Literaturgefluester

2013-02-17

Alles, was du wünschst

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:00

Den Erzählband der 1962 geborenen, irischen Autorin Anne Enriht habe ich voriges Jahr im Wortschatz gefunden und war ein bißchen enttäuscht, daß es Erzählungen waren, lese ich ja lieber Romane, weil ich es etwas schwierig finde, von einem Erzählinhalt zum nächsten zu schwenken und mich gerne bei den Figuren länger aufhalte, aber ich lese sie inzwischen und setzte das Buch auf meine Leseliste und den Namen Anne Enright habe ich, glaube ich, 2008 das erste Mal gehört. Da hat die Autorin nämlich im Rahmen der Buch-Wien im Freud Museum das „Familientreffen“ vorgestellt, ich wollte hin, wurde aber durch eine Diagnostik bzw. einen Mailwechsel an Franz Joseph Huainigg aufgehalten, der einen neuen Ohrenschmaus-Lyrikpreisträger hatte und mir das mitteilte.
So habe ich die Autorin nicht persönlich kennengelernt, ihr Name hat sich mir aber eingeprägt, 2011 ist auch „Anatomie einer Affaire“ erschienen und das habe ich, glaube ich, in einem der blauen Sofa-Sendungen mitverfolgt. Inzwischen habe ich noch ein Enright-Buch auf der Leseliste und bei „Alles, was du wünschst“, handelt es sich um sehr poetische Erzählungen, die von Frauen, ihren Affairen, Lieben, Leiden, Lebensphasen handeln und das wird sehr kunstvoll und meistens, um die Sachen die Drumherum passieren, erzählt.
So geht es bei „In der Bettenabteilung“ zuerst um die Rolltreppen, die in einem Kaufhaus gebaut werden, dann wird von der Bettenverkäuferin Kitty erzählt, die vierzig ist, zwei fast erwachsene Söhne hat und keinen Mann mehr, in den Wechsel kommt und da in einer Laientheaterspielgruppe mit einem Sechzigjährigen ins Bett geht, von ihm schwanger wird oder auch nicht, so genau, weiß man das bei den Hietzeanwallungen einer Vierzigjährigen nicht, das Kind dann auch verliert oder war es nur eine ganz normale Blutung?
„Blasse Hände, die ich liebe neben Shalamar“ ist ähnlich geheimnisvoll, da lernt eine Frau einen Mann kennen und heiratet ihn schließlich, sie lebt aber mit einem anderen, einem Geisteskranken oder Verrückten zusammen und erzählt von ihm, seine Geschichte, ihre Beziehung, bis sie sich von ihm trenn, um die Frau des anderen, „des gierigen alten Mannes mit dem vielen Geld“ zu werden.
Bei „Kopfkissen“ geht eine Irin auf ein amerikanisches College zum Studieren und lebt mit drei anderen Studentinnen, darunter einer Chinesin, die sie fragt „Wie Homosexuelle Sex miteinander treiben?“ zusammen. Sie verbringt mit der kleinen Li, was eigentlich ein Nachname ist, ein einsames Weihnachtsfest, ißt mit ihr Mais und ein verkohltes Huhn, nachts steht sie dann einsam in ihrer Bettnische und als die Erzählerin einen Freund findet, versucht sie sie mit einem Kissen zu erwürgen.
„Natalie“ erzählt von einer Jugendfreundschaft und „Meine kleine Schwester“ sehr ergreifend vom das Hinsterben einer Magersüchtigen.
„So lebte Serena jetzt also mein Leben. Sie hatte meine Wohnung, meine Freiheit und mein Geld“, schreibt, die Ich-Erzählern, weil die Therapeuten zu einer eigenen Wohnung raten, die Mutter diese aber nicht bezahlen kann. Die ältere Schwester opfert sich. Serena stirbt trotzdem an einem Leber und Nierenversagen und die Schwester trauert ihr lange nach.
