Literaturgefluester

2013-01-11

Die Entsetzungen des Josef Winkler

Filed under: Uncategorized — jancak @ 21:03

„Seit dreißig Jahren“, sagte Kurt Neumann in seiner Einleitung gestern, „gäbe es wieder ein mehrtägiges wissenschaftliches Symposium in der Alten Schmiede!“, eine Aussage, die mich etwas stutzig machte, war ich da doch 2005 oder 2006 vielleicht bei einer relativ großen Jelinek-Veranstaltung und etwas von der Kramer-Gesellschaft gab es auch einmal, aber vielleicht waren das andere Veranstalter und sich zu Jahresbeginn mit Josef Winklers Werk zu beschäftigen ist sicher interessant.
„Das haben wir“, referierte Kurt Neumann weiter, „der Konsequenz von Alexandra Millner und Christine Ivanovic zu verdanken!“
Alexandra Millner war einmal Praktikantin in der Rahlgasse und hat die Anna in Deutsch unterrichtet und Josef Winkler kenne ich auch ganz gut, seit er 1979 in Klagenfurt wahrscheinlich mit „Menschenkind“, dem ersten Teil der sogenannten Kärntner-Trilogie, ein Verlagsschmäh, wie ich hörte, einen Sonderpreis gewonnen hat, damals habe ich ja noch sehr gerne in Klagenfurt lesen wollen und der Kärntner Autor ist mein Jahrgang, allerdings schon im März geboren, der Sechziger ist also nicht mehr weit und „Menschenkind“, habe ich mir damals, glaube ich, auch gekauft. Zumindest habe ich es in meinen Katalog stehen.
Viel mehr habe ich dann lange nicht von ihm gelesen, aber als ich 1996 auf eigene Faust und eigene Kosten zum Zuhören nach Klagenfurt fuhr, hat er, ein kleines Kind am Arm, ein zweites Mal mit, wie, ich glaube, Ausschnitte aus „Domra“, dort gelesen und ich habe mir gedacht, das ist zwar ein „Reisetext“, aber er wird gewinnen und mich damit geirrt.
Jan Peter Bremer, hat, was mich noch immer wundert, gewonnen und den Indientext „Domra“ habe ich dann vom Karl einmal zum Geburtstag bekommen.
Es drangen aber natürlich Titel von dem Kärntner Wunderkind und Sprachgewaltigen an mein Ohr.
„Der Ackermann aus Kärtnen“, der zweite Teil der Trilogie, dann 1990 „Der Friedhof der bitteren Orangen“, beide Werke habe ich nicht gelesen und die römische Novelle „Natura Morta“, die Donnerstagabend in der Grundbuchreihe vorgestellt wurde, habe ich nur als Oper, ich glaube, im Rahmen der Festwochen gesehen. 2009 hat Winkler im rosa Hemd die berühmte Rede zur Eröffnung des Bachmannslesen gehalten, worin er sich empörte, daß es in Klagenfurt noch immer keine öffentliche Bibliothek gibt und ein Kind ums Leben kam, weil der Landeshauptmann ein Fußballstadium bauen wollte.
2008 bekam er den Büchnerpreis, in diesem Jahr habe ich schon gebloggt und Frankfurt gesurft, wo er groß auftrat und gefragt wurde, ob es sich den Nobelpreis wünscht. Er sagte „nein“, ich würde bekanntlich „ja“ sagen, aber mich fragt ja keiner und ziemlich zeitgleich vor zwei Jahren war er in Ö1 im Gespräch, stellte seine Autobiografie „Die Realität so sagen, als ob sie trotzdem nicht wär“ vor und sagte da, glaube ich, in jeden Satz, daß er so schreiben möchte, wie der große Handke und, daß ihn Texte mit einem Plot und fortschreitender Handlung nicht interessieren.
Dazwischen hat er dann noch eine Laudatio für eine Fried Preis-Trägerin gehalten und ein zweites Indien-Buch, das gleichzeitig ein Requiem auf seinen Vater „Roppongi“ ist, gibt es auch.
So weit in kurzen Worten mein Josef Winkler Wissen, das heißt in dieser Reihe zum Nationalfeiertag „Mit Sprache unterwegs“ war er auch aktiv und wiederholte seine kritischen Einwände auf das Land und die Regierung Kärnten.
Dank Klaus Amann, der das Einleitungsreferat „Attacke und Rettung. Zu einem Grundmuster bei Josef Winkler“ hielt, weiß ich jetzt etwas mehr. Denn Klaus Amann hat Josef Winkler in den Siebzigerjahren kennengelernt, als er noch Schreibkraft an der Kärntner Uni oder Hochschule für Bildungswissenschaft war und beschrieb ihn als schlank, durchsichtig und leicht gebeugt, er hat dann mit ihm auch in einer Wohnung gelebt und dort offenbar die Entstehung der drei ersten Romane, da gibt es dann noch die „Muttersprache“ miterlebt, wo sich Winkler gegen das Kärntner Dorf, die katholische Sozialisierung und den Vater wandte und schrieb und schrieb, um zu überleben.
Dann ging er nach Rom, dort entstand „Der Friedhof der bitteren Orangen“ und die Novelle „Natura Morta“, was etwa „Stilleben“ bedeutet, die Franz Haas, der in Rom Germanistik lehrt auch genauer beschrieb. Es geht um das fotografische Auge und um das Schauen. Winkler ist mit Haas viel auf den römischen Märkten herumgegangen und hat den Fisch- und den Gemüsehändlern mit seiner Füllfeder und den Notizbuch auf die Finger geschaut. Dann ist die Erzählung über den sechzehnjährigen Marktgehilfen Picoletto entstanden, der von seinem Chef, einer „transvestitischen Schwuchtel“ Pizza holen geschickt und dabei überfahren wird. Eine Summe von Eindrücken des römischen Marktlebens, die Winkler, der auch gern ins Kino geht, mit seinem filmischen Auge in allen Farben gezeichnet hat.
Danach kamen, erzählte Klaus Amann weiter, die Indienreisen, das Buch „Domra“ und „Roppongi“, die Versöhnung mit dem Vater und in letzter Zeit die politischen Texte und Reden.
Das Thema des Symposiums waren aber die „Entsetzungen“, ein Ausdruck, den, glaube ich, wenn ich es recht verstanden habe, Ilse Aichinger prägte, die Josef Winkler als den einzigen Gegenwartsschriftsteller schätzt, der für sie Geltung hat.
Der französische Germanist und Winkler-Experte,Bernard Banoun, der auch Winkler übersetzt hat, am Donnerstag ist „Roppongi“ auf Französisch erschienen, sprach über „Entsetzungen und Berunruhigungen.
Dann gab es eine Pause in der auch Josef Winkler in seinem rosa Hemd erschien, Arno Geiger, der damals 1996 in Klagenfurt das erste Mal gelesen hat, war da und Daniela Strigl, die das erste Panel moderierte.
Nach der Pause sprach Christoph Leitgeb an Hand des Textes „Die sterblichen Überreste einer Marionette“ aus „Leichnam, seine Familie belauernd“, über das „Unheimliche“ und zitierte dabei Freud, etc, etwas womit ich mir sehr schwer tat und ich fragte mich was wohl Josef Winkler zu den vielen literaturwissenschaftlichen Interpretationen sagen würde und am Ende verglich Alexandra Millner, das Winklersche Werk mit den Romanen von Gavino Ledda und Carlo Levi, die Winkler sehr schätzen würde.
Dann kam die Grundbuchreihe über „Natura Morta“, die ich wegen meinen neunzehn Uhr Klienten, versäumen mußte.
Am Freitag ging es weiter mit den „Todesartes und Lebensmittel – Winklers reisender Humor“ vorgetragen von dem Schweizer Germanisten Alexander Honold.
Der Tod spielt ja in allen oder vielen Werken Winklers eine Rolle, beginnend mit den Kälberstricken an denen sich die beiden Jugendfreunde Jakob und Robert in dem Dorf erhängten, die Todesrituale in Indien und die vielen Unfälle, denen Winkler fast entgangen ist, der Geisterfahrer in Indien, wo Klaus Aman ihn begleitete und mit ihm im Taxi fuhr und als Winkler von Klagenfurt nach Salzuburg reiste, um Elisas Canetti zu hören, von dem er immer Bücher in seinen Manteltaschen trug, wäre ihm auch fast etwas passiert. Aber das erzählte er erst auf auf Dana Pfeiferovas, der Budweiser Winkler Spezialistin, Frage, wie er zu Canetti stehe und da beantwortete er auch die Frage, wie man die Gebete übersetzen solle? Der französische Übersetzung, hat sich dazu die Gebetbücher eines Pfarrers ausgeborgt und das riet auch Winkler, die einheimischen Gebete zu nehmen und dort, wo es keine katholischen Traditionen gäbe, es anders zu machen.
Das betraf den Japaner Hiroshi Yamamoto, der ein Referat zu „Vermessung der Todeslandschaften“ hielt und da erfuhr ich erst, daß Roppongi in Japan und nicht, wie ich dachte in Indien liegt und dort ist Josef Winkler auch gewesen, als er von dem Tod seines Vaters erfuhr. Dann ist es sich nicht mehr ausgegangen am Begräbnis seines Vaters teilzunehmen und der wollte das offenbar auch nicht, so hat er das „Requiem für seinen Vater“ geschrieben und eigentlich ist „Roppongi“, doch das zweite Indienbuch, denn Winkler hat seine Erinnerungen an Kamering mit den indischen Todesarten verknüpft und damit begonnen, daß es in Indien keine Geier mehr gäbe, seit die Menschen dort Psychopharmaka nehmen, denn das vertragen sie nicht. Vielleicht ist das der feine Humor oder auch Zynismus, den Klaus Amann an Josef Winkler lobte und dann ging es auch um die Genauigkeit oder Ungenauigkeiten in seinen Werken und wie man die übersetzen soll? In einem Buch, vielleicht ist es „Roppongi“, steht, daß dem Vater ein Finger fehlte und einmal war es an der linken ein andermal an der rechten Hand. Der Übersetzer hat es ausgebessert und fragte nun Josef Winkler, was richtig wäre? Der wußte es auch nicht und sagte, er würde seine Geschwister fragen, vielleicht wüßten sie es.
Evelyn Polt-Heinzl und Christine Ivanovic beschäftigten sich in ihren Referaten mit dem Buch „Verschleppung“, in dem Josef Winkler, als er wieder nach Kärnten zurückgekommen ist, sich bei einer Bäuerin einquartierte, die als junges Mädchen von den Nazis zur Zwangsarbeit nach Kärtnten verschleppt wurde und dann den Sohn des Bauern heiratete. Über sie hat er in dem Buch geschrieben, das die Rezeption nicht gut aufgenommen hat und und die Bauern, die Bäuerin, die schon gut integriert war, nach dem Erscheinen wieder zur „Russin“ machten. Darüber wurde diskutiert und Christine Ivanovic verband ihr Referat auch noch mit der „Verschleppung Europas“ und den verlorenen Söhnen.
Das erschien mir ein bißchen zu weit hergeholt. Aber das Buch ist interessant und das habe ich genauso wenig gekannt, wie „Wenn es so weit ist“, das einzige Buch Winklers, das einen anderen als einen Ich-Erzähler hat und das von Klaus Amann als das beste Winkler-Buch bezeichnet wurde. Vielleicht findet sich mal was in den Kästen und am Schluß gab es eine Winkler Lesung, nämlich mit einem frühen und einem späten Werk, die beide im Frühjahr bei Suhrkamp erscheinen werden.
Das frühe Werk „Wortschatz der Nacht“ erschien 1978 in den Manuskripten und wurde, wie Josef Winkler erzählte, in vier wortrauschigen Nächten in Klagenfurt in der Wohnung Klaus Amanns mit der Kugelkopfschreibmaschine geschrieben und handelt von toten Kindern und toten Tieren, „der Gott meiner Kindheit“, kommt mehrmals vor. Nach meinem Geschmack ist zu „wortrauschig und zu abgehoben“, möglicherweise würde ich auch (oder hatte ich schon) mit „Menschenkind“ Schwierigkeiten haben. Da tat ich mich mit dem neuen Werk „Mutter und der Bleistift“ leichter, denn das ist „realistischer“ und leichter zu verstehen, erzählt wieder von der Kindheit im Dorf, wie er dem Onkel oder Großvater Briefmarken stiehlt und sie dann am Herd verbrennt, „der Kopf des Bundespräsidenten geht in Flammen auf“ und als er das der Mutter beichtet, schlägt sie ihm den Hintern blutig und begonnen hat der Text, was ich interessant fand, wie ein Bisinger-Gedicht.
„Mit meiner ledernen Umhängetasche saß ich in Benares und dachte an meine Mutter“ oder so ähnlich. Dann gibt es einen zweiten Teil, wo er der Mutter Weihwasser zum Trinken bringt, bis sie diese durch Psychopharmaka ersetzt und im dritten Teil ist Winkler in einer Kirche in Kiew, wohnt dem mehrstündigen Gottesdienst bei und schaut den Leuten beim Weihwassertrinken zu.
Kurt Neumann lobte den Bogen in der Winklerschen Schreibweise, seine „waag- und senkrechten Querbalken“ und verwies auf das Leseerlebnis, das man nach Erscheinen der neuen Texte haben wird.

