Literaturgefluester

2013-01-31

Der Geschichtenerzähler

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:18

Jetzt kommt noch ein Nachtrag auf meiner Bücherliste, nämlich die „Eine STADT- ein Buch“ – Aktion von 2011, „Der Geschichtenerzähler“ vom Nobelpreisträger des Jahres 2010, des 1936 in Peru geborenen Mario Vargas Llosa, das im Oktober 2011 in der Hauptbücherei vergeben wurde. Ich bin hingegangen, habe mir das Buch abgeholt und es ist auf die Leseliste von 2013 gekommen. Inzwischen steht noch „Der Hauptmann und sein Frauenbataillon“ darauf, aus dem Bücherschrank, das ich demnächst lesen werde.
Weil Vargas Llosa im Oktober nach Wien gekommen ist, vielleicht in Verbindung mit Frankfurt, wurde das Buch nicht auf der Buch-Wien, wie die letzten anderen, vergeben und es gibt auch kein Interview im Buch, nur der Abdruck der Nobelpreisrede und die ist auch sehr interessant. Spricht da der Autor ja über die Literatur, sein Leben in Paris und Spanien. Er lebt jetzt in Madrid und Lima, gibt allgemeine politische Einschätzungen und meint, daß er immer gern geschrieben hat, wie ihm seine Mutter erzählte, daß er schon früh, die Geschichten seiner Bücher fertiggeschrieben hat und seine Frau, die ihm managt, beklagt sich oft liebevoll „Mario, du taugst einfach nur zum Schreiben!“ und die Rede ist ein „Lob auf das Lesen und die Fiktion“.
„Der Geschichtenerzähler“, Vargas Llosas persönlichstes Buch, wie es irgendwo heißt, ist das vielleicht auch, denn da gibt es einen Ich-Erzähler, den man leicht mit dem Autor in Verbindung bringen könnte und der beschreibt, wie er 1987 nach Florenz fährt, um dort „Dante und Machiavelli zu lesen und die Malerei der Renaissance anzuschauen“ und in eine Galerie zu einer Ausstellung über Fotgrafien der Amazonas Region kommt. Der Fotograf ist schon gestorben, die Fotos sind auch nicht zu verkaufen. Es sind aber Bilder über den Machiguengas-Stamm, die keinen Kontakt zur Zivilisation halten und eines zeigt einen Geschichtenerzähler und das Bild löst so wilde Erinnerungen im Erzähler aus, daß er so oft in die Ausstellung kommt, daß ihm das Mädchen an der Kassa erklärt, daß sie schon vergeben ist.
Es ist aber nicht das magere Brillenmädchen, das ihm so aus der Fassung bringt, sondern die Erinnerung an einen Studienfreund, Saul Zuratas, jüdischer Abstammung mit einem riesigen Leberfleck im Gesicht, so daß ihn alle „Mascarita“ rufen, ihn anstarren und sich vor ihm fürchten.
Er trägt das in Fassung, der Ich-Erzähler pflegt deshalb zuzuschlagen und wird vom Freund zu mehr Gelassenheit gemahnt und da erzählt er ihm auch von dem Machiguengas-Stamm im Urwald. Eigentlich sollte er ja Jus studieren, er wählt die Ethnologie und verbringt seine Ferien im Urwald, um dort zu forschen, so daß seine Professoren entzückt über ihn sind und ihm ein begehrtes ausländisches Stipendium verschaffen.
Er lehnt aber ab, angeblich, um den Vater nicht allein zu lassen, vielleicht auch, weil er mit der Ausbeutung der Indiander durch die Ethnologen nicht einverstanden ist und der Ich-Erzähler macht einmal eine Exkusion in das Gebiet, lernt dort ein amerikanisches Ehepaar kennen, das dort missioniert und erfährt das erste Mal von den „Geschichtenerzählern“.
Das sind Leute, die von Familie zu Familie ziehen und durch ihre Geschichten den Stamm zusammenhalten, denn der will sich eigentlich nicht zivilieren lassen, hat seine eigene Riten und eine ist davon, daß alle mißgestalteten neugeborenen Kinder umgebracht werden und auch die Alten, wenn sie schwach werden, dem Tod überlassen werden. Der Ich-Erzähler spricht mit seinen Freund bei Schmalzbroten, seinem Lieblingsessen, er wollte nicht auf die Excursion mitkommen, darüber und sieht ihn dann nie wieder, denn er geht jetzt ins Ausland und später hört er, er wäre mit seinem Vater nach Israel imigiriert.
Dazwischen kommen Kapitel von dem Geschichtenerzähler, die über die Mythen, Sitten und Gebräuche des Stammes erzählen, die nicht leicht zu verstehen sind.
Im zweiten solchen Kapitel wird aber ein Papagei erwähnt, den der Geschichtenerzähler auf der Schulter hat und Saul Zuratas hatte einen solchen.
Der Ich-Erzähler will über den Geschichtenerzähler schreiben, tut sich aber mit der Form schwer, so kommt er nach Peru zurück, erfährt, daß Saul vielleicht gar nicht nach Israel gegangen ist und macht sich noch einmal in den Urwald auf. Da gibt es jetzt zwei Dörfer, wo sich auch Lehrer um die Eingeborenen kümmern, als er die nach dem Geschichtenerzähler fragt, geben sie keine Auskunft, das amerikanische Paar erzählt aber, sie hätten zweimal einen gesehen und der zweite hatte einen Leberfleck auf der Wange.
Dann kommt noch ein Geschichtenerzählerkaptitel, da wird von dem erzählt, der die Hirschkuh essen wollte, was verboten ist, weil die Inkarnation des Stammes, er tut es trotzdem und wird von Hirschen umzingelt, so daß er sich nur noch auf einen Baum flüchten kann.
Von einem Vogel wird auch erzählt und dann erzählt der Geschichtenerzähler, daß er selbst mit dem Leberfleck geboren wurde und erzählt auch die Geschichte von dem mißstalteten Papagei auf seiner Schulter.
Dann geht es wieder nach Florenz zurück, der Ich-Erzähler besucht die Galerie und beschließt den Geschichtenerzähler für Saul zu halten und seine Geschichte wird nun auch erzählt bzw. geschrieben.
Ein interessantes Buch, umsomehr, da ich ja erst vor kurzem eines von einem Urwald gelesen habe.
Judith Oliva vom „Vom Schreiben und vom Lesen“, schreibt, daß es ihr nicht so gut gefallen haben und, daß das Buch kein typischer Roman ist, spannend habe ich es schon gefunden und jetzt bin ich natürlich auch auf das andere Vargas Llosa Buch sehr neugierig.

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2013-01-30

Geburt und Sterben

Filed under: Uncategorized — jancak @ 22:28

„Die Wurzel trägt dich“ – Eine Anthologie über das Leben und das Sterben, eine Fotoausstellung über die ehemalige Semmelweisklinik, die Interaktion zwischen Mutter und Tochter, die die eine als eher schwierig, die andere als zufällig erlebte, macht es möglich und Mechthild Podzeit-Lütjen, die Autorenkollegin, die ich von der Frauen lesen Frauen Gruppe des ersten Wiener Lesetheaters kenne und die ich auch zu den Mittleren I, damals noch im Literaturhaus, eingeladen haben, hat mich auf die Veranstaltung aufmerksam gemacht, aber wahrscheinlich wäre ich ohnehin in die Gesellschaft für Literatur gekommen, obwohl es auch eine interessante Veranstaltung in der Alten Schmiede gab.
Milena Michiko Flasar und Cornelius Hell lasen ihre Texte aus der Anthologie, die Herausgeberin, die von Gert Jonke und Gerhard Ruiss und Marianne Gruber leitete die Veranstaltung gewohnt wortreich ein.
Beim Hinaufsteigen in den zweiten Stock kurz nach sieben, war ich nicht ganz sicher, ob ich, ob der doch sehr prominenten Besetzung, einen Platz bekommen würde, dann war es aber gar nicht so voll, aber doch ein paar Autorenkollen, die teilweise auch ihre Texte in der Anthologie hatten.
Marianne Gruber erzählte etwas von Ignaz Semmelweis, dem Retter der Mütter und der Absiedlung der Frauenklinik, dann kam Milena Michiko Flasar, die Marianne Gruber vorher nach ihrer unbekannten japanischen Mutter fragte und sie las auch einen Auszug aus ihrem zweiten Buch“Okaasan“ wo die Tochter Franhziska ihre japanische Mutter durch den Alzheimer und wahrscheinlich auch das Sterben begleitete.
Dann folgte Cornelius Hell, der Übersetzer und Literaturkritiker, wie ihn Marianne Gruber einleitete, der auch einige Bücher über Budapest und Vilnius geschrieben hat.Er las seinen Text „Nachmittag eines Übersetzung“, in Anlehnung an Handkes Schriftsteller und schildert den Sommer 2010, wo er in Vilnius in einem Cafe saß und Renata Serelytes „Blaubarts Kinder“ übersetzte und dabei über das Wort „Kinderheim“ stolperte, das bei ihm heftige Assoziationen auslöste und daran erinnerte, daß er rechtzeitig zu seiner kleinen Tochter nach Hause müsse, damit die nicht vielleicht in zwanzig Jahren über die Traumatisierungen ihres Vaters schreiben würde.
Eine österreichische Reisegruppe der er bei der Bestellung helfen mußte ist auch noch vorgekommen und das löste bei mir natürlich die Assoziationen aus, wie schwer ich mir beim Lesen des Buchs getan habe, an den Samstag in Litauen und die zwei Stunden, die wir durch Vilnius gegangen sind und den Nachmittag in Wigry, wo ich entdeckte, daß ich ja ohnehin alle nötigen Informationen über Renate Serelyte schon seit 2002 hatte.
Assoziationen zur Wiener Semmelweisklinik bzw zu meiner Hausgeburt gibt es natürlich auch und Mechthild Podzeit-Lütjen, die vorher ein kleines Gedicht gelesen hat, das sie dem Buch als Motto voranstellte, las dann zwei Texte Jonkes, einen, wo es um den Tod seines Sohnes und dann einen, wo es um die eigene Geburt im Klagenfurter Krankenhaus und den unwilligen oder willigen Portier, der seine Mutter dann doch durch den Nebeneingang hineingelassen hat, ging, vor.
In dem Buch gibt es Texte von Rolf Schwendter, Birgit Schwaner, Erika Kronabitter, Friederike Mayröcker, Hanrei Wolf Käfer, Manfred Chobot, Christa Nebenführ u.u.u.
Marianne Gruber wies dann noch auf die Tochter Tirza, in der Semmelweisklinik geboren und dort auch als Krankenschwester tätig, später Studium der Fotografie und auf die Fotoausstellung hin, die man sich bei einem Glas Wein ansehen konnte. Ich habe es getan und auch zwei interessante Gespräche mit Tirza Dominika Podzeits Lehrerin und einer anderen Fotografin und Cornelius Hell Fan geführt.
„Kann sein, daß der Ort der Geburt eine Rolle spielt?“, steht im Programm, wahrscheinlich schon oder auch nicht, denn den können wir uns nicht aussuchen und werden höchstwahrscheinlich doch von ihm geprägt.
„Die Wurzel trägt dich“, ist in der Edition Art and Science dem Verlag des Raimund Bahr, der früher Kremlicka geheißen hat, was auch eine Art der Verwandlung ist, wie es im Programmtext weiter heißt.

2013-01-29

Gedichtete Kurzschrift

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:22

Wieder einmal war es etwas schwierig rechtzeitig in die Alte Schmiede zu kommen, obwohl ich nur zwei Stunden, eine Diagnostik und eine Befundbesprechung hatte, es packte mich aber der Ehrgeiz noch zwei Blogartikel zu verfassen, war doch Vargas Llosas „Geschichtenerzähler“ zu besprechen und dann wollte ich auch wieder eine literarische Plauderei von mir geben und so bin ich zwischen meinen Stunden in der Küche gesessen und habe am nicht abgeräumten Mittagstisch geschrieben und geschrieben, der Befund war noch nicht fertig, ein Test nicht ausgewertet und in der Alten Schmiede gab es um sechs wieder eine Stunde der literarischen Erleuchtung über einen ungarischen Nationaldichter mit Namen Attila Joszef, von dem ich, ach Schande, keine Ahnung hatte.
Über Michael Köhlmeier, der nachher aus seinen Gedichten „Der Liebhaber bald nach dem Frühstück“ lesen sollte, aber schon und so habe ich auch überlegt, ob ich nicht den Befund fertig schreiben und erst um sieben hingehen sollte. Das hatte ich auch vorige Woche, als der Klient erst um halb sieben aus der Praxis, als die sechs Uhr Veranstaltung längst begonnen war, gegangen ist, überlegt, bis ich herausfand, das er erst am 28. 1.ist. Zum Glück hat die Pflicht überwogen, ich lasse selten etwas liegen und zum Glück, habe ich diesmal, nach dem das „Neueste von der Indie-Front“ gebloggt war, das Geschirr gewaschen und bin losgezogen, denn der Köhlmeier ist ausgefallen und Michael Hammerschmid, der Priessnitz-Preisträger von 2009, der die Gedichte auf Deutsch las und kommentierte, hatte schon begonnen, als ich die Alte Schmiede erreichte, die eigentlich sehr voll war.
Er las gerade ein Gedicht, das in Originalsprache von einem jungen Mann namens Gabor Fonyad-Jöo, gelesen wurde und erzählte etwas über den Dichter, der 1905 in Budapest in sehr armen Verhältnissen geboren wurde und sich 1937, weil er depressiv war, das Leben genommen hat und der in Ungarn, als der „ungarische Majakovskij“ galt oder gilt, während ihn Michael Hammerschmid als den „proletarischen Hölderlin“ bezeichnete und meinte, daß er sowohl sehr poetisch als auch sehr realistisch, also eine Mischung zwschen Friederike Mayröcker, Ernst Jandl mit einer Spur Jura Soyfer wäre. Ich habe dagegen eher den Francois Villon in den Gedichtbeispielen entdeckt und einen Lebenslauf der als eine Art Bewerbungsschreiben verfaßt war, gibt es auch, wo er von der Armut seiner Kindheit schreibt, später besuchte er das Gymnasium, war Redakteur, hat in Paris und in Wien gelebt und sich 1937 am Plattensee vor einem Zug geworfen.
Michael Hammerschmid bzeichnete die Kurzschrift, die der Veranstaltung den Namen gab, als „Hochkraftwerk“ und „Tiefkraftwerk“ und meinte, daß Attila Joszef so den Bogen vom Kleinen zum Großen spannte. Er schien auch sehr selbstbewußt zu sein, hat er einigen seiner Gedichte doch seinen Namen gegeben und öfter auch auf sich Bezug genommen. Ein paar der Gedichte sind auch im Internet zu finden. So das Gedicht „Mama“, wo er die Mutter beschreibt, die um die Familie zu ernähren, der Vater, ein Seifensieder ist bald verschwunden, den ganzen Tag in fremde Häuser waschen ging und so nur wenig Zeit für ihn hatte „Nun pült sie die Wäsche im Himmelsblau und im Wind flattert ihr graues Haar.“
Das Gedicht „Mit reinen Herzen“ haben die Beiden auch gelesen. Allerdings scheinen sie eine andere Übersetzung, als die im Netz enthaltenen, zu haben, hat Michael Hammerschmid, ja den Schwung des „Klein- und Großgerichtes“ besonders gelobt, während im Netz etwas von „Den dritten Tag schon esse ich nicht, weder viel noch wenig“.
Michael Hammerschmid merkte auch an, daß man im Netz viel von Attila Joszef finden würde, während die Bücher eher vergriffen oder nicht auf Deutsch übersetzt sind. In Budapest gibt es ein Denkmal von ihm, das, wie Michael Hammerschmid erzählte, abgerissen werden soll, in Wikipedia konnte ich noch lesen, daß viele ungarische Straßen nach ihm benannt sind und ein paar der Denkmalabbildungen sind dort auch zu finden.

