Literaturgefluester

2013-02-19

Schlechtes Schreiben

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:10

Da bin ich wieder bei der Frage, wie schlecht oder gut ich schreibe, angelangt, irgendwie komme ich nicht darum herum, sie mir zu beantworten und auch damit nicht weiter, weil ja immer wieder Kommentare kommen, daß ich zu lang und zu unverständlich schreibe, „Schachtelsätze“, hat es Roland Grenl einmal genannt und am Donnerstag hatte ich, als ich über meine Lesung im „Häferl“, geschrieben habe, den nicht gerade sehr aufmunternden Kommentar „wow, so was schlechtes hab ich echt lang schon nicht mehr gelesen…“, im Kasten!
Jetzt weiß ich schon, das ich solches ja nicht frei für die Öffentlichkeit geben muß und, daß es offenbar immer Leute gibt, die gern, die wunden Punkte treffen, weiß ich auch!
Ich war vielleicht auch ein bißchen selber daran schuld, bin ich ja eine Schnelle und so tippte ich den Artikel herunter, veröffentlichte ihn, um ihn zu verlinken, begann erst dann zu korrigieren und hatte den bösen Kommentar schon, als ich noch nicht damit fertig war und wahrscheinlich einige schiefe Sätze und Fehler drinnen hatte und, daß sich meine Leser darüber mokieren, daß ich als umtrainierte Linkshändlerin offenbar ein wenig legastehn, einmal die Susanne Scholl zu einer Sabine machte, bzw. umgekehrt oder den Geburtstag der Viki Baum ins zwanzigste statt, wie richtig ins neunzehnte Jahrhundert verlegte oder, wie der letzte scharfe Kommentar vor ca einem Jahr gekommen bin, als ich Autobiografie statt Biografie geschrieben habe.
„Mir reichts, das wissen Sie nicht und Sie wollen Schriftstellerin sein?“, melden sich dann die Empörten.
Ich denke mir dann immer, das sind doch Kleinigkeiten und wundere mich darüber, daß darüber soviel Aufregung kommt.
Es stimmt aber natürlich, es waren Fehler und sollten eigentlich nicht sein.
Man kann aber vielleicht schon die Frage stellen, warum ein ganz persönliches Blogtagebuch, das keine Angestellten hat, kein Honorar bekommt und auch keine Auftragsgeber zu befriedigen hat, hundert Prozent fehlerfrei sein muß?
Es sollte natürlich so perfekt wie möglich sein, selbstverständlich, da stimme ich schon zu. Aber wenn eine Beruf, Familie hat, viele Bücher liest, die eigene Schreibwerkstatt als das Wichtigste nimmt und dann noch zu vielen Veranstaltungen geht, dann ist es vielleicht gut, für das Bloggen nur eine Stunde zu veranlagen und es muß mich ja auch niemand lesen, dem das Literaturgeflüster zu lang, zu umständlich, zu flüchtig, zu fehlerhaft oder was immer ist und das, worüber ich berichte, ist vielleicht auch trotzdem interessant, wenn ein paar Rechtsschreibfehler drinnen sind. Und eine freundliche Rückmeldung fördert auch den Kommunikationskontakt.
Daß man die nicht haben sollte, habe ich von meinen Kommentierern schon gelernt. Jetzt habe ich dazu ja und das habe ich auch schon geschrieben, eine eher ambivalente Meinung, bzw. mir als Schülerin gedacht, was ich eigentlich noch immer glaube, daß die nicht so wichtig sind.
Dann habe ich gelernt, um einen Verlag zu finden, ein Stipendium zu bekommen, etc, muß man sich anpassen und ein Lektorat verwenden, gut, macht ja nichts, der Alfred schaut mir also drüber und ich kann meine „S“ so schreiben, wie ich will und mich dabei „unangepasst“ fühlen.
Bei mir ist auch noch die Rechtschreibreform dazu gekommen und da haben die Schriftsteller und die IG Autoren zuerst alle laut geschrieen „Da machen wir nicht mit!“, dann sind viele still und heimlich doch dazu gekommen und die Bücher vor allem, für die Schulen, wurden eingestampft, bzw. gibt es auch Gegenbeispiele, so bin ich durch den „Standard“ zuerst darauf gekommen, daß es jetzt „Albträume“ heißt, während man inzwischen wieder das harte „p“ der alten Rechtschreibung verwenden kann und als ich mich JuSophie vor zwei Jahren, das erste Mal zu kritisieren wußte, hat sie gemeint, daß sie die neue Rechtschreibung verwendet, was mich ein wenig verwunderte, weil ich dachte, die österreichischen Autoren machen das eher nicht.
Ich habe aber meine eigene Rechtschreibung und ich korrigiere inzwischen ohnehin lange an meinen Texten herum, bis sie passen, obwohl ich gerade durch die Kommentare im Geflüster so selbstbewußt geworden bin, daß ich mir denke, daß ich vielleicht schon so schreiben kann, wie es mir gefällt.