2013-01-10

Die literarische Welt

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:00

Jetzt kommt ein Fund aus dem Wortschatz und ein wirkliches Gustostückerl, nämlich Willy Haas, 1957 geschriebene Erinnerungen „Die literarische Welt“.
Willy Haas werden jetzt wahrscheinlich die meisten fragen, wer ist das? Keine Ahnung oder nie gehört! Da bin ich zum Glück ein bißchen weniger unbedarft, habe ich mir doch vor Jahren, als ich noch Psychologie studierte und mich mit meiner Freundin Elfi für Herrn „Novak“ Opernkarten anstellen ging, um, ich glaube fünfzig Schillig, den Briefwechsel zwischen Willy Haas und Hofmanntsthal gekauft. Gekannt habe ich damals nur Hofmannsthal, aber die Johannes Urzidil Bücher folgten bald und Kafkas „Amerika“, das ich auch gelesen habe, muß aber gleich gestehen, daß sich mir das Genie Kafkas noch immer nicht erschlossen hat, vielleicht ist er mir zu sagenumwoben und zu skurril. Ich bin da ja realistischer und halte mich wahrscheinlich eher an das „Mittelmäßigere“, aber das sind nicht meine Worte, sondern schon die von Willy Haas und der war ein Freund Franz Werfels, der mir ein bißchen zugängiger, als Franz Kafka ist und mit beiden in Prag zur Schule gegangen, da war dann noch Max Brod dabei, zudem der Gymnasiast, weil schon in den höheren Klassen und schon veröffentlicht, erfürchtig aufschaute.
Aber ganz unbedarft bin ich nach meiner Matura und als Studentin auch nicht gewesen, habe ich da ja den „Mann ohne Eigenschaften“ gelesen, Franz Werfels „Verdi“ aus dem Bücherkasten meiner Eltern und Stefan Zweigs „Die Welt von gestern“ ebenfalls von dort und da steht ungefähr das drinnen, was auch der 1891 in Prag geborene Willy Haas geschrieben und erlebt hat.
Haas ist in Prag ins Gymnasium gegangen, war mit dem Genie und Lyriker Werfel befreundet, einen Rene Rilke, der ein paar Straßen weiter wohnte, gab es auch, was waren das für Zeiten, wo man die Berühmtheiten in der Schulbank traf und so schreibt Haas in seinen Erinnerungen darüber.
„Die Literarische Welt“ ist eine Literaturzeitschrift, die er erst später für Ernst Rowohlt gegründet hat, zuerst ist er in Prag zur Schule gegangen, hat Jus studiert und das ungeliebte Studium abgebrochen, ist mit einer Frau, die noch mit einem anderen Dichter verliebt und verheiratet war, nach Berlin gegangen und ist dort Filmkritiker geworden.
Das schildert er sehr köstlich, er sitzt in Berlin, hat kein Geld, jemand verschafft ihm eine Stelle an der Zeitung, wo er die Filmkritiken sortieren muß, nach ein paar Tagen geht er zum Redakteur, sagt“Wir haben doch noch eine Freikarte und keinen Kritiker, der hingehen könnte, geben Sie sie doch mir!“
Der Redakteur schaut die Kritik an, Haas, denkt „Uje, nichts!“, da sagt er dann „Hätten Sie mir doch gesagt, daß sie schreiben können!“
Später wird er noch Filmdrehbücher schreiben und Greta Garbo, er für die „Freudlose Gasse“, entdecken und dem gerade aufsteigenden Sternchen schreiben „Ich prophezeie Ihnen, daß sie weltberühmt werden!“
Es kommt keine Antwort, später als man schon vor Hitler flüchtet, erfährt er dann vom Sekretär, daß der den Brief weggeworfen wurde.
In Berlin ist er aber schon als Jugendlicher mit seinen Eltern gewesen und dort auch in Kabarett gegangen, beziehungsweise taten das seine Eltern, die sich auch die Schlagertexte, die damals modern gewesen sind, kauften. Haas gibt ein paar Beispiele „Von der glücklichen Berliner Zeit“: „Ich bin die Josephine von der Heilsarmee“ oder „In der Luft, in der Luft liegt der Paprika, Steigt zum Himmel, Himmel, Himmel mit Hurrah!“, dann kommen zwei Texte über seine „Theaterleidenschaft“ beziehungsweise seine „Begegnungen mit Max Reinhardt“, den er schon als Knabe in Prag sah, dann seinen Aufstieg in Berlin, Wien, Salzburg erlebte und schließlich davon berichtet, wie er in Amerika scheiterte.
Ein Kapitel ist Brecht und seiner „Dreigroschenoper“ gewidmet, den Haas, man glaubt es kaum, durch Hofmannsthal kennengelernt hat und der den beiden „unheimlich“ war, weil der „das Profil eines Jesuiten, die Drahtbrille eines Oberlehrers, das kurzgeschnittene Haar eines Sträflings und die zerschlißene Lederjacke eines alten Parteibolschwiken“ hatte, was Haas nicht gefiel.
Es kam dann am 31. Oktober 1928, ein Jahr bevor die Banken krachten, zur Uraufführung der „Dreigroschenoper“ und auch zu einem „Plagiatsskandal“, da Brecht einige Verse von Villon übernommen hatte und auch zu zitieren vergessen hatte. Interessant die Parallelen. Die „Dreigroschenoper“ wurde dann auch von G. W. Pabst verfilmt und Haas schreibt „glaube ich nicht, daß der Film ganz an das Original heranreicht“.
Im nächsten Kapitel geht es um „Schauspieler und Regisseure“, denn offenbar ist Haas dann auch Theaterkritiker geworden und hat die Inszenierungen aller Theatergrößen der Neunzehnhundertzwanzigerjahre gesehen und bekrittelt. Interessant, daß schon damals, wie ich es nennen möchte, die Originale „vermurkst“ wurden. Haas schreibt vom „Svejk“ und daß es passieren konnte, daß man, wenn man im Altprag Straßenbahn fuhr, die Kondukteure auf das Zwicken und die Passagiere auf das Aussteigen vergaßen, weil der Schaffner so interessant vom „Svejk“ erzählte. In Berlin inzenierte aber außer Reinhardt auch Erwin Piscator und der ließ in Schillers „Räuber“ den Spiegelberg in der „Maske des (damals noch sehr mächtigen) Leo Trotzki mit verbeulten, harten Melonenhut , in einem grauen, schäbien Jacket“ auftreten. Nun ja, nun ja, also auch keine Erfindung unserer Regisseure, aber über das habe ich mich schon als junge Studentin , als ich noch ins Theater ging, geärgert. Der Theaterkritiker Haas tat das in Berlin der Neunzehnzwanzigerjahre sehr oft und hatte auch manchmal seine Eltern dabei, der Papa hat ihm ja bald, nach dem er sein Bankkonto gesehen hat, verziehen, daß er nicht seine gutgehende Rechtsanwaltspraxis übernommen hatte, die Mama war viel kritischer und hat erst gesagt „Du hast doch recht getan, daß du nicht in Prag geblieben bist, mein Junge!“, als sie erlebte, daß ihm die berühmte Henny Porten während einer Premiere aus der Loge zuwinkte.
Dann wird von der „Literarischen Welt“ berichtet, der Zeitschrift die Haas zwischen 1925 und 1933 herausgegeben hat und in der Texte von Hofmannsthal aber auch von James Joyce, Marcel Proust, den damaligen Literaturgrößen und man staune auch Berichte von Hedwig Courths-Mahler über ihre Lehrerin Marlitt, die Haas sehr geschätzt hat, erschienen sind.
Rainer oder Rene Maria Rilke hat er wegen seines „Adelsdünkels“ weniger geschätzt und als die Nazis kamen ging er nach Prag zurück und von dort nach Indien, wo es sehr beeindruckende Beschreibungen von den Nasenringen der Frauen und den heiligen Kühen gab und sich Haas in der Filmwelt betätigte. Des Klimas wegen kam er wieder nach Deutschland zurück, wo er von den Kindern berichtete, die einen Hausbau für eine neue Ruine hielten und Alfred Kerrs Schlaganfall miterlebte.
Ein sehr beeindruckendes Buch eines, wie ich meine, sehr selbstbewußten Mannes, das man um einen Eindruck vom literarischen Leben der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts zu bekommen, lesen sollte, wenn man es noch bekommt.

