Literaturgefluester

2013-02-26

Vom gewöhnlichen Leben zum Hofnarr, König und Volk

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:03

Diesmal gab es zwischen der literarischen Erleuchtung und der Anschlußveranstaltung eine Verbindung und dann auch eine Fortsetzung, von der ich noch nicht weiß, ob ich sie wahrnehmen oder stattdessen in die Gesellschaft für Literatur gehen werden.
Am Montagabend war jedenfalls Anne Weber in der Stunde der literarischen Erleuchtung und stellte ihre Übersetzung von „Une vie ordinaire“ – nämlich „Luftschnappen war sein Beruf“ vor.
„Aha!“, werden jetzt sicher die Frankophilen sagen.
„Gut übersetzt!“
„Das Leben ist eine Bananenschale“ hätte es aber auch heißen können, denn solches kommt in dem Gedichtroman des von 1023- 1978 lebenden Georges Perros vor und Kurt Neumann erzählte gerade etwas von dem französischen Dichter, als ich die Alte Schmiede erreichte und Anne Weber ist eine alte Bekannte.
Beim Bachmannpreis hat sie einmal gelesen und oder einen davon gewonnen, in Frankreich lebend, als Autorin und Übersetzerin. Wenn ich mich nicht irre, gibts ein Buch von ihr auf meiner Leseliste und in der Alten Schmiede habe ich sie auch schon einmal gehört.
Jetzt aber eine zweisprachige Lesung und Anne Weber erklärte auch sogleich, warum sie nicht ins „gewöhnliche Leben“ übersetzt hat, dabei war Georges Perros gegen Hierarchien, obwohl er berühmte Freunde hatte, hat er auch die Banalitäten des Lebens, nämlich das Pinkeln und das Harnablassen beschrieben und das, was passieren kann, wenn man sich von einem, der einen von Puschkin und Tolstoj anschaulich erzählt, nicht abgrenzen kann.
Da denkt der, man konzentriert sich auf die Erzählung und nachher gibt es einen häßlichen Fleck.
Perros erzählte aber auch von seiner Geburt und seiner Mutter, die ihm in die Obsorge der Concierge gab und wieder wegnahm, weil die nicht genug Zeit hatte, ihn zu wickeln, obwohl er gerne bei der Concierge gewesen wäre und erzählte auch von seiner russischen Frau, die er spät geheiratet hat und die bis zu ihrem neunten Lebensjahr nur Russisch sprach. Perros war Pfeifenraucher, hatte einen Lehrstuhl für Unwissenheit inne, was auch schon die Verbindung zum nächsten Programmpunkt war und ist 1978 an Kehlkopfkrebs gestorben, das „Vie ordinaire“ ist 1967 erschienen und Anne Weber, die schon andere seiner Werke übersetzt, erzählte während ihrer Lesung immer wieder ein bißchen, so sprach sie von einer Stelle, die sie inzwischen anders übersetzen würde.
Dann wars aus, Kurt Neumann wies noch darauf hin, daß Anne Webers neues Buch am Dienstag in einer einsprachigen Lesung vorgestellt wird, obwohl es auch auf Französisch erschienen ist. Dann gab es wieder eine Stunde Pause, wo ich dem Lehrer aus dem Waldviertel meine Bücherschätze zeigte, die ich diesmal bei Frick und Morawa gefunden hatte, weshalb ich auch ein bißchen knapp gekommen bin.
Marjana Gaponekos „Annuschka Blume“, die inzwischen den Chamisso-Preis bekommen hat und am Nachmittag im Kulturhjournal vorgestellt wurde, um zwei Euro und Anita C. Schaubs „Krause Haare“, um ebensoviel unter andere, die daraus ja mit mir gemeinsam im Oktober in der Alten Schmiede las, unterhielt mich ein bißchen mit Dr. Molt und wartete auf die Vorstellung des neuen Andrea Winkler Buches „König, Hoffnarr und Volk“, das ich mir nicht entgehen lassen wollte, obwohl ich ja kein besonderer Andrea Winkler Fan bin. Oder doch vielleicht ein bißchen, war ich ja schon auf einigen ihrer Veranstaltungen und habe Bernhard Listringer in der „Absturzgefahr“ ja auch eines ihrer Bücher im offenen Bücherschrank finden lassen und Andrea Winkler wird auch, man glaubt es kaum, ein bißchen realistischer bzw. handlungskonformer.
