Literaturgefluester

2012-12-21

O du Mörderische

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:00

„Vorweihnachtszeit in Alabama: Zwei Schwestern gehen auf Mörderjagd. Rasant und urkomisch“, steht am Buchrücken von Anne Georges „O du Mörderische“, einem der acht „Southers Sisters“-Krimis, den die 2001 verstorbene amerikanische Autorin, die auch für den Pulitzerpreis nominiert war, geschrieben hat und der im Sommer in dem Stapel der 3.99 Bücher bei Thalia in der Kremsergasse lag, von den ich mir zehn vom Alfred kaufen ließ und auf die Leseliste der kommenden Jahre setzte.
Der Weihnachtskrimi kommt aber noch heuer dran und es war auch sehr vergnüglich zu lesen, wie Weihnachten in Amerika gefeiert wird, ein paar Morde passieren auch dabei und obwohl ich über das Buch ein paar schlechte Kritiken im Netz gefunden habe, hat mich die sozialkritische Art und Weise, wie da das amerikanische Kleinstadtleben geschildert wird, sehr beeindruckt und auch, daß die beiden Schwestern Patricia Anne und Mary Alice sechzig und fünfundsechzig Jahre sind und das Buch mit den Worten „Ich sag dir eins, Patricia Anne, ich habe es satt, ständig die Sexsklavin für irgendeinen Mann zu spielen. – Ich blickte von meiner Morgenzeitung auf und nickte grinsend. Meine Schwester war fünfundsechzig Jahre alt, einen Meter dreiundachtzig groß und wog nach eigenem Eingeständnis hundertunddreizehn Kilo“, beginnt.
So weit die Introduction, Hinweise auf vorangegangene Mordaufklärungen gibt es auch, ich habe den Namen Anne George aber vorher noch nicht gehört und kenne auch keinen der anderen Krimis.
Hier ist es drei Wochen vor Weihnachten und zu dieser Zeit habe ich das Buch auch zu lesen angefangen, Mary Alice, die durch drei verstorbene Ehemänner eigentlich sehr wohlhabend ist, verdingt sich trotzdem mit einem Bill im Einkaufszentrum als Santa Claus und Weihnachtsfrau und tritt daher schon im blinkenden Santa Kostüm auf.
Patricia Anne, die Erzählerin ist Lehrerin im Ruhestand, glücklich mit Fred verheiratet, hat drei Kinder, von denen die Tochter Haley Ärztin ist und geht offenbar liebend gerne einkaufen und Weihnachten wird auch schon, wie in Amerika offenbar üblich, vorbereitet.
Am Abend treffen sich die Schwester in einer Galerie, wo Folk Art, die naive Malerei, gezeigt wird. Patricia Anne trifft dort ihre ehemalige Schülerin Claire wieder, die sie nicht mehr erkennt, denn damals war sie ein blasser Sozialfall, jetzt ist sie eine schwarzgefärbte Schöne und Assistentin der Galeristin und die wird in der Nacht ermordet.
Am nächsten Tag taucht Claire bei Patricia Anna auf, erzählt ihr, daß sie verfolgt wird und kippt um, als die Polizei erscheint. Sie wird auf die Psychiatrie gebracht und entkommt dieser. Die Wohnung ist verwüstet. Im Oberstock ist mehrmals das Wort Hure aufgemalt und ein paar naive Zeichnungen mit aufgepaarten weißgekleideten Frauen gibt es auch.
Der Klatsch der Kleinstadt ist beträchtlich und Patricia Anne bekommt die Informationen von ihren Freundinnen, der Ehemann der Galeristin wird einvernommen, der Mord ist durch Digitalis, der mit einem Haarspray verabreicht wurde, passiert und dann gibt es auch einen Kunstkritiker, den die Galeristin sehr hasste, der ausgerechnet am Begräbnistag erschossen wird.
Inzwischen fahnden die Schwestern nach Weihnachtsbäumen, gehen vegetarisch essen, bringen Mary Alice kranke Katze in eine Pferdeklinik, weil Patricia Annes Tochter ihnen erklärte, daß der Mord mit einem Mittel passierte, das den Tierärzten sehr gebräuchlich ist.
Eine bekannte Quiltkünstlerin suchen sieauch auf und erfahren, daß die Galeristen die naiven Maler ordentlich ums Ohr hauen und, daß die das auch so wollen.
Die schöne Claire hat auch zwei genauso schöne Zwillingsschwestern, die von Paricia Anne betrunken aufgelesen werden, als sie in der Bibliothek sich Einzelheiten über die beiden Toten zusammensucht. Sie hat dann auch eine Theorie, wie es gewesen sein könnte, die sie der Polizistin Bo Peep Mitchell erzählt, die sich aber als falsch erweisen, denn Claire Moon hatte, wegen Mißbrauch in der Kindheit eine gespaltete Persönlichkeit, good an bad Claire, das es so etwas gibt, bin ich skeptisch und war die Täterin und am Ende kommt die gesamte Familie, die Sexsklavin wurde inzwischen von Claires Pistole am Kopf verwundet, hat aber einen sturen Schädel, bei Patricia Anne zusammen, ißt Truthahn und Plätzchen, Verlobungen werden bekanntgegeben und die guten Stücke des Pekanuss-Kuchen werden verzehrt.
Wie beschrieben hat mich an dem Buch die Schilderung des amerikanischen Way of life fasziniert. Claire soll ins Krankenhaus und die Sanitäter fragen zuerst nach der Versicherung, als die unklar ist, soll sie in eine kariative Einrichtung, die aber laut Sanitäter auch eine „ausreichende medizinische Versorgung“ hat und Mary Alice muß für sie bürgen, damit sie in ein besseres Krankenhaus kommt. Fernsehen, Fastfood und Diät Cola wird ständig konsumiert und Aspirin, das Anne Patricia bevorzugt schluckt.
Eher ungewöhnlich für österreichische Verhältnisse, auch, daß der Weihnachtsbaum mit den Geschenken schon Wochen vor dem Fest aufgebaut wird, aber ich hole meine Dekorationen ja auch schon am ersten Dezember aus dem Keller. Die Krimihandlung ist ein wenig klischeehaft, amusant, daß die Heldinnen, die sich oft irren und die Krimihandlung auch in Frage stellen, zwei „alte Schachteln“ genannt werden, obwohl ich Frauen zwischen sechzig und fünfundsechzig nicht so bezeichnen würde und, daß sie zwischen amerikanischer Provinz und Kunstbohemien hin- und herschwanken.
Köstlich ist das erzählt, ebenso die Schilderung der naivien Kunst, die ich eigenlich nur aus den Mickey Mouse Heften kenne, die ich vor Jahrzehnten gelesen habe, weil es da ja eine Oma gibt, die so malte und ganz besonders tragisch ist, sich vorzustellen, daß während ich das las und es in amerkanischen Provinstädtchen ähnlich weihnachtlich mit Santa Claus etc Beleuchtung zuging, ein Zwanzigjähriger mit dem Sturmgewehr seiner Mutter in eine Schule drang und eine Reihe Kinder sowie sechs Lehrerinnen erschoß.

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