Literaturgefluester

2013-03-03

Schneewittchens süsse Rache

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:37

Jetzt kommt ein österreichischer Frauenroman, ein Chick Lit, das ein bißchen an Thomas Bernhard und an Evellyn Grill erinnert, hat ihn ja die 1956 in Salzburg geborene Lisa Witasek, die 1983 beim Bachmannpreis gelesen hat und mit Ephraim Kishon verheiratet war, geschrieben, gefunden habe ich ihn, glaube ich, im Schrank, als ich bei den Short Cuts im vorvorigen Jahr ein bißchen Schauen war.
Der Titel läßt Klischees vermuten und löst Assoziationen an das Märchen aus, dabei ist alles ein bißchen anderen, denn Lilith, die Urmutter, von ihrer Ma der Schnelle wegen nur Lil oder Breitmaulfrosch genannt, vergiftet ihre Mutter nicht und legt sie auch in keinen Sarg, bekommt am Ende aber doch die Pantoffeln von ihrem Seligen geschenkt und überlegt, ob sie der Ma nicht ein lebenslanges Wohnrecht geben soll, aber die ist in Amerika geblieben, während Lil, die schöne Dreiunddreißigjährige, die ewig überblieb und sich ewig nach ihren Vätern sehnte, von denen sie zu wenige hatte, mit ihrer Oma und der Mutter Maria Rosa Ackermann in der schönsten Villa der Stadt aufwuchs.
Die Mutter war offenbar ein bißchen mit Thomas Bernhard verwandt, so hat sie ihrer Lil oder Lililein immer vorgeredet, daß sie nichts kann, zu nichts taugt und zu nichts nützlich ist. Lil ist aber Sekretärin beim Immobilienmakler Möchter, das ist auch kein Guter, hat er doch eine häßliche Frau und viele süße Stimmchen, die ihn anhimmeln und anrufen, dabei will Lil nur mit ihm oder eigentlich auch nicht, denn sie träumt von ihren Vätern und den grauen Schläfen und hat schon mit dreiundzwanzig, jetzt ist sie zehn Jahre älter, die Ma, resche Pensionistin und die Oma hat das Haus der Tochter übergeben und ist in die Seniorenresidenz abgedampft, ihren old Man, ich glaube so an die Siebzig, in einem Konzert kennengelernt und ihn zehn Jahre vor ihrer Ma verborgen gehalten.
Aber jetzt naht Mas Geburtstag und da will die von ihrem Töchterlein immer ein Geschenk, nämlich eine Reise mit ihr machen und diesmal soll es ins Death Valley gehen. Töchterlein aber streikt und nimmt die Ma mit ins Konzert, was damit endet, daß Chef Möchter sie mit seiner Süßen dabei erwischt. Lil hat sich einen Tag krankgemeldet, um alles besser organisieren zu können, die Ma mit dem Old Man im Auto bleibt und Lil ihrem Chef am nächsten Tag einen Vortrag hält, wie man die Frauen erobert, worauf der ihrer Ma Blumen im Töpfchen schickt.
„Komplette Scheiße!“, würde jetzt Herr Möchter sagen und Lil leidet auch eine Weile vor sich hin, besucht die Oma im Altersheim, besorgt sich eine Abhörablage und erfährt, daß die Mutter, das Haus an Möchter verkaufte, Lil bekommt ein lebenslanges Wohnrecht in der Hausmeisterwohnung und mit dem Old Man nach Amerika abdampfen will.
Möchter hält ihr auch noch einen Vortrag, was man nicht machen soll, wenn man einen Mann haben will und verkündigt ihr seine Scheidung und am Flughafen beginnt der Old Man mit der Oma zu flirten und man denkt, „Originell und bei Lisa Witasek ist wirklich alles anders, wie es auch im Klappentext steht, wenn auch ein bißchen dick aufgetragen!“
Dann zerrt die Ma, den Man durch die Passkontrolle und Breitbandfröschen kündigt ihrem Chef am nächsten Tag und am Ende bekommt sie noch die Nachricht vom Tod des altes Mannes, er hat ihr sein Haus vererbt, das er nicht verkaufen wollte und schickt ihr seine Pantoffeln.
„Eine bittersüße Dreiecksgeschichte, die nur mit einem Rachefeldzug enden kann!“, steht weiter im Klappentext, der ist mir offenbar entgangen, die Klischee sind mir aufgefallen und auch die Widersprüche, mit denen Lisa Witasek zu spielen weiß, so sagt Old Man ständig „Schön wie Einstein und klug wie eine Blumen!“, zu allen seinen Frauen und auch die Lil widerspricht sich öfter.
Am Ende ist es anders wie erwartet, es ist eigentlich nichts geschehen, obwohl viel angedeutet wurde und nichts in Ordnung war, dick aufgetragen mit dem Österreicherbonus, wie wir es von Papa Bernhard und Evelin Grill lernten, würde ich so sagen und Ephraim Kishon spricht noch am Buchrückschlag „von dem feinen Humor, auf dem er fast eifersüchtig geworden wäre!“
Es ist das erste Buch von Lisa Witasek, es ist 2000, erschienen, das ich gelesen habe, gehört habe ich schon in den Achtziger-oder Neunzigerjahren von ihr, als ich Konrad Zobel einmal wegen einem Text im ORF angeschrieben hatte und er mich fragte, ob ich sie nicht zu einer meiner GAV Veranstaltungen einladen wolle, sie ist aber, glaube ich, PEN-Mitglied und lebt inzwischen in der Schweiz.

Kommentar verfassen »

Du hast noch keine Kommentare.

RSS feed for comments on this post. TrackBack URI

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

Erstelle eine kostenlose Website oder Blog – auf WordPress.com.

%d Bloggern gefällt das: