Literaturgefluester

2013-02-19

Schlechtes Schreiben

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:10

Da bin ich wieder bei der Frage, wie schlecht oder gut ich schreibe, angelangt, irgendwie komme ich nicht darum herum, sie mir zu beantworten und auch damit nicht weiter, weil ja immer wieder Kommentare kommen, daß ich zu lang und zu unverständlich schreibe, „Schachtelsätze“, hat es Roland Grenl einmal genannt und am Donnerstag hatte ich, als ich über meine Lesung im „Häferl“, geschrieben habe, den nicht gerade sehr aufmunternden Kommentar „wow, so was schlechtes hab ich echt lang schon nicht mehr gelesen…“, im Kasten!
Jetzt weiß ich schon, das ich solches ja nicht frei für die Öffentlichkeit geben muß und, daß es offenbar immer Leute gibt, die gern, die wunden Punkte treffen, weiß ich auch!
Ich war vielleicht auch ein bißchen selber daran schuld, bin ich ja eine Schnelle und so tippte ich den Artikel herunter, veröffentlichte ihn, um ihn zu verlinken, begann erst dann zu korrigieren und hatte den bösen Kommentar schon, als ich noch nicht damit fertig war und wahrscheinlich einige schiefe Sätze und Fehler drinnen hatte und, daß sich meine Leser darüber mokieren, daß ich als umtrainierte Linkshändlerin offenbar ein wenig legastehn, einmal die Susanne Scholl zu einer Sabine machte, bzw. umgekehrt oder den Geburtstag der Viki Baum ins zwanzigste statt, wie richtig ins neunzehnte Jahrhundert verlegte oder, wie der letzte scharfe Kommentar vor ca einem Jahr gekommen bin, als ich Autobiografie statt Biografie geschrieben habe.
„Mir reichts, das wissen Sie nicht und Sie wollen Schriftstellerin sein?“, melden sich dann die Empörten.
Ich denke mir dann immer, das sind doch Kleinigkeiten und wundere mich darüber, daß darüber soviel Aufregung kommt.
Es stimmt aber natürlich, es waren Fehler und sollten eigentlich nicht sein.
Man kann aber vielleicht schon die Frage stellen, warum ein ganz persönliches Blogtagebuch, das keine Angestellten hat, kein Honorar bekommt und auch keine Auftragsgeber zu befriedigen hat, hundert Prozent fehlerfrei sein muß?
Es sollte natürlich so perfekt wie möglich sein, selbstverständlich, da stimme ich schon zu. Aber wenn eine Beruf, Familie hat, viele Bücher liest, die eigene Schreibwerkstatt als das Wichtigste nimmt und dann noch zu vielen Veranstaltungen geht, dann ist es vielleicht gut, für das Bloggen nur eine Stunde zu veranlagen und es muß mich ja auch niemand lesen, dem das Literaturgeflüster zu lang, zu umständlich, zu flüchtig, zu fehlerhaft oder was immer ist und das, worüber ich berichte, ist vielleicht auch trotzdem interessant, wenn ein paar Rechtsschreibfehler drinnen sind. Und eine freundliche Rückmeldung fördert auch den Kommunikationskontakt.
Daß man die nicht haben sollte, habe ich von meinen Kommentierern schon gelernt. Jetzt habe ich dazu ja und das habe ich auch schon geschrieben, eine eher ambivalente Meinung, bzw. mir als Schülerin gedacht, was ich eigentlich noch immer glaube, daß die nicht so wichtig sind.
Dann habe ich gelernt, um einen Verlag zu finden, ein Stipendium zu bekommen, etc, muß man sich anpassen und ein Lektorat verwenden, gut, macht ja nichts, der Alfred schaut mir also drüber und ich kann meine „S“ so schreiben, wie ich will und mich dabei „unangepasst“ fühlen.
Bei mir ist auch noch die Rechtschreibreform dazu gekommen und da haben die Schriftsteller und die IG Autoren zuerst alle laut geschrieen „Da machen wir nicht mit!“, dann sind viele still und heimlich doch dazu gekommen und die Bücher vor allem, für die Schulen, wurden eingestampft, bzw. gibt es auch Gegenbeispiele, so bin ich durch den „Standard“ zuerst darauf gekommen, daß es jetzt „Albträume“ heißt, während man inzwischen wieder das harte „p“ der alten Rechtschreibung verwenden kann und als ich mich JuSophie vor zwei Jahren, das erste Mal zu kritisieren wußte, hat sie gemeint, daß sie die neue Rechtschreibung verwendet, was mich ein wenig verwunderte, weil ich dachte, die österreichischen Autoren machen das eher nicht.
Ich habe aber meine eigene Rechtschreibung und ich korrigiere inzwischen ohnehin lange an meinen Texten herum, bis sie passen, obwohl ich gerade durch die Kommentare im Geflüster so selbstbewußt geworden bin, daß ich mir denke, daß ich vielleicht schon so schreiben kann, wie es mir gefällt.
Meine Bücher werden, wie beschrieben, korrigiert, mein Blog inzwischen nicht mehr, weil das der Alfred nicht schafft.
Ich mache mir meine Bücher, wie bekannt, selber, weil ich für die belletristischen außer bei den „Hierarchien“ keinen Verlag gefunden habe, seit einigen Jahren auch nicht mehr danach suche und jetzt eigentlich dachte, daß die Verwunderung darüber und die automatische Gleichsetzung, daß sie dann schlecht sein müssen, durch die vielen Selbstpuplisher langsam schwinden wird.
Wird es wohl nicht so schnell, die Vorurteile sitzen offenbar doch sehr tief und da war ich am letzten Donnerstag auch ein wenig frustriert, weil ich bei den Bloggern wieder einmal lesen konnte, daß sie keine Zeit für Selbstgemachtes haben und sich lieber an das von den Verlagen Vorsortierte halten.
Mein anderer wunder Punkt, was antwortet man darauf?
Mehr als „Selber schuld, wenn dann was entgeht!“, fällt mir noch immer nicht ein und weil ich offenbar ein wenig patschert bin, keinen Verlag finde und vielleicht auch zu linear, zu wenig abgehoben und mit ein paar Rechtschreibfehlern schreibe, versuche ich meine Bücher selber zu machen und blogge mein literarisches Leben seit fünf Jahren beharrlich in die Welt hinaus, wo es dann auch prompt ein paar Stimmen anzieht, die begeistert „Das ist aber schlechtt, ich bin empört!“, schreiben.
Ich ärgere mich dann darüber, denke nach, verbessere die Artikel, lasse sie dann aber doch lang und verschachtelt bleiben und denke mir, „Schade, daß keine andere Bemerkungen kamen, wie „War trotzdem eine schöne Lesung und wir habens verstanden!“
Der Alfred hat mich zwar gefragt, ob er etwas schreiben soll und seine Fotos sind auch schön und die Ankündigungen von Herrn Blaha waren so, daß ich mir dachte, so kann man meinen erfolglosen Windmühlenkampf im Literaturbetrieb also auch beschreiben.
Und natürlich muß keiner schreiben und die, die es trotzdem tun, weil sie es gerne machen, sollten auch ihre Nischen finden, wenn der Literaturbetrieb sie nicht hineinläßt und das ist durch das Bloggen und das Selbstpublizieren zwar möglich, die Vorurteile sitzen aber wahrscheinlich tiefer als ich dachte, so daß sich wahrscheinlich trotz Amazon direkt publishing noch immer nicht so wirklich viel verändert hat.
Was ist die Lösung? Ich habe keine! Denn den Kommentar löschen wollte ich auch nicht, gibt es ihn ja und die Argumente sind auch bekannt und kommen öfter.
Andererseits denke ich, daß es, wenn ich beispielsweise über eine Lesung bei den „Schreibinteressen“ oder an anderen Orten berichte, interessant sein kann, davon zu hören, auch wenn ich dabei ein paar nicht ganz verständliche Sätze oder Rechtschreibfehler darin hatte oder habe.
Die Fotos sind schön und die Idee, daß sich jeden Monat die Augustin-Schreibinteressierten treffen und ihre Texte, die vielleicht auch nicht so vollkommen sind, daß sie damit den deutschen Buchpreis gewinnen, vorlesen, ist auch ein Stückchen gelebte Kreativität, für das ich mich gerne einsetzen will.
Aber natürlich sind die Dämpfer gut, weil sie mahnen, nicht zu übermütig zu werden, eine auf den Boden zurückholen und nachschauen lassen, ob sie sich nicht vielleicht doch klarer ausdrücken kann!
Interessant ist auch, daß zwei Tage später ein anderer Kommentar gekommen ist, wo der Kommentierer einen Krimi als das schlechteste Buch bezeichnete, das er je gelesen hätte, das von einem Hauptschullehrer stammt und den ich von den Krimis, die ich aus dem Verlag gelesen habe, für den besten halten würde.
Aber natürlich sind einige Übertreibungen drin, die ich auch nicht so gerne habe, aber inzwischen denke, daß das bei Krimis so sein muß, weil die Leser offenbar etwas zu lachen haben wollen und die Autoren daher ganz bewußt dick auftragen.
Und ich weiß offenbar noch immer nicht, wie gut oder schlecht ich schreibe?
Da ich Kritik sehr ernst nehme, denke ich, es wird schon was daran sein, wenn immer wieder dieselben Einwände kommen, andererseits denke ich wirklich, daß eine, der vierzig Jahre kontinuierlich schreibt, das schon ein bißchen können muß, vielleicht schreibt sie ein wenig anders, weil ihr die Rechtschreibung nicht so wichtig ist, einen anderen Literaturbegriff hat, etc, aber, daß ich schreiben kann, ist eigentlich unbestritten, wenn man auf das Resultat und das Werkverzeichnis sieht. Warum dann immer wieder die Sätze „Sie wollen Schriftstellerin sein?“, kommen, ist mir auch ein wenig rätselhaft, da ich mich ja gar nicht so bezeichne.
Aber vielleicht, weil ich nicht aufgebe, sondern weitermache, es unentwegt so gut, wie ich es kann, versuche, mit meiner Rechtschreibung, meiner Linearität, meiner Sozialkritik, meiner psychologischen Realistik, meinen Schachtelsätzen, etc und dann noch darüber schreibe und Anerkennung und Aufmerksamkeit einfordere?
Vielleicht ist es das, was ärgert? Ich denke da immer, selber schreiben und es besser machen, statt kritisieren, aber natürlich ist es leichter „Da ist ein Rechtschreibfehler und Sie wollen Schriftstellerin sein!“, zu rufen, als es selbst zu probieren und es vielleicht auch nicht zusammenzubringen und kann nur wiederholen, daß ich mich weder Dichterin nenne, weil ich keine Lyrik schreibe und auch nicht Schriftstellerin, weil das für mich der Begriff des Brotberufs ist und ich davon nicht lebe.
Ich will mich ausdrücken und meine Kreativität verwirklichen und, daß es da die Blogs und den Digitaldruck gibt, ist für mich ein Segen, auch wenn ich schon begriffen habe, daß ich damit wohl nicht in den Literaturbetrieb hineinkomme und auch nicht sehr auffalle, aber manchmal treffe ich Leute, die mich anprechen und mir sagen „Ihre Sachen gefallen mir gut!“
Das gibt es also auch und ich bin vielleicht auch ein wenig eigensinnig, daß ich es immer wieder versuche, meinen Kritikern zu erklären, daß ich schreiben kann, was sicher eine Energie erfordert, die sich besser im nächsten Text verwenden läßt.
Daß mir das Bloggen sehr wichtig ist, können meine Leser merken. Ich werde damit umgehen müßen, daß wahrscheinlich immer wieder Kritikerstimmen kommen, mich dann an der Nase nehmen und schauen, was nicht stimmt und ansonsten versuchen bei meinen Artikeln offen und wertschätzend zu sein.
Mir gefällt natürlich auch nicht alles und das schreibe ich dann auch, denke aber, daß ich das, was ich in der Therapiegrundausbildung lernte, anwenden kann, um so zu schreiben, daß es niemanden kränkt und beleidigt, sondern weiterbringt.
Daß das nicht so leicht ist, kann ich auch immer wieder merken. Gab es da ja im Sommer 2010 die Debatte über Anni Bürkls „Ausgetanzt“ und als ich Zdenka Becker diesen Sommer am Markt von St. Pölten sagte, daß ich „Taubenflug“ gelesen habe und auf ihre Frage, wie es mir gefallen hätte? „Na,ja ein wenig übertrieben war es schon!“, ehrlich antwortete, merkte ich, wie sie erstarrte und „Das ist nur deine Meinung!“, sagte.
„Natürlich, selbstverständlich, etwas anderes kann es gar nicht sein!
Ich habe ja die Kritiken, die es beispielsweise im Arbeitskreis schreibender Frauen gab, als nicht sehr konstruktiv empfunden und daher nie etwas gesagt, während das meine benörgelt wurde, da hat einmal die B. eine Geschichte von einem Mann gelesen, der plötzlich eine Frau war, was ich nicht recht verstanden habe, ich habe nichts gesagt, mich darüber geärgert und als sie es später nochmal las, hab ich es getan, worauf alle „Retourkutsche!“ schrieen, was es gar nicht war.
Aber seit ich blogge habe ich erfahren, daß es eine gute Möglichkeit ist, zuerst das Buch und meine Eindrücke beschreiben, das läßt sich wertfrei tun und wenn etwas nicht stimmt, kann man das ja trotzdem schreiben und wenn man so vorgeht, denke ich, läßt sich jedes Buch besprechen, auch der Arno Schmidt oder die selbstgemachten E-Books vor denen sich viele noch immer zu fürchten scheinen.
Und dann denke ich wirklich, wie Rotraud Perner, unlängst in einer Sendung im Radiokulturhaus sagte, daß es gut ist, wenn man seine Kreativität benützt, um Gedichte, Geschichten, etc zu schreiben und natürlich wäre es schön, wenn wir uns dann auch dafür interessieren und wertschätzend damit auseinandersetzen.
Ich tue das schon lange und fahre nicht schlecht dabei, weil es ja spannend ist, zu sehen, was die anderen malen, denken, schreiben und wenn ich einen Fehler finde, tut mir das gut zu merken, daß ich da vielleicht besser bin und ist es besser, kann ich ja vielleicht auch so werden.