2013-01-28

Atomstation

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:13

Nun kommt mein Nachtrag zum Islandschwerpunkt von 2011, nämlich Halldor Laxness „Atomstation“, Band 162, der schönen rororo TB-Reihe mit dem Leinenbändchen und dem ästhetischen Titelbild, hier ein blondes Mädchen mit brauner Bluse, blauen Rock, einem Koffer und einem Blumenstrauß das in Richtung Berge geht, das ich irgendwann in den Bücherschränken gefunden habe, anläßlich der Buchmesse herauszog und auf die Leseliste setzte.
Eigentlich habe ich gedacht, es wäre schwer zu lesen, das war es dann auch irgendwie und irgendwie auch wieder nicht. Der Expressionismus des Nobelpreisträgers von 1955 ist zu erkennen, dann ist es wieder klar und einfach, der Gegensatz zwischen Stadt und Land, der unverbrauchten Natur und dem dekantenten Großstädtertum Reykjaviks. Ein Bauernmädchen kommt vom Land in die Stadt und tritt als Dienstmädchen in das Haus des Abgeordneten Bui Arland ein, der hat drei Kinder, eine Frau, die Ugla vor dem Kommunismus warnt, eine Köchin die einer amerikanischen Kirche verfallen ist, die Elektrizität im Haus und die Kinder haben ihre schönen isländischen Namen auch abgelegt, werden Dudu, Bobo und Bubu genannt und beginnen zu lachen, als Ugla ihnen erklärt, daß sie Organistin werden will.
Ugla wird von ihnen für sehr ungebildet gehalten, sie bezeichnet sich selbst auch so, war sie ja nur auf einer Haushaltsschule, sie benimmt sich aber äußerst selbstbewußt, sucht das Haus eines Organisten auf, wo sie auch einige interessante Bekanntschaften macht. Die Brotverkäuferin führt sie in eine kommunistische Zelle ein und verkauft ihr Lose für eine „Jugenburg“, die sie dann auch ihrer Familie während des Mittagessen anbietet, die beginnt ein zweites Mal zu lachen, die Frau zerreißt die Lose, der Abgeordnete gibt ihr das Geld dafür, hundert statt der erforderlichen fünfzig Kronen, da fragt Ugla ihn, ob sie ihm noch einmal Lose bringen soll?.
Der ältesteste Sohn wird am Abend betrunken von der Polizei nach Hause gebracht und in den Gang gelegt, der jüngere stiehlt Marder und die Tochter, von Ugla „Apfelblut“ genannt, wird zu Silvester schwanger, da ist die Mutter schon in Amerika, der Vater hat Ugla die Aufsicht über die Kinder übergeben, die feiern dann wilde Partys, um die Dekadenz zu zeigen und außerdem geht es auch um den Ausverkauf des Landes, heißt das Buch ja „Atomstation“ und wurde zwischen 1946 und 1947 unter den Einfluß des Abwurfs der Atombombe geschrieben und Island war 1941 auch von den Amerikaner besetzt, die für neunundneunzig Jahre einen Stützpunkt errichten wollen, so kommen Amerikaner in das Haus des Abgeordneten, er ist der Schwager des Ministerpräsidenten und verhandeln mit diesen, die Frau sagt Ugla, sie soll sich ihnen gegenüber benehmen und nicht „Guten Tag“ zu ihnen zu sagen, obwohl die dann sehr freundlich zu ihr sind und ihr Kaugummi schenken.
Auf der Straße gibt es Kundgebungen, die gegen den Ausverkauf des Landes und gegen den Bau einer Atomstation demonstrieren.
Ugla wird ebenfalls bald schwanger und kehrt aufs Land zurück, um dort ihre Gudrun zur Welt zu bringen, kommt dann aber wieder in die Stadt, will sich zur Kinderpflegerin ausbilden lassen und steht, wie in Wikipedia steht, „vor der Wahl zwischen einem Leben mit dem reichen Abgeordneten und dem einfachen Abgedordneten von dem sie das Kind bekommen hat“
Das Buch ist manchmal etwas surrealistisch, spricht von Atomdichtern, zitiert die Edda, die isländischen Götter, wechselt von der einen in die anderen Welt und am Schluß macht es Rowohlt noch vollends surreal, steht da doch auf der letzten Seite, wir erinnern uns die Rowohlt Taschenbücher der Fünfzigerjahre, hatten Werbungen, meistens ging es um Pfandleihen, hier um Lavendlwasser, „über Atomen sollten wir nicht vergessen, daß unser Leben auch noch von anderen Dingen beeinflußt wird, z. B. von einer guten, stilvollen Körperpflege mit Mouson Lavendl.“
Halldor Laxness hat für diesen Roman den Nobelpreis bekommen und mir hat die Figur der selbstbewußten Ugla natürlich sehr gefallen, vor allem am Beginn, später wurde es mir ein wenig zu surreal, sie ist vielleicht auch ein bißchen zu selbstbewußt, nämlich mit der Brille des Dichters, gezeichnet, die echten isländischen Bauernmädchen werden bei ihren Herrschatsfamilien vielleicht nicht so aufgetreten sein und werden sich ihrer auch nicht erwehren haben können. Einen klaren Eindruck vom sagenhaften Island der Fünfzigerjahre habe ich aber trotzdem bekommen und auch einen über den von 1902 bis 1988 lebenden Dichter.

2013-01-27

Wie Marilyn Monroe nach Kärnten kam

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:13

Von China geht es jetzt nach Kärnten bzw. nach Kolumbien und Edith Darnhofer-Demars „Ethno-Märchen in mehren Welten“ haben auch eine eigene Geschichte.
In dem Buch gibt es eine Widmung „Für Eva Jancak ein Blick in meine Heimaten.. Danke“ und die 1945 in Mauthen geborene Kultur und Wissenschaftsredakteurin, die auch Korrespondentin in und über Lateinamerika war, kenne ich von den GVs der IG Autoren und habe sie beim Dichter-Fasching der Gesellschaft für Literatur wiedergetroffen, diese Veranstaltung, die es einige Jahre in der Herrengasse gab, wo bei einem Buffet mit Krapfen, jeder lesen durfte, man sich auch verkleiden und vielleicht Faschingsscherze von sich geben sollte, aber so weit ich das beobachtete, haben dort die Autoren, mich inbegriffen, die sonst nicht lesen durften, ihre durchaus ernstgemeinten Texte vorgelesen und waren meistens auch nicht verkleidet.
Das heißt, Marianne Gruber hatte eine rote Zirkusjacke an und Heidi Pataki, die verstorbene GAV-Präsidentin, eine Armeemütze auf den Kopf.
Zweimal habe ich dort gelesen. Einmal einen Text aus „Zwischen Hütteldorf und Heiligenstadt“, weil da eine Szene am Opernball spielt, um den Faschingsbezug herzustellen und weil eine der handelnden Personen Marianne hieß, haben alle gelacht, wahrscheinlich weil sie dachten, es hätte was mit Marianne Gruber zu tun, was ein Irrtum war. Das zweite Mal ein Stück aus dem „Wiener Stadtroman“, da war, glaube ich, Heidi Pataki und Fabian Kulterer da, der inzwischen verstorben ist, Alfred hat fotografiert und Edith Darnhofer-Demar hat ihn um die Fotos gebeten, die ich ihr schickte.
20011 ist das ein Brief mit dem Buch gekommen, das ich offenbar zuerst in das Regal stellte und dann auf meine Leseliste. Jetzt habe ich die zwei Geschichten bzw., wie Edith Darnhofer-Demar schreibt, „die märchenhafte Abrechnung mit dem politischen Klima in Kärnten, verwoben mit einer von Marilyn Monroes Tod ausgelösten Erzählung aus meinem Lieblingskontinent Lateinamerika“ gelesen.
„Zwei Ethono Märchen in mehreren Welten“, steht unter dem Titel und dann geht es los mit „Es war einmal- Max im Glück“ und es geht nach Kolumbien. Da fährt ein Sekretär der österreichischen Botschaft in das kleine Dörfchen Lugar de Mary Lee, das am Fuß eines der Ausläufer der Anden liegt, um nach Maximillian Matschnig, einen Kärntner, wie man an der Schlußsilbe seines Namens erkennen kann, zu suchen.
Der hat sich nach seiner Matura auf eine dreiwöchige Amerikareise machen wollen und ist in dem kleinen Dorf hängen geblieben, bzw. verschwunden. Die Eltern wandten sich an die Botschaft, jetzt soll der Sekretär ihn suchen und fährt hin, quartiert sich in einem Hotel ein und liest zuerst Max Briefe an die Eltern. Da geht es um die Amerikanerin Mary Lee King, die mit einem Doktor in die Gegend kam, das Dorf und eine Art Sekte bildete, ein Spital und ein Gesundheitszentrum und am Sonntag pflegt sie auch zu predigten.
Max machte dort ein Tischlerlehre, hörte irgendwann auf zu schreiben und der Sekretär erfährt, daß er ausgerechnet am fünfzehnten August, dem Marienfeiertag verschwunden ist. Der Sekretär recherchiert und bekommt mehrere Geschichten zu hören, der Pfarrer ist von der Predigerin entsetzt und nennt sie eine Hexe, eine andere, die Max seiner Mutter schreibt, ist, das Mary die Reinkarnation von Marilyn Monroe sein soll und der Student sollte vielleicht am 15. August der Sekte geopfert werden, bzw. der sechzigjährigen Mary als Liebesopfer dienen. Der Sekretär erleidet einen Schwächeanfall, als er den heilenden Schrein der Maria Lionza besichtigt, beschließt dann den Eltern einen Abschlußbericht zu schreiben und tritt seinen Heimaturlaub nach Kärtnen an.
Das zweite Märchen „Es wird einmal-Die versäumte Wallfahrt“, ist viel mystischer und hat sich daher der Realistin nicht ganz erschlossen, geht es da ja in das Kärntner Bodental, handelt von der Göttin Bodh, Elfen, einem Rabenrat, Frau Perchta, den Bergmandln und noch allerlei anderen mythischen Gestalten, bevor plötzlich der pensionierte Botschaftsrat in Erscheinung tritt, in den Gestalten Marilyn Monroe und Max Matschnig erkennt und der verunfallte Landeshauptmann Haider tritt ebenfalls auf.
Edith Darnhofer-Demar Brief hat mir den politischen Bezug des Ganzen ein bißchen erschlossen, ansonsten kenne ich mich, wie ich fürchte, in der Kärntner mythischen Landschaft nicht so aus, die Geschichte von dem verschwundenen Studenten war aber höchst spannend, umsomehr da Edith Darnhofer-Demar auch noch einige Auslüge in das Matriarchat macht und im Anhang Literaturhinweise gibt und ich darf wieder ein Stückchen, der eher unbekannte österreichischen Gegenwartsliteratur, der interessierten Öffentlichkeit vorstellen. Das Buch ist 2010 in der Edition Meerauge, des Verlags Johannes Heyn erschienen.

