Literaturgefluester

2013-03-04

Noahs Fleischwaren

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:29

Von dem 1983 in Graz geborenen Karikarturisten, Oliver Ottitsch, dem Mann mit dem roten Lockenschopf, der spitzen Nase und der runden Brille ohne Mund, wie er sich selbst sieht, habe ich ja schon „Kopf hoch“ besprochen und bringe seit dem Vorjahr auch regelmäßig ein bißchen Karikatur in meinen literarischen Alltag. Der Holzbaumverlag und seine freundlichen Buchangeboten machen das möglich und das ist gut so, obwohl ich anfangs gar nicht dachte, daß das möglich ist, auch Zeichnungen zu besprechen, soll man doch nicht alles tierisch ernst nehmen und da sind wir schon beim Thema, bzw. beim neuen Buch des jungen Künstlers und „Noahs Fleischwaren- Cartoons zum Tier und Wir“
„Die Faszination des Menschen für seine tierischen Verwandten scheint ungebrochen, spiegelt sich in ihnen doch unsere Sehnsucht nach einer entkomplizierten Existenz, der Wunsch nach paradiesischer Naivität und schamloser Triebhaftigkeit. Denn auch Tiere sind oft nur schlechte Menschen“, steht in der gescheiten Buchbeschreibung am Buchrücken, was, obwohl nicht alle Cartoons sofort verständlich und einsichtig sind, gar nicht nötig wäre, denn das Titelbild hat es schon in sich!
„Noahs Fleischwaren“, was ist in Zeiten des Pferdefleischskandals, der natürlich ganz passend, wenn auch bestimmt nur zufällig, parallel daherkommt, darunter zu verstehen?
Natürlich die Arche auf der einen Seite, da gibt einen kleinen Eingang mit einer Auffahrtsstiege, wo sich brav die Tierchen paarweise anstellen, um am Noah wahrscheinlich mit weißen Bart und weißen Mantel mit seiner Liste vorbeizudefilieren und auf der anderen Seite, sehen wir einen Lastwagen auf dem „Noah“ steht und ein großer Schinken abgebildet ist, die Arbeiter führten schon die Pakete hinaus und laden ein.
„Böse, böse, böse!“, könnte man so sagen, aber wenn man Fleisch ißt, darf man sich über das Pferd in den Raviolis nicht sehr wundern, also machen wir einen Blick in das Buch und für die, für die mein Geschreibe zu unverständlich ist und die lieber gleich die Bilder sehen wollen, gibt es auch eine Ausstellung in der „Galerie der Komischen Künste, im Museumsquartier vom 1.3. bis 30. 4.
Also hingehen und ansehen, wem mein Blick durch Buch zu theoretisch ist.
„Hallo!“, sagt das das Schwein auf zwei Pfoten in sein rosa Telefon, die Schnurr führt zu seinem Schwänzchen und man sieht, bei Oliver Ottisch liegt das Menschliche und das Tierische sehr zusammen, so daß man gar nicht immer alles unterscheiden kann.
So fliegt der Storch mit dem Baby im Bündel über das Storchennest, wo schon drei hungrige Schnäbel auf die Beute warten, und die Frau die vom Einkaufen kommt, schnauzt den Elefanten, der auf der Parkbank sitzt auch an „Schämen Sie sich nicht, hier in aller Öffentlichkeit in der Nase zu bohren?“
Uje, uje, hat er doch seinen Rüssel in den Penis gesteckt und das darf man nicht, das ist nicht jugendfrei und wenn das Ferkelchen „Mami, Mami, ich hab mich verbrannt!“, zu Mama Schweinchen sagt und die darauf antwortet „zeig mal… hmm, das riecht ja köstlich!“, ist das auch politisch unkorrekt, aber damit haben wir es bei den tierischen Cartoons, wie uns Oliver Ottisch zeigt, ja überhaupt sehr schwer.
So gehen die Köche und Schweine mit den Messern und den Beilen aufeinander los, während es auf der anderen Seite „Ich hasse es in der Schlange zu stehen“ heißt.
„Ich empfehle einen künstlichen Darmausgang. Da ist das Sackerl fürs Gackerl direkt am Dackerl“, sagt der Mediziner zu der Frau mit Hündchen und ein anderer Arzt zur Mickey Mouse mit den großen Ohren „Nun es wird Sie vermutlich wenig überraschen, wer Ihr tatsächlicher Vater ist…“
„Sie müssen verstehen, daß auch ich eine Familie zu ernähren habe…“, bittet der Hai im Meer zum Gestrandeten im Rettungsring, während Söhnchen Hai seinen Eltern eröffnet „Übrigens, ich bin jetzt Vegetarier!“
Jägerlatein gibt es auch „Keine Sorge! Er hat bereits die Twitterung aufgenommen!“, sagt der eine Jäger zum anderen, während Hündchen in sein Handy tippt und und der Fisch hat mit dem Sushi auch seine Probleme, hat er sich ja sein Gegenüber „irgendwie im kleinen Schwarzen anders vorgestellt.“
Böse, böse, es bleibt aber dabei und geht wahrscheinlich in der menschlich-tierischen Begegnung, wo die einen die anderen zum Fressen gern haben, gar nicht anders und da ich heute auch im Radio hörte, daß die unter Vierzigjährigen eher Vergetarier sind, wird sich Oliver Ottisch schon seine Gedanken dazu gemacht haben.
Ein Hakenkreuz oder „Schwule Nazidelfine beim Gruppensex“ gibt es natürlich auch und ein Jüngling nimmt seinen Goldfisch zum Sonnenbaden an den Stand mit. Dann gibt es noch die „Biene Mao“ mit dem roten Stern an der Mütze und dem Gewehr. Ottisch kann auch politisch werden und wenn die Zebras ins Kino gehen, dann heißt das Bildchen „Zebrastreifen“, während im Menschenkino, die Giraffe das Popcorn serviert.
Köstlich, köstlich, könnte man sagen, amüsant und auch zum Überdenken, bevor man sich das nächste Schnitzel gibt, aber auch für den Bären kommt nach dem Winterschlaf das böse Erwachen, wenn er sich vor seine 698.473 ungelesenen E-Mails setzt. Man sieht die Technik ist natürlich auch ins Tierreich eingezogen und seit Noah die Menschen und die Tiere vor dem Weltuntergang rettete, hat sich viel verändert. Vieles ist gut, manches, wie die Lebensmittel- und andere Skandale zeigen, wahrscheinlich schlechter geworden.
Mit den „Cartoons zum Tier und Wir“, kann man ein bißchen darüber nachdenken, so kann ich Buch und Ausstellung wärmsten nur empfehlen und wer es dann lieber fleischlos will, für den hat der Holzbaumverlag wahrscheinlich immer noch seinen vegetarischen Lokalführer bereit.

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