Literaturgefluester

2013-01-21

Zwischendurch

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:06

Ich gebe wieder ich einen Werkstattbericht und das ist sehr gut, da ich mein schnelles Tempo auch 2013 beibehalten scheine und da bei zwei bis drei oder mehr wöchentlichen Veranstaltungen und zwei bis drei gelesenen Büchern ohnehin nicht oft zu dem Eigenen komme, bezüglich Schreiben tut sich bei mir aber gerade nicht sehr viel.
Das heißt, ich korigiere mein Nanowrimonovel weiter, lasse mich da vom Bloggeschehen ablenken und komme eher langsam langsam voran, es geht aber eigentlich ganz gut.
Im Amerlinghaus bei den Wilden Worten ist mir am letzten Montag die Idee gekommen, daß ich meinem nächsten, dem „Dreizehn Kapitel“-Roman, eines einer Fahrradbotin namens Clara widmen könnte, die vielleicht eine Kleptomanin ist und Bücher gibt es natürlich auch sehr viele, so daß ich mit meiner 2017 Liste schon begonnen habe und fast fürchte, meinen ein bis zwei Büchervorsatz pro Woche nicht einhalten zu können, gibt es ja soviel und da sind jetzt auch ein paar der uralten Stiasny-Büchlein zu mir gekommen und ein uraltes Residenz-Buch, nämlich Franz Michael Felder „Aus meinem Leben“, wer ist das werden meine Leser vielleicht fragen und da kann ich auf eine von Tag zu Tag Sendung der vorvorigen Woche verweisen, wurde da ja von zwei Literaturwissenschaftlern ein neues Lexikon der österreichischen Literatur ab 1650 vorgestellt, die diese gleich neudeuteten bzw.subjektiv bewerteten, also Rossegger und Stefan Zweig einen eher schmalen Platz einräumten und dafür dem Vorarlberger Heimatdichter, nachdem auch das Felder-Archiv benannt ist, lobten. Ich habe von dem Dichter auch noch nicht viel gehört, Peter Handke hat aber die Vorbemerkung zu dem 1985 erschienen Buch geschrieben, so daß ich es auf die 2013 Liste setzte und da habe ich auch noch „Schön tot“ diesen Margareten Krimi von Edith Kneifl hinaufgesetzt, der Leselustfrust nicht gefallen hat, weil er offenbar mehr Geschäfts- und Lokalwerbung als Krimihandlung enthält und auch von Stefan Gergely angeregt wurde.
Mal sehen, was ich dazu sage, Katharina Kafka habe ich ja inzwischen nach Florenz und in die USA begleitet.
Apropos Haymonverlag, da habe ich jetzt wieder ein E-Buch bekommen, das ich im Februar besprechen werde und daraufhin gleich Gustav Ernsts „Grundlsee“ angefragt, das ebenfalls im Februar erscheinen wird. Wäre schön, wenn das auch zu mir kommt, denn ich bin ja ein großer Fan von ihm und habe auch schon viel von ihm gelesen.
Zu Peter Rossegger habe ich noch zu sagen, daß „Jakob der letzte“ meiner Meinung nach ein sehr großer Roman und einer der ersten ist, der sich mit der Umweltfrage beschäftigt, aber ich habe ja nicht vergleichende Literaturwissenschaft studiert und von Stefan Zweig habe ich „Marie Antoinette“ und „Die Welt von gestern“ gelesen, ob das Geschichte verfälschende Biografien sind, kann ich nicht beurteilen. Die „Welt von gerstern“ hat mich jedenfalls sehr beeindruckt und die sehr gerühmte „Schachnovelle“ steht auf meiner Leseliste.
Auch auf der Indie-Front geht es munter weiter, da hat Gesine von Prittwitz auf ihren Blog „Soap“ von Michael Meisheit vorgestellt, der sein in Eigenregie erzeugtes Werk höchst professionell vermarktet und verbloggt. Auch da kann man immer wieder von der schlechten Qualität vieler jetzt so schnell erzeugter Indie-Bücher lesen und Anni Bürkl verlinkte zu einer Lektorin, die sich weigert, Selfpublisher zu lektorieren, weil, die soviele Fehler haben und so unzufrieden mit ihrer Leistung sind und da spüre ich wieder Unbehagen, denn wie kann man Fehler denn anders als durch ein Lektorat bekämpfen? Das fordert Wolfgag Tischer ja auch immer von den Selbstmachern, in das Lektorat und in das Cover zu investieren. Man sieht, es gibt da immer noch sehr viele Vorurteile, die sich so schnell wohl auch nicht vertreiben lassen, obwohl sich am Markt, seit Amazon den Selbstverlegern die Türen aufgemacht hat, sicher viel verändert und es in Leipzig auch einen Indie-Preis geben wird.
Ich habe ja schon geschrieben, daß ich bei meiner Produktionsweise bleiben, aber selbstbewußter auftreten werde und statt verschämt „Das Wort Eigenverlag mag ich nicht!“, zu stammeln, „Jawohl, ich mache es auch selber zu sagen!“, aber zu denen, denen ich meine Bücher zeige, ist diese Veränderung vielleicht noch gar nicht vorgedrungen und interessant ist auch, daß bei der „Von Tag zu Tag“-Sendung vorige Woche behauptet wurde, daß Österreich kein Leseland sei.
Woher die Zahlen stammen, wurde, glaube ich, nicht erwähnt. Ich habe einmal gehört, daß die Deutschen neun Bücher pro Jahr, die Österreicher acht lesen würden und seit die E-Books hochgeladen werden, werden sie von den Leuten angeblich auch vermehrt gelesen.
Und Buzzaldrin hat über einen Facebook-Eintrag Vea Kaisers, dem jungen Superstar von „Blasmusikpop“ berichtet, der sich an die illegalen Downloader ihrer E-Books wendet, von Ausbeutung und Sklaverei spricht und sie in die Buchhandlungen mit der guten Beratung zurückbringen will, weil Bücher ja nicht teuer sind. Ob der Aufruf Erfolg hat, weiß ich nicht, zeigt aber wahrscheinlich auch die Veränderung, die es jetzt am Buchmarkt gibt. Ich bin auch ein wenig skeptisch, ob sich jetzt wirklich die Massen auf den illegalen Download von „Blasmusikpop“ stürzen und denke auch Vea Kaiser und Sven Regner werden die Veränderungen nicht aufhalten, Wolfgang Tischer vom Literaturcafe hat dazu auch eine andere, eher lockere Meinung und ich lade zwar nicht illegal Bücher hinunter, kaufe sie mir aber auch nicht wirklich zum Ladenpreis und eine Demonstration zur Festplattenabgabe hat es in Wien auch schon gegeben.
Damit komme ich zum nächsten Thema, nämlich zu der Frage, was ich am 14. 2. im Häferl lesen werde? Eine Stunde soll ich das ja tun. Da eignet sich vielleicht das noch nicht erschienene „Kerstins Achterl“, der Anfang, die Szene mit der Braut und die, wo Hektor mit Susa Dworak Eis essen, geht ganz gut und dann kann ich auch noch meine „Die Zahl dreizehn“ Glosse anhängen.