2013-01-26

Das gesprengte Grab

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:45

Weiter geht es mit den Erzählungen aus China, ist da nämlich eine DDR-Ausgabe von 1989, Verlag Neues Leben, Berlin, „Das gesprengte Grab“, herausgegeben, übersetzt und mit einem Nachwort versehen von Ernst Schwarz zu mir gekommen.
Und passt auch ganz gut zur Lektüre von Zhang Jies „Schwere Flügel“, setzen die sechs ausgewählten Geschichten ja bei der Kulturrevolution an und Ernst Schwarz erzählt in seinem Nachwort auch ein bißchen über die chinesische Literatur nach 1942, wo Mao mit einer Rede einen „Markstein für die neue Literatur setzte“ und sie von der bisherigen „gestelzten Intellektuellensprache“ sehr absetzte.
Zhang Jie kommt in Schwarz Literaturgeschichte nicht vor und Ernst Schwarz ist auch besonders interessant, habe ich beim Googlen, im Buch gibt es keine biografische Angaben über ihn, herausgefunden, daß er ein 1916 in Wien geborener Österreicher ist, der Ägyptologie und Medizin studierte. Nach dem Anschluß mit seinem Bruder nach Shanghai gehen mußte, dort im Selbststudium Chinesisch lernte und 1960 in die DDR kam. Dort war er Lektor an der ostasiatischen Abteilung des Humboldt Instituts. 1993 kam er nach Wien zurück, wo sich seine Tätigkeit für die Stasi herausstellte, 2003 ist er im Waldviertel gestorben. Außer dem „Gesprengten Grab“ hat noch viele andere Anthologien und Übersetzungen herausgegeben und 1992 die Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien in Gold erhalten.
Interessant, interessant, hätte ich den Herausgeber doch eher für einen Verlagsmitarbeiter gehalten.
Ernst Schwarz hat sechs Autoren für seine „Erzählungen aus China“ ausgewählt, die erste „Die Witwe“ stammt von dem 1934 in Hangzhou geborenen Zhang Xian, über dem ich im Internet nichts finden konnte und die Geschichte ist ein Brief einer Witwe an ihren offenbar bei der Kulturrevolution umgekommenen Mann Weiming. Inzwischen sind die beiden Kinder erwachsen geworden, heiraten oder studieren, Weiming wurde rehabilitiert, seine Witwe ist zur Frau Direktor und in Amt und Würden bestellt worden. Nur rührt sich jetzt der Liebestrieb und sie will nicht eine jener alten Witwen werden, „die jeden Abend einen Sack Münzen verschütten und ihn wieder aufsammeln, um in Ruhe schlafen zu können.“ Sie hat sich in den Postboten verliebt, der ihr solange und getreulich die Zeitungen brachte. Sie möchte ihn auch heiraten, aber das geht doch nicht, daß sie die Ehre des rehabilitierten Genossen damit schändet, seine Mutter hält auch nichts davon und die Kinder drohen ihr, dann nicht mehr mit ihr zu reden.
Auch über den 1957 ebenfalls in Hangzhou geborenen Li Hangyu von dem die Titelgeschichte stammt, konnte ich im Internet nichts finden und seine Geschichte handelt von einem Grabraub. Das Grab von Shen Futai, einem ehemaligen Kaptialisten, der es mit den jüngsten Mädchen trieb, soll von Studenten zur „Beseitigung der vier alten Übel“ gesprengt werden. Da schaltet sichder „Knoblauchbruder“ Asan, der alter Grabräuber ein, verbindet sich mit den Bootsleuten, die vom Fäkalien beseitigen leben, sie mieten sich ein Boot, gehen noch einmal in den ehemaligen Hof des Kapitalisten, der jetzt eine Kontaktstation der roten Garden ist, Mittagessen, dann machen sie sich zum Grab auf, offenbar wurden den chinesischen Gräber große Schätze beigegeben, die sie nicht den Studenten überlassen wollen. Das Ganze wird sehr interessant, spannend und witzig erzählt und am Ende finden sie natürlich nichts.
Von dem 1928 geborenen und 2005 verstorbenen Lu Wenfu findet sich etwas in Wikepedia und sein „Brunnen“ ist eine erstaunlich aktuell und berührend klingende Geschichte einer Frau die zwischen Reaktion und Revolution zerreiben wird und schließlich trotz aller Emanzipation und Tüchtigkeit ins Wasser gehen muß, weil der Klatsch und die Intrigen sie nicht hochkommen lassen. So heißt das erste Kaptiel auch „Aktuelles aus der Zentralestelle für Neuigkeiten“ und das ist ein Brunnen in der Dong-Huija-Gasse zu deren die Frauen und Mädchen Wasserholen kommen, weil die Häuser noch nicht an die Leitungen angeschlossen sind. Sie tauschen sich über alle Neuigkeiten aus und da gibt es das Haus von Zhu Sheng, der eigentlich aus einer Gelehrtenfamilie kommt, aber das Kunststück zusammenbringt nach der Revolution als arm und aus der Arbeiter eingestuft zu werden. Jetzt sucht er eine Frau, die sowohl schön und gebildet ist, als sich auch als billige Sklavin verwenden läßt und die ist Xu Lisha. Hochschulabsolventin aber aus der Bourgeoisie stammend, so bekommt sie nur einen untergeordneten Posten in einer kleinen Fabrik im Bezirk und muß dort, weil der Leiter sie abhärten will, die Flaschen waschen. Da nimmt Sekretär Zhu Sheng sich ihrer an, verschafft ihr eine bessere Stelle, einen guten Sessel und eine Kochplatte, weil zur Zeit des „großen Sprunges“ Hungersnot in China herrschte und macht ihr von seiner Mutter unterstützt, einen Heiratsantrag, weil man bei „der Liebe zu einem Fräulein so vorgehen soll, wie man Tauben zu füttern pflegt. Zuerst locken und dann im richtigen Moment zupacken und den Hals umdrehen.“
So wartet zuerst ein schönes Vorstellungsessen, dann soll Xu Lisha, ihren Lohn abgeben, für die Mutter einkaufen, kochen, etc, sie wehrt sich mit allen Kräften trotz aller Ratschläge, der Frauen von der „Zentralstelle“ und bekommt einen Prügel nach dem anderen vor die Füße geworfen. Schafft es trotzdem sich hochzuarbeiten, ein Medikament zu entwickeln, soll auch ins Ausland fahren, etc. Da kommen dann wieder der Ehemann, die Intrigen und die alte chinesische Moral ins Spiel und am Schluß landet Xu Lisha im Brunnen und die Zentralstelle für Nachrichten wird verlegt.
Die 1953 geborene Rgisseurin Wang Zhebin, die offenbar auch bei der Verfilmung von „Balzac und die kleine chinesische Schneiderin“ mitgewirkt hat, erzählt in „Die Wahrheit über einen Liebesbrief“ über die Aufregung die ein Liebesbrief bei einer Bergbaubrigade auslöst, er soll kritisiert werden. Am Schluß stellt sich heraus, daß Marx selbst ihn geschrieben hat.
Der 1934 in Beijing geborene Wang Meng war Kulturminister, hat ein paar berühmte Romane geschrieben und ist auch 2009 in Frankfurt aufgetreten. In „Spiel der Verwandlungen“ erzählt er die Geschichte einer Gutsherrenfamilie nach 1949. Der Vater Ni Wucheng war Schuldirketor und jongliert sich dann bis zu seinem Tod als eine Art chinesischer Don Quijotte oder Bockerer durch die Kulturrevolutionen. Zitiert immer Marx und Engels und will alles revolutionieren, nur stellt er sich schrecklich ungeschickt dabei an und will auch ständig in den Restaurants essen, was als verboten oder unschicklich galt. Die Großmutter sagt „Euer Gnaden“ zu den Rotgardisten und muß dafür ihr schmutziges Fußwaschwasser austrinken und der Sohn der die Geschichte miterlebt, kommt auch nicht ungeschoren davon.
Feng Jicai, 1942 in Tianjin geboren, erzählt in „Abschied im Nebel“, die Geschichte von Jian Mei, der er „Fräulein“ nennt, obwohl sie verheiratet ist. Ein Schriftsteller kommt zu einem offiziellen Aufenthalt nach London, hat eine Betreuerin und einen Terminplan, nützt aber die erste Gelegenheit Jian Mei anzurufen, die er kennenlernte, als er ein vierundzwanzigjähriger Journalist und sie ein vierzehnjähriges aufstrebendes Klariertalent, Tochter eines Musikprofessor und einer berühmten Pianistin, war. Sie spielte ihm vor, erklärte selbstbewußt „Ich werde besser als meine Mutter“, er schrieb einen Artikel über sie. Dann kam die Kulturrevolution. Die Mutter nahm sich das Leben, das Klavier wurde versiegelt, nach der Reform bat der Bruder den Journalisten sie zu heiraten, damit er sie los würde. Jang Mei, die nicht mehr Klavier spielt, lehnte ab, verlobte sich mit einem Jungen, den sie in der Brigade kennenlernte, der sie aber sitzen ließ, um die Tochter eines Ministers zu heiraten, so daß sie mit einem um fünfzehn Jahre älteren Mann, den sie erst einen Monat kannte, zuerst nach Hong Kong, dann nach London kam. Jetzt lebt sie allein in China Town, ist Kellnerin, hat ihren Boß im Bett, nennt den Journalisten zynisch „mein kleiner Marx“, verspielt ihr Geld in Pferdewetten und packt einen Koffer mit Geschenken für ihre Familie, obwohl sie nur ein schäbiges Zimmer und wahrscheinlich keine eigenen Möbel hat und einen Engländer muß sie demnächst auch heiraten, um die Staatsbürgerschaft zu erhalten.
Als der Aufenthalt des Schriftstellers vorüber ist verabschieden sie sich im Nebel. Am Flugplatz hört er noch, daß sie einen Autounfall hatte und in Peking denkt er daran, was alles anders geworden wäre, wenn sie dort geblieben wäre? Ja, denke ich 2013, ohne Kulturrevolution wäre sie wahrscheinlich Pianistin geworden, aber höchstwahrscheinlich frustriert, weil doch nicht an die Spitze gekommen, medikamentensüchtig, depressiv u u u, aber das hat Feng Jicai 1989 vor der Wende höchstwahrscheinlich nicht gemeint.
Ein sehr interessantes Buch von dem ich viel gelernt habe und das ich jeden nur empfehlen kann, höchstwahrscheinlich wird es aber nicht mehr zu bekommen sein, hat man ja, wie ich hörte, 1989 all die Aufbau und Neue Welt Bücher in die Erde gesteckt und verderben lassen.
Inzwischen habe ich im Bücherschrank auch ein englischsprachiges Penguin Büchlein „The chinese Literatur Szene“ mit lauter fröhlich dreinschauenden Chinesen in den blauen Mao-Anzügen Helmen und Mützen, die begeistert die kleine rote Bibel in der Hand halten, gefunden, Glück muß man haben und kann mich, wenn ich will, noch ein bißchen weiter mit der chinesischen Literatur beschäftigen. Pearl S. Buck, die ich bisher nicht erwähnte gibt es in den offenen und in den Schränken meiner Eltern auch und da kommt ja bald das „Über allem die Liebe“ daran.