2013-02-18

Ich aber habe leben müssen…

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:01

Jetzt kommt ein ganz besonderes Schmankerl auf dem Bücherfundus meiner Eltern Guido Kopps „Passion eines Menschen des 20. Jahrhunderts, 1946 im Ried-Verlag, Salzburg erschienen. Ein Mann im KZ-Anzug mit roten Winkel vor dem Lager und schematisierten Leichenbergen.
„Gewidmet in tiefer Liebe meiner durch die SS-Banditen geschiedenen Frau Antonia, Anna, Maria,Kopp.“
Auf der Rückseite sind erstaunlich für die Jahreszahl Besprechungen der „Salzburger Nachrichten, des „Demokratischen Volksblatts, des „Salzburger Tagblatts“, der „Volksstimme“ und von Thomas Ludwig aufgedruckt, die beispielsweise schreiben „Was das Buch besonders interessant macht, ist die Person des Autors“.
Darüber gibt es außer im Text, aber kein Wort zu finden, so schaute ich im Internett und da fand ich nur antiquarische Hinweise zu dem Buch, das bis achtundzwanzig Euro kostet, wenn es noch vorhanden ist und aus dem Stadtarchiv Rosenheim die Biografie und das Bild eines Mannes mit Bart und runder Brille, „der 1896 in Ruderting geboren wurde, im ersten Weltkrieg Gefreiter war, 1918 in den Arbeiter und Soldatenrat gewählt wurde, bis 1919 mit großen rhetorischen und agitatorischen Talent eine revolutionäre Tätigkeit entwickelte, dann floh, 1919 zum Tod verurteilt wurde, er verbüßte acht Jahre Festungshaft in Straubing, lebte in Wien, Prag und Barcelona, wo er im spanischen Bürgerkrieg mitkämpfte, 1937 wurde er in Salzburg verhaftet und an die Münchner Gestapo ausgeliefert, von dort kam er nach Dachau und nach Buchenwald, wo er 1945 befreit wurde und bis zu seinem Tod 1971 in Salzburg lebte.“
Über das Buch kein Wort, das mit einem in Salzburg, vom 25. August 1945 datierten Vorwort beginnt.
Da springt Kopp, der seine Passion in direkter Rede, an das „Du“ der Menschheit, die nichts versteht, richtet, in die Tragödie, die damit beginnt, daß er „Im Jahre 1937, am 5. Mai in Österreich von der Polizeidirektion Salzburg, an die Gestapo München ausgeliefert wurde“ und man liest, wie auch in den Besprechungstexten steht, ein Buch, das sich von den „Anderen Büchern und Berichten aus den Konzentrationslagern durch die bemerkenswerte Problemstellung, mit welcher der Verfasser sich mit den furchtbaren Attentaten auf Menschenwürde, Freiheit und Recht auseinandersetzt, unterscheidet“, merkt man dem Buch doch seine Umittelbarkeit und seine Authentizität an, wie einer da nach dem Krieg sich mit all dem auseinanderzusetzen versucht. Hitlers „Mein Kampf“ zitiert, betont, daß er es seiner Würde schuldig war, niemals mit dem Hitlergruß zu grüßen und sich fragt, wie es möglich ist, daß das einer Kulturnation passieren konnte?
„Im zwanzigsten Jahrhundert an Ketten gelegt. In einem christlichen Staat aus Liebe zur Menschheit geächtet und geschändet, wie der bissige Köter eines starsinnigen Bauern. Im Land eines Goethes und Schillers, eines Kants und Engels, eines Beethovens und Bachs – es war einfach Wahnsinn, es konnte doch nicht sein!“
„Und zehn Millionen Marxisten im Reich schwiegen da, wo war denn da der Verstand? Schön, der Führer hatte Autobahnen gebaut und Stadione und Geld gesamelt für Winterhilfe und Volkswagen und alle hatten Arbeit. Deutschland hatten sie gejubelt, wird schön!“
Es kommt in den Bunker von Dachau und wird dort ständig mit dem Tod bedroht, von Scheinerschießungen und Aufforderungen sich die Pulsadern aufzuschneiden oder den Strick, der in die Zelle gelegt wurde, zu verwenden, scheint es gewimmelt zu haben. Kopp wird zu seinen Erlebnissen im spanischen Bürgerkrieg befragt und soll aussagen,“wie Bäumer von Dachau geflohen ist“, aber er verrät keine Kameraden, kommt in Dunkelhaft, muß seine Zelle putzen und bekommt, weil er sich mit einer Stecknadel, die Fingenägel putzt vierzehn Tage nichts zu essen oder eine Zeitlang nur jeden sechsten Tag etwas, so daß bei einszweiundsiebzig und fünfundvierzig oder fünfzig Kilo hinunterhungert, sein schönes „Leninbärtchen“ wird ihm auch gestutzt. Daß Österreich und die Tschechoslowakei eingenommen wurde, erfährt er bei den Verhören,auch, daß es zu einem „Nichtangriffspakt zwischen der Sowet-Union und Deutschland“ gekommen ist.
Halt, gibt ihm bei all dem der Gedanke an seine Frau Toni, die ihm Briefe schreibt, die er manchmal bekommt und manchmal nicht und die ihm, bevor er verhaftet wurde, angeboten hat, sich gemeinsam umzubringen, was er ausgeschlagen hat. Jetzt wird Toni zur Scheidung gezwungen, bzw. passiert das, wie ihm im Gericht in das er gebracht wurde, ein Richter sagte, automatisch, wenn die Eheleute einige Zeit von Tisch und Bett getrennt sind, wie das in seiner Ehe passierte, da er ja zweiunddreißig Monate in Dachau war und er sich nur fragt, daß da ja auch alle Ehen der Soldaten geschieden werden müßte. Zu Weihnachten wartet er auf ein Paket und auf ein Äpfelchen, das nicht kommt und im Gerichtskorridor hört er, daß der Krieg begonnen hat.
„Hier,“ sagte dann der eine, „bei Byalistok war ich im letzten Krieg und jetzt sind sie auch schon bald dort. Warschau wird morgen fallen und dann teilen wir das Ganze in zwei Hälften. Siehst du, da hinter Warschau herunter, da haben wir eine ganz gerade Hälfte, die andere Hälfte nimmt dann der Russe und der Krieg im Osten ist fertig!
„So dachten die Narren!“, setzt Kopp hinzu.
Dann wird er nach Buchenwald, ein Lager von dem niemand etwas wußte und es vorher Gerüchte gab, daß sie nach Mauthausen, wo es die berühmte Todenstieg gibt und das berüchtig war, weil „Fünfhundert Häftlinge, sagte man, wären vor wenigen Wochen hingekommen und dreißig davon lebten noch“, kommen sollten, während Bucenhwald, das in der Nähe von Weimar liegt, versöhnte.
„Denn ich dachte an Goethe und Schiller und an die Gründung der Republik und hätte beinahe gejubelt“
Aber natürlich ist es in dem Bunker dort nicht schön, obwohl er viele Bekanntschaften macht, einen Zigeunerjungen trifft er, der es Hunger wegens „geschwult“ hätte und einen anderen, der täglich verprügelt wird, weil er nicht weiß, warum er sich hier befindet. Den Domherrn von Bromberg trifft er an, der sich seine Gedanken darüber machen muß, warum Gott sowas zuläßt und auch den Herrn von Bechinie, den ehemaligen Sicherheitsdirektor von Salzburg, der ihn 1937 ausgeliefert hat, der wird , wie im Nachwort steht, das am 5. Jänner 1946 in Salzburg geschrieben wurde „ein paar Monate später, gleichfalls aus dem Bunker entlassen.
„Doch nicht so munter wie ich, sondern mit geschwollenen Beinen und etwa zwanzig Jahren mehr als ich, das heißt schon beinahe als Greis“, während das Buch mit den Worten endet: „Am fünften April 1940 habe ich den Bunker von Buchenwald verlassen. Und acht Tage kam ich dann ins Revier, und da wußte ich schon, daß ich von der Indivudualmordanstalt in die Massenmordarena gekommen war, doch davon erzähle ich ein andermal.Denn ich kann nicht alles aufeinmal nochmal erleben, ich brauche jetzt ein bißchen Erholung, denn noch habe ich nicht mehr als 52 Kilo. Und das ist nicht genug, sagen die Ärzte, bei 1.72 Meter in der jetzigen demokratischen Zeit. Und dagegen kann ich nichts sagen, denn ich bin selbst ein Demokrat.“
Wahrscheinlich ist es der Humor, bzw. Sarkasmus, das das Buch, wenn man es noch bekommt, lesenswert macht und es stellt natürlich viele Fragen auf, die noch immer nicht beantworten wurden, wie so etwas passieren konnte, in einer Zeit, wo es hunderte, tausende vielleicht sogar zehntausende Bücher über den Holocaust gibt, die das Schreckliche erzählen und erklären wollen und es heute in unserer schönen, neoliberalen Welt natürlich ganz anders und viel besser ist.
Und trotzdem schwirrt gerade ein Video durch das Internet, das aufzeigt, wie Amazon sein Weihnachtsgeschäft, um uns all die schönen Pakerln, zeitgerecht zu liefern, durch Leiharbeiter aus Spanien, Ungarn, Rumänien etc, erledigt, die in ihren arbeitslosen Ländern froh über den Dreimonatejob waren, an einen Lotteriegewinn glaubten, dann in leerstehende Freizeitparks einquartiert wurden und von einem Securitydienst, der mit Rechtsradikalen in Verbindung stand, schwarze Jacken, Stiefeln und Tätowierungen trug, Tag und Nacht in ihren Bungalows kontrolliert und gefilmt wurden, die auch ihre Taschen nach Brötchen durchsuchten, die sie vielleicht vom Frühstückstisch mitgenommen hatten.
Ein Kleinigkeit zu alldem natürlich, man sieht aber trotzdem, sehr viel haben wir nicht daraus gelernt und soll man sich jetzt das Buch, wenn es noch zu bekommen ist, bei Amazon bestellen oder es doch besser bei Anna Jeller versuchen?

