende vor der Pause war Judith Nika Pfeifer, sie stellte ihren bei Mitter erschienenen Gedichtband „nichts ist wichtiger ding kleines du“ vor und las Gedichte, die ich zum größten Teil schon vorige Woche hörte, was mich aber verstärkte, bei der Buch-Wien, die ja bald beginnt, wieder zu versuchen, den Gedichtband zu bekommen, vor zwei Jahren mit dem Buch der Anna Weidenholzer hat das ja geklappt.
Danach gabs eine Pause und, ich glaube, ein Gespräch mit E. A. Richter und Rudi Lasselsberger, den ich an meiner Freitägige Geburtstagslesung erinnerte, dann gings weiter mit Semier Insayif, den ich ja vom Siemens Literaturpreis kenne, er hat bei Haymon einen Gedichtband herausgebracht, in dem es um Gärten, fliegende Teppiche und noch vieles anderes geht, was er jeweils vor dem Vortrag auch immer ganz genau erklärte.
Die Schweizerin Elisabeth Wandeler-Deck hatte ich schon vorher kennengelernt und mich mit ihr vor Beginn der Veranstaltung unterhalten, ihr Gedichtand heißt „Anfänge, Anfangen gefolgt von Und“ und wurde von Christine Huber als experimentell und dann doch wieder nicht eingeleitet.
Als letztes folgte E. A. Richter mit seinem „Schreibzimmer“, mit einem sehr realistischen dreizehn Minuten dauernden Langgedicht, in dem sich der Protagonist zuerst vor seiner Putzfrau schämt, dann an ihren Akzent Sprachstudien machen möchte. Er flüchtet in sein „Schreibzimmer“, hört dort die Fick- oder anderen Geräusche seines Nachbars und schämt sich am Ende wieder vor seiner Putzfrau wegen seines unaufgeräumten Schreibzimmers.
Nachher gabs Wein und was zu knabbern und ein paar intensive Gespräche. Ilse Kilic hatte eine sehr lustige Haube auf, wurde von Rudi Lasselberger fotografiert, der mir aufgetragen hat, irgendwas in meinen Blog zu schreiben, was, habe ich vergessen, war ich ja ein bißchen aufgeregt, hatte ich doch im Zeitschriftensaal die Buchkultur und darin gefunden, daß der Alpha Literaturpreis, der am 8. 11. um 18. 30 im Studio 44 am Rennweg vergeben wird, schon wieder öffentlich ausgeschrieben wurde, obwohl sie mich im Vorjahr dort hinausgeschmissen und mich für heuer einladen wollten, was nicht taten und weil die Veranstaltung ja am Donnerstag ist, meine neunzehn Uhr Fixstunde habe. Es ärgert mich aber trotzdem sehr, so daß ich jetzt wieder ein Mail hingeschrieben habe, mal sehen, ob eine Antwort kommt.
Ansonsten, ich habe es schon erwähnt, bin ich mit dem Nanowrimo fertig, am siebenten Schreibetag, habe ich die 50.000 Worte geschafft und weil ich schon früher angefangen habe, vierzehn Tage für den Rohtext gebraucht, was jetzt kommt ist das Korrigieren, bevor ich mich, wie schon lange vorgenommen an das Literaturgeflüstertexte-Buch machen werde. Meine Kritiker werdeen jetzt sicher sagen, daß ich zu schnell bin, ich bin aber stolz darauf, freue mich, daß der Schreibfluß diesmal so dicht und gut gelungen ist und denke, daß mir das erst einmal jemand nachmachen soll, obwohl wenn man auf die Schriftsteller werden Seite geht, sieht, daß da auch schon drei Leute fertig sind. Jetzt gehts wieder in die Badewanne und werde Ruth Aspöcks Grillparzerbuch fertig lesen werde, bzw. Michel Reimanns „Incommunicado“, das ich als kostenloses E-book vorige Woche in Harland zu lesen angefangen habe.

