Literaturgefluester

2013-02-23

Die Wolkenbraut

Filed under: Uncategorized — jancak @ 11:50

Jetzt kommt wieder etwas Aktuelles, nämlich die gerade bei Haymon erschienene Biografie das Leben der Philippine Welser „Die Wolkenbraut“ von Jeannine Meighörner, die eigentlich etwas ganz Altes ist, wurde die Augsburger Kaufmannstochter doch 1527 geboren und es gibt auch schon einige Biografien über sie.
Das Buch der 1963 in Deutschland geborenen und in Innsbruck lebenden Jeannine Meighörner ist aber ein historischer Roman und er wendet einige Kunstgriffe an, um das Leben der Kaufmannstochter, die 1557 den Kaisersohn. Erzherzog Ferdinand II, Landesfürst von Tirol heimlich heriatete, mit ihm vier Kinder hatte, die von der Erbfolge ausgeschlossen wurden, in Schoß Ambrass lebte und sich sehr für die Heilkunst interessierte, Heilkräuter sammelte und ein Arzneibuch, sowie ein Kochbuch geschreiben hat, zu erzählen. Beziehungsweise läßt sie dies den Hofzwerg Thomele tut, den es, wie ich dem Nachwort entnehme, tatsächlich gegeben hat und der, in Prag geboren, der seine Herrin überlebte, tut dies in einer Rückblende und mit einer sehr deftig starken Sprache, wie sie wahrscheinlich den Hofzwergen eigen war, bzw. Jeannine Meighörner sich für ihn ausdachte.
So nennt er Philippine nur „Die Frau mit den schönen Nasenlöchern“, zitiert auch öfter den Ausspruch seiner Mutter „Wer alle Tage Kuchen ißt, Pasteten und Kapaunen, der weiß nicht mehr wann Sonntag ist und kennt nur schlechte Launen!“, die selber wohl nur Brot und Kartoffeln gegessen hat und den kleingebliebenen Sohn, Jeannine Meighörner meint, daß er vermutlich am Seckel-Syndrom, einer sehr seltenen Erbkrankheit von starken Kleinwuchs gelitten hat, für ein bißchen Geld an den Erzherzog in Prag verkaufte.
Dort mußte er sich dann den Damen auf den Schoß setzen, aus Kuchen und Pasteten springen und erzählt so in seiner deftigen Außenseiter oder Leibeigenensprache, Proletensprache ist wohl nicht der richtige Ausdruck, das Leben der ungewöhnlichen Kaufmannnstochter.
Er tut das in farbigen Bildern und Kapiteln, die eine Jahreszahl und einen Titel, wie „Die Frau mit den schönen Nasenlöchern“ oder „Ein Zwerg wird nicht länger wenn man daran zieht“ die die einzelnen Lebensabschnitte erzählen. Philippine Welser kommt zwischendurch, wenn auch viel kürzer, auch selber immer wieder ans Wort und so hanteln wir uns durch das Leben der Philippine Welser und erfahren viel mehr davon, als das was man bei Wikipedia oder wahrscheinlich auch in den schon vorhandenen Biografien nachlesen kann, denn, „Jede gute Geschichte verdient es ausgeschmückt werden“, ist das Zitat von J. R. R. Tolkien, dem Buch als Motto vorangestellt ist und so haben wir einen sehr farbenprächtigen Eindruck vom Leben in Prag und Tirol des sechzehnten Jahrhunderts bekommen.
Die Fleischeslust und der Reichtum der Fürsten wird dabei von Thomele sehr direkt beschrieben, Philippine Hexe, Hure, Maitresse und Beischläferin genannt und wir haben auch ein wenig Geschichte gelernt.
Ein interessantes Buch, das wohl an mir vorbeigegangen wäre, hätte es mir Haymon nicht als Vorab E-Book geschickt, so daß ich mich wieder einmal im elektronischen Lesen üben konnte und zwei Tage nicht in der Badewanne war und Jeannine Meighörner entnehme ich ihrer Biografie hat schon einige solche geschrieben, so zum Beispiel die von Deutschlands erster Bestsellerautorin Sophie von La Roche und die der Anna Hofer.

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