Literaturgefluester

2013-01-13

Steine und Bausteine 1

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:32

Jetzt kommt die Besprechung des wahrscheinlich ersten Buchs, das ich für das Literaturgeflüster bekommen habe und das ich leider sträflich lang vernachläßigt habe, weil „Erzählungen und Textsammlungen lese ich ja nicht“ und als ich es mir dann im Oktober 2011 nach der GAV-GV vornahm, ist es auf die Leseliste von 2013 gekommen, weil vorher schon alles voll.
„Für Eva Jancak, dieses so überaus aufmerksam angenehme Gegenüber“, hat Peter Hodina in das Buch, in Berlin am 10. 4. 2010 hineingeschrieben und mir zugeschickt, kennengelernt habe ich das „Seit zwei Jahren erst bin ich GAV-Mitglied“, 2009 bei der GAV-GV, da ist auch Elisabeth Ernst mit am Tisch gesessen und hat ein Buch mit mir getauscht oder es mir abgekauft, oder war das schon ein Jahr früher, Dietmar Füssel und Elisabeth Ernst 2008 steht jedenfalls auch noch in dem Buch, Thomas Havlik und Eva Jancak 2009.
Ich habe das Buch damals in das kleine Bücherregal gestellt und dann 2011 in das neu gekaufte, kurz angeschaut und ein Buch von mir zurückgeschickt.
Bei der GAV-GV 2011, als ich mir das Lesen endlich vornahm und das Kurzgeschichten Vorurteil sich aufzulösen begann, sagte Peter Hodina zu mir, daß ich Teil II und III der Sammlung erst wenn ich es gelesen hätte, bekommen würde, nun denn, der Weg ist frei und da ich jetzt ja keine Vorurteile habe, könnte ich es auch früher lesen, beziehungsweise auf jeden Fall auf meine Liste setzen, aber da wird es ja wahrscheinlich bald eine für 2017 geben.
Zurück zu dem GAV-Kollegen, der 1963 in Salzburg geboren wurde, in Berlin lebt oder lebte, 2004 den Rauriser Förderungspreis bekam und seit 2007 in der GAV ist.
„Steine und Bausteine!“, heißt die im Avinus Verlag erschienene Textsammlung, im Buch gibt es gleich eine Ankündigung für die „Bausteine II und III“ und ich vermute, daß auch der etwas sperrige Titel ein Grund war, warum das Buch solange ungelesen blieb, obwohl Peter Hodina ihn in seinem Buch genau erklärt.
„Ein grauer Nasensauger blickt dir über die Schulter“, heißt der erste Text, der damit beginnt, daß Hodina oder wer auch immer sich in die Universitätsbibliothe begibt, um sich ein Buch auszuleihen und was sieht er dort, lauter Leute die sich mit Kampfcomputerspielen beschäftigen und als er den „Anzeigenmarkt für Universitätsabsolventen“ durchblättert, stößt er er auf die Stelle, daß sich „die Bewerber zwecks recruiting an die sogenannte Stabsstelle wenden sollen.“
Das führt Peter Hodina zu Elisabeth Ernst, die das Titelbild gemalt hat, ein etwas trübsinnig dreinblickender Mann vor einem Buch und einem Zigarettenpackerl, dahinter gibt es den Abdruck des „grauen Nasensaugers“, treffender kann man die philosophischen Krisen der Schulabgänger wohl nicht ausdrücken und davon und von vielen anderen handelt auch das Buch.
„Beseelte Steine“, lautet die zweite Überschrift und wir kommen den „Bausteinen“ schon viel näher, gab es da ja eine umfangreiche Hodinasche verstreute Notizsammlung und einen Karst-Spaziergang mit Richard Wall, wo ja auch die Steine herumliegen und einer wurde von einem Ast aufgespießt, dazu gibt es auch ein Bild aus der Hodinaschen Fotosammlung.
