Literaturgefluester

2012-12-10

Eine Hand voller Sterne

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:58

Rafik Schamis 1987 geschriebenes Jugendbuch „Eine Hand voller Sterne“ für das er viele Preise bekommen hat, wurde heuer für die „Eine Stadt-Eine Buch“ Aktion ausgewählt, die es seit 2002 gibt und bei der ich mir alle Bücher hole, obwohl, das letzte, Mario Vargas Llosas „Geschichtenerzähler“ noch immer ungelesen auf meiner Leseliste steht.
Diesmal war ich aber früh daran, habe ich das Buch doch schon im Sommer oder so in der gelben DTV Ausgabe im Bücherschrank gefunden und eine Weile sogar gedacht, daß ich das Lesen noch vor dem 22. November, dem Tag wo das Buch um Punkt zwölf vor der Buch-Wien nach der feierlichen Eröffnung mit seinen hunderttausend Gratisexemplaren an die Wiener und Wienerinnen ausgegeben werden wird.
Die vielen Rezensionsexemplare, die nach und nach eintrafen, hinderten mein Vorhaben etwas, ich habe aber das blaue Buch in dem Design von Peter Patzak gelesen und die DTV-Ausgabe in den Schrank zurückgebracht.
Ich war auch bei der feierlichen Eröffnung vor der Buch-Wien, hörte den Bürgermeister die gute Auswahl loben, ist das Buch durch die Ereignisse in Syrien, die wir ja fast täglich hören können, immer noch brandaktuell und ich war auch in der 3Sat Lounge, wo der sehr höfliche und charmante Rafik Schami etwas über das Buch, seine Entstehungsweise und, wie sehr er sich über die Auszeichnung der Stadt Wien freue, erzählte.
Ich stehe ja dieser Stadt Wien Aktion etwas skeptischer gegenüber, obwohl es nicht schaden kann, ältere Bücher ins Gedächtnis zurückzurufen und dieses, das kann ich gleich anfügen, hat mir auch sehr gefallen, obwohl ich anfangs dachte, die Geschichte von dem Bäckerjungen, der Journalist werden will, interessiert mich nicht.
Es ist aber wirklich ein hoch politisches Buch und Rafik Schami erzählte auf dem Stand, was auch in dem Buch steht, daß er es, der 1946 in Damaskus geboren wurde, Chemie studierte und 1971 nach Deutschland ausreiste, während einer Lesereise geschrieben hat, weil die Leute immer von ihm wissen wollten, wie es in Damaskus zugeht. Mit der Hand im Zug und in sein Hotelzimmer ließ er sich eine Schreibmaschine stellen, so daß er am Abend die Manuskripte abtippte.
Das Buch ist in Tagebuchform geschrieben, weil Schami meinte, daß er dadurch seine Leser direkter ansprechen kann, der Ich-Erzähler, der glaube ich, keinen Namen hat, ist zu Beginn vierzehn, am Schluß siebzehn und lebt in einer christlichen Familie in sehr ärmlichen Verhältnissen in Damaskus.
So beginnt das Buch damit, daß sein Onkel Salim, ein begnadeter Geschichtenerzähler nicht schreiben kann, sein Neffe ist aber der beste Schüler in der Klasse und hat nur Schwierigkeiten mit dem Vater, weil der ihn in der Backstube braucht, so muß er die Schule auch vorzeitig verlassen und als Lehrling bei ihm eintreten, obwohl er nicht Bäcker werden will.
Er will Journalist werden und gründet mit seinen Freunden Josef und Mahmud auch „Die schwarze Hand“, eine Bande, die sich gegen Ungerechtigkeiten einsetzt und auch auf die Türe des Geheimdienstlers eine Mahnung schreibt. Der Held wird dazu ausgewählt, obwohl er das nicht gerne macht, ist er ja in Nadia dessen Tochter verliebt. Die Bande löst sich bald auch auf, der Held jobbt in den Ferien bei einem Holzhändler, erzählt von dem Verrückten, der mit einem Spatz durch die Stadt spazierengeht und eine Nachricht in sehr vielen Sprachen schreibt, so daß man ahnen kann, daß er ein sehr gelehrter Mann sein muß, er wird später von der Polizei verhaftet und gefoltert, auch der Vater muß ins Gefängnis, während die Mutter, die Jungen, die auf den Dächern flüchten, vor der Polizei versteckt.
„Eine Mutter muß das tun!“, argumentiert sie und handelt auf dem Basar alles zum gewünschten Preis herunter und der Junge findet eine Stelle bei einem Buchhändler, lernt Mariam und den Journalisten und Übersetzer Habib kennen und gründet mit ihm und Mahmud, Josef ist inzwischen Offizier geworden, die sogenannte Sockenzeitung, die sogar ins Fernsehen kommt.
Nachrichten werden in billige Socken gewickelt und verkauft oder in Körben mit einem Luftballon auf den Weg geschickt. Habib schmuggelt sie sogar in Orangenkisten nach Frankreich wird aber am Schluß verhaftet und der Ich Erzähler und Mahmud haben auch zu dichten angefangen.
Mahmuds Theaterstück wird ihm aber von einem Redakteur gestohlen, der es als seines ausgibt und man kann nichts dagegen machen, kein Rechtsanwalt findet sich bereit sich dafür einzusetzen, wie auch Habib niemand verteidigen will, der Ich-Erzähler hat mit seinen Gedichten mehr Glück, das vom „Fliegenden Baum“ kommt sogar auf den Titel einer Anthologie und der Vater ist stolz auf ihn.
Am Schluß stirbt der Onkel, Habib ist verhaftet, die Widerstandszeitung wird aber weitergemacht.
In den Eine STADT. Ein BUCH Ausgaben gibt es immer Interviews und Vorworte vom Bürgermeister und den Geldgebern, es gibt aber auch Fotos von dem Damaskus zu der Zeit, als das Buch geschrieben wurde, so daß man sich die Orte ansehen kann, durch die der Bäckerjunge gegangen sein könnte.
Ich habe mir das Buch auch signieren lassen und von Rafik Schami mir 2009 von dem Buchgutschein, den ich auf einem meiner Geburtstagsfeste bekommen habe, den Geschichtenband „Die Sehnsucht fährt schwarz“ gekauft habe und auf einem meiner Frankfurt Surfings auch auf „Das Geheimnis des Kalligraphen“ aufmerksam wurde, das ich gerne lese würde.
Für den Bürgermeister, der das Buch sehr lobte, gibt es auf Seite 168 auch eine eine entsprechende Stelle über Bettler, die die Bürgermeister in Damaskus nicht auf der Straße haben und daher vertreiben wollen und das soll ja, wie ich höre, auch in Wien passieren, der Journalist, der der Junge werden will, interessiert sich aber dafür.
„Die Bettler schrieb ich, verstehen vom Menschen und seiner Seele viel mehr als viele Lehrer in der Schule. Sie brauchen einen nur anzusehen und schon wissen sie, wie sie einen ansprechen müssen. Weiß das der Bürgermeister?“
Und hier noch die Links zu den Aktionsbüchern, die ich besprochen habe. Beim Nick Hornby habe ich mir ja sehr schwer getan, denn Fußball interessiert mich wirklich nicht, aber auch bei der Ruth Klüger noch drüber gelesen, den Yalom und den Dal Silje dafür genau besprochen und verspreche gern, das auch beim Vargas llosa im nächsten Jahr so zu tun.

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