2012-11-07

Neue Sicht auf die Zwischenkriegsliteratur und sechster Nanowrimotag

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:00

„Österreichische Literatur zwischen den Kriegen- Plädoyer für eine Kanonrevision“, so heißt das neue Buch von Evelyne Polt-Heinzl, bei Sonderzahl erschienen, zu dessen Präsentation die Wien Bibliothek eingeladen und das ist ja ein Thema, das mich interessiert,da ich als 1953 Geborene mit den Büchergilde Gutenberg Ausgaben ihrer Eltern aufgewachsen bin, also hin ins Rathaus, zwar gabs im Literaturhaus wieder eine Gedenklesung, aber da bin ich auch in den letzten Jahren irgenwie nicht hingekommen und es war auch noch ziemlich leer als ich die Bibliothek erreichte. Ein paar Bekannte Gesichter, vor allem ältere Herren, die sehr wichtig taten und sich herzlich begrüßten, was ja irgendwie zum Thema passt. Alfred Pfoser begrüßte und wies auf ein Zitat von Wendelin Schmid Dengler, daß die Zwischenkriegsliteratur irgenwie aus einem Hochkamm bestünde und es soviele andere Autoren und Autorinnen gäbe, die vergeßen wräden und ein Eu oder anderes Projekt an der Universität Klagenfurt, das dagegen ankämpfte und die Zwischenkriegszeitungen durchforstete, um herauszufinden, was an der österreichischen Literatur anders war, als an der Deutschen.
Evelyn Polt-Heinzl nannte es die neue Sachlickeit, die in Österreich gefehlt hätte und dann wurde auch der Unterschied zwischen der Hochkammliteratur und Zeitgeistromanen diskutiert, die einen, die guten Hoffmannsthal, Musil, Roth, die anderen, die schlechten und Evelyn Polt-Heinzl ist da offenbar angetreten, um dagegen zu revolutionieren n und wenn es nicht gerade ums Hinausschmeiße,n sondern um über den Tellerrand zu schauen geht, bin ich auch sehr dafür, weil ich ja eine bin, die im einundzwanzigsten Jahrhundert, die Zeitgeistromane schreibt und Dieter Bandhauser, der Sonderzahlverleger eröffnete auch mit der Frage, ob wir einen Literaturkanon bräuchten? Was bei mir die Frage auslöste, was das überhaupt ist? Die hundert Bücher, die irgenwo im Internet herumgeistern, die man gelesen haben sollte, wo die Bibel, Harry Potter, Goethes „Faust“ etc darauf stehen oder bezieht sich das nur auf die Jahre zwischen 1919 und 1939 und da habe ich ja einmal in der Gesellschaft für Literatur ein einprägsames Erlebnis gehabt. Eine junge Rumänin hat ihren sehr realistischen Roman gelesen, den ein älterer Herr im Publikum mit Musil verglichen hat und mir ist der Mund offen gestanden, denn Musil hätte ich nicht daraus gehört. Inzwischen denke ich, das was das, was er kannte, sein Hochkanon, das was er in der Schule lernte und heute lernt man da viel weniger und in den Zwanzigerjahren hat es offenbar auch schon sehr viel Autoren und Autorinnen gegeben und ich finde es ebenso schade, daß sie vergessen sind, bzw. kenne ich sehr viele durch den Bücherschrank meiner Eltern und auch durch Evelyne Polt Heinzl Buch „Zeitlos“ und natürlich auch durch die offenen Bücherschränke, wo man Joe Lederer, Vicki Baum und vieles anderers finden kann.
Evelyne Polt Heinzls Buch ist sehr ungewöhjnlich aufgebaut, erklärte Alfred Pfoser nämlich in drei Hauptkapitel, die wiederum in dreißig Unterkapitel aufgeteilt sind. Eines heißt „Der erste Weltkrieg und sein Töchter“, ein anderes „Großstadtmetropolen und neue Medien“ da ist das Radio damit gemeint und Vera Borek las ein paar Textbeispiele. Zuerst zwei Männer mit Zeitromanen bzw. einen, der seine Kriegstraumatisierung, wie Evelyn Polt Heinzl meinte durch eine sehr zerrissene Sprache zum Ausdruck brachte. Georg Fröschl und Rudolf Geist, beide mir völlig unbekannt aber jetzt werde ich in den Bücherschränken auf sie achten. Dann kam ein Stück aus Elias Canettis „Blendnung“, was wieder als Hochkammliteratur bezeichnet wurde, ein Buch, das ich zweimal gelesen habe und, daß mich sehr beidruckte. Bei den Frauen hatte Evelyne Polt-Heinzl Joe Lederer, die ich durch ihr „Zeitlos“- Buch kennenlernte und auch im Bücherschrank gefunden habe und eine mir unbekannte Linzerin und Evelyn Polt-Heinzl meinte, daß sowohl Musil, als auch Roth ein konservatives Frauenbild hätte. Bei Musil kann ich das nicht beurteilen, habe ich ja den „Mann ohne Eigenschaften“ 1973 oder 74 gelesen und nicht verstanden, die Agathe wäre mir aber sehr emanzipiert erschienen. bei Roths „Radetzkymarsch“ stimmt es aber, da habe ich ja schon geschrieben, daß die Frauen dort entweder, als Haushälterinnen oder als Huren beschrieben werden. Übrigens hatte ich gestern eine Suchanfrage „Worüber handelt es sich beim Radetzkymarsch?“
Darum, sowie um die zerfall der Monarchie und um den Tafelspitz und Kirschenknödel. Danach kam in der Diskussion Rudolf Brunngraber und sein „Karl und das zwanzigste Jahrhundert“ an die Reihe. Ein Buch, das ich ja inzwischen für unlesbar halte, aber von Milena wiederaufgelegt wurde und die Frage, an der ja schon Ruth Aspöck scheiterte, war er jetzt ein Nazi oder nicht wurde wieder diskutiert. Dieter Bandhauers Eltern haben jedenfalls seine Bücher aus ihren Bücherschrank geschmissen, meine haben ihn drinnen gelassen und Ruth Aspöck hat ihn dankenswerterweise auch wieder aufgelegt.
Eine interessante Diskussion und ein interessantes Buch an Hand dessen man tatsächlich die Literatur der Zwanzigerjahre entdecken kann.
Es gab wieder Wein und Brot, Marlene Streeruwitz stand ziemlich einsam in einer Ecke, ich habe mit einem alten Herrn diskutiert, der auch am Montag im Literaturhaus war und von Dostojewski schwärmte,sowie Dieter Bandhauser danach gefragt, was der Kanon ist? Er konnte mir aber auch keine Antwort geben, welche Bücher man gelesen haben soll. Ich halte mich aber ohnehin nicht daran, lese was ich finde und gestern gabs sogar Stephenie Meyers „Biß zum Morgengrauen“ im Bücherschrank, das ich eigentlich lesen möchte, nur ist meine Bücherliste inzwischen schon sehr voll, so daß ich nun zum Schreiben komme und da war ich sehr fleißig. Vier, fünf Szenen habe ich geschrieben und bin bis zu 46733 Wörter gekommen, danach habe ich gedacht „Aus die Maus“ und habe meine Laudatio für den Prosapreisträger geschrieben, den ich für den Lebensbericht vorgeschlagen habe und der eigentlich ein Lyriker ist. Macht ja nichts habe ich gedacht und bin aber ziemlich unbefriedigt in die Wien Bibliothek gegangen. Denn wenn ich das jetzt korrigiere fallen ja noch einmal tausend Worte weg. Daß ich den Schreibprozeß wieder in einem Nachwort beschreiben möchte, habe ich mir aber schon am Vormittag gedacht, wie mache ich es jetzt mit den dreitausend Worten die mir noch fehlen? Ich könnte einen Epilog oder einen Prolog anfügen, einen Brief der Lea an den kleinen Leo, den dieser an seinem achtzehnten Geburtstag bekommt und die Lea könnte vielleicht nach der euphorischen Schlußszene doch gestorben sein. Am Weg ins Rathaus sind mir dann noch drei Szenen eingefallen und wahrscheinlich wird es der Kasi sein, der einen Schlaganfall erleidet, vorher bekommt die Lea aber noch ein Lebkuchenherz vom der Tina und am Schluß oder am Beginn gibts den Brief an den kleinen Leo, ich werde wahrscheinlich doch die fünfzigtausend Worte schaffen und damit morgen oder übermorgen fertig sein. Toll eigentlich am siebenten Tag, plus der Woche, die ich schon vorgeschreiben habe, fertig zu sein und den Rest des Monats korrigieren. Dann werde ich auch wieder mehr Zeit haben meine Bücher zu lesen und eigentlich bin ich mit dem Schreibprozeß zufrieden, obwohl der alte Herr, dem ich meine Bücher zeigte, mir erklärte, daß er sich nicht mit dem Tod beschäftigen will.