2013-01-09

Die Tagebücher des Gerhard Amanshausers

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:31

Der Salzburger Residenzschriftsteller Gerhard Amanshauser wäre am 2. Jänner fünfundachtzig geworden. Zu diesem Anlaß erschien beim neuen Residenzverlag eine von seinem Sohn Martin herausgegebene Tagebuchsammlung „Es wäre schön kein Schriftsteller zu sein.“
„Literarische Zeitgenossenschaft mit Scharfblick, höchsten Ansprüchen, schneidender Kritik und einigen Irrtümern“, titelte die Alte Schmiede die Veranstaltung im Programm, bei der Germanist Günther Stocker, ein jüngerer Mann mit langen Haaren mit Martin Amanshauser und Peter Rosei diskutierte.
Nach den Irrtürmern habe ich leider nicht gefragt und bin auch nicht durch Kurt Neumanns Einleitung daraufgekommen, der Gerhard Amanshauser als literarischen Einzelgänger bezeichnete, vom Techniker, analytischen Verstand und Dandytum sprach. Ich habe den eher kleineren dünnen Herren, glaube ich, in den späten Siebziger- Anfang Achtzigerjahren durch die Residenzalmanache, die ich mir damals regelmäßig kaufte und in denen immer seine Texte waren, kennengelernt.
Persönlich war ich, glaube ich, 2000 bei der Lesung bei Buch und Wein in der Schäffergasse, wo wahrscheinlich das mit Martin Amanshauser gemeinsam geschriebene Buch „Der Sprung ins dritte Jahrtausend“ vorgestellt wurde und den 1968 geborenen Martin Amanshauser kenne ich durch seine Reisereportagen, habe seinen Trashroman „Nil“ einmal beim Standard gewonnen, war bei einigen seiner Lesungen, zum Beispiel bei „Rund um die Burg“, an „Chicken Christl“, das ich mir einmal fast kaufen wollte und an die „Hunderttausend verkauften Exemplare“, kann ich mich erinnern.
Der Sohn, der eher satirische komische Elemente hat, scheint von seinem analytisch technischen Vater sehr verschieden zu sein und der Germanist erklärte in seiner Einleitung auch ein bißchen aus dem Amanshauser-Leben.
In Salzburg 1928 geborenen, Sohn von engagierten Nazieltern und mit siebzehn fast zweimal an die Front geschickt, dadurch vielleicht traumatisiert, so daß er sich aus dem Leben auf seine Salzburger Terrasse zurückzog und in die Wolken schaute.
Es gibt jedenfalls ein „Terrassenbuch“ und Kurt Neumann erklärte noch, daß er wenig erzählend, eher kürzere, analytische Prosatexte und Reflexionen geschrieben hat, nur einen Roman „Schloß mit späten Gästen“, der auch vom ORF verfilmt wurde, womit er allerdings nicht zufrieden war.
Freund oder Schüler von Hermann Hakel, über den ich ja erst vor kurzem ein Buch gelesen habe und da waren wahrscheinlich auch Amanshausertexte drinnen.
Kurt Neumann hat verschiedene Textstellen gelesen, beginnend in den Sechzigerjahren mit einer Sizilienreise und jetzt hätte ich fast vergessen, daß Günther Stocker, das Jahr 1966 als wichtiges literarisches Jahr der Wende bezeichnet hat, da ist das „Terassenbuch“ vorerst bei der Zeitschrift Literatur und Kritik erschienen, Doderer ist gestorben, Handke brachte die „Publikumsbeschimpfung“ und die „Hornissen“ heraus und Jandl „Laut und Luise“.
Mit der Wiener Gruppe scheint Amanshauser, der sich für Baudelaire interessierte, nicht so viel am Hut gehabt zu haben, wohl war er aber mit H. C. Artmann, der eine Zeitlang in Salzburg lebte und auch mit Peter Rosei befreundet.
Kurt Neumann las Stellen wo er mit Jochen Jung, Artmann, Bisinger und noch einigen Residenzautoren zur Messe nach Frankfurt fuhr, Bisinger sich betrank, Artmann sich als deutscher Dichter bezeichnete etc. Peter Rosei erzählte ein bißchen was von seiner Freundschaft und Martin Amanshauser von den Eindrücken, die er als Kind von seinem Vater hatte. Interessant, daß er das seltsame Gefühl erwähnte, einen Tagebuch schreibenden Vater gehabt zu haben, er meinte auch, daß er den privaten Menschen, den Vater in dem Tagebuch nicht finden würde und erwähnte etwas von einer Geheimschrift, die Gerhard Amanshauser an manchen Stellen verwendete.
„Die kann man entziffern!“, hat er seinem Sohn gesagt, Martin Amanshauser hat sich aber bemüht das Private privat sein zu lassen und auch alle Beleidigungen und Beschimpfungen wegzulassen. Eine Stelle von einer Lesung in der Alten Schmiede und einem Abendessen mit Kurt Neumann kam auch noch vor, wo Amanshauser schrieb, Neumann hätte ihn verkannt, vielleicht sind das die Irrtümer und Martin Amanshauser erzählte auch, daß sein Vater in die Sonne schaute und seinen Pessimismus äußerte, worüber er sich als Kind gewundert hätte und Gerhard Amanshauser der sehr widersprüchig war, scheint einerseits sehr viel bei Lesungen gewesen zu sein, vom Literaturbetrieb auf der anderen Seite aber nicht sehr viel gehalten zu haben. Über Helmut Eisendle hat er sich abfällig geäußert und Thomas Bernhard auch erst nach seinem Tod verehrt.
Im Publikum schienen außer den Verlagsleiterinnen viele Freunde der Familie zu sein, Linda Stift war da, mich hat Margit Heumann begrüßt und den Dr. Mold, habe ich, glaube ich, auch gesehen.

2013-01-08

Dicht-Fest ins neue Jahr

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:31

Die erste Veranstaltung im neuen Jahr war wieder einmal ein DichtFest in der Alten Schmiede, diesmal fünf Männer und eine Frau, wie üblich moderiert von Christine Huber und die die Reihen sehr voll.
Herbert J. Wimmer hat mit seiner Lesung aus dem „Grünen Anker“ neunundneuzig Gedichte, die ich schon in der Gesellschaft für Literatur hörte begonnen und Christine Huber erklärte, daß der „Grüne Anker“ ein Lokal in der Grünangergasse war. Herbert J. Wimmer verlas wieder das Vorwort von Elfriede Gerstl und etwas über ihre Kleidersammlung, dann Auszuüge aus dem Langgedicht, das er schon in der Herrengasse gelesen hat, das mit den Geburtstagen, Begräbnissen, nach der Lesung, nach Vernissage, nach dem Kino etc und dann dreizen Minuten aus Gedicht neunundneunzig, das etwas zum Gedächtnis bzw. zum Erinnern zu sagen hatte.
Günther Kaip folgte mit seinem unveröffentlichten „Kiesel“, das heißt Auszüge daraus sind schon in Freiborden erschienen und Gerhard Jaschke war ebenfalls da.
Günther Kaip ist ein mir bekannter Name, ich war sicher schon auf Lesungen, trotzdem war mir der 1960 geborene ziemlich unvertraut und die „Kieselsammlung“ „Kiesel“ 73 bis „Kiesel 16“ etc, reimte sich sogar und die „Kiesel“ waren, wie Christine Huber in ihrer Einleitung erklärte auch ziemlich beweglich, hatten Gestalt und Stimme und sehr viel zu erzählen, was Günther Kaip auch mit kräftiger Stimme tat.
Dagegen war mir Toni Kleinlerchner ziemlich unbekannt, keine Ahnung ob er ein GAV-Kollege ist oder nicht, er brachte Takes aus japanischen Tagen“ aus dem Klever Verlag „Die Obdachlosen lesen Nietsche“. Mitbringsel aus einer Japanreise wie Christine Huber erklärte und dann kamen Tangas in Osttirolerisch, eine Gegend aus der Toni Kleinlerchner zu stammen schien und dann noch Gedichte von der Bachmann, von Hölderlin etc auch auf Tirolerisch übersetzt, originell wie eigentlich alle der Auserwählten, denn nach der Pause folgte Helwig Brunner und den Grazer habe ich auch schon in der Herrengasse gehört. Jetzt hatte er Rätselgedichte, die er zweimal las.
Man mußte den Gegenstand, die Zwiebel, die Brille, die Glatze, etc erraten und beim zweiten Mal, hörte man es ganz anders, wie der Autor sagte, stimmt wirklich, ausprobieren, war sehr klar und deutlich und einfach originell, während das, wie ich meine bei der mir unbekannten Angela Flam viel komplizierter war, obwohl ihr in der Bibliothek der Provinz erschienener Band den relativ einfachen Namen „seismo/gaphie“ oder auch „Ein Reigen“ trug und dann ging es rund mit „dem Reis und dem Eis, dem Schwein ohne Ohren“ und dem Fräulein, das immer wieder dieselbe Frage stellte.
Ein Gedicht, ich weiß nicht recht, sehr lange jedenfalls, wie Herbert J. Wimmer, aber ungewöhnlich auch in der Art des Vortrags und Jörg Zemmler den letzten Leser kannte ich ebenfalls.
Hat der mir 2009 bei laut lauter Lyrik ja auch einen Text geschrieben, dann hörte ich ihn einmal bei den „Wilden Worten“ und habe seine Stimme bzw. Tonaufnahme auch gleich am Anfang gehört. Wollte er ja seinen Text nur per Band präsentieren und selbst Gitarre spielen, dann schien mit der Technik etwas nicht zu klappen, so las er abwechselnd mit Christine Huber und sang am Schluß ein Lied und sein Text „Quert, recht- schreib- und denkfehler“ scheint auch recht originell zu sein, ist es doch im Eigenverlag erschienen.
Die Alte Schmiede war, wie beschrieben sehr voll. Ralph Klever, der Verleger war zu sehen, wie sehr oft Gabriele Petricek, aber auch Maria Gorniciewicz, die sich wieder einmal über mein Bloggen wunderte und mich fragte, wieviel ich schlafe? Nicht sehr viel und ich blogge sehr genau, aber auch ein paar mir unbekannte junge Frauen und Männer, Fritz Widhalm, Armin Baumgartner etc.
Es gab wie bei den Dicht-Festen üblich wieder Wein und was zu Knabbern für die Gespräche und natürlich auch den Büchertisch.