Zumindestens steht schon Roman auf dem Buch, aber das wollen ja die Verlage so und Anna Weidenholzers Geschichtenband wird auch öfter als solcher angepriesen. Es gibt aber eine Protagonistin namens Lina Lorber und die studiert „Im Institut für Gedankenkunde und Verstehen“, keine Satire auf den Unibetrieb, sagte zwar Cornelius Hell, der moderierte vorsorglich, damit wir ihn nicht mißverstehen, aber das ist ja schon einges.
Die schönen Worte und die wunderschöne Sprache war zwar natürlich da und auch ein Walser-Gedicht und Georg Büchner und auch die Verbindung zu Märchen oder Parabel, wie Kurt Neumann meinte und der Titel schließen läßt und für mich ganz erstaunlich auch eine Verbindung zur sonntäglichen Veranstaltung und zu Torsten Low, hat der doch eine Persiflage auf alle Fantasyromane und Filme die in der letzten Zeit erschienen sind, da präsentiert und ein Stück vorgelesen, wo eine Eingesperrte ein Grab besucht und mit einem Grabwächter redet und Andrea Winklers Ich-Erzählerin, die an dem Institut fürs Verstehen aufgenommen wurde, ein Zimmer ohne Möbel bewohnt, ihrem Freund von Professor X und Frau Professor Stein und einer Flora, Justin etc schreibt, hat auch einen Traum, wo der Mundschenk einen König in seiner Gefängniszelle besucht.
Ich will ja nicht vergleichen, finde es aber als realistisch psychologische Autorin, der der Handlungsfaden und auch das lineare Erzählen wichtig ist, interessant und die schöne Sprache und die schönen Sätze haben mir natürlich auch gefallen und wenn es auch Cornelius Hell natürlich bestreitet und die Verlegerinnen auf eine Frage aus dem Publikum antworteten, wo Andrea Winkler sich in den Strömungen der Gegenwartsliteratur einreichen würde?
„Auf jeden Fall ist es kein Kolportagenroman!“
Gab es meiner Meinung nach schon ganz konkrete Handlungspunkte, die Lina studiert zwar auf einer sehr merkwürdigen Universität, die sicher nicht mit der Uni Wien vergleichbar ist, eher einem Geheimlabor, wo man einen Aufnahmetest bestehen muß, um hineinzukommen. Es gibt aber Köpfe im Hof und die Lina stellt sich schon vor, wie man später ihrer Büste bewundern wird. Dann schreibt sie Briefe, führt Tagebuch, gerät vielleicht auch in Opposition mit ihren Lehrern, weicht auch in die Fabel und ins Märchen aus, also ich habe noch nie eine so handlungsreiche Andrea Winkler gehört, hatte das aber auch schon ein bißchen im Zauberberg entdeckt.
Nun ja, es macht mir eben Freude, den schönen Worten die Handlungsstränge beizugeben, wenn diese auch immer noch sehr kompliziert und mit ihren Mundschenks, Königen und Narren sehr märchenhaft ist.
Man könnte ja auch vermuten, daß Andrea Winkler die Handlungslosigkeit vielleicht auch ein wenig satt hat. Nur Schönheit alleine ist auf die Dauer vielleicht doch zu wenig.
Jetzt ist schon das Märchen da und der Bildungsroman, wie es heißen hätte sollen, eine Freundin verhörte sich aber, so ists ein Einbildungsroman geworden. Eine Auseinandersetzung mit Kunst und Wissenschaft vielleicht, aber keine Satire, wie Cornelius Hell, der Andrea Winkler-Kenner betonte, er ordnete ihr aber eine Anspielung eines Buches zu, das Andrea Winkler gar nicht kannte.
Ja, die Literaturwissenschaftler und die Rezensenten, die alles besser wissen.
Andrea Winkler hat aber gerne Germanistik oder vergleichende Literaturwissenschaft studiert und ist auch gerne im schönen Lesesaal gewesen.
Zwei Abschnitte hat sie mit ihrem lieben freundlichen Lächeln aus dem am Montag erschienenen brandneuen Buch gelesen und der Kellersaal war auch sehr voll. Neben den Verlegerinnen saß Linda Stift, weiter hinten Andrea Grill, Norbert Leser, Anne Weber waren ebenfalls da und Walter Famler.

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