2013-02-17

Alles, was du wünschst

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:00

Den Erzählband der 1962 geborenen, irischen Autorin Anne Enriht habe ich voriges Jahr im Wortschatz gefunden und war ein bißchen enttäuscht, daß es Erzählungen waren, lese ich ja lieber Romane, weil ich es etwas schwierig finde, von einem Erzählinhalt zum nächsten zu schwenken und mich gerne bei den Figuren länger aufhalte, aber ich lese sie inzwischen und setzte das Buch auf meine Leseliste und den Namen Anne Enright habe ich, glaube ich, 2008 das erste Mal gehört. Da hat die Autorin nämlich im Rahmen der Buch-Wien im Freud Museum das „Familientreffen“ vorgestellt, ich wollte hin, wurde aber durch eine Diagnostik bzw. einen Mailwechsel an Franz Joseph Huainigg aufgehalten, der einen neuen Ohrenschmaus-Lyrikpreisträger hatte und mir das mitteilte.
So habe ich die Autorin nicht persönlich kennengelernt, ihr Name hat sich mir aber eingeprägt, 2011 ist auch „Anatomie einer Affaire“ erschienen und das habe ich, glaube ich, in einem der blauen Sofa-Sendungen mitverfolgt. Inzwischen habe ich noch ein Enright-Buch auf der Leseliste und bei „Alles, was du wünschst“, handelt es sich um sehr poetische Erzählungen, die von Frauen, ihren Affairen, Lieben, Leiden, Lebensphasen handeln und das wird sehr kunstvoll und meistens, um die Sachen die Drumherum passieren, erzählt.
So geht es bei „In der Bettenabteilung“ zuerst um die Rolltreppen, die in einem Kaufhaus gebaut werden, dann wird von der Bettenverkäuferin Kitty erzählt, die vierzig ist, zwei fast erwachsene Söhne hat und keinen Mann mehr, in den Wechsel kommt und da in einer Laientheaterspielgruppe mit einem Sechzigjährigen ins Bett geht, von ihm schwanger wird oder auch nicht, so genau, weiß man das bei den Hietzeanwallungen einer Vierzigjährigen nicht, das Kind dann auch verliert oder war es nur eine ganz normale Blutung?
„Blasse Hände, die ich liebe neben Shalamar“ ist ähnlich geheimnisvoll, da lernt eine Frau einen Mann kennen und heiratet ihn schließlich, sie lebt aber mit einem anderen, einem Geisteskranken oder Verrückten zusammen und erzählt von ihm, seine Geschichte, ihre Beziehung, bis sie sich von ihm trenn, um die Frau des anderen, „des gierigen alten Mannes mit dem vielen Geld“ zu werden.
Bei „Kopfkissen“ geht eine Irin auf ein amerikanisches College zum Studieren und lebt mit drei anderen Studentinnen, darunter einer Chinesin, die sie fragt „Wie Homosexuelle Sex miteinander treiben?“ zusammen. Sie verbringt mit der kleinen Li, was eigentlich ein Nachname ist, ein einsames Weihnachtsfest, ißt mit ihr Mais und ein verkohltes Huhn, nachts steht sie dann einsam in ihrer Bettnische und als die Erzählerin einen Freund findet, versucht sie sie mit einem Kissen zu erwürgen.
„Natalie“ erzählt von einer Jugendfreundschaft und „Meine kleine Schwester“ sehr ergreifend vom das Hinsterben einer Magersüchtigen.
„So lebte Serena jetzt also mein Leben. Sie hatte meine Wohnung, meine Freiheit und mein Geld“, schreibt, die Ich-Erzählern, weil die Therapeuten zu einer eigenen Wohnung raten, die Mutter diese aber nicht bezahlen kann. Die ältere Schwester opfert sich. Serena stirbt trotzdem an einem Leber und Nierenversagen und die Schwester trauert ihr lange nach.
In fast allen Geschichten geht es um Sex und Anne Enright weiß ihn auf eine sehr direkte und radikale Art zu erzählen, so kann in „Honig“ Catherine erst mit Phil zu einer Konferenz nach Killarney fahren, wenn ihre Mutter gestorben ist, in „Schnappschüße“ will die Erzählerin ihren Frank heiraten und muß dazu ihre Freundin, Arbeitskollegin oder Erzrivalin Sarah zum Essen einladen, die ihren bisexuellen Freund, einen Fotografen dazu mitbringt, der gerne Schnappschüße macht. In die „Schweiz“ fahren zwei durch die Welt, kaufen in Venedig einen schwarzen Regenschirm und treffen in Mexiko ein paar Schweizer im Bus, die sie auf allerhand Gedanken bringen. In „Schacht“ fahren zwei in einen Lift und im „Wetter von gestern“ geht um eine Familienfeier oder ist es doch eine postnatale Depression die Hazel da erlebt?
Und in der Titelgeschichte geht es wieder einmal, um das was man sich wünschen soll, wenn einem der „Engel, die Fee oder sogar der Teufel begegnet?“
Am besten noch einmal zwei Wünsche für alle Fälle rät Anne Enriht, denn es ist immer irgendwo ein Haken dabei, beispielsweise, wenn man einen makellosen Körper will und viele viele Enkelkinder kann man sich auch mal wünschen.
die Erzählerin von „Auf die Liebe“ ist neununddreißig, mit einem älteren traumatisierten Vietnam Flüchtling, der vor jeden Hund zusammenzuckt verheiratet und geht mit ihren Freunden regelmäßig etwas trinken, die ihr dann von ihren unglücklichen Frauen erzählen.
In „Wohnwagen“ macht eine Familie Urlaub in einem gemieteten Wohnmobil auf einem Campingplatz. Es regnet ständig, die Wäsche wird nicht trocken und Michelle sieht ihr Gespenst am Küchentisch sitzen, sicher eine Frau, die einmal in dem Wohnwagen gestorben ist und als sie dann mit der nassen Wäsche nach Hause fahren, sagen ihr die Kinder, daß es die schönsten Ferien waren, die sie jemals hatten.
In „Bis zum Tod der jungen Frau“ hat Samantha, mit der der Mann der Erzählerin einen Seitensprung hatte, einen Autounfall in Italien. Er springt war öfter weg, kommt aber immer mit einem Blumenstrauß und Geschenken zurück, die das Leben der Betrogenen abwechslungsreicher machen. Diesmal ist es anders, diesmal kann sie solange seinen Namen Kevin nicht aussprechen, bis sie sich entschließt mit einem Blumenstrauß an das Grab zu fahren.
„Ehefrau“ hat einen für mich etwas unverständlichen Titel. Da geht geht jemand einkaufen, sieht die Narbe der Verkäuferin, besucht dann seine Mutter und kauft am Ende seiner Tochter ein Eis. Ja die Gedanken, Emotionen, Erinnerungen, Assoziationen sind was die Texte zu Geschichten und die zu Literatur machen, man muß nicht alles ein zu eins und linear erzählen, die Aussparungen machen es interessant und geheimnisvoll. Während bei „Kreuzfahrt“ Kates Eltern eine solche machen und am Ende stirbt ihr Vater an Krebs. Das lapidare Erwähnen der scheußlichen Krankheit an der so viele Mütter, Väter sterben, während die Seitensprünge und die verbotenen Liebschaften passieren, ist es wahrscheinlich auch, was den Reiz der Geschichten ausmacht und dann gehts natürlich auch ums Älterwerden und das wird „Della“ offenbar, deren Nachbar dabei ist zu erblinden und es offensichtlich nicht bemerkt oder bemerken will. So erkennt er sie nicht mehr auf der Straße vor den Einkaufsläden und die Zeitungen, die er von dort nach Hause trägt, findet sie später ungelesen im Müll. Das Radio ist kaputt, als sie einmal mit ein paar Keksen vor der Türe steht, die Verwüstung in der Wohnung und beschließt bei ihm aufzuräumen.
„Und er wandte ihr sein Gesicht zu, freudig, als könne er sie ganz deutlich sehen – eine Frau in seiner Küche, die weit davon entfernt war, eine Jungfrau zu sein, eine Frau, die ihn am Ende zweifellos ziemlich attraktiv finden würde.“
Das wars, so lapidar, so einfach und auch schlicht ergreifend und am Umschlag der DVA Ausgabe sieht man eine rothaarige mit Pferdeschwänzchen und rosa Mantel von Hinten vor einem Zaun stehen und darüber schauen, interessant, sehr interessant sogar.