2012-11-06

Schweizer Buchpreislesung und fünfter Nanowrimotag

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:31

Den Schweizer Buchpreis offenbar ein Pendat zum deutschen gibt es jetzt zum fünften Mal und da er auf seiner Lesereise heuer das erste Mal im Wiener Literaturhaus Station machte, habe ich auch etwas davon mitgekommen. Das stimmt nicht ganz, denn auf der Buch-Wien lagen immer am Helvetia Stand die diesbezüglichen Einladungen auf und bei http://www.buecher.at kann man denm Namen des Gewinners höchstwahrscheinlich auch immer finden. Es gibt aber eine Lesereise, die in acht Stationen durch die Schweiz, Deutschland und nach Wien führte, ich glaube 76 Nominierungen und fünf Finalisten Sibylle Berg, Ursula Fricker, Peter von Matt, Thomas Meyer, Alan Claude Sulzer, drei davon haben in Wien gelesen und am Sonntag den 11. findet in Basel die Preisverleihung statt.
Wow, habe ich gedacht, da ich ja ein bißche Literturpreis versessen bin, wahrscheinlich weil ich so wenige kriege und die lieben Leute vom Literaturpreis Alpha, der ja diesen Donnerstag vergeben wird, ihre Versprechen nicht zu halten scheinen, auf dieses neue Literaturevent gefreut und war auch ein bißchen unsicher, wie früh ich hingehen muß um einen Platz zu bekommen? Überhaupt nicht nötig, denn es war ziemlich leer und so bin ich lange im Foyer herumgestanden, wo es diesmal diese weißen Buffettische gab, auf denen die Buchpreis Flyer lagen und habe das Gespräch zwischen einer kleinen agilen Schauspielerin, Silia Fenz mit Namen und dem Botschaftsrat Jaques Ducrest, einen sehr großen Mann, mitgehört. Anne Zauner vom Literaturhaus kam dazu und wollte fröhlich wissen „Weiß man schon wer der Gewinner ist?“
„Streng geheim!“ antwortete dieser, was natürlich schade ist, weil ich sonst was flüstern könnte, so also auf Mutmaßungen angewiesen und auf den Büchertisch, auf denen Sibylle Bergs Bücher lagen.
2009 stand sie ja mit „Der Mann der schläft“ auf der deutschen Buchpreisliste, jetzt ist „Vielen Dank für das Leben“ herausgekommen, mit dem wurde sie nominiert. Dann gabs noch das Buch von Peter von Mann der auch nicht gelesen hat zu sehen, bevor Robert Huez und der Botschaftsrat begrüßten.
Robert Huez stellte dann die beiden Leser und die Leserin, die 1965 in Schaffhausen geborene Ursula Fricker, vor, von der ich noch nie etwas gehört habe, deren Buch „außer sich“ aber sehr beeindruckend ist, geht es darum um ein Architektenpaar, von dem der Mann Sebastian einen Gehirnschlag erleidet und seine Frau davon erzählt. Zuerst wollen sie am Wochenende Freunde besuchen, dann kommt es zu dem Unfall und dem ersten Besuch auf der Intensivstation, dann die Reha und am Schluß ist er zu Haus, stößt mit dem Kopf an die Wand und sie muß die Windeln wechseln, etwas, das ich ja auch gerade miterlebe. Dann kam der zweite für mich Unbekannte, der 1974 in Zürich geborene Freelancetexter Thomas Meyer mit seinem Romandebut „Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse“, der große Heiterkeit im Publikum auslöste und der auch sehr originell sein dürfte, schildert er ja die Entwicklung des Sohnes einer jüdischen Familie in Zürich und das Aufwachsen mit seiner Mame, die ihn unbedingt verheiratet will und integriert dabei das Jiddisch so in die Sprache, daß ein neuer frecher Ton herausgekommen ist und ich mir vorstellen könnte, daß er der Gewinner ist, wenn ihm Sibylle Berg nicht zuviel Konkurrenz bereitet.
Aber ich liege mit meinen Schätzungen meistens falsch, sollte also keine geben und den dritten Lesenden, den 1953 in Basel geborenen Alain Claude Sulzer kenne ich von seiner Funktion als Bachmann-Juror, sein Buch, das in den Blogs öfter erwähnt wird, heißt „Aus den Fugen“, Robert Huez stellte es als Roman vor, das eigentlich eine Short Cut Sammlung ist und es scheint um einen Pianisten zu gehen, der während des Konzerts aufsteht und verschwindet. Das Stück das Alain Claude Sulzer gelesen hat, handelt von zwei schwulen Männer, die im Taxi zu diesem Konzert fahren und ist mir ein bißchen arrogant erschienen. Vielleicht lag es auch an der Vortragsart des Autors. Nachher gabs trotz der weißen Tische kein Buffet, nur das Gläschen Wein und ich habe mich ein bißchen mit Ottwald John und Anne Zauner unterhalten, ihr erzählt, daß ich außer Literaturveranstaltungen zu besuchen, auch noch etwas anderes machen, zum Beispiel Nanowrimo schreiben und damit bin ich derzeit voll beschäftigt und erlebe einen sehr interessanten Schreibprozeß, den ich schon ein bißchen beschrieben habe, nämlich am ersten Tag manisches schreiben, dann der Absturz am Tag zwei mit Korrektieren und „Ich weiß nicht weiter“, und „Ich kann es nicht!“- Gedanken“, die am Tag drei wieder verschwunden waren, da habe ich geschrieben und geschrieben und am Sonntag bin ich mit Alfred, seinen Eltern und der Pflegehelferin Veronika ins Waldviertel essen gefahren und habe im Auto gedacht, daß ich mit meinen vierunddreißigtausend Worten eigentlich schon wieder fertig bin.
Was mache ich da? Mein Versagen eingestehen, korrigieren und dann am Literturgeflüstertexte-Buch, wie ich es ja eigentlich wollte, arbeiten oder denken, daß der Nanowrimo ein Schreibemonat ist, also auch, wenn mir nichts mehr einfällt bis am 30. 23.59 schreiben, korrigieren, anfügen, Material sammeln etc.
Am Montag ist es damit auch weitergegangen, halte derzeit bei 41.007 Worten und dreißig Szenen, eine weiß ich noch im voraus, da ladet Mirka den Edy zum Mittagessen ein und die Tina wird ihm Svickova und Torte machen ein und habe dann noch über drei Wochen Zeit, die restlichen sieben bis achttausend Worte, also wahrscheinlich vier oder fünf Szenen und finden, was eigentlich zu schaffen sein müßte.
Es kann natürlich auch länger werden oder kürzer und mit dem, was ich habe bin ich eigentlich auch ganz zufrieden, als ich am Sonntag aber wieder einmal niedergeschlagen war „Ich kann es nicht, ich kann es nicht!“, ist ein liebes Mail von einem Studenten der Sprachkunst gekommen, der durch meinen Bericht über die zweite Studentenlesung zum Literaturgeflüster fand und der mir einmal sagte, daß ihm meine Art zu schreiben, trotz meiner Endlosschachtelsätze gefällt, was einer die sich im World Wide Net ja sehr übersehen fühlt, natürlich gut gefällt!

