Literaturgefluester

2013-02-15

Gut gegen Nordwind

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:11

„Gut gegen Nordwind“ ist der 2006 bei Deuticke erschienene Bestsellerroman des 1960 in Wien geborenenen Daniel Glattauer, der beim „Standard“ durch seine Kolumnen und Gerichtsreportagen Karriere machte und dann zu schreiben begann. Nein, das stimmt, glaube ich nicht ganz, denn wenn ich mich nicht irre, gibt es von ihm frühe Texte in den beim Bundesverlag erschienenen Anthologien, die es in den Siebziger-oder Achtzigerjahren gab, in denen Jugendliche ihre Texte einschicken konnten und in denen es auch welche von Daniela Strigl gibt.
Es erschien dann ein Kriminalroman namens „Darum“, wo einer einen erschießt und man weiß nicht aus welchen Motiv. „Der Weihnachtshund“ ist schon vorher erschienen.
„Die Ameisenzählung“ ist eine Sammlung der Texte aus dem „Standard“ und dann eben 2006, einer der ersten E-Mailromane höchstwahrscheinlich „Gut gegen Nordwind“, den ich im November 2011 im Bücherkasten fand, als ich von der Preisverleihung an Klaus Nüchtern in die Hauptbücherei zu einer Lesefestwochenveranstaltung ging und das Büchlein quasi als mein Geburtstagsbuch betrachtete und auf die 2013 Leseliste setzte.
Die lange Wartezeit war okay, war ich doch noch in Vorgeflüsterzeiten, bei einer Lesung in der Buchhandlung Thalia auf der Landstraße und habe da auch meine Schulfreundin Trude Kloiber in dem Durchgang des Hauses, wo sie wohnt getroffen und mitgenommen. Und im Hörspielstudio war es auch einmal.
Also wußte ich so ungefähr, was mich erwartete und Denis Scheck hat es zu Ostern 2009, wahrscheinlich die TB Ausgabe von 2008 oder war das schon der Fortsetzungsband?, das Laufband hinuntergeschmissen, worüber ich mich ein bißchen wunderte. Jetzt wunderte ich mich nicht mehr, denn erstens ist es Chick Lit, wenn auch von einem Mann geschrieben und wahrscheinlich kommt es gerade dadurch zu dem Sarkasmus, der mir nicht gefällt.
Da ist also Emmi Rothner und die hat ein Magazin namens „Like“ abonniert und will es abbestellen. Leider kommt sie damit zu Leo Leike und der Briefwechsel zwischen den beiden beginnt. Emmi wünscht Leo in einer Massenmail „Alles Gute zu Weihnachten“, Leo mokiert sich darüber, die beiden stimmen Mutmaßungen darüber an, wie sie sind?
Leo ist Sprachpsychologie und studiert die Veränderung der Emotionen durch den E-Mailwechsel, gibt es sowas überhaupt? Emmi gestaltet Homepages und Leo vermutet, daß sie älter ist, als sie sich gibt, nämlich zweiundvierzig, daß sie Schuhgröße 37 hat, verrät sie ihm und, daß sie verheiratet ist mit einem Bernhard, der zwei Kinder hat und ihr dadurch „freundlicherweise ersparte eigene zu bekommen.“
Die Beiden beginnen also einander zu beleidigen, sich wieder zu versöhnen, um Mitternacht ein Glas Wein miteinander, räumlich natürlich entfernt, vor ihren PCs zu trinken. Leo betrinkt sich meistens dabei, denn er hat eigentlich Liebeskummer, hat er sich ja gerade von seiner Marlene getrennt, als Emmis Weihnachtswünsche kamen. Die beiden erwägen ein Treffen und trauen sich dann nicht, bzw. behaupte ich, ist das die Konstruktion des Romans, denn ich habe auch schon Leute getroffen, die ich vorher nur durch Mails bzw. das Literaturgeflüster kannte und ich habe auch einen Mailwechsel mit einem Freund, den ich als Studentin kennenlernte und jetzt nicht mehr treffen kann, weil das seine Frau nicht will, das würde ich auch als neurotisch betrachten und so schiffern auch die beiden dahin.