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2013-01-20

Andere Wege

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:28

H. G. Adlers gesammelte Werke, zum hundertsten Geburtstag herausgegeben von der Edition Milo im Drava Verlag für die Helmuth A. Niederle, den ich von der Gesellschaft für Literatur kenne, habe ich vor zwei Jahren auch durch die Poetry Fix Gewinnspiele bekommen.
Ein sehr umfangreiches Buch über eintausendeinhundert Seiten und eintausendeinhundert Gedichte des, wie er es 1981 selber nannte, deutschen Schriftstellers jüdischer Nation, der aus der Tscheoslowakei kommt, dem österreichischen Kulturkreis angehört und loyaler britischer Staatsbürger ist.
H. G. oder Hans Günther Adler wurde 1910 in Prag geworden und gilt, wie ich dem Klappentext entnehme als großer Lyriker des zwanzigsten Jahrhunders. Ich muß gleich gestehen, ich habe noch nie etwas von ihm gehört und auch sein Werk über das KZ Theresienstadt, das als Standardwerk gilt, ist mir bisher entgangen, obwohl ich mich ja sehr dafür interessiere, das Filmfragment einmal im Filmmuseum auch auf You Tube gesehen habe.
Ein ganz besonderes Gustostückerl also, das ich da neben den mir eher unbekannten ost und westdeutschen Gegenwartslyrikern, die ich sonst bekommen habe, gewonnen habe.
Das Buch ist von Katrin Kohl und Franz Hocheneder unter Mitwirkung des Sohnes Jeremy Adler herausgegeben worden, H.C. Adler ist 1988 in London gestorben, hat ein Nachwort von Michael Krüger „Leb wohl, verlorene Welt, leb wohl“ und einen umfangreichen Anhang mit Erklärungen von Kathrin Kohl mit einem Lebenslauf des Autors und ist in neun Abteilungen gegliedert, die die Gedichte aus der Jugendzeit bis Gedichte aus England 1987 umfassen und das Leben des mir bisher unbekannten Adlers ist mehr als interessant, studierte er doch von 1930 bis 1935 an der deutschen Universität in Prag Musik Kunst Literaturwissenschaft, Philosophie und Psychologie, war als Lehrer, Sekretär und am tschecholowakischen Rundfunk für Sendungen in deutscher Sprache tätig. Ab August 1941 war er in einem Zwangsarbeiterlager interniert, kam dann nach Theresienstadt, Auschwitz, Buchenwald etc und wurde 1945 befreit. Seine Familie, Frau und Eltern sind in den Lagern umgekommen, um sich von dem Sturmbandführer Hans Günther zu distanzieren, nannte er sich nur mehr H.G. Nach dem Krieg kehrte er nach Prag zurück, hatte dort als Deutschsprachiger Schwierigkeiten, so daß er 1947 nach England emigrierte, dort wieder heiratete, sein Buch „Theresienstadt 1941-1945, etliche Romane und auch seine Gedichte weiterschrieb, von denen viele bisher unveröffentlicht waren.
Interessant ist auch, daß sich Oleg Jurjew, von dem ich ja auch ein Buch gewonnen habe, mit dem Roman „Panorama“ beschäftigt hat. Eine Prosaarbeit „Unser Georg und andere Geschichten“ ist 1961 bei Bergland herausgekommen, ein Buch das ich gerne finden würde. Verschiedene Preise, wie das österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst hat er 1985 auch bekommen und so habe ich mich sehr interessiert durch die tausendeinhundert Gedichte gelesen, die, wie erwähnt mit den „Gedichten aus der Jugendzeit 1927 bis 1932“ beginnen, wo das „Sommerspiel im Böhmerwald“ „Ein Fräulein singt am Bach, der Herr Doktor liegt auf der Wiese und liest Die Mutter ruft „Daß ihr net obi fall!“ und „Die Sage von Dörrstein“, geschrieben im Juli 1930 besonders beeindruckend waren. Der „Abschied“ ist Franz Weiss, ermordet in Auschwitz 1943 gewidmet, die Abteilung endet mit „Kurzen Sprüchen“ und geht in die „Frühen Gedichte“ von 1934-1940 weiter, die trotz Kriegsbeginn teilweise immer noch sehr idyllisch sind, dann aber vom „Schicksal und Gesetz“ „Machthabern“ und „Volk in Unterjochung“ erzählen.
„Der Zwingsherr hat große Gewalt, Doch er vermag nichts. Der Volk hat große Möglichkeit, Aber es hat nicht Gewalt. – Es wechselt der Zwingherr. Unglückliches Volk!“
Das Gedicht „Gehäuse“ ist Elias Canetti gewidmet, „In dieser Zeit“ F. H. Fuchs zum Gedenken, „der 1942 in Lodsch verhungerte“, die letzten Gedichte widmen sich dem Kriegsbeginn 1939.
Dann geht es weiter mit Theresienstadt 1942-1944, wo auch der „Thersienstädter Bilderbogen 1942“, meist auf der Schreibmaschine geschrieben und später immer wieder umgearbeitet entstanden ist. Im Anhang kann man genau über die Entstehungsweise der Gedichte lesen, wo zuerst in fast Rilkescher Manier die Lagerimpressionen wiedergegeben werden, wie „Totenfeier Dann werden die Särge stolpernd getragen Hinunter die hallenden Stufen zur Nacht Dort harrt ungeduldig der Lieferwagen, Es werden Ölfunzeln gebracht.“, bis zu „Vorfrühling“, das den Nachsatz hat „Als ich am 9. 3. 1943 den ersten Amselschlag im Jahre hörte.“
Der Frau Geraldine oder Gertrud, die in Auschwitz umgekommen ist werden mehrere Gesänge gewidmet, es gibt einen Jahreszeitenzyklus und zwölf Bilder „Der Mensch und sein Tag“, die er für den gleichfalls internierten Komponisten Viktor Ullmann geschrieben hat und natürlich viele Fragen, Verstörungen und Bewältigungsversuche, die beispielsweise so ausgedrückt werden „oft fühl ich Ängste jagen Durch den verwirrten Sinn, So viel hab ich zu tragen, Da ich ein Wanderer bin.“
Dann kommen die Nachkriegsgedichte zwischen 1945 und 1946 geschrieben, wo er auch seine zweite Frau Bettina kennenlernt und die England-Gedichte, die in mehrere zeitliche Abteilungen gegliedert sind, bis 1987 gehen. Siebenhundert Seiten Gedichte nach dem Holocaust. H. G. Adler zeigt, daß das man das kann, tut es in seiner Sprachen, seinen Anklagen, Elegien und Balladen, bezieht sich natürlich immer wieder auf das grauenvoll Erlebte, beispielsweise in „Auferstehung“: „Noch einmal sei es gesagt, Was aus dem Meer des Schweigens Seine Leidenschaft zum Tage wirft: Flammen des Bösen! Gewalten von gestern! Doch gestern ist nicht mehr, Gestern ist Wahn, ist nicht zu glauben, Gestern – ein Mördern der Seelen.“
Widmet seine Gedichte Rudolf Felmyer, Hermann Broch oder Venezia Canetti, „Grüsse“ sind Günther Eich“, „Kieselstern“: „Hart das Lich gestreut Auf die Hand, Ein trüber begehrlicher Schatten Wedelt den Fuchsschwanz“, dessen Sohn Clemens Eich gewidmet und schreibt so viel, daß ich gar nicht auf alles eingehen kann. So nur ein paar Beispiele, bzw die Heinrich Böll gewidmeten Gedichte „An die Vergangenheit“, „Aufblick im Alter“ und Eingewöhnung“, der ja auch schon ein fast vergessener Literaturnobelpreisträger ist
Später wird es auch moderner. In den neun-Gesängen aus den Englandgedichten 1970-1979 geht es um die Umweltverschmutzung, die Parade am 1. Mai, es wird auch mal „gerockt und angerichtet wird mit „Badesalz und Sonnenöl.“ Und während Jandl „Laut und Luise“ reimte, gibt es bei Adler in den späten Englandgedichten „Laut und Leise“ und „Tschechische Erinnerungen“ gibt es, Eva Mikulasova gewidmet, übersetzt von Eva Adler, gleich zweisprachig, deutsch und tschechisch, war Adler ja ein deutschsprachiger Dichter. Dann geht es in diesem umfangreichen Gedichtkonvolut langsam zu den „Letzten Gedichten“, die mit „Heimkehr verwürfelter Welt“ ausklingen. Im Buch geht es dann zurück, nämlich zu den Abbildungen, wo man unter anderen Adlers Hochzeitsfoto Prag 30. 10. 1941 die Ärztin Gertrud Klepetar und H. G. Adler mit Judenensternen sehen kann.
Helmuth A. Niederle ist für die Herausgabe einer mir sonst vielleicht unbekannten großen Stimme, die einen Teil der Gewalt des vorigen Jahrhunderts hautnah erlebte, sehr zu danken, wie ich mich auch noch einmal bei Julietta Fix für den Gewinn und ihre Gewinnspiele, die sie mir einige Jahre so getreulich schickte, bedanken will, die „Anderen Wege“ sehr empfehle und gerne auch die „Theresienstädter Studien“ lesen würde.

