Literaturgefluester

2012-12-12

Kolik: Magic Paper Geld

Filed under: Uncategorized — jancak @ 21:56

Die von Gustav Ernst und Karin Fleischanderl herausgegebene Literaturzeitschrift Kolik ist fünfzehn Jahre alt, zu diesem Anlaß gab und gibt es heute und morgen ein Symposium zum Thema „Junge Autoren sprechen über Geld“ in der Alten Schmiede, zum fünften und zehnten Geburtstag hat es auch ein Symposium gegeben und für den Mittwochabend wurden Judith Nika Pfeifer, Anna Weidenholzer und Philipp Weiss auserwählt, dazu einen Text zu verfassen und ihn vorzulesen.
Kurt Neumann sprach in seiner Einleitung von den inflationären Phrasen mit denen wir täglich zu diesem Thema überschüttet wurden und Geld ist ja ein Thema, das mich interessiert, beziehungsweise versuche mit möglichst wenig auszukommen und kann das, glaube ich, auch ganz gut.
Dann war es überraschend, wie erzählend und auch verschieden die Texte der drei Autoren waren, die ich ja alle drei mehr oder weniger gut kenne. Anna Weidenholzer vielleicht am besten, verfolge ich ihren Werdegang ja schon seit ihren ersten Veröffentlichungen und ihren ersten Textvorstellungen im Jahre 2009 und habe ihre zwei Bücher, die am Büchertisch auflagen, gelesen und der Roman, was ja vielleicht auch ganz gut zum Thema passt, ist gleich dreimal zu mir gekommen. 2011 war Anna Weidenholzer Stipendiatin von Schloß Wiepersdorf gemeinsam mit Cornelia Travnicek, jetzt war sie das zwei Monate in Kitzbühel und da ist der Aufruf von Gustav Ernst gekommen und so wurde ihr Text „Erwartungsland“ davon inspiriert.
Ich war ja auch einmal in Kitzbühl, in dem Winter 1992, wo wir mit den Francs in einem Hotel in Oberndorf zum Schifahren waren und weil ich das ja nicht mache, bin ich spazierengegangen, einmal nach St. Johann auf der einen Seite, einmal nach Kitzbühel, das auf der anderen liegt und auf den Wegen dorthin habe ich meine „Geschichten vom lieben Godt“ geschrieben, mit denen ich, glaube ich, „ganz gut verdient“ habe, weil die Zeitschrift „Rampe“ sie genommen haben und ich dann auch bei diesem Symposium in Salzburg war. Anna Weidenholzers Geschichte erzählte in der ihr typischen Sprache von Bauerwartungsland, das in ein Bauland umgewidmet werden kann, vom Häuser bauen und vermieten an Zweitwohnungsbesitzer, die dann Schuhe um sechstausend Euro und operierte Brüste haben und ich war erstaunt, wie abstrakt man über das Geld schreiben kann, bei Philipp Weiss, der ja 2009 in für einen der Klagenfurter „Skandale“ sorgte, in dem er seinen Text verspeiste , war das noch vielschichtiger, erzählte der Text ja von einem Geldverschredderer, der als Kind mit einer Lola in einem Stollen spielte, in denen die Nazis eine unterirdische Fabrik anlegen wollten, in dem sie den Berg von Zwangsarbeiter aushöhlen ließen. Nach der Wende wurde dann das DDR Geld dort vergraben und die Kinder die dort spielten, entdeckten, daß es sich nicht so einfach vernichten ließ. Dann besucht der Erzähler Lola in der Psychiatrie und die überfällt ihn mit einer Rede übers Geld oder damit, wie sie in ihrer Manie versuchte dieses zu verschleudern.
Sehr interessant, in der Diskussion sollte Philipp Weiss erzählen, wie schwer es ihm gefallen ist, über ein solches Thema zu schreiben, aber noch kam Judith Nika Pfeifer, die Priesnitz-Preisträgerin von 2012 und erzählte in ihrem Text von den prekären Arbeitsverhältnissen der Autoren, die Karin Fleischanderl in ihrer Einleitung schon andeutete.