2013-01-07

Neues von der Indie-Front

Filed under: Uncategorized — jancak @ 14:33

Das Literaturcafe.de das ich ja gern und regelmäßig verfolge, versorgt mich und andere Literaturinteressierte mit Berichten aus verschiedenen Bereichen des Literaturbetriebs. So fährt Wolfgang Tischer im Sommer bewaffnet mit einer Badehose nach Klagenfurt und berichtet dort vom Bachmannlesen. Cornelia Travnicek hatte bei ihm eine Artikelserie „Bis Klagenfurt anruft“, es gibt eine Reihe zur „Textkritik“ und vor einigen Jahren Artikel über ein hoffnungslos schlecht erzeugtes Manuskript, das an die verschiedenen Zuschzßverlage geschickt wurde, die es prompt lobten und für ein paar tausend Euro drucken wollten.
Vor zwei Jahren gab es eine Reihe von einem Aufbau-Autor über die Autoren die mit Deutsch-Schulbildung ihr Manuskript veröffentlichen wollen und es nicht schaffen und dann immer wieder und immer öfter Artikel über die sogenannten Kindle-Direkt-Autoren, die ja derzeit das große Thema und auch die Wende im Literaturbetrieb zu sein scheinen.
Wenn ich in meiner Biografiekiste krame, da war ich einmal vor wahrscheinlich dreißig Jahren in der Alten Schmiede und da las ein Autor aus einem selbstgedruckten Heftchen, das ich mir, glaube ich, auch gekauft habe und ich hörte von Kurt Neumann zum ersten Mal, das man solches auf gar keinen Fall machen darf und, daß das die Todsünde unter den Autoren sei, weil einem dann nie mehr ein Verlag nehmen würde.
„Aha!“, habe ich gedacht, damals wahrscheinlich schon geschrieben, aber vom Gedanken an Veröffentlichung weit entfernt. Dann las ich ein paar Jahre später, wahrscheinlich in der NÖ-Zeitschrift „Literatur und Kritik“ von den sogenannten Eigenverlagen, die Geld von den Autoren wollen und, daß die die solches machen vollkommen lächerlich sind.
„Vanity Press“, ist glaube ich dort gestanden, heißt das.
„Aha!“, habe ich wahrscheinlich noch einmal gedacht. Als ich Anfang Neunzig einen Verlag für die „Hierarchien“ suchte, habe ich das Manu, damals hatte ich schon ein Elternratgeber im Fischer Taschenbuchverlag, an etwa vierzig große und auch kleine Verlage geschickt und dann im Bundesministerium um einen Druckkostenzuschuß angesucht, das Jack Unterweger geschrieben, der das Buch auch machte, das ein paar fürchterliche Kritiken bekam und immer noch meine einzige Verlagsbuchpublikation ist. Texte in Anthologien hatte ich und habe ich immer wieder in schöner Regelmäßigkeit.
Dann kam die Idee des „Vierfrauenbuchs“, ich schickte herum, Elfriede Haslehner wandte sich an einen ihr bekannten Kremser-Kleinverleger, der sowohl Subventionen, als auch von einer jeden von uns ein paar Tausender wollte. Ich wollte nicht, das war etwa Mitte der Neunzigerjahren. Zweitausend hörte man schon etwas vom Digitaldruck, das BoD gab es auch und ab damals lasse ich mir immer fünfzig Stüclk meiner Bücher in einer Druckerei drucken.
Mit dem Herumschicken habe ich ein paar Jahre später aufgehört und als mir die, denen ich meine schönen Bücher zeigten, auch etwas vom Eigenverlag murmelten und, daß sie den nicht wollten und ich deshalb keine Rezension oder keine Lesung bei ihnen haben könne, denn dann würden ja alle kommen, hat mich das sehr verunsichert, denn ich habe es, ganz ehrlich, nicht verstanden, sondern gedacht, es kommt bei einem Buch nicht darauf an, was für ein Verlagsname darauf, sondern was drin steht.
Schien aber nicht so zu sein, denn ich konnte im Internet vor einigen Jahren noch lesen, daß man niemals unter keinen Umständen zu BoD oder etwas Verlgleichbaren gehen dürfe, weil dann ist man gebrandtmarkt fürs Leben, kein Verlag nimmt jemals mehr etwas. Auf einer Seite war zu lesen, das man dann auch nicht Mitglied bei den IG-Autoren sein könne, stimmt sicher nicht, denn das bin ich seit wahrscheinlich zwanzig Jahren und Mitglied der GAV ebenfalls, daß ich aber plötzlich mit den „Mittleren II“ bzw. den „Prekären Arbeitsverhältnissen“ keinen Termin im Literaturhaus bei Silvia Bartl bekam, hängt möglicherweise damit zusammen.
2002 habe ich dort noch eine Veranstaltung mit Ruth Aspöck, Margot Koller und Uwe Bolius mit dem Titel „Selbstgemacht“ gemacht und konnte in der Dikussion auch hören, daß man unbedingt einen Verlag braucht, weil nur die Lektoren über die Qualität entscheiden.
Ich machte weiter, begann ab 2008 zu bloggen, las die entsprechenden Berichte im Literaturcafe und plötzlich kamen dort immer öfter solche, die sich mit den Erfolgen der sogenannten Selbstpublisher beschäftigten. Seit zwei Jahren gibt es, glaube ich, das Kindle self Publishing, zumindestens weiß ich seit dieser Zeit davon und jetzt überschlagen sich die Meldungen. Im Sommer berichtete Wolfgang Tischer von Martin Gercke und ihrem ohne Verlag Bestseller „Holunderküßchen“. Ende November kam der Plagiatsverdacht und ein inzwischen von der Autorin entferntes Video, wo sie etwas von Platzhalterstellen erzählte, was mir kein Begriff war, aber vielleicht so zu verstehen ist, daß man, wenn man noch unsicher ist oder das Schreiben in einer Schreibwerkstatt lernt, sich vielleicht an Vorbilder anlehnt, um mit der Handlung weiter oder zu einem Spannungsbogen zu kommen, etc.
Ich würde das nicht empfehlen, fremde Stelle in den Text zu lassen, denn wenn man dann nicht aufpasst und vergißt und vielleicht noch Erfolg mit dem Verlegten hat, stürzen sich die Anwälte und Neider mit Wonne auf einen.
Daß aber viele Leute schreiben wollen weiß ich und ich finde das auch gut und glaube nicht, daß ich einen Verlag brauche, um zu veröffentlichen. Ich brauche Leser oder auch nicht. Ich persönlich gar nicht soviele, denn ich muß durch meinen Brotberuf ncht unbedingt daran verdienen. Mir, schreibe und sage ich immer, genügt die Anerkennung. So bin ich bei dem, was sich da jetzt bei Amazon zu tun scheint, auch ein bißchen skeptisch. Denn da geht es ja auch nicht um Qualität, sondern um das Verkaufsranking und da scheinen sich die Indies selbst hinaufzupushen und man hört immer wieder von neuen Namen, die es geschafft haben, Emily Bolden, Nika Lubitsch, Xander Morus, Bela Bolten, Nica Hotel, etc.
Was ich aber schon toll an der ganzen Sache finde, ist die Kehrtwendung. Amazon hat es geschafft indem er plötzlich jeden bei sich verlegen läßt, 70% an Honorar verspricht und sich auch keine Rechte verkaufen läßt, daß es das schlechte Image plötzlich nicht mehr gibt. Zwar hört man auch, daß die Indies zuviele Rechtschreibfehler und eine schnell hingeschusterte Handlung haben würden, sie schreiben auch bevorzugt Chick Lits, Krimis, Romances, Horror, Fantasy, etc.
Wolfgang Tischer und die Autoren selbst raten zu einem Lektorat, wogegen nichts einzuwenden ist und, daß man plötzlich nicht mehr in Teufels Küche kommt, wenn man seine Bücher selber macht, finde ich natürlich auch sehr schön. Skeptisch bin und war ich bei der Frage, wieso die Indies sich plötzlich so gut bei Amazon verkaufen und angeblich in einigen Wochen ein paar tausend Euro damit verdienen, höre ich doch immer, daß die Leute nicht mehr lesen würden und die Verlage deshalb eingehen.
Eine mögliche Antwort könnte sein, daß die selbstgemachten E-books zwischen einen und fünf Euro kosten, also viel weniger als die gedruckten Hardcoverausgaben und die Indies hört man, sind bevorzugt offene Menschen, die das Social Media benützen, twittern, bloggen, facebooken, auf ihre Fans eingehen, Gewinnspiele machen, etc.
Man hört auch, daß sie die Blogger unter Druck setzen würden, wenn die ihnen schlechte Rezensionen schreiben und, daß sie sich bei Amazon gegenseitig fünf Sterne geben und die anderen Rezensionen mit „Nicht hilfreich“ bewerten.
Mag alles sein, aber trotzdem interessant, daß da auf einmal so alles anders ist. Wenn das so halbwegs stimmt, habe ich mir in den letzten Tagen gedacht, dann wird das KDP zumindestens für die Zuschußverlage eine positive Konkurrenz darstellen, weil es dann keiner mehr nötig hat, dort ein paar tausend Euro für im schlimmsten Fall eine Schachtel schlecht gebundener Bücher zu bezahlen.
Möglicherweise haben dann auch die Verlage Schwierigkeiten, weil wer kauft dann noch, um zwanzig bis fünfundzwanzig Euro, wenn man es bei Amazon, um viel weniger haben kann?
Gut, nicht alle Leser haben einen Kindle und, daß die vielen gekauften 0.99 Bücher nicht alle gelesen werden, kann ich mir auch vorstellen. Habe ich das von den Abverkaufskisten nach Haus Geschleppte auch noch nicht alles durch.
Mich hat die Diskussion gefreut und sie hat mich auch ein wenig selbstbewußter gemacht, obwohl auch vielleicht ein wenig ratlos bezüglich der Frage „Warum wird mein Manuskript nicht..?“, da ich mir ganz ehrlich nicht vorstellen kann, daß ich mit meinen Büchern da in die erst Rankingreihe komme. Wer würde mich nach oben pushen, wenn auf meinen Blog oft monatelang keine Antwort kommt?
Daß ich aber für die deutschen oder schweizer Leser meine Bücher als E-Books anbieten kann, habe ich schon gedacht und seit einiger Zeit weise ich auch immer auf meine neuen Bücher hin und zum „Dreißig-Buch“-Jubiläum wird es ein Gewinnspiel geben.
Also weiter meine Bücher, wie gewohnt selber machen, habe ich gedacht, nur ein bißchen selbstbewußter werden und ansonsten den Markt beobachten und schauen, wie sich der verändert und da scheint sich schon wieder was zu tun. Hat Wolfgang Tischer ja gestern geschrieben, daß die Selbstpublisher nicht mehr in der ersten Reihe stehen, weil Amazon da offenbar etwas geändert haben dürfte, nun ja spannend, die Buchwelt lebt und bewegt sich heftig.
Auf der einen Seite gibts immer noch das Argument, keinen Kindle zu wollen, weil man seine Bücher, riechen, tasten, etc, will, auf der anderen Seite, sind sie bei Amazon viel billiger und die Leser scheinen sich, wie wild auf sie zu stürzen und die Schreiber, die es wie die Schwammerl zu geben scheint, auch und das ist ja sehr interessant, hört man doch immer von den vielen Analphabeten, die die Schulen erzeugen würden, stimmt also auch nicht, die wollen nur vielleicht etwas anderes lesen, als ein Suhrkamp- Taschenbuch und da gibt es ja auch neue Meldungen, da, wie ich höre, das Suhrkamp-Verlagshaus gerade vor Gericht und dabei ist sich aufzulösen.
Also spannend, spannend, spannend und ich werde weiterlesen, bloggen, schreiben und meine Bücher wahrscheinlich weiter auf meinen Blog bewerben. Mal sehen, wen ich da auf mich aufmerksam machen kann und wenn ich nicht mehr so viel jammern muß, weil sie vielleicht Interesse und Beachtung finden, wäre das ja auch sehr schön!