2012-11-05

Nanowrimoschreiben 2012

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:00

Jetzt habe ich mich doch entschloßen beim Nanowrimo mitzumachen, das wollte ich schon seit 2008, als ich durch das Writersstudio darauf aufmerksam wurde. 2009 ist die „Heimsuchung“ daraus entstanden und es war ein interessantes Experiment, durch das ich das gleich in den Computer schreiben und auch mit den Wort- und Zeichenzahlen umgehen lernte.
Nanwowrimo ist eine Idee aus Amerika, das den Geniekult und den Musenkuß, der bei uns immer noch ein wenig vorherrscht, nicht kennt und man das kreative Schreiben in der Schule lernt, die 1999 von Chris Baty ins Leben gerufen wurde.
Inzwischen nehmen, wie man auf dem Button rechts ersehen kann, dreihunderttausend Leute weltweit teil und haben Spaß, im November, einen Roman mit fünfzigtausend Worten zu schreiben und weil das Ganze eine Ermutigunsübung ist, soll man den inneren Zensor draußenlassen, möglichst ohne Plot hineingehen und schreiben, schreiben, auch wenn es zwischendurch, wie man im Writersstudio lernt „Mir fällt nichts ein“ sein kann.
Korrigiert wird später und veröffentlichten kann man inzwischen bei Amazon als E-Book oder als Book on Demand, auch das hat sich inzwischen geändert. 2009 hat, glaube ich, Sarah Wipauer, die heuer mitmachen dürfte, falls sie sich nicht stattdessen für die Viennale entschied, Cornelia Travnicek gefragt, ob sie das ebenfalls macht?
„Nein, denn ich bin für Qualität!“, hat sie geantwor.tet Aber die kann ja in den fünfzigtausend Worten enthalten sein und natürlich entsteht kein Roman in einem Monat, aber vielleicht eine Ideensammlung, ein Rohentwurf etc.
So gesehen habe ich 2010 auch an der „Absturzgefahr“ korrigiert und 2011 an der „Frau auf der Bank“, die ich ja am Montag in der Alten Schmiede vorstellte.
Daß ich wieder mitmachen will, war klar, aber ich muß im Oktober mit dem Work in progress so weit fertig sein, daß ich im November was Neues anfangen kann. Nach meinen Krisen im Frühling, die, glaube ich, weniger mein Schreiben betrafen, denn das ist so, wie ich es kann, sondern eher die mangelnde Reaktion darauf. Da plage ich mich wieder, bringe was zusammen und im günstigstens Fall kommt jemand daher und sagt, „Schon wieder nichts!“ oder „Warum immer nur über alte Leute schreiben, kürzer und verständlicher sollte es schon sein!“ oder es passiert, wie meistens überhaupt nichts.
An das versuche ich mich zu gewöhnen und weil ich mit „Kerstins Achterl“ am Mittwoch fertig wurde, danach die Fenster putze, was zu meinen Schreibanfangritualen gehört und mit dem tollen Titel „Zum Sterben sollte man alleine sein“ schon eine Idee hatte, habe ich mich am Freitag mit dem Alfred angemeldet und gleich zum Schreiben anfgefangen.
Am Freitag eine, am Samstag zwei Szenen und am Sonntag dann schon drei, so daß ich, als es am Ersten losing, 12.716 Worte hochgeladen habe, auch wenn man nicht vorschreiben sollte. Aber der November ist für mich, das habe ich schon geschrieben, ein ungünstiger Monat. Zwar beginnt es diesmal mit einem langen Schreibwochenende, aber dann kommt das literarische Geburtstagsfest, die Literatur im Herbst, die Buch-Wien etc, wo ich unterbrechen werde und da ich schon seit neununddreißig Jahren mit literarischen Anspruch schreibe, an die dreißig selbstgemachte Bücher und auch ein paar andere habe, weiß ich, daß ich fünfzigtausend Worte in einen Monat schreiben kann. Brauche ich für die Rohentwürfe ja meistens nur sechs Wochen und nicht, wie geplant, ein Jahr, was ich immer sehr bedauere.
Ich sollte länger schreiben üben, was ich vielleicht nicht kann, weil ich schon sehr viele Themen angerissen habe, deshalb wieder die alte Frau, die diesmal durch einen alten Mann in einer Luxusseniorenresidenz ergänzt wird, denn das war die Ausgangsidee, weil ich im Radio ein Interview darüber hörte.
Bevor ich mit dem Schreiben angefangen habe, habe ich im Netz ein bißchen über Antiaging recherchiert und die Idee mit der slowakischen Pflegehelferin hatte ich schon. Beim Buchmessensurfing ist die Idee, ihr ein Kind zu geben, das von einer Vergewaltigung in einer anderen Seniorenresidenz stammt und dann noch eine überforderte Schwester dazugekommen, die manchmal in die Disco flüchtet, so daß Lea Weißensteiner nicht nur Kasimir Konstantin, wie der Held jetzt heißen wird, kennenlernen, sondern den beiden Frauen vielleicht ein bißchen unter die Arme greifen wird, während sich Valentina am Karlsplatz mit einen Gymnasiasten aus Bratislava befreundet und Mirka vielleicht Besuch vom Enkel ihres Kindesvater bekommt. Die Lea ist jetzt 95, der Kasimir 82 und nicht 105 und 112, wie ich es im ersten Entwurf plante.
Es könnte, war eine Idee, auch eine Materialsammlung werden, da bin ich inzwischen schon konkreter, aber, daß ich nachher weiterschreiben oder gleich korrigieren werde, weiß ich jetzt auch.
Vielleicht wirds was Neues, was natürlich immer Eva Jancak bleiben wird. Aber da stehe ich jetzt an dem Punkt, daß meine Hemmungen durch das kontinierliche Bloggen tatsächlich weniger werden und ich weiß auch genauer, was ich kann und was nicht und da läßt es sich weitermachen. Mich nicht gleich an die Wand zu schreiben versuchen, tiefer, dichter, etc werden und da bin ich schon bei der zweiten Regel, die ich wahrscheinlich brechen werde, denn ich habe schon 2009 zwischendurch korrigiert und was weggestrichen. Durchlesen muß ich mir das Ganze auch immer, um nicht irgendwohin zu kommen und am Ende fünfzigtausend wirre Worte zu haben.
Dann hatte ich ein verlängertes Wochenende, wo sich an der Handlung feilen ließ. Der Gedanke, daß ich das nicht kann und nicht recht weiter weiß, war natürlich auch schon da. Die siebente Szene habe ich am Morgen des Ersten geschrieben, da wird Kasimir von Lore Lechner angerufen, die ihm von ihrem neugierigen Enkel erzählt und Lea, die eine Biographie über sich oder über die Seniorenresidenz schreiben will, soll er im hauseigenen Cafe Servus auch noch kennenlerne und ich habe auch herausbekommen, daß von den mir bekannten Bloggern heuer auch Klaudia Zotzmann und Anni Bürkl mitmachen werden. Jaqueline Vellguth Schreibwerkstatt ist mit ihrer Frequenzy-Statistik sowieso sehr hilfreich, obwohl ihre Blogparade diesmal aus Zeit- und Anmeldungsgründen nichts für mich ist.
Und die Feststellung, daß der Nanowrimo, wie eine bipolare Depression einschlägt, läßt sich nur wiederholen.
Am Tag eins mit zwölftausend Worten eingestiegen und bis neunzehntausend hochgeschrieben, am Tag zwei kam dann die erste Korrektur und ein Verringern der vierundzwanzig auf dreiundzwanzigtausend Worte.
Am Tag drei gings dann wieder flott dahin, um am Nachmittag des vierten Tages bei 37.095 Worten, sechsundzwanzig Szenen und fast am Ende zu sein, denn eigentlich ist alles schon gesagt.
Tina hat Johannes vom Gym an der Stubenbastei abgeholt und ihre „Oma“ gefragt, ob sie auf den Kleinen schaut, wenn sie mit ihm im Flex ist? Edy Lechner Junior hat einen Tag an seiner Diplomarbeit schreibend im Cafe Servus verbracht und K und K Lea Weißensteiner den Auftrag eine Biografie über sie zu schreiben gegeben. Daß sich die Mirka in den Edy verliebt und umgekehrt wird vorausgesetzt.
Zwei, vielleicht auch noch drei oder vier Szenen läßt sich das, denke ich jetzt, noch dahinschleppen, dann ist der sechste, siebente oder achte November, ich habe höchstwahrscheinlich keine fünfzigtausend Worte und war wieder einmal viel viel zu schnell oder ich versuche eine zweite oder dritte Handlungskurve hineinzubekommen, dichter zu werden, zu Veränderungen zu kommen, da ich ja noch sechsundzwanzig Tage Zeit habe, den Text zu einem Roman werden zu lassen und das Ganze auf diese Art und Weise, als ganz besonderes Schreibseminar betrachten könnte, wo ich egal, wie erst am letzten Tag um 23.59 fertig bin, also x-mal durchgehen, einen unlogischen Handlungsstrang haben, Geschichten und Szenen einfügen, ect, endkorrigiert wird dann erst später und da darf es dann auch wieder kürzer sein.