In fast allen Geschichten geht es um Sex und Anne Enright weiß ihn auf eine sehr direkte und radikale Art zu erzählen, so kann in „Honig“ Catherine erst mit Phil zu einer Konferenz nach Killarney fahren, wenn ihre Mutter gestorben ist, in „Schnappschüße“ will die Erzählerin ihren Frank heiraten und muß dazu ihre Freundin, Arbeitskollegin oder Erzrivalin Sarah zum Essen einladen, die ihren bisexuellen Freund, einen Fotografen dazu mitbringt, der gerne Schnappschüße macht. In die „Schweiz“ fahren zwei durch die Welt, kaufen in Venedig einen schwarzen Regenschirm und treffen in Mexiko ein paar Schweizer im Bus, die sie auf allerhand Gedanken bringen. In „Schacht“ fahren zwei in einen Lift und im „Wetter von gestern“ geht um eine Familienfeier oder ist es doch eine postnatale Depression die Hazel da erlebt?
Und in der Titelgeschichte geht es wieder einmal, um das was man sich wünschen soll, wenn einem der „Engel, die Fee oder sogar der Teufel begegnet?“
Am besten noch einmal zwei Wünsche für alle Fälle rät Anne Enriht, denn es ist immer irgendwo ein Haken dabei, beispielsweise, wenn man einen makellosen Körper will und viele viele Enkelkinder kann man sich auch mal wünschen.
die Erzählerin von „Auf die Liebe“ ist neununddreißig, mit einem älteren traumatisierten Vietnam Flüchtling, der vor jeden Hund zusammenzuckt verheiratet und geht mit ihren Freunden regelmäßig etwas trinken, die ihr dann von ihren unglücklichen Frauen erzählen.
In „Wohnwagen“ macht eine Familie Urlaub in einem gemieteten Wohnmobil auf einem Campingplatz. Es regnet ständig, die Wäsche wird nicht trocken und Michelle sieht ihr Gespenst am Küchentisch sitzen, sicher eine Frau, die einmal in dem Wohnwagen gestorben ist und als sie dann mit der nassen Wäsche nach Hause fahren, sagen ihr die Kinder, daß es die schönsten Ferien waren, die sie jemals hatten.
In „Bis zum Tod der jungen Frau“ hat Samantha, mit der der Mann der Erzählerin einen Seitensprung hatte, einen Autounfall in Italien. Er springt war öfter weg, kommt aber immer mit einem Blumenstrauß und Geschenken zurück, die das Leben der Betrogenen abwechslungsreicher machen. Diesmal ist es anders, diesmal kann sie solange seinen Namen Kevin nicht aussprechen, bis sie sich entschließt mit einem Blumenstrauß an das Grab zu fahren.
„Ehefrau“ hat einen für mich etwas unverständlichen Titel. Da geht geht jemand einkaufen, sieht die Narbe der Verkäuferin, besucht dann seine Mutter und kauft am Ende seiner Tochter ein Eis. Ja die Gedanken, Emotionen, Erinnerungen, Assoziationen sind was die Texte zu Geschichten und die zu Literatur machen, man muß nicht alles ein zu eins und linear erzählen, die Aussparungen machen es interessant und geheimnisvoll. Während bei „Kreuzfahrt“ Kates Eltern eine solche machen und am Ende stirbt ihr Vater an Krebs. Das lapidare Erwähnen der scheußlichen Krankheit an der so viele Mütter, Väter sterben, während die Seitensprünge und die verbotenen Liebschaften passieren, ist es wahrscheinlich auch, was den Reiz der Geschichten ausmacht und dann gehts natürlich auch ums Älterwerden und das wird „Della“ offenbar, deren Nachbar dabei ist zu erblinden und es offensichtlich nicht bemerkt oder bemerken will. So erkennt er sie nicht mehr auf der Straße vor den Einkaufsläden und die Zeitungen, die er von dort nach Hause trägt, findet sie später ungelesen im Müll. Das Radio ist kaputt, als sie einmal mit ein paar Keksen vor der Türe steht, die Verwüstung in der Wohnung und beschließt bei ihm aufzuräumen.
„Und er wandte ihr sein Gesicht zu, freudig, als könne er sie ganz deutlich sehen – eine Frau in seiner Küche, die weit davon entfernt war, eine Jungfrau zu sein, eine Frau, die ihn am Ende zweifellos ziemlich attraktiv finden würde.“
Das wars, so lapidar, so einfach und auch schlicht ergreifend und am Umschlag der DVA Ausgabe sieht man eine rothaarige mit Pferdeschwänzchen und rosa Mantel von Hinten vor einem Zaun stehen und darüber schauen, interessant, sehr interessant sogar.

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