Literaturgefluester

2013-01-04

Pulp Head

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:13

„Kann man ganz Amerika in ein Buch packen?“, steht im Klappentext von John Jeremiah Sullivans „Pulp Head“, mit dem Untertiel „Vom Ende Amerikas“ und die Buchbeschreibung meint weiter, daß der 1974 in Louisville Kenntucky geborenen Sullivan, der als Reporter für das „The New York Times Magazin“ und andere amerikanische Zeitschriften gearbeitet und zweimal den National Magazine Award bekommen hat,“ in der Tradition von Meistern, wie Tom Wolfe und Hunter S. Thompson die Grenzen zwischen Literatur und Journalismus, Erzählung und Reportage, Hochliteratur und Unterhaltung, Hemmingway und Hollywood, vermischt.“
„Pulphad fasst einfach ein gutes Dutzend seiner besten Sachen zwischen zwei Buchdeckeln“, schwärmt Iljoma Mangold in der „Zeit“.
In Wahrheit sind es fünfzehn Geschichten, die bei Suhrkamp erschienen sind und ich habe das Buch von Alfred, der einen etwas anderen Literaturgeschmack als ich hat, zu Weihnachten bekommen.
Daher von dem betreffenden Autor noch nie etwas gehört gehabt, aber das „Ende Amerika“, interessiert natürlich und Sullivan verfügt auch über eine sehr frische freche Sprache, an die ich mich allerdings erst gewöhnen mußte, ist Amerika ja weit weg und das Buch wurde von Thomas Pletzinger und Kirsten Riesselmann aus dem Amerikanischen übersetzt.
Am Buchsumschlag ist ein etwas grimmig dreinsehender Mann mit kurzen Bart und kurzen Haaren zu sehen und er springt tatsächlich ziemlich forsch zwischen „Christlichen Rockfestivals, Reality-TV und der Tea-Party-Bewegung“ hin und her und so habe ich die Zeit zwischen Weihnachten und Silvester und dann auch noch die ersten Tage des neuen Jahrs mit dem amerikanischen Journalismus verbracht und auch ein wenig vom amerikanischen Zeitgeist erfahren.
„Auf diesen Rock will ich meine Kirche bauen“, heißt die erste Geschichte, da will der Autor zu einem christlichen Rockfestival fahren, sucht Anschluß, inseriert „Ich suche echte Fans von christlicher Rockmusik, die mit mir zum Festival fahren, ob Frau oder Mann ist egal, aber du solltest nicht älter, als, sagen wir, achtundzwanzig sein, denn ich beschäftige mich mit dem Thema vor allem als Jugendphänomen“ und bekommt Zuschriften wie „Ich glaube nicht, dass meine Eltern hre kleine Tochter mit einem Typen fahren lassen, den sie nicht kennen“ und Ärgeres zurück.
Sehr frisch schon einmal, die Geschichte geht dann weiter über die Festivalerfahrungen des Autors.
In der zweiten wird dann etwas über „Das Finale Comeback des Axl Rose“ erzählt, wo mir schon einmal der Zugang fehlte, kenne ich mich ja bezüglich der US amerikanischen Sänger und Frontmans der Rockband „Guns N roses“, nicht sehr aus und wußte auch nicht, wer Andrew Lytle ist, der 1995 zweiundneunzigjährig starb, dazwischen offenbar von Demenz geplagt und außerdem vom Autor eine Zeitlang betreut wurde.
Ja, Amerika ist weit weg und man kann nicht alles kennen, auch wenn man sich für Literatur interessiert und das Literaturgeflüster mit seiner österreichischen Untergrundliteraturberichterstattung, wird in Amerika vielleicht auch nicht sofort verständlich sein.
Dagegen hatte ich mit dem „Disney Land“ meine Erfahrung. War ich ja zweimal dort, einmal 1989, mit Alfred und der kleinen Anna in dem in Kalifornien, 1992 dann, glaube ich, mit der Anna allein in Paris und Alfreds Eltern oder er selber haben mir auch ein altes DDR-Bändchen in die Bibliothek gelegt, das sich über den Disney-Traum der Amerikaner lustig macht, in DDR-Zeiten geschrieben, daher längst überholt, so passt die frische Satire des J. J. Sullivan „Hey, Mickey“ natürlich besser, der einen Freund hat, der mit seiner Frau und seinen zwei Kindern, jährlich in die „Disney World“ fahren muß, weil die Frau, das so in ihrer Sozilisation lernte, weil er sich aber nicht alleine in dem best überwachtestenn Ort der Welt auf die Suche nach dem ungestörten Jointen machen will, schenkt er dem Autor den Trip zum Vatertag und so fahren beiden Familien los.
Sullivan schreibt über die leuchtenden Kinderaugen seiner kleinen Tochter und von der Internetseite die beschreibt, wo man im Disney Paradies unbemerkt Drogen konsumieren kann. Die Beiden machen sich dann auch auf ihre geheimen Ausflüge und erleben das Disney-Paradies dann auch ein bißchen anders, das untertunnelt ist, damit die Kinder nicht Goofey sehen, wie er von oder zu seiner Arbeit latscht.
Von dem großen Walt und seinen Kinderträumen wird auch viel erzählt und da habe ich ja vor einem Jahr eine Biografie gelesen, von der ich vor kurzem hörte, daß demnächst eine Oper daraus wird.
Dann gibt es natürlich noch die Tea-Party-Geschichte „In unserem Amerika“ und Sullivan leitet sie ein „Im Prinzip bekriegten sich schon in der ersten amerikanischen Revolution im Jahr 1609 Befürworter und Gegner des Sozialismus“ und dann erzählt er vom „12. September 2009.“ – „Wir marschieren“ und beschreibt die Demonstration der Konservativen, der er sich offenbar zu Reporterzwecken anschließen mußte und stellt die Frage „Warum sonst sollten die Bürger da draußen eine dermaßen große Angst vor einem „verstaatlichten“ Gesundheitssystem“ haben?“, eine Frage, die ich mir auch schon öfter stellte, warum, etwas für uns so Selbstverständliches, in dem schönen freien Amerika nicht möglich sein kann? Es scheint aber so zu sein und der Artikel, den Sullivan auch immer mit Erlebnissen, die er mit seinen Cousin hat, verknüpft, ist wirklich interessant.
Dann kommt noch eine von den indigenen Höhlen, die nach und nach entdeckt und besammelt werden, um vielleicht von den Fundstücken, die nicht vorhandene Sozialversicherung zu bezahlen, einen Artikel über Michael Jackson, viele über das Musikbusiness, wie die über den Jamaika Bunny Wailer, wo Sullivan gleichzeitig ein Portrait der Armut und der Slums dieser Gegend gibt und beschreibt, wie ihm die die Musiklegende ein Interview im Haile Selassie Kostüm und mit Rasterlocken gibt und ihn später fallen läßt.
Im „Das Haus der Peyton Sawjer gebt es wieder zu den TV-Serien zurück, da hat der Ich-Erzähler ein solches das für Dreharbeiten einer Serien benützt wird gekauft und vermietet es um die Hypothek abzubeahlen weiter an die Filgessellschaft, so erzählt er wie die Leute zu dem Haus pilgern kommen und es fotografieren und er beschreibt auch, wie er mit Frau und Kind in dem Haus lebt, bzw. während der Dreharbeitein in ein Hotel zieht und zusieht, wie die die Gesellschaft gruelige Tapeten oder düstere Bilder an die Wände kleben oder hängen oder wie in der Küche mit Plätzchen geworfen wird. Typisch amerikanisch halt, könnte man sagen.
In „Das Treiben der Lämmer“, bekommt der Autor von einem Magazin die Anfrage, „ob er nicht einen Text über die Zukunft der Menschheit schreiben wolle“ und am Schluß wird noch „Aus dem Leben eines exzentrischen Naturforschers“ erzählt.