2012-11-04

Die Villen der Frau Hürsch

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:32

Bei den 2004 von Alfred Komarek geschriebenen „Die Villen der Frau Hürsch“, einen ein Euro Kauf aus der Wilhelmsburger Flohmarktkiste, hätte ich gedacht, daß es um die Arisierung der Villen des Ausseerlands gehen könnte, habe ich mich in dieser Zeit in meiner Globalisierungssovelle ja mit etwas Ähnlichen beschäftigt. Eva Rossmann hat das Thema in „Freudschen Versprechen“ aufgearbeitet und ich habe die Besprechungen des hochgelobten Buches auch so verstanden.
Weit gefehlt könnte man sagen, der erste Käfer-Roman, der nach der beliebten Polt-Serie, des, glaube ich, ehemaligen Kurier-Journalisten entstanden ist, scheint etwas anderes zu behandeln.
Das was ist gar nicht so einfach zu eruieren, denn es fängt sehr langsam und bedächtig in dem bekannten lockeren Komarekschen Plauderton an.
Daniel Käfer, ein etwa vierzigjähriger Chefredakteur einer Zeitschrift namens IQ wird von seinem Chef wegrationalisiert, bzw. nimmt er die Umstrukturierung des Verlags als Chance, sich neu zu orientieren und fährt mit seinem alten Auto in das Ausseerland, weil er da als Kind mit seinen Eltern und seinem älteren Bruder immer Urlaub machte.
Ein Medaillon seiner Großmutter, das ihm irgendwie in die Hände fällt, nimmt er mit und seine Freundin Sabine, eine Münchner Fotografin, zu der er eine etwas seltsame Beziehung zu haben scheint, besucht er auch. Dann fährt er los, frischt dabei Erinnerungen auf und fragt im Gasthaus Ech nach einem Quartier, die alte Großmutter dort, beginnt Gespenster zu sehen, als sie seinen Namen hört, kocht ihm aber hausgemachte Blutwurst mit gerösteten Erdäpfeln und der Wirt vermittelt ihn ein Zimmer bei der Schlömmer Mierz. Die bewirtet ihn mit Schnaps, daß ihm noch am Morgen, als er zum Wirten frühstücken geht, der Kopf brummt. Das Frühstück serviert ihm Anna, die zwanzigjährige Tochter des Wirtes, mit dem jüngeren Sohn zieht Käfer durch die Gegend. Von einem Stein in dem M. Käfer eingraviert ist, wird erzählt und als sie die Schule, in der Daniel Käfers Bruder ging, besuchen, treffen sie auf die Villen der Frau Hürsch, die Schule war in einer solchen und auf einen seltsamen Tennisspieler namens Eustach Schiller, das ist ein Name, der bei Adalbert Stifter vorkommt, der Daniel viel von der Gegend erzählt.
Nach und nach stellt sich heraus, daß Mizzi Käfer eine Dienstbotin, die 1933, in Wasser ging oder sonstwie verschwand, die Käfersche Großtante war. Der Bruder, der ein Grazer Anwalt ist und Daniels Abfertigungsansprüche durchfechten will, findet das heraus und bei einem neuerlichen Besuch in einer der Villen gibt ihm Wanda Hürsch einen Koffer der Mizzi, in dem ist ein altes Dirndl, das er Anna schenkt, Käfer hat sich auch gleich eine Tracht gekauft und eine Lederhose anmessen lassen und in der Tasche war das Dienstbotenbuch, das man damals haben mußte. Da fehlen ein paar Seiten und so forscht Daniel weiter, geht zu dem lokalen Zeitungsredakteur, trifft Eustach Schiller stockbesoffen an und als er mit dem kleinen Peter in einer anderen Villa recherchieren will, gerät der in eine Fuchsfalle.
Am Ende weiß man nicht recht, hat die alte Dienstbotin etwas geerbt und wurde sie um ihr Erbe betrogen oder hat sie sich das nur ausgedacht, ist sie ja die Urgroßtante eines Journalisten. Daniel, der ein bißchen mit der viel jüngeren Anna liebäugelte, findet aber zu seiner Sabine zurück und die hat auch gleich eine Verwendung für den alten Koffer.
Ich weiß nicht, ob ich ein bißchen enttäuscht zurückgeblieben bin, auf jeden Fall habe ich mir gedacht, daß ich mich eine solchen Handlung nicht schreiben trauen würde, würde ich da ja sofort Stimmen hören, die „Das ist viel zu wenig erhöht!“, schreien. Aber mein Verdacht hat sich bestätigt, wenn man nur bekannt genug ist, kann man auch mit einem lockeren Plauderton und einer vielleicht ein wenig fadenscheinigen Handlung bei Haymon erscheinen.
Manches ist mir vielleicht sogar ein bißchen zu seicht, so der typische Komareksche Plauderton, in dem die Protagonisten miteinander scherzen.
„Anna, jetzt ist mir klar wie es weitergeht.“
„Magst nicht lieber doch einen Tee.“
„Nein, endlich habe ich mich an den Kaffee vom Ech gewohnt und jetzt bleibe ich dabei.“
„Selber schuld. Und wie gehts weiter?“, beispielsweise.
Anderseits erfährt man wieder viel über das Ausseerland und könnte das Buch so, als einen diesbezüglichen Führer in die Sommerfrische mitnehmen. Leicht zu lesen ist es wahrscheinlich auch, obwohl ich mir gar nicht so leicht getan habe, in die Handlung hineinzukommen, weil es am Anfang von Nebensächlichkeit zu Nebensächlichkeit geht und man schon bei Seite hundert ist, ohne recht zu wissen, wie das nun mit den Villen der Frau Hürsch ist?
Daß Alfred Komarek aber ein charmanter Autor ist, der viel von seinem Sujet versteht, ist zu merken und da habe ich ja neulich einen Semmering-Führer von ihm gelesen, wo man viel über den Semmering, ohne eine vieleicht zu dünnflüßige Handlung erfahren kann.
Alfred Komarek wurde jedenfalls 1945 in Bad Aussee geboren und hat da vielleicht seine Kindheitserinnerungen mitverarbeitet, lebt als Schriftsteller in Wien und hat außer den Polt Krimis, von denen ich einen gelesen habe und dem Semmering-Buch auch noch einige andere Reiseführer geschrieben.