2013-01-19

die irren kurse einer sterbenden fliege

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:00

Das ist der etwas seltsam klingende Titel eines Gedichtband des 1963 in Nordhausen, im Norden Thüringens am Südrand des Harz, geborenen und dort als Rechtsanwalt tätigen, Thomas Spaniel, ein Buch, das ich vor etwa zwei Jahren beim wöchentlichen Gewinnspiel von Fixpoetry, wo man jeweils eine Frage beantworten mußte und das seit einem halben Jahr nicht mehr zu mir kommt, gewonnen habe.
Einige sehr schöne Bücher habe ich von dort bekommen, das erste war Kerstin Hensels „Lärchennau“, ein Roman, obwohl es bei Fixpoetry, wie schon der Name sagt, eher um Lyrik geht und so waren es auch meistens Bände mir eher unbekannter Lyriker, die zu mir fanden und die ich auf diese Art und Weise kennenlernen durfte.
Ein Ritterbändchen und ein ganz dünnes Heftchen, das zuerst verloren ging und dann zweimal kam, sind in meinen Bücherbergen verschwunden, die anderen habe ich sorgsam notiert und lese sie langsam ab. Dadurch Oleg Jurjew kennengelernt, den ich inzwischen auch in der Alten Schmiede hörte und Andreas Reimann, sowie den „Beyoglu Blues“.
H. G. Adlers „Andere Wege“ werden demnächst kommen. Dann habe ich im Vorjahr noch ein theoretisches Buch gewonnen, bevor der Segen endete, was trotz der Bücherberge natürlich schade ist, mich aber jetzt mit einem Lyriker beschäftigen, der mir sonst vielleicht entgangen wäre.
Es gibt schon sechs Gedichtbände und Andre Schinkel schreibt in seiner Rezension „Gottlob möchte man rufen ist Thomas Spaniel in einem ordentlichen Beruf unterwegs, und dennoch so weiß man, ist jenes weißes Rauschen unter den Lyrik-Verfernten eine eigentlich traurige Schweinerei“, während ich von schönen klaren Sätzen und kleinen Weisheiten in den oft sehr kurzen Texten sprechen würde.
Drei Abteilungen gibt es, da kommt zuerst die „kleine werkstoffkunde“ „auf die terrasse geworfen große traurige bücher“ beispielsweise. In „barbarossa“ spricht er vom „kleingedruckten vertreterlächeln“, in „inschrift“ „ich bezahlte ein haus in dem ich gar nicht wohnte“ und in „programmänderung“ begannen sie plötzlich unsere köpfe gegeneinander zu schlagen wieder und wieder – als der „bildschirm blieb leer vor und flimmerte nur vor sich hin.“
In „II kammerflimmern“ war „blaubart“ sehr beeindruckend, wo fast prosaartig vom Sitzen im Eiscafe vor einem Cappuccino berichtet wird, die Feuerwehrmänner pumpen den Polster auf, eine Stunde lang passiert nichts, bevor sie springt.
Im „kammerstück“ geht es um „überall restmüll lesebrillen für kaffeesatz ejakulate und für die pupillen bunte salate“ und im dritten Teil „aus den Augen“, wo es um „marktplätze“, „verwunschene Orte“, „kulturlandschaften“ und immer wieder um schöne Naturbeschreibungen geht.
„Peter Lenks Skulpturen“, werden beschrieben und bei der „preisverleihung „verströmt der kamin kalte luft bereit bei bedarf sofort zu verschwinden der minister im blauen tuch steht sehr aufrecht während sich die laudatio wie rauch über die gäste verteilt“
Ich habe Nordhausen nachgegooglet und habe mir vorgestellt, wie es ist im Harz spazieren zu gehen und sich alle die Orte anzusehen, wo die Gedichte vielleicht entstanden sind. Auf den letzten Seiten gibt es auch ein paar Anmerkungen des Autors und wieder einen interessanten Dichter kennengelernt, der vielleicht nicht so schnell in die Alte Schmiede kommt, so daß es um den Gewinnspielsegen sehr schade ist, aber andererseits habe ich natürlich schon sehr viele Bücher und Julietta Fix letztes Jahr auch in Leipzig kennengelernt.
Ja und „die irren kurse einer sterbenden fliege“ gibts in „infrastruktur“ auf Seite zweiundzwanzig zu entdecken.

2013-01-18

Vergessener Superstar

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:24

Ich bin ja in einem sozialistischen Arbeiterhaushalt mit dem berühmten Bücherkasten im Wohn-Schlafzimmer, etwa dreihundert meist Büchergilde Gutenberg Bücher, aufgewachsen, war der Vater doch dort Funktionär und hat die Bücher und die Kataloge nach Hause gebracht, von denen ich immer noch einen Stapel herausgerissener Seiten in Harland liegen haben, der Name Rudolf Brunngraber und sein charakteristisches Foto tauchte dort immer auf. War der 1901 in einem Wiener Arbeiterhaushalt in Favoriten geborene und 1960 gestorbene Rudolf Brunngraber, der vergessene Superstar, der inzwischen von Milena, wie auch andere, wieder aufgelegt wird (Ich finde es sehr schade, daß der Wiener Frauenverlag Männer verlegt) wurde, doch in der Zwischenkriegszeit und auch bei den Nazis ein Bestsellerautor, der dann bis in die Sechzigerjahre die Bibliotheken füllte und zum Beispiel über die Büchergilde Gutenberg sehr viel gelesen wurde, bevor er von der Bildfläche verschwand.
Mir war sein „Zucker aus Cuba“, noch bevor Ruth Aspöck das Buch in ihrer „Edition die Donau hinunter“ wiederauflegte, ein Begriff, befand es sich doch im Bücherkasten und dann noch „Radium“ und „Heroin“ und dieser Bücherkasten hatte für mich wahrscheinlich ab meiner Studentenzeit eine große Anziehungskraft und in den vorhandenen Katalogseiten habe ich auch immer wieder geblättert.
Die Valerie vom Arbeitskreis schreibender Frau, die Witwe Wilhelm Szabos, hatte die Büchergilde Gutenberg Ausgabe des „Karl und das zwanzigste Jahrhundert“ und mir das Buch einmal geborgt. Ich habe es ihr zurückgegeben, so daß es mir der Alfred, da es damals vergriffen war, 2009 antiquarisch kaufte, als ich es für meine „Sophie Hungers Studien“ nochmals lesen wollte.
Damals habe ich den Zeitungs- und Statikstikstil etwas schwierig und das Buch für eigentlich unlesbar gefunden, Milena hat es inzwischen wieder aufgelegt und noch eines, ein mir bisher unbekanntes Werk „Prozeß auf Leben und Tod“, wo es um einen historischen ungarischen Ritualmord aus dem neunzehnten Jahrhundert geht.
Ich habe die Gutenberg-Ausgabe von „Zucker aus Cuba“ vor einigen Jahren gelesen und dann noch „Heroin“ einen sogenannten Rohstoffdokumentarroman über den ich das gleiche aussagen würde, wie über den „Karl“. „Radium“ noch nicht, das muß noch auf meine Leseliste, hat Klaus Kastberger das Buch ja sehr gelobt, als am Donnerstag in der Reihe „Autorenlexikon“, der vergessene Superstar und die zwei neu erschienenen Bücher in der Gesellschaft für Literatur vorgestellt wurden.
Erika Brunngraber, die Brunngraber Tochter, die ich auf unserer Donauradkarawane 2007 kennengelernt habe, war nicht da und auch nicht Ruth Aspöck, die sich in ihrem Verlag sehr für Brunngraber eingesetzt hat und, glaube ich, auch einmal im Literaturhaus über den vergessenen Dichter referiert hat und viel von ihm weiß.
Jetzt haben Klaus Kastberger, der Kritiker vom österreichischen Literaturarchiv und Peter Zimmermann vom Ex Libris referiert, beziehungsweise die beiden Bücher vorgestellt, Manfred Müller hat eingeleitet.
„Karl und das zwanzigste Jahrhundert“, 1933 geschrieben, ist das Buch mit dem Rudolf Brunngraber berühmt wurde. Ein Dokumentarroman, verknüpft er ja das Schicksal Karl Lakners mit der Philosophie von Otto Neurath.
Von den Nazis und den Austrofaschisten wurde das Buch verboten, trotzdem ist es Brunngraber gelungen mit seinen späteren Romanen „Radium“ und „Opiumkrieg“ die Aufmerksamkeit Goebbels zu erlangen, erzählte Klaus Kastberger und meinte, daß er sich durch Anekdoten über die Pistole des Sekretärs, die er während der Audienz, die ganze Zeit angeschaut hatte, durch den Krieg laviert hätte und später trotz der großen Auflagenhöhe, nahtlos als Schriftsteller der Sozialdemokraten angeschlossen hätte.
Da gab es auch den Film zur Wiedergutmachung mit Josef Meinrad „1. April 2000“, wo Brunngraber mit Jörg Mauthe das Drehbuch geschrieben hat und der Film „Der Prozeß“, über den ungarischen Rutualmord, gemeinsam mit G.W. Papst, aus dem dann der Roman wurde oder umgekehrt, hatte offenbar einen ähnlichen Zweck. Klaus Kastberger witzelte darüber, daß in dem Buch Österreich nicht vorkam bzw. durch Nichtanwesenheit rein gewaschen wurde, denn schuld waren nur die Deutschen, etc., Brunngraber hatte auch Ambitionen sozialistischer Kulturminister zu werden, dürfte aber ein Alkoholproblem gehabt haben und in einer Doppelbeziehung gelebt haben, wie Klaus Kastberger andeutete.
Den Film „1 April“ lobte er ebenfalls sehr und riet allen ihn sich anzuschauen. Ich habe, als vor ein paar Jahren die Buchhandlung Kolisch zugesperrt wurde und man sich dort ein paar Bücher nehmen konnte, das Filmdrehbuch (und das erste Buch der Melinda Nadj Abonji) und auch den Film gesehen und mir jetzt, wie schon erwähnt vorgenommen „Radium“ das dritte Buch im Bücherkasten meiner Eltern zu lesen.
Klaus Kastberger erwähnte noch etwas von einer Pension der Fünfzigerjahre am Weissensee, wo Brunngraber offenbar mit seiner Freundin Urlaub machte und sich dort mit den Sozialdemokraten traf, daß es den Nachlaß im Literaturhaus in der Seidengasse gäbe und forderte die Verlagsfrauen auf, „Radium“ zu verlegen. Warum nicht dieses Buch?, fragte er. Wenn man auf den eher spärlichen Wikipediaeintrag geht, findet man noch ein paar andere Brunngraber-Bücher und ich halte auch immer in den Bücherkästen nach verborgenen Schätzen Ausschau.
Brunngrabers Biografie scheint, wahrscheinlich wegen seiner großen Auflagenhöhe in der NS-Zeit auch etwas umstritten zu sein. Jedenfalls kann ich mich erinnern, als ich in der Wien Bibliothek war, als es um den neuen Kanon der Zwanzigerjahre ging, wo auch Brunngraber und der „Karl“ vorgestellt wurde, Dieter Bandhauer sagen gehört zu haben, daß es in seiner elterlichen Bibliothek auch einige Brunngraber Bücher gegeben hätte, um die er aber einen Bogen machte.
eine Frau im Publikum verglich Brunngrabers „Karl“ mit Döblins „Alexanderplatz, Musils „Mann ohne Eigenschaften“, Doderers „Strudlhofstiege“ und Brochs „Die Schlafwandler“.
Für so hochliterarisch würde ich Brunngraber gar nicht halten, es scheint aber einen Briefwechsel Broch-Brunngraber zu geben und war auf jeden Fall ein sehr spannender Abend, von dem zuerst gar nicht sicher war, ob ich hingehen konnte und eine große Konkurrenz mit vielen interessanten Veranstaltungen gab es am Donnerstag auch.