An Courths-Mahler etwas verstaubte Liebesmoral, hat mich das Ganze zeitweise erinnert, aber die bricht sie gelegentlich selber auf. Leo und Emmi vereinbaren ein Treffen im Messecafe, um sich unerkannt kennenzulernen, sie gehen beide hin und schauen dann, ob sie sich erkennen?
Das mißlingt natürlich, bzw. nimmt Leo seine Schwester mit und flirtet mit ihr auffällig, so daß Emmi nur ein paar ungute Typen erkennen kann, von denen sie nicht hofft, daß einer ihr Leo ist. Und Leo läßt sich von seiner Schwester drei Wunsch-Emmies beschreiben. Eine von ihnen ist sie auch offensichtlich. Dann gibt es vergebliche Kontaktanbahnungen, die einmal von ihm, einmal von ihr kommen, erotische Phantasien und Vorschläge sich mit Masken zu treffen etc.
Dazwischen verreist Leo öfter, trifft auch seine Ex wieder und Emmi schlägt ihm, wie aus einem Courths-Mahler Roman vor, ihre Freundin Mia zu treffen und ist eifersüchtig, als er prompt mit ihr schläft.
Aber in Wahrheit geht ihm nur seine Emmi durch den Kopf herum und dann bekommt er einen Brief vom Bernhard, Emmis Mann und ehemaligen Klavierlehrer. Der hatte einen Autounfall, wo seine Gatti starb, er verletzt, die Kinder traumatisiert wurden, so daß ihn die junge Studentin, wie ein rettender Engel heiratete und dann offensichtlich, wie auch öfter bei Courths-Mahler, durch eine platonische Ehe begleitet.
Bernhard hält den E-Mail-Verkehr seiner Frau aber nicht mehr aus, liest die Mails und schreibt Leo, „Bitte, bitte, triff sie endlich, damit wir wieder normal weiterleben können!“
Der wirft ihm einen Vertrauensbruch vor, geht dann nach Boston, bevor er das aber tut, wird noch ein Treffen vereinbart, das Emmi dann nicht einhält, weil Bernhard, als sie gehen wollte „Amüsier dich gut, Emmi!“, zu ihr sagte, obwohl er sie doch immer Emma nannte. Das hält sie davon ab, sie beichtet das Leo, es kommt aber nur mehr „Achtung, geänderte E-Mail Adresse. Für Rückfragen steht der Systemmanager gerne zur Verfügung!“ zurück.
Damit endet das Buch und ist ein so großer Erfolg geworden, daß es mit „Alle sieben Wellen“ eine Fortsetzung gab, wo sich die zwei, dann, wie ich gerade ergooglet habe, endlich treffen und dadurch in weitere Turbulenzen geraten.
Wie das geht, hat ja Sophie Kinsella mit ihrer Shopping- Serie vorgeführt. Die „Schnäppchenjägerin“ war großartig, die Fortsetzungen immer gewollter und Martina Gercke hatte mit ihren „Küßchen“ ja auch so etwas vor, bevor sie der Twitterer Sven Schroder „Plagiatsküßen“ nannte.
Daniel Glattauer ist aber kein Plagiat und auch keine Serie, hat er jetzt ja mit „Ewig Dein“ einen anderen Liebesroman geschrieben und seinen Neffen Theo auch in allen Lebensjahren vermessen und das Buch ist ja ein großer Erfolg geworden, so daß Volker Hage, im Spiegel „einer der zauberhaftestens und klügsten Liebesdialoge der Gegenwartsliteratur“, schrieb. Ich habe sie dagegen, wie schon erwähnt, als eher aufgesetzt, künstlich und manchmal auch ganz schön arrogant, überheblich und nicht ethisch korrekt empfunden.
Und das das Buch so endet, ist ja eigentlich eine Enttäuschung der Leserin oder auch nicht, weil es ja die Fortsetzung gibt, die ich allerdings erst finden muß.

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