2013-01-06

Brot und Wein

Filed under: Uncategorized — jancak @ 11:41

Nun kommt ein Buch aus dem Bücherkasten meiner Eltern, nämlich das 1936 bei der Büchergilde Gutenberg erschienene „Brot und Wein“ von Ignazio Silone, was insofern wichtig ist, da das Buch 1955 unter dem Titel „Wein und Bort“, „Vino e pane“ wiederaufgelegt und offenbar auch inhaltlich verändert wurde und so auch heute noch erhältlich ist.
Von dem 1900 in einem kleinen Ort der Abruzzen Geborenen und 1878 in Genf Gestorbenen, der eigentlich Secondini Tranquilli hieß, gab es noch „Eine Handvoll Brombeeren“ im elterlichen Bücherschrank, das habe ich auf eine unserer Italienreisen mitgenommen und dort gelesen und war auch sehr erstaunt, in den Supermärkten, wo wir einkauften, Silones Bücher zu finden und es ist, zumindest in der Urform kann ich es beurteilen, ein sehr gutes Buch, das viel von der Armut Italiens in den Dreißigerjahren des vorigen Jahrhunderts und den Kampf der Sozialisten gegen die Faschisten, aber eigentlich auch allgemeine Lebensweisheiten enthält und vor allem soll der Pietro Spina, der sich da in Priesterkleidung in zwei der kleinen Dörfchen versteckt, viel von Silones Leben erzählen, der früh seine Eltern und seine Geschwister verlor, ohne viel Schulbildung zum Revolutionör und Journalisten wurden, sich eine Zeitlang als Polizeispitzel, wie auch in den Buch schön beschrieben, um zu überleben, verdingte, dann ins Ausland floh, seine Bücher überarbeitete etc.
Bei Wikipedia kann man, da „Wein und Brot“ noch erhältlich ist, einige Rezensionen finden, die sowohl fundiert Auskunft geben, als auch einiges über die Amazonrezensenten berichten, wie „Das Buch ist Abenteuerroman und politischer Thriller in einem“ oder „Wein und Brot – beides konsumieren die Figuren zwar regelmäßig, aber auf den eigentlichen Inhalt läßt der Titel nicht schließen. Scheint das Buch eine Priesterklamotte zu sein, ist es gegen Ende auch zunehmend politisch und spannend. Lesen!“, rät der Rezensent und ich dachte, nicht jeder hat seinen Silone aus dem Büchergilde Gutenberschrank, einer sozilisten Arbeiterbibliothek entnommen und so wird jeder etwas anderes damit anfangen, ich nehme die Lust auch einmal, „Don Camillo und Peppone“, Bücher die sich in meinen Regalen befinden, zu lesen mit, beziehe das Titel darauf, das das auch die Priester in den Messen verteilen und sich die armen Leute, die landlosen Bauern die „Cafoni“, wie sie Silone nennt, die Taglöhner etc, damals hauptsächlich von Brot und Wein ernährten, sie nahmen, glaube ich, auch Zwiebel und Tomaten dazu und das Buch, das ich gelesen habe, beginnt mit dem fünfundsiebzigsten Geburtstag des Don Benedetto, einem sehr revolutionären Priester, der mit seiner Schwester in einem der Dörfchen lebt und seine ehemaligen Schülern zu seinem Fest erwartet. Zwei kommen, ein Arzt und ein Offizier, der Taubstumme, der in dem anderen Buch eine Rolle zu spielen scheint, tritt hier eher als Statist auf, aber er weist den Offizier tapfer in die falsche Richtung, bis ihm der Priester erklärt, daß er ihn durchlassen soll, dann kann er auch wieder reden.
Sie sprechen von den anderen Schülern des ehemaligen Latein und Griechischlehrers, andere Ämter hat die Kirche dem Rebellen verweigert und man erfährt, daß die meisten Beamten geworden sind oder als Revolutionäre hungern oder in Konkurs gingen. An einen Schüler kann sich der Priester gut erinnern, das ist Pietro Spina, der Revolutionär wurde, von der Polizei gesucht wird und ins Ausland ging. Nun ist er, wir schreiben das Jahr 1935 lungenkrank zurückgekommen, der Arzt Nunzio Sacca muß ihn widerwillig behandeln und rät ihm sich als Priester zu verkleiden und sich in einem der Dörfchen auszukurieren. So kommt Don Paolo mit den armen Leuten in Kontakt, die ihn gleich für einen Heiligen halten und von ihm die Beichte wollen und mit zwei Frauen, der leichtfertigen Bianchina, der er nach einer Abtreibung helfen soll und die sich später in Rom in einem Bordell verdingt und der frommen Cristina, die eigentlich Nonne werden will, aber ihre Großmutter, Tante und Mutter nicht verlassen kann.
Sehr eindringlich wird das Leben der landlosen Bauern geschildert. Mussolini wird nur „Dingsda“ genannt, man kann sehen, daß die Leute eigentlich keine Wahl hatten, als sich den Faschisten anzuschließen, bekamen sie doch von der Lehrerin immer die Nachrichten interpretiert, wenn sie Suppe wollten, mußten sie Aufrufe unterschreiben und wenn sie sich freiwillig meldeten, bekamen die Mütter eine Unterstützung etc. Für eine Stelle als Beamter, Lehrer, Gemeindearzt mußte man seine Seele verkaufen und die armen Studenten bekamen Geld für ihre Suppe, wenn sie sich als Polizeispitzel verdingten, so kommte es auch, daß die Pfarrer den Fragenden antworten, daß ein Landpfarrer so viel zu tun habe, daß er nicht zum Denken käme und die Beamten die Situation sehr wohl durchschauten, während die Bauern ihre Wunder wollen und sich ansonsten mit den ihnen möglichen kleinen Betrügereien begnügten.
Spina fährt nach Rom, um seine Kontakte wiederaufzufrischen, hört dort von einem Studenten, der verschwunden ist, weil sich seine Freundin, um ihn zu retten, von den Polizisten vergewaltigen ließ, später soll er ihn in dem Dörfchen wiedertreffen, er erzählt ihm, wie er zum Polizeispitzel wurde und gründet auch eine sozialistische Dichtergruppe. Es bricht aber der Abessininenkrieg aus und Spina ist entsetzt, wie begeistert sich alle freiwillig melden, besucht nach fünfzehn Jahren den alten Priester wieder, der ihm auch den jungen Murcia schickt und weil sich der alte Mann trotz Mahnungen kein Blatt vorm Munde nimmt, wird er aufgefordert eine Messe zu halten und fällt, nachdem er vom Messwein getrunken hat, tot um, Spina muß in die Berge fliehen. Die fromme Cristina läuft ihn mit warmen Sachen Brot und Wein nach und kommt offenbar im Schnee und von den Wölfen überfallen, dabei um.
Ein beeindruckendes Buch, das mich den italienischen Sozialismus und seine Entwicklung noch besser verstehen läßt ich habe ja einige Wagenbach-Büchlein gelesen und im Wochenend-Standard gibt es einen interessanten Artikel von Karin Fleischanderl über den Niedergang der italienischen Literatur.
Solange es die Wagenbach-Bibiliothek, die ja vor einigen Jahren bei „Buchlandung“, um einen Euro abverkauft wurde“, noch gibt, ist es nicht so schlimm, denke ich, obwohl es jetzt ja wieder eine andere Politik, sowie die Krise gibt und an Kunst und Kultur sehr eingepart wird und rate, wie der Amazon-Resensent zum Lesen von Ignazio Silone.
„Brot und Wein“, scheint es, wenn man auf die Angebotsseite geht, nicht mehr oft zu geben.
„Wein und Brot“ habe ich nicht gelesen. Vielleicht aber einer meiner Leser, der ein bißchen den Unterschied erklären könnte. Eine Seminararbeit zum Buch, gibt es im Internet auch.