2012-11-03

ich bin das festland

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:39

Jetzt kommt was Neues aus der Edition Exil, nämlich Seher Cakirs zweiter Erzählband „ich bin das festland“, das ich mir vor ein paar Wochen von Christa Stippinger geben ließ, 2012 erschienen und wurde, glaube ich, bei der Kritlit vorgestellt. Aber die habe ich heuer ausgelassen und von Seher Cakir habe ich schon den „Zitronenkuchen für die sechsundfünzigste Frau“ gelesen, zwar nicht gleich, gab oder gibt es bei mir ja ein Kurzgeschichten Vorurteil.
Für die „Frau auf der Bank“ konnte ich es aber brauchen, wurde Seher Cakir ja in Istanbul geboren und ist in Österreich aufgewachsen, einen der Exilpreise hat sie gewonnen und die Spezialität ihrer Geschichten ist, daß sie das Leben im anatolischen Dorf mit dem von österreichischen Türkinnen oder auch nur Österreicherinnen vermischt und sie munter zwischen den Traditionen ihre Sex- und andere Geschichten erleben läßt.
So auch in Band zwei, in dem es fünfzehn Geschichten gibt, die ersten vier hängen zusammen und handeln von einer Selda, die sich zuerst von ihrer Großmutter Geschichten erzählen läßt, wie es war, als sie verheiratet wurde. Dann kommt der Vater, verspricht das Blaue vom Himmel, die schönsten Spielsachen, ein späteres Studium und nimmt die Frau und die beiden Töchter nach Österreich mit, wo er auf Seldas Fragen, immer nur „Frag doch nicht soviel, meine Tochter“, antwortet, sich das Klo am Gang befindet und sich Selda über ihre Lehrerin, deren Achselhaare nicht rasiert und die daher „schmutzig“ ist, wundert. Sie wundert auch über die Wörter, die in Österreich etwas anderes als in der Türkei bedeuten. Der Vater geht ins Kaffeehaus, läßt die Mutter und die Kinder allein und einmal begeht Selda einen Selbstmordversuch, weil sie sich von ihrer Mutter unverstanden fühlt und die bekommt von dem österreichischen Arzt den Rat, Selda eine Ohrfeige zu geben.
Ins Dorf geht es dann in „Die Frau meines Vaters“ zurück, da erlebt das Kind, daß der Vater aus Deutschland oder Österreich eine Zweitfrau namens Helga, so werden im Dorf alle deutschen Frauen genannt, mitbringt, der die Mutter dann einfach ein Kopftuch aufsetzt und sie in den Haushalt integriert.
Im „Ruf des Muezzins“ erinnert sich die erwachsene, zweimal geschiedene Frau an ihre Jugendlieben, bzw. erwartet sie einen solchen Freund, während sie mit ihrem Sohn Kekse bäckt. Die erste Liebe war der Muezzin, den sie bei den Sommerurlauben bei den Großeltern kennenlernte, ihm zu liebe, ließ sie das Kopftuch, das sie sonst nie trug, den ganzen Sommer auf und war enttäuscht, als er sie trotzdem nicht heiratete, dann kam die Ehe mit einem Turkulogen und die Liebe mit einem in Amerika aufgewachsenen Türken, das Abenteuer mit ihm in einem Hotelzimmer, denn in der Türkei muß man den Rezeptionisten die Heiratskurkunde zeigen, wenn man in ein Doppelzimmer will.
In „Zekiyes“ Ankunft geht die Frau nach Österreich aufs Feld Gemüse klauben, sie glaubt, sie stellt sich nur einmal in Istanbul vor und hat dann noch Zeit sich von ihren Kindern zu verabschieden, fährt dann aber drei Tage ohne Essen und Trinken nach Österreich, hat wieder Mühe sich bei den Worten, die in Deutsch etwas ganz anderes als in Türkisch bedeuten, lernt aber die Sprache und kann auch der Bäuerin, die das Frühstück für sie kocht, beibringen, Tomaten und Parika, statt der Salami, die sie nicht essen darf, auf den Tisch zu stellen.
Die „österreichischen Geschichten“ sind vielschichtiger, komplizierter und auch trauriger. Obwohl in „One-Night-Stand“ vorerst nur das Wort untersucht wird, was ist wenn er in der einen reservierten Nacht doch nicht steht?
Das wird dann gleich an einem Beispiel, wo zwei Überarbeitete, die sich nicht kennen, ins Orient Hotel gehen, exerziert, schwierig fand ich nur die kursiv geschriebenen Einwürfe, die offensichtlich nichts mit der Geschichte zu tun hatten.
Bei „Vertraut nie einer Frau“, träumt die Freundin, sie wäre der Mann und betrügt ihren Freund nackt mit dem Sohn des Bäckers, dann wachst sie in einem seltsamen Haus auf, ihr ist schwindelig und sie findet nur mühsam den Weg hinaus.
„Frühstücksbuffet“ schildert den minuziös geplanten Selbstmord einer fünfzigjährigen Frau, der damit beginnt, daß sie sich Reizwäsche kauft, „Da wird Ihr Mann sich freuen!“, plappert die Verkäuferin, aber der hatte immer den Geruch einer anderen Frau an sich, dann gab es eine Liebe zu einem Südafrikaner und einen Sohn namens Nelson, aber der ist längst gestorben. So fährt sie in der Stadt herum, fängt nach fünfundzwanzig Jahren wieder zu rauchen an, läßt sich im Intimbereich rasieren und die Haare färben, bevor sie sich in Baden in ein schönes Hotel für zwei Nächte einquartiert und auf das Frühstücksbuffet verzichtet, weil sie sich lieber ausschlafen will.
Die Titelgeschichte zeigt ähnliche Melancholien und Seher Cakir die 2008/2009 das Staatsstipendium erhielt, scheint eine starke Erzählstimme zu sein, die uns viel von den Identitätsschwierigkeiten der in Österreich aufgewachsenen in der Türkei geborenen jungen Frauen mitteilen kann, ihren Ängsten, Freuden, Hoffnungen, was die „reinen“ Österreicher vielleicht nicht so wissen und für das Zusammenleben und die geglückte Integration sehr wichtig ist, so daß ihr ein ähnlicher Senkrechtstart, wie ihn Julya Rabinovich gerade machte und Susanne Gregor vielleicht bevorsteht, zu wünschen ist.