2013-02-16

Der Diamant des Salomon

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:57

Jetzt kommt ein Bestseller, nämlich der 2003 geschriebene Thriller oder wie ordnet man das Genre zu, des 1926 in Massachusetts geborenen US-Schriftsteller Noah Gordons, von dem ich schon die Besteseller „Die Klinik“ und die „Erben des Medicus“ gelesen haben, habe ich mich ja einmal für Arztromane sehr interessiert und zu dem ich wahrscheinlich deshalb im Schrank gegriffen habe, weil mir der Name bekannt war. Ich wähle meine Lektüre ja nach den mir bekannten Autorennamen aus, obwohl ich dieses Genre sonst nicht so lese und diese Bücher eher stehen lasse, habe ich ja schon sehr viel und will nur mehr sehr ausgewählt zugreifen, damit ich nicht zu einer Leseliste bis 2050 komme.
Jetzt ists gelesen und war auch sehr interessant, weil die Schreiberin in mir, wieder einmal viel übers Schreiben und was sie schon immer wissen wollte, wie ein Buch zum Bestseller wird, gelernt zu haben glaubt.
Es beginnt mit der Genesis, da vergrabt der alte Baruch den Diamant des Salomons und der soll Jahrtausende später vom erfolgreichen Diamantenhändler Harry Hopemann, der in New York seinen Laden hat, gekauft werden. Der Vatikan will ihn, die Juden und, ich glaube, auch die Araber, so stehts zumindestens in der Beschreibung, Harry wird also vom israelischen Geheimdienst aufgesucht und mit dem Auftrag nach Jerusalem zu fahren und den Diamanten, der vor einigen Jahren aus dem Vatikan gestohlen wurde, dem Ägypter Yosef Mehdi abzukaufen, beauftragt.
Alfred Hopeman oder Hauptmann, wie er früher hieß, Harrys Vater, mußte aus Berlin 1931 fliehen und da bin ich nicht sicher, ob das jetzt ein Irrtum Gordons war, ist Hitler, wie wir derzeit überall hören können, ja erst 1933 an die Macht gekommen oder ob die Stimmung schon vorher in Berlin so ungut war, daß man seine Diamanten und das Empfehlungsschreiben für New York packte und mit dem Taxi abgehauen ist, während die Nazis den Hausmeister draußnn nach dem „Isi“ fragten?
Er ist jedenfalls nach New York gekommen und als Diamantenhändler erfolgreich geworden und hat seinen Sohn, der eigentlich Gelehrter werden wollte, auch in die Diamantenschleiferei und ihre Tricks eingeführt, so hat er einen übermalten Diamanten in seinem Schreibtisch stehen und darunter sieben kleine wertvolle Steine versteckt, damit sich die Diebe von der Fälschung abhalten lassen, Harry erzählt seinem Vater bei einem Abendessen von dem Angebot, der erleidet daraufhin einen Schlaganfall und stirbt, so daß Harry, der geschieden ist und seinen Sohn, wie es am Umschlag steht „in ein Internat abgeschoben hat“, der bald seine Bar-Mizwa feiert, nach Jerusalem fährt, aber eigentlich will er dort nur dem berühmten Archäologen David Leslau bei seinen Ausgrabungen der Grabstätten des Salomons helfen und er übersetzt auch immer wieder ein paar Schriftrollen.
Im Hotel lernt der, dessen „privates uns berufliches Leben zum Stillstand kam“, wie im Buchtext weiter steht, bald die schöne Tamar kennen, eine jemeitische Jüdin, die eigentlich um ihren im Krieg gefallenen Gatten trauert, aber auch eine talentierte Restauratorin ist, die Fälschungen sofort erkennt und verliebt sich in sie, hat wundervollen Sex mit ihr und bereist ansonsten die Sehenswürdigkeiten Israels, die Wüsten, die Heiligtümer etc, die man sehen muß, so daß man das Buch auch, wie einen Reiseführer lesen kann, denn Yusuf läßt auf sich warten, hält Harry immer wieder hin, obwohl er sehr höflich ist und ihm sogar eine Fünfzehnjährige zum Beischlaf anbietet, daß sein Diamant aber eine Fälschung ist, weil Harry den echten längst in seinem Tresor bzw. in dem Vaselinetöpfchen seines Vaters hat, ahnt man bald.
So wird also die Geschichte der Juden und ihrer Unterdrückung noch einmal erzählt, wir lernen Harries Vorfahren kennen, Julius Vidal, der den Stein geschliffen hat und ihn der Kirche spendete, Isaak Hadas Vitalo, der der spanischen Inquisition in die Hände fiel, etwas, was ich schon bei Robert Menasse und „Dr. Ascher und seine Väter gelesen“ habe, erfährt auch viel vom Krieg der Israelis gegen die Araber, erleben den tollen Sex zwischen Harry und Tamar, die aber doch nicht zusammenkommen können, so kehrt Harry zurück, schmuggelt die gekauften Diamanten, wie man das halt macht, am Zoll vorbei, feiert mit Jeff die Bar-Mizwa und spendet den echten Diamanten abwechselnd je einem christlichen, jüdischen und arabischen Museum und die Welt ist wieder in Ordnung, der Bestseller geschrieben oder doch nicht so ganz, habe ich das Buch doch stellenweise etwas unlogisch und sehr zusammengesetzt empfunden, eher, wie ein Lehrbuch, das uns die Geschichte der Juden und Israels erzählen will und das „Show not tell!“, das der Schreibeschüler, ja schon in der ersten Stunde in seinem Volkshochschulseminar lernt, sehr oft nicht annwendet und habe nachgegooglet, wie es die Leser empfunden haben?
„Ein bißchen langweilig, nicht so gut, wie der „Medicus“, steht da, aber auch, daß das Buch wahnsinnig spannend wäre und man nicht zum lesen aufhören konnte, an anderen Stellen.
Die Geschmäcker sind eben verschieden und gelernt habe ich natürlich etwas dabei, umso mehr, da ich ja erst vor kurzem bei einer Buchvorstellung der Theodor Kramer Gesellschaft war, die sich ja auch mit diesen Themen sehr beschäftigt.

