Literaturgefluester

2013-01-30

Geburt und Sterben

Filed under: Uncategorized — jancak @ 22:28

„Die Wurzel trägt dich“ – Eine Anthologie über das Leben und das Sterben, eine Fotoausstellung über die ehemalige Semmelweisklinik, die Interaktion zwischen Mutter und Tochter, die die eine als eher schwierig, die andere als zufällig erlebte, macht es möglich und Mechthild Podzeit-Lütjen, die Autorenkollegin, die ich von der Frauen lesen Frauen Gruppe des ersten Wiener Lesetheaters kenne und die ich auch zu den Mittleren I, damals noch im Literaturhaus, eingeladen haben, hat mich auf die Veranstaltung aufmerksam gemacht, aber wahrscheinlich wäre ich ohnehin in die Gesellschaft für Literatur gekommen, obwohl es auch eine interessante Veranstaltung in der Alten Schmiede gab.
Milena Michiko Flasar und Cornelius Hell lasen ihre Texte aus der Anthologie, die Herausgeberin, die von Gert Jonke und Gerhard Ruiss und Marianne Gruber leitete die Veranstaltung gewohnt wortreich ein.
Beim Hinaufsteigen in den zweiten Stock kurz nach sieben, war ich nicht ganz sicher, ob ich, ob der doch sehr prominenten Besetzung, einen Platz bekommen würde, dann war es aber gar nicht so voll, aber doch ein paar Autorenkollen, die teilweise auch ihre Texte in der Anthologie hatten.
Marianne Gruber erzählte etwas von Ignaz Semmelweis, dem Retter der Mütter und der Absiedlung der Frauenklinik, dann kam Milena Michiko Flasar, die Marianne Gruber vorher nach ihrer unbekannten japanischen Mutter fragte und sie las auch einen Auszug aus ihrem zweiten Buch“Okaasan“ wo die Tochter Franhziska ihre japanische Mutter durch den Alzheimer und wahrscheinlich auch das Sterben begleitete.
Dann folgte Cornelius Hell, der Übersetzer und Literaturkritiker, wie ihn Marianne Gruber einleitete, der auch einige Bücher über Budapest und Vilnius geschrieben hat.Er las seinen Text „Nachmittag eines Übersetzung“, in Anlehnung an Handkes Schriftsteller und schildert den Sommer 2010, wo er in Vilnius in einem Cafe saß und Renata Serelytes „Blaubarts Kinder“ übersetzte und dabei über das Wort „Kinderheim“ stolperte, das bei ihm heftige Assoziationen auslöste und daran erinnerte, daß er rechtzeitig zu seiner kleinen Tochter nach Hause müsse, damit die nicht vielleicht in zwanzig Jahren über die Traumatisierungen ihres Vaters schreiben würde.
Eine österreichische Reisegruppe der er bei der Bestellung helfen mußte ist auch noch vorgekommen und das löste bei mir natürlich die Assoziationen aus, wie schwer ich mir beim Lesen des Buchs getan habe, an den Samstag in Litauen und die zwei Stunden, die wir durch Vilnius gegangen sind und den Nachmittag in Wigry, wo ich entdeckte, daß ich ja ohnehin alle nötigen Informationen über Renate Serelyte schon seit 2002 hatte.
Assoziationen zur Wiener Semmelweisklinik bzw zu meiner Hausgeburt gibt es natürlich auch und Mechthild Podzeit-Lütjen, die vorher ein kleines Gedicht gelesen hat, das sie dem Buch als Motto voranstellte, las dann zwei Texte Jonkes, einen, wo es um den Tod seines Sohnes und dann einen, wo es um die eigene Geburt im Klagenfurter Krankenhaus und den unwilligen oder willigen Portier, der seine Mutter dann doch durch den Nebeneingang hineingelassen hat, ging, vor.
In dem Buch gibt es Texte von Rolf Schwendter, Birgit Schwaner, Erika Kronabitter, Friederike Mayröcker, Hanrei Wolf Käfer, Manfred Chobot, Christa Nebenführ u.u.u.
Marianne Gruber wies dann noch auf die Tochter Tirza, in der Semmelweisklinik geboren und dort auch als Krankenschwester tätig, später Studium der Fotografie und auf die Fotoausstellung hin, die man sich bei einem Glas Wein ansehen konnte. Ich habe es getan und auch zwei interessante Gespräche mit Tirza Dominika Podzeits Lehrerin und einer anderen Fotografin und Cornelius Hell Fan geführt.
„Kann sein, daß der Ort der Geburt eine Rolle spielt?“, steht im Programm, wahrscheinlich schon oder auch nicht, denn den können wir uns nicht aussuchen und werden höchstwahrscheinlich doch von ihm geprägt.
„Die Wurzel trägt dich“, ist in der Edition Art and Science dem Verlag des Raimund Bahr, der früher Kremlicka geheißen hat, was auch eine Art der Verwandlung ist, wie es im Programmtext weiter heißt.

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