2012-11-02

Hirngespinste

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:27

„Hirngespinste“, „die wunderbar groteske Farce über die dunkle Seite eines Autors: vom Literaturbetrieb korrumpiert, voller Größenwahn und versteckter Komplexe, Anerkennungssucht und dem verzweifelten Wunsch, etwas Grandioses zu schaffen“, wie Karin Großmann, von der Sächsischen Seite, am Buchrücken schreibt, von Markus Orths, hat es in seinen achtzehn Kapiteln mit Prolog und Epilog versehen, hat es tatsächlich in sich, auch wenn ich sie in meiner realistischen Psychologinnenenart etwas weniger abgehöht interpretieren würde.
Der „Literatursatirenstil“ ist aber natürlich, wie es die Publikumsverlage wahrscheinlich wünschen, das Buch ist bei btb erschienen, erhöht und, wie ich es schon bei mehreren Literaturbetriebssatiren so gelesen hatte, dem Altmeister Bernhard ein wenig abgeschaut und dann hat noch, das ist vielleicht das Geniale oder auch nur das Besondere an dem Buch jedes Kapitel eine Geschichte in sich und die Satire könnte schon im Prolog enthalten sein.
Da gibt es den Helden namens Martin Kranich, Englisch und Deutschlehrer, das heißt, er hat sein Referendarium, wie das in Deutschland heißt, abgeschlossen und eine Woche in einer Schule in Göppingen hinter sich gebracht und sich, weil er es dort nicht aushielt, in ein Gymnasium nach Hessen versetzen lassen.
Dort empfängt ihn der Brandtschutzexperte, hält ihm einen Vortrag und ein Referendar, der gerade eine Probestunde in einem Känguruhkostüm absolvierte, steckt irrtümlicherweise seinen Schlüßel ein. So wird Kranich in der Schule eingeschlossen und schreibt dort am Boden liegend, seine „Göppinger-Erfahrungen“. So wird er Schriftsteller und landet mit seinen „Schulgeschichten“ den ersten Erfolg.
Das war der Prolog, jetzt beginnt, wo wir ja eigentlich schon alles wissen, die Handlung und die Satire um den Literaturbetrieb.
Kranich schreibt das zweite Buch „Schreib-Maschine“, die Satire über den Literaturbetrieb, der Agent läßt sich kündigen, der Verleger, V. genannt greift sich an den Kopf, sagt dann aber „Das sind so die Fallen, nach dem Erstling, schreib was anderes!“
Dazwischen gibt es, glaube ich, auch noch eine Lesereise, in zweimal achtzehn Provinzbuchhandlungen, wo nur die Buchändler und deren Frauen im Publikum sitzen und man nach jeder Lesung eine Flasche Wein geschenkt bekommt, so wird unser Held zum Alkoholiker und beschließt danach, weil er Geld braucht, einen dritten Roman zu schreiben. Diesmal ist es etwas Esoterischen und soll ein zwanzig Bände Bestseller werden. Leider fällt dem Autor nur der erste Satz „Geboren wurde er auch!“, ein.
Inzwischen lebt er in der Dachmansarde der Erbtante Erna, die achtzig ist, früher einmal Hebamme war und muß die Wohnung bald mit seiner Schwester Tamara teilen, die von einem Lehrauftrag aus der Ukraine schwanger zurückkommt und weil Martin ausziehen muß, versucht er es mit Hirnforschung oder Doping, sprich, er läßt sich von einem Hirnforscher, den er im Fitneßstudio kennengelernt hat, seine Gehrinhälften stimulieren und schreibt so das vierte Wunderwerk, nämlich einen experimentellen Roman, der auf einigen Hundert Seiten, nur aus dem Wort Jana, das ist das Kind, das die Schwester auf die Welt bringt, besteht.
Der Verleger winkt müde ab, „Kennen wir ebenfalls schon, John Cage hat da viele inspiriert“ und da Martin irrtümlicherweise beim Versuch auch noch Kaugummi kaute, wirds wahrscheinlich auch nichts mit dem Nobelpreis, den sich der Gehirnforscher schon erhoffte.
Inzwischen bringt die Tante ihre handgeschriebenen Memoiren übers Stillen, die Martin an „Hanser“ schickt und als Tamara ihr eröffnet, daß sie nicht mehr länger stillen und zurück in die Ukraine zum Kindesvater will, stolpert die Tante über ein Stofftier, und enterbt die beiden und überschreibt ihr Haus dem WWF. Jetzt ist Not am Mann und Martin läßt sich noch einmal stimulieren, auch dieser Versuch mißlingt und wird nur ein Vorversuch für den Ruhm, dafür ist „Hanser“ von dem Manuskript der Tante begeistert und Martin fliegt stat nach Bali, wo die frustirerten Lehrer hin aussteigen, nach Kiew, weil das Geld von seinem Überziehungsrahmen nur bis dorthin reicht.
Ich bin ja ein Fan von Literaturbetriebssatiren und habe auch schon einige geschrieben und bezüglich meiner „Dora Faust“ auch nur den Kommentar des Agenten, an den ichs schickte, bekommen, „daß Literaturbetriebsromane immer schief gehen würden“.
Es gibt sie aber und wenn man sie auch nur entsprechend überhöht, wie es Markus Orths vortrefflich versteht, werden sie auch gedruckt und das Buch hat auch seine spezielle Geschichte. War es nämlich bei den Stoß Abverkaufsbüchern, die mir Alfred im Sommer kaufte und weil es mir beim Eintragen unter das Sofa gefallen ist, war es nicht dabei, als ich die Bücher auf meine Leseliste von 2012 bis 2015 setzte, was vielleicht auch ein bißchen satirisch ist, so daß ich es , weil ich ja gut im Lesen bin oder war, schließlich doch auf die von 2012 setzte und es nun als Einstiegsdroge in den Nanowrimo ganz gut brauchen kann.
Den 1969 geborenen Markus Orths kenne ich seitdem ich ihm beim Bachmannpreis aus seinem „Zimmermädchen“ für das er, glaube ich, auch etwas gewonnen hat, lesen hörte.