2 Kommentare »

  1. Das Buch hatte ich auch schon einige Male in der Hand, aber irgendwie konnte es mich nicht so ganz überzeugen. Zum einen finde ich es für eine (wie heißt es so schön neumodisch?) Klappbroschur wirklich teuer und zum anderen habe ich bereits einige nicht so ganz überzeugende Besprechungen dazu gelesen … ein Buch also, das ich wohl eher nicht zur Hand nehmen werden.

    Kommentar von buzzaldrinsblog — 2013-01-04 @ 16:09 | Antworten

  2. Ich habs von meinen Mann zu Weihnachten bekommen, gekauft, bzw. gewünscht, hätte ich es mir nicht. Es ist auch keine erzählende Bellestristik, sondern trotz Klappentext brillant geschriebene Reportagen, bzw. Lebensstimmungen eines Journalisten. Deshalb bin ich auch nur schwer ins Lesen hineingekommen und hab ungefähr eine Woche dazu gebraucht.
    Trotzdem würde ich es empfehlen, wenn man an der politischen Situation interessiert ist und brillant, das heißt, sehr fetzig, ist es auch geschrieben.
    Vielleicht liegt es einmal in Bremen in einem offenen Bücherschrank oder einer Abverkaufskiste, dann würde ich raten zuzugreifen und was die Bücherpreise betrifft, so bin ich, wie man in meinen Blog unschwer lesen kann, sowieso der Ansicht, daß Bücher viel zu teuer ist. Was kostet es? Wahrscheinlich zwanzig bis fünfundzwanzig Euro oder so, das ist sehr viel Geld, umsomehr wenn man bedenkt, daß die meisten der Texte zuerst in Zeitschriften erschienen sind. Also toi, toi, für das Finden und dann unbedingt zugreifen! Vielen Dank für den Kommentar!

    Kommentar von Eva Jancak — 2013-01-04 @ 18:30 | Antworten


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