2013-02-15

Gut gegen Nordwind

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:11

„Gut gegen Nordwind“ ist der 2006 bei Deuticke erschienene Bestsellerroman des 1960 in Wien geborenenen Daniel Glattauer, der beim „Standard“ durch seine Kolumnen und Gerichtsreportagen Karriere machte und dann zu schreiben begann. Nein, das stimmt, glaube ich nicht ganz, denn wenn ich mich nicht irre, gibt es von ihm frühe Texte in den beim Bundesverlag erschienenen Anthologien, die es in den Siebziger-oder Achtzigerjahren gab, in denen Jugendliche ihre Texte einschicken konnten und in denen es auch welche von Daniela Strigl gibt.
Es erschien dann ein Kriminalroman namens „Darum“, wo einer einen erschießt und man weiß nicht aus welchen Motiv. „Der Weihnachtshund“ ist schon vorher erschienen.
„Die Ameisenzählung“ ist eine Sammlung der Texte aus dem „Standard“ und dann eben 2006, einer der ersten E-Mailromane höchstwahrscheinlich „Gut gegen Nordwind“, den ich im November 2011 im Bücherkasten fand, als ich von der Preisverleihung an Klaus Nüchtern in die Hauptbücherei zu einer Lesefestwochenveranstaltung ging und das Büchlein quasi als mein Geburtstagsbuch betrachtete und auf die 2013 Leseliste setzte.
Die lange Wartezeit war okay, war ich doch noch in Vorgeflüsterzeiten, bei einer Lesung in der Buchhandlung Thalia auf der Landstraße und habe da auch meine Schulfreundin Trude Kloiber in dem Durchgang des Hauses, wo sie wohnt getroffen und mitgenommen. Und im Hörspielstudio war es auch einmal.
Also wußte ich so ungefähr, was mich erwartete und Denis Scheck hat es zu Ostern 2009, wahrscheinlich die TB Ausgabe von 2008 oder war das schon der Fortsetzungsband?, das Laufband hinuntergeschmissen, worüber ich mich ein bißchen wunderte. Jetzt wunderte ich mich nicht mehr, denn erstens ist es Chick Lit, wenn auch von einem Mann geschrieben und wahrscheinlich kommt es gerade dadurch zu dem Sarkasmus, der mir nicht gefällt.
Da ist also Emmi Rothner und die hat ein Magazin namens „Like“ abonniert und will es abbestellen. Leider kommt sie damit zu Leo Leike und der Briefwechsel zwischen den beiden beginnt. Emmi wünscht Leo in einer Massenmail „Alles Gute zu Weihnachten“, Leo mokiert sich darüber, die beiden stimmen Mutmaßungen darüber an, wie sie sind?
Leo ist Sprachpsychologie und studiert die Veränderung der Emotionen durch den E-Mailwechsel, gibt es sowas überhaupt? Emmi gestaltet Homepages und Leo vermutet, daß sie älter ist, als sie sich gibt, nämlich zweiundvierzig, daß sie Schuhgröße 37 hat, verrät sie ihm und, daß sie verheiratet ist mit einem Bernhard, der zwei Kinder hat und ihr dadurch „freundlicherweise ersparte eigene zu bekommen.“
Die Beiden beginnen also einander zu beleidigen, sich wieder zu versöhnen, um Mitternacht ein Glas Wein miteinander, räumlich natürlich entfernt, vor ihren PCs zu trinken. Leo betrinkt sich meistens dabei, denn er hat eigentlich Liebeskummer, hat er sich ja gerade von seiner Marlene getrennt, als Emmis Weihnachtswünsche kamen. Die beiden erwägen ein Treffen und trauen sich dann nicht, bzw. behaupte ich, ist das die Konstruktion des Romans, denn ich habe auch schon Leute getroffen, die ich vorher nur durch Mails bzw. das Literaturgeflüster kannte und ich habe auch einen Mailwechsel mit einem Freund, den ich als Studentin kennenlernte und jetzt nicht mehr treffen kann, weil das seine Frau nicht will, das würde ich auch als neurotisch betrachten und so schiffern auch die beiden dahin.
An Courths-Mahler etwas verstaubte Liebesmoral, hat mich das Ganze zeitweise erinnert, aber die bricht sie gelegentlich selber auf. Leo und Emmi vereinbaren ein Treffen im Messecafe, um sich unerkannt kennenzulernen, sie gehen beide hin und schauen dann, ob sie sich erkennen?
Das mißlingt natürlich, bzw. nimmt Leo seine Schwester mit und flirtet mit ihr auffällig, so daß Emmi nur ein paar ungute Typen erkennen kann, von denen sie nicht hofft, daß einer ihr Leo ist. Und Leo läßt sich von seiner Schwester drei Wunsch-Emmies beschreiben. Eine von ihnen ist sie auch offensichtlich. Dann gibt es vergebliche Kontaktanbahnungen, die einmal von ihm, einmal von ihr kommen, erotische Phantasien und Vorschläge sich mit Masken zu treffen etc.
Dazwischen verreist Leo öfter, trifft auch seine Ex wieder und Emmi schlägt ihm, wie aus einem Courths-Mahler Roman vor, ihre Freundin Mia zu treffen und ist eifersüchtig, als er prompt mit ihr schläft.
Aber in Wahrheit geht ihm nur seine Emmi durch den Kopf herum und dann bekommt er einen Brief vom Bernhard, Emmis Mann und ehemaligen Klavierlehrer. Der hatte einen Autounfall, wo seine Gatti starb, er verletzt, die Kinder traumatisiert wurden, so daß ihn die junge Studentin, wie ein rettender Engel heiratete und dann offensichtlich, wie auch öfter bei Courths-Mahler, durch eine platonische Ehe begleitet.
Bernhard hält den E-Mail-Verkehr seiner Frau aber nicht mehr aus, liest die Mails und schreibt Leo, „Bitte, bitte, triff sie endlich, damit wir wieder normal weiterleben können!“
Der wirft ihm einen Vertrauensbruch vor, geht dann nach Boston, bevor er das aber tut, wird noch ein Treffen vereinbart, das Emmi dann nicht einhält, weil Bernhard, als sie gehen wollte „Amüsier dich gut, Emmi!“, zu ihr sagte, obwohl er sie doch immer Emma nannte. Das hält sie davon ab, sie beichtet das Leo, es kommt aber nur mehr „Achtung, geänderte E-Mail Adresse. Für Rückfragen steht der Systemmanager gerne zur Verfügung!“ zurück.
Damit endet das Buch und ist ein so großer Erfolg geworden, daß es mit „Alle sieben Wellen“ eine Fortsetzung gab, wo sich die zwei, dann, wie ich gerade ergooglet habe, endlich treffen und dadurch in weitere Turbulenzen geraten.
Wie das geht, hat ja Sophie Kinsella mit ihrer Shopping- Serie vorgeführt. Die „Schnäppchenjägerin“ war großartig, die Fortsetzungen immer gewollter und Martina Gercke hatte mit ihren „Küßchen“ ja auch so etwas vor, bevor sie der Twitterer Sven Schroder „Plagiatsküßen“ nannte.
Daniel Glattauer ist aber kein Plagiat und auch keine Serie, hat er jetzt ja mit „Ewig Dein“ einen anderen Liebesroman geschrieben und seinen Neffen Theo auch in allen Lebensjahren vermessen und das Buch ist ja ein großer Erfolg geworden, so daß Volker Hage, im Spiegel „einer der zauberhaftestens und klügsten Liebesdialoge der Gegenwartsliteratur“, schrieb. Ich habe sie dagegen, wie schon erwähnt, als eher aufgesetzt, künstlich und manchmal auch ganz schön arrogant, überheblich und nicht ethisch korrekt empfunden.
Und das das Buch so endet, ist ja eigentlich eine Enttäuschung der Leserin oder auch nicht, weil es ja die Fortsetzung gibt, die ich allerdings erst finden muß.

2013-02-14

Bei den Schreibinteressen

Filed under: Uncategorized — jancak @ 22:47

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Am Valentinstag war ich bei den Schreibinteresse, den monatlichen Treffpunkt zum Mittun, Mitessen, Mithören und Mitlesen, den Herr Blaha seit einem Jahr im Häferl in der Hornbostelgasse, veranstaltet, eingeladen. Lidio Mosca Bustamante, Susanne Scholl, etc haben dort schon gelesen, das nächste Mal kommt Gerald Grassl dran und ich war schon einmal in der Augustin- Schreibwerkstatt, als die noch von Herrn Blaha moderiert wurde, den ich immer auf Veranstaltungen treffe und der auch bei meinem letzten Geburtstagsfest gelesen hat.
Es gibt kein Honorar, aber einen Verteiler in dem man etappenweise angekündigt wird und das hat Herr Blaha wirklich excellent getan, kam da ja zuerst gepaart mit einem schönen Foto aus dem Literaturgeflüster und der Homepageadresse, die jetzt ein neues Foto hat, der Satz „Neben Brotberuf und Familie als Buchautorin so produktiv, wie Karl May“ und auch etwas vom „Schreibenden Gewissen der Gegenwart“, was der Autorinnenseele, die ohnehin sehr oft das Gefühl hat, in den Weiten des Internets zu verschwinden und vom Literaturbetrieb nicht bemerkt zu werden, natürlich gut tat und dann auch schon das nächste Häppchen mit zwei weiteren Bildern und der Beschreibung „Einer geradezu unerschöpflichen Lese- und Anhörkapazität“.

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„Wer mit der Maus in ihren Blog blättert, erfährt den Spiegel des gegenwärtigen Literaturerlebnisses Wien. Berichte von besuchten Leseabenden, Büchermessen und Rezeptionen der Bände ihrer ständig wachsenden eigenen Bibliothek reihen sich neben die Ankündigungen und das Echo der eigenen Auftritte und geben einen stets aktuellen Einblick in die Szene. Ein ständiges Ein- und Ausatmen belletristischer Zeichen, die durch unsere Stadt schwirren!“
So geht es also auch, habe ich gedacht und den Text gleich neben Stephan Eibel-Erzbergs Textbeschreibung für das Literaturgeflüster-Texte-Buch gestellt.
Dann kam der Hinweis auf meine Jurytätigkeit beim „Ohrenschmaus“ und der meines literarischen Werdegangs, der ab 1978 im Arbeitskreis schreibender Frauen erfolgte und am Schluß noch die Connection mit der Reichskristallnacht und dem Judenstern, als am 9. 11. geborene, ein Hinweis, den ich fast zu plakativ empfand und auch ein Zufall ist, obwohl es einen Text von mir mit Namen „Geburtstage“ gibt, wo ich versucht habe, alles aufzuzählen, was sonst noch am 9. 11. geschehen ist, die Berliner Mauer ist 1989 gefallen, Herr Palmers wurde 1977 entführt, ect.
Ich glaube, das Theater am Bahnhof in Graz wollte einmal einen solchen Text. Rolf Schwendter hat ihn dann für meine Lesetheateraufführung, die es 2000 im little Stage gab, verwendet und er ist im „Best of – Eva Jancak Lesebuch enthalten, von dem es, wie ich glaube, noch einige Exemplare gibt.
Ich habe mir für die Stunde Lesung und Gespräch vier Szenen aus „Kerstins Achterln“ ausgesucht, an dem ich ja noch immer korrigiere. Den Anfang, die Szene im KHM und dann die von der Hochzeit, die ich schon bei der Poet Night gelesen habe. Für die mit Susa Dworak und dem Eis ist es sich dann nicht mehr ausgegangen, denn es hat ein bißchen gedauert, bis alle im Untergeschoß der Gustav Adolf Kirche, in der ich einmal, glaube ich, schon war, um den Pfarrer Karner oder Dantine für meine Dissertation zu befragen, eingetroffen sind.