2013-01-17

Der männliche Blick

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:00

„Der Zurückgekehrte“, „Lachdiebe“, der „Angehörige“, drei bei Laurin, Limbus und Otto Müller erschienene Romane von drei mir bisher unbekannten Autoren in den „Textvorstellungen“ von Angelika Reitzer, die ich ja bevorzugt besuche, weil sie mir oft bisher Unbekanntes erschließen, so auch diesmal und ein Thema und eine theoretische Einleitung gibt es immer auch.
„Hier und Jetzt/Bildbearbeitungen“ hieß es und Angelika Reitzer erzählte etwas von Fotografen, die mit ihren Freundinnen skypen ohne sich von ihnen sehen zu lassen. Dann begann, der in Salzburg geborene Peter Simon Altmann mit dem „Zurückgekehrten“.
Von Spaltungen und von Hofmannsthal hat Angelika Reitzer in ihrer Einleitung auch gesprochen und da geht es um einen Übersetzer, der in Kyoto lebt, seine Frau und seine Kinder verläßt und dabei offensichtlich auch sein „Ich“ verliert, so geht er durch die Straßen Kyotos, steigt zu Grabhügeln hinauf und fühlt sich nicht wohl, dann kehrt er zurück nach Salzburg und skypt mit seiner koreanischen Freundin E., die nach der Landessitte eigentlich Jungfrau bis zur Ehe bleiben soll, sich aber nach Art der jungen Frauen heute nicht darum schert, trotzdem weigert sie sich von ihm nackt fotografieren zu lassen und zieht beim Skypen auch ihr Spaghetti-T-Shirt nicht aus. Der Protagonist träumt von Entjungferungen und wird am Ende durch die Kunst gerettet und angelehnt ist das Buch nach einem von Hofmannsthal, der auch einmal dieses Thema behandelt hat.
„Lachdiebe“, vom dem in Graz lebenden 1964 geborenen Bludenzer Rainer Juriatti könnte die Fortsetzung davon sein, hat Peter Simon Altmann gemeint, hat sein Ich-Erzähler doch offensichtlich auch Frau und Kinder verlassen und lebt in Graz als Fotograf, als Fotoredakteur, der funktioniert in dem er in der Redaktion die grauslichsten Bildsequenzen bearbeitet, Frauen mit Nasentumoren, die um Sterbehilfe bitten, Siamesische Zwillinge nach mißglückten Operationen, aktuelles Kriegsgeschehen, etc, der Held flüchtet in die Literatur und lebt von Zitaten, er lebt auch in sozialen Netzen, bezeichnet Frauen offenbar nur als Körper und betrachtet in der Badewanne Bilddokumentationen.
Rainer Juriatti, der in der Einleitung sehr sympathisch von seinem großen Glück einmal, nach dreißig Jahren Schreiben in Wien lesen zu dürfen, erzählte, bot einen Querschnitt aus dem Buch, des Mannes in der Midlifekrise und der dritte männliche Blick war der des 1937 geborenen, in Baden lebenden Geologen Peter Steiner, der schon einige Bücher geschrieben hat und interessant ist wieder der thematische Zusammenhang, er skypt auch mit Frauen ohne sich zu zeigen und beschreibt, älter, als die beiden anderen, die Krise des Mannes durch den möglichen Verlust der Frau, mit der er fünfzig Jahre ziemlich getrennt zusammen lebte. Simon und Lena. Lena, die ebenfalls Fotografin ist, erkrankt an einem Tumor und während sie im Universitätsspital untersucht und behandelt wird, durchlebt Simon offenbar das gemeinsame Leben mit ihr.
Sehr faszinierend, die drei so seltsam ähnlichen, mir bisher unbekannten Bücher, die sich alle auch, obwohl die Autoren sich davon wahrscheinlich distanzieren, psychologisch deuten lassen und möglicherweise auch autobiografisch begründet sind. Frauen würden das wohl anders erzählen, mehr von ihren Gefühlen und ihren Krisen sprechen, jammern, klagen, das Elend bleibt wohl gleich, die Bewältigung ist vielleicht anders.
Interessant auch, daß Peter Simon Altmann Peter Steiner, nach dem Titel seines Buches fragte, der mir sehr logisch und auch passend schien. War es aber nicht, das Buch hätte „Raumforderung“ heißen sollen, Suhrkamp hat ihm dem Autor weggeschnappt, was Peter Steiner sehr bedauerte und auch genau erklärte, warum das Buch so heißen hätte sollen, mir viel weniger passend erscheint, obwohl es natürlich stimmt, daß die Räume und die Trennungen, in der Beziehung der Beiden eine Rolle spielen und nochmals interessant, daß sich eine Frau die männliche Blicke für ihre Textvorstellungen aussuchte.