2013-01-25

Kakao

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:27

„Kakao“ Roman aus dem brasilianischen Urlaub von Jorge Amado, stammt aus dem berühmten Büchergilde-Gutenberg-Bücherschrank meiner Eltern, eines der Bücher, das ich jetzt unbedingt auflesen will und der Name des von 1912-2001 lebenden brasilianischen Autors auch brasasilanischer Hugo oder Balzac genannt, der mehrmals für den Nobelpreis vorgeschlagen wurde, war mir auch nicht unbekannt, als ich 2005 war das wahrscheinlich, meinen Bücherkatalog gegründet habe, nachdem ich Thomas Bernhards „Holzfällen“ in den Regalen nicht mehr fand, habe ich mir ja einmal, als ich von der HNO- Klinik, wo ich vier Jahre Assistentin war, nach Hause bzw. mit dem Alfred Wandern ging, in der lateinamerikanischen Buchhandlung in der Schwarzspanierstraße „Die Auswanderer von Sao Fransisco“ in einer Neuausgabe gekauft und war von dem scharfen Ton, in dem da die Unterdrückung der brasilianischen Landlosen am Beispiel einer Familie, die auswandern will, aber von einem desillisiuonierten Arzt nicht durch die Gesundheitskontrolle gelassen wird, weil der sich an der hübschen Tochter erfreuen will, höchst beeindruckt.
Jetzt also „Kakao“, den Roman aus dem brasilianischen Urwald, gelesen, der genauso beeindruckt, genauso scharf geschrieben ist und die Handlung und die Figuren aus einer erstaunlichen Perspektive schildert, die neu und erstaunlich klingt.
Jorge Amado ist der Sohn eines Kakaoplantagenbesitzers, besuchte die Jesuitenschule, war mehrere Jahre Hilfsarbeiter auf Plantagen und hat früh zu schreiben begonnen, weiß also, wovon er erzählt und „Kakao“ ist in mehrere Teile gegliedert.
Im ersten Teil, „Das Schiff“ werden die handelnden Personen auf ihrer Fahrt zu dem Urwald, der zu einer der größten Kakoplantagen“ umgerodet werden soll, vorgestellt.
Im zweiten Teil wird „Der Urwald“ selbst vorgestellt. In den ersten Kapiteln werden die Menschen geschildert, die sich mühsam den Weg schlagen und die Geister, die sie verfluchen, weil sie sie nicht eindringen lassen wollen.
Dann geht es zu Oberst Horacio, einem der Grundbesitzer, der von den größten Plantagen träumt, er hat eine junge Frau Ester, von frommen Schwestern erzogen, die ihr den Traum von Paris und schönen Kleidern lehrten, jetzt sitzt sie im Urwald vor einem verstimmten Klavier und hat Angst vor dem Wald hinter ihr, bzw, den Schrei der Frösche, die von Schlangen verschluckt werden. Sie hat bei ihrem Mann auch nichts zu lachen, pflegt er sie doch nicht nur wild zu nehmen, sondern auch die kleinen Tagelöhner, um ihr Geld und ihr Leben zu bringen und so eilt ihm der fürchterliche Ruf voraus, mit dem Teufel im Bund zu sein, in einem Land, wo auch die Pfarrer nichts zu lachen haben und nur die Grundbesitzer segnen können, auch wenn sie aus falschen, nämlich protestantischen Bibeln beten.
Das tun nämlich Oberst Horacios Konkurrenten, die Brüder Juca und Sinho Badaro, die mit Sinos Tochter Don`Ana in einer ähnlichen Umgebung leben, ein Bild mit blonden Hirten und einer europäischen Landschaft hängt an der Wand, weil sich das die resche Don`Ana, die Mutter ist gestorben und die Tante weigert sich, es länger als einen Monat im Urwald aufzuhalten, umsomehr als ihr Mann sie nach Strich und Faden betrügt, so wünschte und draußen stehen die Bravos, das sind die Vorarbeiter oder Securities, die mit der Waffe umgehen können und daher dazu auserwählt werden, jeden der sich ihren Herren entgegensetzt niederzuschießen.
Ein solcher ist Firmo, der sich weigert, sein Stück Land an die Brüder zu verkaufen, so muß er sterben und der „Neger“ Damiao, der beste Schütze weit und breit, soll ihn niederschießen. Nur leider hat er vorhin seinen Herrn Juca fragen hören „Glaubst du, daß es recht ist, Leute umzuubringen?“, er wußte es dann schon vor sich zu rechtfertigen, bringt den armen Damiao, der nur bis fünf zählen kann, aber damit in Gewissensnöte, so daß er daneben schießt und das löst die Katastrophe aus, denn jetzt beschließen die beiden Konkurrenten zu handeln und den Urwald an sich zu bringen.
Der dritte Teil „Die Geburt der Städte“ beginnt mit der Patrabel der schönen Schwestern Maria Lucia Violetta, die dasselbe Leben führten und dasselbe Lachen hatten, die eine wird vom Gutsherrn genommen und bekommt ein Bett aus Zedernholz, die zweite vom Verwalter im Eisenbett, die dritte begleitet ihren Mann auf Feld der Kakaopflazungen, am Ende landen alle drei im Freudenhaus, der Städte, die auf Horacios Boden entstehen, Ferradas und Tabocas entstehen und haben zwei Ärzte und Zahnärzte, die den geteilten Lagern der Kontrahenten angehören und sieben oder acht Rechtsanwälte, die die Enteignungen ausschreiben. Ein paar Schneidersalons „Zur Pariser Schere“ gibt es auch und die üblichen Intrigen und Betrügereien. die Badaro Brüder schicken schon die Landvermesser, während Oberst Horacio durch seinen Rechtsanwalt, der ihn auch mit seiner Frau betrügt, ein besonderer Coup gelingt.
Im vierten Teil „Das Meer“ wurde nach einem Vorspiel in einer Hafenkneipe, das Gerichtsgebäude mit den Dokumenten abgebrannt, so daß die Badaro-Brüder einen fadenscheinigen Vermesser, der eigentlich ein Kartenspieler ist, ins Land holen und im fünften Teil kommt es zum „Kampf“, dabei wird geheiratet und gestorben. Ester stirbt an der Malaria und Juca wird von einem von Horacios Bravos erschossen, der schließlich bei einem Prozeß freigesprochen wird.
Im sechsten Teil „Der Fortschritt“ genannt, endeckt Horacio Dr. Virgilios Briefe an Ester und läßt ihn liqudieren, ansonsten beginnen die Kakaobäume Früchte zu tragen.
„Mit riesenhaften Früchten waren die Bäume vom Stamm bis zu den höchsten Zweigen beladen, mit Früchten von einer Größe, wie man sie bisher noch nie gesehen hatte, Früchte der esten Kakaobohnen der Welt, Früchte einer blutgetränkten Landschaft“
Damit schließt der Roman und wir können uns zu einem Glas der guten Zotter-Schokolade zurückziehen und vergleichen wir das Buch beispielsweise mit den Brunngraber-Romanen, fällt auf, daß Jorge Amado das Erzählen versteht, das manchen der älteren Romane, die inzwischen etwas langatmig wirken, abgeht. So daß zu hoffen ist, daß das Buch vielleicht, wenn im Oktober Brasilien Gastland in Frankfurt ist, neu wird und in Ex Libris wurde am Sonntag „Die Werkstatt der Wunder“ vorgestellt und erklärt, daß Jorge Amado in Deutschland lange als exotisch-erotisch Unterhaltungsschriftsteller berühmt war.