Meine Bücher werden, wie beschrieben, korrigiert, mein Blog inzwischen nicht mehr, weil das der Alfred nicht schafft.
Ich mache mir meine Bücher, wie bekannt, selber, weil ich für die belletristischen außer bei den „Hierarchien“ keinen Verlag gefunden habe, seit einigen Jahren auch nicht mehr danach suche und jetzt eigentlich dachte, daß die Verwunderung darüber und die automatische Gleichsetzung, daß sie dann schlecht sein müssen, durch die vielen Selbstpuplisher langsam schwinden wird.
Wird es wohl nicht so schnell, die Vorurteile sitzen offenbar doch sehr tief und da war ich am letzten Donnerstag auch ein wenig frustriert, weil ich bei den Bloggern wieder einmal lesen konnte, daß sie keine Zeit für Selbstgemachtes haben und sich lieber an das von den Verlagen Vorsortierte halten.
Mein anderer wunder Punkt, was antwortet man darauf?
Mehr als „Selber schuld, wenn dann was entgeht!“, fällt mir noch immer nicht ein und weil ich offenbar ein wenig patschert bin, keinen Verlag finde und vielleicht auch zu linear, zu wenig abgehoben und mit ein paar Rechtschreibfehlern schreibe, versuche ich meine Bücher selber zu machen und blogge mein literarisches Leben seit fünf Jahren beharrlich in die Welt hinaus, wo es dann auch prompt ein paar Stimmen anzieht, die begeistert „Das ist aber schlechtt, ich bin empört!“, schreiben.
Ich ärgere mich dann darüber, denke nach, verbessere die Artikel, lasse sie dann aber doch lang und verschachtelt bleiben und denke mir, „Schade, daß keine andere Bemerkungen kamen, wie „War trotzdem eine schöne Lesung und wir habens verstanden!“
Der Alfred hat mich zwar gefragt, ob er etwas schreiben soll und seine Fotos sind auch schön und die Ankündigungen von Herrn Blaha waren so, daß ich mir dachte, so kann man meinen erfolglosen Windmühlenkampf im Literaturbetrieb also auch beschreiben.
Und natürlich muß keiner schreiben und die, die es trotzdem tun, weil sie es gerne machen, sollten auch ihre Nischen finden, wenn der Literaturbetrieb sie nicht hineinläßt und das ist durch das Bloggen und das Selbstpublizieren zwar möglich, die Vorurteile sitzen aber wahrscheinlich tiefer als ich dachte, so daß sich wahrscheinlich trotz Amazon direkt publishing noch immer nicht so wirklich viel verändert hat.
Was ist die Lösung? Ich habe keine! Denn den Kommentar löschen wollte ich auch nicht, gibt es ihn ja und die Argumente sind auch bekannt und kommen öfter.
Andererseits denke ich, daß es, wenn ich beispielsweise über eine Lesung bei den „Schreibinteressen“ oder an anderen Orten berichte, interessant sein kann, davon zu hören, auch wenn ich dabei ein paar nicht ganz verständliche Sätze oder Rechtschreibfehler darin hatte oder habe.
Die Fotos sind schön und die Idee, daß sich jeden Monat die Augustin-Schreibinteressierten treffen und ihre Texte, die vielleicht auch nicht so vollkommen sind, daß sie damit den deutschen Buchpreis gewinnen, vorlesen, ist auch ein Stückchen gelebte Kreativität, für das ich mich gerne einsetzen will.
Aber natürlich sind die Dämpfer gut, weil sie mahnen, nicht zu übermütig zu werden, eine auf den Boden zurückholen und nachschauen lassen, ob sie sich nicht vielleicht doch klarer ausdrücken kann!
Interessant ist auch, daß zwei Tage später ein anderer Kommentar gekommen ist, wo der Kommentierer einen Krimi als das schlechteste Buch bezeichnete, das er je gelesen hätte, das von einem Hauptschullehrer stammt und den ich von den Krimis, die ich aus dem Verlag gelesen habe, für den besten halten würde.
Aber natürlich sind einige Übertreibungen drin, die ich auch nicht so gerne habe, aber inzwischen denke, daß das bei Krimis so sein muß, weil die Leser offenbar etwas zu lachen haben wollen und die Autoren daher ganz bewußt dick auftragen.
Und ich weiß offenbar noch immer nicht, wie gut oder schlecht ich schreibe?
Da ich Kritik sehr ernst nehme, denke ich, es wird schon was daran sein, wenn immer wieder dieselben Einwände kommen, andererseits denke ich wirklich, daß eine, der vierzig Jahre kontinuierlich schreibt, das schon ein bißchen können muß, vielleicht schreibt sie ein wenig anders, weil ihr die Rechtschreibung nicht so wichtig ist, einen anderen Literaturbegriff hat, etc, aber, daß ich schreiben kann, ist eigentlich unbestritten, wenn man auf das Resultat und das Werkverzeichnis sieht. Warum dann immer wieder die Sätze „Sie wollen Schriftstellerin sein?“, kommen, ist mir auch ein wenig rätselhaft, da ich mich ja gar nicht so bezeichne.