2013-01-16

Garanas-Trilogie

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:46

Den ersten Teil „Garanas oder Die Litanei“, gabs einmal bei einem der Büchertürmen der Literatur im März. Den Namen Matthias Mander, habe ich damals schon gekannt, kennengelernt habe ich den 1933 in Graz geborenen Autor vor einigen Jahren bei Frau Wazlawiceks Literaturtage in der Galerie Heinrich, da war eine Veranstaltung des Czernin-Verlags und da stellte der Autor den 2005 erschienenen zweiten Teil „Der Brückenfall oder Das Drehherz“ vor, wo es um den Einsturz der Wiener Reichsbrücke am ersten August 1976 ging.
Da habe ich mir vorgenommen, den ersten Teil zu lesen und darauf vergessen, dann kam letzten Sommer die Podium Sommerlesereihe zum Thema „Unsterblich“, da traf ich Matthias Mander wieder und da wurde, glaube ich, schon von Teil drei „Die Holschuld oder Garanaser Filamente“ gesprochen. Ich habe mir jedenfalls ab da das Buch aus den Regalen geholt und auf meine Leseliste gesetzt und bin jetzt sehr begierig in die Gesellschaft für Literatur gegangen, wo der letzte finale Teil der von der Kritik hochgelobten Trilogie, wie im Programm stand vorgestellt und von Christa Nebenführ eingeleitet oder moderiert wurde.
Als ich zehn Minuten vor sieben den Veranstaltungssaal erreichte war es sehr voll. Elfriede Haslehner, die im Februar ihr neues Buch präsentieren wird, war da, der Erika Mitterer Sohn, Ilse Tielsch, Dietmar Grieser, Peter Paul Wipplinger und und und.
Marianne Gruber, die einleitete, sprach in bewegten Worten von der großen Hilfsbereitschaft, dem großen Archiv und der großen Freundschaft des Autors, dann kam Christa Nebenführ und referierte analytischer weiter, nämlich, daß sie einstmals ohne Hans Lebert zu kennen, die ausrangierte „Ausfahrt“ in einer Büchereifiliale fand, sich dann sofort auf die „Wolfshaut“ stürzte, danach die Sommerlesereihe vorbereitete und von Matthias Manders Text begeistert war, in dem man viel über Wirtschaftskrimiminalität lernen kann, der Autor Natur mit Struktur verbindet und wenn seine Figuren aus dem Fenster sehen, viel erzählt wird, obwohl die Schreibtrainerin, das berühmte „Show not tell“, nicht mehr hören kann.
Die Trilogie scheint sehr umfangreich und vielschichtig zu sein, mehrere Handlungsstränge, Christa Nebenführ führte in einige ein, dann kam der Autor mit seiner Aktentasche, packte Marianne Grubers „Erinnerungen eines Narren“ aus, lobte es als das beste Buch der Saison und begann dann seine fünfundvierzig Minuten aus Band drei zu lesen, das heißt er überzog, denn in dieser Zeit wären nur zwei Prozent des Umfangs zu schaffen. So konnte er nur anreißen und zwischendurch erzählen und mein Eindruck, daß die Garanas-Trilogie verwirrend ist, verstärkte sich oder auch nicht, auf jeden Fall scheint Matthias Mander ein Selbstdarstellungstalent zu haben, das auch über eine laute kräftige Stimme verfügt. In der „Hohlschuld“, scheinen auch die ersten zwei Teile enthalten zu sein und der Erzähler ist auch der Autor der Garanas- Bücher. Es scheint mit einem verlorenen Prozeß zu beginnen, bei dem der Protagnonist alles, sein Geld, seine Pension, seine Wohnung etc verloren hat und nun sein Recht bekommen will. Er liest die Briefe all derer, die bei dem Wirtschaftsskandal ihr Geld verloren haben. Teil eins, scheint, wie der Reichsbrückeneinsturz nach realen Begebenheiten passiert zu sein. Der Autor wird auch von Zeitzeugen und Gewerkschaftsmitgliedern besucht, die ihm etwas von diesen Fällen zu erzählen haben, ein Mord passiert und ein alter Mann wirft dem Autor vor schuld an der Misere zu sein.
Wie geschrieben, sehr verwirrend, ganz ist es mir nicht gelungen den dritten von den ersten zwei Teilen abzugrenzen. Aber Teil eins werde ich demnächst lesen, vielleicht wird mir da etwas klarer.
Am Schluß las Matthias Manders noch drei Stellen, die sich auf die Namensgebung bezogen und lud zum Buffet, das aus Schinken, Wein und Brot aus dem Schwanberger Koralpen Gebiet, wo der Roman spielt, stammt.
Sehr verwirrend und beeindruckend, Matthias Mander scheint wahrscheinlich auch ein literarischer Außenseiter und eigentlich ein sehr realistischer Erzähler zu sein, obwohl auch viel Überhöhung darin enthalten scheint.

2013-01-15

Wackere Wracks

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:37
Publikum

Publikum

Beppo Beyerl

Beppo Beyerl

War das Thema des Abends mit Karin Ivancsics bei den Wilden Worten im Amerlinghaus auf den ich mich schon sehr freute und dann ein wenig enttäuscht wurde, war ich doch schon bei Lesungen aus „Restplatzbörse“ und „Es ist schön im toten Meer Toter Mann zu spielen“ und habe mir das letztere Buch auch vor etwa einem Jahr beim Morawa um einen Euro gekauft.
Ja, wenn man nicht genau das Programm anschaut, aber ich war schon sehr lange nicht mehr bei der Richard Weihs Veranstaltung, das letzte Mal glaube ich vor eineinhalb Jahren als Katharina Tiwald ihren Schulroman vorstellte und die Galerie im Amerlinghaus war, als sie erreichte, auch sehr gut besucht.
Margit Heumann, Beppo Beyerl, Hermann Hendrich etc, Richard Weihs stellte Karin Ivancsics vor, die ich aus den Zeiten kenne, als sie beim Wiener Frauenverlag oder war es schon bei Milena arbeitete und sie dann immer wieder bei Lesungen höre oder auf Veranstaltungen sehe. Ist sie sie ja auch Mitglied der Erich Fried Gesellschaft und auch sonst sehr aktiv.

Richard Weihs, Karin Ivancsics

Richard Weihs, Karin Ivancsics

Karin Ivancsics

Karin Ivancsics

Im Programmzettel waren die skurrilen Typen, Singles und unglücklich Geschiedenen, chornische Versager mit der Tendenz zu Verdrängung oder Überkompensation, sowie hoffnungslose Träumer angekündigt und dann hat Karin Ivancsics diese Ankündigung auch nicht ganz eingegehalten, fand sie doch die zweite vorbereitete Stelle aus ihrem letzten Roman „Restplatzbörse“ nicht und hat stattdessen etwas anderes gelesen.
Von dem burgenländischen Muschelsammler Erich, der mit sechs anderen skurrilen Typen einen all inclusive Urlaub bucht und dann dann wegen Flugverspätung in einem Flughafenhotel landet und mit einem John ein Zimmer teilt, hat sie aber schon in der Gesellschaft für Literatur gelesen und wahrscheinlich auch die Stelle, die sie nicht fand. So improvisierte sie wieder mit dem Urlaubsangebot für die weiße ältere Frau, die sich in Ägypten von den jungen Lovern unterhalten lassen soll und las dann noch ein Stück über einen Kreativurlaub in Griechenland.

