Literaturgefluester

2013-02-16

Der Diamant des Salomon

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:57

Jetzt kommt ein Bestseller, nämlich der 2003 geschriebene Thriller oder wie ordnet man das Genre zu, des 1926 in Massachusetts geborenen US-Schriftsteller Noah Gordons, von dem ich schon die Besteseller „Die Klinik“ und die „Erben des Medicus“ gelesen haben, habe ich mich ja einmal für Arztromane sehr interessiert und zu dem ich wahrscheinlich deshalb im Schrank gegriffen habe, weil mir der Name bekannt war. Ich wähle meine Lektüre ja nach den mir bekannten Autorennamen aus, obwohl ich dieses Genre sonst nicht so lese und diese Bücher eher stehen lasse, habe ich ja schon sehr viel und will nur mehr sehr ausgewählt zugreifen, damit ich nicht zu einer Leseliste bis 2050 komme.
Jetzt ists gelesen und war auch sehr interessant, weil die Schreiberin in mir, wieder einmal viel übers Schreiben und was sie schon immer wissen wollte, wie ein Buch zum Bestseller wird, gelernt zu haben glaubt.
Es beginnt mit der Genesis, da vergrabt der alte Baruch den Diamant des Salomons und der soll Jahrtausende später vom erfolgreichen Diamantenhändler Harry Hopemann, der in New York seinen Laden hat, gekauft werden. Der Vatikan will ihn, die Juden und, ich glaube, auch die Araber, so stehts zumindestens in der Beschreibung, Harry wird also vom israelischen Geheimdienst aufgesucht und mit dem Auftrag nach Jerusalem zu fahren und den Diamanten, der vor einigen Jahren aus dem Vatikan gestohlen wurde, dem Ägypter Yosef Mehdi abzukaufen, beauftragt.
Alfred Hopeman oder Hauptmann, wie er früher hieß, Harrys Vater, mußte aus Berlin 1931 fliehen und da bin ich nicht sicher, ob das jetzt ein Irrtum Gordons war, ist Hitler, wie wir derzeit überall hören können, ja erst 1933 an die Macht gekommen oder ob die Stimmung schon vorher in Berlin so ungut war, daß man seine Diamanten und das Empfehlungsschreiben für New York packte und mit dem Taxi abgehauen ist, während die Nazis den Hausmeister draußnn nach dem „Isi“ fragten?
Er ist jedenfalls nach New York gekommen und als Diamantenhändler erfolgreich geworden und hat seinen Sohn, der eigentlich Gelehrter werden wollte, auch in die Diamantenschleiferei und ihre Tricks eingeführt, so hat er einen übermalten Diamanten in seinem Schreibtisch stehen und darunter sieben kleine wertvolle Steine versteckt, damit sich die Diebe von der Fälschung abhalten lassen, Harry erzählt seinem Vater bei einem Abendessen von dem Angebot, der erleidet daraufhin einen Schlaganfall und stirbt, so daß Harry, der geschieden ist und seinen Sohn, wie es am Umschlag steht „in ein Internat abgeschoben hat“, der bald seine Bar-Mizwa feiert, nach Jerusalem fährt, aber eigentlich will er dort nur dem berühmten Archäologen David Leslau bei seinen Ausgrabungen der Grabstätten des Salomons helfen und er übersetzt auch immer wieder ein paar Schriftrollen.
Im Hotel lernt der, dessen „privates uns berufliches Leben zum Stillstand kam“, wie im Buchtext weiter steht, bald die schöne Tamar kennen, eine jemeitische Jüdin, die eigentlich um ihren im Krieg gefallenen Gatten trauert, aber auch eine talentierte Restauratorin ist, die Fälschungen sofort erkennt und verliebt sich in sie, hat wundervollen Sex mit ihr und bereist ansonsten die Sehenswürdigkeiten Israels, die Wüsten, die Heiligtümer etc, die man sehen muß, so daß man das Buch auch, wie einen Reiseführer lesen kann, denn Yusuf läßt auf sich warten, hält Harry immer wieder hin, obwohl er sehr höflich ist und ihm sogar eine Fünfzehnjährige zum Beischlaf anbietet, daß sein Diamant aber eine Fälschung ist, weil Harry den echten längst in seinem Tresor bzw. in dem Vaselinetöpfchen seines Vaters hat, ahnt man bald.
So wird also die Geschichte der Juden und ihrer Unterdrückung noch einmal erzählt, wir lernen Harries Vorfahren kennen, Julius Vidal, der den Stein geschliffen hat und ihn der Kirche spendete, Isaak Hadas Vitalo, der der spanischen Inquisition in die Hände fiel, etwas, was ich schon bei Robert Menasse und „Dr. Ascher und seine Väter gelesen“ habe, erfährt auch viel vom Krieg der Israelis gegen die Araber, erleben den tollen Sex zwischen Harry und Tamar, die aber doch nicht zusammenkommen können, so kehrt Harry zurück, schmuggelt die gekauften Diamanten, wie man das halt macht, am Zoll vorbei, feiert mit Jeff die Bar-Mizwa und spendet den echten Diamanten abwechselnd je einem christlichen, jüdischen und arabischen Museum und die Welt ist wieder in Ordnung, der Bestseller geschrieben oder doch nicht so ganz, habe ich das Buch doch stellenweise etwas unlogisch und sehr zusammengesetzt empfunden, eher, wie ein Lehrbuch, das uns die Geschichte der Juden und Israels erzählen will und das „Show not tell!“, das der Schreibeschüler, ja schon in der ersten Stunde in seinem Volkshochschulseminar lernt, sehr oft nicht annwendet und habe nachgegooglet, wie es die Leser empfunden haben?
„Ein bißchen langweilig, nicht so gut, wie der „Medicus“, steht da, aber auch, daß das Buch wahnsinnig spannend wäre und man nicht zum lesen aufhören konnte, an anderen Stellen.
Die Geschmäcker sind eben verschieden und gelernt habe ich natürlich etwas dabei, umso mehr, da ich ja erst vor kurzem bei einer Buchvorstellung der Theodor Kramer Gesellschaft war, die sich ja auch mit diesen Themen sehr beschäftigt.

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