Dann geht es weiter mit dem Nullpunkt oder der „Beginnlosigkeit“ bis hin zum ersten Satz, mit denen die literarischen Texte ja beginnen müßen, bis zum „Bibelstechen“ und als ich, ob all der philosophischen Betrachtungen schon ein wenig ratlos war, ich bin ja eine Geschichtenschreiber- und Leserin, kommt Peter Hodina dankenswerterweise auch dazu und erzählt in „Schwarzlicht“ eine schaurig beklemmende Geschichte einer, seiner Jugend in wahrhaft Canettiesker, Kafkaesker oder ist es eher die Berhardsche Manier?“
Er erzählt jedenfalls von seinen Wohnungen, von der elterlichen ist er in eine große Altbauwohnung gezogen, die vorher sein Bruder bewohnte, der nimmt die Vorhänge, den Teppichboden und Möbel mit, die Eltern stiften Bettwäsche für Jahrhunderte und andere unbrauchbare Sachen, der Ich-Erzähler, der später zum „er“ wird, verkrümmt sich hinter Stühlen und in Badewannen, um den neugierigen Nachbarn zu entgehen, die Vermieter stehen vor der Tür und rätseln, ob das Subjekt zu Hause ist und später beim Delogierungsprozeß hat er es schwer nachzuweisen, daß er jahrelang zusammengekrümmt dortgewesen ist und die Wohnung nur manchmal wegen seiner Vorträge, für die er bald berühmt war, verließ.
Das Elternhaus und die schlechte Beziehung zu den Eltern thematisiert auch den nächsten Text „Knochengeschichte“, da schläft er im Kinderzimmer unter einem Kruzifix mit Knochen, der wahrscheinlich vom Onkel oder Bruder der Großmutter stammt, das er später in die Salzach wirft und philosophiert darüber, ob man Kindern solches zumuten darf und, daß er sich gerne in die Salzach werfen ließe.
In „Gebrochener Wille“ ist Papa Bernhard ebenfalls erkennbar, erzählt er ja von seinem Vater, der jahrelang mit dem Finger auf den Tisch klopfte und dazu „Toktok, dein Wille muß gebrochen werden!“, memorierte.
Die österreichischen Kinderstuben und die Gewalt, die in ihnen passiert lassen grüßen und deshalb kommt Hodina auch gleich zum Thema Schuld und fragt nach, ob die Eltern den Kinder die Schuld für den World war anlasten können und ob der Sohn töten darf, um seinen Vater damit zu entschuldigen oder ob der damit ins Irrenhaus kommt und in „Schreibzeit“ thematisiert er es dann ganz direkt „Zu sagen, „ich bin in meiner Kindheit zerstört oder für immer traumatisiert worden“, trägt schon die mir verhasste Resignation in sich.“
Einige Geschichten sind Prof. Greif gewidmet, dem Philosophieprofessor, wahrscheinlich studierte Peter Hodina Philosophie von denen die erste wieder eine gigantischer Gegenmonolog in der besten Berhardschen Manier ist, der Schüler steigt mit dem Professor auf einen Berg, sie beschimpfen sich gegenseitig und werfen sich die fürchterlichsten Sachen vor „Trotzdem konnte ich nicht so einfach behaupten: der Professor will mich zugrunde richten, da hätte ich mich nicht nur lächerlich gemacht, sondern ich wäre ja als ein Wahnsinniger an dem Institut erschienen“, am Ende springt der Professor vom Gipfel und der Schüler schreitet am nächsten Morgen trittfest herab.
In einer Geschichte stellt sich der Ich-Erzähler vor, wie er die FAZ und andere Zeitungen lesend als Kind im Kinderwagen sitzt. Dann gibt es wieder Texte zur Pünktlichkeit und die letzten drei Geschichten befassen sich mit dem Selbstmord des Freundes Hermann M.
„Steine und Bausteine – ein provisorischer Titel für ein Provisorium, Sammelsurium, Vademekum. ein „Sudelbuch“ der Gegenwart, Gleichnishaft-groteske Erzählprosa, Aphorismen, Essays, Lesefrüchte, Traumprotokolle, manchmal ein Gedicht. Griff ins Volle, ins Leere, ins Dazwischen. Je nachdem. Es kommt auch auf den Lesenden an“, steht am Buchrücken.

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