2013-01-05

Vom Literaturalltag

Filed under: Uncategorized — jancak @ 14:30

Jetzt geht es wieder in den Literaturalltag, obwohl ich in den Weihnachtsferien trotz Begräbnis, das am Donnerstag stattgefunden hat, eigentlich sehr produktiv gewesen bin. So habe ich an den Weihnachtsfeiertagen das Nanowrimonovel „Zum Sterben sollte man zu Hause sein“ korrigiert und korrigert. Inzwischen hat es fünfundneunzig Seiten und derzeit 48.664 Worte.Frisch ausgedruckt habe ich es am Mittwoch in Wien auch noch mal. Jetzt gehts dann wieder an das bewährte Szene für Szene korrigieren und den Text bzw das Umschlagbild brauche ich auch noch dafür.
Den Text werde ich wahrscheinlich selber schreiben, außer es findet sich einer meiner Leser, der das machen will, als Umschlagfoto bietet sich ein Bild vom Margaretenplatz, vielleicht mit dem Wortschatz-Bücherkasten, der ja auch eine Rolle spielt, an, denn die meisten der Protagonistinnen, die Mirka mit dem Leo und der Valentina, sowie die Lea Weißensteiner leben dort. Das Cafe Standard, daß dem Wohnhaus gegenüberliegt, spielt eine Rolle und eine Bäckerei am Margaretenplatz, die es eigentlich nicht gibt, es sei denn, man würde den „Anker“ als eine solche bezeichnen. Ein Foto von einer Seniorenresidenz wäre auch ganz passend, ist aber schwerer zu bekommen. Mal sehen, es bleibt ja noch Zeit, da ich an dem Text sicher noch ein zwei Monate korrigieren werde, obwohl ich inzwischen auch das Literaturgeflüster-Texte-Buch einmal im Laptop korrigiert und ausgedruckt habe.
Circa achtundsiebzig Artikeln eine Mischung zwischen Texten, Schreibberichten, Literaturberichterstattung und ganz wenig Rezensionen aus den letzten fünf Jahren habe ich dafür ausgewählt. Bis es an die Druckerei geht, können noch Artikel dazu kommen, derzeit habe ich zweihundertdreizehn Rohseiten und 76 190 Worte und korrigiert werden muß daran noch sehr viel. Die meisten Kommentare herausgenommen und das Tagesaktuelle so zeitlos gemacht, daß man den Weblog auch in Buchform lesen und verstehen kann und wenn das ganze, dann noch neugierig auf das Literaturgeflüster macht, ist es ja auch sehr gut.
Ich habe ja schon geschrieben, wenn es das Buch dann zum fünf Jahresjubiläum gibt, wäre es sehr passend. Den Text dazu habe ich schon, den hat mir Stephan Eibl-Erzberg ja vor langen geschrieben und als Cover bietet sich eine Seite aus dem Literaturgeflüster an.
So werde ich, wenn der Alfred mir dann auch noch „Kerstins Achterl“ zum Korrigieren gibt, in den nächsten Monaten mit den Korrigieren beschäftigt sein. Bezüglich Literaturgeflüster blogge ich immer noch ein bißchen voraus, obwohl ich das jetzt fast abgebaut hätte, wenn aber nächste Woche die Veranstaltungen wieder beginnen, werde ich auch da was zu berichten haben und da geht es, wie ich flüstern kann, mit der Alten Schmiede gleich los, gibt es da ja ein Dicht-Fest, eine Ammanshauser-Veranstaltung und dann noch ein Josef Winkler-Symposium und die Ruth, die mit Robert Eglhofer auf dem Begräbnis war, hat mir auch einige ihrer Aktivitäten geflüstert und vom Silvester erzählt, den sie mit Hilde Schmölzer, die uns auch eingeladen hat und den Moscas verbracht hat. Sie liest demnächst in Krems, daß ich am 14. 2. Gast bei den Schreibinteressen im Häferl sein werde, habe ich schon geschrieben und dann gibt es natürlich das Lesen, beziehungsweise die Leseliste, die für 2013 schon mit dreiundachtzig eingetragenen Bücher, wovon ich „Pulp Head“ schon gelesen und Willy Haas „Literarische Welt“ begonnen habe, auf mich wartet und auch noch Platz für ein neues Buch pro Woche haben soll. Als erstes habe ich da schon Einar Karasons „Teufelsinsel“ ein Nachtrag zum Island Schwerpunkt der vorvorigen Frankfurt-Messe gefunden und Julia Camerons „Der Weg des Künstlers“ einen Schreibklassiker, den ich schon früher gefunden habe, daraufgesetzt. Ein paar Rezensionsexemplare habe ich mir auch bestellt, Residenz schickt mir da immer die Vorschauen.
Und als ich schon so zuversichtlich war, es heuer mit den Listenauffüllen und allenfalls einer für das Jahr 2017 zu schaffen, bin ich heute mit dem Rad in die Stadt St. Pölten gefahren, wo das Weltbild abverkauft und Thalia wieder seinen 3. 99 Tisch hat und schon wieder neunzehn neue Bücher, die ich jetzt auf der Liste verteilen werde. Zwei Weihnachtsbücher, zweimal Sarah Kuttner, einmal Julia Kröhn, deren Blog, als es ihn noch gab, ich ja intensiv verfolgte, alias Leah Cohn „Der Kuss des Morgenlichts“, zweimal Peter Stamm, darunter der Roman „Agnes“, den Wolfgang Tischer vom Literaturcafe am Tag des Buches nicht verteilen konnte und und und.
Vom Alfred habe ich zu Weihnachten außer zwei Büchern auch drei Literaturkalender bekommen, den Arche, den Klassiker, den ich von ihm schon seit Jahren jedes Mal bekomme und den Aufbau Wandkalender, den ich auch schon mehrmals hatte, diesmal war auch ein Literatur-Wochenplaner dabei und was tut man damit?
Ich bin ja ein praktischer Mensch, der immer gerne etwas mit seinen Kalendern tut, habe aber schon zum Geburtstag einen Wochenplaner bekommen, den ich als Praxiskalender benützen werde. So ist mir dann eingefallen, daß ich in den Aufbau – Wochenplaner jeden Tag eine ganz persönliche literarische Eintragung machen kann. So zum Beispiel, welches literarische Feed back ich bekommen habe, welche Idee mir für das neue Buch eingefallen ist, ein Zitat, ein Gedanke, etc…
Und was den Roman betrifft, da war gestern „Der Winter tut den Fischen gut“ in den Beispielen, fein, aber liebe Literaturexperten von Ö1, bzw. Romandebutnominierer „Der Platz des Hundes“ ist eine Erzählsammlung, auch wenn sich Romane besser verkaufen lassen sollten und einige Figuren in mehreren Geschichten vorkommen. Steht auch so auf der Verlagsseite und habe ich auch endlich vor einem Jahr gelesen!
In diesem Sinne kann es 2013 spannend werden und einen Roman zu schreiben, der sich ebenfalls von Kapitel zu Kapitel schlängelt, habe ich auch noch vor!