Da serviert eine Drehbuchschreiberin in einem Lokal, geht Hunde sitten, wird trotzdem aus ihrer Wohnung geworfen und auch noch von einem sogenannten „Geldtherapeuten“ angesprochen, sie findet dabei ihre Liebe, bekommt einen Drehbuchauftragsjob und eine neue Wohnung und er landet ebenfalls in der Psychiatrie.
Drei sehr unterschiedliche Texte. In der Diskussion stellte Judith Nika Pfeifer die Frage, wer vom Publikum reich wäre?
Eine Frage die nicht beantwortet wurde und auch nicht so einfach zu beantworten ist. Denn was ist reich? Das Möbelhaus Ikea hat einmal damit geworben, daß man reich durch nicht ausgeben würde und, ich glaube, das stimmt. Denn man kann von einem Schilling oder einem Euro am Tag leben, wenn man damit sein Essen kaufen und seine Miete zahlen kann, man kann, aber auch in einem Haubenlokal hundert Euro für eine Portion Spaghetti zahlen oder, wie die Dame neben mir sagte, sich köstliche Karotten und Kartoffeln um gar kein Geld kochen.
Dann wurde noch eine Weile darüber diskutiert, ob man es sich aussuchen kann, Wirtschaftsanwalt oder Künstler zu werden und der Fragensteller hat, glaube ich, dabei an den brotlosen Künstler gedacht. Nun ich habe es mir bekanntlich zwei Jahre vor meiner Matura ausgesucht Psychologie zu studieren und zu schreiben, lebe von dem ersten und tue das zweite praktisch umsonst und dann ist mir noch eingefallen, daß die alte Bawag, die von dem Herrn Elsner geführten, der ja, glaube ich, als er noch in Frankreich gelebt hat, von der Zeitschrift News in Lokalen aufgespürt wurde, wo die Spaghetti achtundneunzig Euro kosteten, jährlich eine Anthologie zu verschiedenen Themen herausgegeben hat, wo die erste „Geld Macht Sinn“ geheißen hat und dafür hat es, glaube ich, ein gutes Honorar gegeben, was ja sonst bei Anthologien nicht so üblich ist. Ich habe dabei auch mitmachen wollen, was mir aber nicht gelungen ist, da sich der Herausgeber, wie er mir auf meinen Brief schrieb, die Leute die er dafür haben will, selbst aussuchte und die hatten dann eher berühmte Namen.
Peter Rosei hat vor kurzem auch einen Roman mit dem Titel „Geld“ geschrieben. Das dazu, daß es wahrscheinlich doch nicht so schwierig ist, über dieses Thema zu schreiben, da es ja, wie Anna Weidenholzer bemerkte, überall gegenwärtig ist, obwohl man darüber angeblich nicht spricht, sondern es nur haben soll.
Gustav Ernst beteiligte sich sehr eifrig an der Diskussion und zog am Ende, die 1997 erschienene „Kolik“ Nummer 1 heraus und meinte, daß er davon und von der zweiten Ausgabe einige Ausgaben zu verschenken hätte und, daß man auch morgen zum zweiten Teil der Veranstaltung, wo Thomas Arzt, Ewald Palmetshofer und statt der angekündigten Nadja Spiegel, ein anderer Autor lesen wird, kommen kann. Aber da ist Supervisions Reflexion Treffen, zu dem ich gehen werde, weil ich ja von etwas leben muß, obwohl da morgen Weihnachten gefeiert wird und sonst wäre ich wahrscheinlich ins Literaturhaus gegangen, weil da, glaube ich, Ju Sophie liest, der ich das ja versprochen habe, der Brotberuf geht aber natürlich vor. Die Arbeitskreisfrauen Hilde Langthaler und Elfriede Haslehner, sowie Axel Karner und andere lesen dort aber auch.

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