2013-01-24

Hundsturm neu, fast verpasst

Filed under: Uncategorized — jancak @ 21:55

Heute gabs neben meiner üblichen Abendstunde wieder Terminkollissionen, nämlich um halb neun in der alten Schmiede Alfred Paul Schmidt liest aus dem „Buch der Schläfer“, das wäre sich ausgegangen und da war ich vor zwei Jahren bei einer interessanten Veranstaltung und habe inzwischen auch eines seiner Bücher gelesen, dann kam aber ein Kärtchen ins Haus an die sehr geehrten Margaretner mit der Einladung zur Neueröffnung des Hundsturms in Wien Margareten, der Hundsturm ist eine Margaretner Bezirkssteil aber auch eine Zweigstelle des Volkstheater, das irgendwie nicht so funktionierte oder jetzt neuorganisiert wurde und heute gabs eine Eröffnungsveranstaltung mit freien Eintritt, Glühwein und Kartoffeln mit Ebow, Yasmin Hafdeh, Isabella Kresse, Jörg Lukas Mattaei, Judith Nika Pfeiffer, Dietmar Wagner u. a. m., wie am Progamm stand. Klingt irgendwie interessant und literarisch habe ich gedacht und ignoriert, daß es schon um sieben begonnen hat, bzw ist „ab“ auf dem Prgramm gestanden und „nachher winkt natürlich eine Party“, also muß es passen und Werbung wurde auch sehr viel dafür gemacht.
Im Falter ist etwas darüber gestanden, heute war etwas im von „Tag zu Tag“, allerdings ist es da eher um die Parkbetreuung gegangen, auf dem Zettel steht aber auch etwas von einem „intersiziplinären und nachhaltigen Arbeiten, bzw. gleichberechtigten Produzieren mit Theater und Musik, Tanz und Streetart.“ Morgen gibt es etwas mit Renald Deppe, am Samstag unter dem Titel „Ankommen“ einen psychogeographischen Hundsturm-Parcours und am Sonntag einen Brunch allerdings alles mit Eintritt.
So bin ich heute nach meiner Stunde hingegangen, habe vor dem Tor des ehemaligen Eisenbahnerheim-Kinos einen Kartoffelpuffer und nachher noch Maroni gegessen. Glühwein habe ich keinen gesehen, ein paar meist jüngere Leute waren da. Michael Schottenberg stand auch irgendwo herum, obwohl der neue Ort, glaube ich, von Wolfgang Schlag geleitet wird und im Veranstanstaltungssaal lief gerade eine Video mit Edith Klinger. Von einem Tisch konnte man sich irgendwelche Mützen oder Bänder ausborgen und sich in Hundepose fotografieren lassen.
Die Anspielung zum Hundsturm, habe ich erst jetzt beim Betrachten des Programmes veranstanden. Der Poetry Slam und der Hipp Hopp waren wohl schon vorbei.
So bin ich eine Weile herumgestanden bzw.auch wie am Samstag „treppauf und treppab“ gegangen, habe geschaut, ob ich jemanden kenne, was nicht so war und bin dann von der „neuen Bewirtschaftung“ wieder nach Hause gegangen und so ganz schnell, en passant, im Vorübergehen ein neues altes Stück Margareten kennengelernt, denn am dem ehemaligen Eisenbahnerkino bzw. Gewerkschaftsraum bin ich früher oft vorbei gegangen, wenn ich ich meine alte Freundin Hansi Berger besucht habe und gut zu wissen, was im Heimatbezirk Margareten neu passiert, ist es auch.
Ansonsten habe ich heute von Ruth Aspöck eine Einladung zu einer Schreibwerkstatt mit Robert Eglhofer bekommen und Franz Blaha hat mir die Ankündigung zu den Schreibinteressen vom 14. 2 mit einem schönen Bild von mir auch schon geschickt, worauf sich dann gleich Christel Fallenstein bei mir meldete und mir ein liebes Mail schickte.

2013-01-23

Schwere Flügel

Filed under: Uncategorized — jancak @ 09:57

Jetzt kommt ein kleiner China-Schwerpunkt, gab es doch im September 2011 eine kleine Diskussion mit Ju Sophie und Sara Wipauer über Dai Sijie „Balzak und die kleine chinesische Schneiderin“, das Buch, das 2010 von der Stadt Wien vergeben wurde und zu dem ich irgendwie keinen Zugang hatte.
Wahrscheinlich hätte ich mehr politische Diskussion erwartet und war durch die Liebesannäherungen und die Lektüre der beiden chinesischen Umerziehlinge ein wenig verwirrt. Zum Glück gibts aber manchmal „Chinesisches“ in den Bücherkästen, so habe ich „Selbstkritik“ an mir geübt, daß mir die chinesische Literatur fremd erscheint und die Bücher flugs auf die Leseliste gesetzt. Allerdings ist es erst die von 2013 geworden.
„China Geheim“ habe ich aber schon 2012 gelesen und 2010 gab es auch schon mal etwas Modernes.
Jetzt also hinein in Zhang Jies „Schwere Flügel“ und wenn einem die chinesische Literatur fremd erscheint und man sich in ihr nicht gut auskennt, liest man zuerst natürlich den Klappentext und da steht etwas, daß „Schwere Flügel“ das erste größere Prosawerk der chinesischen Gegenwartsliteratur über die Zeit nach dem Sturz der „Viererbande“ ist, das in einer Übersetzung erscheint.“
Das Buch ist 1985 bei Hanser erschienen und Zhang Jie wurde 1938 in Liaoning geboren und arbeitete nach dem Studium der Volkswirtschaft im Industrie-Ministerium in Peking.
„Schwere Flügel“ löste im Herbst 1981 heftige Kontroversen aus und brachte die Autorin in Schwierigkeiten.
Heute gilt der Roman als Höhepunkt der „Reformliteratur“, steht weiter im Klappentext und Wikipedia kann entnehmen, daß sie 1985 Teilnehmerin des Berliner Horizonte-Festivals war und 1987 einen sechsmonatigen Wien-Schreibeaufenthalt hatte und anschließend viel durch Europa reiste, deshalb gibt es in dem Buch auch eine Stelle, wo wegen eines Auftrags im Schwerindustrieministerium ein Anruf aus Österreich kommt.
Dem Buch ist, offenbar finden auch andere, die chinesische Literatur fremd und mit den Namen gibt es wahrscheinlich auch Schwierigkeiten, dankeswerter Weise ein Blatt beigelegt, das, wie es Prospekt aussieht, aber die auftretenden Personen in alphabetischer Reihenfolge enthält und Anmerkungen zum Roman gibt es im Anhang auch.
Im Klappentext wird noch angeführt, daß die Szenerie von „Schwere Flügel“ eher „schäbig“ sei „winzige Wohnungen in schlecht gebauten Neubauviertel, die schon kurz nach dem Bezug so aussehen, als seien sie seit Jahrzehnten bewohnt oder nie renoviert worden.“
Vielleicht ist es das, was mich von dem Buch eingenommen hat, Daj Sijies mir schwer verständliche Poesie fällt weg und es beginnt sehr „modern“, wenn auch ein wenig verwirrend, da ich mich in der chinesischen Politik der Mao Zeit, der Kulturrevolution und der „Viererbanden“ ja nicht wirklich auskenne, aber wenn man davon absieht, behandelt es eigentlich dieselben Themen.
So beginnt es in der Wohnung der Journalistin Ye Zhiqui, die ist „alt und häßlich“ und hat einen Adoptivsohn, dessen Eltern bei der Kulturrevolution umkamen, er wurde auch als Dieb gebrandtmarkt und eingesperrt, jetzt kocht er für sie und sie ermutigt ihn, seine französischen Bücher weiterzulesen. Er hat einen französischen Victor Hugo nach Ende der Kulturrevolution zurückbekommen. Das ist auch die Parallele zu Daj Siejie.
Der Sohn ist sehr kritisch und erzählt von dem Paar das über ihnen wohnt, die Frau ist Friseuse, der Mann schlägt sie und es gibt auch oft Streit.
Im zweiten Kapitel sind wir im Salon der „Frisiermeisterin“ Liu Yuying, die ist erschöpft, denn es ist ein großer Andrang, ein Hochzeitspärchen will sich die Zöpfe abschneiden lassen und die Frau des ersten Vizeministers des Schwerindustrieminieriums kommt auch zu ihr.
Die scheint seltsamerweise ein ziemliches Luxusgeschöpf zu sein, hat ein Dienstmädchen und einen Posten, wo sie nie hingegen muß, ist auf ihren Mann eifersüchtig und will ihre Tochter Zheng Yuanyuan mit den besten Kadern verheiraten.
Dann geht es ins Schwermetallministerium, das hat einen Minister, drei Vizeminister und eine Reihe von Abteilungs- und Unterabteilungsleiter, sämtliche Kader und natürlich auch jede Menge von Intrigen.
Der erste Vizeminister Zheng Ziyun scheint ein aufrechter Mann zu sein, schon ziemlich alt, sehr belesen, der sich eigentlich auch mehr für Literatur interessiert, sich aber wegen seiner schlechten Ehe in die Arbeit verkriecht, dann gibt es noch He Ting, eine Unterabteilungsleiterin, die einen Posten für ihre Tochter sucht, Karriere machen will und die Kunst der Intrigen gut versteht und He Jabin einen Sachbearbeiter, der mit Ye Zinqui befreundet ist, kritische Fragen stellt, trotzdem Parteimitglied werden will und auch Wan Qun, eine alleinerziehende Mutter, deren Mann bei der Konterrevolution ums Leben gekommen ist, unterstützt.
Die Shunguang-Automobilwerke spielen auch eine große Rolle, sie sind dem Ministerium unterstellt und der neue Direktor versucht mit A dem Bau einer Wohnanlage die Motivation der Arbeiter zu steigern. Er führt auch neue Regeln ein, so zum Beispiel, daß man einen Yuan zahlen muß, wenn man auf den Boden spukt, was zwar alle tun. Zu Silvester feiert ein Teil seiner Arbeit in einem Restaurant bei einem guten Essen und lernen dabei vizeminister Zheng Ziyun kennen, der sich um die Silvesterfeier bei seiner Frau drückt und stattdessen mit einem Maler, der ihm ein Bild schenkte, essen geht.
Tochter Yuanyuan freundet sich mit dem Adoptivsohn der Journalistin an, läßt sich von ihm küssen und macht, weil sie Bildreporterin, darüber Fotos, die ihre Mutter zur Verzweiflung bringen. Sie verläßt darauf die Wohnung, zieht zu Mo Zheng und Ye Zhiqu und am Ende, das Buch spielt im Jahr 1980 von Silvester zu Silvester, will Zheng Ziyun, sie besuchen und erleidet dabei einen Schwächeanfall, was seinen Vorgesetzten, den Minister, sehr erleichtert, denn Zheng Ziyun hat zuvor einige Mißstände aufgedeckt und ihn daher fast zu Fall gebracht.
Ein sehr interessantes Buch, das mir in seiner Realistik sehr gefallen hat, wenn ich auch nicht alles verstanden habe und mich, wie beschrieben weder in der Literatur noch in der Politik Chinas sehr auskenne.
Wir haben aber inzwischen einen chinesischen Nobelpreisträger, der glaube ich, wegen seiner Regietreuheit sehr umstritten ist und einen eher kritischen Friedenspreisträger des deutschen Buchhandels bekommen, von denen man vielleicht auch etwas lesen sollte und Sara Wipauer und Cornelia Travnicek, die ja Sinologie studierten, berichten auf ihren Blogs auch immer wieder über chinesische Literatur und Gastland war China 2009 in Frankfurt auch.