Aber vielleicht, weil ich nicht aufgebe, sondern weitermache, es unentwegt so gut, wie ich es kann, versuche, mit meiner Rechtschreibung, meiner Linearität, meiner Sozialkritik, meiner psychologischen Realistik, meinen Schachtelsätzen, etc und dann noch darüber schreibe und Anerkennung und Aufmerksamkeit einfordere?
Vielleicht ist es das, was ärgert? Ich denke da immer, selber schreiben und es besser machen, statt kritisieren, aber natürlich ist es leichter „Da ist ein Rechtschreibfehler und Sie wollen Schriftstellerin sein!“, zu rufen, als es selbst zu probieren und es vielleicht auch nicht zusammenzubringen und kann nur wiederholen, daß ich mich weder Dichterin nenne, weil ich keine Lyrik schreibe und auch nicht Schriftstellerin, weil das für mich der Begriff des Brotberufs ist und ich davon nicht lebe.
Ich will mich ausdrücken und meine Kreativität verwirklichen und, daß es da die Blogs und den Digitaldruck gibt, ist für mich ein Segen, auch wenn ich schon begriffen habe, daß ich damit wohl nicht in den Literaturbetrieb hineinkomme und auch nicht sehr auffalle, aber manchmal treffe ich Leute, die mich anprechen und mir sagen „Ihre Sachen gefallen mir gut!“
Das gibt es also auch und ich bin vielleicht auch ein wenig eigensinnig, daß ich es immer wieder versuche, meinen Kritikern zu erklären, daß ich schreiben kann, was sicher eine Energie erfordert, die sich besser im nächsten Text verwenden läßt.
Daß mir das Bloggen sehr wichtig ist, können meine Leser merken. Ich werde damit umgehen müßen, daß wahrscheinlich immer wieder Kritikerstimmen kommen, mich dann an der Nase nehmen und schauen, was nicht stimmt und ansonsten versuchen bei meinen Artikeln offen und wertschätzend zu sein.
Mir gefällt natürlich auch nicht alles und das schreibe ich dann auch, denke aber, daß ich das, was ich in der Therapiegrundausbildung lernte, anwenden kann, um so zu schreiben, daß es niemanden kränkt und beleidigt, sondern weiterbringt.
Daß das nicht so leicht ist, kann ich auch immer wieder merken. Gab es da ja im Sommer 2010 die Debatte über Anni Bürkls „Ausgetanzt“ und als ich Zdenka Becker diesen Sommer am Markt von St. Pölten sagte, daß ich „Taubenflug“ gelesen habe und auf ihre Frage, wie es mir gefallen hätte? „Na,ja ein wenig übertrieben war es schon!“, ehrlich antwortete, merkte ich, wie sie erstarrte und „Das ist nur deine Meinung!“, sagte.
„Natürlich, selbstverständlich, etwas anderes kann es gar nicht sein!
Ich habe ja die Kritiken, die es beispielsweise im Arbeitskreis schreibender Frauen gab, als nicht sehr konstruktiv empfunden und daher nie etwas gesagt, während das meine benörgelt wurde, da hat einmal die B. eine Geschichte von einem Mann gelesen, der plötzlich eine Frau war, was ich nicht recht verstanden habe, ich habe nichts gesagt, mich darüber geärgert und als sie es später nochmal las, hab ich es getan, worauf alle „Retourkutsche!“ schrieen, was es gar nicht war.
Aber seit ich blogge habe ich erfahren, daß es eine gute Möglichkeit ist, zuerst das Buch und meine Eindrücke beschreiben, das läßt sich wertfrei tun und wenn etwas nicht stimmt, kann man das ja trotzdem schreiben und wenn man so vorgeht, denke ich, läßt sich jedes Buch besprechen, auch der Arno Schmidt oder die selbstgemachten E-Books vor denen sich viele noch immer zu fürchten scheinen.
Und dann denke ich wirklich, wie Rotraud Perner, unlängst in einer Sendung im Radiokulturhaus sagte, daß es gut ist, wenn man seine Kreativität benützt, um Gedichte, Geschichten, etc zu schreiben und natürlich wäre es schön, wenn wir uns dann auch dafür interessieren und wertschätzend damit auseinandersetzen.
Ich tue das schon lange und fahre nicht schlecht dabei, weil es ja spannend ist, zu sehen, was die anderen malen, denken, schreiben und wenn ich einen Fehler finde, tut mir das gut zu merken, daß ich da vielleicht besser bin und ist es besser, kann ich ja vielleicht auch so werden.

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