Richard Weihs

Richard Weihs

Dann kam eine Lesung aus dem „Toten Mann“, da haben mir die skurrillen Typen bei den kurzen Texten gefehlt, aber wahrschein war damit die Nachbarin gemeint, die sich eine Gucci Einkaufstasche ausborgt, darin eine alte Jean hineinstopft und so auf ein „Aftershoppingtreffen“ geht und jetzt habe ich, glaube ich, einen großen Teil des Buches schon gehört, das ich in wahrscheinlich in fast genau einem Jahr lesen werde und dann ist ja auch „Wanda wartet“, ein früheres Ivancsics-Buch im letzten Jahr zu mir gekommen.
Nachher befragte sie Richard Weihs zu ihren Reisevorlieben und sie erzählte, daß sie gerne und viel reisen würde, das in den letzten Jahren, wegen ihres Sohnes nicht so konnte, jetzt aber nachholen würde und Richard Weihs hatte auch viel vor, nämlich einundzwanzig Wunschgedichte, soviel wie nie zuvor, wie er sagte, vorzulesen und teilte auch gleich die Zettel für die neuen vor, wo ich mir eines zum Thema „Stacheldraht“ das mit den Worten „Ich wünsche mir“ beginnen und die Worte „Polizeikommissär“, „Kunstministerium“ und „kreatives Schreiben“ enthalten soll.
Ich bin gespannt, was Richard Weihs dazu einfallen wird. Bei der nächsten Veranstaltung am zweiten Montag im Februar wird Magda Woitzuck zu Gast sein, deren Trilogie „Ellis“ ich auch schon vor kurzem gelesen habe.

2013-01-14

Die Unzertrennlichen

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:07

Jetzt kommt das letzte Geburtstagsbuch, das, da es mir Trude Kloiber erst Ende November gegeben hat, auf die 2013 Leseliste rutschte und erst jetzt gelesen wurde, obwohl es eigentlich, zumindestens der letzte Teil als Weihnachtsbuch gepasst hätte und nach dem Lesen des ersten Teils war ich nahe daran das Lesen zwar nicht aufgzugeben, aber „Das ist ein Buch, das mir nicht gefällt!“, zu schreiben, was ich ja kaum oder eigentlich noch gar nicht getan habe, aber Klamaukbücher liegen mir nicht und da war die 1950 in Kärnten geborene Lilian Faschinger, von der ich die „Wiener Passion“ sehr interessiert und, ich glaube auch, mehrmals gelesen habe und die „Acht Pariser Episoden“ noch zu lesen habe, zumindestens im ersten Teil sehr nah daran.
Ab dem zweiten Teil ist das besser geworden, so daß ich das Buch dann in einem Zug in der Badewanne weitergelesen habe und in den Rezensionen, die ich mir gab, als ich so völlig ratlos war, habe ich gelesen, daß sich die anderen zwar nicht mit an dem Klamauk und der österreichischen Übertreibungskunst, a la Thomas Bernhard, der auch in diesem Buch zu spüren ist, stören, wohl aber, daß nicht so genau einordbar ist, ob das nun ein Krimi ist oder nicht?
Lilian Faschinger hat auf jeden Fall für die „Stadt der Verlierer“, ein Buch, das ich nicht gelesen habe, den Glauser-Preis bekommen und scheint auch eine genaue, ernsthafte Arbeiterin zu sein, zumindestens kann ich mich erinnern, sie das vor Jahren in der Alten Schmiede über „Die Wiener Passion“ sagen gehört zu haben.
Aus den „Unzertrennlichen“ habe ich sie auch schon lesen gehört und zwar hat sie da den Anfang beim letzten „Rund um die Burg“ gelesen und war auch im Sommer damit im Museumsquartier, aber dort komme ich eigentlich nicht hin.
Worum geht es also nach der langen Vorrede? Das ist ist eigentlich lange nicht so klar, zumindest habe ich mich schwer getan in das Buch hineinzukommen, dachte eigentlich oder hatte es so verstanden, es wäre eine Dreiecksgeschichte, das ist es aber nicht oder schon oder nicht nur?
Der erste Teil, der mir so gar nicht gefallen hat, hat aber eine dichte dramaturgische Komposition beginnt doch jedes Kapitel mit dem Satz „Mein erster, mein zweiter Fehler etc war..“, dann nimmt diese Dichte ab, aber auch der Klamauk verschwindet, was mir persönlich angenehmer ist.
Nun denn, die vierunddreißigjährige Sissi ist Gerichtsmedizinierin und eigentlich eine sehr gescheite Frau, obwohl das später dann nicht mehr so klar herauskommt, sie erkennt aber jeden sofort an seinen Krankheiten und diagnostiziert sie ihm auch sehr genau und das hat mich im ersten Kapitel auch von dem Buch gefangen geworden.
Sie wird da von der Großmutter angerufen, die ihr sagt, daß ihr Vater gestorben ist, Sissi liest der Großmutter gleich den Totenschein vor, die das verblüfft, sonst hält sie aber nicht sehr viel von ihrer Enkeltochter und hat auch ihren Sohn, einen ewigen Hippie der sich immer fürchterliche Musik aufdrehte, ziemlich tyrannisiert und Sissis erster Fehler war, daß sie zum Begräbnis in die Steiermark gefahren ist. Denn Hochwürden Wojcik, ein Pole und die Großmutter weigern sich „And when I die“ des Vaters Lieblingslied beim Begräbnis zu spielen und das wird dann und das ist eine Stelle, die in den Rezensionen gelobt wird, mir aber überhaupt nicht gefallen hat, zur Farce, weil dort der Blitz einschlägt, Sissi ins offene Grab gefällt, die Großmutter ihre Haare verliert und der Rest der Familie vom Tinnitus bis zur Sprachlähmung allerhand Beschwerden bekommt.
Sissi trifft aber ihren Jungendfreund, den Kinderarzt Stefan wieder, mit dem sie während ihres Studiums in Wien unzertrennlich war, mit ihm und ihrer Freundin Regina, einer Sängerin, die Stefan später heiratete und mit ihr im Sausal lebte, während Sissi in Wien an der Gerichtsmedizin tätig ist.
Reginia ist vor zwei Jahren in Italien ertrunken oder verschwunden, das weiß man nicht so genau. Jetzt kommt es jedenfalls zu einer Liebesbeziehung zwischen Sissi und Stefan, Sissis zweiter und dritter Fehler, das Erbe des Vaters anzunehmen und Stefan bei der Weinernte zu helfen.
Es gibt auch noch eine seltsame Geschichte über Sissis Mutter, einer Brasilianerin, die ihren Vater und Sissi, als sie ein halbes Jahr alt war, verließ, die erzählt Sissi ihrer Freunin Emma, sie ist nämlich bisexuell, spielt aber sonst keine Rolle.
Jetzt tritt aber die Großmutter mit blonder Perücke von Sissi Hexe genannt auf den Plan, die sich gemeinsam mit Hochwürden Wojcik über Sissis Sündhaftigkeit bei Stefan zu übernachten entrüstet und der Frau Emma das auch gleich brühwarm erzählt, die Sissi daraufhin verläßt, weil ihr der ihre italienische Kochkunst, zum Beispiel gefüllte Schweinsfüße und Kutteln ohnehin nie schmeckten. Vor der Mühle, das Erbe ihres Vaters, das Sissi beziehen will, taucht dann noch ein unheimlicher Behinderter auf und Sissis Familie ist ständig betrunken, der Großvater ein alter Nazi, alle dement oder blöd und und und….
Ein Buch, das ich nicht gerade lesen will und das mir nicht gefällt.
Zum Glück beschließt Sissi im Teil zwei aber nach Italien, wo Reginas Badeunfall bzw. Verschwinden vor zwei Jahren passierte, zu fahren und die Geschichte aufzuklären und da wird das Ganze wieder ernsthafter. Literarische Anspielungen kommen vor, auf der Insel Procida, wo das Paar damals Urlaub machte, hatte Elsa Durante ein Schreibhäuschen, der „Il Postino“ spielt dort auch und Sissi lernt, als sie mit der Fähre übersetzt, einen norddeutschen Übersetzer kennen.
Sie wohnt in derselben Pension in der damals auch Stefan und Regina Quartier nahmen und bekommt von dem Zimmermädchen einen USB-Stick zugesteckt, den Regina damals verloren hat und in dem gibt es die Überraschung.
Regina war gar nicht die tolle schöne Vollkommene für die sie Sissi gehalten hat, sondern schimpft in ihren Tagebüchaufzeichnungen sowohl über sie als auch über Stefan und den hat sie auch nach Strich und Faden betrogen. Da gibt es eine Namensliste, wie im Don Giovanni, und das finde ich für einen originellen Einfall und die Dorfbewohner erzählen ihr auch so allerhand über das seltsame Ehepaar. Es stellt sich auch immer mehr heraus, daß Regina gar nicht ertrunken ist, sondern sich von drei Burschen, die vielleicht der Cammora angehörten, entführen ließ. Sissi folgt ihren Spuren nach Neapel, es stellt sich heraus, es war eine heiße Liebesnacht und Regina hat sich von einem Burschen auch einen Anhänger schenken lassen.
Mit diesem Wissen kehrt Sissi in die Steiermark zurück. Stefan hat sie nichts von ihrem Ausflug auf die italienische Insel gesagt, sondern vorgeflunkert, sie wäre in Helsinki auf einem Ärztekongreß.
Stefan sagt ihr jetzt aber, daß die Ehe gar nicht so gut war und zeigt ihr auch das Leporello-Register mit dem Regina ihn quälte.
Die Familie trfft sich dann auf einem Volksfest mit Flohmarkt und dort kauft Stefan Sissi den Anhänger Reginas, den er vorhin zum Verkauf zur Verfügung schenkte, denn er kann nun doch Reginas Sachen weggeben und Sissi weiß, er hat sie noch nach dem vermeintlichen Badeunfall gesehen.
Die Dorfbevölkerung hetzt gegen den Behinderten, der vor der Mühle herumlungert und auch Sissi ein bißchen attackiert und dann wird plötzlich eine zwei Jahre alte Frauenleiche in einem Tümpfel gefunden, vor dem immer der Behinderte sitzt.
Die Großmutter gibt Sissi den Auftrag zu recherchieren und sie bekommt von den Gerichtsmedizinern heraus, es ist Reginas Leiche, der Behinderte wird verhaftet und Sissi fährt, obwohl sie Emma warnt, in die Steiermark um dort Weihnachten zu feiern.
a gerät sie natürlich in eine Falle, wird in der Mühle fast verbrannt, am Ende aber gerettet und als sie nach Wien zurückkehrt, ein fürchterliches Weihnachtsessen im Kreise ihrer Anverwandten ist ihr nicht erspart geblieben, trifft sie den deutschen Übersetzer vor ihrer Tür, der auf sie gewartet hat und das Leben kann weitergehen….