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Ein zwei Handvoll Leute, die Schreibinteressen haben ihr Stammpublikum, erklärte mir Herr Blaha und stellte mir einen Bibelexperten vor. Alfred kam mit seiner Kamera und ein anderer Herr, der später auch gelesen hat, hatte ebenfalls zu fotografieren.
Das Gespräch begann, glaube ich, mit dem Arbeitskreis schreibender Frauen und meiner frauenspezifischen Literarisierung, dann las ich die erste Szene, erzählte etwas von vom „Ohrenschmaus“ und warum der Augustin-Künstler Anton Blitzstein dort nicht gewinnen kann und skizzierte am Ende statt der Eis-Szene die Handlung des Romans, die von Herrn Blaha als linear, sozialkritisch und an den Schauplätzen Wiens spielend, beschrieben wurde und erzählte etwas über seine Produktionsweise. Über das Literaturgeflüster, die Alte Schmiede und andere literarische Orte wurde auch noch diskutiert.
Dann kam eine Pause bzw. das Buffet, das mit seinen Fischsalaten, Schinken, Salami und Cremeschnitte als Dessert sehr lecker war.
Im zweiten Teil folgte eine öffentliche Leserunde, dazu konnte man sich vorher in eine Liste eintragen und es scheint dafür auch ein Stammpublikum zu geben.
So begannen zwei Leute vom Augustin, der eine hatte, glaube ich, nichts Eigenes, sondern brachte eine Glosse über die „Unreinheit der Frau“, der andere hatte eine Geschichten über den Geburtstag seiner Frau und über die „Katastrophe“, als sie ihr erstes graues Haar entdeckte.
Der Herr mit der Kamera, den Herr Blaha als das Gedächtnis des Schreibinteressen vorstellte, hatte zwei Dialektgedichte und eine Häferl-Helferin namens Michaela brachte ihr Debut im Salzburger-Dialekt und trug dieses auswendig vor.
Am Schluß folgte eine Dame mit zwei Dialektgedichten über die „Emanzipation“ bzw. den Gesprächen, die man in der Konditorei Aida hören kann.
Das war es und wer sich an mein Gejammer von der vorigen Woche über die mangelnden Lesemöglichkeiten erinnert, da kann ich dementieren, gibt es doch höchstwahrscheinlich gleich nächste Woche schon die nächste Lesung.
Denn da findet wieder die GV-der IG Autoren statt und im Anschluß daran schon zum vierten Mal die „Andere Buchmesse“ und da gibt es wieder einen Literatur Slam und da hat mich Nicole Engbers eingeladen mitzumachen, diesmal am Yppenplatz, am 24. 2. um ca 17 Uhr und für die, denen es leid tut, die Szene mit dem Eis versäumt zu haben, ist das die Gelegenheit sie doch zu hören und dann wird es am 19. März im „Werkl am Goethehof“, das ist ein neuer literarischer Ort, an dem auch Gerald Grassl tätig ist, noch eine Lesung geben, wird da jetzt endlich die Anthologie vom vorletzten Volksstimmefest „Frauen texten – Frauen lesen“ vorgestellt.
Allerdings sollen da nur vier Frauen lesen, so daß nicht ganz klar bin, ob ich bei den ersten vier bin, die dafür „bestimmt, bestellt oder gevotet“ werden, finde es aber immer noch schön, daß soviel Leute schreiben, würde natürlich gerne lesen und habe, glaube ich, auch schon die Zusage bekommen und umsonst kann man natürlich überall und auch woanders lesen, so daß sicher alle, die das wollen, auch ohne die offensichtlich jetzt modernen neoliberalen Zugangsweisen zum Zug kommen können.

2013-02-13

Über die unendliche Analyse

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:58

„Es ist ein wüstes Buch geworden. Gerade so eins, wie ich `s mir immer erträumte“, schreibt die 1962 in Würzburg geborene Iris Hanika über ihren „Roman von der unendlichen Analyse, der zugleich Essay, Bericht, Feuelleton und Chronik ist „Tanzen auf Beton“, der am Dienstag in der Hauptbücherei vorgestellt wurde.
Einen Bericht über das neue Buch der Schriftstellerin, die 2008 im „Treffen sich zwei“ auf die Short List des dBp gekommen ist, das ich vor zwei Jahren im Schrank gefunden und vor einem knappen Jahr gelesen habe, hats in Ex Libris vor einiger Zeit schon, glaube ich, gegeben, im Wochenend-Standard war eine ausführliche Besprechung und in der Hauptbücherei hat Cornelius Hell für den erkrankten Stefan Gmünder moderiert.
„Es sind ganz schön viel Leute da!“, sagte O. P. Zier, den ich mit seiner Frau getroffen habe, anerkennend, obwohl es am Dienstag noch einige anderen Veranstaltungen gab und Cornelius Hell vermutete gleich, daß die Leute wenigstens „Treffen sich zwei“ gelesen hätten und zitierte den Lebenslauf der Autorin, ein Literaturstudium, eine Analyse, dann einige Romane, mit „Treffen sich zwei“ die Shortlist, mit „Das Eigentliche“, ein Buch, das glaube ich, von Andrea Stift sehr gelobt wurde, zwei Literaturpreise, jetzt auch eine Nominierung zum Wilhelm Raabe Preis für den Roman, der „Ein weiterer Bericht von der unendlichen Analyse ist“, wie der Untertitel lautet.
Led Zeppelin und Muddy Waters kommen vor, steht weiter auf der Homepage, „Es spielt in Berlin, aber auch in Shaghai, Paris, Main, Frankfurt“ und so hat die Lesung dann auch begonnen, die im Programm als ein „Scheitern eines bizarren Liebesverhältnisses“ angekündigt wurde.
Aber davon würde sie nicht lesen, sagte die Autorin und Cornelius Hell verriet noch, daß im Standard stand, daß in diesem Fall, das „Ich“ wirklich die Stimme der Autorin sei und es sich nicht, wie sonst, um ein fiktionales Ich handeln würde. Dann las Iris Hanika schon von dem Tag an dem sie in einem Kaufhaus vor einer Kiste mit Pullovern steht, glücklich jeden anfasst und bei jedem Stück, „Das kauf ich nicht!“, ausrief, das klang für die Psychologin schon einmal interessant, dann ging es weiter mit einer Anhäufung von Namen und über die Transkription eines Liedtextes von Led Zeppelin, wo alle lachten „A whole lotta love“, vielleicht, ich bin keine Led Zeppelin Expertin, es gab aber Musikbeispiele bevor es zu dem Lärm von Shanghai ging und die Verwirrung wuchs, denn das war kein lineares Erzählen und keine Geschichte, aber das ihn das nicht interessiert, hatte Cornelius Hell schon in seiner Einleitung angekündigt.
Also ein Therapiebericht, ein Bericht über das Scheitern oder auch Gelingen einer Liebe, in der freien Assoziation, wobei ich gleich anmerken kann, daß ich keine Ahnung habe, was die „lacianische Analyse“ ist, die die Autorin einmal machte, aber Cornelius Hell hat auch von den verschiedenen Textformen gesprochen, die die Autorin verwendete und so ging es weiter.
Iris Hanika hat den Anfang gelesen und den Zwischenteil, die Liebe und das Scheitern irgendwie ausgelassen, aber viel von Literatur erzählt und vom „bestirnten Himmel über und dem moralischen Gesetz“ in ihr und so weiter und so fort.
Nachher gab es ein Gespräch und und eine Zusammenfassung von Cornelius Hell, wo er die Autorin fragte, wieso auf dem Buch „Roman“ draufsteht, damit es sich besser verkauft oder damit es nicht in der Sachbuchecke landet, wie man bei einem Therapiebericht vermuten dürfte?
Und einer im Publikum wollte wissen, wie der Text in die Form gebracht worden wäre, damit es nicht bloß Tagebuchaufzeichnungen übergeblieben sind. Iris Hanika hat etwas vom Freischreiben erwähnt und erzählt, daß sie gedacht hätte, daß ihre Verlegerin, also Anette Knoch, das Buch ist bei Droschl erschienen, das Buch für unverkäuflich halten würde, hat sie aber nicht und Cornelius Hell empfahl auch allen sehr das Kaufen und das Lesen und ich denke, es ist eine ungewöhnliche Form, über die man sich erst trauen muß.
Iris Hanika meinte noch, daß sie einmal einen Nonsense-Roman schreiben würde, aber nicht recht glaubt, daß man das überhaupt kann, weil man sich den Sinn wohl sowohl beim Schreiben als auch beim Lesen geben würde.
Sehr ungewöhnlich und interessant, der weitere Bericht der unendlichen Analyse, das Erkennen des Selbst, das in der Diskussion auch noch erwähnt wurde.
Cornelius Hell fragte, glaube ich die Autorin, ob sie dazu die Theorie gebraucht hätte, was sie verneinte, ich, die ich ja sehr die Struktur, die Handlung und das lineare Schreiben verwende, finde es spannend, obwohl ich gar nicht weiß, ob ich die unendliche Analyse lesen möchte.
Iris Hanika sagte aber, was ich ebenfalls sehr spannend fand, daß es auch in ihren fiktionaleren Büchern, um sie und ihre Erlebnisse gegangen ist, wenn sie auch mehr verpackt waren, was mich wieder an meine Diskussion mit Jusophie erinnerte, ob man über sich selbst schreiben darf oder ob das ein Zeichen der Unprofessionalität ist?
Natürlich kann man, wenn ich wahrscheinlich auch nicht so frei assoziieren würde, die Idee des Nonsens-Romans interessiert mich aber auch.