2013-01-04

Pulp Head

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:13

„Kann man ganz Amerika in ein Buch packen?“, steht im Klappentext von John Jeremiah Sullivans „Pulp Head“, mit dem Untertiel „Vom Ende Amerikas“ und die Buchbeschreibung meint weiter, daß der 1974 in Louisville Kenntucky geborenen Sullivan, der als Reporter für das „The New York Times Magazin“ und andere amerikanische Zeitschriften gearbeitet und zweimal den National Magazine Award bekommen hat,“ in der Tradition von Meistern, wie Tom Wolfe und Hunter S. Thompson die Grenzen zwischen Literatur und Journalismus, Erzählung und Reportage, Hochliteratur und Unterhaltung, Hemmingway und Hollywood, vermischt.“
„Pulphad fasst einfach ein gutes Dutzend seiner besten Sachen zwischen zwei Buchdeckeln“, schwärmt Iljoma Mangold in der „Zeit“.
In Wahrheit sind es fünfzehn Geschichten, die bei Suhrkamp erschienen sind und ich habe das Buch von Alfred, der einen etwas anderen Literaturgeschmack als ich hat, zu Weihnachten bekommen.
Daher von dem betreffenden Autor noch nie etwas gehört gehabt, aber das „Ende Amerika“, interessiert natürlich und Sullivan verfügt auch über eine sehr frische freche Sprache, an die ich mich allerdings erst gewöhnen mußte, ist Amerika ja weit weg und das Buch wurde von Thomas Pletzinger und Kirsten Riesselmann aus dem Amerikanischen übersetzt.
Am Buchsumschlag ist ein etwas grimmig dreinsehender Mann mit kurzen Bart und kurzen Haaren zu sehen und er springt tatsächlich ziemlich forsch zwischen „Christlichen Rockfestivals, Reality-TV und der Tea-Party-Bewegung“ hin und her und so habe ich die Zeit zwischen Weihnachten und Silvester und dann auch noch die ersten Tage des neuen Jahrs mit dem amerikanischen Journalismus verbracht und auch ein wenig vom amerikanischen Zeitgeist erfahren.
„Auf diesen Rock will ich meine Kirche bauen“, heißt die erste Geschichte, da will der Autor zu einem christlichen Rockfestival fahren, sucht Anschluß, inseriert „Ich suche echte Fans von christlicher Rockmusik, die mit mir zum Festival fahren, ob Frau oder Mann ist egal, aber du solltest nicht älter, als, sagen wir, achtundzwanzig sein, denn ich beschäftige mich mit dem Thema vor allem als Jugendphänomen“ und bekommt Zuschriften wie „Ich glaube nicht, dass meine Eltern hre kleine Tochter mit einem Typen fahren lassen, den sie nicht kennen“ und Ärgeres zurück.
Sehr frisch schon einmal, die Geschichte geht dann weiter über die Festivalerfahrungen des Autors.
In der zweiten wird dann etwas über „Das Finale Comeback des Axl Rose“ erzählt, wo mir schon einmal der Zugang fehlte, kenne ich mich ja bezüglich der US amerikanischen Sänger und Frontmans der Rockband „Guns N roses“, nicht sehr aus und wußte auch nicht, wer Andrew Lytle ist, der 1995 zweiundneunzigjährig starb, dazwischen offenbar von Demenz geplagt und außerdem vom Autor eine Zeitlang betreut wurde.
Ja, Amerika ist weit weg und man kann nicht alles kennen, auch wenn man sich für Literatur interessiert und das Literaturgeflüster mit seiner österreichischen Untergrundliteraturberichterstattung, wird in Amerika vielleicht auch nicht sofort verständlich sein.
Dagegen hatte ich mit dem „Disney Land“ meine Erfahrung. War ich ja zweimal dort, einmal 1989, mit Alfred und der kleinen Anna in dem in Kalifornien, 1992 dann, glaube ich, mit der Anna allein in Paris und Alfreds Eltern oder er selber haben mir auch ein altes DDR-Bändchen in die Bibliothek gelegt, das sich über den Disney-Traum der Amerikaner lustig macht, in DDR-Zeiten geschrieben, daher längst überholt, so passt die frische Satire des J. J. Sullivan „Hey, Mickey“ natürlich besser, der einen Freund hat, der mit seiner Frau und seinen zwei Kindern, jährlich in die „Disney World“ fahren muß, weil die Frau, das so in ihrer Sozilisation lernte, weil er sich aber nicht alleine in dem best überwachtestenn Ort der Welt auf die Suche nach dem ungestörten Jointen machen will, schenkt er dem Autor den Trip zum Vatertag und so fahren beiden Familien los.
Sullivan schreibt über die leuchtenden Kinderaugen seiner kleinen Tochter und von der Internetseite die beschreibt, wo man im Disney Paradies unbemerkt Drogen konsumieren kann. Die Beiden machen sich dann auch auf ihre geheimen Ausflüge und erleben das Disney-Paradies dann auch ein bißchen anders, das untertunnelt ist, damit die Kinder nicht Goofey sehen, wie er von oder zu seiner Arbeit latscht.
Von dem großen Walt und seinen Kinderträumen wird auch viel erzählt und da habe ich ja vor einem Jahr eine Biografie gelesen, von der ich vor kurzem hörte, daß demnächst eine Oper daraus wird.
Dann gibt es natürlich noch die Tea-Party-Geschichte „In unserem Amerika“ und Sullivan leitet sie ein „Im Prinzip bekriegten sich schon in der ersten amerikanischen Revolution im Jahr 1609 Befürworter und Gegner des Sozialismus“ und dann erzählt er vom „12. September 2009.“ – „Wir marschieren“ und beschreibt die Demonstration der Konservativen, der er sich offenbar zu Reporterzwecken anschließen mußte und stellt die Frage „Warum sonst sollten die Bürger da draußen eine dermaßen große Angst vor einem „verstaatlichten“ Gesundheitssystem“ haben?“, eine Frage, die ich mir auch schon öfter stellte, warum, etwas für uns so Selbstverständliches, in dem schönen freien Amerika nicht möglich sein kann? Es scheint aber so zu sein und der Artikel, den Sullivan auch immer mit Erlebnissen, die er mit seinen Cousin hat, verknüpft, ist wirklich interessant.
Dann kommt noch eine von den indigenen Höhlen, die nach und nach entdeckt und besammelt werden, um vielleicht von den Fundstücken, die nicht vorhandene Sozialversicherung zu bezahlen, einen Artikel über Michael Jackson, viele über das Musikbusiness, wie die über den Jamaika Bunny Wailer, wo Sullivan gleichzeitig ein Portrait der Armut und der Slums dieser Gegend gibt und beschreibt, wie ihm die die Musiklegende ein Interview im Haile Selassie Kostüm und mit Rasterlocken gibt und ihn später fallen läßt.
Im „Das Haus der Peyton Sawjer gebt es wieder zu den TV-Serien zurück, da hat der Ich-Erzähler ein solches das für Dreharbeiten einer Serien benützt wird gekauft und vermietet es um die Hypothek abzubeahlen weiter an die Filgessellschaft, so erzählt er wie die Leute zu dem Haus pilgern kommen und es fotografieren und er beschreibt auch, wie er mit Frau und Kind in dem Haus lebt, bzw. während der Dreharbeitein in ein Hotel zieht und zusieht, wie die die Gesellschaft gruelige Tapeten oder düstere Bilder an die Wände kleben oder hängen oder wie in der Küche mit Plätzchen geworfen wird. Typisch amerikanisch halt, könnte man sagen.
In „Das Treiben der Lämmer“, bekommt der Autor von einem Magazin die Anfrage, „ob er nicht einen Text über die Zukunft der Menschheit schreiben wolle“ und am Schluß wird noch „Aus dem Leben eines exzentrischen Naturforschers“ erzählt.

2013-01-03

Die Zahl dreizehn

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:54

Jetzt sind wir in das neue Jahr hineingerutscht, das ein sehr interessantes ist, gilt die Zahl dreizehn doch als Unglückszahl und in den amerikanischen Hotels soll es, wie man hört, kein solches Stockwerk geben. Auf die Zahl zwölf soll vierzehn folgen oder 12 b, 14 a, etc, denn dreizehn bringt Unglück und ein Teil der Menschheit ist ja abergläubisch. Wie macht man es aber bei einem ganzen Jahr? Von einer 2013-Phobie habe ich noch nichts mitbekommen, zwar die Nachrichten in meiner Harlander Winterfrische nicht so besonders verfolgt, daß sich die Menschen aber vor 2013 besonders fürchten, hätte ich noch nicht bemerkt.
Vor dem 21. 12. 2012, an dem die Welt laut Mayakalender untergehen hätte sollen, schon, aber 2013 scheint problemlos 2012 zu folgen. Die Böller knallen noch, während ich das schreibe und der Sekt ist eingekühlt. Hätte ich da ein Katastrophenszenario übersehen oder ist es eine voraussichtliche Krisenphropylaxe der Regierung, die Abergläubischen gar nicht erst auf die Idee zu bringen, sich vor dem neuen Jahr zu fürchten? Man kann ihm ohnehin nicht aus und es bleibt einem gar nichts anders über, als nun ein Jahr lang 2013 zu schreiben.
Zu 1913 gibt es ein Buch und das hat Florian Illies geschrieben, wie ich heute morgen ergoolget habe, bzw. Jan Drees mich aufmerksam machte, daß er das noch nicht gelesen hat, aber das ist lange her und die meisten, die dieses Jahr erlebten, sind inzwischen gestorben oder werde heuer ihren Hunderter feiern und sich an ihr Geburtsjahr nicht mehr gut erinnern können.
Es herrschte aber Krieg zu dieser Zeit, der World war I und seither hat sich viel verändert und ist das meiste anders geworden.
Einen Freitag, den dreizehnten gibt es aber öfter und der gilt, glaube ich, als Unglückszahl oder auch nicht, für mich jedenfalls nicht besonders, denn irgendwie habe ich irgendwann so vor etwa zehn Jahren, eine diesbezügliche Geschichte geschrieben, wahrscheinlich war es ein Aufruf für eine Zeitung oder einen Wettbewerb, den ich natürlich nicht gewonnen habe, der Text wurde für die Veröffentlichung nicht ausgewählt, wie meistens, wie fast immer, an die Geschichte kann ich mich jedenfalls noch gut erinnern, in der ich versuchte zu erklären, daß der Aberglauben Unsinn ist.
Da ist eine Karrierefrau, die sich vor dem Datum fürchtet, die Katze läuft ihr übern Weg und sie ist überzeugt, heute kann nur alles schiefgehen. So begleite ich sie durch den Tag, bei der Besprechung im Büro, beim Mittagessen mit der Freundin, die Tochter ruft an und erzählt von einer Schularbeit. Sie muß den Kunden irgendwas verkaufen, das Make up verrutscht und denkt die ganze Zeit, ich habe heute Pech und gewinnt dann bei einem Brieflos einen Tausender. Aber natürlich waren es nicht zehntausend Euro und schon wieder Pech!
Dann kam der Amadeus oder war es schon der Thalia und rief mit dem Hörbuchverlag zu einem Hörbuchwettbewerb auf. Man sollte eine Geschichte auf eine Kassette aufsprechen und einreichen, ich wählte den „Freitag den 13“ aus und suchte lange nach einem entsprechenden Aufnahmegerät. Alle die ich fragte, hatten keines. Die Anna vermittelte mich dann in ein Tonstudio eines ihrer Freunde. Der junge Mann nahm es sehr genau und ließ mich das Ganze wegen irgendeinen kleinen Fehler nochmals aufsprechen, danach verließ ihn aber die Geduld oder er hatte keine Zeit mehr, so mußten wir es schließlich hinunterhudeln. Die Disc, für die ich alle Rechte verkauft habe, ist trotzdem fertig geworden und weil es offensichtlich nicht soviele Bewerber gab, wurde ich auch zum Vorlesen in die Mariahilferstraße eingeladen. Es war einer dieser Wettbewerbe, wo der gewinnt, der die meisten Fans mitgenommen hat. Da hapert es bei mir meistens. Ich kann mich erinnern, daß meine Freundin Elfi ablehnte. Aber der Alfred kam und auch die Edith Brocza, die Bemühte, bei deren Auferstehungsfeier ich ja vor kurzem war. Ein Sportstar moderierte und fragte mich, ob ich abergläubisch bin? Ein Jungstar ist, glaube ich, aus Deutschland angereist gekommen. Dem Publikum wurde je ein zehn Euro Gutschein in die Hand gedrückt. Der Alfred schenkte mir seinen und so bin ich in den Besitz von Julie Zehs „Adler und Engel“ gekommen. Bei der Auslosung der Sieger gab es Schwiergikeiten, weil, ich glaube, zwei dritte Plätze, so daß mir die Urkunde, die ich schon hatte, wieder weggenommen wurde, mir, weil ich die Verlosung gewonnen habe, das Buch des Moderators und dann noch der Gutschein für den dritten Preis, Cassetten aus dem Hörbuchverlag in die Hand gedrückt wurde und ich glaube, es war ziemlich viel, ich habe jedenfalls eine Donna Leon, eine Bachmannoriginalaufnahme, einen Nick Hornby und dann noch den mehrteiligen Jeffrey Eugenides „Middlesex“ dafür eingetauscht.
Also Glück gehabt für den „Freitag den Dreizehnten“, aber an diesem Tag ist die Veranstaltung ohnehin nicht gewesen und wir wissen ja, daß ich nicht abergläubisch bin und die Zahl dreizehn, ganz ehrlich, ohnehin auch sehr mag.
Sie ist meine Glückszahl, denke ich, bin ich ja irgendwie eine Außenseiterin, eine Grenzgängerin, eine Borderlinerin zwischen U und E, zwischen Anpassung und Ausgrenzung und wenn ich jeweils zu weit einen Schritt in die eine oder auch andere Richtung gekommen bin, husche ich erschrocken zurück und so habe ich mich, als ich 2000 oder war es 2003 bzw. 2005? Nein, da war es nicht, denn da habe ich beim Luitpold Sternpreis den dritten Preis und ich glaube 450 Euro, wo mich der Martin auch gleich fragte, was ich damit machen will?, gewonnen. 2000 und 2003 war ich aber in der Trostpreis- bzw. Buchgutscheinkategorie und 2000 war es, glaube ich, der 13. Platz für mein „Dichterfrühstück am Himmelsgrund“ mit dem jungen Dichter und dem Herrn Professor und ich habe „Toll!“, gedacht.
Der Platz 13 ist für mich schon richtig und so geht es auch ins Jahr 2013 hinein, in dem ich sechzig werde, also als 1953 geborene, in mein Jubiläumsjahr, wo ich nicht nur vierzig Jahre schreibe, sondern auch das dreißigste selbstgemachte Indie-Buch herausbringen und vierzig Jahre Matura feiern werde.
Die Zahl dreizehn ist also schön, passt, ist willkommen und mir angenehm. Am Freitag den Dreizehnte kann man auch im Lotto gewinnen, wenn ich da nur spielen würde oder, wie das die Obdachlosenzeitschrift Augustin fordert, mit der Straßenbahn gratis fahren.
Aber schwarzfahren tut die Wiener Stadtflaneurin ohnehin nur selten und die Zahl dreizehn ist, wie festgestellt, ja schön!
Also aufs ins neue Jahr mit und ohne Kathatstrophenphantasien, wo, während ich das schreibe, schon die Böller knallen, der Sekt eingefroren ist, das Buffet wartet und sich die Damen vom Staatsopernballet und auch andere zum Donauwalzer drehen werden und an dem Tag, an dem dieser Text veröffentlich wird, das Begräbnis meines Schwiegervaters ist.
Aber sonst bin ich zuversichtlich, was das neue Jahr betrifft, nicht abergläubisch und habe auch vor der Zahl dreizehn keine Angst, die ja, als 1953 geborene irgendwie meine Glückzahl ist.

