Literaturgefluester

2013-02-08

Über allem die Liebe

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:31

Jetzt hätte hier das „Geteilte Haus“ stehen sollen, denn das hatte ich als nächstes auf meiner Leseliste, am vorigen Freitagabend aber, als ich nach Harland kam, das erstbeste Buck-Buch genommen, das über dem Bett lag und so die Neunzehnfünfundsiebziger-Lizenzausgabe der Büchergilde-Gutenberg erwischt, denn es gab ja einige Buck-Romane im Bücherkasten meiner Eltern und im Sommer habe ich ein paar herausgesucht und auf die nächsten Leselisten gesetzt.
Pearl S Buck, die Nobelpreisträgerin von 1938, wegen der sich die Mitglieder der schwedischen Akademie vielleicht genauso zerstritten haben, wie Jahre später über Elfriede Jelinek, jetzt gibt es jedenfalls einen Lex-Buck, entnehme ich Wikipedia, damit es nicht wieder vorkommen kann, das jemand, der solchen „Kitsch“ schreibt, mit dieser Auszeichnung geehrt wird.
Die Leute stört es aber nicht, sie lasen und lesen immer noch die bittersüßen Geschichten über die Liebe im alten China, denn Pearl S. Buck, die Amerikanerin wurde von ihren Eltern, die Missionare war, als Baby nach China mitgenommen und hat dort Jahrzehnte gelebt. „Ostwind-Westwind“ geschrieben, das meine Geschichtslehrerin in der Straßergasse auf ihre Leseliste setzte und „Geliebtes unglückliches Kind“, ein Buch, das ich als Kind in der Wattgasse hatte, aber irgenewie verschwunden ist, denn Pearl S. Bucks Tochter war behindert und litt an einer damals noch nicht behandelbaren Krankheit und einmal vor Jahren, als ich noch nicht bloggte, habe ich auch ein Buck-Buch aus den Regalen genommen, eine bittersüße Geschichte von einer Frau aus guten Haus, gelesen, deren Füße noch verkrüppelt wurden, die dann alles für ihren Ehemann tut um eine gute Frau zu sein und sich umbringt, als er sie verläßt bzw., sich eine modernere Zweitfrau nimmt. Ich war, glaube ich, enttäuscht, als die Geschichte im ersten Drittel des Buches zu Ende war und hätte mir eine emanzipatorischere Fortsetzung, wie sie den Mann austrckst, gewünscht und lange nicht Buck gelesen und auch die meisten ihrer Bücher in den Schränken stehenlassen, jetzt aber doch ein paar gefundene herausgesucht und nach meinen ChinaSchwerpunkt auf die Leseliste gesetzt. Im nächsten Jahr kommt dann noch das „Geteilte Haus“ dazu. „Die Frau des Missionars“ und „Söhne“ gibt es auch noch und die „Gute Erde“ sollte ich auch noch Harland haben. Mal sehen, was sich in Harland noch alles finden läßt.
Wie ist das Buch? Ein Chick-lit der Fünfzigerjahre, natürlich, selbstverständlich, in dem eigenen Ton, der in den Biografien als „unaufgeregt“ bezeichnet wird, manches für mich wieder unverständlich und im Stil glaube ich, daß es mich an die „Wand“ erinnern wird, denn das habe ich ja noch nicht gelesen, nur einmal eine Diskussion darüber gehört.
Und von China handelt es auch nicht oder nicht wirklich, denn es ist der „25. September 1950″, als sich Elisabeth in ihrer Farm im Tal der Bergen von Vermont“, USA, hinsetzt und, wie jene Frau hinter der Wand, alles aufschreibt, damit sie es nicht vergessen wird oder sie nicht den Verstand verliert.
Bei Elisabeth ist es das Tal hinter den Bergen und sie ist mit ihren Sohn Rennie vor einigen Jahren aus Peking in das Haus ihrer Eltern zurückgekehrt und hat jetzt einen Brief von ihrem Mann Gerald, des Mutter Chinesins war, bekommen, der ihr „Meine Liebe Frau, Vor allem – ehe ich es sage, was gesagt werden muß – sollst du wissen, daß ich dich liebe!“ schreibt.
Das, was dann gesagt wird, kommt in dem Buch erst ein paar hundert Seiten später vor, Wikipedia oder vielleicht auch der Klappentext hat es aber schon verraten, die böse kommunistische Regierung hat ihn gezwungen eine chinesische Frau zu nehmen und die schreibt dann weiter, daß sie schwanger ist, einen Sohn gebährt und auch, daß Gerald erschossen wurde, als er angeblich kurz vor der Geburt seines chinesischen Sohnes, zu ihr flüchten wollte.
Für mich genauso unverständlich, wie für Rennie oder seinem Freund Sam, die sagen, er hätte ja mit ihr nach Amerika zurückgehen können, wenn er sie so liebt, aber ein Mann liebt ja zuvorderst seine Arbeit und Peking liebt er natürlich auch, denn dort wurde er geboren und ist aufgewachsen, obwohl er einen amerikanischen Vater hat.
Deshalb ging er als junger Mann nach Harvard, um zu studieren und lernte dort Elisabeth kennen, die das ebenfalls tat. Die hatte einen fortschrittlichen, verstorbenen Vater und eine engstirnige Mutter, der fast das Häferl aus der Hand fiel, als Elisabeth ihr sagte, daß sie einen halben Chinesen heiraten will. Sie tat es trotzdem, denn er kehrte beim Vorstellungsgesrpäch seine amerikanische bzw. schottische Seite hervor und Elisabeth ging mit ihm nach Peking. Bis der Krieg kam und der Mann, der ziemlich autoritär geschildert wird, seine Frau „Eva“ und dem Sohn verbietet sie „Mum“ zu nennen, sie und das Kind zurückschickt.