2013-02-12

Briefverkehr

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:02

Normalerweise gehe ich ja nicht zu Veranstaltungen und Präsentationen von Büchern, die ich schon gelesen habe, zumindestens habe ich das vorige Woche Gabriele Madeja bei der Krechel-Lesung so gesagt, aber zwei- bis dreimal gehe ich schon ganz gern in der Woche irgednwo hin und jetzt gibts nicht mehr soviele Alternativen und Martin Roda Becher kennenzulernen, der am Montag sein gemeinsam mit Dieter Häner und Marina Sommer herausgegebenen Briefband seines Vaters „Ich lebe in der Apokalypse“ vorstellte, war auch sehr interessant, vor allem weil ich meine ganz persönliche Ulrich Becher Literatur- und Kennenlerngeschichte habe und es da sehr interessant finde, wie man sich, als literarisch interessierte Person an einen Dichter annähern kann. Ich bin überzeugt, es sind die Zufälle, die es ausmachen, vor allem bei mir, da ich mich für ziemlich viel interessiere, ein Faible für Namen habe und oft ein Buch danach aussuche, ob ich den Verfasser kenne und manchmal irre ich mich auch dabei und verwechsle etwas.
Bei Ulrich Becher habe ich das, glaube ich, gar nicht so sehr gemacht, als ich Anfang der Neunzehnneunzigerjahre zwei Bücher in der zur freien Entnahme Kiste der städtischen Büchereifiliale Gumpendorferstraße fand, da habe ich den Namen Johannes R. Becher gekannt, weil wir einen seiner Gedichtbände doppelt zu Hause hatten und vielleicht auch sonst und dann etwas, was heute nicht mehr möglich wäre, ein Buch ohne biografische Kenntnisse angelesen und deshalb weggelegt, dabei hatte ich den Bockerer damals sowohl im Kino als auch im Volkstheater gesehen.
Inzwischen hat sich das unbekannte Dichterimage gewendet, die „Murmeljagd“ ist erschienen, ich habe „Kurz nach 4“ gelesen, das inzwischen wieder aufgelegt wurde und im Sommer, den noch nicht wiederaufgelegten „Nachtigallenzyklus“. Konstantin Kaiser hat mir den von der Kramer-Gesellschaft herausgegebenen Briefband geschickt. Christoph Haacker hatte in seiner Neuauflage „Kurz nach 4“ einen umfangreichen Biografieteil und die Alte Schmiede war, als ich sie nach sieben erreichte, auch sehr voll.
Heinz Lunzer, Nils Jensen und und und habe ich gesehen.
Konstantin Kaiser hat, obwohl er gar nicht im Programm stand, das Buch und Ulrich Becher vorgestellt.
Vorher gab es ein paar Einleitungsworte von Kurt Neumann und Martin Roda Becher, der 1944 in New York geborene Sohn hat, die Briefe vorgestellt und ein paar Worte dazu gesagt, die dann von Anja Becher, 1977 in Basel geboren, die wahrscheinlich die Tochter bzw. Enkeltochter ist, gelesen wurden.
Konstantin Kaiser zog in seiner Einleitung natürlich den Bogen von dem Brief des Kindes, das seinen Vater zur Kriegsanleihe riet, bis hin zu den letzten Briefen aus New York, wo Becher schon sehr links bzw. kommunistisch war.
Interessant immer wieder neue Details herauszuhören, obwohl ich die Briefe schon gelesen und besprochen habe, ein Argument doch zu Lesungen zu gehen, auch wenn man das Buch schon kennt, man erfährt immer wieder Neues und es wurde auch nur ein Streifzug geboten.
Der Brief aus der Schule, wo der Sohn dem Vater von seinen schwulen bzw. lesbischen Lehrern schreibt, sich keine Sorgen um sein Abitur macht, höchstens unsicher ist, ob seine Lehrerinnen mit seinem Literaturverständnis etwas anfangen können. Dann kam der satirische Geburtstagsbrief an den Vater, wo Uli kein Gedicht mehr schickte und dann der, wo die Hochzeit mit Dana Roda mit P.S. P.S angekündigt wurde.
Dann die wo das politische Geschehen in Graz geschildert und dem Vater von der Rückkehr nach Deutschland abgeraten wurde, da der Sohn seinen Vater nicht retten wollte, „denn du kennst ja mein aufbrausendes Temperament!“
Das wurde auch in der Einleitung erwähnt, daß Uli Becher sehr jähzornig war und einmal eine Hitler Büste aus einer Wohnung geschmissen hat.
Mit dem letzten Briefm der schon die Rückkehr in die Schweiz ankündigte, endete die Lesung. Ein paar Irrtümer hat Konstantin Kaiser auch erwähnt, so hielt Becher zuerst nicht viel von Picasso und irgendwo hat er, glaube ich, auch geschrieben, nicht mehr nach Europa bzw. Österreich und Deutschland zurückkehren zu wollen, was er dann tat, obwoh er in der Schweiz 1990 gestorben ist.
Konstantin Kaiser hatte in der Diskussion auch einige Bonmonts anzubieten, nämlich, daß Becher am 13. März 1938 Österreicher geworden wäre und als 1953 Stalin starb, traurig über den Tod des Väterchens war. Da waren die Bechers in einer Pension am Graben, in der sie sehr oft abgestiegen subd, erzählte Sohn Martin, der auch erwähnte, daß sich sein Vater sehr oft mit seinen Freunden über die Politik zerstritten hätte und er mit ihm als Kind oft herumreiste.
Christoph Haacker war da, wußte einiges zu erzählen und wurde von Martin Roda Becher als einer der Becher Experten gelobt, der mehr über ihn, als er selber wüßte. Er und Konstantin Kaiser und der Co Herausgeber Dieter Häner, neben dem ich gesessen bin.
Konstantin Kaiser erwähnte, dann noch eine Diskussion, die am Dienstag im Republikanischen Club mit Martin Roda Becker über den „Bockerer“ stattfinden wird und wies auf den Büchertisch hin, wo es das Buch verbilligt zu kaufen gab.

2013-02-11

Figuren

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:42

Jetzt gibts wieder ein bißchen Verwirrung mit dem Namen, beziehungsweise mit dem Titelschutz, habe ich ja „Figuren“, aus der edition ch, die experimentellen lyrischen Texte von GAV-Mitglied Manuela Kurt, schon 2011 gelesen und dann vor Weihnachten vor einem Jahr im „Wortschatz“ den gleichnamigen Erzählband der 1961 in Kapfenberg geborenen und in der Schweiz als Ärztin lebenden Melitta Breznik, die die Lebensgefährtin von Norbert Gstrein ist oder war, gefunden.
Acht durchaus realistische Geschichten, die viel vom Lebensalltag einer Ärztin und menschlichen Problemen in einer poetisch schönen Sprache erzählen.
So berichtet in der ersten „Das Haus“ genannten, die Ich-Erzählung von dem über ihr lebenden Hausbesitzer. Sie hört ihn in seiner Wohnung herumgehen, poltern, kotzen, stöhnen und erinnert sich an ihre Studententage, in dem sie in dem Haus wohnte. Jetzt ist sie zu Besuch gekommen, sieht, daß es ihm schlecht geht, Lebensmittel und ihre alten Eislaufschuhe herumliegen, denkt an die Einladungen zum Essen, die er gern und oft ausgesprochen hat, dann viele Gänge kochte, die Zutaten sorgfältig auswählte, einen guten Wein aussuchte und irritert war, wenn man schon früher kam und ihn bei seinen Vorbereitungen störte, er hat dann alles in sich hineingeschaufelt und nachher auf der Toilette alles wieder herausgebrochen und Liebeskummer mit jungen Mitbewohnern oder Taxifahrern hatte er offenbar auch.
In der zweiten, der Titelgeschichte, ist die Ich-Erzählerin eine junge Ärztin, die einem Patienten an die Infusionslösungen der Chemotherapie anschließen soll, er erzählt ihr von seinen Kriegserfahrungen und am Boden liegt ein geschnitzten Figürchen mit einem grinsenden Greisengesicht, er erzählt ihr, daß er es für seinen Neffen schnitzen wollte, darauf vergessen hat und die Figuren jetzt ins Spital mitgenommen hat und das erste Figürchen hat er aus dem Krieg und der Krankenbaracke von seinem Bettnachbar, der vom Operationssaal nicht mehr zurückgekommen ist. Sie traucht dann noch mit dem Patienten, obwohl sie sich auf einer Lungenabteilung befinden, auf dem Balkon eine Zigarette, als sie nach Stunden wieder in sein Zimmer kommt, ist seine Hand kalt und das Fürchen liegt vergessen auf dem Boden, sie hebt es auf und steckt es in ihre Manteltsche, bevor die Putzfrau mit dem Besen kommt.
In „Dein Name“ wird die Psychiaterin zu einer Frau gerufen, die sich die Pulsadern aufschneiden wollte und den gleichen Namen, wie eine Schulkollegin hat, mit der sie als Studentin in einer WG wohnte, während die Studentin bei „Hannes“ mit einem Freund in den Ferien auf einer Alm arbeitet, um fünf Uhr früh die Kühe im Wald zusammensucht, ein paar Mal in der Woche ins Dorf fährt um die Post zu holen und Süßigkeiten einzukaufen und dabei die Briefe des offensichtlich an Aids erkrankten und zum Skelett abgemagerten Hannes liest, im ersten will er sie noch besuchen, der zweite ist schon die Todesanzeige. Sie wird nicht zum Begräbnis gehen, aber jetzt endlich ihr Blut untersuchen lassen und in „Die Spinnen“ ist die Ich-Erzählerin eine Frau, die ihre Trennung von einem Büchermenschen nicht verkraftet hat. Jetzt geht sie tagelang nicht aus dem Haus, das ganz allein renovierte, weil er für so etwas zu unpraktisch war, zieht das blaue Kleid an, das er ihr eingeredet hat und sieht überall Spinnen, von denen sie vermutet, daß sie von den Schachteln alter Bücher am Dachboden kommen, so daß sie sie aus dem Fenster wirft mit Benzin übergießt und als dann die Ambulanz mit den weißgekleideten Männern erscheint, ist sie beruhigt und sieht ihn hinter ihnen stehen.
„Die Frau“ wechselt dann die Perspektive, fährt da doch ein älterer Professor nach Paris, wo er als junger Mann stationiert war und ein Verhältnis zu einer jungen Studentin hatte, die trifft er dann wieder, auf der Psychiatrie, in der Klinik seines Nachfolgers, sie wird als unheilbar Kranke, die Jahre auf der Station verbrachte und alle Behandlungsmethoden mit oder ohne Narkose ausprobieren mußte, den Studenten vorsgestellt und schreibt immer noch unleserliche Briefe an den Geliebten in Österreich, die das Klinikpersonal längst in den Mistkübel wirft, der Professor hat sie nämlich nicht wie versprochen geholt, sondern reich geheiratet und sich vom Vater seiner Frau zum Professor machen lassen, das Bild mit der Uniform trägt er aber immer noch bei sich.
In das „Herz“ geht es in die Perspektive eines Patienten am OP-Tisch, der am offenen Herzen operiert wird, bevor es wieder in die Ich-Perspektive der Ärtzin geht, die sich an „Elsa“ aus der WG erinnert, eine Verkäuferin, die zu den Studenten und Künstlern zog und sie nicht aushielt, so daß es zu einigen Selbstmordversuchen kam.
„Melitta Breznik erzählt mit stilistischer Bravour acht Geschichten von Frauen und Männern, die sich alle auf ihre höchst eigene Art gegen die Zumutungen der Welt zur Wehr setzen“, schreiben die Neue Zürcher Zeitung und die Welt am Buchrücken.
Ich würde sagen, daß mir diese eindrucksvollen Geschichten, die sehr poetisch von etwas erzählen, was man sonst vielleicht nicht so leicht zu hören und sehen bekommt, sehr gefallen haben und als ich den ersten Luitpold Stern Preis gewonnen habe, habe ich mir von dem Buchgutschein, den ich bekommen habe, Norbert Gstreins „Selbstportrait mit einer Toten“ ausgesucht, wo ein wehleidiger Schriftsteller seiner Frau einer Ärztin, sein ganzen Leid an diesem Literaturbetrieb, ich glaube eine Jelinek ähnliche Figur kommt auch daran vor, klagt, während die an ihre verstorbene Patienten denkt.