2013-01-13

Steine und Bausteine 1

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:32

Jetzt kommt die Besprechung des wahrscheinlich ersten Buchs, das ich für das Literaturgeflüster bekommen habe und das ich leider sträflich lang vernachläßigt habe, weil „Erzählungen und Textsammlungen lese ich ja nicht“ und als ich es mir dann im Oktober 2011 nach der GAV-GV vornahm, ist es auf die Leseliste von 2013 gekommen, weil vorher schon alles voll.
„Für Eva Jancak, dieses so überaus aufmerksam angenehme Gegenüber“, hat Peter Hodina in das Buch, in Berlin am 10. 4. 2010 hineingeschrieben und mir zugeschickt, kennengelernt habe ich das „Seit zwei Jahren erst bin ich GAV-Mitglied“, 2009 bei der GAV-GV, da ist auch Elisabeth Ernst mit am Tisch gesessen und hat ein Buch mit mir getauscht oder es mir abgekauft, oder war das schon ein Jahr früher, Dietmar Füssel und Elisabeth Ernst 2008 steht jedenfalls auch noch in dem Buch, Thomas Havlik und Eva Jancak 2009.
Ich habe das Buch damals in das kleine Bücherregal gestellt und dann 2011 in das neu gekaufte, kurz angeschaut und ein Buch von mir zurückgeschickt.
Bei der GAV-GV 2011, als ich mir das Lesen endlich vornahm und das Kurzgeschichten Vorurteil sich aufzulösen begann, sagte Peter Hodina zu mir, daß ich Teil II und III der Sammlung erst wenn ich es gelesen hätte, bekommen würde, nun denn, der Weg ist frei und da ich jetzt ja keine Vorurteile habe, könnte ich es auch früher lesen, beziehungsweise auf jeden Fall auf meine Liste setzen, aber da wird es ja wahrscheinlich bald eine für 2017 geben.
Zurück zu dem GAV-Kollegen, der 1963 in Salzburg geboren wurde, in Berlin lebt oder lebte, 2004 den Rauriser Förderungspreis bekam und seit 2007 in der GAV ist.
„Steine und Bausteine!“, heißt die im Avinus Verlag erschienene Textsammlung, im Buch gibt es gleich eine Ankündigung für die „Bausteine II und III“ und ich vermute, daß auch der etwas sperrige Titel ein Grund war, warum das Buch solange ungelesen blieb, obwohl Peter Hodina ihn in seinem Buch genau erklärt.
„Ein grauer Nasensauger blickt dir über die Schulter“, heißt der erste Text, der damit beginnt, daß Hodina oder wer auch immer sich in die Universitätsbibliothe begibt, um sich ein Buch auszuleihen und was sieht er dort, lauter Leute die sich mit Kampfcomputerspielen beschäftigen und als er den „Anzeigenmarkt für Universitätsabsolventen“ durchblättert, stößt er er auf die Stelle, daß sich „die Bewerber zwecks recruiting an die sogenannte Stabsstelle wenden sollen.“
Das führt Peter Hodina zu Elisabeth Ernst, die das Titelbild gemalt hat, ein etwas trübsinnig dreinblickender Mann vor einem Buch und einem Zigarettenpackerl, dahinter gibt es den Abdruck des „grauen Nasensaugers“, treffender kann man die philosophischen Krisen der Schulabgänger wohl nicht ausdrücken und davon und von vielen anderen handelt auch das Buch.
„Beseelte Steine“, lautet die zweite Überschrift und wir kommen den „Bausteinen“ schon viel näher, gab es da ja eine umfangreiche Hodinasche verstreute Notizsammlung und einen Karst-Spaziergang mit Richard Wall, wo ja auch die Steine herumliegen und einer wurde von einem Ast aufgespießt, dazu gibt es auch ein Bild aus der Hodinaschen Fotosammlung.
Dann geht es weiter mit dem Nullpunkt oder der „Beginnlosigkeit“ bis hin zum ersten Satz, mit denen die literarischen Texte ja beginnen müßen, bis zum „Bibelstechen“ und als ich, ob all der philosophischen Betrachtungen schon ein wenig ratlos war, ich bin ja eine Geschichtenschreiber- und Leserin, kommt Peter Hodina dankenswerterweise auch dazu und erzählt in „Schwarzlicht“ eine schaurig beklemmende Geschichte einer, seiner Jugend in wahrhaft Canettiesker, Kafkaesker oder ist es eher die Berhardsche Manier?“
Er erzählt jedenfalls von seinen Wohnungen, von der elterlichen ist er in eine große Altbauwohnung gezogen, die vorher sein Bruder bewohnte, der nimmt die Vorhänge, den Teppichboden und Möbel mit, die Eltern stiften Bettwäsche für Jahrhunderte und andere unbrauchbare Sachen, der Ich-Erzähler, der später zum „er“ wird, verkrümmt sich hinter Stühlen und in Badewannen, um den neugierigen Nachbarn zu entgehen, die Vermieter stehen vor der Tür und rätseln, ob das Subjekt zu Hause ist und später beim Delogierungsprozeß hat er es schwer nachzuweisen, daß er jahrelang zusammengekrümmt dortgewesen ist und die Wohnung nur manchmal wegen seiner Vorträge, für die er bald berühmt war, verließ.
Das Elternhaus und die schlechte Beziehung zu den Eltern thematisiert auch den nächsten Text „Knochengeschichte“, da schläft er im Kinderzimmer unter einem Kruzifix mit Knochen, der wahrscheinlich vom Onkel oder Bruder der Großmutter stammt, das er später in die Salzach wirft und philosophiert darüber, ob man Kindern solches zumuten darf und, daß er sich gerne in die Salzach werfen ließe.
In „Gebrochener Wille“ ist Papa Bernhard ebenfalls erkennbar, erzählt er ja von seinem Vater, der jahrelang mit dem Finger auf den Tisch klopfte und dazu „Toktok, dein Wille muß gebrochen werden!“, memorierte.
Die österreichischen Kinderstuben und die Gewalt, die in ihnen passiert lassen grüßen und deshalb kommt Hodina auch gleich zum Thema Schuld und fragt nach, ob die Eltern den Kinder die Schuld für den World war anlasten können und ob der Sohn töten darf, um seinen Vater damit zu entschuldigen oder ob der damit ins Irrenhaus kommt und in „Schreibzeit“ thematisiert er es dann ganz direkt „Zu sagen, „ich bin in meiner Kindheit zerstört oder für immer traumatisiert worden“, trägt schon die mir verhasste Resignation in sich.“
Einige Geschichten sind Prof. Greif gewidmet, dem Philosophieprofessor, wahrscheinlich studierte Peter Hodina Philosophie von denen die erste wieder eine gigantischer Gegenmonolog in der besten Berhardschen Manier ist, der Schüler steigt mit dem Professor auf einen Berg, sie beschimpfen sich gegenseitig und werfen sich die fürchterlichsten Sachen vor „Trotzdem konnte ich nicht so einfach behaupten: der Professor will mich zugrunde richten, da hätte ich mich nicht nur lächerlich gemacht, sondern ich wäre ja als ein Wahnsinniger an dem Institut erschienen“, am Ende springt der Professor vom Gipfel und der Schüler schreitet am nächsten Morgen trittfest herab.
In einer Geschichte stellt sich der Ich-Erzähler vor, wie er die FAZ und andere Zeitungen lesend als Kind im Kinderwagen sitzt. Dann gibt es wieder Texte zur Pünktlichkeit und die letzten drei Geschichten befassen sich mit dem Selbstmord des Freundes Hermann M.
„Steine und Bausteine – ein provisorischer Titel für ein Provisorium, Sammelsurium, Vademekum. ein „Sudelbuch“ der Gegenwart, Gleichnishaft-groteske Erzählprosa, Aphorismen, Essays, Lesefrüchte, Traumprotokolle, manchmal ein Gedicht. Griff ins Volle, ins Leere, ins Dazwischen. Je nachdem. Es kommt auch auf den Lesenden an“, steht am Buchrücken.