Er ist Rektor an der Universität, Elisabeth geht an die Farm zurück, die Mutter ist inzwischen schon verstorben und macht mit einem Nachbarn die Arbeit. Den Brief hat sie versiegelt in ein Sandelholzkästchen gelegt, macht ihn aber immer wieder auf, spricht nicht darüber und erteilt ihr Einverständnis in die Zweitehe auch vorerst nicht. Erst als die „jüngere Schwester“ Meil-lan ihr schreibt, tut sie es.
Sie geht inzwischen auf die Suche nach Geralds Vater, einem Gelehrten, der am Hofe des chinesischen Kaisers gearbeitet hat, seine amerikanische Verlobte ist aber nicht mit nach China gegangen, so hat er die fast verwitwete Schwester eines Freundes ohne Liebe geheiratet und die wurde, weil sie das spürte, angeblich nach der Geburt Geralds zur Revolutionärin, verließ Mann und Kind und wurde am 15. Mai 1930, Elisabeths Hochzeitstag erschoßen.
Einundzwanzig Jahre später kommt zwar kein Brief von Gerald, aber die Zeitung, wo ihr Bild und die Nachricht ihres Todes zu sehen ist und Elisabeth deutet sich die Zusammenhänge, fǘr mich auch manchmal sehr unverständlich, zusammen.
Der Vater ist auch nach Amerika zurückgegangen, wurde dort in einem Zug krank, in den Bahnhof gesetzt, von einem jungen Farmer aufgenommen, der für ihn sorgt, so finden ihn Elisabeth und Rennie in einer Hütte mit langen weißen Bart, chinesischen Gewand, in einem chinesischen Buch lesend und nehmen ihn zu sich. Er bekommt bald noch einen Schlaganfall und verfällt in die Demenz und in das Pflegestadium und interessant, daß Pearl S. Buch vor sechzig Jahren, vielleicht etwas verschönt, das schildert, was ich im letzten halben Jahr an Alfreds Vater erlebt habe.
Rennie, der am Beginn des Buches siebzehn ist, wird erwachsen und verliebt sich in das erstbeste Mädchen, in Allegra, die Elisabeth und dem Baba nicht gefallen, so daß er auf Chinesisch „Wer ist denn diese Weibsperson?“, beim Vorstellungsgespräch fragt und Elsabeth ihr Rennies chniesisches Viertelblut erklärt, was der gemein findet, weil er mit seinen chinesischen Vorfahren ohnehin seine Schwierigkeiten hat. Verständlich, denn in China sind die Amerikaner verhaßt und in Amerika waren das in der Mc Carthy Ära, die Kommunisten. So hat man es mit einem halbchinesischen Vater und viertelchinesischen Augen wahrscheinlich nicht leicht und Elisabeth geht auch noch zu Allegras Eltern und erzählt ihnen das brühwarm, um „Allegra und Rennie“ zu retten, was ich auch nicht verstehe und eine „Mutter soll sich da nicht einmischen!“, sagen würde.
Allegras Eltern packen ihre Tochter und verschwinden. Rennie geht zu Sam, das ist der Mann, der den Baba versorgte und hilft auf seiner Farm, um später Physik zu studieren, Elisabeth schreibt weiter, pflegt den Baba und fragt den Hausarzt, warum er nicht geheriatet hat, worauf sie von ihm einen Antrag bekommt.
Zu Weihnachten kommt Rennie, diesmal mit der richtigen Frau zurück, Baba stirbt und Elisabeth hat eine Vision, sie sieht Gerald im Zimmer stehen, mit traurigen Blick und dem chinesischen blauen „Sträflingsanzug“, den er, der Intellektuelle und Rektor, so haßte. Er verschwindet und Elisabeth weiß schon vor Meil-Lans Brief, daß er gestorben ist, bzw. wird ihr das von der einfältigen Frau ihres Erntehelfers gedeutet wird.
Trotz des „Kitsches“ und der etwas überheblichen Besserwisserei der weiblichen Stimme, ein sehr interessantes Buch, das mich China, das mir ja ein bißchen unverständlich ist, näher brachte und interessant noch eines, nicht nur, daß es ein Viertelchinese im Amerika der MC Carthy Ära schwer hatte und, daß die Liebe der Beiden, an den Regierungen und der unterschiedlichen Herkunft zerbrach, bei der Hochzeit, Rennie heiratet mit Zwanzig eine Maria, die angeblich besser zu ihm passt, raucht er eine Pfeife, „denn er ist ein Mann geworden“ und der Hausarzt, den Elisabeth vielleicht doch heiraten wird, tut das auch.
Wenn das Buch jetzt in Amerika aufgelegt werden würde, würde das wahrscheinlich herauszensuriert werden oder doch nicht?
Pearl S. Buck lesen, nehme ich mir also vor und in den Bücherkästen in Zukunft ein wenig aufmerksamer danach schauen. Aber ich habe doch schon soviele Bücher und kann auch nicht alle lesen, es war aber sehr interessiert und wegen mir würde es keinen Lex-Buck brauchen, denn wenn die Leute die eindringlichen Liebesromane gerne lesen und dabei etwas von China und der Politik der Fünfzigerjahre erfahren ist das doch besser, als wenn sie Proust, Dostojewski, Arno Schmidt, Obermayr, Winkler oder Musil, die angeblich bessere Literatur, als unverständlich weglegen oder gar nicht lesen?

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