2013-02-10

Die Grenzen der Sprache

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:41

Weiter geht es mit dem literarischen Essay, diesmal mit einem der sicher erhältlich ist, ist Anna Migutschs „Die Grenzen der Sprache“ – „An den Rändern des Schweigens“, aus der Residenz-Reihe „Unruhe bewahren“ ja erst diese Woche erschienen und diese Reihe, entnehme ich dem Klappentext, „antwortet auf eine Gegenwartstendenz, die immer ungemütlicher wird. Dem Fortschritt der Moderne wohnt eine Verschleißunruhe inne, während die Vergangenheit zunehmend entwertet und die Zukunft ihrer Substanz beraubt wird“.
Da wäre wir wieder bei dem „Langsamer“, das ich ja auch nicht so unbedingt einhalte, bin ich ja eine eher Schnelle, die fast manisch voranhastet und auch so viele Bücher liest, daß sich JuSophie und die Blogger darüber wundern, aber Innehalten in Form eines Essybändchen kann ein guter Ruhepunkt sein und da gibt es nun das Anna Migutsch Buch mit drei Texten zur Sprache an der Grenze und den schweigenden Rändern. Peter Bierl hat in einem anderen Band die Frage „Wie wollen wir leben?“ beantwortet und „Die Kunst des Zwitschern“ von Helwig Brunner, Katrin Passig und Franz Schuh gibt es in der Reihe auch.
Die 1948 in Linz geborene Autorin, die dort bzw. in Amerika lebt, kenne ich, glaube ich, seit dem ich schreibe, bzw. mich mit Literatur beschäftige. Gab es da ja die große Trilogie „Die Züchtigung“, „Das andere Gesicht“, „Ausgrenzung“, wo sie sich unter anderem mit ihrem autistischen Sohn beschäftigte.
Vorstandsmitglied oder Vizepräsidentin der IG Autoren war oder ist sie auch und als Günther Nenning vor Jahren diesen „Österreichkoffer“ herausgeben wollte, war sie, glaube ich, bei denen, die aufgeschrieen habe, „Ich lasse mir meine Werke doch nicht stehlen!“
Der Koffer ist in anderer Form, ebenfalls bei Residenz unter Leitung von Robert Schindel et al erschienen und darin möglicherweise auch eines der frühen Migutsch-Bücher.
Das „Familienfest“ gab es einmal bei „Buchlandung“ um einen Euro, da wird die Autorin vielleicht auch aufschreien, ich freue mich aber über billige Bücher. Dann gibt es die Amerika-Aufenthalte, unterrichtet sie ja Germanistik und amerikanische Literatur an österreichischen und amerikanischen Universitäten und hat sich in „Zwei Leben und ein Tag“ auch mit Mobby Dick beschäftigt.
Deshalb das Interesse und die Beschäftigung mit der amerikanischen Literatur, in der ich mich nicht sehr gut auskenne und das kann man an der „Welt, die Rätsel bleibt“, dem ersten Text, auch gut merken.
Geht es da ja, um den Horizont, um die Weiten und die Grenzen und da ist Anna Migutsch gleich bei der großen amerikanischen Lyrikerin Emily Dickinson, 1830 – 1886, die ich nur vom Namen her kenne und beginnt ihre Gedichte zu zitieren.
Sie tut es zweisprachig, erst Englisch, dann Deutsch, bei den daranfolgenden Begründungen, verwendet sie aber nur mehr die englischen Titel und Zitate, womit ich mir ein bißchen schwer tat, da ich, obwohl ich ja um die Übersetzungsprobleme Bescheid weiß, mich gern an meine Muttersprache halte.
Es ist aber auch so ein guter Eindruck von der Dichterin zu bekommen, die über „den einsamen Gipfelgang“, dichtete und wie Migutsch schreibt, „weißgegkleidet durch ihr weitläufiges Elternhaus huschte, ihr Haus in den letzten Lebensjahren nicht mehr verließ und auch keine Besuche empfing oder sich ihnen nicht mehr zeigte“. Sie hat sich in ihren Gedichten, die zu Zeit ihres Lebens kaum veröffentlicht waren, sehr mit ihrem Tod beschäftigt, damit eine Grenze überschritten und, wie tut man das?
Wie kann der Dichter über den eigenen Tod erzählen oder seine Protagonisten diesen schildern lassen? Anna Migutsch führt ein bißchen in die Kunstgriffe der Literaten ein und verläßt dann kurz Amerika, geht zu Kaspar David Friedrichs „Mönch am Meer“, der zuerst in Seitenansicht gemalt wurde, dann aber indem er in „Rückenansicht gezeigt wird, den Blick auf die Unendlichkeit des Horizonts mit ihrem Sog ins Jenseitige oder auch in die absolute Leere zwingt.“
Der mir ebenfalls unbekannte amerikanische Lyriker Robert Frost schließt sich an der Wende des 20. Jahrhundert in seinem „neither out far nor in deep“ daran an und schreibt „Sie kehren dem Land den Rücken. sie schauen immer aufs Meer“ und wir haben sie wieder die Grenze und die Unendlichkeit, was eigentlich ein Widerspruch ist.
Melville wird in dem Essay natürlich auch zitiert, die „Sehnsucht nach dem Verborgenen und die religiöse Erwartung der Erlösung, der Utopie und dem Prinzip Hoffnung“ und enden tut es mit dem Fortschritt, dem diese Reihe Grenzen zeigen soll.
Dann gehts in den „Weltinnenraum“ und weiter auf die Suche nach dem Horizont, nämlich zu Ludwig Wittgenstein, der sich ja in seinem „Tractatus“ ganz besonders mit dem Schweigen und dem Unaussprechlichen beschäftigt hat.
Anna Migutsch kann aber auch bei Rilkes „Duineser Eligen“, die „Sprache der Dichtung, als unzulängliches Instrument der Erkenntnis“ erkennen. Etwas, wo ich ihr zugegebener Weise nicht ganz folgen kann und mich lieber an der Schönheit der Worte berausche, als nach der christlichen Mystik im „Stundenbuch“ zu suchen, aber ich bin nicht religiös und auch eher literarisch als philosophisch interessiert, also weiter auf die Suche nach den Horizonten, wo Migutsch Borges „Bibliothek von Babel“ und natürlich Walter Benjamin zitiert.
„Sämtliche Bücher, wie verschieden sie auch sein mögen, bestehen aus denselben Elementen“, hat Luis Borges über die Bibliothek von Babel geschrieben und, daß „das Wort in der Dichtung nie ein bloßes Kommunikationsmittel ist“ habe ich mir auch schon gedacht, auch wenn ich üblicherweise vom psychologisch realistischen Schreiben ausgehe und da treffe ich im dritten Teil, dem „Abgrund“, Bekanntes, wenn auch nicht gleich, beschäftigt sich Anna Migutsch da zuerst mit Vladimir und Estragon und „Warten auf Godot“, sie nennt es „Waiting for“ und zitiert auf Englisch, was bei mir den schon beschriebenen Widerstand auslöste, in einem deutschsprachigen Buch keine englische Zitate lesen zu wollen, so daß ich weiter hastete und da sehr bald zu Paul Celan, mit dem ich mich vor kurzem ja auch beschäftigte und zur „Todesfuge“ kam.
„Bei Paul Celan entspringt das metaphorische Sprechen einer anderen Bewußtseinslage“, schreibt Anna Migutsch.
„Sein lyrisches Werk steht von Anfang an unter dem Vorzeichen der Vernichtung, die nicht nur die Wirklichkeit, sondern auch die Sprache bedroht“, da kann sich nun die Psychologin und die an den menschlichen Krisen und Traumen sehr interessierte wiederfinden, obwohl ich die „Todesfuge“ sicher ganz anders und nicht philosophisch interpretiere.
Man kann es aber auch so versuchen und über den Tellerrand hinüberschauen, muß es vielleicht, wenn man sich, wie ich, die Bücher dem bekannten Autorennamen nach und ohne weiter hinzusehen bestellt.
Da erlebt man Überraschungen, lernt mit Rilke zu philosophieren, erfährt ein bißchen was über Religion und Mystik und wird von Anna Migutsch immer wieder dazu aufgefordert, sich Gedanken über die Grenzen der Sprache und das Unaussprechliche zu machen, weil die Welt ja ein Rätsel ist und bleibt und ich mir die Shoah und andere Grausamkeiten des Lebens eigentlich weder mit der Philosophie noch mit der Psychologie wirklich erklären kann.

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