2013-01-02

Bela Boltens Indie-Krimis

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:15

In der letzten Zeit habe ich mich viel mit den Selfpublishern beschäftigt. Wolfgang Tischer der ja einen diesbezüglichen Ratgeber geschrieben hat, berichtet in seinem Literaturcafe viel davon und hat erst jetzt wieder einen Jahresrückblick, in dem Xander Morus ein Horror und Thrillerschreiber von seinen monatlichen Verkäufen, den Fallen, Erfolgen und Schwierigkeiten des Kindle direkt publishings berichtet, das ja ein großer Hit sein soll.
Zumindest gibt es viele Autoren, die das jetzt machen. Die Krimiautorin Nika Lubitsch, von der ich noch nie etwas hörte, wird dabei genannt. Im Sommer hat Wolfgang Tischer von Martina Gercke, die mit ihrem „Holunderküßchen“ auf Platz eins gekommen ist, in einem Interview berichtet und im Dezember über ihren Plagiatsverdacht.
Petra van Cronenburg berichtet auf ihrer Seite von ihren Indie-Büchern und gibt ihren Blog als solche heraus und Bela Boltens bzw. Matthias Brömmelhaus Seite verfolge ich auch schon lange, denn die Selfpublischer verwenden bevorzugt Pseudonyme. Ich glaube, ich bin, vor einem Jahr durch Anni Bürkl auf seinen Blog gekommen.
„Schreibtäter“, heißt der, denn der 1957 im Münsterland geborene ist einer der bekanntesten Biografienschreiber, hat etwa fünfzig solche geschrieben und betreibt das autobiografe-service.de und den biografielotse.de.
Auf seinen Seiten kann man seine Projekte sehen und es gibt auch einen Film, wo er erklärt, warum Biografiearbeit wichtig ist und wenn man etwa fünfzig alte Leute über ihre Erfahrungen mit Krieg und Flucht befragte und auch noch Historiker ist, ist es kein Wunder, daß sich auch als Krimiautor mit dem zweiten Weltkrieg beschäftigt. Im Mai berichtete er auf seinen Blog unter „Work in Progress“ von seinen Kriminalromanen, die bei Verlagen liegen, die sie zwar für gut finden, aber nicht herausbringen wollen, weil sie schon einen historischen Autor haben, das niemanden interesiert, etc, zum Glück gibt es aber Kindle direkt publishing und so hat Matthias Brömmelhaus sich dafür entschieden und sich das Pseudonym Bela Bolten ausgewählt, um seine beiden Identitäten nicht zu vermischen.
Projekttitel und Name werden erst nach und nach bekannt gegeben. Bela Bolten macht es spannend, erzählt aber bald, wie man es mit der Vermarktung macht, Facebook, Twitter, eigenen Blog gibt es dann auch und im Juni wird „Codewort Rothenburg“ vorgestellt. Ein Krimi, der im Berlin 1941 spielt und den „Salon Kitty“, das berühmte Nazi Bordell, das es gegeben hat und auch verfilmt wurde, zum Inhalt hat.
Sehr langsam und bedächtig stellt Brömmelhaus-Bolten sein Projekt ab Mai vor, es gibt eine Leseprobe, Bela Bolten liest selbst das erste Kapitel vor, das Buch erscheint zuerst um 2.99 bei Amazon, jetzt kostet es, glaube ich, 4.99, wie das mit der Buchpreisbindung ist, habe ich nicht ganz verstanden, bzw. scheint das bei den E-Books nicht so klar zu sein. Es gibt auch eine Printausgabe um 9.95, die Bela Bolten selber machte und im August kündete er an, nach Plan zu bloggen.
Montag immer eine Leseprobe, am Mittwoch kann man in seine Werkstatt schauen, am Freitag gibts verschiedene Schmankerl, so einen Film über den Sommer 1939, am 9. 11 auch was zum „deutschen Schicksalstag“.
Ab Oktober wird angekündigt, daß man in das neue Projekt hineinschauen kann. Das hält er dann nicht ganz ein, beziehungsweise gibt es nach dem 9. 11. keine Blogartikel mehr und auch über das zweite Buch entdeckte ich widersprüchige Meldungen, wird da auf einer Stelle von einem Folgeprojekt mit Zarah Leander Filmen gesprochen, an anderer, daß das zweite Buch keine Fortsetzung des Axel Dauts, sondern in Rom spielen wird.
Wahrscheinlich erhöht das die Spannung und ich habe mich auch sehr begeistert durch die Leseproben des „Codewort Rotheburgs“ gelesen, da geht es um einen U- Bahnmörder, den es wirklich gegeben hat und um Frauenleichen, die sich 1941 dort finden ließen. Kommissar Daut, der im World War I, eine Hand verloren hat, ermittelt, der hat eine Frau namens Luise und drei Kinder, bzw. wird das dritte in Fall eins, gerade geboren und während Daut, eine SS-Uniform trägt und sich beim Ermitteln beeilen muß, damit er nicht an die Front versetzt wird, gerät seine Frau in den Widerstand und verteilt Flugblätter, während Axel die Nobelprostiuierten recht brutal verhört. So weit die Erkenntnisse der Leseproben. Der World War II ist auch etwas, das mich sehr interessiert und Bolten macht es noch viel spannender, als er den 99 Seiten Test praktiziert und auch immer wieder Leseproben zu interessanten Themen bringt und all die historischen Figuren, die es zu den fiktionalen gibt, genau erklärt.
Im November endet, wie erwähnt, das Bloggen nach Plan, schade eigentlich, aber ich habe mir schon gedacht, wenn er das so weiter macht, hat er bald den ganzen Roman veröffentlicht und die Selbstpublischer wollen ja verdienen. Es gab auch diese Gratisaktion, wo man sich das Buch ein oder zwei Tage umsonst herunterladen kann, geht aber, glaube ich nur, wenn man einen Kindle hat, bzw. nicht auf meinen Computer und außerdem war ich zu dieser Zeit auch auf Urlaub.
Bolten bzw Brömmelhaus berichtete aber auch genau über seine Verkaufsstatistik. Dann gab es eine Pause und vor Weihnachten erschien „Luises Schweigen“, die Fortsetzung der Serie, die ohnehin schon angekündigt war, als Weihnachtsbuch, um 0.99 zu erhalten, bzw. wieder gratis.
Wie lange die Geschichte ist, konnte ich der Leseprobe nicht entnehmen, sie spielt jedenfalls zwischen dem ersten und dem zweiten Teil. Daut wurde wahrscheinlich in Folge des ersten Falls zum Wachmeister degradiert, Luise aufs Land verbannt, dort feiern beide auf dem Bauernhof seiner Eltern Weihnachten und eine Leiche wird auch gefunden und vor Weihnachten erschien auch noch Fall zwei, „Der Aufbewarier“ der leider nicht ab Oktober, wie versprochen vorgestellt wurde. Dafür gibt es aber eine treue Leser Aktion und man kann einen Amazon Gutschein gewinnen, wenn man eine Kundenrezension schreibt, bzw. ein Bild vom dreizehnten Kaptiel mit dem Zusatz „Ich lese Bela Bolten“, auf seinen Blog verlinkt.
Die Geschichte spielt in Berlin 1943, World War II hat zugenommen, die Bomben fliegen, die letzten Juden werden deportiert und eine kleine UFA Schauspielerin hat den ihren noch in der Küche, Zarah Leander kommt natürlich vor.
Leserrezensionen gibt es auch, das habe ich noch vergessen und die Leser hatten ein bißchen Schwierigkeiten, weil es den einen zu historisch, den anderen zu wenig spannend war und diese Erfahrung habe ich, als ich mit Major Bronstein durch Wien gewandert bin, auch gemacht. Da erfuhr man zwar alles über die Kälte des Nachkriegswinters, die Krimihandlung war aber eher banal, während jemanden, der eine spannende Handlung haben will, der Film über die Ermordung der Juden vielleicht nicht so sehr interessiert. Trotzdem finde ich es eine wichtige Verbindung und es ist interessant, wie gekonnt die Indie-Autoren zu erzählen wissen, hört man doch immer noch, sie können nicht schreiben.
Sie können es natürlich, sehr viele jedenfalls und, daß das von den Feuilletons und den Verlagen ignoriert wird, kann man auch bei Bela Bolten bzw. Matthias Brömmelhaus lesen. So werde ich die Entwicklung der Indies auch 2013 verfolgen und ich bin sehr neugierig, was ich noch alles berichten kann.

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