Literaturgefluester

2012-12-05

Zwei Klever Bücher

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:21

Jetzt habe ich nach meiner sechs Uhr Stunde, ein Befund war auch noch zu schreiben und eine Anspruchsprüfung zu veranlassen, einen Besuch in die Gesellschaft für Literatur hineingequetscht, denn ohne die Regelmäßigkeit von Literaturveranstaltungen halte ich es offenbar nicht aus, obwohl ich ja zu lesen habe und meine Leseliste wieder um den Ulrich Becher Briefwechsel erweitert habe, den ich nun doch bekommen habe. Aber nur zwei Veranstaltungen in der Woche das geht doch nicht, obwohl ich schon wieder oder immer noch vier Artikel in Vorbereitungen habe und so habe ich nachgeschaut, was es am Dienstag an literarischen Veranstaltungen gibt. Das waren Textvorstellungen in der Alten Schmiede und die Ausstellungseröffnung der schönsten Bücher in der Hauptbücherei, alles in einer Viertelstunde nicht zu erreichen, aber die Gedichtebände von Waltraud Haas und Herbert J. Wimmer, beide bei Klever erschienen, in der Gesellschaft für Literatur waren ohnehin sehr interessant.
Zwar habe ich die Lesung aus „Selbstportrait auf roten Grund“ schon beim letzten Dicht-Fest gehört und Herbert J. Wimmer ist ja auch öfter in der Alten Schmiede, aber man soll sich ja mehr für Lyrik interessieren und das Verdichten ist für eine Marathon-Quantitäts-Schachtelsätzeschreiberin ohnehin sehr interessant.
Also nichts wie hin und gerade noch zurechtgekommen. So waren Manfreds Müllers Einleitungsworte gerade noch zu hören und die Gesellschaft für Literatur zwar nicht sehr, dafür aber prominent besetzt, ich versuche ja immer so etwas, wie einen Regelplan aufzustellen, wer zu welchen Veranstaltungen kommt?
Zu meinen nicht sehr viele Leute, aber in letzter Zeit habe ich einige Autorinnen entdeckt, die regelmäßig Veranstaltungen besuchen, wie zum Beispiel Gabriele Petricek, die anwesend war, dann noch Gustav Ernst und ich glaube auch Stephan Eibl.
Manfred Müller sprach über das Verdichten bei der 1951 in Hainburg geborenen Waltraud Haas, die ich noch von den Arbeitskreiszeiten der schreibenden Frauen kenne. Da habe ich sie, glaube ich, um das Frischfleisch und Löwendmaul Umfeld kennengelernt und einmal mit ihr am Volksstimmefest gelesen. Lange noch vor den Zeiten, ab denen ich da regelmäßig aufgetreten bin, das war, glaube ich, noch in den Siebzigerjahren, als der Arbeitskreis das einmal durfte und wir waren beide entsprechend aufgeregt.
Dann sind ihre Gedichtbände erschienen, einen der ersten „Lots Tochter“, habe ich vor kurzem auf dem Bücher gegen freie Spende Tisch gefunden und auf meine Leseliste gesetzt und bei den Poet Nights höre ich sie auch immer lesen und war auch bei ihrem letzten oder vorletzten Kleverband in der Herrengasse.
Manfred Müller erwähnte die Kürze der neunzig oder siebzig Gedichte, die oft nur aus einem Satz bestehen und von der Lücke oder Ausparung leben. Dann begann Waltraud Haas wieder mit dem Motto und las sich durch ihre Kürzesttexte in denen es sehr oft um Trauer, Tote, Angst und die Gewalt, die das Leben zufügt geht.
„Festgezerrt auf meinen Kinderstuhl, warte ich auf das Kippen“ beispielsweise oder „Im Gedenken der Kopftücher der Frauen die mich erzogen haben, trage ich Herrenhüte“, das sagt wirklich sehr viel aus und läßt die Stärke der Emotionen spüren.
Waltraud Haas las auch noch sehr eindrucksvoll. Dann folgte Manfreds Müller Einleitung für Herbert J. Wimmer, 1951 in Melk geboren, den ich ebenfalls schon bei einer Lesung in der Gesellschaft für Literatur hörte und sehr oft bei seinen Veranstaltungen in der Alten Schmiede. Das letzte Mal hat der den Jelinek Roman „Neid“ präsentiert und Manfred Müller sprach von den Gedichtprojekten an denen Herbert J. Wimmer gerade arbeitet.
Das Buch heißt „Grüner Anker“, das scheint ein Szenelokal zu sein und Elfriede Gerstl kommt darin natürlich ebenfalls vor. Zumindest hat sie dem Buch ein Motto gegeben.
„Gedichte dürfen argumentieren, müssen aber nicht!“
Dem folgten Manfred Müllers literaturwissenschaftliche Erklärungen und Herbert J Wimmer hatte einen Leseweg, wie er sagte, von siebenunzwanzig Gedichten unterschiedlicher Länge ausgewählt. Die oft Aufzählungen waren „Die Sprache ist eine Lautfolge, die Kommunikation ist eine Lautfolge, der Literaturbetrieb, die Liebe und und“
Das Titelgedicht ist sehr lang, zählte zuerst die ganzen Mitglieder der Gastronomiefamilie auf, dann die Berufe der Besucher und auch die Anläße wozu man sich dort hin begibt, nach dem Kino, nach der Lesung, nach dem Schreiben, nach der Vernissage, etc.
Ja richtig, Herbert J. Wimmer ist nicht nur experimenteller Lyriker und Veranstaltungsmoderator, sondern auch Kinobesucher, Fotograf, bildender Künstler, etc und hat auch eine Diplomarbeit über Elfriede Gerstl geschrieben bzw. eine Dissertation über sie geplant.
Am Büchertisch lagen die Gedichtbände der beiden auf, während der freie Entnahme Tisch schon ziemlich leer geräumt bzw. nur mehr aus sehr theoretischen Werken bestand, einen Roman von Florian Leibetseder „Schlüsselloch“ aus dem alten Residenzverlag, habe ich aber doch gefunden habe und beim Nachhausegehen lauter Bekannte getroffen.

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