2013-01-22

Wien-Rhapsodie

Filed under: Uncategorized — jancak @ 21:28

„Aufgegriffenes, Vorgegebenes und Neues verbindet die freie Form der Rhapsodie, einst von den griechischen Wandersängern, den Rhapsoden, vorgetragen: Aus gedichtetem Text, Kompositionen und dem unabsehbaren, offenen Bereich der Improvisation aus Stimme, Trompete, Akkordeon und Klavier werden scheinbar flüchtige zunächst nicht zusammenhängende Motive aus Wort, Ton und Klang aufeinander aufgebaut und ineinander verschränkt.“, schreibt Ferdinand Schmatz im Programm der Alten Schmiede und tritt dann selbst mit Oskar Aichinger am Klavier, Franz Hautzinger Trompete und Walther Soyka Akkordeon auf.
Angekündigt ist die Veranstaltung im Literaturteil, obwohl die Alte Schmiede auch ein eigenes kostenloses Musikprogramm hat und obwohl ich nicht so ein unbedingter Schmatz-Fan bin, habe ich mir die Veranstaltung eingetragen.
Eigentlich wollte ich ja auch gestern Montag in die Alte Schmiede gehen, wo Alexander Nizberg seine Neuübersetzung vom Meister und Margarita präsentierte, dann hatte ich ich aber eine Tschetschenen und eine russische Übersetzerin bei mir und es ist sich nicht ausgegangen, ich habe die alte Übersetzung aber ohnehin auf meiner Leseliste und Alexander Nizberg auch schon kurz bei der Buch-Wien und im Ex Libris daraus vortragen gehört.
Ferdinand Schmatz, der 1953 geborene experimentelle Dichter, der bald Geburtstag hat, ist Jandl-Preisträger und Nachfolger von Robert Schindel als Leiter des Hochschulstudium für Sprachkunst, Priessnitz Nachlaßverwalter ist er, wie ich Wikipedia entnehme auch und der Kellersaal, als ich ziemlich spät eingetroffen bin, auch ziemlich voll.
Vorher habe ich mir bei Morawa, wo es jetzt doch ein paar Abverkaufskisten gibt, vielleicht zum Thema passend, „Die Dirigentin“ vom blauen Sofa Kritiker Wolfgang Herles um fast drei Euro gekauft und mich dann in die zweite Reihe neben Helmut Jarosik gesetzt, der ja sehr oft zu Musikveranstaltungen geht.
Kurt Neumann kündete an, dann ging es los mit den Improvisationen und der Stimme Ferdinand Schmatz der mit „Küß die Hand, Wien“, begann und mit allen Klischees und Dialektvariationen von den „Pülchern mit der Puffen im Buff, bis in die Simmerringer Heide, wo der schönste Salat wächst und zum Bad, wo die Arbeiter stranden und dem Häufl, wo die Gänse baden“, durchzog und auch mal etwas von der „Barnabitengasse, wo sie sich hat bitten lassen“, rezitierte.
Dazwischen riefen die drei Musikanten manchmal Namen in die Runde, einmal hatten sie auch darauf vergessen, so daß Ferdinand Schmatz wiederholte und verzweifelt in die Runde schaute.
Es gab ein paar Durchgänge und auch ein paar musikalische Soleimprovisationen. Der Untergrund wurde zitiert, von der Kacke bis zur Pisse im Kanal und am Naschmarkt und wieder zurück und wieder Wien, war es Rundgang durch Wien, den Kurt Neumann ankündete und auch in Bälde eine CD versprach.
Nachher gab es viel Applaus, Pfiffe und Zugabenrufe, wie das im musikalischen Sektor so üblich ist, bei einer Rahpsodie aber offenbar nicht, so gab es nur ein paar Verbeugungen, bevor sich die Musiker in den hinteren Raum zurückzogen und Ferdinand Schmatz, was bei den literarischen Veranstaltungen eigentlich unüblich ist, die Türe hinter sich verschloß.
Ein paar bekannte Gesichter habe ich gesehen, aber sonst war es es eigentlich nicht das literarische Publikum, das gekommen war, obwohl sich, glaube ich, schon ein paar Schmatz-Fans dabei befanden, ja und richtig, fast vergessen ein Wienerlied, nicht betrunken, nur ein schöner Rausch, gab es auch.
Ich bin dann noch ein Stück mit dem Helmut bis zur U-Bahn gegangen, dem ich erzählte, daß ich früher schon einige sehr gute Musikprogrammaufführungen gesehen habe, inzwischen aber, da ich ja fast täglich eine Stunde blogge, hundertfünfzig Bücher im Jahr lese, etwa drei schreibe und auch noch eine psychologische Praxis führe, mich bei den Veranstaltungen fast ausschließlich auf die Literatur beschränke, so daß es sehr gut ist, wenn sie einmal von Ferdinand Schmatz oder Kurt Neumann durch musikalische Rhapsodien durchsmischt werden. Aber Reinald Deppe gibt es bei literarischen Veranstaltungen ja auch öfter zu hören.

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