2012-11-01

Warschauer Tagebuch

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:49

Das „Warschauer Tagebuch“ des 1916 in Lodz geborenen und 2000 in Paris verstorbenen polnischen Schriftstellers Kazimierz Brandys, das eigentlich aus zwei Teilen besteht, ist besonders interessant, beschreiben doch „Die Monate davor“, das war von Oktober 1978 bis Dezember 1981 in Polen geschehen ist, als dort ein Pole Papst wurde, Lech Walesa die Solidarnosc gründete und es in den Werften und den Fabriken Hungerstreiks gab.
Wir erinnern uns vielleicht daran, ich bin in dieser Zeit mit meinem Psychologiestudium fertig geworden und habe mit dem Akademikertraining begonnen, habe in der Otto Bauergasse gewohnt und zu Weihnachten 1981, glaube ich, auch einmal eine polnische Weihnachtskarte im Postkasten gehabt, die irrtümlich hineingelegt wurde.
Voriges Jahr, als wir in den Masuren waren, waren wir auch in einer Ausstellung über die „Solidarnosc“, sonst habe ich von dieser Zeit nicht viel mitbekommen und so kommt der Fund aus dem Bücherschrank gerade richtig und ich kann diese Institution wieder einmal nur sehr loben, wäre „Brandys Warschauertagebuch“ wie am Cover der Suhrkamp Taschenbuchausgabe steht, sonst an mir vorbeigegangen und ich habe auch von Kazimierz Brandy noch nie etwas gehört.
Es beginnt sehr bedächtig im Oktober 1978 mit „Das war eine unergiebige Zeit. Kein Leerlauf – denn es ist vieles geschehen-, doch was die Arbeit betrifft, war sie unergiebig. Seit fünfzehn Monaten schreibe ich nicht.“
Dann wird von einer Fahrt nach Danzig berichtet und dem Lesen von Johanna Schopenhauers Erinnerungen, die in Danzig geboren wurde. Von Schriftstellerkongressen wird berichtet und den Mittagessen im Klub, wo die Schriftsteller offenbar ihre Mahlzeiten einnehmen konnten.
Immer wieder wird M. die Ehefrau erwähnt und sehr vorsichtig sarkastisch die Mißstände beschrieben, die es in Polen gab.
Die Apotheken sind ausverkauft, im Fernsehen kann man Berichte hören, daß die Leute zuviele Medikamente nehmen und sich dadurch vergiften und im Jänner kommen die Brandys von ihrem Weihnachtsaufenthalt nach Warschau zurück, wo es schneite und die Regierung war darauf nicht vorbereitet, so daß die Stadt im Chaos versank.
Immer wieder kommen Vergleiche mit der Vergangenheit, mit dem Krieg und den anderen Aufständen auf, die Bekannten, die er hat, waren etwa in Nazis- oder in sowetischen Gefängnissen.
Einladungen nach Wien oder Berlin werden ausgesprochen, die Brandys nicht annimmt, für Berlin bemüht er sich um ein Visum, das aber nur seine Frau bekommt, es gibt die fliegende Universität, wo die Schriftsteller in Wohnungen Vorträge halten, die Staatspolizei will das durch Hausdurchsuchungen verhindern, Brandys geht trotzdem hin und bekommt von einem der Milizsoldaten stolz erzählt, daß er seine Werke in der Schule gelesen hätte, denn die Miliz ist ja nicht ungebildet.
Brandys scheint viel in Kono zu gehen und zählt die Filme auf, die er gesehen hat. Es wird das Anstellen um Lebensmittel und das Schlangestehen vor den Geschäften vorerst liebevoll berichtet, wie beispielsweise von der Gruppe vor dem Metzgerladen, die schon die Nacht davor kommt und es sich mit Brötchen und Tee beim Warten gemütlich macht.
Dann gibt es doch einen Westberlinaufenthalt mit einem Zwischenstop in Schweden, dabei muß er durch Ostdeutschland fahren und berichtet von den unfreundlichen Zöllnern, die er beleidigt hätte und den grauen Gesichtern der Menschen dort.
Als die Brandys nach Warschau zurückkommen hat sich die Lage verschlimmert. Die Warteschlangen werden länger, die Leute ernähren sich nur mehr von Kartoffelpuffern und wieder schreibt Brandys ironisch, daß die Katzen jetzt wieder Milch trinken, weil der Regierung die chemischen Zusatzstoffe ausgegangen seien. Er sieht auch die alten und schwachen Leute auf der Straße sich um Brot anstellen und berichtet, wie er dreimal um Hörnchen ging, die ersten beiden Male waren sie noch nicht da, beim dritten Mal schon ausverkauft.
Gerüchte über den Einmarsch der SU kommen auf, es kommt zu Beschuldigungen und auch auf einen Anschlag auf die wiederaufgebaute Warschauer Synagoge. Die Brandys bekommen eine Einladung nach New York, bemühen sich um einen Anruf dorthin, die Anmeldungen werden aber erst um Mitternacht entgegengegenommen, dann ist alles besetzt, schließlich bekommt er einen Termin in einer Woche, weil sich jetzt alle um Visen ins Ausland bemühen, man vor dem deutschen Konsulat Schlange steht und die Reisebüros ausgebucht sind. Brandys kommt, als sein Ticket gebucht ist, der lange Flug nach New York unwirklich vor und fragt sich, was er wieder schreiben und, wie er sein Tagebuch beenden wird, was schließlich mit dem lapidaren Satz „New York, 13 Dezember 1981 Nachricht von der Verhängung des Kriegszustands in Polen. Alle Verbindungen unterbrochen.“ geschieht.
Brandys scheint dann nicht mehr nach Polen zurückgegangen zu sein. Ist er ja, der slawische Literatur an der Sorbonne lehrte, in Paris gestorben. Bei Wikipedia finde ich, daß er von 1978 an im Ausland lebte, was dem Buch nach, aber nicht ganz stimmen kann.

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