2013-01-12

Ellis

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:00

Einige Texte aus Magda Woitzucks Amerika-Trilogie „Ellis“, habe ich schon gehört, so hat sie, glaube ich, mit der Geschichte „Hollywood“ bei dem Jungautorenwettbewerb, den es in Ö1 vor einigehttps://literaturgefluester.wordpress.com/2012/11/26/buch-wien-geschichten/n Jahren gab, gewonnen, bzw. wurde ihr Text gesendet und einen Teil aus der Titelgeschichte hat sie auf der Buch-Wien gelesen, woher ich das in der Literaturedition NÖ erschienene Buch auch habe.
Den Namen der 1983 in Wien Geborenen und in Neulengbach Lebenden kenne ich, seit ich damals im Palais Niederösterreich war, später hat sie mit „Doggod“ einen der „Hörspiel des Jahres“-Preise gewonnen, ein paar Mal Hans Weigel-Literaturstipendium und andere Auszeichnungen, in meinem „Unter Dreißig“-Artikel habe ich sie, glaube ich, auch erwähnt, warte, daß sie einmal in Klagenfurt liest und ihre Geschichten sind auch wirklich sehr interessant und haben einen eindrucksvollen Ton, der das menschliche Elend fast poetisch zu verbinden weiß.
So gibt es in L.A angeblich tatsächlich die Wächter, die das Schild „Hollywood“ bewachen, vielleicht um Selbstmörder zu vertreiben, in Riga stehen auch immer Polizisten auf der Brücke und die Schauspieler, Regisseure etc, die ihre Hoffnungen, in der Traumstadt Karriere zu machen, aufgegeben haben oder noch haben, landen dort. Simon kommt vom Land und hat vorher Pferde eingeritten, von einer wilden Stute hat er ein Trauma zurückbehalten, deshalb säuft er viel und wurde auch von einer Frau verlassen. Als er nach zuviel Scotch einschläft und wieder aufwacht bemerkt er das Mädchen auf dem „L“.
Ihre Schuhe stehen noch dort, die Polizei betrachten ihren Fall als Routine und Simon wird wahrscheinlich weitertrinken und die Katze füttern oder sie vielleicht doch weggeben.
„Golden Gates“ hat ein ähnlich düsteres Szenario. Da geht es um John und Janet. John arbeitet auf der Brücke, Janet hat Nachtdienste in einem Krankenhaus und vor einigen Jahren ist ihr Sohn mit dem Fahrrad auf die Brücke gefahren und gesprungen. Jetzt will John einem seiner Mitarbeiter, der auch Zeuge eines Sprungs war, zu einer Therapie überreden und Janet bemerkt, daß das Kind im Nachbarhaus viel allein ist und weint, weil es sich vor den Geistern unter der Treppe fürchtet, während Mami arbeiten muß und Papi im Irakkrieg ist.
Die Titelgeschichte erinnert, was mich besonders freut, an die „Absturzgefahr“ bzw. an das „Frünffrauenhaus“, geht es darin ja um Ellis I bis Ellis V und als die letzte in St. Pölten niederkommt, bzw. den Schlüßel in die Tür der Ururgroßmutter steckt, weiß sie, daß Ellis VI genauso ein junge, wie der kleine Benny werden wird.
Ganz so schlecht kann ich also nicht sein und der St. Pölten Bezug ist natürlich auch sehr interessant.
Beginnen tut es am 18. August 1912, da spaziert die zwölfjährige Elisabeth Maria Swoboda mit ihren Eltern, dem kleinen Bruder und wahrscheinlich einigen Koffern die Kremsergasse Richtung Bahnhof hinunter, um sich auf die große Reise zu begeben, von der sie nie zurückkommen soll. Sie hat das aber noch nicht realisiert, deshalb steckt sie den Schlüßel, den die Eltern an der Türe steckenlassen ein und nimmt ihn mit auf die Reise nach Amerika, die in der dritten Klasse der „Alice“ ein paar Wochen dauert, dem kleinen Bruder das Leben kostet, Elisabeth Maria um ihre Jungfräulichkeit bringt und in Ellis Island wird sie auch noch in eine Ellis umgewandelt.
1928 wird dann Ellis II geboren und das Kind von seiner Mutter, die sich als Putzfrau verdingt und seinem Vater, einem Kriegsveteranen sehr geliebt, ein Schicksal, das Ellis V nicht erleben wird. Aber noch gibt es Ellis III, die verläßt 1968, da ist sie achtzehn, die elterliche Tankstelle und kehrt erst 1972 schwanger mit einem Gitarristen und einer schwarzen Autofahrerin zurückt, dazwischen hat sie Woodstock und noch einiges andere erlebt, der Gitarrist verläßt Frau und Kind und zieht nach New Orelans und als Ellis IV 1989 betrunken und geschwängert vom Abschlußball nach Hause kommt, bricht sie die Tradition, überläßt das Kind der Mutter und Großmutter, die Urgroßmutter ist inzwischen in New York gestorben und zieht selbst dorthin, um einen reichen Banker zu heiraten, der 11. 9. 2001 bringt sie wieder zurück, bzw. zieht sie zu ihrem Vater nach New Orleans und Ellis II und III weihen Tochter und Enkeltochter in das Familiengeheimnis ein, das ist der Schlüßel, den Ellis I mit von Europa brachte und das Medaillon ohne Kette des Heiligen Hippolyt, des Schutzheiligen von St. Pölten, das haben die Mütter immer den Töchtern, wenn sie schwanger waren, übergeben oder nicht so ganz, denn Ellis V lernt auf der Uni einen Fritz aus St. Pölten kennen, das sie bisher immer „Saintpolden“ aussprach und fährt mit ihm, dem Schlüßel und dem Medaillon in die alte Heimat der Ururoma „steckt den Schlüssel ohne Hast in das Schloss und drehte ihn mit einer Bewegung aus ihrem Handgelenk. Dahinter lag das unerklärliche Wissen. Ellis VI würde ein Junge sein.“
Magda Woitzuck ist eine fantastische Erzählerin, mit einem unbestechlichen Blick für sprachliche Details, die es schafft, den großen Bogen einer Geschichte zu spannen und schlüssig zu beenden“, steht am Klappentext.

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